Eduard Zeller

이윤진 2016. 6. 2. 23:54

 

Full text of "Die Philosophie der Griechen"

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PHILOSOPHIE DER GRIECHEN 



GESCHICHTLICHEN ENTWICKLUNG 



DARGESTELLT 



De. EDUABD ZELLER. 



ZWEITER TBEIL, 

ZWEITE ABTHEUUie. 

ARISTOTELES UND DIB ALTEN PEHIPATETIKER. 



ZWEITE AUFLAGE. 



TÜBINGEN, 

VEHLAfl UND DRUCK VON L. FR. FHES. 



I ' DiqilzedaV G00gk 




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Vorwort. 



Alle neueren Bearbeiter der griechischen Philosophie haben 
die Erfahrung gemacht, dass keines ihrer Systeme eine so umfang- 
reiche Behandlung erfordert, wie das aristotelische. Dieses System 
liegt uns nicht allein in der sorgfältigsten Ausführung vor, sondern 
es lassen sich auch bei ihm noch weniger, als bei jedem andern, 
die leitenden Gedanken von dem Besondern ihrer Anwendung auf 
den gegebenen Stoff trennen; denn sein eigentümlicher Geist und 
Charakter besteht gerade in dieser umfassenden wissenschaftlichen 
Betrachtung alles Wirklichen, und lässt sich nur an ihr vollständig 
zur Anschauung bringen. Auch bei der gegenwartigen Darstellung 
machte sieb diese Forderung geltend: um dem Leser ein treues 
und Tollständiges Bild der aristotelischen Lehre zu geben, glaubte 
ich sie in alle ihre Verzweigungen verfolgen und so genau als 
möglich in's Einzelne eingehen zu sollen. Ich benützte hiefür, wie 
sich von selbst versteht, neben den umfassenderen Werken, von 
denen statt aller andern nur Brandis' werthvolle Darstellung hier 
genannt sei, auch alle die Einzeluntersuchungen, welche der wie- 
dererwachte Eifer für aristotelische Studien in so erfreulicher An- 
zahl und Tüchtigkeit hervorgerufen hat. Habe icb aber in dieser 
Beziehung meinen Mitarbeitern auf diesem Gebiete für die vielfach- 
ste Förderung und Unterstützung zu danken, so fand ich auch 
andererseits in meinem Theil Anlass zu mancher weiteren Erör- 
terung, welche sich nicht immer so ganz kurz abthun liess. Da 
mir nun überdiess auch die peripatetische Schule wichtig genug 
schien, um eine vollständige Zusammenstellung alles dessen zu ver- 
suchen, was uns über sie und von ihr bekannt ist, so bat sich die 
Vollendung dieses Bandes länger verzögert, und sein Umfang ist 
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grösser geworden, als ich Anfangs gedacht hatte. Eine Folge da- 
von war es, dass mir noch während des Drucks einzelne Nachträge 
zn den früheren Abschnitten aufstiessen, welche ich theils in spä- 
teren, wenn sich hier eine Gelegenheit bot, theils am Schluss des 
Ganzen beigefügt habe. Im Uebrigen wird ein Blick anf das Werk 
selbst alle weiteren Vorbemerkungen aber das Verfahren, welches 
es einschlägt, und über das Verhältniss dieser neuen Auflage zu 
der ersten entbehrlich machen. 

Marburg, den 31. October 1861. 



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Inhaltsverzeichniss. 



Dritter Abschnitt. 

Aristoteles und dl« alten Perlpatetlker. 

1. Aristoteles' Leben 

Geburtsjahr, Familie, Knabenjahre — 2. Eintritt in die platoni- 
sche Schule, Verhältniss zu l'lato , wissenschaftliche Entwich- 
lang — 5. Ariat. in Atamens — 16; in Macedonien — 18. 
Rückkehr naoh Athen, LehrthBtigkeit, wissenschaftliche Arbei- 
ten — 23. Spannung mit Alexander — 28. Flucht aus Athen, 
Tod — 31, Charakter — 35. 

2. Aristoteles' Schriften 

Die Schriftrerzeichnisse; Hauptklassen von Schriften — 42. Ein- 
leitende, historisch-kritische, logische, rhetorische Schriften — 
47. Metaphysische — 56. Naturwissenschaftliche: allgemeine 
und Über die unorganische Natur — 57; über die lebenden 
Wesen — 64. Ethische und politische — 71. Zur Kunsttheorie 
und Kunstgeschichte — 75. Aecbtheit and Integrität der ari- 
stotelischen Werke — 79. Schicksal derselben — SO. Esote- 
rische und esoterische Schriften — 95. Reihenfolge nnd Abfas- 
sungszeit der ächten Schriften — 104. 

3. Standpunkt, Methode und Theile der aristotelischen Philosophie . 
Aristoteles und Plato — 108; ihre Uebereinstimmung — 109; ihr 

Gegensatz — 112. Methode: Dialektik — 115; Empirismus — 
117; logischer Formalismus — 120. Eintheilung: Tbeoretisohe, 
praktische, poetische Wissenschaft und ihre Theile — 122. Lo- 
gik, Metaphysik, Physik, Ethik, Kunstlehre — 123. 

4. Die Logik 

Aufgabe und Bedeutung der Logik — 130. Entstehung des Wis- 
sens', seine Quellen >— 133; seine Entwicklung — 138. Auf- 
gabe der Wissens chafts lehre — 141. 

Die allgemeinen Elemente des Denkens: der Begriff — 142: Zu- 
fälliges nnd Wesentliches, das Allgemeine, die Gattung, der 
Begriff — 142; Identität, Gegensatz, Arten der Entgegense- 
tzung — 151. Das Drtheil — 156; Bejahung und Verneinung 
— 157; Quantität und Modalität der Urtbeile — 159; Umkeh- 



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Inhaltsverzeichnis! 



rang dar Urtheile — 162. Der Bohluss — 162; ßcblnisägurcn 

— 164; syllogistisohe Technik — 166. 

Die Beweisführung: ihre Aufgabe und ihre Bedingungen — 166; 
ihre Grenzen, das unmittelbare Wissen — 170. Die Axiome, der 
Bstx des Widerspruch.! — 173. Die Induktion — 175. Der 
WahrsclieiDlicbkeitahetFeia and die Dialektik — 176. .Die Be- 
griffs b es ti mm ung — 179. Die Unter- und Ueberordnnng der 
Begriffe — 183. Die höchsten Gattungsbegriffe — 184. 

5. Die Metaphysik. A. Einleitende Unteren chttngen .... 

1. Die Kategorieen: die zehn Kategorieen, ihre Abzweoknng — 
186. Ob sie nach einem bestimmten Princtp abgeleitet sind? — 
189. Die einzelnen Kategorieen — 192. Bedeutarg der Eate- 
gorieen lehre — 196. 

2. Die erste Philosophie als Wissenschaft des Seienden: ihre Auf- 
gabe — 197; ihre Möglichkeit — 199. 

3. Die metaphysischen Grandfragen und ihre Behandlung bei den 
früheren Philosophen: die Hauptprobleme der damaligen Meta- 
physik, und ihre Darstellung bei Arist. — 202. Kritik der fro- 
heren Lösnngsversuche: die vorsokratischen Philosophen — 207. 
Sophisten, Sokrates, kleinere sokratische Schulen — 215. Plato: 
die Ideen — 216; die Ideen als Zahlen — 220; die Urgründe, 
das Eins und die Materie — 222. Beurtheilung dieser Kritik 
Plato'a — 225. 

6. Fortsetzung. B. Die metaphysische Hauptuntersuchung 

1. Daa Einzelne und das Allgemeine. Nur das Einzelwesen ist 
Substanz — 227. Schwierigkeiten dieser Bestimmung — 231. 

2. Die Form und der Stoff, das Wirkliche und das Mögliche. Ab- 
leitung des Gegensatzes von Form und Stoff — 234. NShere 
Bestimmung desselben: das Wirkliche nnd das Mögliche — 238. 
Bedeutung desselben bei Aristoteles — 243. Die dreifache Ur- 
sächlichkeit der Form — 246. Die Wirkungen der materialen 
Ursache: Leiden, Naturnotwendigkeit, Zufall — 249. Wesent- 
lichere Bedeutung des Stoffes — 25ö. Das Einzeldasein und die 
Snbstantialität in ihrem VerhaMtniss zu Form und Stoff — 257. 
Wechselbeziehung von Form und Stoff — 262. 

3. Die Bewegung und das erste Bewegende: die Bewegung — 265. 
Bewegendes nnd Bewegtes — 267. Ewigkeit der Bewegung — 
270. Das erste Bewegende: seine Noth wendigkeit — 271; sein 
Begriff — 274; seine Wirksamkeit auf die Welt — 279. 

7. Die Physik. A. Der Begriff der Natur und die allgemeinen Gründe 
des natürlichen Daseins . . . . . . ... 

Die Natur als Grund der Bewegung — 286. Arten der Bewegung 

— 290. Die räumliche Bewegung und ihre Bedingungen: das 
Unbegrenzte — 294; Baum und Zeit — 298; weitere Untersu- 
chungen Ober die räumliche Bewegung — 303. — Die qasJi- 



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Inhaltsverzeichnis«. VII 

MI* 

tative Veränderung. Widersprach gegen die mechanische Phy- 
sik — 306; der qualitative Unterschied der Stoffe — SOS; die 
Staffverwandlung — 314; die Mischung — 319. — Die Zweck- 
thatigkeit der Natur — 321; Widerstand der Materie — 320; 
ßtnfenreihe des natürlichen Daseins — S26. 

8. Fortsetzung. B. Das Weltgehiiu.de und die Elemente . . .929 
Die irdische und die himmlische Welt, der Aethor und die Ele- 
mente — 329. Die vier Elemente — 382. Einheit der Welt 

— 340. Gestalt der Welt — 341. 

DasWeltgeljäude. Sphären theoric — 344. ZnhWer Sphären, rück- 
läufige Sphären — 352. Der Fixstern himmol — 355. Die Pla- 
nste neph Urea — 357. Diesseits nnd Jenseits — 358. 

Die elementarische Kegion, der Wechsel von Entstehen nnd Ver- 
gehen — 359. Meteorologie — 363. 

9. Fortsetzung. C. Die lebenden Wesen 370 

1. Die Seele nnd das Leben: die Seele — 370; ihr Verh<nüs 
Bnm Körper — 372. Der Leib als organisches Ganzes, die 
Zweckbeziehung der organischen Natur — 377. Stufen des See- 
lenlebens — 385; stetige Entwicklung des Organischen, das 
Gesetz der Analogie — 338. Andeutungen des Lebens in der 
unorganischen Natur — 393. 

2. Die Pflanzen — 394. 

3. Die Thiere — 398. Ihr Leib: die gl ei eh th eiligen Stoffe — 399. 
Die Organe und ihre Verrichtungen — 401. Entstehung der 
Thiere, Geschlechts unterschied — 408. Die sinnliche Wahr- 
nehmung — 416; die fünf Sinne — 418; der Gemeinsinn — 420. 
Einbildung und Gedäehtniss — 421. Lust, Unlust, Begierde 

— 422. Schlaf und Wachen, Traum — 423. Tod — 424. — 
Werthnnt erschiede unter den Thieren — 425. Eintheilnng der 
Thierwelt — 431. 

10. Fortsetzung. Der Mensch 485 

Sein Leib — 435. Seine Seele: die Vernunft — 437. Tbatige und 

' leidende Vernunft — 439. Unmittelbare und vermittelte, reine 
und gemischte Verona fttbatigkeit — 442. Begehren und Wollen 

— 4*6; die praktische Vernunft nnd der vernünftige Wille — 
44B; Willensfreiheit, Freiwilligkeit, Vorsatz — 451. — Die 
Frage über die Einheit des Seelenlebens — 454: tlio Entstehung 
der Seele — 456; das Znsammensein ihrer Theile — 457; die 
Fortdauer nach dem Tode — 462; die Persönlichkeit — 467. 

11. Die praktische Philosophie. A. Die Ethik 468 

1. Das Ziel der menschlichen Thatigkeit, die Glückseligkeit — 
470. Ihre wesentlichen Bestandteile — 471; die äusseren Gü- 
ter — «76; die Lust — 477. WerthverhSltniss derselben — 478. 

2. Die ethische Tugend. Die Tugend als Willens!) es ch Offenheit — 
482; im Unterschied von den natürlichen Trieben (— 484) und 



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Inhal tsvorz eich niss. 



der Einsicht {— 486). Entstehung der Tagend — 4B8. Der Inhalt 
de« tugendhaften Wolle™, die richtige Mitte — 489. — Die Ta- 
genden — 491. Tapferkeit, Selbstbeherrschung u. s.w. — 492. Ge- 
rechtigkeit — 495; austheilende und ausgleichende — 496; voll- 
kommenes und Hn vollkommenes , natürliches und gesetzliches 
Recht o. s. w. — 499. Die dianoStiseben Tugenden, die Einsicht 
— 602. Das richtige Terhslten zu den Affekten — 508. 
8. Die Freundschaft. Ihre ethische Bedeutung — 511. Dir Begriff 
und ihre Arten — 512. Weitere Erörterungen — 51G. 

12. Fortsetzung. B. Die Politik 

Die aristotelische Politik — 520. 

1. Noth wendigkeit, Begriff und Aufgabe des Staats. — Der Staat 
in seiner sittlichen Bedeutung — 520. Sein Zweck — 526. 

2. Das Hauswesen als Bestandteil des Staates — 534. Mann und 
Weib — 534. Eltern und Kinder — 535. Herr nnd Knecht — 
536. Ueber Erwerb und Besitz — 539. Gegen Weiber- Kinder- 
und Gütergemeinschaft — 542. 

3. Der Staat und die Staatsbürger: ihr Begriff — 546; die Unter- 
schiede unter den Bürgern — 547; ihre Bedeutung für die 
Verfassung — 549. 

4. Die Staatsverfassungen — 551. Haupt Verfassung» formen — 554. 
Werth nnd Berechtigung derselben 559. Das Königthum, Mon- 
archie nnd Republik — 663. 

6. Der beste Staat Natürliche Bedingungen desselben — 570. 
Volkswirtschaftliche Einrichtungen — 572. Bildung der Bür- 
ger, Erzeugung, Erziehung — 573; die Musik — 577. Dieser 
Theil der Politik unvollendet: die Verstau des Bildung, die Strafe 
u. A. — 579. Die Verfassung — 582. 

6. Die unvollkommenen Staaten — 583. Demokratie — 584. Olig- 
archie — 686. Aristokratie nnd Politie — 587. Tyrannis — 
690. Die politischen Gewalten nnd ihre Vertbeilnng, die Ver- 
fassungsänderungen u. b. w. — 591. 

13. Die Rhetorik .' 

Aufgabe der Rhetorik — 595. Die Beweismittel — 698: die Be- 
weisführung — 599; die Bedegattnngen in ihrer Bedeutung für 
die Beweisführung — 600; die übrigen Beweismittel — 602. 
Ausdruck und Anordnung — 603. 

14. Die Kunsttheorie 

Das Schöne — 605. Die Kunst als Nachahmung — 606. Wir- 
kung der Kunst, Katharsis — 609. Die Künste — 617. Die 
tragische Poesie — 618. 

16. Du VerhBItniss der aristotelischen Philosophie zur Religion. 

Religiöser Standpunkt des Aristoteles — 622. Philosophischer 
Monotheismus — 624. Bedeutung nnd Ursprang der Volksreli- 
gion — 626. 



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IE. ROekMick auf du aristotelische System 631 

Sein Standpunkt — 631. Seine Entwicklung — 633. Seine Lücken 
und Widersprüche — 63S. Die Richtung der peripatetischen 
Schale — 639. 

IT. Die puripatetische Schule. Theopurast . . . .610 

Sein Leben — 640. Schrillen — 644. — Wiiaenichiftliclier Stand- 
punkt — 646. Logik — 648. — Metaphysik: Aporieen — 664. 
Positives, Theologie — 658. — Physik: allgemeine und an- 
organische Physik — 661. Päanxenlehre — 668; Natu der 
Pflanze — 669; Theile — 670; Entstehung — 671; Eintei- 
lung — 674. Zoologisches — 674. Anthropologie: die Seele 
bewegt — 676; die Vernunft, thatige nnd leidende Vernunft 

— 677; höhere and niedere Seelentheile — 680; die Sinne — 
681; Willensfreiheit — 683. — Ethik — 68S; die Glückselig- 
keit — 685; sonstige Bestimmungen — 689. Politik — 694. 
Religionslos ich t — 695. Rhetorik und Kunsttheorie 696. 

IB. Fortsetzung-. Eudemus, Aristoxenus, DicSarcbus und Andere . 69S 

EudemiiH — 69S. Logik; Physik — 699. Metaphysik — 703. Ethik: 

die Tagend als Qabe der Gottheit — 704; Gottes erkenn tniss 

— 706; Rechts chaffenheit — 707 ; sonstige Eigentümlichkeiten 
der endemischen Ethik — 710. 

Aristoxenus — 711, Seine Sittenlehre — 713. Theorie der Matik 

— 714. Seelenlehre — 717. 

Dic&arcbus: seine Anthropologie — 718; das theoretische und 

das praktische Lehen — 720; Politik — 721.' 
Phauias, Klearchus n. s. w. — 722. 

19. Thsophrast's Schale; Strato 725 

Theophrastiscbe Schüler, Demetrius Pbaleres u. A. — 725. Strato 

— 728. Logik und ontotogie — 731. Die Natur und die Gott- 
heit — 732. Physikalische Prinoipieu, Warme und Kalte — 733. 
Die Schwere, das Leere, die Zeit, die Bewegung — 735. Kos- 
mologie und Meteorologie — 739. Anthropologie — 741. 

10. Die peripate tische Schule nach Strato, bis gegen das Ende des 

■weiten Jahrhunderts 747 

Lyko — 748. Hieronymus — 749. Aristo 750. Kritolaos — 752. 

Phormio, 8otion,n. A. — 755. Diodor u. Ä. — 758. . 
Die pseado aristotelische Literatur. Logische, metaphysische, phy- 
sische Schriften — 760. Die grosse Moral — 766. Oekonomik, 
Rhetorik an Alex. — 768. Schluss — 769. 



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Druckfehler. 

5 Zeile 13 ist hinter „damals" mindestens beizufügen. 

5 — 12 Ton unten statt: leicht lies vielleicht. 

5 — 6 von unten statt: 118 lies 115. 

8 — 15 ist hinter „aufgeführte" das Fnnktnm zu streichen. 

5 — 10 von unten statt: 37, 1 lies 39, 1. 

4 — 11 statt Stelle lies: Stellen. 

8 — 1 von nnten statt: reWasij lies xivijaet;. 

9 — ?und 17 statt: 3) lies 1). 
9—11 statt: 1 lies 10. 

1 — 14 ist „wirklich" zu streichen. 

— 8 von unten statt:. 42, 1 lies 44, 1. 

* — 7 von nnten statt: [j.aflj|(j.aTijrijC IieH u,aQt]|t4Tlit?jc 

'i — 9 von nuten statt de» zweiten: Politik lies Poetik. 

2 — 7 von unten statt: 36, b, 15 ff. lies 36, b, 35 ff. 
0—10 von unten statt: zweiten lies dritten. 

7 — 3 ist hinter „würde" beizufügen 1), 
9—2 statt: demselben lies denselben, 
muten statt: 1S4 lies 124. 
hinter „Baumes" beizufügen 3). 
.9 statt: denjenigen lies demjenigen. 
4 ist statt 3) zu setzen 1) und Z. 22 1) zu streichen. 

8 von unten ist hinter Sehnen beizufügen: und Nar> 
6 von unten ist hinter „1 335" beizufügen: 1552 f. 
2 von nnten statt: c. 10 lies I, 10. 
4 statt: 491, 3 lies 491, 1. 

9 statt: Bd. VI lies B. VI. 

statt: und lies unt 



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Zweite Periode. 

Dritter Abschnitt. 

Aristoteles und die alten Peripatetiker. 



1. Aristoteles' Leben. 

Zwischen den drei grossen Philosophen unserer Periode findet 
schon in den äusseren Umständen ihres Lebens ein Verhältnis» statt, 
welches mit dem Charakter und dem Umfang ihrer Leistungen in 
gewisser Beziehung gleichen Schritt halt. Wie sich die attische 
Philosophie anfangs ganz in das Innere des Menschen vertieft, um 
sich sodann von diesem Kern aus in zunehmendem Haasse aber die 
gesammte Wirklichkeit auszubreiten, so erscheint auch das Leben 
ihrer hauptsächlichsten Vertreter zuerst in der engsten Örtlichen 
Beschränktheit, welche es in der Folge mehr und mehr abstreift. 
Sokrates ist nicht blos ein Bürger Athens, sondern er empfindet 
auch gar kein Bedürfniss, über den Umkreis seiner Vaterstadt hinaus- 
zugehen. Plato ist gleichfalls Athener, aber sein Wissenstrieb führt 
ihn in die Ferne, und mannigfach eingreifende persönliche Verbin- 
dungen erhalten ihn fortwährend mit auswärtigen Städten im Zusam- 
menhang. Aristoteles hat zwar seine wissenschaftliche Ausbildung 
und seinen eigentlichen Wirkungskreis Athen zu verdanken, durch 
Geburt und Abstammung jedoch gehört er einem andern Theil Grie- 
chenlands an, seine erste Jugend und einen beträchtlichen Abschnitt 
seines männlichen Alters hat er ausserhalb Athens, meist in dem 
neuaufstrebenden macedoniscb.cn Reiche, zugebracht, und in Athen 
selbst lebte er als Fremder, in das athenische Staatswesen nicht 
verflöchte«, und durch keine persönlichen Verhältnisse gehindert, 
neiaex Philosophie jage rein theoretische, allen Gegenständen des 



2 Aristoteles. 

Wissens gleichmassig zugewandte Haltung zu geben, welche sie 
auszeichnet '). 

Die Geburt unseres Philosophen fällt nach der wahrschein- 
lichsten Berechnung in das erste Jahr der 99. Olympiade*), 384 
v. Chr. *). Seine Vaterstadt Stagira lag in der thracischen Land- 

1) Die alten Lebensbeschreibungen des Aristoteles, welche wir noch be- 
sitzen, von Bohle Arist. Opp. I, 1 — 79 zusammengestellt, sind folgende: 
1) Diogenes V, 1 — 35, weitaus der reichhaltigste Zeuge. 2) Dioars von Ha- 
likarnsss epist. ad Ammsenm I, 5. S. 727 f. 3) Der Anonymus des HtNAeios 
vita Arist. 4} (Pseudo-) Amhosius vita Aristotelis, wie es scheint ein Auszug 
aus einer etwas ausführlicheren, nur noch in einer mittelalterlichen Ueber- 
Rctzung erhaltenen Biographie (Amnion, Ist.), deren Verfasser Rote De Arist. 
libr. ordine 243 ff. in Olympiodor vermuthet. 5) Hbstchius von Milct und 
6) SiujiAs u. d. W. Nr. 3. 4 finden sieb auch in Westebsubhb Anhang zum 
CuBKT'schen Diogenes und desselben Vitarum Scriptorea S. 397 ff. Unter den 
Neueren vgl. m. Buhle a. a. 0. S. 80 — 104, namentlich aber Staub Aristo- 
telia I, 1 — 188. Der Letztere nennt auch 8. 5 ff. die verlorenen Werke von 
Heraiippus, Timotheus, Demetrius Magnes, Aristippus (bei welchem Staub 
noch irrigerweise an den Stifter der cyrenaiachen Schale dachte), Apollo- 
dorns, Etunelns, Farorinus, Theokrit von Chioi, Aristoxenns, Apellikon, 
Hotion, Aristokle», DamasciuB, welche, meist in umfassenderem Zusammen- 
hang, über unseren Gegenstand gehandelt hatten. Roses Behauptung (a. a. O. 
115 f.), data alle diese Schriftsteller ihre Nachrichten nur unterschobenen 
Briefen und willkührlicher Combination verdanken, dass wir von A.a Leben 
so gut wie nichts wissen, müsste erst bewiesen werden, ehe man sie wider- 
legen kannte. 

9) So Avollüdqr bei Dioq. 9 wohl auf Grund der Naohrißht (ebd. 10. 
Dicirs, Avhov. Amman. Ist), welche wir für die sicherste Zeitbestimmung 
im Leben des Arist. halten dürfen, dass er unter dem Archon Philokles (Ol. 
114, 3) etwa G3jHhrig (hüv TpiSv nou *al Igifcovra, bestimmter Dionys: Tpia 
5tfö; Tolf ÜJjjxovti pinW; eii;) gestorben sei. Ebenso Diohts, welcher nur 
darin irrt, dass er («. a. 0. and ebd. o, 4) Demostfaenes drei Jahre Jünger, als 
Arist., nennt, wahrend er vielmehr in dem gleichen Jahre mit ihm, oder höch- 
itens ein Jahr früher (Ol. 99, 1 Anfang, oder 98, 4 Ende) geboren ist (s. Stihb. 
1, 30 f.). Damit stimmt Qbi.i.ics' Angabe (N. A. XVII, 21, 26), dass Arist. im 
7 ten Jahr nach der Befreiung Roms von den Galliern geboren sei, ziemlich 
überein, da jene» Ereigniss in's Jahr Roma 364, 890 v. Chr., gesetzt wird. 
Die Aussage des Eübelub b. Dioq. 6, daaa Arist. 70 Jahre alt geworden sei, 
and mithin schon 89'/j t. Chr. geboren sein müsste, kann bei dem Gawiebt 
und Jer Einstimmigkeit der übrigen Zeugen, und bei der Unglaub Würdigkeit 
der weiteren Behauptungen, welche dort aus Emelus angeführt werden, nicht 
in Betracht kommen. 

3) Dass er in der ersten Hälfte der Olympiade, also noch 384 v. Chr. ge- 
boren ist, folgt aas den Angaben Hfeer sein Todesjahr (§. n.), mad würdsaic* 



Knabenj »kr«. 3 

schaft Chakädice 1 }» welche damals ein durchaus griechisches Land, 
von blühenden Städten bedeckt, und daher ohne Zweifel auch in 
vollen Besitz griechischer Bildung war. Sein Vater Nikomachus 
vir Leibarzt und Freund des macedonischen Königs Amyntas s ); 
und die Vermnthung liegt nahe, dass die ärztliche Kunst des Vaters, 
welche ein altes Erbtheil seines Geschlechts war, auf die Geistes- 
richtung und den Bildungsgang des Sohnes wesentlich eingewirkt, 
dass auch seine Verbindung mit dem macedonischen Hofe zu der 
spateren Berufung des Philosophen an denselben den Anstoss ge- 
geben habe. Indessen ist uns über keinen von beiden Punktes 
etwas überliefert. Lägst sich auch annehmen , dass durch Nikoma- 
chus dessen Familie mit in die Nähe des Königs gexogen wurde '}> 

ineJi ans denen über Beinen athenischen Aufenthalt (a. tt. S, 6, 3) ergeben, 
wenn sie streng zu nehmen wären. Denn wenn er 1 7jdhcig nach Athen kam und 
20 Jahr« lang mit Plato zusammen war, so müeste er bei Plato'a Tod 37 Jahre 
alt gewesen sein, und wollen wir statt dessen auch nur S6*/g J. setien, und 
Plito'a Tod bis in die Mitte des Jahrs 347 v. Chr. heranrücken, so kirnen wir 
immer noch iu die zweite Hälfte des Jahrs 384 v. Chr. Indessen ist es auch 
möglich , dass der Aufenthalt in Athen nicht volle 20 Jahre gedauert hat. 

1) So genannt , weil die meisten jener Städte Kolonieen des euböischen 
Chalcis waren; Btagira selbst war ursprünglich von Annras ans bevölkert, 
bat aber vielleicht (nach Dionts. a, a. 0.) spSter gleich falle aus Chalcis einen 
Nachschub von Pflanzern erhalten. 348 v. Chr. wurde ea mit 31 andern 
Städten jener Gegend von Philipp zerstört, später (s. u.) auf Aristoteles' Ver- 
wendung wieder aufgebaut. M. s. hierüber, sowie Aber die Form des Namens 
[EtAfetpos oder — a als neatr. plur.) Staub 23 f. Ob A.s väterliches Haus, 
dessen sein Testament b. Dioo. 14 erwtthnt, von der Zerstörung verschont 
blieb, oder wiederhergestellt wurde, wissen wir nicht. 

3) Dmo. 1 nach Hbkhifpds. Diohvs. Ahmoh. Sdid. Die Familie des Ni- 
komachus leitete sich nach diesen Zeugen, wie so viele ärstliahe Familien, 
von Auklepios her, und Tzete. Chil. X, 727. XII, G3S giebt kein Recht, diese 
i» bezweifeln, wogegen Akiuov. die Angabe wohl mit Unrecht auf A.s 
Mutter, PhSstis, ausdehnt; nach Dioo. «rar diese ans Stagira gebürtig, und 
nach Diobvs. stammte sie von einem der Kolonisten aus Chalcis. Damit 
konnte zusammenhangen, dass im Testament b. Dioa. 14 ein Garten und 
Landhang in Chalcis vorkommt. Dass Nikomachus 6 Bücher 'Icrtputa und 1 fi. 
♦uou« geschrieben habe, sagt Suis. NuiSja.. nach unserem Text nicht (wie 
Buhle 8. 83. Stahh 9. S4 angeben) vom Vater des Philosophen, sondern von 
dessen gleichnamigem Ahnherrn, allerdings geht aber die Angabe ursprüng- 
lich wohl anf jenen. Einen Bruder und eine Schwester des Arial, nennt Anon. 
Heuag. 

3) Denn Dioa. 1 sagt, «pch Hkuuppc», ausdrücklich : euwßiu [Nixfr- 



, Google 



4 Aristoteles. 

so wissen wir doch nicht, wie alt Aristoles in jener Zeit war, wie 
lange dieses Verhaltniss gedauert, nnd welche persönlichen Be- 
ziehungen es für ihn herbeigeführt hat. Ebensowenig ist uns Über 
die erste Entwicklung seines Geistes, über die Umstünde, unter 
denen sie vor sich gieng, und den Unterricht, welchen er erhielt, 
etwas Näheres bekannt. Das Einzige, was aus diesem Abschnitt 
seines Lebens berichtet wird, besteht in der Angabe des bischen 
Ammonius *) , nach dem Tode seiner beiden Eltern *) habe ein ge- 
wisser Proxenus aus Atarneus *) seine Erziehung übernommen, 
dessen Sohn Nikanor der dankbare Zögling in der Folge den glei- 
chen Dienst geleistet, ihn an Kindesstatt angenommen und ihm seine 
Tochter zur Frau gegeben habe. Ist aber auch diese Nachricht, 
trotz der Unzuverlässigkeit des Zeugen 4 ), wie es scheint, rich- 
tig *)i so verschafft sie uns doch über das, woran uns am Meisten 



!±«Xo?] 'A^i'jvtt :iä MauSJviov ßaaiXfi iiipoü xsi fO,av jjulit. Er muss ilso sei- 
nen bleibenden Aufenthalt in Pell*, genommen, nnd wird dura die Seinigen 
Dient in Stagira zurück gel aasen haben. , 

1) S. 43 f. B. 8. 10 W. 

2) Von diesen gedenkt er selbst im Testament (Dioa. 16) feiner Matter, 
indem er eine Bildsäule derselben als Weihgeschenk aufzustellen verordnet. 
Eines Bildes von ihr, das er von Frotogenes malen Uran, erwähnt Plir. H. nat. 
XXXV, 10, 106. Daas der Vater im Testament rieht genannt wird, kann so 
viele natürliche Gründe haben, dass nichts Auffallendes daran ist. 

3) Wie es scheint, ein Verwandter des Arist., der nach fitagira ausge- 
wandert war, denn sein Sohn Nikanor heisst bei Seit. Math. I, 258 Srnr«- 

piT5]( Und olxitof 'ApWTorfXoUf. 

4) Denn welchen Glauben verdient ein Schriftsteller, der unter Anderem 
erzahlt iß. 44. 50. 48), Arist. sei drei Jahre lang Schüler des Sokrates gewe- 
sen , nnd spater habe er Alexander bis nach Indien begleitet? 

6) Aristoteles bestimmt nBmlicb in seinem Testament (Dioo. 12 ff.), Nika- 
nor solle seine Tochter, wenn sie herangewachsen sei, zur Frau erhalten; er 
fibertragt ihm, für sie nnd ihren Bruder sn sorgen, o>; *«\ xn-ri]p &v xoet ä8«X<p6t; 
er verordnet, dass die von ihm selbst schon beabsichtigten Bilder von Nikanor, 
Proxenus nnd Nikanor's Mutter angefertigt, nnd wenn Nikanor glücklich 
durchkomme, das von ihm gelobte Weihgesehenk in Stagira aufgestellt werde. 
Diese Anordnungen beweisen, dass Nikanor von Arist. an Kiudestatt ange- 
nommen war, nnd dass A. gegen dessen Mutter sowie gegen Proxenus beson- 
dere Verpflichtungen hatte, welche, wie es scheint, denen gegen seine eigene 
Mutter, deren Bild gleichfalls bestellt wird, ähnlich waren. Da sich nun 
unter Voraussetzung des von Paeudo- Ammonius berichteten Sachverhalts 
Alles aufs Beste erklärt, so empfehlen sich dessen Angaben in hohem Grade. 
Dass Nikomachus nicht mehr am Leben war, als A. an Plato kam, sagt auch 



Erster Aufenthalt in Athen. 5 

liegen musste, die Bildungsgesdiichte des Philosophen, keine wei- 
tere Anfklärung •> 

Erst mit seinem Eintritt in die platonische Schale *) gewinnen 
wir hiefür einen festeren Boden. In seinem achtzehnten Lebens- 
jahre kam Aristoteles nach Athen 3 ), und trat sofort in den plato- 
nischen Schülerkreis ein 4 ), dem er bis zum Tode des Heisters, 

Diorybius. Nun konnte es freilich scheinen, da Aristoteles C3jnhrig starb, so 
hätte der Sohn seiner Pflegeeltern für seine damals noch unerwachsene Tochter 
zu alt sein müssen. Diess ist jedoch nicht nothwendig. Wenn Arial, heim 
Tod seines Vaters schon in den Knabenjahren stand und Proxenns damals 
noch ein jüngerer Mann war, konnte dieser leicht einen Sohn hinterlassen, 
welcher 20 — 25 Jahre jünger, als Aristoteles, und noch um 5 — 10 Jahre 
jünger, als der damals 47jBhrige Theophrast war, dem Pythias für den Fall, 
dass Nikanor vor der Zeit sterben würde, zur Gattin bestimmt wird (Dioa. 
13). — Vielleicht ist unser Nikanor jener Btagirite Nikanor, welchen Alexander 
ron Asien ans nach Griechenland sandte, am bei den olympischen Spielen 
i. J. 334 v. Ch. seinen Erlass über die Rückkehr der Verbannten zu verkün- 
digen (Dikuch »<tv. Demostb. 81 f. 103. Diodor. XVill, 8), und das Gelübde 
seines Adoptivvaters bezieht sieb auf eine Heise an das Hoflager des Königs, 
dem er über den Erfolg seiner Sendnng berichtet und der ihn in seinen Diensten 
larüekbehalten hatte. Vgl. S. 4, 3. 

1) Erfahren wir doch weder über das Alter, in welchem Aristoteles in 
Proxenns kam, noch über den Ort, an welchem er von diesem erzogen wurde 
(denn dass diess Atarneus war, ist zwar möglich, aber kaum wahrscheinlich, 
und keinenfalls erweislich), noch Über die Art seiner Erziehung das Geringste. 

3) Zn dem ihn nach Ahhosiub' unwahrscheinlicher Angabe ein Befehl des 
delphischen Orakels bestimmt hatte. 

3) AroLLoiioa b. Dioo. 9: jcapotpoXelv Sc IlXatitm, x«i Suxrpiijic! itap' aüriij 
eIxooev e*Tn, Sjrri xal 3«o sröiv nnoTovro. Auf dieses Zengniss scheint sich so- 
wohl die Aussage des Diomyb (ep. ad Amm. I, 6. 8. 728) zu gründen, dass sr 
in seinem 18ten Jahr, als die des Dioqkbes 6, dass er EjrtanaiSn^njf , and des 
Ahmoricb, dass er EJtxaaalBtKairSy vsvijuvos nach Athen gekommen sei; ebenso 
die Berechnung des Diomtsiüb, welcher diese Ankunft anter den Archon Poly- 
seme (37/6 t. Chr. Ol. 108, 2) setzt, wogegen die Angabe (Amnion. Ist.), er 
sei anter dem Archon Nausigenes (Ol. 103, 1) dorthin gekommen, statt des 
vollendeten das laufende 17te Lebensjahr zum Ausgangspunkt nimmt. Kubbb 
im Cbronikon weiss zwar, dass er 1 7 jährig nacb Athen kam, vsrlegt aber 
dieses Ereignis* irrig in Ol. 104, 1. lieber die Behauptung des Eukelos-' 
b. Dioa. 6, dass er erst in seinem SOsten Jahr zu Plato gekommen sei , s. m. 
btad«, S. 41 u. oben 2, 2. 

4) Plato selbst war vielleicht damals anf seiner zweiten sicilisoben Reise 
abwesend (s. erste Abtb. 8. 309, 8), und möglich, dass (wie Staub 8. 43 
vermuthet) aus einer missverstandenen Erwähnung dieses Umstands die vorhin 
berührte Angabe (Akmom. o. sein Uebersetzer an zwei Stellen, OumriOD. in 



6 Aristoteles. 

zwanzig Jahre lang, angehörte ')■ Es wäre vom höchsten Werth, 
über diesen Zeitraum, die langen Lehrjahre des Philosophen, in 
denen zu seiner ausserordentlichen Gelehrsamkeit und seinem ei- 
gentümlichen System der Grund gelegt wurde, etwas Genaueres 
zu wissen. Leider gehen aber unsere Nachrichten an der Haupt- 
sache, dem Gang und den näheren Umständen seiner wissenschaft- 
lichen Entwicklung, mit tiefen) Stillschweigen vorüber, um uns dafür 
mit allerlei Übeln Nachreden über sein Leben und seinen Charakter 
zu unterhalten. Der Eine hat gehört, dass er sich in Athen erst 
als Quacksalber sein Brod verdient habe *); ein Anderer will gar 
wissen, er habe zuerst sein Erbe verprasst, dann sei er in der Noth 
in Kriegsdienste getreten, als es ihm damit auch nicht glückte, habe 
er es mit dem ärztlichen Gewerbe versucht, und schliesslich zu 
Plato's Schule seine Zuflucht genommen '). Doch diesen Klatsch 
hat schon AnrsTOKi.ES mit Recht zurückgewiesen 4 }. Grössere Be- 

Gorg. 43) entstanden ist, er habe Kon&chst drei Jahre laug Bokrates, and erat 
nach dessen Tod Plato gehurt. 

1) S. 8. 5, 3 Dioars. a. a. 0. : owtoM; niitwvi xpovov Eboonrij Wtpti^e 
oiiv natu. Ammon. rou-.ij (Plato) oüveoiiv eti) eIkmi. Kosk 's Zweifel gegen diese 
Angabe (De Arist, libr. ord. 112 f.) stützen sich anf Machtsprüohe, nicht auf 
Gründe. 

2) Abihtosl. b. Eos. praep. ev, XV, 2, li n&c «v ti; JbtoStftttro Ti(*«ov toü 
TaupoptviTou XeyovTO; ev Tat: laxoflaii, äBiEou 6iipo( «Jtov Impeiou xai Tis TUXaiSoat 
(hier scbeinen einige Worte za fehlen) öil Tfjs JjXixian xXeIooi. Das Gleiche 
theitt Buic. 'ApurcoT. noch etwa» ausführlicher ans Timftus mit. 

3) Abiiioil a. a. O. : i;üj yip oläv te, xiBAntp (pijdto 'Enixoupof ev tij mpt 
T<Öv iiriTYjSEUjtiiTejv EmoroÄTJ, ve'ov [IEv Övra xaTaoayEiv oüröv d]v Tiirpiiiav oüaincv, 
fttEiTot 3i fa\ td trrp»T£!i:a6ai auveSnOai, xaxfi; Et jcoAttovt« Ev toüioij lii\ Tb <pccp- 

[iKXOHtjXilV £X6e?V, t*JCE!Ta ävK7[E7rtt<|MVOU TOÜ IIXaTuivo^ xepixarou jrioi, rcapaiapciv 

«inSv (nach Athen, ist zn lesen: KopaßaXtTv «firöv seil, ei; tov JKpInerrov). Das 
Gleiche ans derselben Schrift, meist mit denselben Worten, b. Atiies. VIII, 
354, b. Dioo. X, 8, nnd offenbar ans der gleichen Quelle b. Aeliah V. H. V, 9. 

4) Die Unwahrheit der angefahrten Angaben erhellt, auch abgesehen von 
ihrer inneren Unwahrscheinlichkeit , aus awei Umstunden. Einmal etefaen aio 
mit den beglaubigtsten Zeugnissen in einem unauflöslichen Widerspruch, da 
diese ohne Ausnahme behaupten, Arist. sei gleich bei seiner Ankunft in Athen, 
als 17jührigei- Jüngling, also nicht erst naoh durch echwelgter Jugend and 
mancherlei unwürdigen Beschäftigungen, in die platonische Schale eingetre- 
ten; und sodann verdienen ihre Urheber nicht den mindesten Glauben. Ti- 
mfttia' gewissenlose Schmfthsucht ist bekannt; gegen Aristoteles hatten ihn na- 
mentlich dessen (geschichtlich richtige) Angaben Aber den niedrigen Ursprung 
der liOkrer erbittert Ebenso wissen wir von Epiknr, dass er kaum Irgend 



Erster Aufenthalt in Athen. 7 

achtung verdient die Erzählung von dem Zerwürfniss, welches ei- 
nige Zeit vor Plato's Tod zwischen ihm und seinem Schuler ausge- 
brochen sein soll. Schon der Dialektiker Eobclides hatte unsern 
Philosophen des Undanks gegen seinen Lehrer bezüchtigt ')• An- 
dere werfen ihm vor, dass er diesem wegen seiner stutzerhaften 
Kleidung, seines vorlauten Wesens und seiner Spottsucht zuwider 
gewesen sei 1 ), dass er noch bei Plato's Lebzeiten die Ansichten 
desselben angegriffen und seine eigene Schule der platonischen ent- 
gegengestellt f), ja dass er einmal die Abwesenheit des Xenokrates 



einen seiner philosophischen Vorgänger and Zeitgenossen, sogar Demokrit nnd 
Nausipbanes, denen er selbst Allee verdankt, nicht, mit seinen VerltomdangeW 
nnd herabsetzenden Urtheilen verschonte, {M. s. über TimKus Poltb. XII, 
7 f. 10. Plijt. Dio 36. Diodob V, 1, über Epiknr Dioö. X, 8. 18. 8kxt. Math. 
I, 3 f. Cic. N. D. I, 88, 93. 26, 78 und unsern 1. Tb. 8. 733 f.) Uebet Epiknr 
bemerkt selbst Athsnaecb a. a. 0-, dass er mit seiner Darstellung allein stehe, 
nnd dass diese Vorwürfe auch von den I eidensohaftl ich sten Gegnern unseres Phi- 
losophen keiner ausser ihm vorbringe. Ich mächte daher ans den angeführten 
Zeugnissen auch nicht einmal so viel ableiten, als Stahb 8. 88 f. nnd Hkknath 
Abh. d. Bresl. Hiet.-phii. Gesellach. I, 193 f. wahrscheinlich finden, dass Ari- 
stoteles in Athen von seinen naturwisflensehaft liehen Kenntnissen wohl auch 
Intliohen Gebrauch gemacht haben möge, denn weder Aristokles nooh sonst 
ein glaubhafter Zeuge weiss von dieser Sittlichen Thfttigkeit, die umgekehrt, 
welche ihrer erwähnen, thnn es so, dass die ganae Sache nur verdächtig wird. 
Arist. selbst rechnet sich Divin. p. s. 1. 463, a, 6 sichtlich zu den Laien (fri) 
ttyviTai) in der Heilkunde. 

1) Abistoel. b. Eibeb. pr. ev. XV, 3, 8 : x«\ EüBouXiSn« St npo«i|X(ix h tö> 
aar* oultoö fätßXua ']i£iiEirai ... ^4othuv ... teXeutcüv-i IHttam p.J| Raps^iWaOn ra 
tc BtßXioE (rj-coü 8iaip8ffp«i. Keine von beiden Anschuldigungen hat freilich viel 
auf sieh. Die Abwesenheit bei Plato's Tod kann, wenn die Sache Hberhsupt 
wahr ist, ihre gerechtfertigten Gründe gehabt haben: Philo soll ja gani nn- 
vennnthet gestorben sein (s. erste Abth. 8. 312). Das Verderben der Bücher 
ist, wenn damit eine Verfälschung ihres Textes gemeint ist, eine ebenso 
handgreifliche als ungereimte Verleumdung; bezieht es sich andererseits, was 
auch möglich wäre, auf die von A. an den platonischen Schriften geübte Kri- 
tik, so werden wir apSter noch sehen, dass diese swar scharf nnd nicht immer 
hilligist, aber auf ein persönliches Missvurh<nist kann man ans dieser auf 
dem Standpunkt und bei der Geistes rieh tung des A. vollkommen erklärlichen, 
rein sachlichen Polemik nicht sohliessen. Als verlHnmderisch bezeichnet 
aasser Aristokles auch Dies. II, 108 die Vorwürfe des Enbulides. 

2) Aklian V. H. III, 19, welcher im Einseinen beschreibt, wie sieh A. 
gepntct habe. 

3) Dio». S: Aicfori) Öi LD.itrtavo; fci JHptoVtos" Sott yooW c'xttvov liittlv 'Asi- 
oionlTit i]u.w ixskä/.xiaz xaflaJTtps't iä jtiüXipts -fivVTjOsVn t)jv |U}TEpa. Das Gleiche 

Google 



g Aristoteles. 

benfitzt habe, utn den hochbejahrten Meister nur eh» empörende 
Weise aus den gewohnten Räumen in der Akademie zu verdrin- 
gen *). Auf Aristoteles wurde endlich schon im Alterthum von 
Haneben die Angabe des Aristoxentjs bezogen: während Plato's 
sicilischer Reise sei im Gegensatz gegen seine Schule von Fremden 
eine andere errichtet worden *)■ Alle diese Angaben sind aber sehr 
unsicher und das Meiste darin verdient keinen Glauben *). Die Aus- 
sage des Aristoxenns könnte , wenn sie auf Aristoteles gehen soll, 
keinenfalls wahr sein: nicht blos aus chronologischen Gründen 4 ), 
sondern auch desshalb, weil wir von Aristoteles unzweideutige 

•bei Ailiah V. Ii. IV, 9. Hhllasius b. Phot. Cod. 279. 8. 533, b, Auch Tueo- 
dobbt cur. gr. äff. V, 46. B. 77 sagt, A. habe Plato noch bei. Lebseiten offen 
angegriffen, und Philo r. Anal. post. 64, a, o. Scbol. in Arist. 228, b, 16, er 
habe ihm schon damals, wie erzählt werde, wegen der Ideanl ehre auf ■ Stärkste 



1) Dieser Vorfall wird von Aei.iin (V. H. III, 19 vgl. IV, 9, Suhl.), wel- 
cher unser einziger Gewährsmann dafür ist, so ers&hlt: Als Plato bereits 
SOjfthrig und desshalb schwachen Gedächtnisses gewesen sei, habe A. einmal, 
da Xenokratea eben abwesend nnd Speusipptu krank war, von einem Haufen 
seiner Anhänger umgeben, mit Plato eine Streitunterredung angefangen nnd 
den Greis dabei in böswilliger Weise so in die Enge getrieben, das* sich dieser 
ans den Hallen der Akademie in seinen Garten zurückgezogen habe. Erat 
nach drei Monaten, als Xenokrates zurückkam, habe dieser dem öpeusinpus 
seine Feigheit ernstlich vorgehalten und Aristoteles geuöthigt, den streitigen 
Baum Plato wieder zu überlassen. 

2) Aiihtokl. b. Ecs. pr. ev. XV, 2, 2: ii; 5* Sv nttotib) tote «*' 'Apio-re- 
(jrvou toO jioueiXBÜ Irf Ofi&ois ev im ßiiu TOÜ IlXaTruvo; ; iv v&p -rij TtXivTj na! Tj] äso- 
£i)[iif pTjo'tv ä'naviarnaBai xa\ JvxQUtoBouitv aiTcji uvi( ntpiicacov £eWuf ovtas. buvtbl 
dSv eVloi raüta 7tspi 'AfioTorftuui Xi-jnv aürbv, 'ApiaTo^ou Sia navrb« tift^oüvroi 
'Aprarorüinv. Zu diesen ävtoi gehört auch Aeluh, welcher IV, 9 ohne Zweifel 
in Erinnerung an die Ausdrücke des Aristoxenns von Aristoteles tagt: ämp- 
xoSripiae« ouTü (Plato) Biatpißijv. Ebenso Pseiidoammun. S.45: ei yip Jto t£vTo< 
tou IUätbivot ävT( f ixoS(ip.i]9EV aÜTcü t'o AUxeiov o 'ApiOWtAr^, üSt T»i( ÜKB}iau.Bä- 
veuat (der Uebersetzer sagt dafür mitta verständlich : riotW AH'toxmuu oectuavii 
etArittocktpoitea), wogegen Aristid. de qnatnor. II, 324 f. Dind. die Angabe, 
des Aristoxenns wiederholt und weiter ausführt, ohne Aristoteles zu nennen. . 

3) Man vgl. zum Folgenden Stabs I, 46 ff., welchen Hebmanm Plat. Phil. 
S. 61. 125 keineswegs widerlegt bat. 

4) Ale Plato von seiner letzten Reise zurückkam, war Aristoteles nach 
nicht 24 Jahre alt (s.o. 8. 3, 2 vgl. mit unserer ersten Abth. 311,3); ist es 
aber, auch abgesehen von allem Anderen, wahrscheinlich, dass er schon so 
frühe ab Haupt einer eigenen Schule gegen den damals auf dem Gipfel seines 
Ruhms stehenden Plato hütte auftreten können? 



i „Google 



Efitet Aufenthalt in Athen. 9 

Zeugnisse darüber besitzen, dass er noch nach Plato's letzter nici- 
lischer Reise zu seiner Schale gehörte und ihm mit der höchsten 
Verehrung zagethan war ')■ Sie bezieht sich aber wahrscheinlich 
überhaupt nicht auf iinsern Philosophen 1 ). Aetian's Erzählung -über 



1) Diess erhellt ausser Anderem, wo* sogleich zu besprachen »sin wird, 
toi drei Umstanden. Füi's Erste hat Allst, mehrere platonische Vorträge 
herausgegeben (b. u. und Abth. I, 305); dass aber diese in die Zeit zwischen 
Plato'a zweiter and dritter siciliscber Reise fallen, ist aus mehreren Gründen 
an wahrscheinlich , von welchen für mich schon ihre nachweisbare bedeutende 
Abweichung von der in Plato's Schriften niedergelegten Lehrform (vgl. sntt 
Abth. 616 f.) entscheidend ist. Wenn aber dieses, so kann sich Arial, nicht 
schon wahrend der letzten sicilischen Reise von der platonischen Schule ge- 
trennt haben. Sodann werden wir sp&ter finden, dass der Endemus des Arist. 
dem platonischen Phttdo nachgebildet war, und dass Arist., als er ihn schrieb, 
wahrscheinlich der platonischen Schale noch »»gebort hat; dieses Qeeprsoh 
ist aber jedenfalls nach Flato's letzter Reise geschrieben, da es dem Andenken 
eine« verstorbenen Freundes gewidmet ist, welcher nach jenem Zeitpunkt Dia'» 
Zag gegen Diorys noch mitgemacht hatte. Endlich sind uns hei Oi.vsiPionoa 
in Gorg. 166 (Jahn'b Jahrbb. Supplementb. XIV, 395) einige Verse aus Aristo- 
teles' Elegie snf Endemas (auch bei Bkhi+k, Lyr. gr. 8. 504) erhalten, worin 
dessen Verbindung mit Plsto so beschrieben wird: 

ö.8o>v 6" si( xXfivbv Ksxponb]; S&keBqv 
iJjeß^nij tri[ivf,( f iXiTjs ISpÜTUTO ßmjiiSv 
, ivSpb(, ov ouä' aivttv roloi xonöiai Oifit;- (Plsto) 

ii yAiQi % npka; QvqTtäv xsttöiiEiV hxpfoi; 

oWa> tc ßiiu x« pcvdSoiei Xd-ruv, 
iu; i-jaH6i T£ xa'i t'J3a![icuv ä[ia ftlfTat ivijp. 
oä vÜv 8' im Xaßfiv oiBtvi raüta itois. 
[Hier scheint der Text verdorben zu sein.] Buhlk'h Zweifel an der AechtheH 
dieser Vene (Arist. Opp. I, 53) werden sich durch unsere Ansicht über ihren 
Sinn und ihre Bestimmung lösen lassen; nimmt man freilich an, dass Arist 
hier, in einein Gedicht an Endemus den Rhodier, von sieb selbst rede, so haben 
sie viel Auffallendes. 

2) Asistoki.E9 a. s, O. sagt auadrfloklich, Aristoxenus habe von seinem 
Lehrer nicht anders als in anerkennender Weise geredet, und diesem .be- 
stimmten, auf Kenntnis« s «in ar Schrift gegründeten Zeugniss gegenüber könnt« 
die Angabe, dass er Aristoteles nach seinem Tod angegriffen habe (BuiD. 'Apt- 
etofc) , selbst dann nicht in Betracht kommen, wenn sie besser verbürgt wäre; 
such in diesem Fall müsaten wir vielmehr annehmen, im Leben Plato's wenig- 
stens, aus dem die von Aristokles angeführte Nachricht stammt, sei diess nicht 
geschehen. Scheint aber der ntpisato; auf Aristoteles in deuten, so zeigt doch 
schon die 8. 6, 8 mitgetheiHe Aeussernng Epikur's, dass dieser Ausdruck auch 
von anderen Schulen gebraucht werden konnte. Ich möchte vermuthen, dass 
sieh die Angabe des Aristoienus auf die erste Abth. 8 1 1, 2 berührt« Thlltigkeit 

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10 Aristoteles. 

Plalo's Verdrängung' aus der Akademie steht ffir's Erste mit anderen, 
älteren Nachrichten *) im Widerspruch, nach denen Pluto seinen 
Unterricht in jenem Zeitpunkt aus den öffentlichen Räumen des aka- 
demischen Gymnasiums schon längst in seinen Garten verlegt hatte; 
und sie schreibt, zweitens, Aristoteles ein Benehmen zu, wie wir 
es einem Manne, der sonst durchaus edle Gesinnungen ausspricht, 
nur auf die zwingendsten Beweise hin zutrauen dürften; hier aber 
haben wir statt dessen blos das Zeugniss eines Anekdotenkrämers, 
der auch handgreifliche Unwahrheiten kritiklos weiter zu geben ge- 
wohnt ist. Wird endlich behauptet, dass Aristoteles durch sein 
ganzes Verhalten Plato's Missrallen erregt habe und von ihm ferne 
gehalten worden sei s 'j, so können wir Dem zunächst schon meh- 
rere Aussagen entgegenstellen, welche ein ganz anderes Verhält- 
nis beider voraussetzen s ). Wollen wir aber auch auf diese Mit- 
theilungen, deren Beglaubigung gleichfalls ungenügend ist, kein 
weiteres Gewicht legen, kann Anderes ohnedem, dessen Unrichtig- 
keit am Tage liegt 4 ), hier nicht in Betracht kommen, so stehen uns 



des Iloraklidüs bezieht, welche er dann freilich, nach seiner Weise, missdeutet 
■Ute. 

1) B. Diog. III, 6. 41 vgl. erste Abth. 306. 

2) Für diese Angabe beruft sieb Buhle 6. 87 auch darauf, dass Plato in 
seinen Schriften des Aristoteles nicht erwähne, und selbst Btahb ß. 68 schenkt 
diesem Umstand einige Beachtung. Aber wie konnte er denn in somatischen 
Gesprächen den Aristoteles nennen? Davon gar nicht in reden, dass wahr- 
scheinlich alle platonischen Werke, ausser den Gesetzen, vor Aristoteles' An- 
kunft in Athen rerfssst sind. 

3) PhilofOhuS Da aetern. muniii VI, 27: ('Aptar.) fco Ittiruvo; TQOOÖTOV tSj( 
i-j^ivoia; ^fiofli), nie vo5( rijc 8iaTpi[iSj; irr' oiItoü TtpofifopEuiaöai. PsiimoAimoN. 
V. Arist. S. 44: Plato habe die Wohnung des Aristoteles ah.oq irtiYvtödTou ge- 
nannt Weiter vgl. man, was erste Abth. 646, 2 angefahrt wurde. Eben dahin 
gehörte der erste Abth. 306, 4 erwähnte Vorfall, und die Nachricht (bei Ahhon. 
a. a, 0. 8. 46. Philopo«. in qu. voc Forph. Schul, in Arist 11, b, 29), daas 
Aristoteles seinem Lehrer nach dessen Tod einen Altar mit einer bewnndern- 
den Inschrift gewidmet habe; indessen ist jener Vorfall schwerlich geschioht- 
liob und der Altar ist ohne Zweifel ebenso, wie seine angebliche Inschrift, erst 
ans der Elegie an Eudemus (s. o. 9, 1) entstanden, deren bildlich gemeinter 
FreundschaRsaltar eigentlich genommen nnd Aristoteles beigelagt wurde. 

4) Wie die Meinung, deren Philo f. in qu. voc. Sehol. in Ar. 11,1], SB (wo 
aber Z. 25 statt 'AptewtflL»|v -Äou; stehen sollte) und Üjvib ebd. 90, b, 16 er- 
wähnt, dass Aristoteles sieh gescheut habe, einen Lehre tnfal au beateigen, so lange 
Plato lebte, and dass daher der Name der peripatetiaeben Philosophie * 



Jiqi-zedby G00gle 



Erat» Aufenthalt in Athen. i] 

doch immer noch entscheidende Gründe zu Gebot, durch weiche 
nicht allein Aelian's Erzählung, und was sonst noch Aehnliches 
überliefert ist, sondern die ganze Voraussetzung widerlegt wird, 
als ob es noch vor Plato's Tode zwischen ihm und seinem Schüler 
zum Bruche gekommen sei. Für's Erste nßmlich sagen Zeugen, mit 
welchen sich Aelian und Seinesgleichen weder an Alter noch an 
Zuverlässigheit irgend messen können, er sei zwanzig Jahre bei 
Plato geblieben 0, was offenbar nicht der Fall gewesen wäre, 
wenn er zwar so lange in Athen blieb, aber von Plato sich schon 
früher getrennt hatte; und Dionys fügt ausdrücklieb bei, er habe 
in dieser ganzen Zeit keine eigene Schule gegründet 1 ). Sodann 
rechnet Aristoteles noch in weit späterer Zeit, und auch da, wo 
er die Grundlehre der platonisches Schule bestreitet, sich selbst 
fortwährend zu ihr s j, und über ihren Stifter und sein persönliches 
Verhältnis^ zu demselben äussert er sich so, dass man deutlich 
sieht, wie wenig in ihm, neben der schärfsten Betonung ihres wis- 
senschaftliche!) Gegensatzes, das Gefühl der Verehrung und der 
Liebe für seinen grossen Lehrer erloschen war *). Weiter steht es 



und die Behauptung (Ahhos. in qa, voc. Porpk. 25, b, u., nach ihm Psmmo- 
akmok. V. Ar. 8. 47. Philop. Schot, in Ar. 35, b, 3. Davis Scbol. 24, e, 6), 
dass der Name der Peripatetiker ursprünglich der platonischen Schule eigen 
gewesen sei; als Aristoteles und Xenokratea gemeinschaftlich Dach Plato's 
(Psuudoanimon. und David genauer: nach Spensipp's) Tode die Schule über- 
nahmen, seien die Schüler des Einen Peripatetiker aus dem Lyceum, die des 
Andern Peripatetiker ans der Akademie, in der Folge aber nur jene Peripate- 
tiker, diese Akademiker genannt werden. Die lotste Quelle dieser Annahme 
ist ohne Zweifel Antioahus, in dessen Namen Varro bei Cic. Acad. I, 4, 17 (vgl. 
nrooem.: tibi dedi parte* Aniioehüiat) gjini Aehnliches oixfthlt; um so klarer 
ist es aber, data die game Angabe nur ein Enengniss jenes von Antioohus 
cnent aufgebrachten Ekioktinumm« ist, der jeden wesentlichen Unterschied 
»wischen Plato und Aristo tele« ISngnete. 

i) a s. e, i. 

3) Ep. ad Ainm. I, 7. 8. 733: trjvvjv ITX4:n>VL iö Siftpupcv go>{ stüv Jnca k*'i 
tpiicovro, oütb <T-/oXij( {flaiiptiai out* HStav luxomxui; aäpwtv. 

8) Arist redet öfters von den Piatonikern commnnieatir: x*8' a&i TpiinotK 
fieütvufuv Sri Int tk Mr r xatü -rijv farfligtji» xaB' J)v Aai ?«{iiv Tat ESfat u. dgt 
Metaph. I, 9. 990, b, 8. II. 16. 33. 9», a, II. 16, c. 8. 989, b, 18. III, 8. 
997, b, 3. c. 6. 1003, b, 14 vgl. Alex, and Aaiup, in 990, b, 8. Alex, m 
990, b, 16. 991, b, 3. 993, a, 10. 

4) In der berühmten Stelle, welche bereits auf Vorwürfe Rücksicht an 
nehmen scheint, die ihm seine wissenschaftliche Polemik gegen Plato ange- 



12 Aristoteles. 

fest, dass er bis zu Plato'9 Tod in Alien blieb, unmittelbar nach 
diesem Breigniss dagegen diese Stadt für lange Jahre verlieas; 
warum anders, als weil jetzt erst der Grund aufhörte, welcher ihn 
bis dahin in Athen festgehalten hatte, weil seine Verbindung mit 
Plato jetzt erst getrennt wurde? Endlich wird uns berichtet J ), 
zugleich mit ihm sei Xenokrates nach Atameus gegangen; und das« 
er auch später mit diesem Akademiker in freundschaftlichem Ver- 
hfltniss stand, wird durch die Art, wie er dessen Ansichten zu be- 
sprechen pflegt , wahrscheinlich *)■ Von Xenokrates' Charakter- 
festigkeit aber und seiner unbedingten Verehrung für Plato las.it 
sich nicht annehmen, dass er seine Verbindung mit Aristoteles fort- 
gesetzt und sich zum Besuch in Atameus an ihn angeschlossen hätte, 
wenn sich derselbe von Plato in einer für diesen verletzenden Weise 
losgesagt, oder gar den greisen Lehrer durch ein Benehmen, wie 
es ihm Aelian zuschreibt, kurz vor seinem Tod aufs Roheste ge- 
kränkt bitte. Das allerdings ist ganz glaublich, dass ein so selb- 
ständiger Gebt, wie Aristoteles, auch einem Plato gegenüber sich 
des eigenen Unheils nicht begab, dass er mit der Zeit an der unbe- 
dingten Wahrheit des platonischen Systems zu zweifeln und den 
Grund seines eigenen zu legen begann, dass er vielleicht manche 
Schwäche des ersteren schon damals mit derselben Unerbittlichkeit 
aufdeckte, wie später; und wenn sich daraas eine gewisse Span- 
nung zwischen beiden erzeugt haben sollte, wenn sich Plato in den 
Schaler, der sein Werk zugleich fortzusetzen und zu widerlegen 

zogen hatte, Eth. N. 1, 4, Auf.: ?b Si xoWXou ßfbiov low faisxtyatrB&i xat Sta- 
r.of>?;aa: tim>; \iyzw., xailttp cpOfiuTouj Tifc toiaiSti); (qtijotuf -f[*o[iii»]f Sii fo fl- 
Xeu( äväpa; ska-fKJtw -a CiSr,. Sohlte S' «v hw ßAnov stvai xat Sfiv im aunjpla fa 
*ij( iXifMat la'i tä oixiis ävaipetv, äXXidt te iii tp iXoaof ou< 3vt«4 ■ öfitpotv -jap övrotv 
(pAon Soiov Jtporutäv TJ|V öX>lQttav. Hieau vgl. m. Abth. I, 613, 4 und über du, 
m A. einem Lehrer gegenüber für Hecht hielt, Bd. 1, 753. 

1) Stbibo XIII, 1, 57. S. S10, dessen Zeugnias wir zu rniusWauen keinen 
Grund haben. 

2) Ea ist noch schon Anderen aufgefallen, das» Arist. den Xenokrates 
fast nie nennt, und «einen Namen auch da, wie geflissentlich, umgeht, wo er es 
augenscheinlich mit Beiner Ansicht an thun hat (wie in den Abth. I, 508, 3. 
666, 1. 670, 3. 672 3 angeführten Fällen), wahrend Speueipp In dem gleichen 
Fall einigemaln genannt wird. Ich mächte darin aber nicht, wie man wohl ge- 
wollt hat, ein Zeichen von Missaohtnng sehen, sondern sein Verfahren viel- 
mehr daraus erklaren, dass er seinem neben ihm in Athen lehrenden Mitechfiler 
gegenüber die Form der persönlichen Bestreitung vermeiden wollte. 



ioogle 



Erster Aufenthalt In Äthan. 13 

bestimmt war, nicht besser zu finden gewusst hatte, ah. mancher 
andere Philosoph nach ihm, so wäre diess nicht zu verwundern. 
Dass aber diese Spannung wirklich eintrat, lässt sich weder be- 
weisen, noch auch nur zu einem höheren Grade der Wahrschein- 
lichkeit erheben '}, und dass Aristoteles durch seine Undankbarkeit 
und durch absichtliche Kränkung seines Lehrers einen offenen Brach 
mit demselben herbeigeführt habe, ist eine Behauptung, welche 
durch die sichersten Thatsachen widerlegt wird. Und dieselben 
Thatsachen machen es auch unwahrscheinlich, dass Aristoteles 
schon während seines ersten athenischen Aufenthalts eine eigeae 
philosophische Schule eröffnete; denn in diesem Fall helle theila 
seine eben nachgewiesene Verbindung mit Plato und dem platoni- 
schen Kreise kaum fortdauern können , tbeils wäre es unerklärlich, 
dass er Athen gerade in dem Augenblick verlassen hätte, als der 
Tod seines grossen Nebenbuhlers ihm hier freie Bahn machte-*}. 

War nun Aristoteles wirklich von seinem achtzehnten bis in 
sein siebenunddreissigstes Lebensjahr mit Plato als sein Schüler 
verbunden, so folgt von selbst, dass wir den EinBuss dieses Ver- 
hältnisses auf seine Bildung kaum zu hoch anschlagen können; und 
wenn uns seine Bedeutung für das philosophische System des Ari- 
stoteles aus jedem Zuge desselben entgegentritt, so rühmt der dank- 
bare Schüler selbst *) vor Allem die sittliche Grösse und die erha- 
benen Grundsätze des Mannes, nden ein Schlechter auch nicht ein- 
mal zu loben das Recht habe." Diese Verehrung seines Lehren 
schliesst aber natürlich nicht aus, dass Aristoteles seine Aufmerk- 
samkeit zugleich allem Anderen zuwandte, was ihn fördern und 
seiner unersättlichen Wissbegierde Befriedigung gewähren konnte; 



1) Denn wir sind durchaus nicht berechtig!, an Pinto und seinen Freun- 
deskreis den spüteren Maasstab philosophischer 8chulortbodoxie 10 streng ■«■ 
zulegen, dass wir annahmen, der grosse Philosoph bitte die Selbständigkeit 
eine« Schülers, wie Aristoteles, nicht ertragen können. Bat doch, um des Hera- 
klidcs und Endoxns nicht au erwähnen, selbst Spensippns die Ideenlehre fid- 
len lassen. * 

S) Die Bemerkung des angeblichen Amuonius dagegen, dass Chabrias u»d 
Tünotheus Aristoteles verhindert haben würden, Plato eine neue Schule ent- 
gegenzustellen, ist ungereimt. Wer konnte ihm denn diess verbieten? Aber 
Chabrias ist schon 35B v. Chr. umgekommen und Timotheus ein Jahr darauf 
boebbetagt, für immer aus Athen verbannt worden. 

S) In den S. 9, l angefahrten Versen, 
■0 

Digi-ZBd^y G00gle 



H Aristoteles. 

wir dürfen vielmehr mit Sicherheit annebmeii, dass er gerade seine 
lange Htacnische Vorbereitungszeit zur Erwerbung seiner steunens- 
werthen Gelehrsamkeit aufs Eifrigste benüUt, und auch mit den na- 
turwissenschaftlichen Untersuchungen, welche Flato doch immer nur 
als Nebensache behandelt hatte, sich eingehend beschäftigt habe 0- 
Ebenso ist es ganz glaublich, dass er noch als Mitglied des pla- 
tonischen Schülerkreises selbst Lehrvortrage hielt *), ohne damit 
aus seinem Verhältniss zu Plato herauszutreten oder sich ihm als 
das Haupt eines selbständigen Philosophen vereius gegenüberzustel- 
len. So hören wir namentlich von dem Unterricht, welchen er in 
der Rhetorik ertheilt habe, um damit der Schule des Lsokrales ent- 
gegenzutreten *), dessen gutes Verhältniss zu Plato damals schon 



1) Unter den Vorgängern, deren Werke er schon damals bettätzte, mag 
namentlich auch Demokrit gewesen «ein , dessen Humen Plato so auffallend 
umgeht; in seinen Schriften wenigstens geschieht keines anderen von den 
Physikern so bltuüg Erwähnung. — Im Uebrigen sind wir hier ganz auf Ver- 
unthungen beschrankt, da es uns an jeder Ueb erlief erung über A.'s Studien- 
gang fehlt. 

2) Straro XIII, 1, 57. 8. 610 lagt von Hermias, er habe in Athen sowohl 
Plato als Aristoteles gehurt. 

3) Cic. deOrat. III, 35, 141: Aristoteles, cum fiortre Itocratem nobüitate 
diieipulorum videret, ... mutant repente totam formam prupe dixciplinac euae 
(was freilich lautet, als ob A. damals schon eine philosophische Schule gehabt 
hätte; Cicero ist eben bier nicht genau unterrichtet), veriumque qitendam Phi- 
loctttar pavüo secus diait. iäe enim turpe tibi ak eue tacert, cum barlaro*: hie 
autem, eun Itocratetn pattretnr dicere. ila oniavit et üluttracit doctrinam iiiam 
umnem, rerumqu* cognitionera. cum orationü exercitatiane anyunxit. negut vero 
hmfugii aapkntUsimum regem Phüippum, qui hone Alexmtdro ßHo doetorem 
accinrit. Auch Orat. 19, 62 (Arittoteke Isocratem ipman lacrisivitj, weniger be- 
stimmt ebd. 61, t72 (qui* ... aerior Arittatde ftätl qui$ porro Iwerati ettad- 
vertatu* impenmutt). Tuse. I, 4, 7 setzt Cicero voraus, dass Arist. noch bei 
Isokretee Lebzeiten gegen diesen aufgetreten sei, was nur während seine« 
ernten athenischen Aufenthalts möglich war, denn als er 335/4 t. Chr. dorthin 
auruckkehrte , war Inokrates schon mehrere Jahre todt. QciNTiu III, 1, 14: 
eoque [Isocratt] ja« tentore . . . pomeridianiM ichoüi Arütotalas praeeipere arten 
oratoriam coepit, noto quidem iüo (ut tradüur) versu ex Pftüocteta frequenter 
•Mus: ali/pbv onuirä» 'laonparnv [B'j tiv Wyily. (Dioo. 8 , welcher statt 'Isoxpi- 
tf]v SivoKpört7]v liest, und den Vorfall in die Zeit der Begründung des Lyeeums 
wiegt, Hast sieb schon durch die Chronologie che Verwirrung, in die er hiebet 
garittb, »eines Irrtboma überführen.) Sehr bestimmt redet Ciobbo auch Offie. 
I, 1, 4 (de Ariitotde et Jiocrate . . , quorum tUerque ruo ntudio deleetattu eon- 
ftnutt alttntmj von Beibungen wischen Aiist. und dem aoob lebenden Iso 



Erster Aufenthalt In Athen. ,5 

langst einer Spannung gewichen war, bei der es der hertbmte 
Redekonstler an Ausfallen gegen die Philosophen nicht fehlen 
Hess 1 ). In die gleiche Zeit heben wir endlich, nach sicheren 
Spuren, auch den Anfang seiner schriftstellerischen Thatigkeit zu 
setzen; and wie entschieden er sich dem Emflass des platonischen 
Geistes hingegeben und in die platonische Weise eingelebt hatte, 
erhellt aus dem Umstand, daBs er in Schriften aus dieser Periode 
seinen Lehrer in der Form and im Inhalt nachahmte ')- In der 
Folge hat er allerdings, und ohne Zweifel noch ehe er Athen ver- 
Hess, auch als Schriftsteller eine grössere Selbständigkeit gewon- 
nen, und er war überhaupt dem Verhältnis^ eines platonischen 
Schülers der Sache nach wohl schon längst entwachsen, als dieses 
Verhältniss durch den Tod seines Lehrers auch ausserlich gelöst 
wurde. 

krates, und dieser selbst macht ep. V. ad Alex. 3 f. einen versteckten Ausfall 
nuf den Philosophen, welcher diese Angabe bestätigt (denn Panath. IT f. 
könnte man doch nur dann anf ihn beziehen, nenn er vor seiner Uebersiede- 
long nach Macedonien wieder nach Athen zurückgekehrt wäre und seinen 
rhetorischen Unterricht wieder aufgenommen hltte); vgl. 8rnaani. über die 
Rhetorik d. Ariet. Abband), d. Bayer. Akad. VI, 470 ff. Gegen Aristoteles 
schrieb ein Schüler des Isokrates, Cephisodorus (oder -dolus) eine Verteidi- 
gung seines Lehrers, welche Diosys. de Isoer. c. 18, B. 677 umar bewandert, 
ron der wir aber aas Athek, II, 60, d Tgl. III, 122, b. Abistokl, b. Eus. pr. 
bt. XV, 1, 4. Noiihs. ebd. XIV, 6, 8 f. Trekist. or. XXIIL 285, c wissen, das* 
sie mit den leidenschaftlichsten Schmähungen gegen Arist. angefüllt war. Im 
Uebrigen läset sich Aristoteles durch diese Reibungen von einer gerechten 
Würdigung der Gegner nicht abhalten. Seine Rhetorik wühlt ihre Beispiel« 
ans keinem andern Redner mit solcher Vorliebe, wie aus Isokrates, auch Cephi- 
sodot'e erwähnt er zweimal (Rhet. III, 10. 1411, a, 5. 23). Ob er selbst viel- 
leicht früher den Unterricht des Isokrates benützt hatte, wissen wir nicht, aber 
bei der Berühmtheit dieses Lehrers ist es nicht unwahrscheinlich, and leicht 
hat anch eine derartige Nachricht die oben erwähnteAngabe(s.4,4. 6,4) veraa- 
Issst, daas er drei Jahre lang Schüler des Sokrates gewesen sei. Die beiden 
Hansa werden oft verwechselt. — Ausführlicher handelt von der Gegnerschaft 
des Aristoteles and Isokrates Stabs I, 68 ff. II, 285 ff. 

1) S. Abth. I, 8. 309 und Spesöei., Isokrates u. PI»ton, Abb.. d. Miinchn, 
Akad. VII, 731 ff., welcher mit Andern auch Pu-ro Euthrd. 304, D IT. mit vie- 
lem Schein anf Isokrates, laosu. Hei. 1 ff. neben Antisthenes auf Pinto bezieht. 

2) Die näheren Nachweisnngen hierüber werden später gegeben werden. 
Ten den ans bekannten aristotelischen Schriften seheint namentlich der 
grössere Theil der Gespräche und einiges Rhetorische, vielleicht die £jv«-y"Ti 
Trjpür, in die erste athenische Periode zu gehören. 



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16 Aristoteles. 

Hit diesem Ereignis« beginnt ein neuer Abschnitt in Leben 
des Philosophen. So lange der greise Pluto den Mittelpunkt der 
Akademie bildete, hatte er sich von derselben nicht entfernen wol- 
len; nachdem Speusippus an dessen Stelle getreten war *), fessehe 
ihn nichts mehr an Athen; denn die Errichtung' einer eigenen phi- 
losophischen Schule, für welche diese Stadt ohne Zweifel der ge- 
eignetste Ort war, scheint er zunächst noch nicht beabsichtigt zu 
haben. So folgte er denn zugleich mit Xenokrates einer Einladung 
des Hermks, des Herrn von Atarneus und Assos *), welcher selbst 
früher eine Zeitlang dem platonischen Verein angehört hatte *). Bei 
diesem ihnen nahe befreundeten *} Fürsten blieben die Beiden drei 
Jahre lang 5 ); hierauf begab sich Aristoteles nach Mitylene 8 ), nach 
Strabo um seiner Sicherheit willen, als Hermias durch treulosen 
Verrath in die Gewalt der Perser gerathen war, vielleicht aber 
auch schon vor diesem Ereigniss ')- Nach Hermias' Tod nahm 
er Pythias, die Schwester oder Nichte seines Freundes *), zur 



1) Auch ciiesa hat man auffallend gefunden, aber mit Unreoht. Möglioh 
allerdings, dase Plato ffir Speusippus grössere Neigung hatte, als für Aristo- 
teles, oder das* er von jenem eine treuere Fortpflanzung seiner Lehre erwar- 
tete, als von diesem. Aber Speusippus war auch der weit altere, Plato'a Neffe, 
von Ihm selbst erzogen and ihm seit Jahrzebenden mit der treaeeten Anhäng- 
lichkeit zugethan, zudem der natürliche Erbe des Garten» bei der Akademie. 
Uebrigens wissen wir auch nicht, ob ihm das Scholarchat von Plato seibat 
durch Vermächtnis« übertragen wurde. 

2) Boecih Hermias von Atarneus, Abb. d. Berl. Akad. 18SB. Hist pbil. 
Kl. 8. ISS ff. 

3) Stbabo XIII, 1, 57. S. 610. Ar-ou.oDOB b. Dioa. 0. Diontb. ep. ad 
Amm. I, 5, welche darin fibereinstimmen, dass A. erat nach Plato'a Tod m 
Hermias gierig. Das Gegentheil kannte man ant dem 8. 7, 1 angeführten Vor- 
wurf des Enbnlides anch dann nicht sofaliessen, wenn die Sache wahr wlre. 
Ale den Ort, wo Aristoteles in dieser Zeit lebte, nennt Strabo Assoa. 

1) 8. 8. IS, 1. 14, 2. Gegner des Arist. (b. Dioo. S. Anon. Menag. 8un>. 
*ApiTt.) machen natürlich ans dieser Freundschaft ein p Ideras tieehes Ver- 
hSltniss, welchem schon das beiderseitige Lebensalter widerstreitet (Bokobh 
su a. 0. IST). 

5) Afollodob, Stjubo, Dionts. a. d. a. 0. 

6) Ol. 108, 4 (845/4 v. Cbr.) anter dem Arohon Enbttlnj; Afoh.odob b. 
Dioa. V, 9. Dionvb a. a. 0. 

7) Wie diese Bobcib a. a. O. 14! ff. »war nicht vollkommen erwiesen, 
aber doch gegen Sthado s, «. O. wahrscheinlich gemacht hat 

8) Der Anon. HetL, Strin. {'Apumrt, 'Epp.i«;J, Hhtch. nennen nie sein» 



Anfenthfclt in Ataraens. 

Gattin ')■ Er selbst bat seiner treuen Anhänglichkeit es beide n 
als Ein Denkmal gesetzt s ). 



Toehter, det nniuvarlHasige Aristipp b. Dioo. S gar sein Kebsweih. Beide 
Angaben widerlegen sieh nun schon durch den Umstand, dass HennUa Ennnch 
war (denn was der Anon. Menag. Si.m. u. Hkbych. sagen, um aeine vermeint 
liche Vaterschaft zu erklären, ist an sich auffallend und mit Deketb. de elocut 
293 unvereinbar). Abistokles K Eni. pr. cv. XV, 2, 8 f. sagt unter gleichsei- 
tiger Anführung eines aristotelischen Briefs an Antipater and einer Schrift des 
Apklliko.s von Teos über HenniM und seine Verbindung mit Aristoteles , sie 
sei die Schwester nnd zugleich die Adoptivtochter des Hermias gewesen. 
Strabo XIII, 610 bezeichnet sie ab seine Bruders toehter, Dbhrtridi Magnes 
b. Dioa. V, 8 als seine Tochter oder Nichte. Bück« a. ■. O. 140 giebt der 
Annahme, dass sie seine Nichte nnd AdoptiTtochter war, den Vorsag, nnd es 
ist allerdings möglich, dass Aristokles die nähere Bezeichnung der Pythiss 
als Schwester des Hermias hei Aristoteles nnd Apellikon nicht vorgefunden, 
oder dass er selbst oder sein Text die iäiltpiBi] mit einer ä5tXcpf| verwechselt 
hatte. AdoptiTtochter des Tyrannen nennt sie auch Hihfoübitioh, das Etym. 
M., Sunt. ('Kpjiiail, der aber unmittelbar tuvor du Oegentheil gesagt bat, 
Phot. Lex. 

1) So Abihtokl. a. a, O., welcher unter Bernfang auf den Brief an Anti- 
pater sagt: teÜvsGtoc f*F '£p[uiou 8ii t4|V irpbt inilvov [üvoiav tfif-Ev aürijv, äXXuf 
|iiv OQ.fpava xoi äveiM)« oüwt, knrfevim pivroi 8t& litt mtaiapoiiuii; au^füfat 
luv äSsXf'ov xütfjf. Nach Stuiro a. a. O. hfitte ihm Hennias selbst noch seine 
Nichte eut Frau gegeben, nag aber nach diesem authentischen Zengniss un- 
möglich richtig sein kann; nach Abjbtoel. a. a. 0. 4 f. 8 wurde ihm, wie es 
schönt schon bei seinen Lebzeiten, der Vorwarf gemacht, dass er, um sie 
ed erhalten, ihrem Brader unwürdig geschmeichelt habe, and der Pythsgo- 
riker Lyko wollte gar wissen, er habe der PyCbias nach ihrem Tod als De- 
meter geopfert. IUvti Se, sagt Artbtobi.es hierüber, lnjpn«l«i« uupla ™ 
u-ö AtSxuvof tipijpiva, doch ist es der Flüchtigkeit des Diooenrs (V, 4) ge- 
langen, seinen Vorgänger noch eu überbieten, indem er den Philosophen 
seiner Frau gleich als er sie bekam opfern lägst. Loci*« Eun. o. weiss anch 
von einem Hermias dargebrachten Opfer, und auf die gleiche Behauptung 
weist Athes. XV, 607, a. 

2) Nach Dioo. 6 liess er Hermias eine Bildsäule in Delphi errichten, deren 
Iaechrift Diog. mittheilt. (Ebd. 11 nnd bei Aeistokl. a, n, O. Plut. de exil. 
c 10, 8. Ö03 die unwürdigen SpottTerse des Theokrit von Chios auf dieses 
Denkmsi.) Demselben widmete er das schöne vonDioa. 7. Athen. XV, 695, a 
aufbewahrte Gedicht Ueber Pythiag bestimmt er in seinem Testament (Dioo. 
16), dass ihre Gebeine, wie, sie selbst verordnet habe, neben den seinigen 
beigesellt werden. Da der Ort, wo sie bis dahin bestattet waren, nicht ge- 
nannt wird, eo mächte man Termnthen, sie sei in der Nahe begraben gewesen, 
also erst in Athen, nnd somit nach OL 111, 2 gestorben. Keinenfalls kann 
ÜSM »ber^kjpge Torbej^esohehsn sein, da die bei Aristoteles' Tod noch nicht 

Pfaues. 4 th. ntjjk. fcjttu, . 2 

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19 Aristoteles. 

I. J. 343 oder tack erst 3*8 v. Chr. (Ol. 109, 2) folgte 

Aristoteles einem Ruf an den macedonischen Hof *) , um die Erzie- 
hung des jungen, damals dreizehnjährigen "), Alexander »u leiten, 
welche bis dahin nicht in den passendsten Händen gewesen war *)■ 
Dieser Ruf traf ihn wahrscheinlich noch in Mrtylene 6 ). Ueber die 

mannbare Pythiaa (s. o. 4, 5) ihre Tochter war (Axibtokl. a. a. 0. Anon. 
Manag. Sdid., welche letsteren aber die Pytfaiaa fälschlich vor ihrem Vater 
starben lassen). Nach dem Tode der Pythiaa heirathete ftpj|J£ Austoil.) Ari- 
stoteles Herpyllis au* SUgire (dieM bei Ajustokl, vgl. Dioo. 14), welche ihm 
•Ina« Bahn, Nikoniachus, gebar; tollte er sie aber auch nicht förmlich ge- 
heirataet haben (Tmici bei Schol. in Hei. *E. x. 'H. T. 875 und Diog. V, 1, 
wo llüLUi Fragm. Biet. gr. I, 211 Beinen Namen an die' Stelle dea Timotheus 
»etat, den die Ausgaben haben; Athen. XIII, 589, c, angeblioh nach Hebmip- 
rui, der aber dooh vielleicht den Beiaata: i% h«(po( nach 'EpRoUISoj nicht 
gehabt hat; Sdid. und Anon. Menag. mit der sinnlosen weiteren Angahe, dasa 
ar sie nach der Pythias von Hermias erhalten habe), eo mn.es er sie doeh als 
■eine Frau behandelt haben; Bein Testament wenigstens erwähnt ihrer ganz 
ehrenvoll, sorgt aureichend für ihre Bedürfnisse , lind bittet seine Freunde: 
dnifiriUiuflii, ... jinjirf^VTix; IpttS, m4 'EpxuMIeef , ott «xouius rctp'i ipilftma, 
voiv Tt äÄXtiv nA liv ßoiil7)TUt övEpcE Äa|ipav([v , tivat |ii] ÖVo(C({> fjjawv SaSiJ (Dioe. 
18). Uaher Aristoteles' Tochter wiesen wir aas Seht. Math. I, 258. Anon. 
Manag. Suis, 'Apifft., dass sie nach Nikanor noch swei Minner hatte, den 
Bpactaner Prokies nnd den Arst Hetrodor; von jenem hatte sie zwei Söhne, 
welche Schüler Theophraat's wurden, vou diesem Einen, Aristoteles, weloher 
hei Theophrast'a Tod, wie es scheint, noch unerwachsen in seinem Testament 
•einen Freunden empfohlen wird. rlikomachns, von Theophrast eraogen, soll 
als Jüngling im Krieg umgekommen sein (Aristokl. a, a. 0. Dioo. V, 89, 62, 
Btjid. öed<pp.). 

1) Diese Zeitbestimmung giebt Apollodok b. Dioo. 10. Diomys. a, a. O. 
Dar geboliaet (ScboL in Arist. 28, b, 47), weloher nnsem Philosophen schon 
■nr Zeit von Plato's Tod bei Alexander verweilen lftast, bedarf keiner Wider- 
ragnag. 

3) Znm Folgenden vgL m. Qxina Alexander n. Aristoteles (Halle 1866), 
der aber seinen Gegenstand freilich, trotz aller Ausführlichkeit, doch nnr un- 
genügend behandelt hat. 

8) Dioo. sagt: lojBhrig, was aber ein Verseben des Abschreibers oder 
des Sammler* sem mnss, denn Apollodor Usst sich däeser Verstoss nicht an- 
tsaaen; vgl. Staub 86 f. 

4) Pttur. Adnx. c 5. Qcist«l. I, 1, 9, 

Ö) Stake S. 84. 106-, A. » ist iwar der Annahme nicht abgeneigt, A. sei 
va« Uitylen* sanlohst wieder nach Athen ■nrOekgakshrt, allem von nnaera 
g keines etwas davon, vielmehr giebt Oitmss. a, a. O. 
ir sei- von Mityleno ans an Philipe/ gegangen, nnd dass Arist. 
a ei>a& »riefflragmeM (U Dam»*. * etoewt. 39i IM) sagt: ir« fc |U* VfcBavö». 

.■ ;: i ^Google 



Haoeftoniiuher Aufenthalt 19 

näheren Veranlassungen, welche Philipp's Aufmerksamkeit «f Ari- 
stoteles lenkten, ist nichts Sicheres fiberliefert *> Was aber mehr 
zu bedauern ist: wir sind über die Beschaffenheit des Unterrichts, 
welchen der Philosoph dem jungen und hochstrebenden Königssohn 
ertheilte, und über die erziehende Einwirkung:, welche er auf ihn 
ausüble, fast ganz ohne Nachrichten 0; dass aber diese Einwir- 

tf( ZtiveipB: ^Iflov 8ia v>v ßeoiWa xhv \l^xv, U 81 £Ta T £(ptuv tk 'AOifvat Sii tov /«- 
[ümc-röv \U-fav , beweist nichts, da es sich in diesen halb scherzhaften Wor- 
ten nicht um Genauigkeit der geschichtlichen Aufzahlung, sondern nnr um 
Genauigkeit der rednerischen Antithese handelte: Athen «Je Anfanguunkt dar 
emten nnd Endpunkt der zweiten, Btagir* als Endpunkt der ersten und An- 
fangspunkt der zweiten Reise werden sich entgegeugoeotzt, die Zwiscbensta- 
tionen, wie wichtig sie an sich sind, übergangen. 

1) Nach einer bekannten Erzählung hätte er schon bei der Gehurt Aleian- 
der'i gegen Aristoteles die Hoffnung ausgesprochen , data er Ihn tntn grossem 
Manu erstehen werde; m. s. seinen angeblichen Brief bei Gfi.l. IX, ,1. Allein 
dieser Brief ist gewiss nicht fleht; denn wie lHast sieh annehmen, daaa der 
König an den damals erst 2Tjkbrigen jungen Mann, der noch keine Gelegenheit, 
sieh buk anzeichnen, gehabt hatte, in diesem Tone der Äussersten Bawnitdprnng 
geaehrieben, oder dasa er andererseits, wenn er ihn wirklich von Anfang an »um 
Eraiehor seine» Sohne bestimmt hatte, ihn nicht schon vor Ol. 109, 2 nach Ma- 
cedonien gezogen hlttte? Dagegen mag Aristoteles in der Folge, nachdem er 
sieh als einen der ausgezeichnetsten Platoniker bewfthrt hatte, die Augen d#e 
FSraten auf sich gezogen haben, der ein lebhaftes Interesse für Wissenschaft and 
Knnst hatte, und gewiss von allem, was in Athen von sich reden machte, wohl 
unterrichtet war; auf Cicaao's Zeugnis« hiefür freilich (oben 8. 14, 3) rauchte 
ich kein zu grosses Gewicht legen. Endlich ist es sehr möglich , daas Allst 
noch von seinem Vater her Verbindungen am makedonischen Hof hatte, un i 
dasa er selbst (wieSTinnS. 33 vermuthot) in jüngeren Jahren mit dem lmgefHh* 
gleich alten Philipp, dem jüngsten Sohn des Amyntas, bekannt gewesen- war. 
9) Es gab zwar eine eigens Schrift {welche indessen vielleicht nurTheü ei- 
nes grösseren Werks war) ober die Erziehung Alezanders von dem macedoni- 
sohea Gesobichtsoh reiber Msrsjaa (Sdid. Map. wozu Müllkh Script. Alex. H. 
S, 40 f. Geier AIos. Hist, Script. 320 ff. z. vgl.), und ebenso hatte Ouesikritu* 
in einem Abschnitt seiner Denkwürdigkeiten davon gehaadelt (Dmo. VI, 8*. 
Gbie» a. a. O. 77 ff.), nichtsdestoweniger sind die UeberHeferangea über die- 
sen Gegenstand äusserst sp5rlicb r und daaa nie auf zu verlies igen Quellen 
beruhen, steht keineswegs sicher. Plutabgh (Alex. a. 7 f.) rüäinrfc Aloamo- 
ders Wißbegierde, seine Freude an Büchern und belehrenden 1 Geapdasbenv 
seine Vorliebe für die Dichter nnd Geschichte chreifcer asiaes Volk»; er 
satat voraus, dam er von Aristoteles ment klon- in die Bthük und PeKofe, son» 
den aneh in die tiefesen Oeheimniaae seines frpÄeiw etogeftlu» worden 
■et; «beruft sieh hiefür auf die bekanntes, vollständiger von fitanmms, 
XX, & (aus AanaoaUDa) und Suark. Phjfi 1, b, an. mitgetleatasv Bifef- 
2* 

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20 Aristoteles. 

kung eine sehr bedeutende and vortheilhifte war, müssten vir an- 
nehmen, wenn auch die Zeugnisse aber die Verehrung des grossen 
Zöglings gegen seinen Lehrer und über die Liebe zur Wissenschaft, 
welche jener ihm einflösste 1 ), weniger bestimmt lauteten. Wenn 
Alexander nicht blos der unwiderstehliche Eroberer, sondern nach 
der umsichtige, über seine Jahre gereifte Regent gewesen ist, wenn 
er mit der Herrschaft der griechischen Waffen zugleich auch die 

oben, worin «ich Alexander beschwert, dags Aristoteles Beine akroamatischen 
Tortrlge veröffentlicht habe, und dieser ilim antwortet, wer nie nicht lolbat 
gehört habe, verstehe sie doch nicht; er bringt endlich Alexanders Liebha- 
berei für die Heilkunde, in der er sich bisweilen persönlich hei seinen Be- 
kannten versuchte, mit dem aristo tauschen Unterricht in Verbindung. Die»» 
sind aber doch nur mehr oder weniger wahrscheinliche Vermuthungeu, und 
gerade was darin am Urkundlichsten aussieht, die xwei Briefe, das ist in 
Wahrheit das Unzuverlässigste. Denn diese Briefe drehen sioh gsnz am jene 
Vorstellung über die akroaraatUchen Vortrage und Schriften , deren Grundlo- 
sigkeit später erwiesen werden wird, als ob dieselben ein wenigen Einge- 
weihte» vorbehaltenes Geheimnis* gewesen wären. Eine zuverlässige Nach- 
richt über den Umfang nnd die Hichtnng des aristotelischen Unterrichts laset 
sieb diesen Zeugnissen nicht entnehmen. Dagegen hören wir von iwei Schrif- 
ten, it. BaaiÄeca;, und Srcip 'Aicolxwv, welche Avist. an seinen Zögling gerichtet 
habe (Amkok. Sehol. in Arist. 35, b, 45. v. Arist, S. 48. Ann», lat. 8.56); 
die erste derselben scheint Cicbeo ad Att. XII, 40, 3, vgl. XIII, 28, 2, im 
Ange in haben. Nach Plut. Alex. 8 revidirte Arist für Alexander den Text 
der Ilias. Zugleich mit Alexander scheint Mavsyas, welchen Suid. a. a- O. als 
seinen eilvtpof o; bezeichnet, den Unterricht des Philosophen benützt m haben; 
weiter nennt Josti» Xu, 6 (vgl. Plut. Alex. 55. Dioo, V. 4, Aasiaa. IV, 10) 
Ksllisthenes seinen amdüripulut, welcher aber um ein Merkliches alter gewesen 
sein muas (Gbikb Alex. Hist. Script 192 ff.); anch Kassander (Plut. Alex. 74) 
war vielleicht schon damals, vielleicht aber anch erst spater, Schüler dea 
Aristoteles. Durch denselben war endlich Alexander (Plot. Alex. IT) mit 
Theodektes, nnd ohne Zweifel anch mit Tbeophraet bekannt geworden, hin- 
sichtlich dessen freilich weder auf Dioo. V, 89, nooh auf Aeluh V. H. IV, 19 
an banen ist, der aber auch nach Dioo. V, 52 mit Arist. in Stagira gewesen 
an sein scheint. — Die fabelhaften Angaben des falschen Kallisthenea Aber 
Alexander's Jngend können wir übergehen. 

1) Pldt, Alex, c 8; 'ApirrotArj 81 6cfj|iä^uv ev öp/^ xot frfaitölv ofy Juw, 
ö>f büto; fXt-^j TftB «a"p«f, "S Gl* exeiyov |iiv X'oi, Siä tdutov Bt xaXüf £üv, Odtspov 
Ss fotoicrortpon to/fv (hierüber später), ob% ßori jcotija«! ti xixbv, ecü' «! <piXc- 
fpocfru to df oSpbv Ixßto *a\ onpierutov aix e/ouoai npi>( ai-cov £Ua^priTi]To; iyi- 
vovro tsxpjjpiov. & pivTOi jipöf ^liomxpiay J r Litt<pim&; xat ouvtl6pKU(jirot &jc' äp^Sfc 
•frrif rjgjXef xeft )CdOo( oOt %e$iT\ "rijs tyufr^, wie sein Verhalten gegen Anaxarch, 
Xenokratea nnd die Indier Dandamis nnd Ealanas beweise. Thesusi. or, 
VIU, 106, D kann man nicht als Gegenbeweis anführen. 



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Macedonisoher Aufenthalt. 21 

des griechischen Geistes zu begründen bemüht war, wenn er den 
grösslen Versuchungen zur Selbstüberhebung, denen ein Mensch 
ausgesetzt sein kann, Jahre lang widerstanden hat, wenn er trotz 
aller späteren Verirrongen doch immer noch durch Edelmnth, Sit- 
tenreinheit, Menschenfreundlichkeit und Bildung über alle anderen 
Weltnezwinger hervorragt, so wird diess die Menschheit nicht zum 
kleinsten Theil dem Erzieher zu danken haben, welcher seinen em- 
pfänglichen Geist durch die Wissenschaft bildete und den ihm an- 
geborenen Sinn für alles Grosse und Schöne durch Grundsatze be- 
festigte 1 ])- Aristoteles seinerseits soll von dem Einfluss, welchen 
ihm seine Stellung gewährte, den wohlthäligsten Gebrauch gemacht 
haben, indem er sich für Einzelne und ganze Städte bei dem König 
verwendete 3 ); unter den letzteren hatten sich, wie erzahlt wird, 
namentlich Stagira, dessen Wiederaufbau er bei Philipp durch- 
setzte 3 ), Eresus *') und Athen 6 ), theils damals, theils später, seiner 
Fürsprache zu erfreuen. 

1) Dm« er in praktischen Fragen, auch in ao wichtigen, wia die von 
Pi,ut. virt. Alex. I, 6, S. 329 (wozu Starb 8. 99, 2 z. vgl.) erwähnte, von den 
Auxiohteji des Aristoteles abwich, steht dem nicht im Wege. 

2) Ahm™. 8. 46. Amin. lat. 8. 66. All V. H. XII, 54. 

3) So Flut. Alex. c. V, vgl. adv. Col. 33, 8. 8. 1126, wogegen Dioo. 4. 
Amhoh. 8.47. Pi;!s. h. nat. VII, 29, 109. Ah.h» V. H. in, IT. XII, 54. Valer. 
Max. V, 6, ext 5 die Wiederherstellung (Letzterer freilieh auch die Zerstö- 
rung) Stagira's Alexander; anschreiben. Plutarch zeigt eich aber hier nicht blos 
überhaupt genauer unterrichtet, sondern seine Angabe wird auch, wie sogleich 
gezeigt werden soll, durch die eigenen Aeussernngen dea Aristoteles und Theo- 
phraat bestätigt. Mach Pi.iit. adv. Col. 32, 9. Dioo. 4 hatte A. der neogegrfln- 
deten Stadt auch Gesetze gegeben, was ganz glaublich ist. 

4} Nach Amkoh, 8. 47 schützte er diese Stadt vor dem Zorn Alexander'«, 
welcher sie der lateinischen Bearbeitung zufolge sogar hatte zerstören wollen. 
Dieae Zeugnisse sind freilich ungenügend. 

5) Dass er wahrend seines maoedonisohen Aufenthalts auch den Athenern 
Dienste geleistet habe, sagt zwar nur die lateinische Lebensbeschreibung 
a. a- 0., mit Berufung auf seipe traetahts ad Fhiiippum , und mit dem verdach- 
tigen Beisatz, es sei ihm dafür eine Bildsäule auf der Akropolis errichtet wor- 
den. Scheint aber schon das, was von den Iraetatm ad Fhiiippum gesagt wird, 
nicht ganz aas der Luft gegriffen, wenn auch vielleicht ein MisBverstKndnisi 
darin steckt, so dient der Vorliegenden Angabe in der Hauptsache auoh die 
Aussage des Dioo. 2 zur Bestätigung: frfl\ Si xcti "Epuiroio; iv toij ßtotf , Sn 
KpußciJovro; aiVtou Rpii; <MXrrcicov üitlp 'Afajvcc&av <ryoÄäp;rr,; ifiii-.<j lij; ti 'Axa- 
S»|LUif axoJ-^t StvoxpKTijf- &9aYra Si) aÜTov xal 8i«oa[uvov &k' öXlui tJjv ujfoXJjv 
lUrtoi wp6ff*TO» tov h Aw&im. Staub 8. 66 f. 71 f. will diese Gesandtschaft in 



22 Aristoteles. 

Als Alexander, erst secbszehnjahrig, von seinem Vafer mm 
Reichs verw«ser bestellt wurde , mnsste der aristotelische Unter- 
richt natürlich aufboren, und auch in der Folge kann er nicht wie- 
der in regelmässiger Weise aufgenommen worden sein, da der 
frühreife Zögling in den nächsten Jahren an den entscheidenden 
Kriegen seines Vaters den lebhaftesten Antheil nahm; was aber 
doch eine Fortsetzung des wissenschaftlichen Verkehrs in den ruhi- 
geren Zwischenräumen nicht ausschliesst *). Aristoteles scheint 
sich jetzt in seine Vaterstadt zurückgezogen zu haben 9 >; Pella 



die Zeüf von Aristoteles' erstem Aufenthalt zu Athen setzen, indem er annimmt, 
Diogenes, welcher im Folgenden sein über Isokratcs gesprochenes Wort (». o. 
14, 3) auf Xenokrates überträgt, habe auch schon hier die Zeit, in welcher et 
gegen laokratea auftrat, mit der späteren, wo er neben Xenokrates im Lyceum 
lehrte, verwechselt. Dieas ist aber nicht wahrscheinlich. Denn 1) fuhrt Diog. 
jene spätere Angabe (b. S) nicht, wie dieonsrige, auf Hermippns zurflok, viel- 
mehr deutet er durch den Uebergang zur direkten Rede selbst an, dass er nicht 
mehr aus diesem, oder wenigstens nicht mehr aus der gleichen Stulle desselben 
berichte; 3) ist es gani unmöglich, in dem ans Hermippns Angeführten an die 
Stelle des Xenokrates Isokrates zu setzen , Diogenes müsste also die ganze 
Angabe erfunden haben; 3) endlich siebt man nicht ein, was die Athener schon 
vor Plato's Tod veranlasst haben konnte, einen Ausländer, der keine politische 
Stellung hatte, wie Aristoteles, sie Gesandten an Philipp zu schicken, welcher 
sich damals noch weit mehr nm sie bemühte , als dass sie eines Fürsprechern 
bei ihm bedurft hatten. Ich glaube daher, dass sich die Nachricht auf einen 
späteren Torgang, am Wahrscheinlichsten ans den zwei Jahren z wischen der 
Schlacht bei Chlronea und Philipp's Ermordung, bezieht Damals mochte Ari- 
stoteles, der jetzt am macedonischen Hof Einfluas hatte, Athen duroh seine Ver- 
wendung einen Dienst leisten, vielleicht zu diesem Zweck von Stagire (s. n. 
23, 1) nach Pella reisen, und diess mochte Hermippns mit dem Ausdruck jtpea- 
pButw bezeichnet, oder es mochte vielleicht auch Diogenes einen anderen Aus- 
druck von einer Gesandtschaft gedeutet haben, — Der Ein&uss des Aristoteles 
hatte vielleicht überhaupt einigen Antheil an der Schonung und Gunst, mit der 
Alexander Athen behandelte (Pi.ot. Alex. c. 13. 16. 38. 60). 

1) OL HO, 1,840 v.Chr., als Philipp gegen Byzanz zog. DiodobXVI.,77. 
PlCT. Alex. 9. 

1) Aristoteles konnte daher in jener Zeit Alexander'» Lehrer genannt 
werden oder nicht, wie nun wollte, nnd vielleicht haben wir es ans theilweise 
daraus zu erltlSren, dass die Daner dieser Lehrzeit so verschieden angegeben 
wird! von Diosrs auf acht Jahre (die Qesammthett sein es Aufenthalts in Haee- 
Aoniczt), von Justin XII, 7 auf fflnf, was aber für den eigentlichen Unter- 
, rieht freilich immer noch zu viel ist. 

3) Dass er die letzte Zeit vor seiner Rückkehr nach Athen in Btagira zu- 
brachte, erhellt ans der ß. 1 8, 5 angeführten AensseraDg. Damit bAog t es wob 



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ßüokkehr nach Athen. JJJ 

hatte er schon früher mit seinem Zögling verlassen *). Auch nach 
Alexanders Thronbesteigung nwss er noch einige Zeit hier geblie- 
ben sein. Mit dem Beginn des grossen Perserxugs dagegen fielen 
für ihn die Gründe weg, welche ihn bis dabin in Macedonien fesU 
gehalten hatten, und es binderte ihn nichts mehr, an den Ort zu- 
rückzukehren, welcher ihm persönlich am Meisten zusagte *), «od 
seiner Wirksamkeit als Lehrer das ergiebigste Feld darbot *), 

Dreizehn Jahre nach Plato's Tode, Ol. 111, 2, C335/4 v. Chr.) 
traf Aristoteles wieder in Athen ein *)• Die Zeit, welche ihm hier 



], das! leine zweite Frau aus Stagira gebürtig war (s. o. 17, 1), und 
dass Theophraet hier ein Gut besass (Dioo. V, 52). 

1) Nneh Flut. Alex. c. 7 war ihm und Alexander das Nymphlium bei 
Mio*» «um Aufenthalt angewiesen. Stabs 104 f. glaubt dieses in die anmittel- 
bare NShe Btagirn'ü verlegen iu dürfen; Gkike, Alex, and Arist. SB neigt je- 
doch, dass Miese südwestlich von l'ella in der Lendschaft Emathin lag. Insu 
fem könnte sieh der Vorwarf Theokrit'e (b.Dioa. 11. Ena. pr. er. XV, 2,8), 
da» er atatt der Akademie Bopßipou Iv ^pofaan gewohnt habe, nicht blos auf 
Fell«, sondern auch auf Mieza beziehet). 

2} In dem mehrerwStmten Bruchstück (s. o. IS, 6) nennt er den rauhfcn 
thiaoiaohen Winter als das, was ihn ans Stagira vertrieben habe; der Haupt 
gnmd wird diese aber nicht gewesen sein. 

3) Amol. 8. 47 liest Aristoteles nach Speusipp's Tod daroh die Athener 
(als ob diese über die Nachfolge in der Akademie an verfügen gehabt bitten) 
nach Athen beruf™ , wo er gemeinschaftlich mit Xenokr&tes die Leitung der 
platonischen Schule übernimmt (vgl. oben fi. 10,4). Diese Lebensbeschrei- 
bung giebt aber hier überhaupt, in ihren beiden Bearbeitungen, ein Qetrine 
von Fabeln. Nach der griechischen lehrt A. in Folge jenes Rufs im Lfoetun, 
mos» aber späterhin nach Chalois flächten, gebt von hier wieder nach Maoe- 
donien, begleitet Alexander auf seinen Zügen bis nach Indien, sammelt bei 
dieser Gelegenheit seine 250 Politioen, nnd kehrt nach Alexanders Tod in 
seine Vaterstadt zurück, wo er, dreinndswanrig Jahre naoh Flato, stirbt. Der 
Lateiner (S. 56 f. 59) liest ihn gleichfalls Alexander nach Persien begleite», 
dort die 250 Politieen sammeln, nnd nach beendigtem Krieg in seine Htamash 
■nrttckkebren, aber dann erst den Lehrstuhl im Isroeom einnehmen, nach 
Chalois flachten nnd hier, 28 Jahre nach Pinto, sterben. Es ist verlorene Mühe, 
in dieser Spreu nach einem Korn geschichtlicher Wahrheit sa suchen. 

4) ÄFOLnoDoa b. Dios. 10. DioNis. a. a. O. Beide nennen übereinstim- 
mend OL 111, 2, ob aber Aristoteles in der ersten, oder in der «weiten Hälfte 
dietet Jahres, d. h. im Herbst d. J. 335 oder im Frühjahr 334 naoh Athen kam, 
wird nicht angegeben. Für die letxtere Annahme spricht der Umstand, dais 
erst im Sommer 335, naoh der Zerstörung Thebens, die feindselige Haltung 
Athen's gegen Alexander aufgehört hatte and der maoedonieahe Einflnes in ' 
dieser Stadt wieder befestigt war, und dasa Alexander erst im Frühjahr 334 

* 



24 Aristoteles. 

noch zu wirken vergönnt war, betragt nur etwa zwölf Jahre *), 
aber was er in diesem kurzen Zeitraum geleistet hat, grenzt an's 
Unglaubliche. Dürfen wir auch annehmen, dass er die Vorarbeiten 
für sein philosophisches System grossentheüs schon vorher gemacht 
hatte, waren auch vielleicht die naturwissenschaftlichen Untersu- 
chungen und die geschichtlichen Sammlungen, welche ihm den Stoff 
für seine philosophische Forschung darboten, bei seiner Rückkehr 
nach Athen schon zu einem gewissen Abschluss gekommen, so 
scheint doch die Mehrzahl seiner eigentlichen Lehrschriften erst der 
letzten Periode seines Lebens anzugehören s ). Hit diesen umfas- 
senden und anstrengenden schriftstellerischen Arbeiten geht aber 
gleichzeitig jene Lehrtätigkeit Hand in Hand, durch welche er 
seinem grossen Lehrer jetzt erst als Stifter einer eigenen Schule 
ebenbürtig gegenübertrat. Als Versammlungsort für seine Zuhörer 
wählte er die Räume des Lyceums *)■ In den Baumgangen dieses 
Gymnasiums auf- und abwandelnd pflegte er sich mit seinen Schä- 
lern zu unterhalten*), und von dieser Gewohnheit erhielt die ganze 
Schule den Namen der peripatetischen*); für eine zahlreichere Zu- 

nach Asien aufbrach. Für die entgegengesetzte Ansicht kann man das Zeug- 
niss des Dionts (e. folg. Anm.) anführen, von dem es »her freilich wahrschein- 
licher ist, dass es nicht auf einer genanen Ueberliefernng, sondern auf eigener 
Berechnung aus den Jahresbestimmungen Apollodor's (Ol. 111, 2 für die An- 
kunft in Athen, OL 114, 3 für den Tod, etwas früher, also Ol. 114, 2 Flacht 
nach Chalcis) beruht. 

1) DioNTs. a. a. 0. : loyilaiet b AuxEUt> ypouov ttüu ätMexa ' t$ 8i Tpnpiou- 
Stx&Tq), [utb -rijv 'AXt££v6pou TbUuTJjv, e»\ Ki)<piaoS(6pou äfjotvn, äicäpn^ *!; XsX- 
xifia viaii. wImtö. Da Alexander 333 im Juni, Aristoteles (s. u.) 322 im' Herbat 
starb, so ist diese Rechnung genau richtig, wann Letzterer im Herbst 335 nach 
Athen kam, nnd es im Herbst 323 wieder verlies». Das Gleiche wäre freilich 
auch dann der Fall, wenn Ariat. erst im Frühling 334, nach Athen nnd im Som- 
mer 322 nach Chalcis gieng. Doch ist das Letztere (s. u.) nicht wahrscheinlich. 

2) Das Nähere hierüber im nächsten Kapitel. 

3) Man vgl. über dieses in einer Vorstadt gelegene, mit einem Tempel des 
Apollo Lykeios verbundene Gymnasium Boro, nnd Hjupokhvtioh u. d. W. 
Schot- in Aristoph. pac V. 362. 

4) Hebhiff. b. Dioo. 2 n. A. , s. folg. Anm. 

5) Eewifp. a. a. O. Cio. Aoad. 1,4, 17. Gbll. N. A. XX, 5, 5. Dioo. 1,17. 
Silii. h. pbil. c 3. Philof. in qu. voc. Schal, in Ar. 11, b, 23 (Tgl. in C&teg. 
Schol. 35, «, 41 ff. Ammok. in qu. voe. Porph. 25, b, u. Divin in Cat. 28, b, 
42 ff., und daiu oben 8. 14, 3). David Schol. in Ar. 20, b, 16. Siwft,. in Categ. 
1, e. Das* diese Ableitung richtig ist, and der Nun« nicht (wie Sum. 'Aptorox. 



Schale und Lehrtätigkeit. 25 

hürerschaft musste er aber natürlich eine andere Form des Unter- 
richts wühlen >)■ Ebenso inusste, wie diess schon bei Plato mehr 
oder weniger der Fall gewesen war, die sokratische Weise der 
Gesprächfuhrung dem fortlaufenden Vortrag weichen, sobald es 
sich um eine grössere Schülerzahl , oder am solche Darstellungen 
handelte, in denen nach Stoff und Gedanken wesentlich Neues mit- 
zutheilen, oder eine Untersuchung mit wissenschaftlicher Strenge 
in's Einzelne auszuführen war; wogegen er da, wo kein solches 
Bodenken im Weg stand, das wissenschaftliche Gespräch mit seinen 
Freunden ohne Zweifel gleichfalls nicht ausschloss *)• Neben dem 
philosophischen Unterricht scheint er auch seine frühere Redner- 
schule wieder aufgenommen zu haben 9 ), mit welcher auch Rede- 



Zartpir. Hesyoh. Tit. init. wollen, und icb gelbst früher annahm) von dem Ver- 
sammlungsort der Schale (dem jCEpücarot des Lveeunia) herstammt, wird theib 
durch seine Form, welche sich nur von japiza.xßw herlsiteu lBsst, theils durch 
den Umstand wahrscheinlich, dass der Aaudmck nepiisaxat in der alteren Zeit 
nicht auf die aristotelische Schule beschränkt ist (s. o. 6, 3). In der Folge 
erhalt er aber allerdings diese Beschränkung, und man sagt oi h (oder änb) 
tdü Kipacinou ähnlich wie o! äitb rifc 'Axa8ii[i(a;, Tij( noÖf , x. B. Seit. Pyrrh. 
III, 181. Math, VII, 331. 369. XI, 45 u. o. 

1} Gell. a. a, O. sagt zwar, Arist. habe zweierlei Unterricht ertheilt, eso- 
terischen und akratischen; jener habe sich anf die Rhetorik, dieser auf die 
pläimophia rsmoiior (die Metaphysik) die Physik um! die Dialektik bezogen. 
Dem »kroatischen Unterricht, der nnr für die Bewahrten und gehörig Vorbe- 
reiteten bestimmt war, habe er die Morgenstunden, dein esoterischen , zu dem 
Jedermann Zutritt hatte, die Abendstunden gewidmet; jener sei daher der iu- 
Srvbt, dieser der ätilivb; itEpijraTOC genannt norden: utraque enim tempore ambu- 
lant diiterebat. Allein vor einer grosseren Zuhörerschaft kann man nicht im 
Gehen sprechen. Dioo. 3 hat daher ohne Zweifel das Gichtigere: exEiäi; & 
xliiout i-ftvera Jjäij «a't exöGioev. Die Gewohnheit des Auf- and Abgehens kann 
er desshalb doch betbehalten haben, sobald die Zahl der Anwesenden diess 
erlaubte. 

2) Es liegt diese theils in der Natur der Sache, zumal da Arist. gereifte 
und wissenschaftlich bedeutende Männer, wie Theophrast, unter seinen Zuhö- 
rern hatte, theils wird es durch die dialogische Form wahrscheinlich, deren er 
lieh wenigstens in jüngeren Jahren auch für Schriften bedient hatte, theils 
scheint es aus der Sitte des peripate tischen Unterrichts hervorzugehen, welche 
an und für sich auf Wechselnden hinweist; vgl, Dias. IV, 19 (ober Polemo): 
äUa. (ii|V oiSi xaSlfuv IXgve !tpo( Tic Htatu, vae\ lcspiftgrcuv 31 tKqtifpEi. lipo; 8e'- 
sa U|uv bezeichnet den fortlaufenden Vortrag Über ein bestimmtes Thema, 
tarr tipilv die Disputation. Vgl. 8. 26, 1. 

3) Dioo. 3 freilich ist iiiefür ein schlechter Zeuge, da das, was er hier an- 



26 Aristotoles. 

öbangen verbunden waren 0; nnd hierauf beliebt sieb die Angabe, 
dass er sich des Morgens nur einem engeren und gewählteren 
Kreise, Nachmittags Allen ohne Ausnahme gewidmet habe*), an 
populärwissenschaftliche Vortrage für grössere Versammlungen ist 
dabei nicht zu denken. Auch die aristotelische Schule werden wir 
uns aber zugleich als einen Verein von Freunden in vielseitiger Le- 
bensgemeinschaft zu denken haben. Gerade für die Freundschaft 
bat ja ihr Stifter, im platonischen Kreise grossgenährt, in Wort und 
That einen so warmen und schönen Sinn bewährt; und so hören 
wir denn auch, dass er sich mit seinen Schülern, nach akademi- 
schem Muster, bei gemeinsamen Mahlen zu versammeln pflegte, 
und dass er eine bestimmte Ordnung für diese Mahle, wie für das 
ganze Zusammensein, eingeführt hatte *)- 

Die wissenschaftlichen Hülfsmittel, deren Aristoteles für seine 
weitschichtigen Arbeiten bedurfte, soll ihm die Gunst der beiden 
macedonischen Könige, nnd namentlich Alexanders königliche Frei- 
gebigkeit verschafft haben *); und so übertrieben die Angaben der 

scheinend von Aristoteles' späterer Zeit sagt, einer Quelle entnommen in «ein 
scheint, in der ob sieb auf don früher, im Kampf mit Isokrates, ertheilten Unter- 
richt bezog (s. o. 14, 3). Allein die aristotelische Rhetorik, von der eeinet Zeit 
gezeigt werden wird, dass sie wahrend der zweiten Anwesenheit au Athen ver- 
ftMt ist, macht es doch sehr wahrscheinlich, dass anoh im mündlichen Unter- 
richt des Philosophen die Rhetorik nicht fehlte. Auch Geil. a. a. O. redet 
ausdrücklich vom Unterricht im Lyceunt. 

1) Dioo. 8: xat rcpb( 6t'oiv ouvrpSjAHiilJe Toli; |ia6i)Tci( kfia xn'i fijTOpixäij liir«- 
™üv. Cic orator 14, 46: anter einer Oe'oi; verstehe man eine allgemeine, auf 
keinen besondern Fall bezügliche Frage. (Weiteres Aber diesen Begriff bei 
Dems. Top. 21,79. epiat ad Att. IX, 4. Quam. III, 6, 6. X, fi, ll.ivgl. Fmi, 

Qnaest Prot. 130 f.) In hoc Aritiotflei adolßtemtu , tum ad phMoBophoru™. 
morem tenuitor dititrendi, ted ad copiam rhetorum in vtramgat parttm, ut or- 
natiiu et uberiux dici poinet, azereuit. Keiner Ton beiden sagt, ob er dabei die 
erste, oder die zweite Rednerschule des Arial im Auge habe, es wird aber von 
beiden gelten. Vgl, folg. Anm. 

2) Gull, a. f.. O. (s. o. 25, 1): JSwTsptxi dietbantw, quae ad rhntoricat 
meditationtt/andfatanque argutianim dvUmmqu» rerum notitiam condueebant . . . 
iäaa eero txiMrica* auditinnet txcrätiumqw: dicendi. 

3) Nach Ai'hls. I, 8 f. V, 186, b schrieb er (für die gemeinsamen Mahle) 
vijAOt ov[iÄ0Tt*«i (Weiteres über diese Schrift später), nnd nach Dioo. 4 (dar 
diese Notiz nur an einen ganz falschen Ort gestellt hat) führte er das Amt eines 
alle 10 Tage wechselnden Sehn Iva rat and et ein. Den vdjxoi aupRrcutQt scheinen 
die Worte b. Athen. 186, e anzugehören. Vgl. hiezu erste Abth. 643, X. 

4) Asuan V. H. IV, 19 lftsst achoii Philipp dem Philosophen die reich- 



WiisflDacbftftHche Hfllfsmittel. 27 

Allen hierüber auch zu sein scheinen, so wahrscheinlich es noch 
ilt, dsss Aristoteles schon von Htnse aus wohlhabend war *), so 
läest uns doch der Umfang' seiner Leistungen allerdings auf grössere 
Mittel schliessen, als sie ihm ohne jene Hilfsquelle wohl zu Gebot 
standen. Jene gründliche und vielseitige Kenntnis» der Schriftwerke 
seines Volke, welche uns in seinen eigenen Darstellungen entge- 
gentritt Oi war ohne Bucherbesitz kaum denkbar; und es wird auch 
ausdrücklich bezeugt, dass er der erste gewesen sei, welcher eine 
grössere Bibliothek anlegte ■)• Werke ferner , wie die Politieen 
und die Sammlung ausländischer Gesetze 4 ), konnten nur durch 
und wohl auch kostspielige Erkundigungen zu Stande 
Namentlich aber die Thiergeschichte und die verwand- 
ten naturwissenschaftlichen Schriften setzen Untersuchungen vor- 

liehiten Mittet (itXo&rov ivivSiij) für »eine Forschungen, und namentlich fflr die 
Thiergesabichte , gewahren; Athes. IX, 398, e redet von B00 Talenten, mit 
denen Alexander dieses Werk unterstützt habe; Plin. H. nat VIII, 16, 44 be- 
richtet, Alexander habe ihm alle Jäger, Fischer und Vogelfänger seines Reichs, 
alle Aufgeber königlicher Jagden, Fischteiche, Heerdcn u. s. *-., mehrere Un- 
land Menschen, für dasselbe zur Verfügung gestellt. Indessen bemerkt Ober 
die letalere Angabe Bkumi 8. 117 f., in Uebereinstimmang mit Humboldt 
(KoBmos II, 191. 427 £), dass sich in den naturwissenschaftlichen Schriften 
du Aristoteles keine Beweise für seine Bekanntschaft mit Dingen finden, 
welche erat durch Alexanders Zug zu seiner Kunde gelangen konnten; und 
wenn diese auch (z. B. hinsichtlich der Elephanten) einige Ausnahmen erleiden 
sollte, erscheint doch die Angabe dea Plinius nicht gerechtfertigt. 

1) Dieas neigt sich nicht blos in seinem Testament, welches für die frühere 
Zeit nicht anmittelbar beweisend ist, und es wird nicht blos durch den Vor- 
wurf deAUeppigkeit und Prunkliehe voraus gesetzt, welchen Gegner ihm ge- 
macht haben (s. u.); sondern alles, waa wir von seinem Lebensgang wissen, 
nacht den Eindruck eines unabhängig gestellten Mannes, der bei der Wahl 
seines Aufenthaltsorts, bei seiner Verheirathang, bei seinen schon in jüngeren 
Jahren gewiss sehr umfassenden und bedeutende Hfllfsmittel erfordernden Stu- 
dien durah keilte VeratSgenarüaksiobten gehemmt ist — denn die Fabeln des 
Eplkor und Tinnitus (s. o. S. 6, 2. 8) verdienen keine Beachtung. 

3) Ausser den noch vorhandenen gehören hieher namentlich such die nur 
noch in den Titeln und in dürftigen Bruchstücken erhaltenen znr Geschichte 
der Philosophie, der Rhetorik und der Poftsie. 

B) Str*ro XIII, 1,54. 8. 608: jcpütai« Jiv Tojiiv etworf orfiv ßtßXIs-xot 8iS4&« 
wü« «V Art»*™ QaitMat $i$kmltf*.i\i otfvra&v. Vgl. Athen, t, 8, m. Für Bpeu- 
sipp'a Werke soll er drei attische Talente (Über 4000 Thlr.) bezahlt haben; 
Gill. m, 17, 3. 

t) lieber beide tiefer unten. 



3V Google 



28 Aristoteles. 

aus, wie sie kein Einzelner fertig bringen konnte, wenn er nicht 
aber weitere Kräfte zu gebieten hatte, oder sie zu gewinnen im 
Stande war. Es ist daher eine höchst erfreuliche Fugung der Um- 
stände, dass dem Manne, welchen sein umfassender Geist und seine 
seltene Beobachtungsgabe zum einflussreichsten Begründer der Er- 
fahrungswissenschaft und der gelehrten Forschung gemacht hat, die 
äusseren Verhaltnisse günstig genug waren, um ihm die nötbige 
Ausrüstung für seinen grossen wissenschaftlichen Beruf nicht zu 
versagen. 

In den letzten Lebensjahren des Aristoteles trübte sich das 
schöne Yerhallniss, in welchem er bis dahin zu seinem grossen 
Zögling gestanden war '). Der Philosoph mag wohl an Manchem, 
was Alexander vom Glücke berauscht that, an mancher Maassregel, 
die jener zur Befestigung seiner Eroberungen nöthig fand, der sich 
aber die hellenische Sitte und das Selbstgefühl unabhängiger Män- 
ner nicht fugen konnte, an den Härten und Leidenschaftlichkeiten, 
zu weichen sich der jugendliche Weltherrscher, von Schmeich- 
lern umringt, durch den Widerstand Einzelner erbittert, durch ver- 
räterische Nachstellungen mißtrauisch gemacht, hinreissen liess, 
Anstoss genommen haben *); und an Zwischenträgern, welche dem 
Könige Wahres und Unwahres hinterbrachten, wird es bei der Ei- 
fersucht, mit der sich die Gelehrten nnd Philosophen in seiner Um- 
gebung gegenseitig zu verdrängen suchten 3 ), um so weniger ge- 
fehlt haben , da auch die Höflinge und Feldherrn ohne Zweifel die 
wissenschaftlichen Verbindungen und Liebhabereien des Fürsten in 
ihr Ränkespiel mit hereinzogen. Weiter scheint das nahe Verhält- 
niss, in dem Aristoteles mit Antipater stand *), den König bei der 

1) B. o. S. 20, 1. Als ein Zeichen dieses freundlichen Verhältnisses wird 
der Briefwechsel der Beiden angeführt. Die noch vorhandenen aristotelischen 
Briefe sind jedoch sicher unttoht (s. Stahh Arist. II, 167 ff., der sie wich, nebst 
weiteren literarischen fiachweisungen, mittheilt). Dasselbe gilt (s. O. 8. 19, 2) 
von den zwei Briefchen bei Gbllids. Dagegen kann das kleine Brachstück bei 
Aelüs V. H. XII, 54 acht sein; die Briefe des Arist. an Alezander fahrt auch 
Dbmetb., De eloont. 234 als Huster an, vier Briefe nennt Dioa. 37. 

9) Dass er mit Alexanders ganzer, auf Gleichstellung und Verschmelzung 
ron Griechen und Orientalen berechneter Politik nicht einverstanden war, sagt 
wenigstens Pi.utabch b. o. B. 21, 1. 

3) M. Tgl. z. B. Pier. Alex, c 52. 53. Auslas IV, 9—11. 

4) Dieses Verhältnis« erhellt ausser dem Umstand, dass Antipater'« Sobn 



Spateres Verhältnis» su Alexander. 89 

Spannung, «eiche allmfthlig zwischen ihm und seinem Feldherrn 
eintrat, auch gegen jenen verstimmt zu haben *). Was jedoch der 
früheren Anhänglichkeit des Königs an seinen Lehrer den schwer- 
sten Stoss versetzte, war das Verhalten des Kallisthenes *)■ Die Un- 
beugsamkeit, mit welcher sich dieser Philosoph der neueingefuhrten 
orientalischen Hofsitte widersetzte, der herbe und rücksichtslose Ton, 
in dem er dagegen eiferte, die Absichtlichkeit, mit der er seinen Frei- 
muth zur Schau trug und die Blicke aller Unzufriedenen im Heer 
auf sieb richtete, die Wichtigkeit, welche er sich als Geschicht- 
schreiber Alexanders beilegte, und die Selbstüberhebung, mit der 
er diess aussprach, hatten den König schon seit längerer Zeit mit 
Groll und Hisstrauen gegen ihn erfüllt. Um so leichter ward es den 
Feinden des Philosophen , ihn von der Hitschuld desselben an einer 
Verschwörung unter den Edelknaben zu überzeugen, welche Ale- 
xanders Leben in die höchste Gefahr brachte, und Kallisthenes ver- 
lor mit den Verschworenen, deren verbrecherischem Unternehmen er 
ohne Zweifel ganz fremd war s ), das Leben*)- Im ersten Augen- 
blick wandte sich der Verdacht des gereizten Herrschers selbst ge- 
gen Aristoteles % der seinen Verwandten Kallisthenes bei sich auf- 



Ksssander ein aristotelischer Schüler wer (Pi.ut. Alex. 74) , ans den Briefen 
de« Philosophen an Antipater ( Awhtokl. b. Ena. pr. ev. XV, 2, 9. Dioo. 27. 
Dxmxtb. de eloout. 226. AtLUI V. 11. XIV, 1). Auch die falsche Nachrede 
über seinen Antheil an Alexanders Tod (h. u.) setzt es vorlas. 

1) M. s. Pi.ut. a. «. 0. (freilich ein Vorfall aas Alexander'! letaler Zeit, 
nach der Hinrichtung dea Kallisthenes). Ueber Antipater vgl. ebd. 39. 49. 
Iuuh VII, 12. Cdbt. X, 31. Diodob XVII, 116. 

2) Das Nührre aber ihn geben Plut. Alex. 53 — 05 vgl. Sto. rep. 30, b. 
8. 1043. qn. eonv. I, 6. 8. 628. Aebiah IV, 10 — 14. Cübt. VITJ, 18 flf., vgl. 
anch Chabes b. Athkb. X, 434, d. Thbofhbast b. Gic Tuac. III, 10, 21, von 
Neueren Stihb, Allst I, 121 ff. Dboyshn, Gesch. Alex. S. 349 ff. Obotb, HL». 
ef Qreece XU, 290 ff. u. A. Anf die weit auseinandergehenden Urtheile dieser 
Miltner Dber Kallisthenes kann ich hier natürlich nicht eintreten, 

3) Inwiefern ihn die Schuld traf, die jnngen Leute durch unvorsichtige 
und aufteilende Beden in ihrem Vorhaben bestärkt zu haben, liest sich nicht 
inimitteln, eine wirkliche Mit Wissenschaft oder Miturheberschaft dagegen, wie 
»is ihm zur Last gelegt wurde, ist nicht allein nnerweislloh, sondern auch 
höchst unwahrscheinlich. 

4) Die Art seines Todes wird bekanntlich verschieden angegeben. 

6) Bei PLOT.Alex.55 schreibt er an Antipater: o! |iiv mitei; fach tüv Maxe- 
U>uv »anXciiafor-iav ■ tqv 6k osiuttjjv (Ksllisth.) lyäi xniaato xotk tdu( fcot^i+avTau; 
*»n>> aal ww» üjtoB«xou^vws wß( xdXiin loijj epA ütißouXtiJOVTas. Mach Chabbs 



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erzogen and ihn später Alexander empfohlen batle 0; wie dringend 
auch jener selbst den unbesonnenen jungen Mann zur Vorsicht er- 
mahnt haben mochte *)■ Doch hatte diess für ihn, ausser einer 
merklichen Erkaltung; seiner Beziehungen zn Alexander, keine wei- 
teren Folgen 8 ). Wenn sich nichtsdestoweniger an den Tod des 
Kallisthenes die Behauptung angeknüpft hat, dass Aristoteles bei 
der angeblichen Vergiftung Alexanders durch Antipater mitgewirkt 
habe 4 ), so ist die vollkommene Grundlosigkeit dieser Anschuldi- 
gung längst nachgewiesen 6 > Und wirklich hatte ja auch Aristo- 



(Plut. a. a. O.) hatte er Anfangs im Sinn, in Gegenwart des Aristoteles über 
Kallisthenes Gericht zu halten. Nur eine rednerische Uebertreibung, keine ge- 
schichtliche Angabe, ist die Behauptung des Dio Crbysost. or. 64, 8. 338: 
Alexander sei damit umgegangen, Aristoteles and Antipater tödten zu lassen. 

1) Fun. a. a. O. Abbia* IV, 10, 1. Dioo. 4 f. Suid. K«XXk»6. 

2) Dum. a. a. O. Valeb. Max. VII, 2, ext. 8 vgL Pi.m. Alex. 54. 

3) Plutabch sagt diess ausdrücklich, s. o. 20, 1, und die Angabe bei 
Dioo. 10, dass Alexander, um seinen Lehrer zu kranken, Anaximenes von 
Lampaakus und Xenokrates Beweise seiner Gnade habe zukommen lassen, 
würde das Gegentheil nicht beweisen, wenn aie-auoh glaubhafter wäre. Aber 
ein so kleinliches Verfahren liegt nicht in Alexander's Charakter und würde 
aul' Aristoteles auch schwerlich viel Eindruck gemacht haben; Pi,dt. a. &. O. 
sieht in der Bald, welche der Künig Xenokrates erwies, gerade eine Nachwir- 
kung des aristotelischen Unterrichts. Was freilich Philof. in Meteorol. (Arist. 
Meteorol. ed. Ideler I, 142) über einen angeblich aus Indien geschriebenen 
Brief Alexander's an Arist mittheilt, kann man für die Fortdauer ihres freund- 
schaftlichen Verkehrs nicht anführen. 

4) Der erste Zeuge dafür ist ein gewisser Hagnothemis b. Plct. Alex. 77, 
der die Bache von König Antigonua (wohl Antig. I.) gehört haben wollte; wei- 
ter erwähnt der Sage Abhub VII, 27, indem er ihr, wie Plutarch, widerspricht; 
such Plik. H. nat. XXX, 16, Schi, behandelt sie als Erdichtung. Nach Xiphtlik 
LXXVIL 7. 8. 1293 R. entsog Kaiser Caracalla wegen Aristoteles' angeblich«' 
Blutschuld den Peripatetikern in Alexandrien ihre Privilegien. 

5) Der Beweis, welchen schon Stabs Arist. 1, 1H6 IT. geführt, Und DOOTMN 
Gesch. d. Hellenismus I, 706 f. ergltnst hat, beruht, abgesehen von der *ww- 
lisoben Und enk barkeit der Sache, hauptsächlich auf folgenden Gründen Er- 
stens bezeugt Pi.i't. a. a. 0, ansdräcklich, dass der Verdacht einer Vergiftung 
erst 6 Jahre nach Alexander's Tod aufgetreten sei, als er der leideni eh aftl iahen 
Olympia« einen willkommenen Vorwand bot, ihren Haas an Antipatex'n Fami- 
lie zu kühlen, und die öffentliche Meinung gegen Kassander, den angsblrantn 
Ueberbringer d*s Gifts, su&UTegen; ein Umstand, welcher an und für sich 
schon die Angabe mshi als verdächtig macht. Nicht minder verdsVahtig ist 
2) das Zeugniss das Aatigonus , da aneh dieses doch nm aus der Seit itamaw 
kann, in dar er Bit Kanwador »urfeindel war; dab«> fragt sc sieb, aircr km»n 

l ^Google ■ 



Flucht am Athen, 3t 

teles so wenig Ursache, den Tod seines königlichen Schillers' zu 
wünschen, das« vielmehr dieses Ereigniss für ihn selbst ernstliche 
Gefahren herbeiführte. 

Die unerwartete Kunde von dem plötzlichen Ende des gefürch- 
teten Eroberers rief nämlich in Athen die iusserste Aufregung 
gegen die macedonische Oberherrschaft hervor, und sobald man 



noch, ob dieser anoh schon Aristoteles der Theilnahme an dem Verbrechen be- 
schuldigt hatte. Dean buchet auffallend ist 8), dasa von den leidenschaftlichen 
Gegnern des Slagiriten, denen sonst keine Verleumdung gegen ihn in schlecht 
ist, einem Epikux, Timäus, Demochares, Lyko u. s. w. (ra. s. über dieselben 
Aubtokl. b. Eus, pr. ct. XV, 2 und was B. 6 f. weiter angeführt wurde) eine Er 
wähnung dieser Anschuldigung , die ihnen doch vor Allein willkommen sein 
musate, nicht bekannt iit. Dazu kommt 4) dass fast alle, die von Alexander'* 
Vergiftung reden, die fabelhafte, Allem nach schon bei der ersten Verbreitung 
jener Saga in Umlauf geeetate, und auf die Volkaphantasia auch ganz gut be- 
rechnete Angabe haben , sie sei durch Wasser von der nun akrischen Quelle 
(der Styx) bewirkt worden; was wieder beweist , das» wir uns hier nicht anf 
geschichtlichem Boden befinden. 5) weist das, was Arsian nnd Pi.utabch über 
den Gang von Alexander'« Krankheit aus der Hofcbronik mittheilen, durchaus 
nicht auf Vergiftung. Wann femer 6) Aristoteles durch Kallistheues' Schick- 
sal zu seinem Verbrechen bestimmt worden sein soll , so kann dieses weder 
einen so unauslöschlichen Groll in ihm erzeugt haben, dase derselbe noch 
6 Jahre spater einen derartigen Ausbruch genommen hätte, da er selbst ja bei 
der Gemfi thsart und dem Benehmen seines "Verwandten diesen Ausgang vor- 
ausgesehen hatte, noch kann er andererseits den Tod des Königs zn seiner 
eigenen Sicherheit nöthig gefunden haben, nachdem eine ao lange Erfahrung 
gazeigt hatte, wie wenig er für sieb von ihm zn fürchten habe. Wahrscheinlich 
stand aber sein eigener Adoptivsohn im Dienst Alexanders, von dem ihm wich' 
Üge AuftrSge anvertraut wurden (s. o. S. 4, 5). Was aber 7) das Gerücht von 
Alsxaader'B Vergiftung rar sieb schon widerlugt, das ist der weitere Gang der 
Ereignisse. Alexander' a Tod gab für Griechenland das Zeichen zum Ausbruch 
eines Aufstände, durch welchen gerade Antipater im lamischen Krieg aufs 
Aewseiate bedrängt wurde. Jeder, der mit den damaligen Verhältnissen be- 
kannt war, konnte eine solche Bewegung für diesen Fall mit vollkommener 
Sicherheit voraussehen. Ware Antipater voni Tode des Königs nicht ebenso, 
wie alle Andern, überrascht worden, so wurde er seine Vorkehrungen getroffen 
haben, tun den AnfsötncSsehen entweder die Stirne bieten tu können, oder sich 
als Befreier an ihre Snätse zu «teilen. Hätte man andererseits Antipater für 
osa Uriisbex des Ereignisses gehalten, welchen die Griechen als den Anfang 
ihrer FreUrtät feierten , so würde eich die Bewegung nicht vom ersten Augen- 
abak an gegen ibn gewendet haben, und htttto man Aristoteles einen Antheil 
Jana aaaanaanriaha», so wiltda er in Athen nicht sofort anf Leben und Tod 
vorklagt worden sein. 



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32 Arictotelai. 

darüber volle Gewissheit erlangt halte, brach diese Aufregung in 
offenen Krieg: «»«■ Athen stellte sich an die Spitze aller derer, 
welche die Freiheit Griechenlands erstreiten wollten, und ehe der 
macedonische Statthalter Antipater hinreichend gerastet war, sah er 
sich von einer Uebermacht angegriffen, deren Bewältigung ihm nur 
nach langem gefahrvollem Kampf in dem klinischen Kriege gelang ')• 
Gleich bei ihrem Beginn wandte sich diese Bewegung, wie sich diess 
nicht anders erwarten liess , gegen die hervorragenden Mitglieder 
der macedonischen Parthei, und mochte auch Aristoteles keine poli- 
tische Rolle gespielt haben a ), so war doch sein Verhältniss zu Ale- 
xander, seine freundschaftliche Verbindung mit Antipater zu be- 
kannt, sein Name zu berühmt, er hatte auch der persönlichen Neider 
und Feinde ohne Zweifel zu viele, als dass er, der Erzieher des 
macedoni sehen Herrschers, anangefochten bleiben konnte. Eine 
Klage wegen Verletzung der bestehenden Religion, welche an sich 
selbst ungereimt genug war, musste den Vorwand zur Befriedigung 
des politischen und persönlichen Hasses hergeben 3 )- Aristoteles 

1) Das Nähere Aber ditae Vorginge bei Dkoybbn, Gösch, d. Hellenism. 
I, 69 ff. 

2) Nach Abibtübu b. Eub. pr. ev. XV, 2, 3 hatte Democharei (ohne Zwei- 
fel der Neffe des Demosthenes, über welchen Cic. Brat. 83, 186. De orat. II, 
MS, 90. SiästcA de In III, 28, 2. Pj.ct. Demoith. 30. vit. X. «rat. VIII, 53. 
8. 847. Si:m. u. d. W. i. Tgl.) dem Philosophen vorgeworfen, es seien Briefe 
tod ihm aufgefangen worden, welche feindselig gegen Athen waren, et habe 
Stagira den Maeedonieru verratheil, und nach der Zerstörung Olynth'« Philipp 
die reichsten Bürger dieser Stadt angegeben. Aber schon die awei letaten, 
selbst den äusseren Verhältnissen nach unmöglichen Behauptungen «eigen, 
was auch von der ersten zu halten ist Aristokles hat ganz Recht, wenn er 
sagt, man brauche diese Dinge nur anzuführen, um sie zu widerlegen. Nicht 
einmal die Ankläger des Arial, scheinen etwas der Art vorgebracht zn haben. 

S) Die Klage, von Demophilns auf Betrieb des Hieropbanten Eurymodon 
eingebracht, gieng auf die Vergötterung des Herrn ins , für welche der Beweis 
in dem 8. IT, 2 erwähnten Gedieht und wohl auch in dem angeblichen Opfer 
(8. IT, 1) liegen sollte (Athen. XV, 606, a. 69T, a. Dieo. 6. Anon. Hen. Bmn. 
Hksych.; Ohio. c. Gels. I, 66 nennt statt dessen wohl nur aus eigener Var- 
muthung tiva GdY[iaT« tij« ipcXooofiei; «4ro5 i evoptow tb« aüffij ot 'A^wSot). 
Die Schwäche dieses Klagegrundea beweist aber znr Genüge, dass er blosser 
Vorwand war, wenn auch vielleicht der Hierophant in dem Philosophen neben 
dem Freund Antipater» auch den Aufklärer basale. Eine ehrlich gemeinte 
Anklage wegen Gottlosigkeit war in dem damaligen Athen wohl kaum imoi 



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Flucht ans Athen. 88 

fand es geratben, dem drohenden Sturm aussnweichen 1 ): er flAeh- 
lete sich nach Chaleis auf Euböa s ), wo er ein Landbaus besasa 8 ), 
und sich wohl auch sonst schon zeilenweise aufgehalten hatte*); 
seine Feinde konnten ihm ausser einigen leicht zu verschmerzenden 
Beleidigungen 5 ) nichts anhaben. Das Lehramt im Lyceum über- 

1) Seine Aensseruugen hierüber: er wolle den Athenern keine Gelegenheit 
gaben, sich zum zweitenmal an der Philosophie zu versündigen, und: Athen 
sei der Ort, wo, nach Homer, SyX. u 1 ■"' *TX V B "CtP^w-u, oüxov S' h& <nfxu> (An- 
spielung auf die Sykopkanten) , finden »ich bei Dioo. 9. Aiuu III, 36. Oeia. 
itO. Eubtath. in Odjss. H, 120. 9. 1573. Awuoti. 8. 48. Amnion. laL S. 69. 
Die beiden letztem lassen ihn diese in einem Brief an Antipeter äussern!- nach 
Fav u ejh b. Dioa, a. a. 0. war der homerische Vers in der Verteidigungsschrift 
angeführt, die auch der Anon. Meneg. g. E. nnd Athbh. XV, 697, a kennt 
Indessen bezweifelt schon Athf.h. die Aechtbeit dieser Schrift, und man sieht 
•neb nicht ein, was Aristoteles, 4er sich in Sicherheit befand, und sich gewiss 
über die Erfolglosigkeit eines solchen Schritts nicht Unechte, an dieser Selbst- 
«ertheidignng hatte bewegen können. Es ist ohne Zweifel ein rednerische« 
UebuQgsetflck, eine Nachahmung der sokratischen Apologieen. 

8) Es wäre diese nach Atollodob b. Dioa. 10. OL 114, 3, also nach der 
Mitte (L J. 833 v. Chr. geschehen. Diese ist jedoch nicht wahrscheinlich, 
Denn (heile redet Stkabo a. a. O. nnd Hebaülipeb b. Dioa. X, 1 so, als ob 
Artet, längere Zeit in Chaleis gelebt hätte, theils ist es an und für sich viel 
wahrscheinlicher, data die Anklage gegen Aristoteles gleich während der er- 
sten Aufregung gegen die maeedonische Parthei, als dass sie später, nach Anti- 
pater'e entscheidenden Siegen in Thessalien, erhoben wurde, and das* Aristo- 
teles bei Zeiten flüchtete, statt den ganzen Verlauf des lamisohen Kriegs in 
Athen abzuwarten, ich vermutbe daher, dass er schon im Spätsommer 323 
Athen rerliess, und dass auch Apollodar nur gesagt hat, was bei Dioars. ep. 
ad Amm. J, 5 steht, Aristoteles sei Ol. 114, 8, nach Chaleis gefluchtet, gestor- 
ben. Andererseits kann man aber auch nicht (mit Staue I, 147) auf eine noch 
frühere Uebersiedlung dorthin aas der Angebe des Hebaklideb a. a. 0. 
Mhlieasen, dass Arietoteies, als Epikur nach Athen kam, sich in Chaleis auf- 
gehalten habe; Ttltori{ettVTO( 3* 'AX^xvSpeu ... (urtlMv (so. 'EiclxQupov) tfc 
iaiafSn*. Denn da die Flocht des Philosophen nach Chaleis nur durch die 
ihm in Athen drohende Gefahr veranlasst war, diese Gefahr aber erst in Folge 
von Aleznnder's Tod. eintrat, welchen kein Menech vorhersehen konnte, so 
kann AriaL unmöglich früher nach Chaleis gegangen sein, als die Nachricht 
vom Tode des Königs nach Athen kam, also nicht vor der Mitte d. J. 823. Jene 
Angabe den Heraklidea oder Diogenes Bericht Ton derselben mus* demnach 
MgajajBj sein. Darm Schal, in Arist. 36, b, 26 begeht das Unglaubliche, die 
Flucht nach GhaVjjs in dje nächste Zeit nach Sokrates Tod zu verlegen. 
8) 8. o. 6. *VJt 

4) VgL Stkabo S, i, n, ß. 44g, 

5) Im Fragment eines Briete an Antipater hei Aeijam V. H. XIV, 1 or- 
PaDos. d. Gr. B. Bd. t Äbth. 3 



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34 Aristoteles. 

i»hm, zunächst wohl nur für die Zeit seiner Abwesenheit '), Theo- 
phrast *)■ Indessen sollte sich Aristoteles seines Asyls nicht lange 
erfreuen. Schon im folgenden Jahr, im Sommer d. J. 322 v. Chr. s ), 
erlag er einer Krankheit, an der er schon langer gelitten hatte 4 ), so 
dass er demnach von seinen zwei grossen Zeitgenossen, Alexander 
und Demosthenes , den einen nur um ein volles Jahr überlebt hat, 
und dem andern um Weniges im Tode vorangieng. Sein Leichnam 



wahnt er, wahrscheinlich ans dieser Zeit, twv h icl(püi( ifaifiofthniiv u.01 tuA ait 
iipijpi]jiw niJv. Was diese aber war, ob eine Bildsäule oder irgend ein Ehren- 
recht, z. B, Proedrie, oder was sonst, und von wem er es erhalten hatte, wird 
nicht mitgetheilt. War es ihm von den Athenern verliehen , so kannte es mit 
den 8. 2i, 6 erwähnten Diensten zusammenhängen. 
1) Vgl. hierüber 8. 86, 8, 

3) Dioa. V, 36, nnd nach ihm Büro. 6io? p. 

S) Das Olympiadenjahr 114,3 nennt Aroi,LODOR b. Diso. 10. Amman. Ist. 
8. 55, vgl. Dmai-8. a. a. ü. Die nähere Zeitbestimmung ergiebt sieh aus der 
Angabe (Apou-odor a. a. 0.), er sei um dieselbe Zeit, wie Demoathenes, oder 
genauer (Gnu.. N. A. XVII, 21, 35) knn tot Demos thenes, gestorben. Da nun 
dieser nach Pure. Demosth. 30 Ol. 114, 3 am 16. Pyanepsion (823, 14. Okthr.) 
starb, so moss Aristoteles Tod in die Zeit vom Juli bis zum Septembef dieses 
Jahn fallen. 

4) Dass er an einer Krankheit starb, sagen Afollodor nnd Draal». «. d. 
S.O., vgl. Gkll. XIII, 6, 1; Cebsohib di. nut. 14, 16 fügt bei: kuncferunt nttiu- 
Taiem etomachi inßrmitat&n crebraique morbidi corporii offrntümst adeo virtute 
animi diu tuttmtaue, ut magit mü-um lit ad anno* wxagvnta frei tum etaaai 
fraluiwe, quam ultra non pertuiitsc. Die Behauptung des Eumet.ds b. Dioo. 6, 
welcher der Auon. Menag. 8. 61 nnd nach ihm 8üid. folgt, dass er sieb mit 
Schierling vergiftet habe (oder gar, wie Hbbtcb. will, anm Schierlingsbecher 
venirtheilt worden sei), scheint ans einer Verwechslung mit Demosthenes oder 
einer Nachbildung von Bokretea Ende (vgl. S. BS, 1) henurShren ; keiaenfalls 
aber ist sie geschichtlich, da sie die zuverlässigsten Zeugnisse gegen sieh hat, 
nnd weder mit den Grundsätzen des Philosophen (Eth. N. HI, 11. 1116, a, 1*. 
V, 15, Auf. IX, 4. 1166, b, 11), noeh mit der Sachlage übereinstimmt; dann in 
Euböa war er ja ausser aller Gefahr. Das Mahrchen Tollende, welches sieh 
aber in dieser Form doch nnr bei Elias Cbbtbksis 8. 507, D CoL findet, dass 
er sieh in den Euripug gestürzt habe , weil er die Ursachen seiner Erschei- 
nungen nicht ergründen konnte, bedarf keiner Widerlegung, nnd auoh das, was 
der angebliche Jcbtin Cohort. c. 86. Übbo. Nai. or. IV, 113, A. Peooof. Do 
belle Goth. IV, 579, C (denen noch Bi-ahr I, 155, 6 trota Bitlb'b rinhtigerbr 
Auffassung, Art Ariatote, Anm. Z, die gleiche Angabe anschreibt) allein haben, 
und was selbst Batlb a. a. 0. des Philosophen höchst würdig findet, dass ihn 
sein vergeblichem Nachsinnen über jene Ersobeinnng dorch Kummer nnd An- 
strengung aufgerieben habe, ist sehr unglaubhaft. 



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T a. 35 

soll nach Stagira gebracht worden sein *}; se ' n Testament, ein Be- 
weis treuer Anhänglichkeit und umfassender Fürsorge ffir die Sei- 
nigen, auch ffir Sklaven, ist uns noch erhalten *). Zum Vorstand 
seines Schülerkreises bestimmte er Theopfarast •); derselbe erhielt 
m\ den werthvollsten Theil seiner Hinterlassenschaft, seine 
Mcfeer 4 )- 

üeber die Persönlichkeit unseres Philosophen sind wir durch 
die UeberUeferong nur sehr unvollständig unterrichtet. Ausser eini- 
gen Angaben über sein Aeusseres s ) sind die Anschuldigungen sei- 
ner Gegner fast das Einzige, was uns mitgetheilt wird. Die meisten 
von diesen sind nun schon früher in ihrem Unwertfi gewürdigt wor- 



1) Was freilich nur die lateinische Lebensbeschreibimg 8. 56 unter wei- 
teren Angaben über sein Monument nnd die Feier seines Andenkens, berichtet . 

3) Dioa. 11 ff. rgl. 8. 4, 5. 17, 3. An der Aeohtheit dieser Urkunde Hast 
lieh diu «o weniger zweifeln, de «llo inneren Anzeichen dafür sprechen, nnd 
da schon Hfbmjpfvh b. Amt:*. XIII, 589, c eine Bestimmung daraus anführt. 
Diogenes hat sie (nach V, 64} wohl von Aristo. Nach dem latein, Ammonins 
8. 69 hatte sie auch Asukomikos and ProLniiiui mitgetheilt. 

8) Die artige ErzKhtang Aber die Art, wie er diese seine Willensmeinuns; 
ausdrückte {Gell. N. A. XIII, 5, wo aber statt „Menedemas* Eudemui stehen 
sollte, aelbst wenn der Verfasser n Menedemui u geschrieben hat) ist bekannt 
Die Ssehe ist auch ganz glaublich, und würde Aristoteles, wie wir ihn sonst 
kennen, ähnlich seilen- Wo sie sieb sutrng, in Athen ror seiner Abreise oder 
in Ohsdcis, Iftsit sich nicht sieher ausmachen, doch hat die letstere Annahme 
mehr Rir sich. In diesem Fall kann dann aber die Uebergabe des Lehramts 
rar dar Flocht ans Athen nur eins interimistische gewesen sein, wie diess anoh 
an sich wahrscheinlicher ist. 

4) Stbibo XIII, 1, 64. 8. 606. Plut. Bulla c. 36. Ätnas. I, 3, * rgl. Dion. 
V, 62. Anfallend ist ea, dass das Testament der Bücher nicht erwähnt. Wenn 
daher Arial, nicht schon vorher über diese verfügt hatte, müsste man anneh- 
men , die betreffende Stelle sei ans Versehen von Diogenes oder in der Ab- 
schrift, deren er sich bediente, weggelassen worden. Möglieh aber nach, dass 
Theopfarast erat nach dem Tode von Aristoteles' Sohn Nikomachu» in ihren 
Beut* kam. 

5) Dioe. 3 nennt ihn fa^voaxtUft nnj * [uxpdpfunoc, ein schmähende* Epi- 
gramm in der Anthologie (III, 167 Jak.), anf das nichts an geben ist, ojuxpot, 
y rt aacest, cpoyäoTiop, namentlich geaehieht aber eines Sprachfehlers Etwih- 
ansnj, der in einer an weichen Aussprache des R bestanden au haben scheint; 
ianaf nlulieh wird sieh, das Prädikat -tpayloj bei Dioa. a. a. O. Auoq. Henag. 
Bas. Plbt. and. po6t. c 8, S. 36. adulat. o. 9, S. 53 beliehen. Einer angeb- 
lichen Bildsäule Ton ihm erwähnt Pabsas. VI, 4, 6; ober andere Aristoteles- 
Büder s. m. Stam I, 161 f. 

3- 



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den: so diejenigen, Welche sich auf sein Verbiltniss zn Plato, zu 
Hermtas, zu seinen zwei Frauen, zu Alexander, anf die angeblichen 
Un Würdigkeiten seiner Jugend und die politischen Schlechtigkeiten 
seiner späteren Jahre beziehen ')• Aach das Uebrige aber, was aus 
den Schriften seiner zahlreichen Feinde 5 ) mitgetheUt wird, hat 
grösstenteils nicht viel auf sich s ); nnd ebenso wenig geben uns 
sonstige Nachrichten das Recht, ihn einer egoistischen Lebensklug- 
heit oder eines ungemessenen nnd kleinlichen Ehrgeizes zu beschul- 



1) Vgl. S. 6 ff. 16, i. 17, 1. 2. 80, 4. 5. 32, 2. Zu diesen Verleumdungen ge- 
hört Mich die AngaboTKSTtLMAs's (Apologet. 46) : ArUtotdes familiärem fUun 
Hermiam turpiter loeo exctdere fecit, was nach dem Zusammenhang doch nur 
heisaen kano, er habe ihn verrathen, eine Behauptung, io ungereimt and au- 
gleioh so schlecht, das» gerade ein Tertullian nöthig war, um nie zu glauben, 
oder auch zn erfinden. 

2) Tbimist. orat XXIII, 2S5, c redet von einem «patbs äXo; aoloher, 
welche den Arisl Terlänmdet hätten; theila bei ihm, theils bei Abibtoki.es 
(Bus. pr. er. XV, 2) nnd Dioa. 11. 16 werden in dieser Beziehung noch aas 
der Zeit des Amt nnd der nächsten Folgezeit genannt: Epikur, Timaus, Enbn- 
Üdea, Alezinna, Cephisodor, Lyko, Theokrit von China, Demooharea; mit wel- 
chem Recht Tuemiöt. diesen Gegnern Dicaaroh beifügt, wiesen wir nicht. 

3) So jene Anschuldigungen , welche sieh bei Aeihtoki.. and Dioa. s, d. 
a. O. Süid. 'Api«. Athes. VIII, 342, c. XIII, 666, e. Pub. h. n. XXXV, 16, 2. 
Ahlian V. H. III, 19. Tuuodoret out. gr. affoct. XII, 51. 8. 173. Lccia* Disi. 
mort. 13, 5. Paras. 36 finden: Arist sei ein Schlemmer gewesen, sei mir dees- 
halb an den macedonisohen Hof gegangen, habe Alexander unwürdig ge- 
schmeichelt, in seinem Naohlass haben sieh 75 (oder gar 300) Schüsseln ge- 
funden; er sei ferner (wegen Pythias nnd Herpyllis) geschlechtlich anaaohwei- 
fend, nnd auch in seinen Schüler aus Phsselis (Theodektea) Terliebt gewesen; 
äbordiesa so weichlich, dass er in warmem Ool gebadet habe (was ohne 
Zweifel aus medicinischen Gründen geschah; vgl. Dioa. 16 nnd oben 8. 34, 4), 
nnd so geizig, dass er dieses Oel nachher verkauft habe; er habe sich in jün- 
geren Jahren mehr, als einem Philosophen zieme, gepatzt (was ja bei einem rei- 
chen, in der Nahe des Hofs aufgewachsenen jungen Mann moglieh ist), sei vor- 
laut gewesen nnd habe einen spöttischen Zog im Gesicht gehabt Es laast sich 
jetzt nicht mehr ansmitteln, ob diesen Beschuldigungen etwas Thati sachliches 
and was ihnen an Grande liegt, aber die Beschaffenheit der Zeugen" Usst ganz 
entschieden vermathen, dass dieses Thatsachliche jedenfalls nur anf unbedeu- 
tende Dinge binansISnft, weit das Meiste dagegen böswillige Erfindung oder 
Oonseqnenzmacherei ist Wie die Grundsätze das Philosophen über den Werth 
der äusseren Güter nnd aber die Lust zn solchen Verdächtigungen benutzt 
wurden, zeigt n, A. Lucutf a. a. 0. Thhodobbt a. a. O. nnd der von ihm an- 
geführte Attiilb. 



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Charakter. 37 

digen ')• Der erste von diesen Vorwürfen stützt sich hauptsächlich 
■nf sein Verhältnis« zu den maeedonischen Machthabern, der zweite 
■uf die Kritik, welche er in seinen Schriften ober Zeitgenossen und 
Vorgänger ergehen lässt. Allein dass er in unwürdiger Weise um 
die Gunst eines Philipp oder Alexander gebuhlt habe, lässt sich 
nicht beweisen '), und dass er die Unbesonnenheiten eines Kallisthe- 
aes hätte gutbeissen oder nachahmen sollen, lässt sich nicht ver- 
langen; nimmt man aber daran Anstoss, dass er sich überhaupt zur 
imcedonischen Parthei hielt, so lieisst das einen falschen und fremd- 
artigen Haasstab an ihn anlegen. Aristoteles war allerdings nach 
Geburt und Bildung ein Grieche. Aber wenn schon seine persön- 
lichen Verbindungen wesentlich dazu beitragen mussten, ihn für das 
Fürstenhaus zu gewinnen, weichem er und sein Vater so nahe stan- 
den und so Vieles verdankten, so konnte die Betrachtung der allge- 
meinen Lage nicht dazu dienen, ihn von diesem Weg abzulenken. 
War doch schon Plato von der Unnahbarkeit der bestehenden Zu- 
stände überzeugt gewesen, hatte doch er schon ihre durchgreifende 
Umgestaltung gefordert. Dieser Ueberzeugung seines Lehrers konnte 
sich der Schüler wohl tun so weniger entziehen, je schärfer und 
unbestechlicher er die Menschen und die Dinge zu beobachten ver- 
stand, je klarer er die Bedingungen durchschaut hatte, an welche 
die Lebensfähigkeit der Staaten und der Verfassnngsformen geknüpft 
ist. Nur dass er mit seinem praktischen Sinn nicht an das platonische 
Staatsideal glauben konnte, sondern statt dessen in den gegebenen 
Verhältnissen and unter den bestehenden politischen Mächten den 
Stoff zu einem staatlichen Neubau suchen musste. Dieser war aber 
damals schlechterdings nur im maeedonischen Reiche vorhanden, die 
griechischen Staaten waren nicht mehr fähig, ihre Unabhängigkeit 
nach aussen zu behaupten und ihr inneres Leben ans sich zu ver- 
bessern. Die ganze bisherige Erfahrung bewies diess so schlagend, 
dass selbst ein Phocion im lamischen Krieg erklärte, ehe die sitt- 

1) Vorwürfe, denen selbst Stab* I, 173 ff. eine grössere Berechtigung 
«inrlmnt, als wir ihnen zugestehen können. 

3) Btauu findet zwar, es klinge fast wie Schmeichelei , wann Arial, bei 
Art. V. II. Sil, 54 an Alezander schreibt: ö Bujib^ xa'i jj öp-yf, od xp&t Wj«, 
»lU *pb( toi( xp«iTTOVOf f' vnEU i ao ^ 3t niSitt te'K- Allein diess ist ja die lautere 
Wshrheit: wer war denn dem'Besieger des Penerreioha an Macht zu verglei- 
ch»? In diese Zeit nämlich muss wohl der Brief fallen. 



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liehen Zustünde seines Vaterlands andere geworden seien, lasse sich 
von einer bewaffneten Erhebung gegen die Hacedonier nichts er- 
warten 0- Dem Freund der macedoniseben Könige, dem Bürger des 
kleinen, von Philipp zerstörten und als macedonisebe Landstadt 
wiederhergestellten Stagira, lag die gleiche Ueberxeugung gewiss 
weit näher, als einem athenischen Staatsmann. Können wir es ihm 
verargen, wenn er sich ihr nicht verschluss, und in richtiger Er- 
kenntniss der Sachlage sich auf die Seite stellte, welche allein eine 
Zukunft hatte, und von der allein, wenn überhaupt noch, Griechen- 
land eine Rettung aus seiner inneren Zerfahrenheit nnd Erschlaffung, 
seiner äusseren Unselbständigkeit hätte kommen können? wenn er 
die bisherige Freiheit der griechischen Einzelstaaten für unhaltbar 
ansah, nachdem ihre tiefste Grundlage, die politische Tugend der 
Staatsbürger, verschwunden war? wenn er in seinem Alexander die 
Bedingung erfüllt glaubte, unter der er die Alleinherrschaft für 
naturgemass und gerecht hält *), dass Einer über alle Andern an 
Tüchtigkeit so hervorrage, um ihre Gleichstellung mit ihm unmög- 
lich xu machen? wenn er die Hegemonie Griechenlands lieber in 
seinen Händen wissen wollte, als in denen des persischen Grosa- 
königs, um dessen Gunst sich die griechischen Staaten seit dem pelo- 
ponnesischen Krieg wetteifernd bemühten? wenn er von ihm hoffte, 
dass er den Griechen geben werde, was ihnen, wie er glaubt 1 ), 
allein fehlte, um Herren der Welt au sein, die staatliche Einheil? 
Die politische Haltung unseres Philosophen wird daher, so weh wir 
sie zu benrtheilen im Stande sind, keinen Tadel verdienen, wenn 
man sie nur aus dem richtigen Sundpunkt betrachtet. Was den 
Vorwurf des Ehrgeizes betrifft, so ist allerdings seine wissenschaft- 
liche Polemik nicht selten schneidend und selbst ungerecht; aber 
doch nimmt sie niemals eine persönliche Wendung, und überhaupt 
wird Niemand beweisen können, dass sie aus einer anderen Quelle 
entspringe, als aus dem Bestreben, seinen Gegenstand möglichst 
scharf zu behandeln und möglichst vollständig zu erschöpfen; und 
wenn sie trotz dem immer noch bisweilen den Bindruck einer ge- 



1) Plct. Phoc. 23. 

S) Polit. III, IS, Suhl. 

8) Pc.lit.VII, 7. 1327, b, SB, wo Ariit. die Vertilge <lei grJBohiiohra Volk« 
MUDinandeiMtit : Sidmp Üxihpöv te SmtezX« xstt ßAttara xoXrctvdpnov Mit tu- 
vijuvov öpx uv *&rto>v P>f tuTX* ,0V ftoXmfcc. 



• 



wissen Rechthaberei macht, so dürfen wir andererseil* weh die 
Gewissenhaftigkeit nicht übersehen, mit welcher der Philosoph jedes, 
■ach den verborgensten Keim des Wahren bei den Früheren auf- 
sucht, so dass hier schliesslich doch nur eine sehr begreifliche und 
entschuldbare Einseitigkeit übrig bleibt. Noch weniger werden wir, 
um Anderes zu übergehen l )i darauf ein Gewicht legen, dass Ari- 
stoteles erwartet haben soll, auf dem Grunde, den er gelegt, werde 
die Philosophie bald zur Vollendung gelangen 0; denn damit hätte 
er sich doch nur der gleichen Selbsttäuschung schuldig gemacht, 
welche noch manchem Philosophen nach ihm, und darunter auch 
solchen begegnet ist, die nicht, wie er, für Jahrtausende Lehrer der 
Menschheit gewesen sind. Indessen steht die ganze Angabe nicht 
sicher s )- 

So weit uns die wissenschaftlichen Schriften des Philosophen, 
die dürftigen Ueberbleibsel seiner Briefe, die Bestimmungen seines 
Testaments und die unvollständigen Nachrichten über sein Lebe» 
ein Bild seines Charakters gewähren, können wir nur vorteilhaft 
von ihm denken. Reine Grundsätze , ein richtiges sittliches Gefühl, 
ein feines und treffendes Unheil, Empfänglichkeit für alles Schöne, 
ein warmer und lebendiger Sinn für Familienleben und Freundschaft, 
Dankbarkeit gegen Wohlthäter, Anhänglichkeit gegen Angehörige, 
menschenfreundliche Hilde gegen Sklaven und Hüli'sbedürftige *), 
treue Liehe gegen seine Gattin, eine edle, über das griechische Her- 



1) Wie das Geschiohtchen, welches Valeb. Mai. Till, 11, est 3 als einen 
Beweis für A.s Htis in capessenda laude anfährt, welches aber offenbar eine 
massige, ohne Zweifel aus der miss verstanden an Stelle Rhet ad Alex. c. 1, Schi. 
(vgl. Rhet. III, 9. 1410, b, 2) geschöpfte Erfindung ist 

2) ClO. Tusc. III, 2g, 69: Aristoteles Meieret philoscp/ton accuiant, qui 
u i el i nav iti enl , pkiloiop/uam suis ingenäs ette perfeetam, ait eis aut itultiteimot 
aui glorioaiuimos /taste: sed K vidiere , quod paitcti annis magna accessio facta 
esset , brevi tempore philosophiam plane abiolutam fore. 

8) Um die Tragweite des fraglichen Ausspruchs beurthailen in können, 
mnasten wir wenigstens wissen, in welchem Zusammenhang er stand, ob er 
nicht t. B. einem Gespräch entnommon int, und ob ihn Cicero überhaupt vu 
sicherer Hand hat Sonst verweist Arist, wie seiner Zeit gezeigt werden wird, 
nicht selten auf die Notwendigkeit weiterer Untersuchung. 

4) Hinsichtlich der enteren vgl. m. sein Testament, welches n. A. ver- 
ordnet, dass keiner von denen, die ihn persönlich bedient haben, verkauft, 
mehrere freigelassen und selbst ausgestattet werden; hinsichtlich der andern 
das Wort bei Dioo. 17 1 M tuv ipinov, aiÄö t'oy mofuHcov rjXit]oa. 



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40 Aristoteles. 

kommen weit hinausgehende Auffassung der Ehe — diess ungefähr 
sind die Zage, welche uns an seiner moralischen Persönlichkeit in 
die Angen fallen. Ihr eigentlicher Schwerpunkt aber liegt in dem 
sittlichen. Takte, auf den auch die Ethik des Philosophen alle Tugend 
zurückfahrt, und welcher bei ihm durch die umfassendste Menschen- 
kenntniss und das tiefste Nachdenken unterstützt war. Wir werden 
annehmen dürfen, doss jene Sehen vor «Her Einseitigkeit undUeber- 
treibiing, jene gemässigte Gesinnung, welche nichts in der mensch- 
lichen Natur Begründetes verschmäht, aber den geistigen und sitt- 
lichen Vorzügen allein einen unbedingten Werth beilegt, wie sie in 
seiner Sittenlehre sich ausspricht, so auch sein Leben geleitet 
habe ')- Erscheint aber so sein Charakter, so weit wir ihn kennen, 
bei allen den kleinen Schwächen, welche ihm wohl auch anhängen 
mochten, edel und ehrenwerth, so sind die Eigenschaften and die 
Früchte seines Geistes durchaus bewunderungswürdig. Es ist wohl 
niemals ein gleicher Reichthnm an gelehrten Kenntnissen, eine gleich 
sorgfältige Beobachtung, ein gleich unermüdlicher Sammlerfieiss mit 
so viel Schärfe und Strenge des wissenschaftlichen Denkens, mit 
einem so tief in das Wesen der Dinge eindringenden philosophischen 
.Geiste, mit einem so grossartigen, stets auf die Einheit und den Zu- 
sammenhang alles Wissens gerichteten, alle Theile desselben um- 
fassenden und beherrschenden Blicke verknüpft gewesen. An dich- 
terischem Schwung, an Fülle der Phantasie, an Genialität der An- 
schauung kann Aristoteles allerdings mit Plato nicht wetteifern; 
seine geistige Ausrüstung liegt ganz auf der wissenschaftlichen, 
nicht auf der künstlerischen Seite a ); auch der Zauber der Sprache, 



1) Hieher gehören die Aeuaflerucgen in dem Brief an Antipater bei Abliin 
V. H. XIV, 1, nnd bei Dioa. 18. Dort sagt er über die Entstehung der ihm 
früher zuerkannten Ehren (s. <•■ 38, 5): oZuoi tyto, üf (jtijn [ioi 3<?6$oa p&Eiv 
än'sp aatfiv [ajjte [ioi jmj&v (tßiiv, hier Aber Einen, der ihn hinter seinem Rüc- 
ken geschmäht hatte: öitoVw p* xdi |iao-t[foiii(u. 

2) Auch das Wenige, tu wir an dichterischen Versuchen von ihn) be- 
sitzen, beweist keine bedeatendere dichterische Begabung. Dagegen wird sein 
Witz gerühmt (Dbubtb. de eloont 133), von dem auch die Apophthegmen bei 
Dioo. 17 ff. nnd die Brieffragmente bei Dehetr. a. a. O, 29. 233 Zeugnis! ab- 
legen. Da« sich hiemit dann eine gewisse Neigung zum Spott und eine vor- 
laute Gesprächigkeit (äxaipo; irnjjiuXk) verband, wie diess A&L. V. H. HI, 19 
Ton den jüngeren Jahren des Philosophen behauptet, ist immerhin mBgliuh, 
aber durch diesen Zangen freilich entfernt nicht b 



, Google 



Charaktet. ,41 

mit dem jener ans fesselt, fehlt den erhaltenen Werken des Stagi- 
riten last durchaus, mit so vielem Recht ohne Zweifel manchen an- 
dern eine anmuthige Darstellung nachgerühmt wird *). Aber durch 
Vielseitigkeit und Gründlichkeit der Forschung, Reinheit des wissen- 
schaftlichen Verfahrens, Reife des Unheils, umsichtige Erwägung 
aller Enlscheidungsgründe, gedrungene Kürze und unnachahmliche 
Schärfe des Ausdrucks, Bestimmtheit und allseitige Ausbildung der 
wissenschaftlichen Terminologie, durch alle jene Vorzüge, welche 
das Mannesalter der Wissenschaft bezeichnen, ist er seinem Lehrer 
überlegen. Er weiss uns lange nicht in demselben Maasse, wie 
jener, zu begeistern, uns im Innersten zu ergreifen, das wissen- 
schaftliche und das sittliche Streben in Eines zu verschmelzen; seine 
Wissenschaft ist trockener, schulmässiger, ausschliesslicher auf die 
Aufgabe des Erkennens beschränkt, als die platonische; aber inner- 
halb dieser Grenze hat er, so weit diess dem Einzelnen möglich 
war, ein Höchstes geleistet, er hat der Philosophie für Jahrtausende 
ihr Verfahren vorgezeichnet und zugleich die Periode der Gelehr- 
samkeit für die Griechen begründet, er hat in gleichmässiger Aus- 
breitung des Wissens alle Gebiete, die seiner Zeit offen standen, 
mit selbständigen Forschungen bereichert und mit neuen Gedanken 
befruchtet 1 ]. Mögen wir auch die Hilfsmittel, welche seine Vor- 
gänger ibm darboten, die Unterstützung, welche ihm von Schülern 
und Freunden, vielleicht auch von gebildeten Sklaven zu Theil 
wurde *), noch so hoch anschlagen: der Umfang seiner Leistungen 
ragt doch immer noch so weit über das gewöhnliche Maass hinaus, 
dass wir kaum begreifen, wie Ein Mann in einem Leben von be- 
schränkter Dauer diess Alles vollbringen konnte; zumal da sein 
rastloser Geist überdies« noch einem schwächlichen Körper die Kraft 
zu der riesigen Arbeit abzuringen hatte *). Seinem geschichtlichen 



1) Hierfiber spater. 

3) Dm Nahore wird in dieser Beaiehung die Uebenioht seiner Schriften 
ergeben. 

S) So soll ihm i. B. Kallktbones ans Babylon Aber dortige Mtrononritohe 
Beobachtungen Mittheilangen gemacht haben (Sihpi.. De ooelo, Sabal. 508, 
a, 36 nach Porphyh) , welche Nachricht aber Freilich durch den Zäunte, dan 
Üejelben 81000 Jahre weit zatnck gegangen seien, wieder ■iemlioh u&braach- 
Ur wird. 

4) VgL 8. 34, * und Dioe. V, 16. 

3,g,1:zedBy G00gle 



42 Aristoteles. 

Beruf ist Arisleteles so treu nachgekommen, seine wissenschaftliche 
Aufgabe hat er so glänzend gelöst, wie nur selten ein Anderer; was 
er ausserdem als Mensch gewesen ist, darüber sind wir leider nur 
sehr anvollständig unterrichtet, aber wir haben keinen Grund, den 
Anschuldigungen seiner Feinde zu glauben und dem günstigen Ein- 
druck zu misstrauen , der durch seine sittlichen Grundsätze hervor- 
gerufen, und durch manche andere Spuren bestätigt wird. 

2. Aristoteles' Schriften. 1 ) 
Die schriftstellerische Thätigkeit unseres Philosophen erregt 
schon durch ihre Vielseitigkeit und ihren Umfang unsere Bewunde- 
rung. Die Werke, welche uns unter seinem Namen überliefert sind, 
erstrecken sich nicht allein über alle Theile der Philosophie, son- 
dern sie verbinden damit eine Fülle der umfassendsten Beobachtung 
und des geschichtlichen Wissens; zu diesen erhaltenen Werken 
fügen aber die alten Verzeichnisse *) noch eine Menge weiterer 



1) M. vgl. Bom Folgenden ausser Bkahdis aorgflUtiger Zasammenstel- 
lang gr.-rbra. Phil. II, b, 82 ff. auch Viu Böen De ArUtotdw «Arorum vrdtne 
et auctoritatfi (Berlin 1854), eine gelehrte Und scharfsinnige Arbeit, die aber, 
auch abgegeben von der undurchsichtigen Darstellung, weit höheren Wcrth 
hätte, wenn ihr Verfasser mit grösserer Umsicht und geringerem Selbstver- 
trauen verfahren wäre. Von der gesammten Aristoteles beigelegten Scbrif- 
tenmasae lSsst Kose nur die folgenden als acht übrig, welche alle seiner An- 
sieht nach in den letzten awanaig Lebensjahren des Philosophen in der nach- 
stehenden Reihenfolge verfallt sind: Top. IX H. ; AnalyL IV; übet. III; Eth. 
X; Polit. VIII; Poet. II; Hetaph. X; Prob), (verloren); Phvs. VII; De coelo II; 
De gen. et corr. IV; Meteorol. IV; Hist. anim. IX; De anima III; De sensu 
memoria et somno II; De longit. et brevit. vitae; De vita et morte; part anim. 
IV; ingr. anim.; generat. anim. V. So weit sich diese Urtheile auf bestimmte 
Gründe stützen, werden sie später berührt werden; im Uebrigeti ist eine so 
summeris che Kritik Ober Schriften, von denen uns meist nur die Tita! oder 
ganu unbedeutende Bruchstücke überliefert sind, ebenso leicht als werthloa. 
Dhs sie un&oht sein können, wird eine besonnene Forschung allerdings von 
der überwiegenden Mehrzahl der verlorenen aristotelischen Schriften zugeben 
mSeaen; dsss sie es seien, wird sie nur von dem kleineren Theil mit Be- 
stimmtheit zu behaupten wagen, bei einzelnen (wie die Politieen und der Eu- 
demus) entschieden in Abrede stellen müssen. 

!) Ein Verzeichnis» der aristotelischen Schriften wird schon von Her- 
mippue erwähnt (der Soholiast an Theophraat'a Metaphysik 8. 838 Brand). 
Bekannter ist das Khodiers Andronikus nach dem Inhalt geordnete Ueber- 
aioht der aristotelischen and theoph ras tischen Werke (Plli. Ball» c- 24. 
Power. V. Hot 24. Ammofc-Iat & 69. Der Araber in Cuni'a Bibllotu. Anb- 



JigiiizBdby Google 



Schriften hinzu, von denen jetzt nur noch die Titel oder dürftige 
Bruchstücke übrig sind. Mag nun auch vieles Unechte in diese 



I, 308, b), in welcher die ersteren auf 1000 Melier angegeben waren (Davis, 
Schol. in Ar. 14, a, 19). Weiter nennt da« eh en angeführte Hcholium au Theo- 
phrut eine fliidpia tüv 'ApLOT0TCA0U( , welche auch eine Anfzühlnng der aristo- 
Islicchen Schriften gegeben haben nraas, von Nikolaus, ohne Zweifel die 
gleiche Schrift, welche Sunt.. De ooelo, Sohol. in Ar. 493, a, 2S n. d. T. h 
rtif rapl 'Asiotot&ov; tfXtmoflei Nikolaus ron Damaskus beilegt. Früher, aus 
alle diese, soll endlich Ptolemtns Philadelphus, welcher ein Schüler Strsto's 
war (Dioo. V, 58} und die aristotelischen Schriften eifrig Bammelte (David, 
Schal, in Ar. 88, a, 13), in einer Schrift über du Leben des Aristoteles ein Ver- 
zeichniaa seiner Werke aufgestellt, nnd den Umfang derselben gleichfalls auf 
1000 Bücher berechnet haben (I)avii, a. a. O. 23, «, 11 vgl. Z. 28 ohne Zweifel 
nach Pboklus). Wahrscheinlich ist dieas aber ein Irrthurn: der Amnion, tat 
nennt Ptolem&as 8. 69 ohne den Käuigsnamen hinter Andronikos; der Araber 
Casibi's 306, b, dessen Zeugniss freilieh nicht viel beweist, will PtolomHus' 
Schrift ad Agallim vü Agaüiam sein Verzeichnis« entnommen haben, von dem 
viele Bestand theile weit jünger sein müssen, als l'tolemans Philadelphia, nnd 
dass schon r.ur Zeit diene» Königs 1000 ariatoteliache Bücher geaiblt werden 
kannten, ist kaum glaublich, wenn man auch noch ao viel UnAehtes mit ein- 
rechnet. (Dioo. V, 34 giebt die Zahl der Höhten Bücher auf 400 an.) Wanr- 
■eheinlioh ist der Ptolemüue, welcher das Schriften verzeiehnlss aufgestallt 
hat, ein Gelehrter aus der Zeit nach Andronikni; doch möchte ich weder mit 
Boaa De Arial, libr. ord. 46 an den von Jahbl. b. Stob. Ekl. I, 904 und von 
Piokl. in Tim. 7, B genannten Neupl «toniker, noch an den von Loxaia b. 
FDaruis V. I'lo'i 1 . 20 unter seinen Zeitgenossen erwähnten Peripatetiker Hto~ 
lemfais denken, welcher nach Longin'a bestimmter Auaaage keine wissen- 
schaftlichen Werke vsrfaast hat, sondern an den gleichnamigen alteren Peri- 
pstetiker, dessen Einwendungen gegen Dionysfus des Tbraoiera (um 70 v. Chi.) 
Definition der Grammatik Sext. Math, 1,8(1 nnd der Schülinst in BtiKBn's An eod. 
11,730 anfahren, der also swiaohen 70 v. Chr. und 220 n. Chr. geschrieben 
kaben mnss. — Von diesen Verzeichnissen ist ans jedoch keines erhalten; von 
(Im erhaltenen ihrerseits sieht aehon das Älteste b. Dioe. V, 22 ff., nicht sehr 
wkundHBi ans. Mehrere der wichtigsten Schriften (Metaphysik, Physik, 
Deeoelo, gen. etoorr., Metoorol-, HUt. anim., Eth. Nik.) fehlen hier, tlieil,- 
wrise vielleicht desshatb, weil sie in ihre eineelnen Abschnitte aufgelöst sind, 
lad für die awei Bacher der ersten Analytik werden acht genannt, so dass 
u fast scheint, als hatten wir hier nor eine Liste dessen, was sich in irgend 
aav Bibliothek Aristotelisches vorfand. Nur eine Ucberarbeitnng dieses Ver- 
leiehniises, mit einzelnen ZusHtnen nnd Auslassungen, nach Boss 's Venrra- 
thnng a, a. O. 48 t ans Hesyehiua (um 680 n. Chr.) geflossen , giebt der Ano- 
nymes des Mbhage. Aus einer arabischen Handschrift theilt Caiiki a. a. O. 
US, b ff. und Wikbioh De autttorum Grnecorum versionibus et commentariis 
B-i.w. (Lpa. 1842) 8. 14S ff. da* schon erwähnte Verxeiohnias mit, walohesabsr 



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44 Aristoteles. 

Sammlungen aufgenommen sein, mag nicht ganz selten eine und 
dieselbe Schrift unter verschiedenen Titeln wiederholt vorkommen, 
oder in mehrere Theile mit eigener Bezeichnung zerlegl sein: die 
Masse der Werke, welche sich mit Sicherheit, oder wenigstens mit 
überwiegender Wahrscheinlichkeit, auf Aristoteles zurückfuhren 
lassen, bleibt doch immer so gross und ihr Inhalt so mannigfaltig, 
dass wir über den geistigen Reichthum und die Fruchtbarkeit des 
Philosophen, von welchem wir trotzdem nur Gediegenes, in der 
schärfsten und gedrängtesten Darstellung, besitzen, nur staunen 
können. Für die Kenntnis« seines Systems freilich hatten natürlich 
nicht alle Theile der Schriftsammlung die gleiche Bedeutung. Seine 
Briefe >) und Gedichte *} waren wohl durchaus persönlichen Inhalts. 



die Liste des Ptolemilus gewiss nicht unverändert überliefert bat (auch die Zahl 
der Bücher beträgt, selbst wenn man die 1 7 1 Folitieen einzeln zahlt, nicht 1000, 
sondern nur etwas über 600); sein Vcrfamer ist auch WbSbiOh ». *. O. Dschfmi- 
LUSDi*. Ergänzungen zu diesem Verzeichnis» au! dem bibliographischen Werk 
des Hadichi Khü.fa, welcher freilich erst im 1 7 ton Jahrhundert gelebt hat, giebt 
Wekkich B. 168 ff. (loh bezeichne im Folgenden Diogenes mit D., den Ano- 
nymus des Menage mit An-, Dschemaladdln, nach den Seitenzahlen Wenrich's, 
mit Dach., Hadschi Khalfa mit il.) 

1) Die aristotelisohen Briefe, von Dhhetbiub De olomit. SSO und Sikpli- 
eins (Categ. 2, c. Schol. in Ar. 27, a, 43) als unerreichte Muster des Briefstyls 
gerühmt, hatte Artcmon in 8 Büchern gesammelt (Dehetr. eloont. 223. Divid 
Schol, in Ar. 24, a, 26. Dschehalühdir IST Wenr., der ihn aber Aretas nennt); 
Andronikus (über den auch Gelt,. XX, 5, 10) soll 20 Bücher gezählt haben 
(DüCHEMti.. mit dem unklaren Beisatz: praeter iäat qnae im l. V Andronid 
memorantar) ; vielleicht sprach er aber auch nur tob 80 Briefen ; so viele hat 
der An. Men. 8. 65. Dioa. 27 nennt Briefs an Philipp, Briefe der Selymhrier, 
4 an Alexander (rgl. Demetr. a. a. O. 2S4. Ammon. V. Ar. 8. 47), 9 an Antipater, 
7 an verschiedene andere Personen. POtLOP. De an. K, 2, o. kennt Brief« an 
Di&res (über den Simpj.. Phya. 120, b, o. a. Tgl.), welche bei Dioo. fehlen. 
Dbchemu,. nennt erst (145) drei Bflcher Briefe , dann die acht Bfloter seinea 
Are t äs und die 20 de« Andronikus. Kleine Bruchstücke aas diesen Briefen 
finden sich bei Dimi. De eloont 29 (154). 144 (97). 235. 880. 2S8. Flut. 
prof. in virL o. 6, 8. 76. tranqu. an. o. 13, 8. 472. Aeibtokl. (s, o. 16, 8. 17, 1). 
Arl. (»■ o. 33, 5 f. 37,2). Dagegen tot das Briefohet) bei Gel. XX, 5 (s. o. 19,8) 
wohl nnkebt, nnd das gleiche Urtheil AUIUJRtahb Artotct. II, 169 ff. mit vollem 
Beoht über die sechs noch vorhandenen Briefe, die A.s Namen tragen. 

3) Die Ueborbleibsel dieser Gedichte und die Angaben der Alten darüber 
findet man bei Biaan Ljr. gr. 8. 504 ff. Der IMxXoc wird aber von ihm nnd 
von Holui Pragm. Hist. gr. II, 186 f. dem Philosophen mit Grand abgespro- 
chen. Epen und Elegieea nennt auch Dioe, 27. An. 86, i-p.up.vx * bJwmc An, M. 



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Einige Reden und biographische Schriften werden ihm höchst wahr- 
scheinlich mit Unrecht beigelegt ')■ Die Gespräche, grosstentheili 
wohl der Zeit seiner platonischen Schülerschaft atigehörig, scheinen 
iwar philosophische Stoffe, aber nicht in der strengeren Schulform, 
behandelt zu haben *). Die hypomnematischen Schriften, von denen 



1) Bise Lobrede auf Pinto, welohe Oltmfiodob in Gorg. 166 (Jahn'« 
Jahrb. SnppL XIV, 896) smfillirt, wird schon dadurch verdächtig, da** keiner 
von den Gewährsmanns™ des Diogenes sich auf diese urkundliche Quelle be- 
ntft; ein Pancgyrikne auf Alexander (bei Themibt. or. III, 46, D), schon an 
■ich selbat unglaublich genug, wird durch die Stelle, welohe Rutil. Lupus 
de flg. seit I, 18 doch wohl aus ihm raittheilt, noch mehr in Frage gestellt; 
wenn Eo8T*t«. in Diouyi. Perieg. V. 1 140 das fite Buch je. 'AXtfavipou anfuhrt, 
so aeigt Mülle», Script, ror. Alex, praef. V, daaa er Arrian mit Aristoteles ver- 
weohaelt hat. Ueber die angebliche Apologie s. S. 33, 1. 

1) Dstea Arist. Gespräche verfasst hat, wird vielfach bezeugt: Ciu. ad 
Kr. I, 9, 23. ad Att. XIII, 19. Plut. adv. Col. 14, 4. S. 1116 (nach jetziger 
Lesart). Dio Chrye. or. 53, 1. Alex, bei David in Gat SchoL in Ar. 24, b, 33. 
Amioa. in Categ. 6, b (b. Stibb Arist. II, 255). Sihfl. Phja. 2, b, m. 1'hilop. 
in Categ. SchoL 36, b, 41. De an. E, 2, u. Darm in Categ. SchoL 24, b, 12. 
Zn den Schriften, welche dieae Form hatten, gebären ausser dem Endemna 
aus dem Verzeichnis« des Diog. (22) und Anen. Meu. (61 f.) schon nach den 
Titeln der GrvIIue (J) X. fawputiit vgl. Qujntil. II, 17, 14), Nerintbua 
(aaoh Bnanua' Vermathnng S. 82 derselbe, aus welchem Thbuibt. or. XXIII, 
296, e mit der Bezeichnung SitüofOf ä xopivSto« etwa* anfuhrt), der Sophist 
(auch Diog. VIII, 57), Henexcuus, 'Eputmbf (nach Diog. und Anon. in 
Eine» Buch, Athks. XV, 674, b vgl. XIII, 664, b jedoch citirti iv Sturapai 
'EpwmtSv), ZufjndoiQv (vgl. Atbbn. XV, 674, f. Pi.dt. qu. conv. pro. 3. ÄU- 
caoa. Sat. VII, 3, Schi.) Zu derselben Klasse rechnet Bris™« a. a. O. mit 
Wahrscheinlichkeit die Schriften der beiden Verzeichnisse n. ÄmaiooiSvi]( (»gl. 
Oimctb. De eloc 26), n. Hoii|tüv (s. n.), LToXtrixdt. Ob die Bücher K. *iXo- 
aa^fc»; in Gesprächsform abgefasst waren, wird gp&ter untersucht werden; von 
der gleichfalls später zu besprechenden Schrift it. Eü^eviIsc erhellt es an* 
bat». FMril. 76, 24 f. 77, 13. Einiges Nähere ist um unter den aristoteli- 
schen Gesprochen nur Aber den Eudemua bekannt, welchen Arist. dem An- 
denken seines in Sicilien gefalleneu Freundes und Mitschülers Endemni ge- 
widmet hatte (Cic Divin. I, 26, 63. Pi.u-r. Dio 22). Bruchstücke diese* Ge- 
sprächs und Mittheilungen darüber finden sich bei Plot. a. a. 0. consol. ad 
Apoll, c 27. S. 118. Cic. a. a. 0. Dame, bei Auuustih c Jul IV, 16 (wenig- 
sten« macht es Kbischb Forach. 17 von dieser Stelle wahrscheinlich). Olth- 
nonoa in Pbaed. 8. 142, Nr. 126. Themist. De an. 90, b, n. Sikpl. De an. 14, 

a, o. 62, a, u, Phtlop. De an. E, 1, □. 2, m. 3, m. David in Categ. SchoL 24, 

b, 80, welchen wir Pbokl. in Plat. Bemp. fipiciL Born. VIII, 706. C 51 und 
(out Bbm*t« Abb. d. BreaL.piÜ.-hiat. GeBoUscb. 197) Faoax. in Tim. 83B, D 



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aus allen Fächern eine grosse Anzahl vorhanden war, sind mehr 
Vorarbeiten, als fertige Darstellungen 0- In einem ähnlichen Ver- 

boifugtn dürfen. Dasselbe besprach hiernach zunächst die Unsterblichkeit 
der Seele in platonischem Sinne, unter Voraussetzung ihrer Präexiatena, weiter 
untersachte es aber auch die Natur der Seele, bezeichnete sie als etwas der 
Idee Verwandtes (ä£6<; ti Bimpl. De an 62, a, n.), und bestritt die Meinung, 
riass sie eine Harmonie sei, mit ähnliehen Gründen , wie Plato im Phftdo; 
dabei berief sich Aristoteles unter Anderem auch auf die Gott Verwandtschaft 
des Menschen, welche sich im Gütterglanben ausspricht, auf das Ahnungs- 
vermögen der schlummerDden Seele, auf die Tod ten Opfer und Aehnlichoa, 
so dass er demnach eine populärere Beweisführung nicht verschmähte; er 
hatte endlich auch die Uebel de« Lebens und die Leiden der an den Leib ge- 
fesselten Seele in platonischem Qeiate mit lebhaften Farben geschildert. Ob 
auch die Begründung des Gotterglsubens bei Cio. H. D. II, 37, 95 (wobu Ptuo 
Bep. VII, Anf. z. vgl.) nnd Seit. Math. IX, SO dem Endemns angehörte (Kut- 
sche a. a. O.}, innas dahingestellt bleiben; für die Anführung des Sextus wird 
■ich uns in der Schrift K. <i>:Xanoif ii; ein anderer möglicher Ort zeigen. Da Eu- 
demus in Dio's sicilisohem Feldaug umkam, das Gespräch aber bald nach sei- 
nem Tode verfasat iu sein scheint, und da es sieh nach Ton und Iahalt als 
eine Nachbildung der platonischen Gespräche, namentlich des Phftdo, dar- 
stellt, so muss es der Zeit des ersten athenischen Aufenthalts angehören, in 
der Aristoteles noch Mitglied der Akademie war (vgl Kaisoas a. a. O. 15 ff.); 
eine Annahme, durch welche auch Rosk's übereiltes Verwerrungsurtheil (a. a. O. 
8. 110 f.) beseitigt ist. Wie es sich in dieser Beziehung mit den übrigen Ge- 
sprächen verhielt, wissen wir allerdings nicht; aber in seinen späteren Jahren 
wenigstens, nach seiner Rückkehr aus Macedonien, bat Aristoteles diese Form 
wohl sicher verlassen. Um wie viel besser der direkte Lehrvortrag seiner 
Natur zusagte, sieht man auch ans der Angabe Cicbbo'b ad Att. XIII, 19, dass 
er die Leitung des Gosprflch» sieb selbst zuzuweisen pflegte. 

1) Unter hypomnematischen Bohriften sind nach Sinn.. inCateg. 1, e Bas. 
Schul, in Ar. 24, a, 42 solche zu verstehen, Sau xpöf Sito'u.vijoiv obufov xai nXstovet 
ßtoavov wirfraE« S f&6aof>t . Diese Schriften haben aber, wie Simpl. half (igt, 
für die Feststellung der aristotelischen Lehre nicht die gleiehe Auktorhtt, wie 
die ayntagmatiaohen. Alesasdeb hatte den Namen anf Schriften vermischten 
Inhalts, ohne einheitlichen Zweck, bezogen (Sinei., a. a. 0.), DaviD (SchoL in 
Ar. 34, a, 38) beschreibt sie als solche, h o!( |nJw« tä xipaXotuc ätttypo^ ijrav Sijr« 
npooiiiluv k«\ Ir.ikäf uv x«\ ttj; npsjraiiOTj; ixfiooioiv cutav^iXiac, was aber eben nur 
eine Folge ihrer Bestimmung für den eigenen Gebrauch ist. Ebenso Psutor. in 
Categ. Schol. in Ar. 85, b, 35. Unter den erhaltenen Werken könnten die 
Probleme (welche aber Arist. doch in anderen Schriften anführt, s. u.), bo weit 
sie einen Achten Grundstock enthalten, au den hypomnematischen Schriften 
gerechnet werden; dss Gleiche wäre tob der Schrift De Xenoposne, wenn sio 
für aristotelisch gelten könnte, und etwa anish von der über die untlieilbaren 
Linien SB sagen. Von den verlorenen werden w; 



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Schriften; einleitende. 47 

hältniss stehen, auch wenn sie keine blossen Privataufzeichnungen 
sind, die beschreibenden und geschichtlichen Werke zu den dogma- 
tischen, diejenige», welche die Lehren einzelner Vorgänger dar- 
stellen and prüfen, zu den selbständigen Untersuchungen ')- Wer 
das System des Philosophen kennen lernen will, der wird sich immer 
zunächst an die letzteren zu halten haben. Auch die übrigen darf 
man aber natürlich nicht vernachlässigen, und wenn uns von den- 
selben eine grössere Anzahl erhalten wäre, wurden wir ihnen wohl 
noch manchen Aufschluss zu verdanken haben. 

Ueberblicken wir nun die sämmtlichen Werke, welche uns 
theils noch erhalten, theils nur ihren Titeln nach oder in einzelnen 
Bruchstücken bekannt sind, und lassen wir biebei, neben den Brie- 
fen and Gedichten und den ihrem Inhalt nach nicht näher bekannten 
Gesprächen auch diejenigen unächten Bücher ausser Rechnung, 
welche schon von den Alten als solche anerkannt waren *), so wie 
die, welche erst aus dem Arabischen übersetzt sind *), so begegnen 
ans zunächst einige einleitende Schriften, von denen uns jedoch 
keine erhalten ist *}; nächstdem eine beträchtliche Anzahl monogra- 



jenigen zu stellen haben, welche in blossen Auszug™ (aus der platonischen 
Republik, den Gesetzen, dam Timäas, den Schriften des Archytas) bestanden; 
tielleicht auch die Abhandlungen über Alkm&on, Demokrit, die Pythagoreer, 
Spensipp und Xenokrates] weiter werden finop.vjj[iaTai £ntj(itpj|p.«T«B , auch ifto- 
pjj[U£T« schlechtweg, genannt; die Schrift llipä xj]v X^iv wird als änijiviijia be- 
zeichnet, und die gleiche Bezeichnung machte noch für die eine und die andere 
Schrift passen; indessen ist es hier nicht immer möglich, anzugeben, was ron 
Aristoteles blos für seinen Privatgeb rauch , was für die Oeffentlichkeit be- 
stimmt war. 

1) So die Thiergescbichte en den Schriften über die Theile und über die 
Erzeugung der Thinre, die Politieun zur Politik, die Werke aber das Gute und 
die Ideen, Aber die Pjthagoreer u. a. w. zur Metaphysik. 

3) Ein Verzeichnis« solcher Schriften giobt der Anon. Men. am Scbluss. 

3) M. a, darüber Bbahdis 8. 120. 189. Weitere pseadoaristotelisehe Schrif- 
ten bei den Arabern, theils arabisch, theils hebräisch, nennt Wekrich Do 
anotorum graec. Tersion. et comment. syriacia u. s. w. {Leips. 1842). S. 137 (F. 

4) npOTpinitxb; (Dioa. 22. Anon. 6a. Alex. Top. 80, m. Schol. in Ar. 
26«,», 17. D*»ii> ebd. 13, a, 2. Anon. ebd. 7, «, 18. Tat« b. Stob. Floril. 

, 96, 21); dasselbe Werk scheinen die S B. Bibortatio ad phüoeophlam (Dsch. 
141), nd die Bihortationes (H. 169); *. 'BictetiJiinf D,og. 28; X. l<S?i]5 
Anon, 66; sc 'Eitioti)|tßv, D. 22. An. 62; x. IlatStfa; uaoh D. SS. IX, 63. 
An. BS: B., ssMk Dtoa. 148. 4 B. Solchen einleitenden Schriften (Bund» 



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48 Ariatotalei. 

phischer Berichte und Kritiken ober frohere und gleichzeitige Philo- 
sophen •), Vorarbeiten für die eigenen Untersuchungen, deren Ver- 
lust wir in hohem Grad zu bedauern haben; zu dieser Klasse ge- 
hörten auch die zwei Werke, in welchen der Inhalt platonischer 
Vortrage wiedergegeben war, über die Ideen, und Aber das Gute*). 



8. 83 denkt speeiell an den Protreptikus) mögen die Aussprüche bei Dioo. 19. 
SO. 21. Stob. Floril. ed. Mein. IV, 193, SO. 56. 196, 47. 196, 60. BchoL in Ar. 
8, a, 46 über den Werth der Bildung und der Philosophie entnommen sein. 

1} it. tffiv il-jOiYoptiov D. 36. An. 6«, wohl du gleiche Werk, welche« 
auch luvBfuT^I T " v IMaYopsloic ipioxövTora {Simfl. De ooelo Schot. 492, a, 26. b, 
41 ff.), Hlufiafopuä (Ders. ebd. 606, a, 34. 36), X. tSJ( üuBayopixüiv Bö^i (Aux. 
in MetapL 660, b, 26 Br. 66, 10 Bon.), x. Tifr nuScrfopcrifc püloaoflac (Jamm. v. 
Pytb. 31) genannt, and obns nähere Bezeichnung von Aristotelen Metaph. 1, 6. 
986, a, 12 angeführt wird («renn hier nicht de ooelo II, 13 gemeint iat). Viel- 
leicht nur ein Thoil dieser Schrift iat die von Dum. 26 besonders aafgerulirts. 
lipo; toj; ÜuflafOpSLou;; Diog. wenigstens giebt Jeder von beiden nur Ein Buch, 
wahrend Alexander und Simplieius das zweite Bach über die pythagoreische 
Philosophie anführen. — Drei Bücher k. tij( 'ApyvTetou <p iXovof (■( (D. 36, 
An. 63. Dach. 143), daneben in etwas auffallender Verbindung: sklx toü Ti- 
p,«!ou x«\ töiv 'Ap/uTtiuv (D. 26. An. 63, wogegen Suipr. De coelo, Schot. 
491, b, 36 nur von einer ImTOjif, toi Tip.«(ou redet). — npbc ii 'Alxjiaiiuvo; 
(D. 25. An. 64). — tlpoßXjip.«™ h tSSv 4np.oxpftou 2. B. (D.26. An. 64).— 
lipo; T« MtXIooou, Itpo; Ta Fop-ylou, «p»( rä SeVOfivou;, r.p'oz ri Z»J- 
vwvo; (D. 25, An. 64 nennt aar die Schriften über Melissas and Gorgiaa). Daa 
Verhfiltniss dieser Darstellungen zu der noeh vorhandenen Schrift aber Xena- 
pbxnes Zeno und Gorgias laast sich nicht sicher bestimmen, denn wenn auch 
von den drei Abschnitten dieser Schrift, welche ala Ganzes keinenfalla für ari- 
•toteliach za halten ist, der erste bis anf wenige Einzelheiten ein achtes Hy- 
pomnema über Melissas, und der dritte ein solches über Gorgiaa sein kfinnte, 
ao giebt doch der zweite weder von der Lehre dei Xenophanes, noch von der 
Zeno'a ein treues Bild, nnd er kann deaahalb nicht einmal seinem wusentliehen 
Inhalt nach auf Aristoteles zurückgeführt werden (s. unsero 1. TL 8. 366 ff.). — 
niatwvixa (Plut. adv. Col. 20, 2. 8. HIB), vielleicht eine der folg. Anm. m 
nennenden Schriften; daas die S. 43, 1 angeführte Lobrede Platu'a gemeint iei, 
ist minder wahrscheinlich. — Ti i% tüv vdp.<av ITXitidvuc (uach D. 22 drei, 
nach An. 63 swei Bücher). — Ti ix tf|( IIol,Ti(a( (D. 33. Pmhu,. Praef. in 
Plat. Bemp., welcher diese Schrift nooh in Händen hatte). — Ti U toS Tipalou 
(s. ü.). Vgl. S. 44, 1. — II. t>)( 2jcsuo(xjioo x«t Stvoxp&TOUt ( ? lX 3O ? L«i) 
D. 25. An. 63. — l'lalonis jtujurandum 6 B. (Dach. 161. Caiuu Bibl. ». 30V, b 
übersetzt: De Plat. teatamento)> Aach die 1, Abth. S. 320 besprochenen Atai- 
pi»tt( worden hiehar gehören, wenn sie von Aristoteles herstammen sollten. 

2) Das Nähere über diese Werke bei BaaaDUt Diatr. de perd. Atist. libr. 
de id*. et de bono. Qr.-rfim. Phil. IL b, 1, A4. Kutram Forach, 36B S., wo auch 



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Logische Schriften. 49 

Sehr zahlreich sind ferner die logischen Untersuchungen über 
die Haupt -Klassen der Begriffe *)> die Bestandtheile und die 



die weitere Litteratur angegeben ist Wir kennen beide nicht bloa ans den 

Verzeichnissen (D. 22 t.: it. ■ä.-jaioü a'ß'y '. jc. -rijt 'ISsacja' An. SS: x. t. ä^. a'. 
it. iBfot *'. Dt bono l. V. De ideii utnun txiitant neene. Dach. 143. 144), son- 
dern auch aus den CommenUtoren, von denen aber nur Alexander diese Bücher 
selbst gesehen hat (vgl. Brahdis perd. Ar. libr. 4 f. 14). Er fuhrt (in Metaph. 
564, b, 15. 573, a, IS. 566, b, 16 Brand. 59, 7. 73, 11, 63, 15 Bon.) das erste, 
»weite und vierte Buch Ä. tujv 'IBsSv an; wenn Sibias (bei Bbabdis a. a. 0, 
14) blos zwei Bücher r.. e!6Sv kennt, so zeigt diese nnr, dsas er nicht genau 
unterrichtet war. Auch Schol. in Dionys. Thr, (Bkxxeb Anecd. II, 660 f.) nennt 
das Werk. Noch Läufiger erwähnt Alexander der Schrift ic, t. 'AyafioS, deren 
sweites Buch er anfahrt (8, 42, 24. 45, 13. 63, 19. 206, 22. 218, 10. 15. Bon. 
551, b, 20. 553, a, 13. 567, h, 32. 642, b, 20. 648, a, 37. 40 Brand.), auch sein 
Bearbeiter (8. 58S, 2. 616, 2. 669, 28 Bon.) nennt sie. Aus den weiteren Mit- 
theilungen bei Simpi.. Phys. 32, h, m. 104, b, in. u. (hier nach PobfiItb) 117, 
a, m. 127, a, o. De an. 6, b, u. Phii.op. de an. C, 2, m sehen wir, da» aich 
diese Schrift mit der Darstellung platonischer Vorträge beschäftigte (vgl. un- 
sere I. Abth. S. 805). Nur ein Abschnitt ihres zweiten Buchs scheint mit der 
'Eilo-r)) Tüv Jvavtiiuv oder liafpEcrt« r. ev. bei Abist. Metaph, IV, 2. 1004, a, 2. 
vgl. b, 34. X, 3. 1054, a, 30 vgl. XI, 3. 1061, a, 15 gemeint «u sein; vgl. Alb«. 
S. 206, 19 (642, b, 17). Pseudoai.ee, a. d. a. O. Asklep. Schol. in Ar. 649, 
a, 41. Dieselbe Schrift führte endlich auch nach Alex. Metaph. 581, a, 2 
(86, 31), Psbudoalkx. 821, b, 48 (756, 17), Siupl. De an. 6, b, u., Philop. De 
an. C, 2, m., Seid. S. 36, Beruh., den Titel x. *iXoojq t {«(, mit dem sie von 
Abibtotei.es De an. I, 2. 404, b, 18 bezeichnet wird. Von diesem Berieht über 
platonische Vortrage wird aber ein selb ständig es dogmatisches Werk noch in 
unterscheiden sein, welches unter der gleichen Bezeichnung, 7t.Oil.oo,, vor- 
kommt; hierüber 8. 59. 

1) Der Titel der Schrift, welche dieser Erörterung gewidmet ist, lantet 
nach der gewöhnlichen, wahrscheinlich richtigen Angabe: KaTjjf op(ai. Da- 
neben finden sich aber auch die Ueberschriften: ic. wuv xaTTifopiülv , xari]-foptai 
*««, tc. ttÜjv 36ta xatnyop i<">v, it. tüv Set« fEvüv, t:. tljv ytvÜjv ToÜ öutoj, xaTr|YO- 
fiai jjtoi n. töjv tixa ■jmxiüTSTuiv y svwv , X, tüv xa&dXou Xö"yuiv , itpb tüv tonexuv 
(m. s. die Varianten bei Waitz Arist. Org. I, 81 und Bihpl. in Cat. 4, B Bas. 
David Schol. in Ar. 30, a, 3, auch Dioo. 24. Anon. 63). Die Uebersehrift: r.sh 
iwvtdicuiv kannte nach Sihpl. a. a. O. 95, Z. Schol. 81, a, 27 schon Androni- 
kui. — Auf eine Schrift über die Eategorieen scheint sich Aristoteles De an. 
I, 1. 5. 402, a, 23. 410, a, 14, vielleicht auch aoph. ei. 4. 166, b, 10. c. 22. 
1TB, a, 5 vgl. Anal. pri. 1, 37 zu beziehen; Eth. N. 11,4, Auf. erinnert an Kateg. 
c. 8 (vgl. TBEBDEi-KNuuEfi Bist. Bei». 1, 174); nach Sihpi.. Categ. 4, Z. Schol. 
30, b, 36. David Schol. 30, a, 24 hätte er unseres Bucbs auch in einer jetzt 
verlorenen Schrift n. d. T. KarnTOploi oder Ä&a Hat. erwähnt. Nach seinem 
Vorgang sollen Endemus, Theophraat und Phanios nicht allein Analytiken und 
Philo», d. Qr. II. Bd. x. Abth. 4 



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Schriften jt. 'Epjuiwlaj, sondern auch Kategorieen geschrieben haben (Ammux. 
Schol. 28, a, 40. Den. in qu. v. Porph. IG, m. David Schol. 19, a, 34. 30, a, 5. 
Anon. ebd. 32, b, 82. 94, b, 14), was aber freilich in Betreff Theophraat'a von 
Brandis (Rhein. Mm. I, 1827, S. 270 f.) mit Grund beatritten, und auch für 
Eudumua bezweifelt wird. Dass Strato c 12 der Kategorieen berücksichtigte, 
ISast eich aus Siul-l. Cat. 106, A. Schol. 89, a, ST nicht beweiaen. Dagegen 
haben die alten Kritiker die Aechtheit unterer Schrift nicht bezweifelt, wah- 
rend sie eine zweite Beceusion derselben verwarfen (Sikfl. Cat. 4, Z. Anon. 
SchoL in Ar. 33, b, 30. Phtlop. ebd. 89, a, 19. 142, b, 88, sammtlich nach 
Adraatns, einem geschätzten Analoger um 100 n. Chr.); nur Schol. 33, a, 28 ff. 
scheinen Zweifel berücksichtigt zu werden, die aber schwerlich von Andro- 
nikus herrühren. Allerdings zeigt aber die innere Beschaffenheit des klei- 
nen Baches manches Auffallende, worauf sich Spergel (Münchn. Gel. Ana. 
1845, 41 ff.}, Pbaktl (Gesch. d. Logik I, 90, 5. 204 ff. 243) und Boss (Aritt, 
libr. ord. 232 ff.) gestützt haben, am seine Aechtheit za bestreiten; nach 
Puirrr. (S. 207) kann sein Verfasser nur in „irgend einem peripatetiachen 
Schulmeister" aus der Zeit nach Chrjsippus gesucht werden. Nicht aUes frei- 
lich , was für diese Ansicht vorgebracht ist, dürfte einer strengeren Prüfung 
Stand halten. Wenn es sich z. B. anch fernerhin Jemand erlauben sollte, 
von zehen aristotelischen Kategorieen zu reden, so kann er seine „kindische 
Freude" an denselben (Pramtl B. 208) ausser unserer Schrift auch auf Top. 

1, 9, wo die gleichen zehen Kategorieen angegeben sind, wie in jener, und auf 
die Nachricht (Dexipp. in Cat. 40. Schol. 48, a, 46. Simpl. ebd. 47, b, 40) 
stützen, dass Aristoteles dieselben auch noch in anderen Werken genannt 
hatte; denn nimmt auch der Philosoph in der Begel nur einen Th eil der 10 
Kategorieen in Gebrauch, so kann er darum doch, wo es ihm um Vollständig- 
keit zu thun ist, sie alle aufgeführt, oder er kann anch früher ihrer mehr ge- 
zahlt haben, als später. Wenn die Kategorieen von BeiSrtpai ofatai reden, so 
entsprechen diesem Ausdruck anderswo nicht allein naürai oüoCai (z. B- Me- 
taph. VII, 7. 13. 1032, b, 2. 1038, b, 10), sondern anch tairai oialat (ebd. Vif, 

2. 1028, b, 20. 1043, a, 18. 28); und wenn sie o. 5. 2, b, 29 sagen: tfctorw« . . . 
|ioV* . .. t& tTün «aiiä y'"1 Bidtip«! oüofai Ujevtat, so braucht man diess nicht 
au übersetzen : mit Recht ist für die Gattungen der Ausdruck Sttix. oiofai ge- 
bräuchlich (der freilieb vor Aristoteles nicht gebräuchlich gewesen sein kann), 
sondern der Sinn kann auch der sein: wir haben Grund, als eine zweite Klasse 
von Substanzen nur die Gattungen und Arten gelten zu lassen. Wenn Kat c. 
7. 8, a, 31. 39 bemerkt wird, ein npd; ti seien strenggenommen nur die Dinge, 
welche nicht blos überhaupt zu einem Andern In einem bestimmten Verhält- 
nis» stehen, sondern deren Wesen in dieser Verhältnisabesiehung aufgehe (ote 
rt tltai toOtäv im r^i jtpi( tf neof ^eiv), so braucht man hierin um so weniger 
stoische Einflüsse zu vermuthen, da das irpi( ri r.tat i/jnv auch Top. VI, 4. 142, 
a,29. 0.8. 146, b, 4. Phvs.VII,3. 247, a, 2. b, 3. Eth. N. 1, 12. 1101, b, 13 ebenso 
vorkommt. Nichtsdestoweniger lassen sich schwerlich alle Anstosse beseitigen. 
Aber doch trogt die Schrift im Ganzen ein überwiegend aristotelisches Gepräge, 
sie ist namentlich der Topik an Ton and Inhalt verwandt, und auch die äusseren 



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Logische Schriften. 51 

Arien der Sätze '), über die Schlüsse und das wissenschaftliche 



Zeugnisse sprechen entschieden »u ihren Gunsten. Ich glaube daher nicht, data 
sie als Ganses unterschoben ist, und mochte mir du, was uns in ihr als un- 
aristotelisch auJTSllt, lieber durch die Annahme erklären, sie habe «war einen, 
lohten Kern, sei uns aber nicht mehr in ihrer ursprünglichen Gestalt erhalten, 
Ton den sog. Poatprädikamenten (c. 10— IS) hat schon Biurou ((Jeher die 
Reihenfolge der Bücher d. arist. Organen. Abb. d. Berl. Akad. Hist philoi EL 
1833, 367 f. gr.-rüm. Phil. II, b, 406 ff.) wahrscheinlich gemacht, da» sie Ton 
fremder Hand beigefügt sind; ob aus aristotelischen Bruchstücken, wie er an- 
nimmt, mag dahingestellt bleiben. Ebenso machen aber die Sohlussworte c. 9. 
il, b, 8 — 14 ganz den Eindruck, an die Stelle von Erörterungen getreten an 
•Bin, welche der Ueberarbeiter aaswarf, indem er zugleich dieses Verfahren 
durch die Bemerkung rechtfertigte, eis haben nichts enthalten, was nicht sehen 
in dem Früheren vorgekommen sei; und so mag auch in dem Hauptkörper dar 
Schrift Einzelnes Ton ihm weggelassen oder beigefügt sein; manche Ungc 
lenkigkeit der Darstellung und des Ausdrucks kann aber auch davon herrüh- 
ren, dsss die Kategorien die früheste unter den logischen Schriften und viel' 
leicht Isngere Zeit vor den Analytiken verfasst sind. — Weitere Untersuchun- 
gen aber das Verhältnis» der Begriffe enthielt die Schrift it. tüv 'Av-.nn|*.i- 
luv (8impl. in dat., Schul. 8S, a, 17 ff. b, 10. 35 ff. 84, a, 28. 86, b, 4L BS, 
e, 19. 43. b, 5), welche wohl von der it. 'Evavrfuv (D. 33. An. 63), vielleicht 
auch von den 4. B. De contrariit et Divenit (Dach. 143) uieht verschieden 
wogegen die 'Exlojjj 'Evavrfwv (s. o. 8. 49) nicht hieher gehört. Ausserdem 
nennt Dioq. 33 eine Abhandlung Jt. EiSüv xsl Tevüv (An. 62: n. Eiäüv) und 
HiDscm S. 161 3 B. De definitianum conlTadidiong und 1 B. De relatin. — 
Hit den Kategorien scheinen nach Sihfl. Categ., Schul, in Ar. 47, b, 40 auch 
die AiatpeToet ; (D. 23: iia;p^:i; ij'j verwandt gewesen ansein; Dach. 161, wel- 
cher den Divisiones 36 Bücher giebt, laset sie encyklopadisoh von allen 
mögliehen Dingen handeln. Neben ihnen nennt D. 23 C noch AiaipETixüJy «' 
iutoExixbv i. Die erste Abth. S. 330 erwähnten platonischen iimpijwj können 
nüt den von SmrLioius a. a. O. beEeichneten kaum identisch sein. 

1) x. *Ep[(.T|Vi{a(, in Älterer Zeit von AxnaosiKus ans Rhodos (nach 
Alm. Anal. pri. 52, a, u. Ahmon. de Interpret. 6, a, n. Sohol. in Ar. 97, 
b, 13, Boktb. ebd. 97, a, 28. Anon. ebd. 94, a, 31. Philof. de an. A, 13, o. 
B, 4, n.), neuerdings von Guhposch (üb. d. Logik und i. log. Sehr. d. Arist. 
Lp*. 1839. 8. 89 ff.) und Boas (a. a. O. 233) Aristoteles abgesprochen; die 
Oründe des Andronikas sind indessen schon van den alten Aufliegern n.d.a.0. 
eaeh Alexanders Vorgang ausreichend widerlegt worden, und auch die Neue- 
ren haben ihr Verwerfungsurtheil nicht genügend begründet. Mit mehr Becht 
hUt Baums (angef. Abb. 363 ff. vgl. David Schol. in Ar. 34, b, 5) die Schrift 
Ar einen unvollendeten Entwurf des Aristoteles, welchem c. 14, schon von 
Anunonins verworfen und von Porphyr übergangen (Avmon, de interpret. 201, 
b, Schol. 135, b), wahrscheinlich von fremder Hand beigefügt sei. Für ihre 
Aechtbeit im Gänsen spricht auch, dass TsBormusT in dar Abhandlung jc.K*- 
4* 



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52 Aristoteles. 

Verfahren im Ganzen 1 ), über den Wahrscheinlictikeits - Be- 



t (Dioo. V, 44) die unsrige berücksichtigte (Alex. Anal. pri. 124, a, 
u. Schol. 183, b, 1; ausführlicher, Dach Alex., Boftii. ebd. 97, a, 38. Anon. 
Schob in Ar. 94, b, 14, vgl. daa Scholion b. Waitz Arist. Org. I, 40, welches 
zu De Interpret. 17, b, 16 bemerkt: irpbj toStd fjjoiv Ö Ociopaurot u. s. w. auch 
Auvos. De interpret. 73, a, m. 128, b, «.). Auch Ecnsvco lt. A&uf (Alex. 
AnaL pri. 6, b, m. Top. 38, u. Metaph. 63, 16 Bon. 566, b, 15 Brand. Anon, 
Schol. in Ar. 146, a, 24) war vielleicht unserem Buch (nicht, wie das Scholion 
8. B4, b, 15 will, den Kategorieen) nachgebildet. Tgl. was vor. Anm. ans Aii- 
KOMros u. A. angeführt wurde. Nach Alex. Metaph. 286, 23 Bon. 680, a, 26 
Br. hatte Arist. anch eine Abhandlung x. Ksu^ictu; geschrieben, deren 
sonst aber meinet Wissens nirgends erwihnt wird, vielleicht lautete ihr voll- 
ständiger Titel, wie der der theophrastischen Schrift, it. xarayasews xi't htorplt- 
mu(. Ebenso konnte man, nach* der Analogie der endemischen Bücher, für 
du unsrige, statt des unklaren -esi tp[»>vVE(»;, den Titel 7t. X^sia; vermuthen. 

1) Ton den Schlüssen handeln die 'AvaXufix« TtpÖTEpa, vom wissen- 
senaftliohen Verfahren die 'A vaX. E <r-Epn in je zwei Büchern. Daas Dioo. 23 
der ersten Analytik acht Bücher giebt, rührt vielleicht nur von einer andern 
Eintheilung her; möglich aber auch, das s dabei andere Bearbeitungen dieser 
Schrift mitgezählt sind: nach dem Ungenannten Schol. in Ar. 33, h, 32 vgl. 
David ebd. 30, b, 4. Fhilof. ebd. 39, a, 19. 142, b, 38. Sihfl. Categ. 4, Z Bas. 
hatte Adraätus 40 Bücher Analytiken erwähnt, von denen unsere vier allein 
als acht anerkannt wurden. Dass die diess sind, kann auch keinem Zweifel 
unterliegen, und ist ausser ihrer innern Beschaffenheit anch durch die eigenen 
Anführungen des Aristoteles (s. n.) und durch den Umstand au erweisen, dass 
schon seine ersten Schüler mit Beziehung auf dieselben ähnliche Werke ver- 
fasst haben (vgl. S. 49, 1. Brandib Bbein. Mus. von Niebuhr nnd Brandts I, 
267 ff,). So kennen wir von Eudemus eine Analytik, (Alex. Top. 70, n.) nnd 
von Theophrast wird das erste Buch seiner npdwpa 'Avcdu-ixi angerührt 
(Alex. Anal. pri. 39, b, u. 51, a, o. 131, b, o. Schol. 168, b, 8. 161, b, 9. 184, 
b, 36. Simfl. De coelo, Schoi. 609, a, 6); von Beiden theilt Alexander in seinem 
Commentar zahlreiche Bestimmungen mit, in denen sie die aristotelische erste 
Analytik ergänzten oder verbesserten, x. B 11, a, m. 14, a, m. 22, b, u. 40; a, 
m. 51, b, m. 72, a, u, 131, b, nnt. u. Ö.; für die zweite Analytik fehlen nns gleich 
sorgfältige Nachweiuungen , doch werden von Tbehist. Schol. in Ar. 199, b, 
46, Philoiv ebd. 205, a, 46, einem Ungenannten aus Alexander ebd. 240, b, 2, 
Eostbat, nach Demselben ebd. 242, a, 17 Aeusserungen Theophrast's, von 
einem Ungenannten ebd. 248, a, 24 eine Bemerkung des Ecdehds angeführt, 
welche sieb Bftmmtlich auf dieses Werk zu beziehen scheinen ; nnd wenn sich 
von Theophrast nicht allein aus dem Titel der 'AvaXutixi jtpitEoa, sondern 
anch ans ausdrücklichen Zeugnissen (Dioo. V, 42. Galen. Hippocr. et Fiat. 
IT, 2. Bd. V, 213 K. Alex. qu. nat. I, 26) ergieht, dass er, wie eine erste, so 
anoh eine zweite Analytik schrieb, so wird er bei dieser ebensogut, wie bei 
jener, dem aristo teliscben Vorgang gefolgt sein. Aristoteles selbst oitirt die 



Logische Schriften. 53 

weis 1 )) die Trugschlüsse und ihre Widerlegung*)- An die letz- 



beiden Analytiken mit dieser Bezeichnung De interpr. c. 10. 19, b, 31. Top. 
VOI, 11. 13. 162, a, 1 1. b, 82. eoph. el. 0. 2. 106, b, 8. Bhet. I, 2. 1356, b, 9. 
1357, o, 2». b, 24. Metaph. VII, 12, Auf. Eth. N. VI, 3. 1139, b, 26. 32; die« 
ist demnach ihr ursprünglicher Titel, wie er auch später der allgemein ge- 
bräuchliche geblieben ist; ttnd dass Arist. gewisse Abschnitte der ersten Ana- 
lytik n. d. T. jv toI? r.zp\ mi.Xo-;iafj.oi anfahrt (Anal. post. I, 3. 11. 73, a, 11. 77, 
t, 33), dass Pse(idoai.eicakdbb Metaph. 437, 12. 488, 11. 718, 4 Bon. die /weite 
Analytik 'AitoSturaxil nennt, dau Galbk (De puls, different. IV, Schi. Bd. VIII, 
165 K. De libr. propr. Bd. XIX, 41 f.) statt der, nie er selbst sagt, gewöhnli- 
ches Titel lieber 7t. ajXXo-poiAOü and 11. räiobt&u« setzen will , darf uns nicht 
irre machen. Aus inneren Gründen aber die erste Analytik it. ouXXo-|-!0|aoD, die 
■weite MiSoStxü zu nennen (Goupobch. Log. d. Arist. 115 ff.), ist höchst be- 
denklich. Richtig bemerkt übrigens Bkahdis (üb, d. arist. Org. 261 ff. gr.-rom. 
Phil. II, b, 1 , 224. 275 f.): die erste Analytik sei ungleich sorgfältiger und 
gleich massiger ausgeführt, als die zweite, die Arist. selbst schwerlich als ab- 
geschlossen betrachtet hätte, nnd die beiden Bücher der ersten scheinen nicht 
unmittelbar nach einander verfaast zu sein. Neben den Analytiken nennt D100. 
23 f. noohZuXXo-riojiol «', SuXXoymjiöW « ' B', SuXXoYtanxbv xsAÖpoia;', 
An. 63: 2oXXoytoj»5v 3', SuXXoYiotutßv ooiov et'; Habschi 157. 161 meint wohl 
unsere Analytiken mit den 2 B. De tyüogitmit nnd 2 B. De demonttratione. 

1) Aristoteles hat diesen Gegenstand, wohl im Zusammenhang mit seinem 
rhetorischen Unterricht, in mehreren Schriften behandelt. Wir besitzen noch 
die T 7t tun in 8 Büchern, von denen aber das letzte, and vielleicht auch das 3te 
and 7te längere Zeit nach den andern ausgearbeitet zu sein scheint (Bkahdis üb. 
d. uist Org. 255. gr.-röm. Phil. II, b, 330 f.) ; ihre Aeohtheit und ihr Titel sind 
schon durch die Anführungen bei Arist. (De interpr. c II. 20, b, 26. Anal. pri. 
■I, 11. 14, b, 12. n, 15. 17. 64, a, 37. 65, b, 16. Khet. I, I. 1355, a, 28. c. 2. 
1356, b, 10. 1358, a, 29. II, 23. 1398, a, 28. 1399, a, 6. c 25. 1402, a. 36) 
sichergestellt Die Kunst des Wahrscheinlicbkeits-Be weises nennt A. Dialektik 
(Top. Anf. Bhet Anf. u. o.), doch folgt daraus nicht, dass auch unsere Topik 
eigentlich diesen Namen führen sollte. Weiter werden genannt: Me6o8ix* 
(Arist. Bhet. I, 2. 1356, b, 19. Diobts. ep. I ad Am. e. 6. H. 729. Dioo. 24. 29 
— nach Böse S. 120 identisch mit der Topik). — Beweis 'Eict)(*tp>i|*atiK»A 
sevte ii\ (Txoet (D. 24. Ad. 63), die gleiche Schrift, welche Theo Progymn. S. 
165 W. blos ftsasi« nennt, Ai.bxasdbb Top. 16, u., Schul. 254, b, 10 naher be- 
schreibt, (lipo; flsT» imjreipElv heisst; ein gegebenes Thema dialektisch behan- 
deln; vgl. Top. II, 4. 111, a, 10. b, 12 ff. VIII, 11. 162, a, 16. 0. 14. 163, a, 36. 
b, 5. Alei. a. a. O.; Seoei; fctyHf)]|MCTUu£t also: Themata fjlr dialektische Aus- 
führungen, dialektische Angaben mit einer Anleitung zu ihrer Bearbeitung). 
Biamit identisch scheint: De propotilionifius libri XXXIII (Hadscsi: XXIII); 
iiaaliber aller de eodtm argumenta (Dbch. 155 f.). — Tnou.v7(u.aT« 'Ejcix«t- 
pjjuatixä y'(D. 23. An. 62), ohne Zweifel dieselben, welche DExirr. in Cat. 40, ' 
BchoL 48, a, 46. Simpl. in-Cat, Schal. 47, b, 39 einfach als 6*ou.mJ}mrs anführt, 



54 Arlitotelei. 

wogegen Athkh. IV, 173, c. XIV, 064, d mit der Formel: 'ApiowrAiit ?* üno- 

|m|p^ai p ;nicht auf eixtebnatimmte Schrift dios«« Titeln EUverweiaen scheint, nnd 
Dbcm. 166 unter seinen 16 Büchern Hypomnemata wohl »ach allerlei casarn- 
menfMSt. — Verwandter Art müssen die 2 Bücher 'F.Ki-/t\pJ l \i.a.-:x (D. 24. An. 
68. Dnk 146) gewesen sein, wohl ideotUoh mit den '£KLysipij[jj«a).OY:xä, deren 
3te* Buch Pbilof. Anal, post, 8ohol. 227, a, 46 anführt. Auf diosc Schriften 
scheint Akut. De mim. o. 2. 451, s, 18 vgl Tbehht. i. d. 8L 97, m, u. hinzu- 
deuten. — Weiter nennt Dias. 23 7 Bücher 'Opoi icpb tüv Tsmiv and 24: 
Tonmev (-fflv) xpbj tob( "Opou( ß', wofür Ad. 63 Toitucäv xpot mi* Bpou; xbi 
«äSj] i' hat. Droh. 163 Definition«* topieae and Deteriptio deßnüionum topi- 
tartan; femer D. 24 An. 68 : TänpotÖv Toxwv; D. 23. 29. An. 62: tc. 'Epu.- 
Tijoctac mi 'AxeKpla*(a<; D. 22: x. 'ISfuv. Indessen hat die Vermuthung 
(Bhaüdih gr.-röm. Phil. 79) viel für sich, daee diese Titel auf einzelne Theile 
unserer Topik gehen: Spoi (jtpb) t. Ton. auf die 7 ersten Bücher, ta itpö tö»v 
tdamv auf das erateBnch, das Einzelne wirklich so bezeichneten (Sehol. in Ar, 
262, a, 46; der Name kommt aber auch für die Kategorieen vor, s. o. 49, 1) 
x. ISiiat auf das 6te, tojcixov jcpbt tou( öpou; auf das 6te nnd 7te, x. ipwnjotdn ». 
äitoxp. anf das achte Bach, von dem Alex. Top. 249, m. Sohol. 292, », 14 die- 
sen Titel sowie den weiteren ic. xttfuut xs't axoxpiaEUf ausdrücklich beseugt. 
Aehnlieh mag es sieh theilweise mit den Titeln verhalten: De divieione con- 
ditümwn qaae reqairuntur in dinmdo l. III. De contradictione L XXXIX. De 
hcii vrtde argumenta petendo tüti, l. 1. De rebtu ad deßnitiontm pertmetUibue 
U IV. Definitiontim [besser: Definiendi) deteriptio l. II. (Dsoh. 151 ff. Zu dem 
leisten von diesen Stücken giebt der arabische Text bei Casiri, nach der Wahr- 
nehmung eines gelehrten Freundes, den griechischen Titel: icpbt tou; 6piTp.oiJ«.) 
De differemü» tqpicü (so Casiri 308, a; richtiger, wie mich derselbe Freund 
belehrt: „Bach der Objekte, aaf welchen einige der Definitionen beruhen; 1 ' 
WsmmicH 163 hat diesen Titel ausgelassen). De eontradieliombiu (Dsoh. 166). 
De dejmitioimm contradictionii (H. 161). Doch ist hiebe! jedenfalls viel Un- 
echtes. Zar Topik scheint auch die Schrift II «pi tj)v Xe^iv in gehören, die aber 
schon im Alterthnm angezweifelt wurde (Simfl. Categ. SehoL 47, b, 40); sie 
ist vielleicht mit dem Titel: De verborum aignifiutione (Dach. 165) gemeint. 
Dass unsere Topik erhebliche Lücken in ihrem Text habe, scheint mir durch 
die Stellen, welche Spekohl (Abh. d. Münahn. Akad. VI, 497 f.) dafür anführt, 
Bbet. I, 2. 1366, b, 10. II, 26. 1402, a, 34 nicht bewiesen, da für die erste von 
diesen Anführungen Top. I, 1. 12 ausreicht (auf die Topik wird nämlich hier 
blos hinsichtlich des Unterehieds von auW.oYnrp.os nnd feif wyvj verwiesen, wie 
auch Bkawuis üb. d. Bbet d. Arist Philologus IV, 13 f. annimmt), bei der 
■weiten aber, welche allerdings such auf Top. VIH, 10. 161, n, 9 ff. nicht (tarnt, 
eher die Anführangsworto in der Rhetorik, xaflintfp xa'i h -c'i twnxele, spltere 
Znthat sein dürften. Die Abfassung der Topik muss, nach den oben beige- 
brachten aristotelischen Anführungen, früher fallen, als die der übrigen logi- 
schen Schriften ausser den Kategorieen; auch Adiut stellte sie ihnen voran 
(SiMt-L. Categ. 4, r). 

2) II. Soiptartxwv 'EXfyxidV oder (nach Am. Sohol. 296, s, 12. 31. 29, 



sy Google 



Logische und rhetorische Schriften. 56 

teren schliessen sich die rhetorischen Werke der Sache nach an '), 
wenn auch wohl mehrere derselben der Zeit nach ihnen vor- 
angiengen, andere erst nach langern Zwischenraum nachfolgten; in- 
dessen ist uns von den vielen aristotelischen Schriften, in denen die 
Theorie der Beredsamkeit entwickelt *} , die Geschichte der Rhetorik 



Burrmus in i. Uebersetzung) oo^tanxeft eXet/oi. Indessen macht ffiin Arist, 
Org. H, 528 f. mit Kecht geltend, das» Amt. selbst De Interpret, c. 11. 20, b, 
26. Anal. pri. II, 17. 66, b, 16 auf Stellen unserer Schrift (dort c 17. 175, b, 
39. c. 30, hier c. 5. 167 , b, 21) mit der Bezeichnung h toI; TeJtUwlf verweise, 
dass er sopb, el. c. 9, Schi. c. 11, Schi. vgl. Top. I, 1. 100, b, 23 die Kenntnis* 
der Trugschlüsse zur Dialektik rechne , and c. 34 nicht Allein für die Abhand- 
lung über diese, sondern für die ganze Topik den Epilog gebe. Er will dess- 
balb die o-oyramo'i Ca. lieber als 9tes Buch der Topik bezeichnen. Nun scheint 
Arial, allerdings c. 2. 166, b, 8 Tgl. Ehet I, 3. 1359, h, 11 beide auch wieder 
in unterscheiden (Bbardib gr.-rüm. Phil. II, b, 146); doch folgt daraus nur, 
dass die Abhandlung von den Trugschlüssen spater veröffentlicht wurde, als 
die übrigen Bücher der Topik, nicht, dass sie nicht mit diesen Ein Ganzes bil- 
den sollte. Von unserem Buche waren nach An. Men. 65 die 'Eptimxi (ipi- 
OTDtüvvixüv ist dort wohl von einem Sehitiilifchl er herzuleiten) nicht verschie- 
den; D. 22. 29 unterscheidet beide. Weiter werden genannt: A Joe sc ioia~.i~ 
xa\B'. AiotipSTEis notf '.otiÄi:. Upoxioiif 'Epidvi*«!. 'Hva-cäani a' (D. 
22 f. An. 62.) Sof iTTixr,; o ' (An 62, es ist aber obne Zweifel der Sosiurr,; 
gemeint, über den S. 43, 2 z. vgl.) Statt De dtmonstrotionibus oc de proposi- 
tionibue eontenliosit bei Casibi 306, b ist nach Wbnbioh 143 f. De contraria 
tt dtverttt zu setzen. De fallacia s. de ratioetniia faliacibta (H. 159) geht 
wohl auf unsere oofwrwol IXeyjnii. 

1) Vgl. RheL I, 1, Anf. o. 2. 1356, a, 25. Sopb. ei. 34 g. E. 

2)r P iiXXo ! s. 0.43,2. T^xvneeoSixToufD. 24:T£xv7] t Tiite4oB. tfoBTiu- 
1% «', An. 63.: T(p. x.-feoB. ouvavtuvij ev 7'. Abjst. Ehet. III, 9, Schi.: ev 10« 
SfoBextiloii ; was unmöglich mit Rose S. 89 anf die Beden und Dramen de* 
Theodektes bezogen werden kann. Ehet. ad Alex, c 1, Sohl.; ev Tat; 5jc' ijiou 
rejvgut BeqSexttj -fpa^Eiaai;. Qüintil. II, 15, 10, welchen aber der Titel: ii'/yi\ 
BeoB&tou schon irre führt, nenn auch nicht in dem Maasse, wie Vii.bbies Ma- 
xniuss. o. 37, 1. Anon. Bhet. gr. ed. Spengel. I. 454). Te^vi] TnTopixj) 
(unsere Rhetorik in 3 B. D. 24 nennt nur 2, Au. 63. Dach. 147 drei). Weiter 
nennt D. 24. An. 63: Ts'yw, «', womit vielleicht die Rhetorik an Alexan- 
der (s. u.56,3) gemeint ist; D. 21: aXXij Te'v_vh ß ', wie es scheint eine Verdopp- 
lung unserer Rhetorik; An. 65: it. p^topixijc Tij( [teii futnxa 1', eine Corruption, 
deren Heilung sich nicht verlohnt. Ferner Einzelabhandlungen, unter denen 
wenig Aechtea gewesen soin dürfte: Tfyvij i^xiop-tBOTix)} (An. 66); it. Su[*- 
BouXia 4 (-^D.24.An.63); x. MU«>< (». 24 An. 63: «. \$. naOopät); *. 'AXt- 
vivBpou (vielleicht richtiger: 'AX^nvSpo;) 5) x. fijTopof i) [J. xal] noXtitxoü (An. 
66); it. Me-(:Qou; (s. S. 56, 2); De divieione conditionum . , . in dicendo (s. o. 



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dargestellt l )> rednerische Huster gegeben *) waren, nnr Eine erbal- 
ten *), an der wir aber allerdings ohne Zweifel die reifste Zusam- 
menfassung der aristotelischen Rhetorik besitzen. Diesen Erörte- 
rungen über die Formen des Denkens und der Darstellung worden 
sich der inneren Gliederung des Systems nach die Untersuchungen 
aus dem Gebiete der ersten Philosophie anreihen , deren Ueber- 
bleibsel in unserer Metaphysik gesammelt sind*); ihrer Abfassungs- 



8. 54); 'Ent-to[(.i) TipopixcTiv, wofür aber Cobet fj^ipuiv hat, so dass die Schrift 
geschichtlichen Inhalte gewesen w&re (Dioo. II, 104). Ton den Abhandlungen 
*. IlaSüv i pT>if(n. 23) und nä6r, (D. 24) istnicht klar, oh sie rhetorischen oder 
etbiichen Inhalt« waren. 

1) Tex,vüv Suvar^T^ nach D. 24 2, nach An. 83. Dach. U6 1 B.; blosse 
Verdopplung scheint luva-jui-jrjt ß ' D. 25. Auf dieses Werk bezieht sich Cic. 
Iurent. n, 2, 6. Do orat. II, 88, 1G0. Brat. 12, 46. 

2) 'Ev8uu.tf|iai« fijTopixi je. |iE-rl A ou<a' D. 24. Dagegen An. 68 
wohl richtiger; ev8uj*. pY t T. i. n. MEffllouf, so dass letzteres ein eigenes Werk 
wäre, dessen Inhalt sich ans Rhet.I, 8. 1359, a, 16 ff. abnehmen laasi 'Ev6u- 
u.i)u.atuiv alpfati« k (D. 24. An. 63 ävftou, jHil olprftnuv, beide Titel sind aber 
unklar). Zu den rednerischen Schrift™ konnte man auch die Xpetat rechnen, 
eine Sammlung treffender Aussprüche, wie Plutarch's Apophthegmen, welche 
Stob. Floril. 5, 83. 7, SO. 31. 29, 30. 90. 43, 140. 57, 13. 93, 38. 116, 47 
118, 29 anfahrt Da aber ans dieser Schrift auch ein Wort des Stoikers Zeno 
mitgetheilt wird (57, 12), und da sich eine solche Anekdotensammlung Ari- 
stoteles überhaupt nicht zutrauen lBsst, so musa sie entweder unterschoben 
oder von einem gleichnamigen späteren Schriftsteller, etwa dem b. Dioo. V, 85 
genannten Grammatiker, verfasat sein. 

3) Die 3 Bacher der Rhetorik. Ueber die Abfassungszeit dieser Schrift, 
welche dem letzten athenischen Aufenthalt des Philosophen angehSren musa, 
vgl. m. Bbibsis Ueb. Ariat. Bbetorik, Fhilologua IV, 8 ff. Dass indessen auch 
sie nicht ohne alle Interpolationen und Versetzungen ist, dass namentlich im 
2ten Buch c. 18—36 vor c. 1— 17 gehörte, zeigt gpEsan, Ueb. A. Rhetorik d. 
Arist. Abh. d. Mflnchn. Akad. VI, 483 ff. Derselbe hat {Suva?. Ti^v. 182 if. 
Anaximenis Ars Rhet. Prolegg. IX ff. vgl. 99 ff.) die 'PijTOpi*)) Ttpöc "AXi"- 
Saväpov, deren Aechtheit jetzt allgemein aufgegeben ist, mit Ausnahme des 
ersten und letzten Kapitels, dem Rhetor An&ximenes aus Lampsakus zuge- 
wiesen; doch unterliegt diese Annahme bedeutenden Bedenken; vgl. (Taufe 
Philologns IX, 106 ff. 279 ff. Für spater halt sie auch Rose 8. 100 ff. 

4) Die Metaphysik, deren jetziger Titel nur von einem Ordner der ari- 
stotelischen Werke herrühren kann, und wahrscheinlich von AndronikuB her- 
rührt (s. Krisohe Forsch. 265 ff. Bomtz Arist. Metaph. II, 3 ff.), besteht nach 
den Untersuchungen von Bainma (Ober die aristot. Metaphysik. Abh. d. Berl. 
Akad. Hiet-phil. EL Jhrg. 1884, 68—87. gr.-röm. PhiLII.b, 541 ff.) undBowrz 
(a. a. O. S. 8— 36, ebenda«, die weiters Litteratur), denen ich mich im 



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zeit nach sind sie wohl grösstentheils später als die meisten von 
den naturwissenschaftlichen Werken, welche unter den Geisteser- 



Weseutlichen auschliesse, neben einigen anflehten Stücken aus mehreren, mit 
einander in keinem unmittelbaren Zusammen ha Dg stehenden, und iam Tbell 
gar nicht für das gleiche Werk bestimmten Abhandlungen. Den HanptkSrper 
der Schrift bilden die Bacher I, III (B). IV. VI— IX, in welchen nach der Ein- 
leitung von B. T eine und dieselbe Untersuchung, über das Seiende als solches, 
methodisch geführt, allerdings aber weder zu Endo gebracht noch im Einzel- 
nen der letzten Feile unterworfen ist. Für eine spatere Stelle derselben IJntnr- 
inchnng scheint B.X bestimmt gewesen zu sein (vgl. X, 2 Anf. mit III, 4. 1001, 
a, 4 ff. X, 2. 1053, b, 16 mit VII, 13), aber Arist. bat den Ort, an welchem es 
sich an dieselbe anschliessen sollte, nicht angegeben. Auch die zwei zusam- 
mengehörigen Bücher XIII nnd XIV mnss er ursprünglich in das gleiche Werk 
aufzunehmen beabsichtigt haben, da XIII, 2. 1076, a, 39 auf III, 2. 998, a, 
TÄ, XIII, 2. 1076, b, 39 auf III, 2. 997, b, 12 ff., XIII. 10. 1086, b, 14 auf KI, 
6, 1003, a, 6 ff. verwiesen, und umgekehrt VIII, 1. 1042, a, 22 eine Erörterung 
über das Mathematische und die Ideen in Aussieht gestellt wird, welche nach 
XIII, Anf., wie es scheint, der Theologie znr Vorbereitung dienen sollte (Brak* 
nid S. 54?, 413 a). Andererseits fehlt aber XIV, 1 die naheliegende Beziehung 
auf X, 1, auch B. VII u. VIII sind in XIII n. XIV nicht berücksichtigt (Bonn 
S. 26). Namentlich aber ist unglaublich, daas Aristoteles einen grösseren Ab- 
schnitt fast wortgleiob zweimal gebracht hatte, wie diess jetzt I, 6. 9 und XIII, 
4. 5 geschieht; und da nun doch das erste Buch als Ganzes, ebenso wie dag 
dritte, worin es angeführt wird (III, 2. 996, b, 8 ff. vgl. m. I, 2. 982, a, 16. b, 
4. 1. 9; ebd. 997, b, 3 vgl. I, 6 f.), aller sein mnss, als das 13te, so Ist mir das 
Wahrscheinlichste, daas die Darstellung I, 9, welohe auch wirklich spater und 
reifer als die des ISten Buchs zu sein scheint, erst einer zweiten Bearbeitung 
des Isten Buchs angehört, zu welcher Aristoteles veranlasst wurde, als er in der 
Folge B. XIII nnd XIV von dem Plan des metaphysischen Hauptwerks ans- 
uhloss- Eine Spur davon, dass B. I froher eine etwas andere Gestalt hatte, 
kGnnte man Such III, 1. 995, b, 4 finden. Auch schon in der früheren mfiaste 
es aber, wegen der Verweisung III, 2. 997, b, 3, die Ideenlebre dargestellt 
haben. Ein erster, noch sehr skizzenhafter Entwurf, wahrscheinlich jedoch ein 
späterer, nicht von Aristoteles herrührender Auszug von B. III. IV. VI. bildet 
die erste Hälfte (c. I— c. 8. 1065, a, 26) von B. XI; der Best desselben, eine 
Compilation aus der Physik, ist sicher unilcht. — Als eine selbständige Ab- 
handlung stellt Bioh B. XII dar, welches aber selbst wieder in zwei ungleich- 
artige Theile zerfallt: denn- wahrend c. 6 — 12 die Ansichten des Philosophen 
über die Gottheit und die übrigen ewigen Wahrheiten in hinlänglich ausge- 
führter Darstellung entwickelt, gie.bl c. 1—5 nur die ersten Grundlinien für eine 
Bearbeitung der Lehre von den verschiedenen Principien und Substanzen. Es 
selbst unterscheidet sich (c 1. 1069, a, 36. o. 6, Anf.) von det Physik, nnd in 
der Schrift De motu auim. e. 6. 700, b, 8 wird es u. ö". T. Iv tdit juepl rijs jupiirn! 
orlooofia? angeführt; da aber jede Beziehung auf die übrigen Bücher darin 



Zeugnissen des Philosophen einen so bedeutenden Baum einnehmen. 
Im Besonderen treten ans dieser Hasse zunächst einige wichtige 

fehlt, scheint es unabhängig Ton diesen und wohl vor ihnen iiiedergeacb rieben 
in »sin (vgl. Bokitz S. 22 f. Brahdib S. 573). Da indessen nach Metaph. I, 2. 
982, b, 4 ff. VI, 1. 1026, u, 10 ff. eine ähnliche Untersuchung für dieses Werk 
bestimmt wir, so mag wohl Arial, unser B. XII in dasselbe in verarbeiten be- 
absichtigt haben. — Ebenso bildet B. V eine eigene Abhandlung, welche A. 
selbst wiederholt (Metaph. VI, 4. 1026, a, 4. VII, 1, Auf. X, 1, Auf.) mit der 
Bezeichnung i* Tdij Jttp'i toÜ noaajrö; anführt, mit der es ohne Zweifel auch 
bei Dioo. 23 gemeint ist; die Stelle V, 10 wird X, 4. 1055, a, 23, V, 22 ebd. 
b, 3, V, 15. 1091, a, 26, ebd. c. 6. 1050, b, 34 berücksichtigt, eine V, T, Schi, 
einem andern Ort aufgesparte Unters uobnng findet sich IX, 7. — Was endlich 
B. II [«) betrifft, so ist diese schon von den Alten zum Theil Paaikles aus 
Bhodus zufjeacb rieben e (s. Kbische Forsch. 268, 1. Bositz S. 15 f.) Sammlung 
von drei kleinen Aafs&tzen schwerlich für aristotelisch zu halten; dass sie nicht an 
ihren jetzigen Ort gehurt, zeigt ausser allem Andern auch der Schlau von B. I, 
der unmittelbar an den Anfang von B. III anknüpft. (Die abweichenden Annahmen 
Kosb'b 8. 153 ff., welcher ausser B. II u. XI auch B. V. XII. u. XIII verwirft, und 
die für die Stelle unseres 5ten Buches bestimmte Abhandlung it. tüv jcooa/ws für 
verlorenh&It, können hier nicht genauer geprüft werden.) Wann das Werk seine 
gegenwärtige Gestalt erhielt, läset sich nicht sicher ausmachen; die gleichen 
Gründe jedoch, welche dafür sprechen, dass sein Name von Andronikus ge- 
schöpft sei, lassen uns auch die jetzige Zusammenstellung seiner verschiedenen 
Bestandtheile auf diesen Schriftordner zurückführen. Was Aristoteles selbst 
hinterlies«, können nur die oben ausgeschiedenen einzelnen Bestandtheile un- 
serer Sammlung gewesen sein, nnd wenn er das metaphysische Hauptwerk voll- 
endet hätte, mochte er es wohl am Ehesten "Jiloooipta oder xpt&ti] "PiXono^ in 
(bezw. jspi üftoT. f iloo.) genannt haben (vgl. Metaph. VI, 1. 1026, a, 15.24.30. 
XI, 3. 4. 1061, b, 5. 19. 25. Pbys. I, 9. 192, a, 34. II, 2, Sohl. De ooelo 1, 8. 
277, b, 9. gen. et corr. I, 3. 318, a, 5. De an. I, 1. 403, b, 15. mot. anim. c 6. 
700, b, 9); sein Inhalt wird Phys. VIII, 1. 261, a, 7 auch als (ituoBos iupi i% 
äpYjjt ?>if npiaT)]«, Metaph. VI, 1. 1026, a, 19 (XI, 7. 1064, b, 3) als OtciXovudi, 
Metaph. I, 1 f. als aeipia bezeichnet. So finden sich auch im Alterthnm ausser 
Mf-ri ia Ouuui noch die Titel 2o?(i, *iloooipia, Tuprin] iliilono^lo, ÖEoXoyia 
(Asklbp. Scbol. in Arist. 519, b, 19. 31). Wenn der Anon. Hen. S. 64, von 
MsTaauaiitä x' redet, so ist dieses x entweder nur aus dem Schlnss von Metol- 
ouoixi entstanden, oder es ist dafür nach alphabetischer Zahlung K zn setzen, 
welches dann entweder ans N verschrieben, oder aus Unvollst&ndigkeit eines 
Exemplar» zu erklären ist (Kbische 274); ebenso steht bei Pbilop. Phy». e, 
13, m nur in Folge eines Lesefehlers : iv tö tpunwrt^ (statt : b t*ji A) if^ (int 
■ta ^umxi. In unserer Metaphysik, nftmlicb in B, I. XI. XU derselben, vei- 
muthet Kbische (Forsch, 265 ff.) auch die drei Bücher K, *tio<io? (at, welche 
Dioo. 22 nennt (An. Men. 61 bat vielleicht nur dnroh Schreibfehler 4 B.), nnd 
an* deren drittem Buch Oic. K. D. 1, 13, 33 nach Fbadrae Hehreres anfahrt . 



zugi^dDy Google . 



Naturwissenschaftliche Schriften. * 59 

Untersuchungen hervor, welche von Aristoteles selbst mit einander 
verknüpft, die allgemeinsten Grunde und Bedingungen des natür- 
lichen Daseins, das Weltgebäude, den Himmel und die Himmelskör- 



Und die letzteren Anführungen Hessen sieb allerdings anf Metapb. XU be- 
liehen; auch die Worte: mundum ipmm Deum dicit esse würden sioh, so wie 
der Epikureer seine Quellen behandelt, aus e. 8. 1074, b, 3, und selbst das 
Weitere: eoefi ordorem Deum diät ose, ans c. 8. 1078, a, 34 noth dürftig er- 
küren ; oder konnte man auch annehmen , dass PhKdrus , unpünktlich wie er 
ist, aus andern Schriften (wie De ooelo I, 9. 279, a, 16 ff, II, 1. Meteor. I, 9. 
339, b, 25} eingemischt habe, was er für sich verwenden konnte. Da wir aber 
doch sogleich hören, Arist habe in der Schrift it. yiXojo^fo; die Aeohtbeit der 
orpkisoben Gedichte bestritten (Philop. de an. F, 6, o. vgl. Ctc. N. 1>. 1, 38, 
107), und sioh ebendaselbst übur das Alter und die Lehren der CbsldKer 
getussert (Dioo. I, 8), was sich beides weder in unserer Metaphysik 
Endet, noch in der Darstellung der platonischen Vorträge über die Philo- 
sophie (s. o. 48, 2) gefunden haben kann, und da auf die erstere mich das Citat 
bei Brurr,. De ooelo, SchoL in Ar. 487, a, 6 ff. nicht passt, so ist es mir wabr- 
leheinlicher, dass die 3 Bücher von der Philosophie ein eigenes Werk bildeten, 
in welchem Aristoteles zuerst die Ansichten Anderer über die lotsten Gründe 
dlrstellt« nnd dann seine eigene entwickelte. Auch die weiteren Anführungen 
ans Aristoteles b. Cic. N. D. II, 15, 42. 16,44. 37, 95. 49, 125 werden von 
Bmsnis (gr.-röm. Phil. II, b, 84) in so wahrscheinlicher auf das gleiche Werk 
belogen, da bei Flut. plae. V, 20, 1 neben dem, was Cicero N. D, II, 15, 42 
•■fuhrt, auch das N. D. L 13, 83 Berichtete angedeutet ist. Jenes Werk muss 
in diesem Fall eine populärere Haltung, als die Metaphysik, gehabt haben; da 
es bei Dioo. und An. Men. mitten nnter aulchen Schriften steht, welche sich 
der dialogischen Form bedient zn haben scheinen , könnt« man recht wobl an 
ein Gespräch denken. Ans demselben kann Ssxt. Math. IX, 20 ff. um sc eher 
stammen, da Arist. darin, naoh Bimpl. a. a. 0., das Dasein Gottes erwiesen 
hatte. — Mit dieser Darstellung scheint die Schrift it. E&^ijc verwandt ge- 
wesen eu sein, welche D. 22. An. 62. Ammon. lat. S. 59. anführen, nnd aus 
welche! der Letztere, nach Sisplicifb (De coelo 74, a der lat. Uebersetzung] 
die Wort« mittheilt : quod Deut aal mtdlcctu» est out aliquid ultra iateüectum 
(sein Titel : De orationn, bedeutet nämlich nicht : n. ä^eiu;, sondern nach der 
richtigen Auffassung der griechischen Bück Übersetzung 118, b, m: n. si/iji. 
Dass unser Text des rjjmpl. dafür De oratore hat, ist offenbarer Schreib- oder 
Druekfehler. Näheres Ober diese Anführung bei Boss S. 247 f.) — Auch it. 
Tiixi* T '{An. 66) kann manhieher rechnen. — DerMavtxe;, von Dioo. L 1.8. 
(vgl. Pub. H. 21. XXX, 1, 2) als ficht benutzt, An. 67 den Psendepigraphen 
beigesahlt, wurde nach Sow. 'AvtisS. auch Antisthenes oder Rhodon (richtiger, 
nach Bbbkhabct's glücklicher Vcrmuthnng : 'AvndWwi 'PoSiio — Antisthenes aus 
Rhodos ist ein Peripstetiker ans dem Anfang des 2ten Jahrb. v. Chr.) beige 
legt. Derselbe scheint bei Hadschi 160 mit Timaeug, de scienfia magica ad 
wnaWai Qraeeorum gemeint au sein. 



^Google 



per, die elementarischen Stoffe, ihre Eigenschaften und Verhältnisse, 
nebst den sog. meteorologischen Erscheinungen behandeln '); nt' 1 

1) Es sind diess die folgenden Schriften, welche Arial, selbst Meteor. I, I 
■Ja zusammengehörig behandelt: 1) <J>vOtxij 'Axpiaaif in 6 IS. (auch An. 65 
sullte statt ii)' wohl ij' stehen). So nennen die Handschriften , auch die der 
Aualeger, Simpi.. Phys. Bing., An. G5. Dach. 147 u. A. das Werk. Aristoteles 
selbst bezeichnet gewöhnlich nur die ersten B Hoher als fuooti oder tk rapl yüaaus 
(Phys. VIII, 1. 251, «, 8 vgl. m. III, 1 ; VIII, 3. 263, b, 7 »gl. U, 1. 192, b, 20; 
VIII, 10. 367, b, 20 vgl. III, 4 ff.; Mctaph. I, 3. 983, s, 38. a. 4. 965, a, 12. 
c.7. 988, ft, 23. c 10, Anf. XI, 1. 1059, a, 34 vgl. Pliy». II, 3. 7; Metaph.1,5. 
986, b, 30 vgl. Phya. I, 2 f.; XIII, I, Auf. c. 9. 1086, a, 33 vgl. I'hya. I.), die 
spateren dagegen nennt er in der Regel ti idu» xmjoiiD« (Metaph. IX, 8. 1049, 
b, 36 vgl. Pbys. VIII. VI, 6 f.; De coelo I, 5. 7. 272, a, 30. 275, b, 21 vgl. 
Phys. VI, 7. 238, a, 20 ff. e. 2. 233, a, 31. VIII, 10; De coelo III, 1. 299, a, 10 
vgl. Phys. VI, 3. 233, b, 15; gen. et corr. I, 3. 318, a, 3 vgl. Phys. VIU; De 
sensn c, 6. 445, b, 19 vgl. Phys. VI, 1 f.; Anal. post. II, 12. 95, b, 10). Doch 
wird Phys. VIII, 5. 257, a, 34 mit den Worten sv «ff xaWsou rasal y&aw$ anf 
B. Vi, 1 f. 4, Metaph. VIII, I, Schi, mit tpua-na anf B. V, 1 verwiesen, und Me- 
Uph. I, 8. 989, a, 24. XI, 6. 1062, b, 31. XII, 8. 1078, a, 82 geht der Aus- 
druck in je. ciiüEws nicht allein auf die ganze Physik, sondern auch anf andere 
natnr wissenschaftliche Schriften (vgl. Bositz und Schweolbr e. d. SL). Dem 
Inhalt nach wird B. III, 4 f. De coelo I, 6. 374, a, 21 mit den Worten: i* rtfis 
xtp\ t»( öpX*"i B - ^'"' 4 B en - et cn "- "i l0 - 337, a, 35: mit iv ~.<iii iv äp^fj W- 
yois, B. IV, 12. VI, 1 De ooelo III, 4. 303, a, 23 mit ms: yj&vau xat xiviioEuc, 
B. I, 7, vgl. III, 6. 205, a, 6, De coelo I, 3. 270, b, 17, B. III, 6. 207, a, 8 De 
coelo II, 4. 286, b, 19, B. V, 8. 226, b, 23 gen. et corr. 1,6. 323, a, 3, B. VIII, 10 
Metaph. XII, 7. 1073, a,& ohne Bezeichnung der Schrift angeführt. Simflicius 
(Phys. 190, a, o. 316, a, m. 256, b, n. 320, a, n.) behauptet, Aristoteles selbst 
sowohl, als seine häipoi (Theopbrsst and Endem) nennen die fünf ersten Ba- 
cher fuaixä oder ic. ap£ü>v fuatxüv, B. VI — VIII Jt. xmfaEui;. Ohne Zweifel hat 
aber PoBpnva (b. Sinr-t. 190, a, m) Recht, wenn er das mit B. VI so eng ver- 
bundene B. V unter dem Titel je. xiyijmbs mitbef&aate. Denn mögen auch zur 
Zeit Ana ast'« (bei Sibpl. 1, b, m. 2, a, o.) bei Manchen die fünf ersten Bücher 
die Ueberschrift : je. äp^üv oder %. ipy&v tp'jmxüv getragen haben, welche An- 
dere dem ganzen Werk gaben, B. VI — Vm dagegen den Titel: je. xivijottu;, 
otiter dem sie auch Anbbosikcs anfahrte (Simpi.. 216, a, o.), so Mast sich doch 
nicht beweisen, dass diese auch schon in der alteren Zeit geschah; wenn viel- 
mehr Throfbiust B. V u. d. T. ix tüv täiwixü« anführte, ao kann er dabei 
tpuirixi recht wohl in jener weiteren Bedeutung genommen haben, in der es 
nicht allein unser ganzes Werk, sondern auch noch andere naturwissenschaft- 
liche Sohriften bezeichnete (s. o. und Simpi.. 216, a, m), und wenn DjUuous, 
der Lebensbeaolireiber und wohl »ach Schüler des Eudeojus, ex -erjs Jttpi yihreiu; 
itpavu.c<TELa; et]; 'ApioTorAouj eüv r.ipt xivrjaiiuc Tp!« nennt (Sun.. 3*16, a, m, wo 
für Daiuatua den Neuplatuniker Dattutst-ius zu setzen durchaus nicht angebt), 



Naturwissenschaftliche Schriften. 61 

diesen Hauptwerken hängen, so weit sie nicht als Theile darin ent- 
halten, oder als unächt zu beseitigen sind, verschiedene andere 

so folgt doch nicht, dass er damit B. VI — VIII , und nicht vielmehr B. V. VI. 
VIII meinte (vgl. Kos» 198 f. Bkasuis II, b, 782 f.). B. VII machte nämlich 
schon auf die Alten den Eindruck , dasa es nicht recht in den Zusammen hang 
lies (Jansen verarbeitet sei, und Eudemus hatte es nach Sinrr.. Phys. 242, a, 0. 
in seiner Bearbeitung der Schrift übergangen. Für unacht {wie Bobe S. 199 
will) wird es desshatb doch nicht su halten sein, wobl aber mit Biundis (II, b, 
893 ff.) für eine Zusammen Stellung vorläufiger Aufzeichnungen, die keinen 
Theil des physikalischen Werks bildeten. In seinen Text sind aus einer schon 
Alexander und Simplioius bekannten Paraphrase (Simpl. 245, a, o. b, u. 
253, b,n.) vielfache Zusätze und Aonderungen gekommen (a. Sfekhel Abhandl. 
derMünchn. Akad. III, 313 ff.); den ursprünglichen Text giebt die kleinere 
ÜBiKEs'sche und die PnANTL'sche Ausgabe. Die Aechtbeit von B. VI, c. 9. 10 
verthetdigt Brandts 11, b, 889 mit Becbt gegen Weisse. — Au die Physik 
echllesaen sieb die vier Bücher x. Oipivoü und an diese die zwei it. Yt.iiac.iai 
*ai 46opS; an; die gegenwärtige Abtheilung dieser zwei Werke rührt aber 
schwerlich von Aristoteles her, denn B. III und IV r.. OüpavaÜ ist den Ausfüh- 
rungen der zweiten Schrift näher verwandt, als den vorangehenden Büchern. 
Auf beide Schriften verweist Aristoteles durch einen kurzen ltiiokblick auf 
ihren Inhalt am Anfang der Meteorologie; auf De ooelo II, 7 ebd. I, 3. 339, b, 36 
(vgl. 341, a, 17 ff.) mit den Worten: ti mp'i tov ävu totiov Hiia^am; auf gen. 
et corr. I, 7 De an. II, 5. 417, a, 1 mit: tv tot( wltoi™ XäyoiS jtept toü jcouiv x& 
xir/ßtt (ähnlich gen. an. IV, 3. 766, b, 23: bt toi; rapt toü juquTv xa't r,ä<rfiw 
Buup lau&acj) ; auf gen. et coit. t, 10 (nicht: Meteor. IV) De sensu o. 3. 440, b, 
3. 13 mit: £v xo« rapt jii&ox; auf gen. et corr. II, 2 ff. De an. II, 11. 423, b, 29. 
De sensu C 4. 441, b, 12 mit: iv toi; r.sp\ aTQt/EHu». Eine Schrift X. Oipavaü 
haue nach Simi-i.. De coelo, Scbol. in Ar. 468, a, 11. 498, b, 9. 42. 502, a, 43 
auch Theophrast verfasst und die aristotelische darin berücksichtigt; ausser 
ilim sind Xenarchns und Nikolaus der Damasceuer die frühesten Zeugen für 
das Dasein dieser Schrift (a. Bkasuis gr.-röm. Phil. II, b, 952), deren Aechtbeit 
übrigens so wenig, als die der Bücher it. fiiiaztui x. <pü. , einem Zweifel unter- 
liegt. Aus Stob. Ekl. I, 486. 586 kann man nicht (mit Iiuxek Arist. Meteorol. 
1, 415. IL, 199) sohltessen, dass die Bücher vom Himmel ohmals vollständiger 
oder in einer andern Reoension vorhanden gewesen seien; ans Cic. N. D. II, 15. 
Pia plac V, 20 (a. o. S. 69} ohnedem nicht. — Mit den genannten Werken 
setzt nun, wie bemerkt, die Meteorologie (METEwpoXoYixä, b. An. 65: it. Me- 
ndpuv 8' J) [UTEiupoaxonii, Dscb. 148: IM metcorix IV, und wieder 8. 155: Da 
mttoru III) sieh selbst in unmittelbare Verbindung. Die Aechtbeit dieser 
Schrift kann nicht wobl bezweifelt werden: nach Alex. Meteor. 91, a, n. 
Olthtiod. b. 1dei.ru Arist. Meteor. I, 137. 222. 286 scheint sie schon Theo- 
phrist (in s. HeropcioXo^iKa Dioo. V, 44) nachgebildet zu haben ; Idelee a. a. O. 
1: VII f. zeigt, dass sie Aratus, Philocboms (?), Agathemerns, Polybiua, Posi- 
äonius bekannt war; des Letztarn ^fij-r^a:; MtTtupoXofixmv (8hfl. Pbys. 64,b,m, 



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tJ2 Aristotoles. 

naturwissenschaftliche Abhandlungen zusammen '); eine eigene 



nach Geminus) war vielleicht ein Commentar Aber du aristotelische Werk. 
(Eratosthenss dagegen scheint sie nicht gekannt an haben; s. ebd. I, 482.) Von 
ihren vier Büchern scheint aber das letzte, seinem Inhalt nach, ursprünglich 
nicht zu ihr gehört zu haben. Ai.ehsdek (Meteor. 136, a, m) nnd Ahmokics 
(bei Olyufjod. Ariat. Meteor, ed. Id. I, 183) wollen ea lieber der Schrift vom 
Entstehen nnd Vergehen anweisen; auch an dieser passt es aber nicht, nnd da 
es nun doch Höht aristotelisch aussieht and von Aristoteles (gen. an. II, 6. 
743, a, 6 vgl. Meteor. IV, 9; part an. 11, 9. 665, b, 23) berücksichtig wird, so 
wird es für eine abgesonderte Abhandlung nu halten sein, welch« beim Anfang 
der Meteorologie noch nicht in dieser Form beabsichtigt (vgl. Meteor. I, 1, 
Schi.), in der Folge an die Stelle der Erörterungen trat, die am Schtasa des 
dritten, den Plan des Werks offenbar noch nicht zu Ende führenden Bachs 
noch in Aussicht gestellt werden. Es selbst führt c. 8. 384, b, SS die Stelle 
Meteor. III, 6/7. 378, a, IS an. Part. an. 11 , 9. 655, b, 33 wird es u. d. T. h ,tj[ 
Ttpi tüv frfpnJv x«i ojioio|isp£>v fttupia angeführt (Vgl. hiezn Idelei a. a. O. II, 
347 — 360. Sfbxobi. Bb. d. Reihenfolge d. naturwissensch. Schriften d. Ariat. 
AbhandL d. Miinchn. Akad. V, 150 ff. BsisDis gr.-rötn. Phil. II, b, 1078. 1076 f. 
Die entgegengesetzte Annahme Kos« 's a. a. O. 188 ist blosse Behauptung-.) 
Zweifel gegen das erste Buch bei Olvhpiod. a. h. 0. 1, 131 haben nichts auf 
sich. Dass es im Altarthum eine doppelte Beceniiou der Meteorologie gegeben 
habe, scheint mir durch das, was Tuki.kb 1, XII f. beibringt, nicht erwiesen. 
Die Angaben, welche er aus einer zweiten Gestalt unseres Werks ableitet, 
können meist auch andern Schriften entnommen sein, und wo diess nicht der 
Fall ist (Sek. qu. nat. VII, 38, 1 vgl. Meteor. I, 7. 344, fa, 18), lässl sich ein 
In-thnm des Berichterstatters annehmen. Möglich ist es aber allerdings, dsss 
die Schrift auah iu einer erweiternden Ueberarbeitnng oder einer mit man- 
cherlei Zusätzen versehenen Ausgabe vorhanden war. Vgl. Brisdib ß. 1076. 

I) Auf die Physik gehen die Titeli jc. 'Ap/wv i) Qfaeuis 4 (An. 63), tv 
T0I4 jc. xffiv äpvfiv rijf SXtk fiattoi (Themist. De an. 73, b, m. 74, a, n.), t* nfl« 
it. twv Jp X Öv (ebd. 76, b, m), «. Kivi)tr E o>; (D. 33 II B., An. 64 I B., Dsch. 146 
VIII B.), vielleicfat auch it. 'Apx^t (O. 33); wie es sioh in dieser Beziehung 
mit den Titeln it. «tf«ie>( (D. 26 IU, B., An. 68 I B.), * U Tixbv & (D. 36), ic. 
«thjomüv a (An. 63) verhält, lässt sich nicht ausmachen. Auch n. Xpovo-j (An. 
86) könnte möglicherweise nur der Abschnitt Phys. IV, 10 — 14 sein, doch 
möchte iob eher an eine besondere Abhandlung, von irgend einem Peripateti- 
ker, denken. Mit der Bezeichnung iv toIc it. atoiydiov verweist Ariat. selbst 
De an. II, 11. 433, b, 38 auf gen. et corr. II, 3 f.; ob aber auch bei Dioe. 38. 
An. 62 der Titel it. iKiijfsiuv v' nur auf diese Schrift, oder anoh die Bücher 
it. oäpavoE, geht, ob vielleicht aus beiden Werken das die Elemente Betreffende 
besonders zusammengestellt, oder ob endlich eine eigene Schrift über die Ele- 
mente, welche aber dann kaum für aristotelisch gehalten werden könnte, vor- 
handen war, muss dahingestellt bleiben. Aehnlich verhält es sich mit dem 
Bnohit. TOB n&9X*" 1 its*o*8«'v«.(D.23). Da Artet, salbst De an. U, ß. 



Naturwissenschaftliche Schriften. 63 

417, a, 1. gen. an im. IT, 3. 768, b, 23 mit der Formel: h xtilz nepl tau icoiitv k«l 
dir^s« auf gen. et corr. I, 7 ff. verweint, liegt es nahe, auch bei Diogenes nur 
u diesen Abschnitt, oder anch an du ganze erste Bach der genannten Schrift 
tu denken ; sollte ee aber auch eine eigene Abhandlung sein, so ist es mir doch 
jedenfalls wahrsch ein lieber, das« sie der Eröterung gen. et corr. analog war, 
ilsdass sie (nie Tuesdelembuhu glaubt, Gesch. d. Kategorieenl. 180 f.) die 
Kiiegorieen des Thung und Leidens im Allgemeinen behandelte, und dass auch 
diaiwei aristotelischen Citate sich auf eine solche allgemein logische Unter- 
äneirang beziehen. — An die Physik würden sich weiter die 86 Bücher 4* u- 
■Jiiiüy ms oToij_et»v (D. 26. An. 64) anreihen; nur können wir uns weder 
eine klare Vorstellung von dieser Schrift machen, noch sind wir ihrer Aecht- 
hat sicher. — In noch höherem Grade gilt das Letztere von den Quatitio- 
ntideniateriat} oder IV B. Dseh. 150) und der Abhandlung Deaceiden- 
ti&munivertalibut (Osch. 155); anch n. Ko"»>ou rtvioeof (An. 66) 
hat Aristoteles, welcher De coelo I, 10 — II, 1 vgl. Phys. VIII, 1—6 in gründ- 
licher Untersuchung einen Anfang der Welt bestreitet, gewiss nicht geschrie- 
ben. — Gleichfalls unterschoben ist das Bnah jcspl Käapou, ein Abriss der 
Himmels- und Erdkunde und der Theologie; das» es dem Eklektioismus des 
ersten vorchristlichen Jahrhunderts angehöre, sneht unser 3rTh. 1. Aufl. 8. 3560, 
au zeigen; Bobb's (De Arist. libr. ord. S. SO ff. vgl. S.36. 84) Gründe für einen 
früheren Ursprung (nm 250 V. Chr.) sollen bei einer neuen Bearbeitung dieses 
Abschnitt« geprüft werden. — Auch unter den Abhandlungen, welche in das 
Gebiet der sog. Meteorologie gehören, scheint viel UnSchtes gewesen zu sein. 
Eine Schrift «. 'Av«>wv (Achill. Tit. in Ar. c. 83. S. 158, A) ist Aristoteles 
vielleicht nur durch Verwechslung mit Tboophrast (über »eichen Dioo. V, 42. 
Ai.bt . Meteor. 101, b, o. 106, a, m u. ö. z. vgl.) beigelegt, oder aus Meteor. 
II, 4 ff. entstanden. Die £i](>e1c Xslp.i&viiiv (D. 26; aiju.«9iai jrEip. An. 61) fer- 
ner, von denen ein Auszug S. 973 der akademischen Ausgabe steht, die Schrif- 
ten it.Qatau.aiv (deren 4tes Buch I'b.-Plbt. de fluv. c. 25, Schi, anführt), und 
r.. TTJ; toS NtiXou avojäiaei..; (An. 66. De Aegyptiaco Nüo III B. Dach. 
145) sind gleichfalls höchst verdächtig; «tkabo, welcher von Peripatetikern 
•einer Zeit Schriften über den Nil anführt (XVII, I, 5. S. 790), kennt die An- 
sicht des Aristoteles über die Nil Überschwemmungen nur ans Posidonius, die- 
ser aus Kallisthenes, Pboklds in Tim. 37 führt aus Aristoteles nnr au, was 
Meteor. I, 14. 351, b, 28 steht, das Weitere hat erTheophrast und Eratosthenes 
entnommen; auch der Ungenannte h. Phot. Cod. 249, Schi. S. 441, b seheint , 
seine unzuverlässigen Mittheilungen nur aus der Stelle des Proklus ge- 
schöpft zu haben. Die Abhandlungen De humoribu« und De «iccitate 
(Dach. 165) sind schon detshalb nicht für Acht zu halten, weil sie von keinem 
Griechen erwähnt werden. Gegen die Schrift jc. Xam^iiuv hat Pbaktl (Arist. 
üb. die Farben, Münoh. 1849, S. 82 ff. vgl. 107 ff. 116. 142 f. n. Ö.) begründete 
Einwendungen erhoben. Dass Arist. ein Buch -. XujiüJv geschrieben habe, 
nimmt Alex, in Meteor. 98, b, u. Oltmpiodob in Meteor. 36, n(b. Idele« Arist. 
Hetsor.I,287f-)an, keiner von beiden scheint es aber selbst gekannt zuhaben; 
so bemerkt auch der sonst nicht unzuverlässige Commentar zn der Schrift Da 



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Klasse, den genannten nur theilweise verwandt, bilden die mathe- 
matischen, mechanischen, optischen und astronomischen Schriften ')■ 



reapiratioue, welcher Simpllcius De anima beige druckt ist, S. 175, b, u., die 
Schriften des Aristoteles 7t. (putüv nA ^uXöJv seien verloren, wesshalb man sieb 
an Theophrast halten müsse. Amt. selbst verweist Meteor. II, 3. 359, b, 20 
anf eine eingehendere Erörterung über die schmeckbaren Eigenschaften der 
Dinge; da er aber über denselben Gegenstand in der spateren Abhandlung De 
sensu c. 4, Schi, weitere Untersuchungen für das Werk über die Pflanzen in 
Aussicht stellt, fragt es sich dooh sehr, ob wir diese Verweisung anf eine be- 
sondere Schrift jt, XujiiÖv, und nicht vielmehr (als spater eingetragen) anf die 
Stelle De sensu c. 4. De an. II, 10 zu beliehen haben. Das Bruchstück Jt. tßi 
'AxoutTTüW (Ariat. Opp. II, 800 ff.) ist ohne Zweifel unächt; Tgl. Baums 
8. 1201. Kose 220 f. Eine Untersuchung über die Metalle stellt Arist. Meteor. 
III, Schi, in Aussicht, seine Ausleger erwähnen auch eines {iovoßtßlo( it. Mi- 
TÄXXuv (Sini-i.. Pbys. 1, a, u. De coelo, Scbol. in Ar. 468, b, 25. Daxasc. 
De coelo ebd, 454, a, 22. Philo p. Pbys. a, 1, m., der aber zur Meteorologie, L, 
135 Id., redet, als ob er von einer solchen Schrift nichts wüsste. Olympiod. in 
Meteor. I, 133 Id.), das aber auch Theophrast beigelegt wurde (Poi-i.ux ono- 
mast. VII, 99 vgl. Ai.es. in Meteor. 126, a, o.). Wie sich hiesu die Schrift De 
metalli fodinit (Hadbchi 160) verhalt, wissen wir nicht. Die Schritt über 
den Magnet (it. tij( Aiflou D. 26. An. 64) war schwerlich acht, die De lapi- 
iibut (11. 159; weitere Belege von dem Gebrauch dieser Schrift bei den Ara- 
bern giebt Mkieü Nicol. Damasc. De plantis nraeü S. XI), nach dem Bruch- 
stück zu urtbeilen, welches der falsche Galen De incantatione (bei Patbicics 
Discnss. Peripat. S. 83) mittheilt, gewiss nicht. 

1) flUvimaTixbv*(D. 24). n. x%t iv to! 4 M«flj[j*at;iv oi3oi«((An.66.) 
Denunerii (H. 159) ji. MoviSot (D. 25. An. 64). it. Ms T 46ou t (D. 24. An. 
63 wenn diess nicht vielmehr eine rhetorische Abhandlung war, s. o. 56, 2). x. 
HTou.biv rpip-u-üv, nach Sihfl. De coelo, Schol. in Ar. 510, b, 10. Paiu>r. 
gen. et corr. 8, b, ra. auch Theophrast beigelegt (wogegen l'im,oi\ a. a. 0.31, 
a, u. Pbys. m, 8, m. die Schrift einfach als aristotelisch behandelt) was Man- 
ches für sich hat. (Gegen ihre Aechtbeit auch Boss 193.) Dass Arist. eina Ab- 
handlung über die Quadratur des Zirkels verfasst habe, sagt Eutoc. ad Archini. 
de circ. dimens, prooem. nicht; seine Aeusscrung geht auf soph. el. 11. 171, b, 
14. I'livB. I, 2. 185, a, 16. Ohne nähere Angabe nennt Sihpl. Categ. 1, b, n. 
(Bas.) Aristoteles' -j-EufACtpix^ u xoti pj)^avuöi ßifiXia. Unsere U^avua jedoch 
(D. 26. An. 61: uj))(.aviKbv), die wohl richtiger luj^avixi 7tpoßXr)uiatB genannt 
würden, sind gewiss nicht aristotelisch. (Vgl. auch Bosn 192.) Ein 'Oictiiiiv 
nennt D. 26. An. 64, 'Oittiw David in Categ. Schol. 25, »,36; Akdbbas Bbllu- 
«rssis (bei Fabbic. Bibl. gr. III, 399 Harl.) will diese aristotelische Optik noch 
gelesen haben. Ob sie Hebt war, wissen wir um so weniger, da das Citat in 
den (gleichfalls unilohten) Problemen XVI, I, Schi, nicht einmal sicher ist. 
Die Schrift De ipecvlo (H. 161) stammt wohl keütenfalls von Aristoteles. Ein 
'Aetpovo|ttxiiv kennt nicht blos D. 26. An. 64, sondern auch Aristoteles 



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Naturwissenschaftliche Schriften. 05 

Auf die Physik und die verwandten Schriften folgen die nW- 
reichen und wichtigen Werke über die lebenden Wesen. Dieselben 
sind tbeils beschreibende, theils untersuchende. In die erste Klasse 
gehört die Thiergeschichte ') und die anatomischen Beachrei- 



verweist Meteor. I, b. 845, b, t (xaflixtp Seixvursi iv Ttfi; jrepi iorpoXofiav Oiw- 
pj|*«0tv) Unit De Coelo XI, 10. 391, «, 29 {mpi S\ üfi v&fan aSröW u. s. w. h tO* 
wf* JoTpoXoviav feiupeiaGio- WyET«i y«p lxavüj;| auf eia derartiges Werk, welche« 
rieb tu der Schrift vom Himmel ähnlich verhalten haben mag, wie die Thier- 
gMchichte eu den systematischen Werken Aber die Thiera; auch Sinei., i. d. 
8l De coelo, Schul. 497, a, 6 denkt an nichts andere*. Dass dies» jedoch da« 
gleich« war, welche« bei Arabern (H. 169) u. d. T. Da tideruvt arcanii, Dt 
lidtribut eoramptearcaau erwähnt wird, glaube icb nicht; noch weniger wird 
in die Aechtheit des Boches De e Celli t labentibui (H. 160), oder gar der 
Mille verba de aatrologia judiciaria (H. 161) an denken «ein. Wie ea 
■ich eonst mit der Aechtheit der mathematischen and der verwandten Schrif- 
ten verhielt, lssst sich nicht snaniaohen; dass keine derselben von Aristoteles 
verfallt «ein könne, sacht Robe 192 f. vergeblich an beweisen. 

1) ic ii Zua !dTop:a (x. Jrino» loropio; ( An. 66. DiOg. nennt das Werk 
nicht; die Araber zahlen bald 10, bald 15, bald 19 Bücher, sie hatten ss 
«]»o durch -verschiedene Zusätze erweitert, s. Wesiich a. a. O. 148 f.) Ari> 
rtoteles selbst führt diese Schrift unter verschiedenen Namen an: larapki 
(oder auch — (a) k. tk tö* {part. anim. IV, 5. 680, a, 1. IV, 8, Schi IV, 10. 
B89, s, 18. IV, 13. 696, b, 14. gen. an. I, 4. T1T, a, SS. I, 20, 7S8, b, 13. respir. 
& 16, Anf,); totopiai it. tüv ^iuc" (part. anim. II, 1, Anf. gen. anim. I, 3. 716, b, 
II. respir. c 12. 477, a, 6), Juifi torasEn (pari anim. IC, 5, Schi.) Itrtopfa «■«- 
«"t (ingr. an. c 1, Sohl.), auch einfach inopiot oder loropii De respir. 16. 478, 
1), 1' gen. anim. I, 11. 719, a, 10. II, 4. 740, a, 38. III, 1. 750, b, Sl. c. 3. 76.1, 
k 17. c 8, Schi, c 10, Sohl, c 11, Schi.) Ihrem Inhalt nach ist «ie mehr eine 
'^gleichende Anatomie und Physiologie, als eine Thierbeschreihucg ; über 
ihren Plans. U.J.BJim Arist. Tbierknnde 1 Uff. An ihrer Aechtheit ist im 
Uebrigen nicht zu zweifeln ; nur das lOte Bnch wird nicht blos mit Brisest. 
(De Arist. libro X bist. anim. Heidelb. 1842) für die Kiicküberaeteaug an« der 
liteiniichen Uebarsetzang einer aristotelischen, hinter B. VII gehörigen, Ab- 
nsnilnng, sondern mit Bchheiukb (IV, SS! f. I, XIII s. Ausg.) Boss (S. 171 ff.) 
nnd Baums (gr.-rom. Phil. II, b, 1267 f.) für unlicht zu halten sein. Ansier 
allem Andern würde schon die nnaristotellsoba Annahme eines weiblichen Samen« 
dien beweisen. Mit diesem Bach ist vielleicht die Schrift äslp (oder icepl) 
toü ji-Jj T-evväv (D. 36. An. 64) identisch. Ueber Alexsnder'a angebliche Mit 
Wirkung für unser Werk vgl. 8. 36 f., Ober seine Quellen anch Bosn S. 206 ff, 
— lieben der Thiergeschichte existirten im Alterthom noch mehrere ähnliche 
Werke. So benutzt namentlich Athebadb mit den Bezeichnungen : iv ?lf> x. 

ZrittV, IV Ttftf X. Z., iv TU) JC. ZiiiÜÜV, iv TU) ifClVpaf OuivtU ZtilRefl, iv T$ X. ZtiKOV 

i| [luitj 'I^6iiiuv, iv tu x. ZoiBuÖv x«\ 'fyBiituv, iv Ttjt a. 'IjjAiIcji» eine und dieselbe, 
Tim unserer Thiergeschichte, wie au« «einen Mittheilungen selbst erhellt, ver- 
PhO«. d. Ol, n. B4. 1. Ahm. 5 



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66 Aristoteles. 

bangen 0; die zweite eröffnen die drei Bflcber von der Seele *)> 

schieden« Schrift, wahrend er zugleich seltsamer weise du 6to Buch derTfaier- 
gesohinhte oft als xJpirrev n. ZejJ<ov fiopduv anführt (m. a. d. Register au Äthan, 
und die Anmerkungen Schweigh&users in den betreffenden Stellen, namentlich 
in II, 63, b. III, 66, c TU, 361, f. 966, b). Auch Clehebs (Paedag. II, IM, C 
▼gl. m. Atiich. VII, S15, e) scheint sich auf dioses Werk in beaieben ; desset 
bcn erwHhnt Apollo*. Mirabil. c. 27. Weiter wird eine Schrift n. <jj]p£u>v 
(Ebatostb. Catasterismi c 41 und wohl naeh ihm das Schulion in Gküwisiccb 
Ante« Phsenom. V. 427, Arat. ed. Buhle 11,86), eine urt tp luv jiuSo Xofou- 
|i<««v Zü>uv(D. 35. An. 64) und eine weiten 6*tp tu» »uv9e"r»iv Zäu* 
(ebd.) genannt Plin. II. uat. Till, 16, 44 laset den Philosophen gegen 50, Aa- 
neoHCs Hlnb. hiet. c. 60 (66) gar gegen 70 Bücher über dieThiero schreiben. 
Aecht waren ans dieser ganzen Litteratnr ohne Zweifel nur die ersten nenn 
Bücher unserer Thiergeschiehte; daa von Athenans benutzte Werk kann eine 
erweiternde Uebersrbeiturtg derselben gewesen sein. 

1) Die *Avarou.d (nach D. 35 acht, nach An. 64 sechs, nach Deck. 148 
sieben Bücher) werden von Aristoteles sehr oft angeführt (in. s. die Belege bei 
Baisers a. a. O. 8. 1305, auch part. an. IV, IS. 696, b, 14. gen. an. II, 4. 740, 
a, SS. De sonmo 3. 456 b, 3. De reapir. 16. 476, a, 35), und ea ist nicht mög- 
lich, diese Verweisungen (mit Robe 166 f.) wegindeaten ; naeh H. an. I, 17. 
497, a, 31. part. an. IV, G. 680, a, 1. De reapir. a. a. O. waren sie mit' Zeich- 
nungen ausgestattet, welche vielleicht ihren Hauptbestandteil bildeten. Der 
Seholiast zu ingr. anim. (hinter Simpl. De anima) 178, b, n. citirt sie schwer- 
lich aus eigener Anschauung ; Apolejvs De Mag. c. 86 bezeichnet ein aristo- 
telisches Werk ir. Xibtm äviTofiijf als allgemein bekannt, sonst wird aber diese 
Schrift selten erwähnt. Ein Anszug daraus ('Ex >.&"[*] iva-ojiwv D. 36. An. 
64. Apollo*. Mirab. c.39) war schwerlich aristotelisch. Eine 'Avertop,}) övÖpJi- 
r.ov ftthrt An. 66 nntcr den Pseudepigraphen an ; Arial, machte keine Sektionen 
an Menschen; vgl. H. an. III, 3. 513, a, 12. 1, 16, Auf. 

2) X. Vuxl!, von Aristoteles an vielen Stellen der gleich zu erwähnen- 
den kleineren Abhandinngen, und gen. an. D~, 3. V, 1. 1, 7S6, a, 37. 779, b, 23. 
786, b, 35. De interpr. 1. IG, s, 6 (De motu an. o. 6, Auf. o. 11, Sohl.) ange- 
führt (s. Tee hdei.es bub<] zu Amt. De anima 116 ff.), muss früher sein, als 
diese Schriften, nnd mithin (s. u.) auch früher als das Werk «her die Theile 
der Thiere. Dass aus Meteor. I, 1, Sohl, das Gegeuthcil folge (Idelkb Artet 
Meteor. II, 360), ist nicht richtig. Die Worte ingr. an. c. 19, Seht., welche un- 
sere Schrift erst in Aussicht stellen, wfihrend sie die von den Theflen der Thiere 
voraussetzen, sind wohl mit Bumn (a. «. O. 1078) für eine Glosse zu halten. 
Von ihren drei Büchern sind die zwei ersten vollendeter, als das dritte, dessen 
zwei erste Kapitel flberdiess vielleicht eine bedeutende Textesverderbnüa er- 
litten haben. Vgl. Brandts a. a. O. 1187 f. — Droo. 24. An. 68 nennen auffal- 
lender Weise unser Werk nicht, wahrend es Dsch. 148 anfuhrt; dafür haben 
sie &iatis ic <^ux^! &- Zur Seelenlebro gehört auch der Eudemus; (■• o. 
S. 48, 2.) 



3,g,1 EE dby G00gle 



mohiftliohe Schritte] 



denen sich viele weitere Abhandlungen, thcils physiologischen, 
ibeils psychologischen Inhalts Oj anreihen. Die weiteren Ausfüh- 



1) Von den erhaltenen Schriften gehören hieber die A bh andlangen : 1) x. 
AloÖTj'atuc xa\Aia8»)Tfiv. Aristoteles citirt diese Schrift, deren Titel aber riel- 
leicht nur n. tdaflijinüis lantote (s. Idkt.br Arist. Meteor. 1,660. 11,368), put an. 
If, 7. 663, a, 20. c. 10. 666, *, 29 (Tgl. I, 1. 641, b, 2). gen. an. V, 1. 779, b, 23. 
c 2. 731, m, 21. c 7. 786, b, 24. 78S, b, 1. De memor. & 1, Anf., wahrend er 
sie Meteor. I, 3. 341, o, 14 als kflnftig ankündigt. Dmi sie nicht ganx voll- 
■tindig sei, macht Teebbblbsbobo Arist. Do an. S. 119 (den Boa* S. 319. 226, 
mit Unrecht bestreitet) wahrscheinlich. — 2) x. Mvi||ii)c xa\ 'Av*|ivi]aiw{, 
von Arial. De sensu c 1. 436, a, 6 angekündigt, n. d. T. it. y.vfyufi, De motu 
•B.c. 11, Schi, und von den Commentatoran angeführt; wie lieh hiozu du 
IH'HjtovMov (D, 26) verhalt, llsst sich nicht bestimmen; Dach. 148. 154 nennt 
beide: De memoria ei tonmo I. MemtiriaU II. — 8) it. Tnvou x«\ 'Efpij-j dp- 
»tws, gen. an. Y, 1. 779, s, 6. part. an. II, 7. 653, a, 20. mot. an. c. II, Schi. 
"geführt, De an. III, 9. 432, b, 11. De seusu c 1. 436, a, 13 ff. angekündigt. 
Diese Abhandlang wird nicht selten, aber offenbar nur aus an aserliohen Grün- 
den, mit der vorigen tn Einer Schrift, r.. [ivijji?j; xot Srcvau, xuaammengefasst 
(Gm.. VI, 6. Ai.BX.Top.379, m. Schol.296, b, 1, den Süm. uvi((iji aussehreibt. 
Der«. De sensu 125, b, u. Michael in Arist De mera. 127, a, o. Dach. a. a. 
0.}; dagegen ergiebt sich ans Arist. De divin. in s. c. 2, Schi., dass sie mit 4) 
k. 'Evuicvfnvuud 5) JC ■cjjtxaft' "Xt.vov MavTixij; zusammengehört. — 6) 
s.l!axpopidTj|TO(xa1Bp!ix«ßtiTnTot (auch von Athes. Vm, 853, a. An. 
65. Dach. 149 angefahrt). 7) s. Zioijs xat enviiou. Hit dieser Abhandlung 
gehört nach Aristoteles' Absicht 8) die lt. 'Av«JtV0T){ so anmittelbar zusam- 
men, daaa sie Ein Ganzes mit ihr bildet (De vita et in. c. 1, Anf. 467, b, 8. De 
Wpir. c. 21. 4B0, b, 21); einer dritten Erörterung, tt. NEOT))to( xaU'iJput, 
»eiche Arist. 8. 467, b, 6. 10 ankündigt, weisen zwar unsere Ans gaben die 
iwei ersten Kapitel it. Cürijf x. Qav. zn, aber offenbar mit Unrecht; es scheint 
vielmehr, diese Untersuchung sei von Arist. entweder gar nicht ausgeführt wor- 
den, oder schon sehr frühe verloren gegangen (vgl. Brakdis S. 1191 f.). Da De 
Tita et m. c. 3. 468, b. 31 vgl. De reapir. c. 7. 473, a, 27 die Erörterungen Ober 
dieTheila der Thiere (wobei nicht wohl mit Boas S.217 anHist. an. 111,3. &1S, 
«,S1 gedacht werden kann) als schon vorhanden angeführt, tongit v. c 6. 467, 
h, 6 die Untersuchungen über Leben and Tod n. s. w. als Bchluaa aller Arbei- 
ten über die Thiere bezeichnet werden, so vermuthet Bhahdib 1192 f., nur die 
eiste Abtheilung der sog. parva Naturalia (Nr. 1 — 5) sei unmittelbar nach den 
Bachern von der Seele, das Weitere dagegen, obwohl schon früher beabsich- 
tigt, doch erst nach den Werken über die Theile, den Gang nnd die Entstellung 
iw Thiere niedergeschrieben. Und wirklich wird gen. anim. IV, 10. 777, b, 6 
wf die Untersuchungen über die Gründe der verschiedenen Lebensdauer als 
«was erst Zukünftiges verwiesen. Nor müsaten dann, wie diess in den aristo- 
telischen Schriften allerdings nicht ganz selten vorkommt, die Anführungen 
<t« Schrift ic ävocxvoifc part. an. III, 6. 669, a, 4. IT, 13. 696, b, 1 erst spater 

5* 



JigilizBdby GoOgle 



68 Aristoteles, 

rangen über die Theile , die Briengnng ■) und den Ging- *) der 

beigefügt fein. Die Aecbtbeit der eben besprochenen Abhandinngen int neben 

den inneren Gründen durch die angeführten Verweisungen in andern aristote- 
lischen Schriften verbürgt. Eine beabsichtigte Abhandlung r.. Ndoou xa'i 
Tf >:!»( (De aensn e. 1. 436, a, 17. long. vit c. 1. 464, b, 33. resplr. c. 2t. 
480, b, SS) ist Allem naob nicht ausgeführt worden; schon Alex. De sensu 94, 
a,o. weiss nichts davon. Um so unwahrscheinlicher ist die Aecbtbeit einer bei 
den Arabern vorkommenden Schrift De sanitate etmorbo (H. 160). 2 Bücher 
r.. *0|(o>( (An. 66) und 1 B. it. «I'wvtjc (ebd.) sind ansicher, letzteres auch 
dadurch verdächtig, daaa es gen. an. V, 7. 786, h, 23. 788, a, 34 niebt erwähnt 
wird. — Dagegen scheint eine Schrift *. Tpo^ij ; durch die Stelle De aomnu 
c. 3. 456, b, 5. Tgl. De an. TJ, 4, Schi. Meteor. IV, S. S81, b, 13. gen. an. V, 4. 
784, b, S vorausgesetzt zn werden, s. Idei.er Arist Meteor. II, 418. 445. — Die 
Schrift x. If vfJ[j.<iio; (ob mit den 3 Büchern De tpmta am&tnaU, Dach. 145, 
ganz identisch, wissen wir nicht), welche aber auch noch andere Gegenstände 
etwas aphoristisch bespricht, muss ausser allem Andern schon desshalb jünger 
sein, als Aristoteles, weil sie den Unterschied der Venen und der Arterien 
kennt, welcher jenem noch unbekannt ist. Aus der penpate tischen Schule wird 
sie allerdings herstammen. Weiteres darüber bei Robb S. 167 ff. 

1) s. ZlI,ü> v Hopluv 4 B. (An. 66 3 B.), angefahrt gen. an. I, 1, Anf. c. 15. 
720, h, 19. V, 3. 782, a, 21. De vita c. 3. 468, b, 31 (vgL respir. 7.478 a, 27) 
mot. an. c. 11, Schi. Das" erste Buch dieses Werks giebt eine allgemeine Ein- 
leitung in die zoologischen Untersuchungen , mit Einsohluas derer über die 
Seele die Lehensthfitigkeiten und Lebensznstande, welche ursprünglich nicht 
wohl für diesen Ort bestimmt gewesen sein kann. Vgl. Bpesoel Hb. d. Reihen- 
folge d. naturwissensch. Schriften ä. ArisL, Abh. d. Münehn. Akad. IV, 159 ff. 
und die von ihm Angeführten. 

2) n. Zijiuv Teviaivn 5 B. (Dass ihm An. 66 nur drei giebt, Dach, das 
Werk S. 149 mit fünf und S. 155 noch einmal mit zwei BB. aufführt, hat na- 
türlich nichts auf sich.) Arist. verweist öfters auf dieses Werk, doch nur als 
ein künftiges (De sensu 4. 442,a,8. part an. U, 3. 111,5. IV, 4. 12. 650, b, 10. 
663, *, 6. 678, a, 19. 693, b, 24. H. an. III, 22, Anf. vgl mot an. c 11, Schi.), 
bei Diog. fehlt es; an seiner Aechtheit lasat sich aber nicht zweifeln; dagegen 
scheint B. V ursprünglich nicht dazu zu gohören, sondern eine Ähnliche Er- 
gänzung zu den Werken über die Theile und die Erzeugung der Thiere in 
bilden, wie die parva naluralta zu der Schrift von der Seele. — Eine tleber- 
Bjeht über den Inhalt der Schriften De part. an. und De gen. an. giebt Mbvrr 
Arist Thierk. 128 ff. — Die Schrift Deeoitu (H. 159) war sicher unterschoben; 
denn biebei (mit Wenkich S. 159) au den Titel r.. [ii&iuj, De sensu c. 3, zu er- 
innern, ist ganz verfehlt: s. o. 8. 61, DL Ueber das Buch ji. toS |i?j ysvväv a. S.65, 1. 

3) IT. Ztjiuv nopt'a;. Die Schrift wird part an. IV, 11. 690, b, 15. 69S, 
*, 17 mit diesem Titel, ebd. c. 13. 696, a, 12 mit dem erweiterten: n. itoptien 
xsl MvJjatiiii '.Öii ^ipuiv, De coelo II, 2. 284, b, 13 (vgl. ingr. an. c. 4. 5. c. 2. 
704, b, 18) mit der Bezeiohnnng: h vSii mp'k t«( töiv tijxiiy -jtviaui angeführt 



Naturwissenschaftliche Schriften. 09 

Thiere bringen Aristoteles' zoologisches System nun Abschlnss. Der 
Abfassnngszeit nach später, der systematischen Stellung nach früher 
sind die verlorenen Bücher über die Pflanzen •). Andere in du 



Nseh der Schlussbemerkung, c. 19, die diu freilieh schon 8. 66, 3 verdächtig 
wurde, wäre sie später als die von den Theilen der Thiere, auf die auch ihre 
Anfangsworte zu verweisen scheinen; sogleich wird sie jedoch, wie bemerkt, 
in dieser öfters angeführt, and auch am Schluss derselben (697, b, 29) nicht 
mehr als be vorstehend in Aussicht genommen. Vielleicht ist sie während der 
Ausarbeitung des grösseren Werks verfasst worden. — Die Abhandlung it. 
Zu t>> v xiVTJoE iu( kann nicht wohl ficht sein, wie diess u. A. ans der Anführung 
des Buchs it. llvedjioro« (o. 10. TOS, s, 1 vgl. Da spir. Anf.) hervorgeht (So anoh 
Boss 163 IT., wogegen BaethSlemy 8t. Hilukk Psycho 1. d'Aristote 287 die 
Aechtheit nicht bezweifelt.) Ob sie oder die je. i;«iu)v r.opilai mit den Titeln 
r. Züküv K(vr[atu< f ' (An. 66), I>e animalüim motu locali s. tncesni I (Dsoh. 149, 
dabei aber nach 146: Dt ammaKum motu eonmque anatomia VII) gemeint 
irt, Hast sich nicht ausmachen. 

3) IT. 't>u:üv ß' (D. 25. An. 64. Dach. ISO). Von Aristoteles De eonsu c.4, 
Schi. long, vitue 6. 467, h, 4. De Vita 3. 466, a, 31. park an. II, 10. 656, a, 8. 
gen. an. I, 2, Anf. V, 3. 763 , b, SO versprochen, wird die Schrift H. an. V, 1. 
636, a, 20. gen. an. I, 23. 731, a, 29 angeführt, wo aber entweder, den sonsti- 
gen Anführungen entsprechend, Futuralformen su setzen, oder spätere Ein- 
schiebsel anzonehmeti sein werden; auch Damiso. De ooelo, BchoL in Ar. 464, 
s, 29. Sihpl. De ooelo ebd. 468, b, 28. Philop. Phys. a, 1, m. fahren sie an; 
indessen haben diese Ausleger sie offenbar nicht selbst gesehen, und siescheint 
Oberhaupt im 4. Jahrhundert nicht mehr vorhanden gewesen zu sein (s. 8. 63 f.); 
such Atheh. XIV, 652, a, theilt vielleicht nur aus einer abgeleiteten Quelle 
einige Worte daraus mit. Unsere jetsigen, auch in dem älteren lateinischen 
Text durch die Hunde von 2 — 3 Uebersetsern hindurchgegangenen 2 Bücher 
t. ourcöv sind entschieden nnaristotelisch ; Mexss (Nicolai Damasc. de planus 
U. II. Lpz. 1641. Praef.) legt sie in ihrer ursprünglichen Gestalt Nikolaus von 
Dimaskus bei , vielleicht sind sie aber auch nur ein überarbeitender Aussng 
am demselben. Die Vormuthung {Jebsot im Rhein. Mus. Jahrg. 1859. Bd.XIV, 
88 ff,), (laas daa ächte aristotelische Werk in den beiden tbeophrastisoheu 
Schriften, x. futüSv Imopio und it. poröv «ttiiuv erhalten sei, hat wenig für sich. 
Dsss diese Schriften ihrem Inhalt nach vielfach mit dem übereinstimmen , was 
Aristoteles anderswo ausgesprochen, oder für die Schrift von ÜenPflinten ver- 
sprochen hat, beweist nicht das Geringste; wir wissen ja, in welchem Umfang 
die alteren Peripatetiker die Lehren und selbst die Worte des Aristoteles sich 
»eigneten. Dagegen findet sieh (um nur Einiges anrafunren) die einzige Stelle 
*bs dem aristotelischen Werk, welche wörtlich nütgethellt wild (b. Athbb. 
*. «- O.), in den theophrsatisehen (die allerdings unrulls tandig sind) nicht; 
diese ihrerseits enthalten keine einzige bestimmte Hinweisung anf aristoteli- 
sche Schriften, ein Fall, der in ao umfangreichen und mit Früherem in so viel- 
frehem Zusammenhang stehenden aristotelischen Büchern gana unerhört «äie, 



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M Aristoteles. 

(laturwissensühtfttiche Gebiet einschlagende Werke, welche filr ari- 
stotelisch ausgegeben werden, die Anthropologie ') nnd die Phy- 
siognomik s ) , die Schriften Über Heilkunde"), Landwirtschaft *) 



und gerade die Stelle, worin Jessen einen FUuptbeweis für seine Anaiebt sieht, 
Caus. pl. VI, 4, 1, weist auf verschiedene in der peripateti scheu Schule her- 
vorgetretene Hodificationen eines aristotelischen Satzes hin. Von Aristoteles 
abweichend redet Theophraet von mannlichen und weibliehen Pflanzen (Caus. 
pl I, 22, 1. Hist. 1(1, 9, 2 f. n. ö.). Was weiter für sieh schon entscheidet: er 
erwannt nicht allein Alexandere and seines indischen Zuges in einer Weise, 
wie diess ed. Aristoteles Lebzeiten kaum möglich war (Hiet. IT, 4, 1. 5. 9 f. 
Cana. Till, 4, 5), sondern er berührt auch Torgfinge ans der Zeit des Königs 
Antigonas (Hist. IT, 8, 4) und der Arohonten Arcbippus (Hist. IT, 14, II) and 
Nikodorus (Caus. I, 19, G), von denen Jener 321 nnd 318, dieser 314 v. Chr. 
im Amt war. Dass auch die Sprache nnd Darstellung der theophraatiseben 
Schriften keinen Anlass giebt, sie Aristoteles beizulegen, würde eine genauere 
Untersuchung dartbun. — Böse ITT f. glaubt, Aristoteles habe die Schrift von 
den Pflanzen gar nicht wirklich geschrieben, was aber doch nicht wahrschein- 
lich iat. . 

I) Jt. 'Av6p<&Jtou OJosii);, nur An, 46 genannt, und schon dadurch mehr 
als verdächtig. 

2} $uatoYVb>[iov<x& bei Bekker S. SOG, $uatovvo>u0vmbv a' D. 25, #u- 
»!OyV(u|jov.xa S' An. 64. 

B) D. 25 nennt 2 B. 'Iarpixct, An. 64 2 B. und dann wieder S. 66 7 B. 
n. 'lorptxijc, Dich. 1G4 G 8. Quotationen mediose, B. 1G8 1 B. .De wniverto 
mediana« sensu, S. 144 2 B. De rtgimine corporis, welche aas Plato ausge- 
sogen seien (hiefür vermuthet jedoch Wembich De regimine civitatum, so dass 
es der S. 46 erwähnte Auszug aus der platonischen Republik wfire), Hadschi 
169: De »anguinU profiaione. 160: De arleriarvm pviim. flu.Es in Hippocr. 
de nat, hom. I, 1. T. ZT, 25 K. kennt eins 'Iafp<x9) SuvoiysiyJi, in mehreren 
Büchern, welche den Kamen des Aristoteles trage, welche jedoch anerkannter- 
tnassen von seinem Schüler Ueno vertatst sei, möglicherweise (wie Webrich 
8. 158 vermuthet) mit der ZuvaYairJ) in 2 B. bei Dm«. 25 identisch. Dass Ariat. 
Ärztliche Gegenstände technisch, und nicht etwa nur nach ihrer naturwissen- 
schaftlichen Seite, bebandeln wollte, wird durch die Stellen De sensu I, 1. 496, 
a, IT. Divin. p. s. 1. 488, a, b (s. a. 6, 4) Long», t. 464, b, 62. De reapir. c.21, 
Sebl. part an. II, T. 6ÖS, a, 8 unwahrscheinlich, und eine so unbestimmte Aus- 
lage, wie die Aklias's V, H. IX, 22, kann das Gegentheil nicht beweisen. 
Ceber die Schrift K. voaou xat fi-futos s. 6. 66. 

4) An. 67 nennt die reupYut* unter den Fseudepigraphen , Dsch. 164 d» 
gegen IG B. (H. nur 10) Dt agrieatiwra als acht, und eben daher, nicht aus 
der Schrift von den Pflanaen, scheint die Angabe Oeopon. HI, 8 , 4 Über Dün- 
gung der Uandelbaume genommen zu sein. Dass A. nicht über Landwirt- 
schaft und solche Gegenstände achrieb, erhellt auch ans Polit. I, 11. 128, 
a, 98. 89. 



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Natuiwliianiohaftllohe Schriften. J( 

und Jagd '), sind wohl ohne Ausnahme unterschoben; und wein den 
Problemen *} allerdings aristotelische Aufzeichnungen zu Grunde 
liegen s ), so kann doch unsere jetzige Sammlung nur für ein all- 
mühlig entstandenes und ungleich ausgeführtes Erzeugniss der peri- 
pBtetischen Schule gehalten werden *}■ , 

Wenden wir uns weiter der Ethik und Politik zu, so besitzen 



1) Dieb. 146: Dt ammutUum eaptura, tue non da locit, tptifau devertoniw 
atque de&teieunt. I. 

2) H. f. Aber dieie Schrift die gründliche Untersuchung von Puarii Uen. 
i. Frobl. d. Ariat. Abb. d. Hünchn. Akad. VI, B41— 877. Kos* 180 ff. 

3} Arist. verweist an 7 oder 6 Stellen auf die KpoßXij[Mta oder Jtpoßiiy**- 
toi (PniJiTL it. a. 0. 864 f.), kaum ein einstiges dieser Citate paaat aber auf 
untere Probleme, and dai Gleiche gilt (s. a. a, 0, 867 ff.) von der MehrsaU 
der spateren Anführungen, 

4) PaiKTi. a. a. O. bat die» erschöpfend nachgewiesen, und Derselbe bat 
(Mänchn. Gel. Ana. 1B68, Nr. 26) gezeigt, dass auch unter den weiteren, Ten 
Bdwuuiii in der Didot'schen Ausgabe des Aristoteles Bd. IV beigefügten 
1ES Problemen, welche früher tbeilweise, aber gleichfalls mit Unrecht, den 
Namen Alexanders von Aphrodisiaa trugen, (m. Tgl. über diese auch Usacsni 
Alex. Apbr. probl. libri Ul. IV, Berl, 1859, 8. IX ff.) sieb nichts Aristoteli- 
sches mit einiger Wahrscheinlichkeit ausscheiden läset. — Mit diesem Charak- 
ter der Problemensainniluug bangen wohl anch die vielen Abweichungen in 
den Angaben Aber ihren Titel und ihre Bflohenahl ausammen. In den Hand- 
■ckriflen werden sie theils QpoßX^ucr» thails $uauta QpoßXiJuata genannt, nun 
Tkeil mit dem Beiiata: **t' «TSo« owarfurfif. Gei.litjb sagt gewöhnlich ProbU- 
mala, XIX, 4. Probl. phynea , XX, 4 (Probl. XXX, 10 anführend) icpoßXijusn 
fyrJxlia, Apuu De msgia e. 61 FrobUntata , Araimius und AroLLOMOB (s. 
Puftl. 869 f.) immer r.pßXijuatn <puoixi, Maoaos. Bat. VII, IS phyticae qua* 
tionet. Um so wahrscheinlicher ist es, das* die Titel; IIpej&>i|iBTuv (oder x. 
QpopX D. 23. An. 63), tnmOoutvwv DpoßX>||i&Tii» B' (D. 26. An. 64), 'Eyxu*. 
11»» B' (D. 36. An. 64), Fhytiea ProblenuUa, Adtptetha Prodi. (Amnion, r. 
Ariit. lat. 8. 58), QuaMione* phyiiear. 4 B; Quaetttone* 38 (aL 68) B., Pro- 
hgamma in ProbUmata 3 B., Quaenlionas orbiculart» (Doch. 160. 163), 
"AtaxT« iß' (D. 26. iLn-ixiiuv t(T An. 64) 4u«ixa 'Aico[ivi]{ioviiS[i.>TB (D. 
.31. Cobb-t: ijTOp.v1i51.0T«) Suppixtuv ZitTtgiiitaiv oB' (An. 66 mit demBeieaU; 
5* fi)aiv£üxatfOf ö axouarijf »ätoB; von 70 Büchern n.au|*jiixT(oy fr(n|u&*w an Ea- 
ksniai rodet auch Divm BoboL in Ar. 24, b, 8), 'E jj tg y q |j, tv a (oder sfijiaopAB) 
>aii Ti»o; 16' (D. 36. An, 64) — dass sich alle diese Titel auf die Proble- 
nemsiumlung oder einzelne Theils derselben , wenn auch nicht alle auf die 
gleiche Becension dieser Sammlung, beliehen. Dagegen können mit den ir- 
«Uia Eth. N. 1, 3. 1096, a, S nicht wohl uiwere Probleme gemeint Min, Arial. 
SEhsbü vielmehr damit keine besondere Schrift, sondern nur dal Gleiche un 
Auge an haben, was er sonst ^tunputot Xdroi nennt. 



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72 Aristoteles. 

wir Aber die erstere drei umfassende Werke 0, von denen aber nur 
Eines, die Nikomachiscbe Ethik, unmittelbar aristotelischen Ur- 
sprungs ist *); ausserdem wird uns eine grosse Anzahl von kleine- 



1) 'Hftixa Ntxo|*4x«'« 10. B., 'HSixi Eifiijjii« 7 B., 'BBixi MsyU« 
3 B. Von unsern Verzeichnissen nennt D. 23 nur 'Hflixüv g' (al. S'), wiewohl 
er »orber V, Sl, mit Beziehung aufEth. Ena. VII, 13. 1246, b, 20) das 7te Bach 
der Ethik citirt. An. 63 hat 'HfltxSv x (Eth. Nik., deren letzte« Buch x igt), 
und dann 8. 66 noch einmal, wie es scheint, einen Auaing daraus: n. 'BSüi 
Nixojiaxstwv onoftijxat. Aristoteles selbst citirt Metaph. I, 1. 981, b, 25 Eth. 
N. VI, 3 oder Eud. V, 3, ebenso Pol. II, 1. 1261,0,30.111,9. 1280, a, 18. c. 12. 
1282, b, 10. VII, 1. 1323, b, 39. c. 18. 1332, a, 7. 31 IV, 11. 1296, », 36 die 
■fflm*, und zwar sichtbar die Nikomaohien (rgl. Bbsdixbb im Pltilologas X, 
203. 290 f.) Cic. Fin. V, 6, 12 meint, des Nikomaohue libri de monbut (Eth. 
Nik.) werden «war Aristoteles Kugeschriebon, indeuen könne ja der Sohn recht 
wohl dem Vater ahnlich gewesen sein. Auch Diob. VIII, 88 röhrt Eth. N. X, S 
mit den Worten an: yj]sl fit Ntxäjicry^ & 'Ap(ororö.ou{. Dagegen nennt Attikub 
b. Ei.ig.pi'. ct. XV, 4, 6 alle drei Ethiken mit ihren jetzigen Namen ala aristo- 
telisch; ebenso Simpl. in Cat. 1, b, u. 43, b, m. nnd der Scholiaat in Porphyr, 
Bchol. in Ar. 9, b, 22, welcher die endemische Ethik an Eudemns, die jieyaÄa 
Nixop.ax la (M. Mor.) an Nikomaohus den Vater , die |iixpa Ktxapirfut (Eth. N.) 
an Nikomachns den Sohn des Aristoteles gerichtet sein Maat. Du Gleiche 
wiederholt David Schol. in Ar. 26, a, 40. Eostbat. in Eth. N. 141, a, m (Tgl. 
AxLtL Eth. End. VII, 4, Anf. o. 10. 1242, b, 3) behandelt die endemische Ethik 
als Werk des Eudemns, d. h. er hat hier diese Angabe bei einem von den Vor- 
gingern, die er benutzt (Tgl. 8. 72, b, m), nnd wie es saheint keinem ganz Un- 
gelehrten, gefunden, wogegen er 1, b, m nach eigener Vermuthung oder einer 
gleich werthlosen Quelle Eth. N. einem gewissen Nikomaohtui, Eth. Ead. einem 
gewissen Endemus gewidmet sein lüest. Auch ein Sebolion, du Abfasics bei- 
gelegt wird, (b. Spsitoei, Ucber die unter dem Namen des Aristoteles erhaltenen 
ethischen Schriften, Abb. d. Mfinchn. Akad. HI, 439—661, 8. 620) muss Eu- 
demns für den Verfasser der endemischen Ethik halten, da es nur unter dieser 
Voraussetzung die Abhandlung aber die Lust Eth. N- VII, 12 ff. ihm beilegen 
kann. Corameniare (von Aspasius, Alexander, Porphyr, Eustratins) sind uns 
nur Ober die Nikomachien bekannt. Zum Vorstehenden Tgl. m. Spehhkl 
a. a. O. 44B ff. 

2) Nachdem noch Schleie bhachsk (Ueber die. ethischen Werke d. Ariat, 
Abhandlung v. J. 1817. W. W. Z. Philoa. III, SO* ff.) die Ansicht aufgestellt 
hatte, ton den drei ethischen Werken sei die sog. grosse Moral das sJteate, die 
nikomaohiaohe Ethik das jüngste, so ist jetat durch die angeführte Abhandlung 
Bpe>sel'b die umgekehrte Annahme, dass die nikomaefaisehe Ethik du kchte 
Werk des Aristoteles, die endemische eine Ueberarbeitnng desselben durch 
Eudemns, die grosse Morel ein Ansang, aanlehst ans der endemischen, sei, am 
allgemeinen Anerkennung gebracht worden. Dagegen ist die Stellung der 
drei Büoher, welche der nikomaohjachen nnd endemischen Ethik g 



Ethische Schriften. 



reu Abhiodloiif es genannt, anter denen jedoch gleichfalls viel Un- 
whies gewesen zu sein schein! *)■ Auch von den staatswissenschafl- 



•ind {Nik. V— VII, Eud. IV— VI), noch streitig. Sriroix (MO ff.) glaubt, sie 
gehören ursprün glich den Nikomaohien an , nachdem aber die entsprechenden 
Abschnitte der Endemien frühe verloren gegangen, seien sie rar Ausfüllung 
der Lflcke in diesen verwendet worden; die Abhandlung über die Lost, Nile 
TU, 1t ff., ist er (8. 518 ff.) geneigt, für ein Bruchstück der endemischen 
Ethik in halten, ohne doch die Möglichkeit, aussen lies Ben su wollen, das» ale 
siu von Aristoteles für die niko maobische bestimmter und spater durch X, 1 ff. 
ersetzter Entwarf sei. Dagegen will Pieoae* (De Ethicis Eadem. et Nicom. 
Bonn. 1847) und an ihn sich anschliessend FnrrMCBK (Amt. Eth. End. 1861. 
Prolegg. XXXIV) nnr Nik. V, 1— 14 der nikomaohfechen, Nik. V, 16. VI. VII 
dar endemischen Ethik »weisen, wahrend Bbhdixbx (Philologna X, 199 t 
!63fr.) nmgokehn den aristotelisoben Ursprung der drei Bücher, mit Einsoblusf 
ron VII, 13 — 15, mit beaobtenswerthen Gründen vartheidigt, Bbahdib (gr.-rtJm. 
Phil, II, b, 1556 f.) und Pranti, (Hb. die dianoBtisohen Tugenden d. Ariat. 
Manch. 1862. 8. 6 ff.) Spengel's Ergebnissen beitreten. Auch ich kann nicht 
umhin, diese im Wesentlichen für richtig in halten, nenn auch Einzelnes noch 
nicht gans erledigt ist; so namentlich die Fragen hinsichtlich der Abschnitt« 
Nik. VII, lg — 15. V, 15, und der End. VII unordentlich genug zusammen ge- 
stellten ErSrtenmgen. 

1) Es sind diess die folgenden: Dar noch vorhandene kleine Anftats n. 
'apcTÜ* x*\ Kaxtüv (Arist. Opp. 1349—1351), die Arbeit eines halb akade- 
mischen halb peripatetischen Eklektikers, schwerlich alter, als das ante vor- 
christliche Jahrhundert ; wie sich hiesn die zwei oder S B. flpot ioci; x. *Aps- 
'ij; (D. 33. An. 62) und die Abhandlung «. 'Apitijc (An. 66) verhalten, West 
lieh nicht ausmachen. II. Auaieoiivne 8' (D. 22. An. 61. Dach. 142, vgl.Oc. 
Bsp. 10, 8; ein Fragment daran«, welches ebenso, wie die Stellung in den 
Teneiohnissen, auf Gesprächsform hinweist, b. Dbmrtb. De elocut. 28. s. o. 8. 
«, I). (I. AikbIov B' (D. 34. An. 63). D. toÜ Bt\ti«io% s ' (D. 23. An. 63). 
". KaXoü «' (D. 24. x. KilXtraj «' An. 63). IT. *Exou<tte« (-Juv) «' (D. 24. 
An. 63). D. toaAipstoOx«\TouSi>jiBeai)xotot «' (D. 24. *. AlpswE xA 
lyfaiivrmt An. 68). II. 'HSoviS« «' (D. 33. 24. An. 62. Dach. 145. Aus die- 
nr Sohrift scheint das Fragment b. Pi.dt. Sto. rep. 15, 6. 8. 1040 M stammen, 
nicht aus der x. Suuwxnlvni, der letztere Titel gebt dort, wie §. 1. 8. lOu. a. St 
i"gen, anf das chrvsippisobe Werk). Ob Aristoteles auch eine eigene Sohrift 
*. 'Eciluu.Eaf verfasst bat, ist iweifelbaft; De sensu, Anf. stellt er Untersu- 
chungen Aber das Begebrongs vermögen als künftige in Aussicht, wir hören 
»b« nicht, daas sie ausgeführt wurden; was Banoa da Ira I, 9, 3. 17, 1. III, 
i, 1 mitthcilt, fttr diese psychologische Abhandlnng obnedie» weniger passend, 
ra»g «her in der Sohrift jt. Ilaaüv 'OpY^S ( D - 3$, den. 24: nifo] <x') gestan- 
den haben. Die 'EpoiTini (nach An. 66 in 6 Bttohero und von dem 'Eptiratoj 
weh vorsebieden) sind schon S. 48 berührt worden; neben ihnen nennt An. 
*U. D. 24 (wo sie aber Ccbet streicht) noch 4 B. 8isme ■puTuta'i, ebenso hat 



3,g,1 EE dby G00gle 



74 Aristoteles. 

liehen Werken des Philosophen ist uns nur Eines, die seht Sicher 
der Politik *), erhalten, seinem Inhalt nach eines von den reifsten 
und bewunderungswürdigsten Erzeugnissen seines Geistes, das aber 
ihnlich, wie die Metaphysik, nicht aar letzten schriftstellerischen 



Dach. 144. 146. 162 S B. Dtmnon, 8 De reimt amatoriit, ntid noch einmal 
1 B. Objecto amaloria. II. *ii.(«f «' (D. 22, -j' An. 2) könnte Eth, N. VIII. IX 
sein, die öioiij f iXixsl p" dagegen {An. 63. D. 24, ron Cos et eingeklammert) 
lassen lieh nicht hieranf beziehen, Zur Hon!, nicht ni Physik, werden such 
die libri da matrimonio {Hieran, c. Jorin. I. T. IT, 191, n. Hart.) an rechnen 
•ein, für welche An. 66 die Titel giebt: X. £vjifliui<«nit ävSpöf x«i ^uvoutd«. No- 
(toi ävSpo« *«l -ra|uriis. Vgl. Eth. N. 1 163, *, 29. Roh 8. 60 f. glaubt die Schrift 
x. £u[ißuüa. o.g. f. in dem sog. JteuBuch der Oekonomik erhalten, welche» Aretin 
nach einer Mteren Uebcrsetsung herausgab. Ana einer Abhandlung w. JTXoif™ 
(D. 22. An. 63) theilt Cic. Off. II, 16, 56 etWM mit; auf dieselbe scheint «ich 
Pbilodih. De virt et rit (Ariat Oecon. ed. (iöttl. 9. 66) za betiehen; vgL 
Skkäukl, Abb. d. Hünchn. Akad. V, 449, der sUtt «. K[oXtTrx%] mit Recht K. 
itXuiho« rerranthet. Ein tyxityiov nlodiou nennt An. 66 nnter denPeendepigra- 
nhen. Von der Schrift it. EäT«*ii»f (D. 22. An. 03. Dach. 143, der Ihr offen- 
bar irrig 6 Bücher giebt Flut. Arial c. 27. Pbeutjophtt. De uobilit. c. 7. 9, 
der aber ans ihr anführt, was Polit. 111, 13 f. iu lesen iat. Athii. XIII, 656 a), 
deren Bruchstücke b. Stob. Floril. 76, 24. 26. 77, 18 ihre dialogische Form be- 
weisen, war schon in unserer lten Abtu. S. 47 f. die Rede. Ihre bereits von 
Plutarch bezweifelte Aechtheit Hast sich nach dem dort Beigebrachten kaum 
annehmen, ea müsaten denn die Angaben über ihre EnShlung von der Ehe des 
Bokratea mit Mjrto die wesentlichsten Irrthdmer enthalten. — Einer Scbrift 
*. M^Br,t (Hadiehi J59] erwähnt Pi, ct. qn. conriv. III, 3, 1. 6.8. 060 vgL ebd. 
5, 1, 1, 3. 8. 662. Athen. II, 44, d. X, 429, o. f. 447, a (I, 34, b). XI, 464, c 
496, f. XIV, 641, b. d. II, 40, d. Apollo». Hirab. c. 26. Maobob. Sat VII, 6. 
Eup.xoTixo'l Näu-oi, vielleicht zunächst für den Gebrauch seiner Schule tot- 
fasst, nennt Äther. I, 3, f. V, 186, b. e. Nor ein Schreibfehler dafür scheinen 
die Titel: ?%o; auTia-rums (D. 26), Nd(uiv ewrraTixnVi (West. ouaaiTcxüv) «' (An. 
66), nur eine andere Bezeichnung Suamrixot bei Prokl. Praef. in Plat. Remp., 
welcher die Schrift noch gekannt haben mnss. Dagegen führt An. 66. 66 3 B. 
SuooiTixüW npop3.t]u.iT(uv nnd eine Schrift IC S'jooitituv I| Huproouev noch beson- 
ders auf, mit welchem Recht wiesen wir nicht. — Auch die Koiva'i AiaTptßat 
'ApwTotÄous, von denen Stob. Floril. 88, 37. 45, 21 Bruchstücke mittheilt, 
scheinen dem Philosophen, nicht etwa einem andern Gleichnamigen, beigelegt 
gewesen an sein; sie waren aber wohl eher eine Sammlung ron Benteraen aus 
dessen Schriften, als ein achtes Werk. 

1) Ariat. setat dieses Werk mit der Ethik in die engste Verbindung, in- 
dem er die letalere als eine Hillfswissensofasftt der Politik behandelt (Eth. N. I, 
1. 1094, a,3<5 ff. 1096,(1,2. u. 2, Ante. 13. 1102, a,ö. VII, 12, Auf. Rhet. 1,2. 1366, 
a, 86), und die Verwirklichung derGrands&tae, welche die Ethik aufgestellt hat, 
ron der Politik erwartet (ebd. X, 10); doch aollen beide nicht bloa «wei Theile 



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Staats wissenschaftliche Schriften. 75 

¥oileod«f g^taogtM 1 ), Die OßkonomikkinnnirAtlur acht gehtlton 
werden ! ); alles Andere, darunter auch die unersetzlichen Politieen, ist 
bis anf dürftige Bruchstöcke verloren •). Nur ein Brachstflck ist 



Einer Schrift sein (vgl. PoliL VII, 1. 1828, h, 89. o. 18. 1332, a, 7- 21. II, I. 1261, 
1,10.01, 9. 1280, a, 18. c. 12. 1282, b, 19). Ad «einer Aeohtbeit llut sich, sooh 
ibgesehon von dem Citat Khet. I, 8, Bohl, und der Anführung in denVeroeloh- 
niissu (D.24. An. 63 ; dase Letzterer 20 Bücher nennt, Ul wohl bloieer Schreib- 
fehler, K für II), nicht sweifeln, so selten es aueb sonst von den Alten genannt 
*ird. (ni. e. die Nachweisongen beiBpRaoEL. Uob. d. Politik d. Arist. Abhnndl. 
i. Münebn. Akad. V, 44). 

1) Da* Nähere hierüber in dem Abschnitt über die Politik. 

2) Von dem »weiten Buch (Ober dessen Anfang Boss B. 69 f. ■. Tgl.) ist 
ditss langst anerkannt, in dem ersten will Göttlihö (Arist. Oeoon. 8. TU. 
XVII) einen Ansang ans einer acht aristotelischen Schrift sehen; mir ist es 
vshescheinlicher, daas ob eine anf Polit I ruhende Arbeit eines Späteren ist 
D. 22. An. 65 nennen Olxovepwbf k. Ueber Aretin's zweites Bnoh der Oekono- 
mik s. 8. 74. 

3) Die politischen Schriften, welche süsser den angeführten genannt wer- 
fet, sind diese: 1) HoJ.tTF.1ii (»un Boss 8. 66 f. aas höchst nnsareichendM 
Branden verworfen), eine Beschreibung der Verfassung Ton 168 Staaten (D.97. 
An. 66 Tgl. Cic. Pin. V, 4, 11); wann Ammor. t. Ar. 48: 266, Amnion, tat. S. 
M. David Sohol. In Ar. 34, a, 34. Sebol. anon. ebd. 9, b, 16: 960, Philoc 
ebd. 36, b, 19: ungefähr 260, Dsoh. 8. 166: 171, ein Anderer (b. Hkibelot 
BiM. Or. 971, a) 191 Politieen zahlt, so mag diese theüweUe von Verwechs- 
lung der Zahlzeichen, mehr jedoch von Erweiterung der Sammlung durch nn- 
Wite Stucke herrühren ; auch Sihi-l. Categ. 2, c (Sohol. 27, a, 48) kennt solche, 
denn er nennt unter den gemeinverständlichen Schriften des Aristoteles die 
pjfist «ätou icoXtnlai. Dia zahlreichen, aber nicht sehr ausgiebigen, Brach- 
•tacke bat Mür.i.m Fragm. bist. gr. 11, 102 ff. gesammelt, einen Nachtrag dam 
giebt Bochkot im Pbilologus IV, 266 ff. — Vielleicht nur ein Tbeil dieses 
Werks sind 2) die Nifitjia ßapBapixct (Apollos. Mirab. c. 11), nach NojjlEp 
suv jlapB. ouuaY*"!^) genannt (An. 66), deren Brnohstücke bei Müller a. a. O. 
l'8(f. zu finden sind. Zu diesen werden such die Nifiipa 'Piojiaiiov, welche An. 
Heii. 66 besonders aufführt, so gnt, wie die Nd|«|Mi Tud^vüv (Ami. L 28, d) 
gebart haben. — Dagegen können 3) die 4 Bücher Nop.wv (D. 26. Nouijuu« 
An. 66) nicht wohl damit zusammenfallen. — Von den Streitigkeiten ewisohen 
sin verschiedenen Staaten and den Granden , worauf sich die gegenseitigen 
Anspräche stützten, scheinen 4) dioA niiio|j.ita «iSXf.iijv (Amkos. De differ. 
TOcab. n. d. W. Ifijn JutäßsotioiK* yraeesrt™ dvitatum Ahmob. vita Arist. iat 
S. 5B) gehandelt zu haben, welche auch kürzer blos iixouüfjST» genannt wer- 
den (D. 26. BiapoaaaT. Apujiäf). — 6) Mit Unrecht scheinen 5 Bücher i.tüv 
Siiiuvot 'AJiiviuv (An. 66) Aristoteles beigelegt zu werden (vgl. Müi.lt.b s> 
«■ 0. S. 109, 12); »och Gblu II, 12, 1 kann den Politieen entnommen sein. — 



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78 Aristoteles. 

«ich unsere Pofitik 0; von den übrigen Schriften tat Theorie und 



8) Bin IIoXitixöc (Dich D. 22 swei, nach An. 61 Ein B.) scheint Gesprächs- 
form gehabt in haben; neben ihm werden aber noch 7) IToXiTixii ß' (D. 34), 
wohl identisch mit den Otsii; iroXitix«! ß' (Ad. 68) genannt, wogegen An. 6t 
dem Gry Ho* («. o. 43, 1) onr ana Venehen der Nebentitel % ir. TtoXrttxijc beige- 
legt sein kann. — 8) Ein Bnoh r.. Bssilidtt (D. SS. An. 62. H. 16t. Ein 
ebrfixschra Verzeichnis* b. Wenrich 3. 189) war an Alexander gerichtet, a. o. 
S. SO, m; ebenso 9) nach Ahmos. Schol. in Ar. 36, b, 46 der 'AXlgavSpot )[ 
oitip anolxuv (oder -i&») D. SS. An. 62. — 10) Des 'AXs'EavSpoj 3] x, f^ropo; 
11 noXtimoB wurde schon 8. 56, S erwähnt. — 11) Van einer Abhandlung it. 
'Apx.'is (D. 23) kann man «weifein, ob sie politischen oder metaphvsiseban In 
lialts war; die Schrift Jt. TIXoutou (i. S. 74) wird weniger inr Oekonomik, 
als inr Ethik, an rechnen sein. Ueber ein mittelalterliches Machwerk, welches 
■ich für die Schrift je. SstoXtCof auaingeben scheint: tecretumt «ecretorum (oder: 
liber moraiiu-nt de rtgimine prindpum) ad Atexandnem vgl. Gxinn Ariat. und 
Alex. S34 f. Robb 188 f. 

1) Diese Schrift hat in nnaern Ausgaben den Titel: it. UoiigTixijt- Aristo- 
teles seibat fuhrt aie öfters, theüs als aukünftig (Poiit. VIII, 7. 1341, b, 38 vgl. 
Interpret, c. 4, Schi.), theila als schon vorhanden (Ehet. I, 11, Bohl. III, 18. 
1419, b, 2. 111, 1, Sohl. c. 2. 1404, b, 7. 27. 1406, a, 3) an, mit der Beseiah- 
nang tv to1( mpl jtoiijTraiJf , wofür nur einmal iv toT( r., nonjnut steht. Die Ver- 
zeichnisse nennen: ^pa-rfioTti'o t^vi]< irongTuofc ß' (D. 24), -tffvrn itou]T. ß' (An. 
63), itournx« (oder -öv), a' {D. 26. An. 64), 1t. xongtoiöv (Ammon. V. Ar. 44), 
traetatu» de poltiea (Aminon. Ist. 64), Dt arte po&ica teeundum Fyihagoram 
tjtuque teetatortt 1. II (Dach. 146). Alex, in soph. ei. , Schol. in Arial S99, h, 44 
(wo aber der Text an Indem ist) hat: iv t$ it. xoajiixilc, HjsMUal in Phaedr. 
G. 111 Ast: iv to. it. itoDjT., Simpt.. in Categ., Schol. 48, a, 12. S&: iv tö ic. lt., 
David ebd. 26, b, 17 t'o jc. not., Phii.op. De an. B, IS, Bai h tjj noujTuuj, dagegen 
Bon™, in Ubr. de Interpret. S. 990: librat de artepoüiea |s. Eittbh Arial. Poet, 
praef. VI ff.). Die älteren Zengen kennen somit swei Bücher der Poetik (über 
die angeblichen Zeugnisse für ein drittes s. m. folg. Anm.), die späteren, seit 
Alexander von Aphrodisiaa, mit wenigen Ausnahmen, und was ihre eigene 
Kenntnis« betrifft wohl durchaus (denn auch von Bonn. a. a. O., Simfl. and 
Pnn-op. in den gleich anzuführenden Stellen ist in vermuthen, daaa aie &ni 
Aelterett nachschreiben), nur noch eines. Wird nun schon dadurch der Ver- 
dacht nahe gelegt, unsere Poetik sei bloa ein Tbeil oder Auszug des ursprüng- 
lichen Werks, so wird dieser Verdacht durch ihre offenbare Lückenhaftigkeit 
und Unvollstandigkeit zur Qewisshsit. Polit. VIII, 7. 1341, b, 38 verheiset 
Ariat. für die Poetik eine Untersuchung über die xaSapoic, und der Natur der 
Sache nach ist es ganz undenkbar, daas er diesen Grundbegriff s einer Defini- 
tion der Tragödie in ihr nicht erläutert habe, in unserer Poetik; (c 6) erfahren 
wir nichts darüber. Die Poetik selbst verspricht c 6, Auf. später von der Ko- 
mödie su handeln, Rhet. I, 11, SchL sagt Ariat., über das Lächerliche habe er 
■toll in der Poetik eingehend geäussert (Suijiurf « xtpl ?eXo(<uv vwfÄf jy tote x. x.), 



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Schriften Aber die Kamt fy 

Geschichte der Kaust und zur Erklärung- von Dichten ist nicht 



und ebd. III, 18. 1419, b, 2: wie Tiele Arten det Lächerlichen m gebe, habe 
ei in derselben auseinandergesetzt; wir Yermiwen in unserem Buche unwohl 
diese Erörterungen, als die nach c. 1. 1447, a, 14. b, 26 r.a erwartende Ausfüh- 
rung über die lyrische Poesie. Ebensowenig findet sich in ihm die von Sinn. 
». a. 0. aus der Poetik angeführte Ans einenden etnng über die Synonymen, 
und die von Phiu>p. a, a. O. ihr beigelegte Bemerkung über den Unterschied 
Eines doppelten öS fvexa {des öS und des 'S, worüber De an. II, 4. 415, b, 2 nnd 
TusBDKi.ESBuaa e. d. 8t. in Tgl.). Ueberhsupt hat seine Darstellung manche 
Lücken, Einzelnes ist auffallend kurz berührt, Anderes seheint von späterer 
Hand eingeschoben. Es ist DütrczEB (Rettung d. arist. Poetik. 1840) schwerlich 
gelungen, diese Bedenken durch die Annahme an entkräften, das» unsere Schrift 
eigentlich nur von der Komposition, der Darstellung des Mythus in der PoBsie, 
handeln wolle, die vollständigere Ausführung der Theorie der Dichtkunst da 
gegen in einem verloren gegangenen grösseren Werke enthalten gewesen sei; 
ebenso nn wahrscheinlich ist Siahe's Vermnthung (Hall. Jahrb. 1689, 1670 ff.), 
sie sei ein von einem Schüler nach mündlichen Vortragen aufgezeichnetes Heft; 
weh die Aneicht von 6. Hbetiaün (in s. Ausgabe) u. A., dies sie ein unvoll- 
endeter Entwurf de« Aristoteles sei, hat wenig für sich; wir müssen vielmehr 
der Hauptsache nach SpekOel (üeb. Arial. Poetik. Philos.-philol. Abhandl, d. 
Münp.hn. Akad. 11,211 ff.) nnd Ritteb (Arist. Poetin*. 1839. Praef.) beistimmen, 
wenn sie in derselben nur eine unvollständige nnd mehrfach interpolirte Zu- 
sammenstellung von einzelnen Abschnitten des aristotelischen Werks sehen. 
Im Eins einem werden freilich über den Umfang der Auslassungen, Verände- 
rungen nnd Zuthaten uooh sehr verschiedene Ansichten möglich sein; so ge- 
ring jedoch konneu wir unsern Verlust nicht anschlagen, wie Rose (8. 1S1 ff.), 
3er mit Ausnahme des fehlenden kurzen Schlussabachnitts über die Komödie 
iUes in beeter Ordnung findet — Werthvolle Ueberbleibsel aus dem verlo- 
renen Abschnitt über die KomÜdie und das Lächerliche bat Bsknax* (ErgSn- 
nmg zu Arist. Poet. Rhein. Hos. VIII. 1853. 8. 561 ff.) in Caauu's Aneod. 
Paris. T. I, Anh. scharfsinnig nachgewiesen. 

1) *. IIoijjtS. T ' (D. 23 vgL III, 48. VIII, 67. An. «1. Atsm. XI, SU, 
e. Michob. Bat. V, 18.) Nach Ammon. lat. V. Arist. 8. 54 war diese Schrift in 
Gesprächsform verfaast, wofür auch ibreStellnng bei Diog. nnd An. Man. spricht 
Nicht verschieden von ihr acheint der Kilxlo; it. noir,TÜv f ', welchen An. 64 
Wunders auffahrt; ebenso ist bei Pi.üt. V. Hom. c S. Dios. II, 46 mit Aelte- 
ren und Neueren (vgl. Spbioil Abh. d. Mfinohn. Akad. II, 215. Ritteb Arist, 
Pott. X, welcbe Dübtzeb a. a. 0. 9 f. schwerlich widerlegt hat) statt *. itotij- 
w>ic in lesen: je, Jwnrtöv. Die wenigen Ueberbleibsel b. MPli.bk Fragm. HisL 
p. H, ISO ff. vgl. Soobsot Philo!. Vin, 297. Vorarbeiten für dieses Werk 
•cheinen die Titel 2) st, TpartpSiüv «' (D. 26) nnd 8) Kuuuxol (Eeotuh exp. 
TOe. Hippocr. s. v. 'RptncX. veeou) tu beaeichnen. Für einen Theü der Schrift 
Ober die Tragödien halt MCllkr a. a. O. 183 die itfieox«X(a[ (D. 36), deren 
Fragmente sr 8. IM f. giebt. 4) 'AnopijuaTa QeiqTtaä. Mit di 



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76 Aristoteles. 

einmal so viel äbrifrgeblieben. Nor Weniges hM sich endlich auch 
von den anderweitigen Büchern erhalten, welche ausser dem Fach- 
werk des wissenschaftlichen Systems stehend, noch zu erwähnen 
sind *), und auch hier hat sich ohne Zweifel manches Ifafchte ein- 
geschlichen. 

nang werden wir alle jene Erörterungen snsairunenfesBen dürfen, welche unter 
verschiedenen Titeln erwilbnt werden: 'Aicobi]|i£tuv icooitucuv a' (An. 66), 
AM« nonrnxeü (ebd. — «Mai «cheint nämlich eben die Form der Behandlung an 
bezeichnen, welche den inopijpflrwi oder itpo(Du||uni eigen ist, dasa nach dem 
Bei il gefragt, and mit Angabe des fiiin oder der «hfs geantwortet wird), 
'AfcopijiiJrtuv *Oti>)p(xüv ;' (D. 26. An. 64 £' vgl. Plut. and. poet. c. 12, 8. 32. 
Athks. XIII, 556, d. PnmKiCH. fa&tixto). npnpl^iiitujv 'Ouqputöiv i' (An. 
65. Ammon. V. Ar. 44. Amm. Ist, 54. Dach. 107). 'Ampijua™ 'Ha.dBou et' (An. 
65). 'Attop. 'Ap^ilä^ou, EipnrfSout, Xoip&ou y ' (ebd.). Ebendahin scheinen die 
'AK0pr![una Ofia (An. 64) in gehören; nur einet der homerischen Probleme 
wird die Abhandlung sein: Ei äi Ttira "Opjpot faohjw tat 'HXiou ßaü^; (An. 
651. Vielleicht in der Schrift Ober Eoripides »Und die x. 'EpjiiiwK tipoü (Bchol. 
in Theocrit. XV, 64). Wie viel aber in dieser Litterator, und ob überhaupt 
etwas Aristotelisches darin war, müssen wir dahingestellt sein lassen. Im be- 
sten Fall wird es sich damit ähnlich, wie mit ansein Problemen (s. o. S. 71) ver- 
halten haben. — 6) X. Mousixrj; »' (D. 26. An. 64 sweimal. Dach. 162 nennt 
Wost; (io-jQEiii und LABBBt-a Bibl. nova 116, b. Brabbii S. 94, erwähnt einer 
Handschrift, welche Aristoteles' musikalische Probleme enthalte). Dieser Ab- 
handlang scheint das Bruchstück b. Pj.lt. De mos. c. 23 8. 1139 anxagehBren 
— Der Schrift k. KsXoQ wurde schon 8. 78, 1 erwähnt. 

1) Hieher gehören die nachstehenden, meist historischen Werke: 'OXuu.- 
isiovlxsu a'(D. 26. An. 64); üuSioiixtSv "£l< T x«s «' (D. 26), wovon der 
JIuGixot x ' (ebd.) wohl nicht verschieden ist, and die DuBtevbuu Mouaixijc (ebd.) 
nur ein Tbeil sind; JVtx« 4ioyus[aaou o' (D. 26. An. 65). Die U Überbleibsel die- 
ser Schriften b. Müller a. b. O. 1B2 f. — II. Ebpr^ttwi (Clrmefs Strom. 1, 
809, A, wo mir denn doch mit Bestimmtheit eine aristotelische, walrrschein- 
lioher allerdings pseudo aristotelische Schrift dieses Titels angeführt »,n sein 
■eheint; die Notizen, welche derselben entnommen sein mögen, finden sieh b. 
IIollib s, a. O. 181 f.) — 11. 'AliEivSpous. o. 8. 48, l.~ D. Kuip-uv (Dioa. 
VIII, 34 vgl 19; Cobet scheint hier nur ans eigener Vermuthnng statt lv i<ji 
jc. iuiu.. blos t. xuäpL zu setzen, wodurch aher, wenn es nicht mit jenem iden- 
tisch sein soll, im Folgenden eine listige Tautologie entstände); diese Schrift 
kann aber doch kaara Acht gewesen sein, es miisete denn ein Abschnitt der 
DuOavoputä (s. o. 48, 1) gemeint sein, aas dem Diogenes missr erstand lieh ein 
eigenes Bach gemacht hatte. — II. Saupfteluv *Axou3|iiTwv von Atbeb. 
(XII, 541, a vgl. oniu. äs. c. 96) a. d. T. i» BKupsafot«, vielleicht such von 
Abtiuok. MirabfL c. 36 (vgl. .So-jja. ökoimu. c 80) angefahrt, eine Sa m m l n n g 
von Abenteuerlichkeiten, an deren Aeohtheit nicht gedacht werden kann. Ist 
dieselbe (wie Kose Arist. libr. ord. B. 54 f. annimmt) um söO v. Chr. enUtsn- 



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Aeohtheit und Integrität s. Werke. 79 

Wie Vieles aber auch von der reichen schriftstellerischen Hin- 
terlassenschaft des Philosophen für ans verloren ist, wie manches 
Andere seinen Namen mit Unrecht an der Stirne tragt, so schlimm 
btt es das Schicksal doch nicht mit ans gemeint, dass es ans die 
urkundlichen Quellen fär bedeutendere Theile des aristotelischen 
Systems ganz entzogen hätte, oder dass wir andererseits über die 
Aechtheii von Schriften, welche für unsere Auffassung desselben 
von Wichtigkeit sind, zu keiner Gewissheit gelangen könnten. Das 
Erstere erhellt schon aus dem beachtenswerten Umstand 0* dass 
unter den zahlreichen Verweisungen der aristotelischen Schriften 
taf einander verhültnissmässig so wenige vorkommen, die sich auf 
verlorene Werke bezogen. Die Darstellung der pythagoreischen 
Lehre, das Verzeichnis der ursprünglichen Gegensätze (in der 
Schrift vom Guten), die Schrift über die Philosophie, die Melhc— 
dika, die Epichereme, die Rhetorik des Tbeodektes, die astrono- 
mischen Untersuchungen, die Bücher von den Pflanzen, die anato- 
mischen Beobachtungen , die Abhandlung über die Ernährung sind 
die einzigen , auf welche Aristoteles in den vorhandenen Schriften 
Bezug nimmt Ä ). Folgt nun daraus auch nicht das Geringste gegen 
den Wcrth der verlorengegangenen Werke, so scheint jener Um- 
stand doch zu beweisen, dass weit die meisten derselben von Ari- 
stoteles nur als Vorarbeiten, nicht als wesentliche Bestandteile jener 
zusammenhängenden Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen 
betrachtet wurden, welcher die erhaltenen Schriften grösstenteils 
ngehören. Was die Frage über dieAechtheit betrifft, so sind zwar, 
wie aus unserer bisherigen Erörterung hervorgebt, nicht allein von 

fan, so acheint sie doch, wie die meisten derartigen Werke, spate* 
rauche ZnaZtze erhalten zu haben eine erweiternde Bearbeitung derselben 
«ehainen die Hapiöot« zu sein, ans deren zweitem Buch Pldt. parall. gr. et 
ram. c. 29, 8.312 etwas beibringt, was in unsora Socuja. m. nicht nicht. ■ — D«p- 
atuiai «' (D. 26), eine Spruch wö° r lei« immlung , welche nach Atbm. II, 60, d 
schon Cephtsodor dem Philosophen als seiner unwürdig vorgerückt hatte; aus 
ihr stammen wohl die Angaben b. Eusiath. in Odyss. V, 40S. flvsia. Eno. 
CiMt, 8. 69 (Müllbu a, a. O. 188). — Endlich sind hier noch zn nennen die 
Doütituii «' (D. 23. An. 62) nnd die 34 B. De vbjeeüt (Hadaehi 160), zwei 
Schriften, Aber deren Inhalt die Titel gar nichts vernähen, nebst der jedenfalls 
Mlehten De grammatitxi aramU (H. 161). 

1) Auf welchen Burois S. 97 f. mit Kocht aufmerksam macht. 

i) B. o. 8. 48, 1. 3. 63, 1. 65, 2. 64, 1. 69, 8. 66, 1. 68. 



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80 Aristoteles. 

den verlorenen Schriften aller Wahrscheinlichkeit nach sehr viele 
unserem Philosophen von Späteren unterschoben, oder auch gegen 
die Abiicht ihrer Verfasser ihm fälschlich beigelegt worden; son- 
dern das Gleiche gilt auch von einem nicht unerheblichen Theil un- 
serer gegenwärtigen Sammlung ')■ Indessen ist der Schaden, wel- 
cher uns von dieser Seite her droht, doch geringer, als man wohl 
glauben möchte. Die nachweisbare Benützung der meisten wich- 
tigeren Werke durch Theophrast, Eudemus und andere alte Peripa- 
teliker*), die zahlreichen eigenen Verweisungen des Aristoteles, 
das feste Gepräge der aristotelischen Sprache und des aristotelischen 
Geistes, welches den ächten Erzeugnissen des Philosophen aufge- 
drückt ist, — alle diese Merkmale geben uns für die ganz überwie- 
gende Mehrzahl der Schriften, welche uns als aristotelisch überlie- 
fert sind, so sichere Kennzeichen ihres Ursprungs an die Hand, dass 
eine besonnene Kritik nur hinsichtlich weniger und verhäitnissmässig 
minder wichtiger Stücke im Zweifel sein wird, lieber die verlo- 
renen Bücher natürlich ist uns nur zum kleineren Theil ein ebenso 
bestimmtes Urtheil möglich; aber für die Ausmittlung der aristote- 
lischen Lehre haben die zerstreuten Ueberbteibsel dieser Schriften 
auch keine grosse Bedeutung. 

Bedenklicher wäre es für uns, wenn sich dsrthun liesse, dass 
auch die ächten Schriften sich in einem Zustand befinden, der sie 
als Urkunden der aristotelischen Lehre unbrauchbar oder doch in 
hohem Grad unsicher machte. Nach einer bekannten Erzählung 
Strabo's und Plutahch's wäre die Hauptmasse der aristotelischen 
und theophraslischen Werke seit Theophrast's Tode nur in den 
Exemplaren vorhanden gewesen, welche Neleus aus Skepsis von 

1} Als Qiiaristoteliaoh bezeichneten wir die Schriften Aber Xanophamei 
u. s. w. (s. 8. 48, 1); die Rhetorik im Alexander (58, S); da* Buoh von der 
Welt (9. 68); von den Farben (ebd.); über die Namen der Winde (ebd.); über 
dicTäne(9.64); die Mechanik (64,1); überriiePflanzen(69,3); Tom Lebensgeiat 
und von der Bewegung derThiere(6T, 1.68,3); die Physiognomik (70, 8); daa 10ta 
Buch derThiergeecbichte (65, 1); die Probleme (8.71); die endemische nnd die 
sog. grosse Ethik (72, 2); über die Tagenden und Fehler (73, 1); dieOekononuk 
(76,2); die wunderbaren Geschienten (78, 1). Zweifelhaft erschien uns die Ab- 
handlung über die un theil baren Linien (64, 1). 

2) Du Habere hierüber ist ans theils schon vorgekommen, theil» wird aa 
sogleich, bei der Untersuchung über die Schicksale der aristotelischen Sohrif 
tan, beizubringen lein. 



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Behielt«*! ■. SehiifUn. *H 

Tbeophrast geerbt hatte; von den Erben des Neleus in einem Kel- 
ler versteckt, wären diese erst nach dem Anfang des ersten vor- 
christlichen Jahrhunderts im verdorbensten Zustand durch den Tejer 
Apelliko entdeckt and nach Athen, in der Folge von Sulla als 
Kriegsbeute nach Rom gebracht worden; erst nach Sulla's Tod« 
sollen sie von Tyrannio, und durch dessen Vermittlung von Andro- 
nikos, benützt und herausgegeben worden sein ')• Von diesem 
Schiebaal der aristotelischen Schriften wollen es die Genannten her- 
leiten, dass den alten Peripatetikern nach Tbeophrast mit den Haupt- 
werken ihres Heisters auch seine ächte Lehre unbekannt geblieben 
sei; Neueren *) war dasselbe ein willkommener Erklärungsgrund für 
die Unverständigkeit und Unordnung unserer jetzigen Sammlung. 
Und wenn es sich damit wirklich so verhielte, wie Strato und Plu» 
lirch sagen, so könnten wir uns wirklich über den gegenwärtigen 
Znsuind derselben so wenig verwundern, dass wir vielmehr eine 
viel tiefere und unheilbarere Verderbniss befürchten müssten, als sie 
jetzt vorliegt. Denn wenn gerade für die wichtigsten Werke da* 
Philosophen die einzige Quelle unseres jetzigen Textes in jenen 
Handschriften tag, welche ein Jahrhundert und länger im Keller von 
Skepsis moderten, bis sie Apelliko, von Würmern zerfressen und 
durch Feuchtigkeit zu Grunde gerichtet , ungeordnet und durchein- 
andergeworfen an sich nahm; wenn Apelliko selbst, wie Strabo sagt, 
das Fehlende schlecht ergänzte, wenn auch Tyrannio und Andro- 
itilras keine weiteren handschriftlichen Hfilfsmiltel zu Gebot standen: 
wer verbürgt uns, dass nicht in unbestimmbar vielen Fallen Fremdes, 
was sich nnter den Handschriften des Neleus befand, in die aristote- 
lische Sammlung mitaufgenommen, Zusammengehöriges auseinan- 
dergerissen, Anderes irrluümlich verbunden, grössere und kleinere 
Lücken willkührlich aasgefüllt wurden? Indessen sind in neuerer 
Zeit, unter Zustimmung der sachkundigsten Gelehrten, gegen jene 

1) Smua IUI, 1, 54. 8. 606. Pott. Sali* o. 38, aus dem Suro. SJU« 
Kliöpft. PlnUroh's Beriebt itt übrigem sieht bnr ua» Stmbo entnommen, und 
"um er den Zusatz in Betreff de« Aiidronikna hat, welchen wir bei jenem 
übt laen, so wird dleier entweder an« Straho'e biitorUebem Werke genauen, 
°4er e« wird, wu mir wahrsoheinlieher ist, in der Stelle der Geographie» eine 
Wcko im Text umnehmen «ein. Vgl. Schkbidm Arist. Liat wu I, LXXX 

&**■* Ari«tot«ii» u, in. ue. 

1) Z. B. Buhle AJlg. Encyklop. Beet. L Bd. V, S78 U -. 
tUm. iL Qr. IL Bd. t . AMh. 6 

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82 Aristoteles. 

Darstellung Strabo's gegründete Bedenken erhoben worden *), Dass 
Theophrast seine Büchersammlung dem Neleus vermacht hatte, ist 
allerdings unbestreitbar *); dass aus dieser Sammlung- die aristote- 
lischen und theophrastischen Schriften an die Erben des Neleus ge- 
kommen sind, dass sie von diesen vor der Bücherliebhaberei der 
pergamenischen Könige in einen Kanal oder Keller geflüchtet, and 
im verwahrlostesten Zustand von Apelliko aufgefunden wurden, 
brauchen wir gleichfalls nioht zu bezweifeln *); und insofern kann 
alles, was von Strabo über diesen bestimmten Vorgang überliefert 
ist, richtig sein; die wettere Voraussetzung dagegen, dass jene 
Werke ausser dem Keller zu Skepsis nirgends zu finden gewesen 
seien, und dass sie namentlich der peripatetischen Schule seit Theo- 
phrast's Tode gefehlt haben, hat die gewichtigsten Gründe gegen 
sieb. Zunächst ist es schon ganz unbegreiflich, dass ein so äusserst 
wichtiges Ereigniss, wie die Entdeckung der verlorenen aristote- 
lischen Hauptwerke, von keinem der Männer auch nur mit einem 
Worte berührt sein sollte, welche sich eben damals und in den fol- 
genden Jahrhunderten als Kritiker und als Philosophen mit Aristo- 
teles beschäftigt haben: nicht von Cicero, der so viele Veranlassung 
dazu gehabt hätte, der während der ersten Ausbeutung der sulla- 
nischen Bücherschätze durch Tyrannio in Rom lebte, und mit Tyran- 



1) Nachdem schon um den Anfang de« 18. Jahrhundert« die vereinzelte 
und sieht weiter beachtete Stimme eines französischen Gelehrten diese Erzäh- 
lung in Zweifel gesogen hatte (in. s. was Stab* Arist. II, 163 ff. aus dem Jour- 
nal des Schavans t. J. 1717, ß. 655 ff. aber die anonyme Schrift: Leg Anlerntet 
de la Critique mittheilt), war es xaerst Bbandis (L'eli. die Schickesie d. arist. 
Bflcher. Bhein. Hub. t. Niebahr and Brandis I, 236 ff. 269 ff. vgl. jetzt gr.- 
röin. Phil. II, b, 68 ff.), welcher dieselbe gründlich berichtigte; einen Nachtrag 
fciesa gab Kopp Bhein. Mos. III, 93 ff.; mit erschöpfender Ausführlichkeit hat 
endlich Stab* (Ariatotelia II, 1—166 TgL294f.) die Streitfrage erörtert Gegen 
die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind ton keiner Seite her erhebliche 
Einwendungen erfolgt 

3) Theophrast'» Testament b. Dioo. V, 63. Atbbh. I, 3,a mit dem Znsatz: 
Ptolemlus Philadelphias habe die ganze Sammlung von Nelena gekauft und 
nach Aleiandrien bringen lassen. 

3) Denn wenn Athenina, oder der Epitomatot seiner Einleitung, a. a. O. 
die ganze Bibliothek des Nelena nach Aleiandrien wandern lüsst, ao kann dies« 
leicht ein ungenauer Ausdruck sein , ebenso wie ea umgekehrt ungenau ist, 
wenn Derselbe V, 21*, d den Apelliko die Bibliothek, nicht bloa die Werke 
des Aristoteles beaitsen Ilsat 



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Schicksal B. Schriften. 83 

nio selbst wohl bekannt war *); nicht von Alexander, dem „Exe- 
geten," nicht von einem einzigen jener griechischen Erklärer, 
welche die eigenen Schriften des Androntkus theils mittelbar theils 
unmittelbar benutzt haben. Ja Andronikus selbst scheint Apelliko's 
Fund eine so geringe Bedeutung beigelegt zu haben, dass er weder 
bei der Untersuchung über die Aechlheit eines aristotelischen Baches, 
noch bei der Frage über die richtige Lesart, auf die Handschriften 
des Neleus zurückgieng *), und die Späteren glauben sich durch 
seine Lesarten, welche nach Strabo die einzig authentischen sein 
müssten, keineswegs gebunden 3 ). Soll ferner das Verschwinden 
der aristotelischen Werke daran schuld Bein, dass Theophrasl's 
Nachfolgern die ursprüngliche Lehre ihrer Schule abhanden ge- 
kommen sei, dass sie entartet seien und sich in ihrer Philosophin 
tuf rednerische Ausführungen beschränkt haben, so steht diese Be- 
hauptung in grellem Widerspruch mit den Thatsachen; denn wenn 
sich auch die Peripatetiker des dritten Jahrhunderts mit der Zeit den 
naturwissenschaftlichen und metaphysischen Untersuchungen ent- 
fremdeten, so geschah dieses doch nicht schon seit Theophrast's 
Tod, sondern frühestens seit dem seines Nachfolgers Strato; dieser 
selbst dagegen hat sich so wenig auf Ethik und Rhetorik beschrankt, 
dass er sich vielmehr mit einseitiger Vorliebe der Physik zuwandte; 
auch die Metaphysik aber und die Logik hat er nicht vernachlässigt. 
Hat er dabei Aristoteles vielfach widersprochen, so kann es doch 
nickt Unbekannt schaft mit der aristotelischen Lehre gewesen sein, 
die ihn hiezu veranlasste, da er ja eben diese Lehre bestritt *). Eben- 
dann fällt aber auch die Voraussetzung, als ob die Abweichung der 
späteren Peripatetiker von Aristoteles durch die Entfernung seiner 



1) Vgl. Btihr 8. 122 ff. 

2) M. Tgl., das Erätcre betreffend, die S. 51, 1 angeführten Mittheilnngen 
aber seine Zweifel gegen die Schrift it. 'Ep(H]vi(o( > hinsichtlich das zweiten 
Punkts Dexifp. in Arist. Categ. 8. 25, Speng. (8chol. in Ar. 42, a, 80): icpöjrov 
piv o5v oix iv ärraoi TÖt; äwttypäspois Tb „5 Et liyof ifj; eäofocf" Itpdf Xtltat , ü; xoi . 
Beij6b( ttvr,|j.ov£Ü£i x«\ 'AvBpovtxo; — das» dieser den Streit aus den snllanischuu 
Handschriften geschlichtet habe, wird nicht gesagt Es scheint also, dass diese 
Handschriften weder die einzigen, noch auch mir die Urschriften der betreffen- 
den Worka waren. Vgl. Bbandib Rh. Mus. I, 2*1. 

8) VgL Bihfl. Phys. 101, a, o. 

4) Die Belege für das Obige werden theils sogleich theila in dem Abschnitt 
über Stiato gegeben weiden. 

6* 



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84 . Aristctele«. 

Schriften ans Athen herbeigeführt sei; dieselbe wird vielmehr ebenso 
m beurteilen sein, wie die entsprechenden Erscheinungen in der 
Akademie, welcher es doch an den platonischen Werken nicht ge- 
fehlt hat. Wer wird es aber überhaupt glaublich Enden, dass gerade 
die Hauptwerke des Philosophen beim Tod seines Nachfolgers in 
keinen anderen Abschriften vorhanden gewesen seien, als in denen, 
welche Neleus von Theophrast erbte? Dass nicht allein bei seinen 
Lebzeiten, sondern auch in den nenn Olympiaden zwischen seinem 
und Theophrasfs Tod, von den zahlreichen Schülern der beiden 
Männer auch nicht Einer den Versuch gemacht oder die Gelegenheit 
gefunden hatte, die wichtigsten Urkunden der peripatetischen Lehre 
sich zu verschaffen? Dass Eudemus, der treueste unter den aristote- 
lischen Schülern, dass Strato, der bedeutendste unter den Peripate- 
tikern, die Schriften des Heisters entbehrt, dass der Phalereer De- 
metrius seine gelehrte Sammlerthäligkeil anf sie nicht mit ausge- 
dehnt, dass Ptolemaus Philadelphia zwar die übrigen Bücher des 
Aristoteles und Theophrast für seine alexandrinische Bibliothek ange- 
kauft 0, von ihren eigenen Werken dagegen Abschriften zu erwerben 
versäumt halle? Man müsste denn annehmen, diess sei ihnen von 
den Eigentümern verwehrt worden, Aristoteles habe seine Schriften 
in strengem Verschluss gehalten, Theophrast, wiewohl für ihn jeder 
Grand dazn wegfiel, habe dasselbe Geheimnies bewahrt und seinen 
Erben zur Pßicht gemacht. Aber dieser Einfall wäre doch gar zu 
ungereimt, um ihn ernstlich zu widerlegen. Doch wir brauchen uns 
nicht auf Vermuthungen zu beschränken: so mangelhaft auch unsere 
Beweismittel für einen Zeitraum sind, dessen philosophische Lite- 
ratur ans ein herbes Verhängnis fast vollständig geraubt bat, so 
können wir doch von einem grossen Theil der aristotelischen Werke 
genügend darthnn , dass sie in den zwei Jahrhunderten zwischen 
Theophrast's Tod und der Eroberung Athen's durch Sulla den Ge- 
lehrten nicht unbekannt waren. Diese Werke selbst tragen, mit 
wenigen Ausnahmen, das Gepräge von Schriften, welche für die 
Oeflentlicbkeit bestimmt sind *), von welchen sich daher nicht an- 



1) s. o. S. 81, 2. 

2) Falls dieselben nicht diese Bestimmung hatten, wird nur eine von den 
dtei folgenden Annahmen übrig bleiben. Sie konnten I) Aufzeichnungen in 
eigenem Gebrauch (hypomnematliohe Schriften vgl. 8. 44, 1) sein. Ihre Be- 
schaffenheit jedoch widerspricht dieser Annahme fast durchaus. Dens faieHr 



Schicksal t. Ruhciftflc. 05 

nehmen lässl, dass sie eia halbes Jahrhundert lang nur in Einer Ab- 
schrift vorhanden waren; von einzelneu wird auch ausdrücklich 



sind tut alle erhaltenen Werke viel stt sorgfältig ausgearbeitet Schon die 
Einleitangs-, Ueberganga- und Schlusabeinerkungen , welche sich so hiußg 
duin finden, die Formeln, in welchen der Verfasser top sich selbst, offenbar 
dach kb einem Leser, spricht (wie vöv 31 Wrujujv^ soph. el. c 2, Schi. Metaph. 
T1I, 13, Auf. Ml, 10. 1086, b, 16 n. o.j äoirap le T o|wv, S<ntsp &* t o|mv, Eth. N. 
VI, S. 1139, b, 26. Metaph. IV, 6. 1010, a, 4. Bhct. I, 1. 1065, a, 28 u. o.; xa- 
Sirap imJXOonsv , Metaph. X, 8, Auf. XIII, S. 1076, h, 89; xaflirap ouiXopiSa, 
Hetaph. VII, 1, Anf.; ä Snupfaip^v, ev ü'f; Bioiptoijiilla, ra Bttupiaiufoa Jipüv Metaph. 
I, 4. 985, o, 11. VI, 4, Schi. L 7. 1028, a, 4; oSJXov jju.1v Rhet. I, 2. 1356, b, 9. 
1357, a, 29; tBfl6o>pi)tm ijfiiv UavtÜf xtpt wItüjv, Metaph. I, 3. 98S, a, 38), die 
Stellen, in welchen früher Erörtertes Eusammengefaist, nnd weiter Aussufüh- 
resdee angekündigt wird (wie Metaph. XIII, 9. 1086, a, 18 ff. Rhet. I, 2. 1856, 
b, 10 ff. soph. el. c. 83. 183, a, 33 ff. Meteorol. Anf.), die Anrede an die Leser 
soph. bL c. 38. 184, b, 3 — schon diese Züge nOthigeu uns zu dem Zugeständ- 
nis!, das* die Werke, worin sie sich finden, nicht blus für eigenen, sondern 
msh für fremden Gebrauch bestimmt gewesen sein müssen; die hypomne ma- 
nschen Schriften sollen sich ja (s. 6. 44, 1), wie diesa in der Natur der Sachs 
hegt, gerade durch das Fehlen derselben von den syntagmatisoben unterschei- 
den. Nor sehr wenige, in Betreff ihrer Aechtheit verdächtige, Schriften konn- 
ten für bypomnema tische gehalten werden: die fiber Xenophanes a. t. w., von 
den iinlieilbaren Linien, von den Tugenden und Lastern, die Wnndergeaehich- 
tra; selbst die Probleme können ei nicht gewesen sein, da sie in 'anderen, her 
«»gegebenen Schriften angeführt werden (s. o. 71, 3). — 2) Eine aweite mög- 
liche Annahme wäre die, dass unsere aristotelische Schriftssmmlung gani oder 
irossentheils ans Entwürfen bestehe, welche Aristoteles für den Zweck seiner 
Uhrrortr&ge niedergeschrieben, oder ans Aufsei cbnnngen, welche Andere anf 
Grand derselben gemacht hatten. Auch diese Vennuthang hat aber Mehreres 
gsgen sich. An Aufzeichnungen von Schülern wird man (wie Bhibbis II, b, 
114 richtig bemerkt) wenigstens bei denjenigen Werken nicht denken können, 
'in denen wir wissen, dass ein Eudemns und Theophraet sich in ihren gleich- 
artigen Darstellungen bis auf die Worte hinaus ihnen anschlössen, und selbst 
über die Richtigkeit ihres Textes Nachforschungen anstellten, wie diesa von 
dar Physik (e. n.) und der ersten Analytik (a. o. 52 , 1) gilt) au eigene Ent- 
würfe für die ?.u haltenden Vortrage schon desshalb nicht, weil sich doch nicht 
•nnelitnen lasst, dass Aristoteles in solche, wie ein angebender Dooent, dar 
*och keines Worts sicher ist, auch alle jene obenerwähnten Uebergangs-, Ein- 
WtsjDga- nnd Beb Iusb form ein mit anfgenommen hatte, denen wir in seinen 
Behriften so bHting begegnen. Für mündliche Vorträge gebt ferner der Inhalt 
"der, namentlich der naturwissenschaftlichen Werke viel su tief in's Ein- 
Hins, vollends wenn wir uns den Philosoph«) dabei in den Gingen des Ly- 
se»»! lustwandelnd vorstellen; denn von Diktaten eu naebberiger Duroharbei- 
«tog, welche ohnedJess nur eine andere Form für die Vervielfältigung eines 



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berichtet, sie seien noch bei Lebzeiten ihres Verfassers herausge- 
geben worden ')• Von mehreren der ältesten Peripitetiker hören 



handschriftlich vorhandenen Buchs sind, wird bei Aristoteles doch wohl nicht 
die Rede sein können. Sehr entschieden sprechen weiter gegen jene Annahme 
jene häufigen, Tust fiher unsere gsme Sammlung ausgestreuten Verweisungen 
der Schriften aufeinander; denn theiU lautet keine einsige Ton diesen Anfüh- 
rungen so, dass wir dabei an mündliche Vorträge, und nicht vielmehr an 
Schriften, in denken veranlasst wären, thefls Hess sich überhaupt im münd- 
lichen Unterricht nur eine Verweisung auf die wenigen Vortrüge erwarten, 
welche den Zuhörern noch frisch im Gedächtnis« sein konnten, wogegen hier 
eine und dieselbe Schrift (wie die Analytiken und die Physik a. o. 52, 1, 60, 1) 
an den entlegensten Orten, und umgekehrt die verschiedensten Erörterungen 
in Einer Schrift angefahrt werden; in der Metaphysik z. B. die Analytik», die 
Physik, die Schriften vom Himmel und vom Werden nnd Vergehen, die Ethik, 
die Darstellung der pythagoreischen Lehre, die 'E*Xo-]4, tüv 'Evcnritov (s. 
Schwisleb Hetaph. d. Arist IV, 386 f.). Während endlieh sonst in keinem 
der vorhandenen Werke eine Hindentung auf Zuhörer vorkommt, wie sie bei 
so ausgearbeiteten Entwürfen oder Nachschriften von Vorlesungen wenigstens 
bei den zahlreichen Ein leitnngaw orten u. s. w. kaum fehlen könnte, wendet 
sich Aristoteles am Schlnss seiner Topik (soph. el. 83, Schi.) neben denen, 
welche seine Vorträge gebort haben, such an alle Andern (loot'ov Em tfn swan 
ujmüv H rtöv ^xpoi][jjfvün Jprov Tdt( uiv xapaXElciu.|irW( Tij( jisSdoou au"|"fvcufj.7]v -.oi; 
8' (6pr]|i4voi; KolW)v c/cn ~fif ,v ) i B0 "*** w " B ' er nnl an e ' ne upn Inhalt gewis- 
ser Vortrage wiederholende und weiter ausführende Schrift, nicht an eine Anf- 
aoichnnng des Vortrags als solche denken können; da man aber freilich nur 
das 1) vor tu* ^xpor,jji'v(.>v streichen dürfte, um eine Anrede an Zuhörer au er- 
halten, will ich darauf kein Gewicht legen. — Können aber unsere aristoteli- 
schen Werke ihrer Mehrzahl nach weder Vorlesungen noch Aufzeichnungen 
für den eigenen Gebrauch sein, sollten sie andererseits doch von Aristoteles 
nicht veröffentlicht sein, so bliebe nur 3) die Behauptung übrig, sie seien «war 
als Bücher »um Gehrauch eines Leserkreises von Aristoteles geschrieben, ihre 
Benützung sei aber von ihm sowohl, als von Theophrast nur seinen Schülern 
gestattet worden. Dass wir jedoch nicht den geringsten Grund haben, ihm 
eine so seltsame Geheimhaltung dessen zuzutrauen, was er vor Allem zum Ge- 
meingut gemacht zu sehen wünschen musste, wird auch noch in der Unter- 
suchung über die sog. esoterischen Werke des Philosophen gezeigt werden. — 
Die vorstehenden Bemerkungen sohliessen nun natürlich die Möglichkeit nicht 
ans, dass die eine oder die andere Schrift eine hypouraematieche, oder die 
Nachschrift oder Vorbereitung mündlicher Vortrage sein könnte; diess müaate 
aber im einzelnen Fall wahrscheinlich gemacht werden. 

1) Aristoteles selbst beruft sich Poet c 15, Schi, auf Früheres mit den 
Worten: ilairrai St bejü ceiItüjv iv toT; ExSsSou-Evoit \6yoii tx«vfi><; wegen Bei- 
ner Sprich Wörtersammlung hatte ihn sein Zeitgenosse Cephisodor getadelt (f. o. 
8. 75); dass auch seine Angriffe gegen Isokratei in Schriften erfolgt waren, 



Sohiokiftl s. Sobriften. 87 

wir, dass sie sich in den Titeln and dem Inhalt ihrer Schriften u 
die ihres Lehrers angeschlossen haben l ). Von Hermippas isl es 
gleich unwahrscheinlich, dass er in seiner ausführlichen Schrift Aber 
Aristoteles *) das Versehwinden der aristotelischen Werke berührt 
hat *), und dass er diess, wenn die Sache richtig wäre, nicht gethan 
hätte; die theophrastischen , nach Strabo mit denen des Aristoteles 
verloren, hatte er in seinem Werke über -Theophrast verzeichnet*). 
Vor ihm soll schon Ptolemäus Philadelphus die Werke des Stagi- 
riten auf 1000 Bücher berechnet haben 5 3; ist aber auch diese An- 
gabe wahrscheinlich unrichtig, so lässt sich doch um so weniger 
bezweifeln, dass die grosse alexandrinische Bibliothek einen reichen 
Schatz aristotelischer Schriften enthielt "), wie es denn auch nnr 
dadurch den dortigen Grammatikern möglich war, den Philosophen 

tuscht Cephisodor'« giftige Gegenschrift (Abirtokl. b. Eos. pr. er. XV, S, 4. 
Athbjt. II, 60, d. III, 122, b. VIII, 354, e) wahrscheinlich. Auch m Enbiüi 
da (b. o. l.Abth. 175, 6) ist so vermutheu, dui er in aeianr Öchrift gegen Aii 
itotcles auf Sohriften desselben Bezug nahm. 

1) Vgl. S. 61, 1. 62, 1. Weiteres sogleich. 

2) Deren erstes Buch Athex. XIII, 589, c. XV, 696, fanfuhrt. 

3) Denn eine so autfallende Nachricht wäre dann doch wohl auch von 
Diogenes, welcher Hennipp's Werk V, 1 anfahrt, mitgetheilt worden, beson- 
ders da sieh erwarten lässt, dass sie auch noch tob anderen seiner Quellen bn- 
rackaichtigt worden wäre. 

1) Scholionam Schlot» von Theophrast's Metaphysik, 8. 323 Brand.: toOto 
Tb ßtßXiov 'AvSpdvuco; fiit n'i *Ep|Aijci;Q( äyvooSoiv* oilSi vap [avel'iv aüiou Bl<t>( 
ram^vtai ey xij ävayfitp^ tüv Bto^f iaiou ßißXLcuv. Diu dieses Verzeichnis! in 
der Schrift über Theophrast (Dioa. II, 65) stand, ist wohl sicher anzunehmen ; 
um so unglaublicher ist es dann aber, dass er dem entsprechenden Werke über 
Aristoteles weder ein Schriften Verzeichnis* beigefügt, noch den Grund, warum 
er diess nicht konnte, deutlich genug auseinandergesetzt hätte, um seihst einem 
Diogenes in die Augen zu fallen. 

5) S. 8. 41- 

6) Ausser dem, was S. 84 bemerkt wurde, gehört hieher die Angabe, 
dass Ptolemäus Philadelphus sich sehr nm aristotelische Bücher bemüht, hohe 
Preise dafür bezahlt, und ebendadurch zur Unterschiebung solcher Werke An- 
Uss gegeben habe (Anaos. Schal, in Arist. 28, a, 43. David ebd. Z. 14. Sinn,. 
Categ. 2,E). Auch was 9. 49, I. 52, 1 von den 2 Büchern der Kategorieen und 
den 40 der Analytiken angeführt wurde, welche sich nach Adraat in alten Bib- 
liotheken fanden, wird vor Allem von der alexandrinischen gelten. Daas aber 
diese nur unterschobene Werke erworben, die ächten, deren Vorhandensein die 
Unterschiebung selbst doch beweist, entbehrt habe, laut lieh nicht annehmen. 



JigiiizBdby Google 



in ihre Liste der mustergültigen Schriftsteller aib unehmen 0- Vm 
einem Alexandriner scheint auch das Verzeichnis« des Diogenes 
ursprünglich herzustemmen, da es von der Anordnung des Andro- 
nikus noch nicht berührt ist. Dass Theophrast's Schriften schon sei- 
nen Zeitgenossen wenigstens thetlweise bekannt waren, sehen wir 
anch ans der Aeussemng Krantor's über eine derselben*); dass 
diejenigen des Aristoteles der Folgezeit nicht unbekannt blieben, 
aus der stoischen Lehre , welche sich gerade in ihrer systemati- 
scheren Ausführung durch Chrysippns sowohl in der Logik, als in 
der Physik, so eng an Aristoteles anlehnt, wie diess ohne Kenntnis« 
seiner Schriften kaum möglich war*)- Und anch von ausdrücklichen 
Zeugnissen für die Berücksichtigung dieser Schriften durch Chry- 
sippns sind wir nicht ganz verlassen *). Wie könnte ferner von Kri- 
tolaus gesagt werden, er habe die alten Heister seiner Schale CAri- 
stoteles und TheophrasQ nachgeahmt *), von Herillus , er habe sich 
an sie angeschlossen e ~), von Panatius, er habe den Aristoteles be- 
standig im Hunde geführt T ), wie könnte von der vielfachen Hinnei- 
gung des Posidonius zu Aristoteles gesprochen werden *), wie hätte 
Cicero' s Lehrer Antiochns die peripatetische Lehre für einerlei mit 
der akademischen erklären, und ihre durchgängige Verschmelzung 
versuchen können °), woher könnten Gegner, wie Stilpo und Her- 
■wchus, den Stoff zn ihren Streitschriften gegen Aristoteles 10 ) ge- 
il Vgl. Stab* S. 66 f. So wird auch von Arietophanea aus Bysans eins 
Arbeit über die Thiergeachiohte angeführt (g. a. 91, Q). 

2) Bei Dioe. IV, 27. 

3) Den Beweia für diese Behauptung wird untere Darstellung des stoi- 
schen Systems an liefern haben. 

4) B.PniT.Sto. rop. c. 24, S. 1045 redet Cbrysippue von den eingehenden 
Untersuchungen des Flato, Aristoteles u.s.w. über die Dieloktik, n, ebd. 15, 6. 
8. 1040 widerspricht er einer Aeuaaening, welche Aristoteles, wie es scheint, 
in der Schrift ff. 'HBovij; gethan hatte (b. o. 73, 1). 

6) Cic. Fin. V, 5, 14. 
fi) Ebd. V, 25, 73. 

7) Ebd. IV, 28, 79, wozu man die weiteren Nacbweianngen Aber du Peri- 
patetiflclie bei Panatius in unserem 8. Tb. 1. A. 8. S44 f. vergleiche. 

5) BtUBO II, 3,8cbL 8. 104 vgl. Öimfl. De coelo, Sohol. in Ar. 517, a, 31 
und unaera 8. Th. 1. A. 8. 348. 851. 

9) Das Nähere hierüber a, a. O. 386 ff. 

10) Stilpo sehrieb nach Dioo. II, 120 einen 'ApttTTotAqt, Hennachus naoh 
Demi. X, 26 apbt 'ApurorAtjv. Aus der Aeusserung dea Kolotes freilich b. 
Put. »4t. Col. 14, 1. 8. 1115 llsst sich nichts sohliessen. 



Bohloklftl •. Schriften. 89 

schöpft haben, wenn die Werke dieses Philosophen erst durch 
Apelliko, und vollständig erst durch Tyrannio and Andronikus be- 
sinnt worden? Wenn endlich schon Andronikus den Brief milge- 
Ibeilt hat, worin sich Alexander bei Aristoteles ober die Veröffent- 
lichung seiner Lehre beschwert ')» so müssen schon längere Zeit 
vorher Schriften des Philosophen, und auch solche im Umlauf ge- 
wesen sein, die von den Späteren zu den esoterischen gerechnet 
werden. Wir selbst können, so dürftig die Quellen auch fliessen, 
doch noch von der Mehrzahl der erhaltenen nnd nicht ganz weni- 
gen verlorenen Werken ihre Benützung vor Andronikus nachweisen. 
Den Protreptikus kennt Teles Cum 240 v. Chr.) und der Cyniker 
Krates liest ihn *>• Von den Kategorieen und den Analytiken ist 
schon S. 49 ff. gezeigt, von der Schrift *, 'Ep^vetai wenigstens 
wahrscheinlich gefunden worden, dass sie nicht blos von Theophrast,, 
sondern auch von Eudemus und andern aristotelischen Schülern ge- 
braucht und nachgebildet wurden; auch Andronikus kannte von den 
Kategorieen verschiedene Abschriften mit abweichenden Lesarten *), 
sie müssen also schon längere Zeit vor ihm in den Händen der Ab- 
schreiber gewesen sein *); Die Topik hat nach Theophrast 9 ) auch 
sein Schüler Strato berücksichtigt 6 ). Auf rhetorische Schriften 
scheint sich schon Cephisodor zu beziehen *)• Bio Physik hatten 

1) 8. B. 19, 3. 

!) Tri. kb b. Sto*. Floril. 96, II. 

S) 8. 8. 83, 2. 

4) Dm Gleiche würde ans der Angabe (Bimfl. Categ., Schot. 79, a, 1) folgen, 
last Andronikng sich mit eiiier gewissen Bestimmung an die Kategorien de» 
irehytss anschliesse, da diese jedenfalls den aristotelischen nachgemacht sind; 
SiiFiplioiuB redet aber biet ohne Zweifel nur an« seiner falschen Voraussetzung 
*on ihrer Aechtheit hersns. 

5) Ton Theophrast erhellt diess ane Albx. in Top. 8. 5, m (vgl. 68, o) TS, 
»■31, o. in Metaph. 843, 80. 878, 3. (706, b, 80. 719, b, 37.) Sinn.. Categ., 
WioL in Ar. 88, a, 16. 

6) Tgl. Alex. Top. 178, n. (Bchol. 381, b, 2). Unter Strato'* Schriften flu- 
tan aieh b. Dioo. V, 59: Tökiuv wpooljus. 

7) 8. o. 8. 86, 1. Aelter als Andronikus ist vielleicht auch Demethics 
De slocntione, oder doch die Schriftsteller, w eichen er folgt ; Anführungen nn- 
Hnr Rhetorik finden sieh hier c. 38. 41 (Khet. m, 6. 1409, a, 1); e. 11. 84 
{Biet. 111,9. 1409, a, 86. b, 16); c 81 (Bhet III, 11, Anf.); anf dieselbe besieht 
'ich ebd. o. 84 schon vor dem Verfasser Archedemns, vielleicht der Stoiker 
(rai 140 *. Chr.). Aueh das Citat der tfceodektiseben Rhetorik Rhet. ad Alex. 
«■ 1 durfte froher sein, als Androniku. 



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90 Aristoteles. 

Theophrast and Eademus bearbeitet, and der Letztere t 
sich so genau an den aristotelischen Text gebalten, dass er geradem 
als Zeuge für die richtige Lesart gebraucht wird '); ja wir besitzen 
noch die Worte von Briefen, in denen sich Eademus bei Theophrast 
nach dem Text einer gewissen Stelle erkundigt, und dieser die An- 
frage beantwortet *)- Ebenso lässt sich von Strato dartbnn, das« 
ihm das aristotelische Werk vorlag *); auch der Stoiker Posidonins 
verrith seine Bekanntschaft mit demselben 4 ). Die Bucher vom Him- 
mel lassen sich zwar vor Andronikus mit Sicherheit nur bei Theo- 
phrast nachweisen 6 ) ; dass aber diese Schrift nebst der vom Werden 
und Vergehen nach Theophrast verloren gewesen sein sollte, isl 
um so unwahrscheinlicher, da die mit beiden so eng zuammeu- 



1) Wir sehen diean ausser Anderem namentlich au* den Anuent aablrei- 
chcn An filh Hingen bei Simpilcius Mir Physik; beispielsweise vgl. m. über The a- 
p braut Sihi-i.. Phys. 141, a, m. b, u. IST, a, m. 201, b, u. Den. in Categ-, 
Schol. 92, b, SO ff. Thehibt. Phys. 64, b, o. 56, a, m. b, o. (Schul. 409, b, 8. 
411, a, 6. b, 28), und dam Brand» Rhein. Mas. 1, 282 f.; über Bndemui 
Buht» Phys. IS, b, u. (vgl. Abist. Phys. I, 2. 1S6, b, 11). 29, a, o.: ö ES&jpx 
tu 'ApiowtAii Kants xatsxsXevflöv. 120, b, o-, wo in Phys. III, 6. 208, b, 18 
bemerkt wird: xüäiov väp, oüuai, x'o ,,e£iu toü mkhh" oütu; äxoiistv, <ü( i EüBjj- 
|jo( IvdqoE Ta toü <iOt] Yi|ii«ot a. s. w. 1 2 1 , b, u. : ev tui 31 [sc. ivr.f piyoit] iv-t't 
to3 „xoivV „npiuTij." xal oS"(i) vpitpEi xa'i & Eü3r,|j.o;. 128, b, O.i EüSi]po; 81 -a£- 
toi; napaxoXouBüv u. s. w. 178, b, m: Eud. schreibt Phys. IV, 13. 222, b, 18 
nicht Ilapiiiv, sondern itapiuv. 201, b, u, : EB3. iv toI; iautoS ipiwixofc ^«pay pijuv 
t« to5 'ApurtGT&auf. 216, a, m: Eud, knüpft unmittelbar an das, was bei Ari- 
stoteles am iüchluaa des 5tcn Buchs steht, den Anfang des 6ten. 223, a, u.: bei 
Aristoteles bringt (Phys. VI, 3. 234, a, 1) ein in verschiedener Beziehung wie- 
derholtes tat -tat eine Unklarheit in den Ausdruck; Eademus setzt für du 
zweite foil xnät „eke'xew«." 242, a, o. (Anfang des Jten Buchs): EW. pixP' toBSe 
SX7{; Tj'Eäbv !rp«f patsia; «f alaion ixoXojQijaa(, touto napcXflüv ü{ KEpirr'ov in'i 
t« ev tu> teAeutsuo ßiß).tqi xifüaia (iet^IBe. 279, a, m: xctl S ys EÜS. xspsf pi£o>* 
cr/tSbi xoit «Jrbi Ta 'Api»roTiXou( ifflijui x«\ tiütb t* -tiufpaTg ouvt^imik. 294, b, o : 
Arist. zeigt, dass daa erste Bewegende unbewegt sein müsse, Eudemna fügt 
bei: td npüttdt xivoüv xafl' tximjv xlvijaiv. Eine vollständige Analyse von ßim- 
plicius' Angaben Aber Eudemas Physik konnte nur bestätigen, dua er Aristo- 
teles Schritt für Sehritt folgt. 

2) Sihi-l. a. a. O. 216,a,o. 

3) M. vgl fiiari- Pbys. 163, a, o. (166, b, m.) 154, b, u. 168, a, o. 187, 
a, m ff-, 189, b, u. (vgl Phys. IV, 10). 214, a, m. 

4) In dem Bruchstück b. Simpl. Phys. 64, b, in, von dem schon Kimpii 
eins bemerkt, daas er sieb darin an Aristoteles (Phys. II, 2) anlehne, 

6) S. o. S. 61. 



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Schicksal 8. Schriften, gl 

hängende Meteorologie gleichzeitig vielfach gebraucht wurde l ); 
ihre Lehre von den Elementen hatte sich Posidonius angeeignet *), 
ihrer Theorie aber die Schwere tind Leichtigkeit der Körper Strato 
Widerspruch un *}■ Die Thiergeschichte wurde nach Theophrast *) 
von dem Alexandriner Aristophan.es ans Byzanz bearbeitet s ). Die 
Schrift von der Seele lässt sieb wenigstens bei Theophrast nach- 
weisen e }. Von den Problemen '} ist es sehr unwahrscheinlich, dass 
ihre Ueberarbeitnng in der peripaletischen Schule erst nach Andre— 
nikus begonnen hat, Ueber die Metaphysik als Ganzes fehlen nns 
allerdings sichere Zeugnisse, und es ist wohl möglich, dass erst 
Andronikus dieses Werk in seine jetzige Gestalt gebracht hat; aber 
doch verdient die Angabe Beachtung, dass sich dasselbe beim Tod 
seines Verfassers in den Händen des Eudemus befunden, dass dieser 
es herausgegeben *) und sein Neffe Pasikles das zweite Buch beige- 
fügt habe 9 ); j» in einer Stelle seiner Ethik könnte mau sogar Worte 



1) 6. o. a. ». 0. 

1) Sim-i.. De coelo, Schot, in Ar. 017, a, 81. 

3) Bimpl. a, a. O. 486, s, 5. 

4) Diog. V, 49 nennt von ihm 'EmtoiiS« 'ApiTroT&cis K. Zitituv ('. 

5) Nach Hibbobl. Hippiatr. praef. S. 4 hatte dieser Grammatiker eine 
'EüiTojiij derselben geschrieben, wofür Abteuidob oneirocril. LI, 14 focopifiutra 
''k 'ipKTTOTÄjjv sagt. (6. Kiihbeider in H. Ansg. I, XIX.) Auch Dbmbtb. de eloont. 
97. IM. (H. an. il, 1. 497, b, 28. IX, 2. 32. 610, a, 27. 619, a, 16) kennt sia. 
Dagegen möchte ich dem, -was schon S. 65, 1 aas Eratosthcnes Katasteriamen, 
apolloninB' und Antigonns' (angeblich des Karystiers) Wondergeflchichten 
aber soologiscbe Werke des Arist. angefahrt wurde, and der Berücksichtigung 
der Schriften von der Erzeugung und den Theilen derThiere beiAsTiu. Mirab. 
c 16. 19 (18. 23) bei dem verdächtigen Ursprung jener Schriften kein grosses 
(!e wicht beilegen. 

6) Vgl. Thbmist. De an. 89, b, u. 91, a, o. m. Philo e. De hu. C, 4, u. 

7) Worttber S. 71 t. vgl. 

8) Abklbp. Schol. inAr-519, b, SS: der Mangel an Ordnung in der Schrift 
■erde richtig daran« erklärt, Sn ypiel/at ttjv TTapoäaav npecfiioraiav ir.i\i.^zv ai-ri)» 
Käijjtiji TiJ iin'pc.) «iroü ru 'PoBiui ' d'.z IxßWi ivipun ar, iTv«! xkXoV , ni( rtu- 
1P JitoK)vou tJ( jroJLXou( TijXutailnjv xpTfiumün. iw T.S o'jv |i£au> xpdvto iraleiinjcte 
iri äiEoSnpijaiv nva toö Bißliou- p.jj tqXjiujvmc 8e npo(8flvai oütoficv ol \uvrjetfax- 
r*-.. |UTi{Yarov ix tüjv iXXiuv aoroii xpayjjiaTEiuv to Xe'icqvt«. Pbbcdoalbx. 463, 
1} Bon.; xa'i oT-iai xa'i raüio ixitvott sBei auvTaTTEoflai xoit "jus Sito u.ev 'Apitno-r^- 
*«N owreroBiTai ujco Gl EiSiijiou gE^upin«. 

9) Anon. Schol. in Arist. 569, a, 41. (Dasselbe Scholion findet sich in 
«Mathen Handschriften der Metaphysik am Anfang von Klein- Alpha; s. Arist. 



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32 Aristoteles. 

der Heiaphysik darchkliogen hören *)- Auf das Vorhandensein meta- 
physischer Schriften weisen süsser theophrutiscben Werken, welche 
doch wohl einem aristotelischen Vorgans; folgten *), auch die An- 
gaben über ein Buch Strato's *). Ist endlich die Abhandlung aber 
die Bewegung der Thiere junger, als Aristoteles, und alter, als 
Andronikus *), nnd gilt das Gleiche auch vom eilften Buch der 
Metaphysik, so miiss nicht allein die Physik nebst den Schriften 
von der Seele, dem Gang und den Theilen der Thiere, sondern auch 
die Heiaphysik, den Peripaletikern jener Zeit bekannt gewesen 
sein *). Ueber ein der Metaphysik verwandtes Werk, die drei Bücher 
von der Philosophie, spricht Cicero nach dem Epikureer Phädrus 6 ); 
dieses Werk kann daher durch den Keller zu Skepsis der Benützung 
nicht entzogen worden sein. Noch weniger lässt sich diess von der 
Ethik annehmen, da sie sonst nicht von Eudemus und dem Verfasser 
der grossen Moral überarbeitet sein könnte '); auch von anderen 

ed. Bekk. Ver. lect. tu 999, a, 19); Ahlbt. a. >. O. 620, a, 6, der offenbar aus 
Versehen Gro es -Alpin Pasikles beilegt. 

1) Eth. Kud. I, 8. 1217, b, 22 von der Ideenlehre: tetmacrai 81 jcollot; 
Mpi lü-oii Tpältott xit iv töi( ^(üTEpwsif Xifott xsl iv tb'i( x»ti f liooopl«». Metaph. 
XIII, 1. 1076, a, SS vüii derselben: er wolle darüber kurz sein, rrtpißAi]r«i yaf 
tä ICftXXs xsl inb tüv ^ainpixüv Wyb>v. 

2) Die Metaphysik, deren Bruchstücke Buasu herausgegeben hat, nnd 
die sehon im Titel dem fiten Blich der ariat. Mniaphysia: (s. u, 8. 68) entspre- 
chende Schrift it. tüv Hoi«x.<"S (Alu. Top. 88, o. 189, a.). 

3) Das Buch Jt. tlpote'pog xo'i Tfo-rfpou, welches nach den Niltheilnngun bei 
Sinn.. Categ. 106, », o, 107, a («Chol, 89, a, 37. 90, a, 12) ohne allen Zweifel 
auf ariatotelisohe Erörterungen, nnd awar, wie es acheint, auf Metaph. V, 11 
Rücksicht nahm, denn das Suväjm xsl ffati itponpev, deeaen Simpl. ana, Strato 
erwähnt, findet sieb nur bier 1019, a, 1. 7. 

4) Was sich freilich nicht bestimmt behaupten Usst, aber doch die Wahr- 
scheinlichkeit für sich hat; Tgl. 8. 68, 3. 

5) Auf. Pbys. Vin, 6 ff. bezieht sich mot. an. o. t. 698, a, 7; auf it. Ztpw* 
Ilope:»t: c. 1, Auf.; die Schrift von der Seele wird c. 6, Anf., Metaph. XU, 7 
mit der Bezeichnung lv tclt np) tij( npiut»); • iXorsofltt^, welche man nicht anf 
B. XII allein wird beziehen können, ebd. 700, b, 8, it. Ztfxuv Hop Es» o. II, Schi, 
angefahrt. Ueber Metaph. XI s. o. S. 57. 

6) S. o. S. 68 f. 

7) 8. B. 72 f. Nach Eintrat, in Eth. N. 61, b, o. Ml, a, m hatte sieh 
anoh Theophrast in seiner Ethik und in der Schrift jc. 'HOüiv ( vielleioht auch 
der tou Dioo. V„ 46 angefahrten «. *tMas) an die aristoteliscbe Ethik ange- 
schlossen; ilusfi dieselbe Herillns und Kritolaus bekannt war, sagt Cicnne a. o. 

L „!.zed B y G00gle 



Schicksal i. Schriften. fS ' 

ethischen Schriften wissen wir aber, dass sie vor der Entdeckung 
Apelliko's im Gebrauch waren *)■ Die Potitieen hat Polybios und 
vor ihm Timäus in Händen gehabt ■), das Verzeichniss olympischer 
Sieger Eratostbenes *), die Didaskalieen, wie es scheint, Symma- 
chus und Didymus 4 ), die Sprichwörter Cephisodor 6 ); eine Brief* 
ssmmlung scheint schon vor Andronikus vorhanden gewesen an 
sein 6 ). Reichen diese Spuren auch lange nicht ans, um von den 
simmtlichen Werken des Philosophen, oder auch nur von allen er- 
haltenen Werken zu beweisen, dass sie wahrend des zweiten and 
dritten Jahrhunderts vor Christus im Gebrauch waren, so wird doch 
Sbibo's und Plotarch's Angabe durch dieselben vollständig wider- 
legt, und die Annahme, welche an sich die natürlichste ist, dass die. 
Schriften des Aristoteles von ihm selbst für die Oeffentlichkeit be- 
stimmt und den Gelehrten der nächsten Folgezeit nicht unbekannt 
gewesen seien, auch in Betreff derer, von denen wir diess nicht 
ausdrücklich nachweisen können, zu einem hohen Grad von Wahr- 
scheinlichkeit erhoben. Dass einzelne Schriften das Schicksal be- 
troffen hat, welches von Sirabo auF alle oder fast alle ausgedehnt 
wird, ist allerdings möglich und selbst wahrscheinlich; es werden 



& SS. Dagegen ist mit den 6. 72 nngefilhrlen Angaben fiber eine Ethik dos 
Silomichns (der ohnedem ftübe »Urb; -. o. IT, 2 Seh].), nichts ■mu- 
tagen. 

1) Die Abhandlung x. Acxaiomiviii fiibrt Damn«. de elocnt. SS (Aber den 
S. 89, T e. vgl), an, die Schrift x, 'Häovift scheint schon Theophrast (Dioo. V, 
H), iplter ChrjBippce, die x. nXoiirou Philodemns berück» ich i igt tu haben 
(■■ e. T3, 1. SS, 4), den 'Eputcxb- nach Athen. XV, €74, b Aristo von Keos; 
ä« Schrift ic Eo^evriaf, wie es sich nach mit ihrer Aechtheit verhalten mag, 
iriitoxemu, Demetrine von Phaleroa, Satyrn», Hieronymna (Atiik. X1U, 
Mfi, * Tgl. unsere late Abth. B. 47), oder wenigsten« der erste von diesen. 

2) Polib. XU, 6 ff. Da« Gleiche macht Stahb Arial. II, 78 ff. noch von 
nctreren Männern der alexandrischen Zeit wahrscheinlich. Die N4jm«t Bap- 
?«?«*(». o.S. 75,3) fuhrt Apollqk. Mirabil. c 1 1 an, aber das Alter dieses Zeug- 



>) Dioo. VTJI, 51. 

4) 8. Stahb a. a. O. 

6) S. o. S. 79. 

6) loh möchte wenigstens vermnthen, dass die von Daum, de eloent. 
"1 angeführte Sammlung Artamon'i (a. o. 43, 1) Uter war, als die dea Andre. 
■ikaijnnd wenn derLetatere aohon unterschobene Briefe vorfand (s. o. 19,9), 
■trden such wohl die Höhten schon vor ihm im Umlanf gewesen sein. 



•34 Ariitolelet. 

diess aber doch wohl hauptsächlich nur solche gewesen sein, 
welche von ihrem Verfasser nur zu eigenem Gebrauch niederge- 
schrieben waren, und dessbalb weder während seiner, noch wäh- 
rend Theophrast's Sc hui Führung durch Abschriften vervielfältig! 
wurden. Gegen das Gänse unserer Sammlung dagegen wird uns 
Strabo's Erzählung nicht misstrauisch machen dürfen, und wenn von 
einzelnen Theben derselben zu vermuthen sein sollte, dass sie nur 
aus den verdorbenen Abschriften Apelliko's herausgegeben worden 
seien, so wird diese Vermuthung doch immer in jedem einzelneu 
Fall aus der inneren Beschaffenheit der betreffenden Schriften be- 
gründet werden müssen. 

Nun lässt sich allerdings nicht laugnen, dass ein bedeutender 
Theil der aristotelischen Werke Erscheinungen darbietet, weiche zu 
der Vermuthung berechtigen, es seien bei der jetzigen Gestalt der- 
selben noch andere Hände, als die ihres Verfassers, im Spiele ge- 
wesen: Verderbniss des Textes, Lücken der wissenschaftlichen 
Ausführung, Versetzung ganzer Abschnitte, Zuthaten, welche nur 
von Späteren herrühren können, andere, die zwar aristotelisch, aber 
ursprünglich nicht für diese Stelle bestimmt scheinen, Wiederho- 
lungen, die sich einem sonst so sparsamen Schriftsteller schwer 
zutrauen und doch auch kaum von späterer Interpolation herleiten 
lassen 1 ]. Zur Erklärung dieser Erscheinungen reicht aber Strabo's 
Erzählung schon desshalb nicht ans, weil sie sich auch bei sol- 
chen Schriften linden, welche nachweisbar vor Apelliko im Umlauf 
waren, wie die zwei logischen Abhandlungen, die Physik und die 
Ethik; und wenn uns die Benützung und das Verständniss der ari- 
stotelischen Werke dadurch allerdings erschwert wird, so lässt sich 
doch wenigstens ein Theil der Lücken, von denen unsere Kenntniss 
des Systems dadurch bedroht ist, aus anderweitigen Aussagen des 
Philosophen und ans dem ganzen Zusammenhang seiner Lehre aus- 
füllen. Der Schaden, welcher uns aus diesem Zustand unserer Quel- 
lenschriften erwächst, ist immerhin empfindlich genug, aber er ist 
doch nicht so durchgreifend, als man wohl geglaubt hat. 

1) M. vgl. hierüber, wu früher über den letzten Abschnitt der Katego- 
rieen (S. 61), Kap. 14 jt. 'Epjurveütf (51, 1), B. II der Rhetorik (56, 3), B.VII 
der Physik (S. 61), einige Kapitel von der Seele {66, 2), die Abhandlung von 
den Sinnen (67, 1), die Ethik (72, 2), die Poetik (76, 1), namentlich aber, was 
über die Metaphysik (56, 4) bemerkt wurde, nnd wu noch später von der Po- 
litik zu zeigen sein wird. 



JigilizBdby G00gle 



Esoterische n. exotefiaahe Schriften. 95 

Sind aber die Schriften des Philosophen, weiche wir besitzen, 
überhaupt eine ausreichende und zuverlässige Urkunde seiner wis- 
senschaftlichen Ansichten? Diese Frage würde wohl schwerlich 
irgend Jemand aufgeworfen haben, wenn nicht das herkömmliche 
blinde Vertrauen auf miss verstandene oder irrthumliche Angaben 
aller Schriftsteller die späteren Gelehrten noch bis in die neuere 
Zeit herab an der unbefangenen Untersuchung einer an sich ziem- 
lich einfachen Sache verhindert hätte ')• Aristoteles bezieht sich in 
seinen Schriften öfters auf „exoterische Reden", ohne doch den- 
selben esoterische gegenüberzustellen *). Spatere wissen , wie von 
zweierlei Lehrvorträgen *) , so auch von zweierlei Schriften des 
Philosophen, den esoterischen oder akroamatischen und den exote- 
röchen*). Im Besonderen wird der Unterschied beider theils in 
ihrer Form gesucht, theils in ihrem Gegenstand, theils in ihrer Be- 
stimmung. Die Form soll bei jenen eine streng wissenschaftliche 
gewesen sein, bei diesen eine populäre 5 ), im Anschluss an die ge- 
wöhnlichen Vorstellungen 8 ), und näher die dialogische '); der Gegen- 

1) M. vgl. zum Folgenden die gründliche Erörterung Stahr's : lieber den 
Unterschied esoterischer und eaoteriacher Schriften d. Ariat, Aristotelia II, 
235 ff., der auch die frühere Literatur gibt Ritter III, 21 ff. Brakdis gr.-röm. 
Flui II, b, 101 ff. Eavaissi» Metapayßiqiie d' Ariatote I, 209—244. 

2) Die sftmmtliohen Stellen sind tiefer tuten angeführt. 

3) 8. o. 36, 2. 

4) Not iwei nnauvetllssige Atwleger der Ethik, Edstbat. 90, a, n. und 
dn angebliche Anuisosikii» 8. 69, deuten den Aludruck: i&uwputol X6-jm bei 
Ariitoteles sieht von Schriften, jener vielmehr von der gemeinen Meinung, 
üeaer von mündlicher Belehrung. 

5)Stkabo XIII, l, 64. 8. 609: weil die Peripatetiker nach Theophraat 

•eine und Aristoteles' Schriften nicht hatten, nXJjv oUftn *s\ |aAXi«t« tüv ilia- 
'-raawv, so begegnete es ihnen, pjSiv ifuv ?iXoaetptiv npxr[ACTixü( ( wissen sohaft- 
lioli), i'O.1, Mn« Xi)»w6(&w. Cic. Flu. V, 6, 12: über daa höchste Out gebe ea 
'on Aristoteles und Theophraat zweierlei Schriften, unum [teil. JWMIlJ gtuxi 
popidarittr scriptum est, qued ctwupixav appeUabant, alttrum limatiut, quod MI 
'"raentoriM rvliqwerutit ; im Wesentlichen aümmen aber diese mit jenen über- 
all. Suu-l. Phys. 2, b, m: die arist, Schriften zerfallen in die akroamatieohon 
"""* die esoterischen, ola t& faropowi xji t& SiaXoYwi *«i SXiu; ti u.)] öxpxt üpc- 
j<«< fpevriCovra. Amhok. n. Phildf. a. A. 7. 8. 06, 2. 

6) Auex. Top. CS, m: Ariat. rede bald Xo-fixiS;, so das» er die Wahrheit 
abwiche entwieble, bald JhaXcxnxeSt *pb{ S6fav. So in derTopik, den fij-tooixä 
«ad den oVnpcxA, xdi fif h ixtivoi; bXSiot.« xa'c xtpl twv Tj8mfiiv *«\ nsp\ tüv «pu- 
*4» fr«E«( Xtytm. (David SehoL in Ar. 24, b, S3 entstellt dieaa dahin, dasa 



98 Aristoteles. 

stand für die einen die Metaphysik, Physik nnd Dialektik, für die 
andern Politik und Rhetorik l ); ihrer Bestimmnag nach seilen die 
esoterischen auf den engeren Kreis der aristotelischen Schüler be- 
rechnet gewesen sein, die esoterischen auf den weiteren der ganzen 
Lesewelt *). Hit dieser Angabe verknüpft sieh dann die weitere 



Aristoteles nach Alexander fc [iiv to1( ixpoafnmxtf![ to SoxoOyth aOtß Mrti i« 
th äXtflfi , iv Ei to1( 3i«Xo-fingt( ik Silo« ioxoSna t& <$<udiS.) Bimtu Fhya. IM, 
a, in : i£uTcpixä 8i eoti ilitoi xol 61* i>3ä£<ov ntpaivi|uv« iXXi jlJj ösoSuxttaa 
|ii]!l äxpoajj.aTix«. Ebenso Philop. pbys. s, 4, m, 

T) Schon Cicero hat ohne Zweifel die Gesprlche im Ange, wenn er nagt 
(ad Att. IV, 16), in den esoterischen Schriften wende Aristoteles ProCmlen au; 
Tgl. ad Att. XIII, 19. ad Dir. I, 9,28. Bestimmter Plut. adT. Col. 14,1.8.11(1: 
iv to1( ^Sixolj Jnoy.tfytt.an (was hier, wie Cicero'» mximatiarii, die fortlaufende 
wissenschaftliche Darstellung bezeichnen musi), i* vAt vuiuitt, Bii twv Zfa- 
Tiptxüv SiaAÄyüiv. Amhon. in Categ. 6, b (bei Stahk a. a. 0. 255): von den gyn- 
tagmatisehen Schriften seien die einen aiwnpdjtujta x>\ ixpo«|i«nxa, die andern 
Iioioyni xa\ ^Euitep ixi. Jene seien fQr die -f"! 3 "" äxposral, diese itpb; tS)v tu* 
koXaiuv üoAfiav geschrieben. In den akroanialisohen Schriften begründe Arist. 
Keine Ansichten mit streng wissenschaftlicher Beweisführung , in den dialogi- 
schen spreche, er zwar auch seine Ansicht aus, ill' oü St' asooeix'Rxiüv iw/_ji- 
pTIfiaTuv, lai oT; oloi rftloiv ot itoUti napaxoioufitli . Das Gleiche, offenbar nach 
Amuohilb, Divid Schol. in Ar. 24, b, 13. 

1) Gell. N. A. XX, 5: Arist. Vortrag« and Schriften Eerfielen in iwei 
Klassen, die iEtuupua nnd die «xpoatua. 'Eljwttptxa diecd&ntur quae ad rheta- 
rieat meditatirmei facultaicnvque argtttiamni (die Topik) eimÜMmaae rennt no- 
titiam ctmdueebant , äxposiixn avien voeubantur m jmühs pAüoiop/uo remotür 
lubtüiorque (Metaphysik) ojifcjiofttr quaeque ad natura* eoniemplatiowta ditaep- 
tatiimtnque diabetica* ptrtinebant. Diesen sei im Lycenm der Morgen, jenen 
(wie anch Quintilun III, 1, 14 angiebt) der Abend gewidmet worden. IÄbro* 
quaijue «*os, earum omnium rervm rammwlunoi, teortim dividt, ut aUi exoM- 
riä dierrentur partim acroatieL Hierauf das 6. 19, 3 erwähnte Geschichtchen 
von Alezanders Beschwerde über die Herausgabe akratischer Schriften und 
Aristoteles Antwort: sie seien herausgegeben und nicht herausgegeben; fu«io\ 
f op t?oi fuivoi; totf ji[uuv oxoiijaaiv. Diese Bestimmung über das Verhältnis! des 
Esoterischen nnd Akroamatischen scheint »ugieieb mit den beiden Briefchen 
aus Androntkna entlehnt au sein, denn eine ähnliche Angabe hat Plut. Alex. 

0. 7, (s. u.), indem er lieh gleichfalls auf jene Briefe besieht, nnd der- 
selben Quelle folgt wohl auch Quintilian. Vgl. Ravaisson Metaph. d' Arist 

1, 216 f. 

2) Galen de subst. facult. uatur. Bd. IV, 760 K.: 'ApioroteÄoui I) 0sgflj pe> 
etau TB [isv toi; noXXoij vrrpafo'Tiov Tai & Äxpoorauj T0l( iwiLpois. Amiiok. n. Di- 
TD,s.rorl.Anm. Pmwr. De an. E, 2, n>; Tai^uittptaa nvrypiuitaTB, in sie« xit ot 
iiiXopt, tun &ESSi)|i»{, nwp Bis toDto ttutipw« atxXq^si, S« oi spitwutfoioioiK 



Esoterische nnd exoterliehe Schriften. 97 

Vorstellung, dass Aristoteles die esoterischen Schriften, um sie für 
Andere, als seine Schüler, unverständlich za machen, absichtlich 
dunkel geschrieben '), oder duss er und seine Schüler dieselben vor 
Uneingeweihten verborgen haben *). Wären alle diese Angaben 
geschichtlich, so entstände allerdings die Frage, zu welcher Klasse 
der Schriften die vorhandenen gehören, und inwiefern sich demnach 
erwarten lasse, dass sie die Ansichten ihres Verfassers treu wieder- 
geben. Auch in diesem Fall freilich würden wir kaum für sie zu 
fürchten haben. Denn soll das unterscheidende Merkmal der exote- 
rischen Bücher in der dialogischen oder überhaupt in der populären 
Form liegen , so findet sich diese bei keinem einzigen von denen, 
welche wir haben; soll es im Gegenstand zu suchen sein, so könnten 
immer nur die wenigsten derselben, etwa die Rhetorik und die 
Poetik, und höchstens noch die Politik und die Ethik, den esote- 
rischen zugezählt werden 8 ). Ganz unbedenklich wäre die Sache 

npoKils ifp&fij, äXX' st; rijv xoivjjv xsl -rijv tflv itoXXSv (LyÖ.Eiav. Eine eigen- 
tümliche Modifikation dieser Uutersclioidnng finden wir in der Annahme 
(Eübtiat. in Eth. N. SS, a, o. Anon. SohoL in Ariik 487, b, 1, wo swischen die 
npo«|iaTixi u. E&onpixi aufTpififiata noch Iratpixi, an die Freunde de* Philo- 
wphen, eingeschoben werden), dass die akroamati sehen Schriften für die ■f w i" 
noijinSnTat, die esoterischen oder encjklischen für Einzelne ausser der Schule 
uf besondere Anfragen geschrieben worden seien. 

1) Schon dem vorhin erwähnten unterschobenen Schreiben des Aristoteles 
u Alexander liegt diese Vorstellung zu Grande. Weiter Tgl. m, Thbmist. or. 
XXVI, 319, A ff.: Arist habe für die Masse nicht dieselben Beden passend ge- 
funden, wie für die Philosophen, und desshalb jener die höchsten Geheimnisse 
leiner Lehre (die -üsa Ufa, das |MMTcxbV) durch Dunkelheit entzogen. Sikm. 
Fuji, 2, b, m. mit Beziehung auf die eb engen annten Briefe: iv to"; äxpostiiari- 
hSs iiiotiev jicm|Stun n. s. w. Daher Lbcun Y. auet. c. 26: Arist. sei ÄutXoOj, 
■äJj.t.4 uiv ö iVrooBiv <f oinijuvo; xXXoc 8t ö iWiafliv, esoterisch und esoterisch. 

2) So Plut. Alex. c. 7 : lotxe S' 'AWEavBpos ab fitfuov tov ^flixöv xat jcolrrutov 
Mpalapitv X6yov, äüa xai rälv httoffäuw xal ßetputEpiuv [jänBvT.] BiSaaxaXiSv , £( 
»i«vSpt( ßua; cbtpan[io:nxa; xa"l £jt07UTixä( (wie bei den Mysterien) jtpot«Y°pEiiov- 
n; oix fl-fstpov st; iroXXotij, juraiiv Etv. Clembmb Strom. T, 575, A: nicht allein 
die Pytbagoreer und Piatun iker, sondern alle Schulen haben Oeheimlehren nnd 
Geheimschriften , auch von den aristotelischen Werken seien die einen esote- 
rische, die andern x&ivi ■a xa\ ifiiuiepixi. In demselben Sinn wird Rhct. ad Alex. 
*■ 1. 1421, a, 26 ff. Aristot- von Alexander um strengste Geheimhaltung dieser 
Schrift ersucht, welohe er seinerseits jenem gleichfall* rar Pflicht macht. 

8) Aach die nikoinachlsche Ethik nennt aber Cio. Pin. V, 5, 12 oeeuraJe 
T-pti de inoräm* UM, was offenbar mit dem früher Ton den sog. esoterisch*» 
Fliikn. d. Gr. II. Bd. 1. Anth. 7 



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98 Aristoteles. 

aber in diesem Fall doch nicht. Wenn die esoterischen Schriften 
darauf angelegt waren, nur den Schülern verständlich zu sein, wer 
verbürgt uns, dass wir den Schlüssel für sie besitzen? wenn die- 
selben gar, wie behauptet wird, unter strengem Verschluss lagen, 
ist nicht zu besorgen, dass ihnen das Schicksal der theophrastiscben 
Bibliothek am Ende doch grösseren Schaden gebracht habe, als wir 
zugeben wollten? Indessen sind auch diese Bedenken überflüssig. 
Schon die Widersprüche der Angaben über die zwei Klassen vor 
Schriften beweisen, dass wir es hier nicht mit einer zuverlässigen 
Ueberlieferung zu thun haben. Einen Theil derselben könnte man 
zwar, wie diess theilweise auch schon die Alten thun , miteinander 
verknüpfen. Die esoterischen Schriften, könnte man sagen, sind 
die, welche Aristoteles für einen grösseren Leserkreis, auch ausser 
seiner Schule, bestimmt hatte. Dieser ihrer Bestimmung gemäss be- 
diente er sich in ihnen theils einer gemeinverständlichen Form,. und 
so namentlich der Gesprächsform, theils beschränkte er sich darin 
auf solche Stoffe, welche diese Behandlung znliessen. Andere Werke 
dagegen, die sog. esoterischen, an die systematischen Lehrvorträge 
des Philosophen sich anschliessend, zogen alle Gegenstände der 
Forschung ohne Unterschied, vor Allem natürlich die tiefsten grund- 
legenden Untersuchungen, in ihren Bereich, um sie mittelst eines 
streng wissenschaftlichen Verfahrens in schmuckloser Sprache zu 
beantworten. Diese Werke, zunächst nur für die Schüler des Philo- 
sophen bestimmt, wurden ausserhalb der Schule nicht ausdrücklich 
verbreitet, und aus demselben Grunde hatten sie auch an sich selbst 
eine solche Haltung, dass sie zu ihrem vollen Verständniss den 
mündlichen Unterricht des Philosophen voraussetzten. Wiewohl aber 
eine solche Vorstellung von der Sache das Verhältniss der streng 
wissenschaftlichen Schriften zu den populären ohne Zweifel nicht 
unrichtig bezeichnen würde, so lässt sich doch für die oben ange- 
führten Angaben über Esoterisches und Esoterisches der Vorzug 
einer sicheren Ueberlieferung auch auf diesem Wege wohl schwer- 
lich gewinnen. Denn sobald wir genauer zusehen, widersprechen 
sich dieselben fast auf allen Punkten. Die Einen lassen die esote- 



Büthetn gebrauchten geruu tibrorv/m limaiän scriptum zusammen fkllt, and 
Aristoteles selbst Potit III, 12. 1282, b, 19 sagt: t*i? XKict «Awoipfav W-pis, & 
oft Swuptorei nip't tu» ^Qixüiv. 



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Esoterische und eiotociiehe Schriften. . 90 

rischeil Schriften auf die peripateüsche Schule beschränkt sein, An- 
dere, und darunter die Alteste Nachricht bei Andronikus, wissen von 
solchen Schriften, welche Aristoteles selbst herausgab. Die Einen 
unterscheiden sie von den esoterischen blos durch ihre Form, so 
dass ein und derselbe Gegenstand Cwie z, B. nach Cicero die Ethik) 
sowohl esoterisch als esoterisch behandelt werden konnte; Andere 
behaupten, ihr Unterschied beziehe sich auf den Inhalt, die rheto- 
rischen topischen und politischen Schriften seien als solche exote- 
rische, die logischen metaphysischen und naturwissenschaftlichen 
esoterische. Was endlich jene Form selbst anbelangt, so wollen die 
Einen alle populär gehaltenen Darstellungen, Andere nur die Ge- 
spräche als esoterisch betrachtet wissen. Wo die Zeugen Aber eine 
and dieselbe Saehe so vielfach von einander abweichen, da lässt 
sich kaum annehmen, es haben ihnen genauere Nachrichten darüber 
vorgelegen, das Wahrscheinlichere ist vielmehr, dass ihnen als ge- 
meinsame Grundlage ihrer Aussagen eben nur die allgemeine Vor- 
aussetzung des Unterschieds von esoterischen und esoterischen 
Schriften gegeben war, welche sie nun nach eigener Vermuthung 
weiter aasführten. Diese Voraussetzung selbst aber erscheint um so 
unsicherer, da wir uns überhaupt eine strenge Scheidung der beiden 
Gattungen kaum denken können. Soll der Gegenstand den Einthei- 
longsgrund abgeben, so liegt am Tage, dass sich ein und derselbe Stoff 
sowohl strengwissen schaftlich als populär behandeln Hess; und so 
wird uns ja auch ausdrücklich berichtet, es seien Grundfragen der 
Ethik, der Theologie und der Anthropologie in beiderlei Gestalt von 
Aristoteles besprochen worden l ). Soll das unterscheidende Merkmal 
der esoterischen Schriften in der Gesprächsform liegen, so sieht 
man nicht ein, warum andere gleichfalls gemeinverständliche Dar- 
stellungen *) davon ausgeschlossen sein sollten; will man dasselbe 
in der populären Form überhaupt suchen , so erhebt sich das Be- 
denken, dass die Grenze zwischen populärer und strengwissen- 
scbaftlicher Darstellung eine fliessende, und desshalb eine Verthei- 
laog der Werke in die zwei Schriftgattungen kaum durchführbar ist; 

1) lf. b. 8. 95, 6 und tu S. 58 f. 43, 2 über die Schrift ron der Philo 

inphie und den Eudemng bemerkt wurde, such Sehol. in Arist 4ST, b, 8, 

2) Wie die Politieen, ic, BjwAttaj, 'OXu|uctovutai, ItuOiovfeat, napaqilw, und 
»ohl ein grosser Theil der kleineren ethischen AufJjUtzu, bo weit diese Seht 
«wen. 

7 » 



JigilizBdby GoOgle 



100 'Artstotelei. 

ans unserer Sammlung selbst z. B. werden die Topik, die Rhetorik, 
die Ethik und die Politik als populäre Schriften bezeichnet *), wäh- 
rend es doch Aristoteles in ihnen allen auf eine wissenschaftlich er- 
schöpfende Behandlung seines Gegenstands abgesehen hat. Wird 
endlich behauptet, die esoterischen Schriften seien nur Mitgliedern 
der peripatetischen Schale mitgetheilt worden, so ist diess offenbar 
falsch: nicht allein weil von Hehreren, und darunter gerade von den 
ältesten Zeugen '), die Herausgabe solcher Schriften berichtet wird, 
sondern auch weil dieselben, wie oben gezeigt ist, von Anfang an 
auch ausserhalb der peripatetischen Schule gebraucht wurden. Soll 
andererseits ihr Inhalt von Aristoteles absichtlich durch eine dunkle 
Darstellung dem gemeinen Verständniss entzogen worden sein, so 
widerspricht dem, selbst abgesehen von der Ungereimtheit der Sache, 
der Augenschein: die Schwierigkeiten der aristotelischen Werke 
liegen weit weniger in der Darstellung, als im Inhalt; die Sprache 
und Darstellung dagegen ist für jeden, der solchen Untersuchungen 
überhaupt zu folgen im Stande ist, klar genug, ja sie zeichnet sich 
durch Bestimmtheit und Genauigkeit in hohem Grad aus; und wenn 
nichtsdestoweniger manches Einzelne dem Ausleger Muhe macht, so 
wird der Grund davon in allem Anderen eher, als in der Absicht des 
Schriftstellers zu suchen sein, welcher vielmehr durch eine fest aus- 
geprägte Terminologie, durch scharfe Begriffsbestimmungen, durch 
Erläuterungen und Beispiele, durch methodischen Fortschritt der 
Gedanken dem Verständniss des Lesers zu Hälfe zu kommen sicht- 
bar bemäht ist. Wird nun schon durch diese Erwägungen der Glaube 
an die Ueberlieferung über esoterische und exoterische Schriften aufs 
Aeusserste erschüttert, so muss derselbe vollends zu Fall kommen, 
wenn wir uns überzeugen, dass Aristoteles selbst in den hergebö- 
rigen Stellen setner Werke jenen Unterschied nicht gemacht, dass 
er aber darin zugleich hinreichenden Anlass zur Entstehung der 
späteren Annahmen geboten hat. Alle diese Stellen gestatten, meh- 
rere fordern eine solche Erklärung, dass unter „exoterischen Reden" 
nicht eine eigene Klasse populär geschriebener Bücher, sondern nur 
überhaupt solche Erörterungen verstanden werden, welche nicht in 
den Bereich der eben vorliegenden Untersuchung gehören 0, und 

1) Tod Alsxasder, Gblliub und Pmtabch; a. 8. 95, 6. 96, 1. 97, 2. 

2} Andronikus und die von ihm benutzten Briefe, b. S. 96, 1. 

8) Gui klar Ist diese Bedeutung du Aiiadruoks wnaclist Phra. IT, 10, 



Esoterische und axoterisehe Schriften. IQf 

der gleiche Sprachgebrauch in Betreff des Exotsrischeu lässl sich 
auch anderwärts, sowohl bei Aristoteles ") als bei Eudemus *), nach- 



Auf.: E£dji£vov & tu« eEpijpiviiM fottv £keX8ew «pi ygtvw npeirmi Si ictXüf tfti 5t«- 
jropijaau n£p\ aStou xett Bii tüiii ^üiTEpuiv Xdvuv. Die ^(ut. X^yoi beteichnen hier 
die unmittelbar folgende Erörterung, weiche in demselben Sinn exoteriach ge- 
nannt wird, in dem Aristoteles sonst auch das Logische dem Physischen ent- 
gegensetzt, weil sie nioht von bestimmten Tbatsachen, deren Betrachtung der 
Physik eigentümlich ist, sondern Ton gewissen allgemeineren Annahmen übsr 
die Zeit aasgeht. An esoterische Schriften kenn hier nicht gedacht werden. 
Aur.h_Mc.taph. XIII, 1. 1076, a, 28 werden wir nicht wohl an solche denken 
können. Ueber die Ideenlehre, sagt hier Arist. , wolle er sich nur kurz erklä- 
ren; Tt8piiU,i]Tai -jap ti jmXX« xotl iso tS» ££wMpwöv Idytov. Die Kritik der 
Ideenlehre eignete sich aber gewiss am Wenigsten für populär« Schriften; Arist. 
wird daher wohl eher solche Erörterungen im Auge haben, wio sie nns Phye. 
II, 2. 193, b, 35 ff. IV, 1. 209, b, 33. gen. et corr. II, 9. 336, b, 7. Eth. N. I, 4 
(um die zahlreichen Stellen der Metaphysik selbst in übergeben} begegnen; na- 
mentlich aber das, was er in den Büchern Ton den Ideen (s.o. 48,2) ausgeführt hatte, 
die Allem nach nicht zu den populären Werken gehört bähen. Polit. VII, 1. 
1323, a, 21 (vQuIaavrat oiv IxcnSc xoXXä Xrficdai xal tüv h tolf ^wnpudk Xd- 
■fon xcp\ Tijt äpi'oiT]! C<d?,( »gl vöv xpqar&v iJroij) wird man am Passendsten auf Eth, 
N. I, 6 ff. X, Ö ff. beziehen, zwei Ausführungen, Ton denen namentlich die erste 
mit dem hier Angeführten genau stimmt; da es doch gar zu unnatürlich wlre, 
»nf anderweitige minder wissenschaftlich gehaltene Schriften zu Terweiseo, 
und die eingebenden Untersuchungen eines Werks, welches Arist. selbst mit 
der Politik in den engsten Zusammenhang setzt, zn übergehen. Ebd. III, 6. 
1278, fa, 30 scheinen die ££ui. Iripi nicht auf bestimmte: Schriften, sondern auf 
die Annahmen und den Sprachgebrauch, welche anch ausserhalb der Wissen- 
schaft gelten, zu gehen; ebenso möglicherweise Eth. N. VI, 4, Anf.: ntarufoptt 
8 iapi ceütcüv (der Unterschied von jtobjtri; und jtpa&s) xst tels i^tutcpixoT: Xdfoif, wie- 
sohl anch Aristoteles diesen Gegenstand ausser Hetaph. VI, 1. 1026, b, IS ff. c.2. 
1026, b, 5 schon Top. VI, 6. 146, a, 15. VIII, 1.157, a, 19 und vielleicht anderswo 
noch eingebender berührt hatte. Auch Eth. N. I, 13. 1102, a, 26 ist wohl nicht 
die Stelle De an. III, 9. 432, a, 22 ff. gemeint, sondern entweder andere Schrif- 
ten de« Verfassers, oder wahrscheinlicher die sonst rerbreiteteten Annahmen: 
die Unterscheidung eines unvernünftigen und eines vernünftigen Theila in der 
Seele ist ja zunächst platonisch, und wird von Aristoteles a. a. O. nicht unbe- 
dingt gutgeheissen. 

1) Polit. I, 5. 1264, a, SS: iXXi tbCii u«v Tome ftottpiiwrlpac ioxt cxfijttoc 
(gebort nicht eu der gegenwärtigen Untersuchung). Vgl ebd. II, 6. 13S4, b, 
39: in der Bepublik hat Plato nur unvollständig von der Gesetzgebung ge- 
handelt, -zx 3' öXXa rtfi; sijiufle» Xdyois itenXiIpiüxi tbv X6ytn. Die üjioSiv Xdvot, 
welche offenbar ganz dasselbe sind, wie \6-jm süiuuputdl, enthalten in diesem 
Fall gerade die specnlatirsten Untersuchungen. 

2) In der Stelle des Eudemus, welche Sinn.. Phys. 16, b, a. vgL ebd. o. 



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102 Aristoteles. 

weisen ')■ So wenig man sich aber hiernach för die spiteren An- 
gaben auf Aristoteles zu berufen ein Recht hat, so begreiflich ist es 
doch, wenn seine Aeusserungen, welche ja theüweise wirklich auf 
gewisse Schriften gehen, in der Folge durchweg von solchen ge- 
deutet, und nun die Werke des Philosophen nach dem Unterschied 
des Esoterischen und Esoterischen eingeteilt wurden; wobei aber 
eine Verschiedenheit und theüweise Unvereinbarkeit der Ergebnisse 
um so weniger ausbleiben konnte, da es eben an einer wirklichen 
Ueberliefbrung über diesen Gegenstand fehlte, und da bald auch das 
Vorurtheil von dem Schulgeheimniss der alten Philosophen weitere 
Irrungen hereinbrachte. Für geschichtlich kann nur das gelten, dflss 
Aristoteles neben den streng wissenschaftlichen auch gemeinver- 
ständlichere Werke geschrieben hat 1 ), und dass namentlich seine 
Gespräche ganz oder grösstentheils dieser Art waren. Aber diese 
Einteilung ist keine feste; die einzelnen Werke gehören nicht immer 
in die eine oder die andere Klasse, sondern viele liegen zwischen 
beiden in der Mitte, nähern sich der einen Darstellungsweise mehr, 
der anderen weniger an, verbinden populärere und wissenschaft- 



anfilhrt, werden die Worte des Aristoteles Phys. I, 2, 185, b, 11: fysiB' mopim 
lufft toO jjipou( x«\ toü SXou, Iitm( Ei oü npo; ti>v 16-fov (ÜA 1 «Mjii x«S' «urijv, 
■o wiedergegeben: Hjei 8e oitb tqüto äjtopiav i^iotepixifv. Ein BfjürrEptxav ist 
also, was nicht dieses Orts ist. Aach in der endemischen Ethik wird der Aus- 
druck: e^u>T. Xdfot nicht anders gebraucht, als bei Aristoteles. IT, l,Anf. heisst 
es von der Eintbeilnng der Qüter in Äussere und geistige: xi6«cep EiaipotS^ESa 
xsjt e*v tü!( ^nrt*pixoi[ Wp«, I, 8. 1217, b, 22 von der Ideenlehre', hvhutent Et 
jtoXXoT( rapt OiItoü tposotf xot tv TÖts JEiutEpHitilc X6f Ol; xa\ ev tu"; xorä ^ikonifiai. 
In der ersten Stelle können die $iax. Aiyui nnr das Gleiche bezeichnen , was 
Eth. N. I, 8, Anf. tä XE-fdu^v« heisst, die gewöhnlichen Vorstellungen, in der 
zweiten wird der Ausdruck anf solche Erörterungen (mündliche oder schrift- 
liche) geben , welche nicht so erschöpfend und ausdrücklich auf die Ideenlehre 
eingehen können, wie die logisch-metaphysischen Untersuchungen, die S-.sTpijM) 
Xo-pn(u;='pa, nie os vorher heisst. Vgl. auch Fritzscrb z. d. 8t. 

1) M. vgl. sneb Themist. De an. 66, a, o.: Tour« pb eTjwBev Stjjpjjaöü) oä 
Xi'av övta tfji KpoxcipiviK jcpaY|*a-re!«5 öXMTpia- bUMdw Be BAev h X^o;. Das 
Eiotorische ist auch hier, wie bei Endemus, was oO «pbs tov Xd^ov ist 

2) Auf solche populärere Schriften bezieht Siupl. Schol. 487, a, S auch 
den Ausdruck e^xiixita, E^xüxXiot f&oaof^pxvi. Eth. N. I, 3. 1096, a, 2. De ooelo 
I, 9. 279, a, 30, der aber wenigstens in der zweiten von diesen Stellen anf gar 
keine bestimmten Werke in gehen scheint. Hockst ungereimte Erklärungen 
dieses Ausdrucks finden sich Sohol. 487, b, 1 ff., bei Ecbthat. in Eth. N. 10, 
a, m. und in dem Scbolium bei Brahdib gr.-röra. Phil. H, b, 107, A. 174. 



Abfaaaungsaeit d. Schriften. 109 

liebere Ausführungen; dass Aristoteles vollends in einem Theil sei- 
ner Schriften seine eigentliche Meinung verborgen, oder dass seine 
Schüler dieselben der allgemeinen Kenntniss entzogen haben, lässt 
sich durchaus nicht annehmen. 

Um schliesslich noch die Abfassungszeit und die Reihenfolge 
der aristotelischen Schriften ') zu berühren, so haben wir uns 
schon früher 8 ) überzeugt, dass Aristoteles bereits während 
seines ersten Aufenthalts in Athen als Schriftsteller auftrat; dass er 
diese Thätigkeit auch in Atarneus Mitylene und Hacedonien fort- 
setzte, lässt sich wenigstens vermuthen ')■ Von den erhaltenen 
Schriften jedoch wissen wir durchaus nicht, ob ein Tbeil derselben 
aas dieser früheren Zeit stammt. Weit die meisten von ihnen schei- 
nen jedenfalls dem zweiten athenischen Aufenthalt anzugehören, 
oder wenigstens erst damals vollendet worden zu sein , wenn auch 
ohne Zweifel schon früher Vieles für sie vorbereitet war. Diess er- 
giebt sich theils aus einzelnen Spuren ihrer Abfassungszeit, welche 
nicht blos für die Werke, in denen sie vorkommen, sondern auch 
für alle späteren beweisen *), theils aus dem Umstand, dass sich in 

i) Buuut II, b, 114 ff. 

2) S. 43, 2. 86, 1. 

8) Bestimmte Angaben haben wir «ber nur über die Schriften %. BaaileEac 
nnd iirep 'Axofxuv; s. S. 19, 2. 

4) So geschieht Meteor. 1, 7. 345, n, 1 eines Kometen Er wShnnng, welcher 
unter dem Archon Nikomachns (0). 109, 4. Sil v. Chr.) in Athen sichtbar 
war, indem »ein Lauf und Standort genau, wie aus eigener sptterer Erkundi- 
gung, angegeben wird. Die Politik berührt nicht blos den heiligen Krieg wie 
st*« Vergangenes (V, 4. 1304, a, 10), nnd den Zug dea Pbslakns nach Kreta, 
welcher am Bohlnss desselben, tun OL 108, 3 stattfand (Diodor XVI, 62), mit 
einem vamrA (IT, 10, Schi.), sondern auch V, 10. 1311, b, 1 die Ermordung 
Philipp's (336 v. Chr.), nnd ewar letztere ohne jede Andeutung davon , dass 
■ie der neuesten Zeit angehöre. Die Rhetorik bezieht sich II, SS. 1397, b, 81. 
1399, b, 13 ohne Zweifel auf Vorgänge aas den Jahren 838—336 v. Chr.; 111, 
17. 1418, b, 27 führt sie Isokrates' Philippas (345 v. Chr.) an; von derselben 
ieigt Humum (Philologue IV, IOC), dass die vielen in ihr angeführten attischen 
Bedner, welche jünger als Demosthenes sind, kleinsten Theils vor Aristoteles' 
erste Abreise von Athen gesetzt werden können, und das Gleiche wird von 
den «ahlreicben Werken des Theodektes gelten, welche hier und in der Poetik 
benntst sind. Metapb. I, 9. 991, a, 17. XII, 8. 1078, b, 17. 82 wird von En- 
duns und dem noch jüngeren Kallippus, Eth. N. VII, 14, 1158, b,5. X,2,Anf. 
Ton Speusipp undEndoxus so gesprochen, als w&ren sie nicht mehr am Leben. 
Teil der Tfaiergescbichte hat Boss (Arial, libr. ord. 212 ff.) ans TOI, 9. II, 6, 

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104 Aristoteles. 

ihnen manche Beziehungen auf Athen und selbst auf den Ort des 
aristotelischen Unterrichts finden '}■ Noch entscheidender ist aber 
vielleicht die Wahrnehmung, dass in dieser ganzen so umfassenden 
Sammlung kaum irgend eine nennenswerte Aenderung in den An- 
sichten oder der Terminologie zu bemerken ist. Alles ist so reif und 
fertig, Alles stimmt bis in's Einzelste so vollständig fiberein, die 
wichtigsten Schriften sind untereinander, mit wenigen Ausnahmen, 
tbeils durch ausdrückliche Verweisungen, theils durch ihre ganze 
Anlage in einen so engen Zusammenhang gesetzt, dass wir in innen 
nicht weitauseinanderliegende Erzeugnisse verschiedener Lebens- 
perioden, sondern nur das planmässig ausgeführte Werk einer Zeit 
sehen können, in der ihr Verfasser, mit sich selbst vollständig zum 
Abschluss gekommen, die wissenschaftlichen Fruchte seines Lebens 
zusammenfasse, und auch von den früheren Arbeiten diejenigen, 
welche er mit den späteren verknüpfen wollte, einer nochmaligen 
Durchsicht unterwarf. 

Es fuhrt diess auf die weitere Frage nach der Abfolge und dem 
Zusammenhang der einzelnen Schriften. Diese Untersuchung ist uns 
nun freilich dadurch erschwert, dass die Verweisungen derselben 

Auf. u. a. 6t. gezeigt, dass sie erst einige Zeit nach der Schlacht bei Arbela, 
in welcher den Mazedoniern stierst Ekphantun in Gesicht kamen, und wahr- 
scheinlich nicht vor dem indischen Feldzug, verfaset (oder doch vollendet) sei. 
Dass aber andererseits auch viel Früheres mit einem vuv angefahrt wird, wie 
Meteor. III, 1. 371, a, 30 der eplieeinise.be Tempullirand (Ol. 106, 1. 356 V. 
Chr.), Polit. V, 10. 1312, b, 10 der Zog Dio's (Ol. 105, i f.), kann bei der Un- 
bestimmtheit dieses Ausdrucke nichts beweisen. Ebensowenig folgt ans AnaL 
pri. II, 24, dass Theben damals noch nicht zerstört war; eher konnte man ans 
Polit. III, 5. 1278, a, 25 für diese Schrift das Gegentheil abnehmen. 

1) Vgl Beakdib gr.-rüm. Phil. II, b, 116. Ich nutze hier hei, was mir 
ausser dem eben Angeführten Derartiges anfgestossen ist, ohne jedoch damit 
auf Vollständigkeit Anspruch zu machen. Kateg. c. 3, Schi.: to Si noB, cüov 
tv AuxEt'ii). Anal. pri. II, 24: Athen und Theben, als Beispiele von Nachbarn. 
Ebenso Fbys. III, 3. 202, b, 13. Ehd. IV, 11. 219, b, 20: "b sv AuKetiu tW Mo- 
taph. V, 5. 30. 1015, a, 25. 1025, a, 25: A kXe&jeu cl« Atyvftv, als Beispiel einer 
Geschäftsreise. Ebd. V, 24, Schi.: dieathenischenFestederDionvsien undThar- 
felien (auch der attischen Monate bedient sich Arist. z. B. Hist. an. V, 11 u. 
o-, doch will ich darauf kein Gewicht legen). Rhet II, 22. 1396, a, 7: üvw 8' 
oTov jcüj iv &>v«|ufc «uu.8oiAeueiy 'Xhjialoa a. s. w. Ebd. III, 2. 1404, b, 22. 
Polit. VII, IT. 1336, b, 27: der Schauspieler Theodorus. Auch die Bemerkung 
über die Corona borealis Meteor. II, V. 362, b, 9 pusst, wie Ideleb z. d. St. 
I, 567 f. zeigt, für die Breite von Athen. 



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Beikenfolge o. Schriften. 105 

»nf einander mitunter gegenseitig sind '); doch werden dieselben durch 
diesen Umstand nicht in dem Maass unbrauchbar, wie man wohl ge- 
glaubt hat. Denn im Verhältnis« zu der Gesammtmasse solcher An- 
führungen sind es doch immer nur einzelne Fälle, in denen eine 
frühere Schrift auf die spätere als eine schon vorhandene ver- 
weist 1 ); wird aber dadurch auch wahrscheinlich gemacht, dass Ari- 
stoteles zu den betreffenden Werken fortwährend Zusätze macht« 
und überhaupt kleine Aenderungen an ihnen vornahm 3 ), so wird 
doch unser Ursheil über die Reihenfolge der Schriften im Ganzen 
nicht wesentlich davon berührt werden. Im Besonderen werden wir 
unter den uns erhaltenen Werken, so weit sie sich nicht jeder der- 
artigen Bestimmung entziehen*), die logischen, mit Ausnahme des 
Schriftchens über die Sätze (it. 'Epjwivifo?) *), für die ersten zu hal- 



1) Vgl. R[TTFR III, 29 f. 

2) Die Analytiken, im Ganzen spater als die Tc-pik, werden hier B. VIII. 
IX (sopk. el.) angeführt (s. o. S. 53), und man kann diess nicht etwa ans der 
■alleren Abfassung dieser zwei Bttekei erklären, da Anal, pri. II, 15. 17. 64, a, 
37. 65, b, 16 gerade auf nie verwiesen ist; s. W*itz z. d. St. — De coelo II, 1 
witd die Schrift vom Gang der Tbiere citirt (a. S. 68, 3), wahrend doch diese 
nach Meteor. I, 1, Schi, ebenso, wie die übrigen zoologischen Werke (von 
denen die Thiergeschichte ingr. an. c. 1, Schi, angeführt wird), jünger sein 
miiBs, als die Bücher vom Himmel. — Hisi. an. V, 1. 539, a, 20 ist die 
laopa wsjJl iE» tpuiüv genannt; eben diese wird aber in Schriften, welche 
jedenfalls später als die Thiergeschichte sind, und diese öfters anführen, gen. 
uim.nndpart. an., eratals künftig in Aussiebt gestellt (s.S. 69, 3 vgl. m. 65, I).— 
Dttumno c. 3. 456, b, 5 wird die Abhandlung je. Tpo^ij; als eine frühere ange- 
fahrt, wftbrend die spatere (s. o. 67, 1) Schrift De gen. amm. V,4. 784, b, 2 sie 
mt ankündigt — Die Schriften n. ZbWv Mopltuv auf der einen, it. MaxpoßiS-n]- 
:s; und n. 'Avcutvoii; auf der andern Seite citiren sich gegenseitig; s. 6. 67, I. 
lieber die Schrift x. Z<Jkuv ITopEii; in ihrem Verhftltniss zu denen von derSeele 
and von den Theilen der Thiere ist schon Ö. 68, 8. ÜB, 2 gesprochen wor- 

3) Diese Erklärung der fraglichen Erscheinung wird wenigstens ungleich 
natürlicher sein, all Bosb's Gewaltstreich (Arist. libr. ord. 118 f.) ehr^m = 
ilp|ii«n in nehmen und in Ausdrücken, nie: t?; Ixüwv tov xaipbv cuiaxiiaBu) die 
Beziehung auf die Zukunft zu lHugnon. 

4) Was aber nnr bei wenigen, von verdächtigem Ursprung, nie die Schrif- 
ten aber die nntheilbaren Linien und über Melissus n. s..w. der Fall ist. 

5) Dieses nämlich muss nicht allein der Topik und den Analytiken, son- 
dorn anoh der Schrift von der Seele nachgesetat werden, da es nie alle anführt 
[i- o. 53, 1. 52, 1. 66, 2). Wann es aber verfaset ist, laset sich tun so weniger 

ls citirt wird. 



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106 Aristoteles. 

ten haben. Denn theils ist es natürlich und dem methodischen Ver- 
fahren des Aristoteles entsprechend , dass er der materiellen Aus- 
führung seines Systems jene formalen Untersuchungen voranschickte, 
durch welche die Regeln und Bedingungen alles wissenschaftlichen 
Denkens festgestellt werden sollten; theils erhellt auch aus seinen 
eigenen Anführungen, dass dieselben den naturwissenschaftlichen 
Werken, der Metaphysik, Ethik und Rhetorik vorangiengen 0- Unter 
den logischen Schrillen selbst scheinen die Kategorieen die erste 
zu sein; auf sie folgte die Topik, mit Einschluss des Buchs über die 
Trugschlüsse, dieser die zwei Analytiken; erst später ist die Ab- 
handlung von den Sätzen beigefügt worden 8 ). An die logischen 
Untersuchungen schliessen sich die naturwissenschaftlichen, und 
unter ihnen zunächst die Physik an, welche nicht allein von der Meta- 
physik, sondern auch von der Mehrzahl der übrigen naturwissen- 
schaftlichen Werke angeführt oder vorausgesetzt wird, während sie 
selbst keines von ihnen anführt oder voraussetzt s ). DasB auf sie die 
Bacher vom Himmel und vom Entstehen und Vergehen nebst der 
Meteorologie in dieser Ordnung folgten, sagt die letztere sehr be- 
stimmt *)• Ob diesen Untersuchungen über die unorganische Natur 
die Tbiergeschichte oder die Schrift von der Seele der Zeit nach 
näher steht, lässt sieb nicht entscheiden; sehr möglich, dass das 
erstgenannte Werk, weitschichtig, wie es ist, vor dem zweiten be- 
gonnen, aber erst nach ihm vollendet wurde *}. Mit der Schrift von 
der Seele sind jene kleineren Abbandlungen zu verbinden, welche 

1) Ansier den 8. 52, 1. 53, 1. gegebenen Nach Weisungen gehört hieher 
die entscheidende Stelle Anal. poat. II, 12. 95, h, 10: |iaXXov St fxnpStt tv to"; 
xetS&ou ictp't xivifoEu; SCi It/J^var rapl «iteiv. Die Physik »her ist du früheste 
von den naturwissenschaftlichen Werken. Auch das negative Merkmal trifft 
zu, dass in den Kategorieen, den Analytiken and der Topik keine von den 
übrigen Schriften angeführt wird. 

2) S. 3. 49 ff. und die S. 51 angefahrte Abhandlung von Bunu, 
welche 5. 256 ff. durch eine Vergleichung der Analytiken mit der Topik di« 
frühere Abfassung der letzteren darthnt. 

3) 8. o. 60, 1. Auf die Physik (III, 1. 201, b, 31) gebt auch De an. H, 5. 
417, a, 16. 

4) Meteor. I, 1, wocu man 'welter S. 61 nnd du scheinbar entgegen- 
stehende Citat De coelo II, 2 betreffend S. 105, 2 vergleiche. 

5) Dass die Vollendung der Thiergeachiohte nicht zn frühe gesetzt wer- 
den kann, dürfte, an oh abgesehen ron dem 8. 106, 3 besprochenen Citat, anji dem 
hervorgehen, was 8, 103, 4 angeführt wurde. 



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Reihenfolge d. Schriften. 107 

iheils ausdrücklich 1 ), theits durch ihren Inhalt auf sie zurückweisen; 
doch ist ein Theil derselben wohl erst nach den Werken Ober die 
Theile, den Gang und die Erzeugung der Thiere verfasst worden *)» 
welche sich im Uebrigen zunächst an sie anreihen werden; denn 
dass sie jünger sind, als die Schrift von der Seele und die ihr zu- 
nächst folgenden Abhandlungen, und ebenso auch jünger als die 
Thiergeschichte, wird durch ihre Hindeutungen auf diese Werke *} 
bewiesen, wie es denn auch der Natur der Sache entspricht; dass 
sie andererseits der Ethik und Politik vorangehen, ist desshalb wahr- 
scheinlich, weil sich nicht annehmen lässt, Aristoteles habe seine 
naturwissenschaftlichen Darstellungen durch ausführliche Arbeiten 
in so ganz anderer Richtung unterbrochen *}. Eher könnte man fra- 
gen, ob die ethischen Schriften nicht überhaupt vor die physika- 
lischen zu setzen seien s ). Wiewohl sich aber diese Frage durch 
ausdrückliche Verweisungen der einen auf die andern nicht ent- 
scheiden lässt, werden wir doch für die frühere Abfassung der natur- 
wissenschaftlichen Bücher stimmen müssen; denn wer so, wie Ari- 
stoteles, überzeugt war, dass der Ethiker die menschliche Seele 
kennen müsse '], von dem lässt sich erwarten, dass er die Unter- 
suchung über die Seele der über die sittlichen Thäligkeiten und Ver- 
hältnisse voranstellte. Und wirklich sind auch in der Ethik die Spu- 
ren der Seelenlehre und der ihr gewidmeten Schrift kaum zu ver- 
kennen T ). An die Ethik scfaliesst sich unmittelbar die Politik 



1) So De sensu c 1, Anf. c. 3. 439, «, 16. 0. 4, Auf. Da aomno o. 3. 455, 
i, B. De aomniin o. 1. 459, a, 15. De respir. o. S. 474, b, 11. 

2) 8. o. 67, 1. 

8) S. 8. 66, 2. 67, 1. 65, 1. Die Tiergeschichte verweist auch III, 33, 
Auf. auf künftige Untersuchungen, welche sieh gen. an. I, 4 finden. 

4) Die weitere Frage nach der Reihenfolge der genannten drei Schriften 
ist schon S. 68 erledigt. 

5) So Robb ß. 122 ff. 

6) Etil. N. I, 13. 1102, a, 28. 

7) M. vgl. Eth. N. 1, 18. 1102, a, 26 ff. mit De an. III, 9. 432, a, 22 ff. 
H, 3 , welche Stellen hier zwar mit dem Ansdvnck iEuTtpixot Uyoi schwerlich 
gemeint sind, aber doch ihrem Inhalt nach berücksichtigt aein dürften. Auch 
n, 2, Ant scheint die Mehrzahl der theoretischen Schriften schon vorannzu- 
■ctsen. Wenn ei aber solcher Sparen nicht mehrere sind, haben wir nns dieis 
vielleicht darans in erklären, das« Aristotejes bei der praktischen Abzweokang 
der ethischen Werke (Eth. N.I, 1. 1095,», 4. II, 2 Auf.) keine Untersuchung« 

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108 Aristoteles. 

an 1 ). Später als beide ist die Rhetorik ■}; zwischen die Politik and die 
Rhetorik fällt die Poetik *). Das letzte Werk unserer Sammlung 
scheint die Metaphysik zu sein; ihr ganzer Zustand dient wenig- 
stens der Angabe 4 ) zur Bestätigung, sie sei erst nach Aristoteles 
Tod, von ihm selbst nicht vollendet, herausgegeben worden; sie 
selbst sagt uns, dass sie jünger ist, als die Analytiken, die Physik 
und die Ethik fi ), in Betreff der Physik erhellt es auch aus dieser G ). 
Da übrigens in dem wissenschaftlichen Inhalt der verschiedenen uns 
vorliegenden Schriften keine Abweichungen von einiger Erheblich- 
keil wahrzunehmen sind, so ist die Frage nach ihrer Reibenfolge für 
die Auffassung des aristotelischen Systems von geringer Bedeutung. 

3. Standpunkt, Methode und Theile der aristotelischen 

Philosophie. 

Wie Plato an die sokraliscne, so knüpft Aristoteles zunächst 
an die platonische Philosophie an. Auch die früheren Philosophen 
hat er zwar in umfassender Weise benützt. Vollständiger, als irgend 
ein Anderer vor ihm, mit den Lehren und Schriften seiner Vorgang/er 
vertraut, liebt er es, der eigenen Untersuchung eine Uebersicbt über 
ihre Ansiebten voranzuschicken; er lasst sich von ihnen die Auf- 
gaben bezeichnen, um die es sich handelt, er will ihre Irrthümer 
widerlegen, ihre Bedenken lösen, das Richtige, was sich bei ihnen 
findet, aufzeigen. Aber einen bedeutenderen Einflnss üben die vor- 
sokra tischen Systeme bei ihm weit mehr auf die Behandlung ein- 

hereinzieben wollte, welche fflr diesen Zweck entbehrlich und einem weiteren 
Leserkreise fremd waren; Tgl. I, 18. 1103, », ÜB. 

1) B. S. 74, 1. 

2) Denn sie führt theiU die Politik selbst (I, 3. 1866, 0, 26), tbeila die 
Poetik {■. o. 76, 1) an, welche von der Politik erst für dieZaknnft versprochen 
wird. Auffallend ist aber, du» in, 1. 1404, b, 23 von dem Schauspieler Theo- 
dor™ gesprochen wird, als ob er noch lebte und aufträte, wahrend Polit. Till, 
17, 1336, b, 27 derselbe wie ein Verstorbener behandelt ist. Doch giebt udi 
diesakein Recht, mit Kose (8. 121. 129 ff.) die Rhetorik unmittelbar nach den 
logischen Schriften und vor die Poetik zu setzen. 

3) Wie diejs aus dem 6. 76, 1 Angeführten erbellt 

4) Worüber S. 91, 8 e. vgl. 

5) S. 0. B. 53. 60. 72, 1. 

6) I, 9. 192, a, 84. II, 2, Sohl. Eosrs Annahme (8. 136 ff. 186 f.), dasei die 
Metaphysik den sttmmtlichcn naturwisaenscbeftlicben Schriften vorangehe, 
wild ausser allem Andern schon durch diese Verweisungen ausgeschlossen. 



Standpunkt. 109 

zelner Fragen, als auf das Ganze seines Standpunkts. Im Princip 
sind sie schon von Plato widerlegt; Aristoteles findet es nicbt mehr 
nöthig, sieb mit ihnen so eingehend auseinanderzusetzen, wie je- 
ner l )- Noch weniger lässt er sich, wenigstens in den noch vorhan- 
denen Schriften, auf jene propädeutischen Erörterungen ein, durch 
welche Plato das Recht der Philosophie und den Begriff des Wissens 
iheils dem gewöhnlichen Bewusstsein , theils der Sophistik gegen- 
über erst festgestellt hatte. Er setzt den allgemeinen Standpunkt der 
sokratisch- platonischen Begriffsphilosophie voraus, und will nur 
innerhalb dieses Standpunkts durch genauere Bestimmung der lei- 
tenden Grundsätze, durch ein strengeres Verfahren, durch Erweite- 
rung und Verbesserung der wissenschaftlichen Ergebnisse ein voll- 
kommeneres Wissen gewinnen. Wiewohl daher in seinen eigenen 
Schriften neben der vielfachen und scharfen Polemik gegen seinen 
Lehrer die spärlichen Aeusserungen der Zustimmung fast verschwin- 
den *), ist doch in der Hauptsache seine Uebereinstimmung mit Plato 
weit grösser, als sein Gegensatz gegen denselben s ), und sein gan- 
zes System lässt sich nur dann verstehen, wenn wir es als eine Um- 
bildung und Fortbildung des platonischen, als die Vollendung der 
von Sokrates begründeten und von Plato weiter geführten Begriffs- 
Philosophie betrachten. 

Mit Plato stimmt Aristoteles zunächst schon in seiner Ansicht 
über den Begriff und die Aufgabe der Philosophie grossentheils 
überein. Ihr Gegenstand ist auch nach ihm nur das Seiende als sol- 

1) Aooh Metaph. 1,8 werden ihre Priucipien nur kurz, vom aristotelischen 
äundpuukt aus, beurtheilt, and gerade die Eleaten und Uoraklit, mit denen 
■ich Plato ho viel beschäftigt, übergangen. 

I) Jene Polemik, wie sie namentlich gegen die Ideenlehre Metaph. I, 9, 
XIII. XIV u. o. geführt ist, wird uns noch später beschäftigen ; Stellen, worin 
■ich Arist. ausdrücklich mit Plato einverstanden erklärte, finden sich nur 
wenige; ausser dem, was S. 9, I. 11, 4 angeführt wurde, s. m. Eth. N. 1, 2. 1095, 
•,32. 11,2. U04, b, 11. Dean. III, 4. 429, a, 27. Polit II, 6. 1265, a, 10. 

3) M. vgl. hierüber auch die guten Bemerkungen von Strümpell Gesch. 
ä-theor.Phil.d.Gr. 177. Aristoteles selbst fasst sieb, wie schon S, 11, 3 bemerkt 
*nrde, nicht selten in der ersten Person mit der übrigen platonischen Schul« 
»nismmen. Sein gewöhnliches Verfahren ist aber freilieb das Gegentheil de« 
platonischen. Wahrend Plato auch sein Eigenes, selbst wo es dem ursprüng- 
lich Somatischen widerspricht, seinem Lehrer in den Hund gelegt hatte, be- 
streitet Aristoteles den seinigen nicbt selten auch da, wo sie in der Hauptsache 
Verstanden nsd nur in Nebenpuhkten verschiedener Meinung sind. 



(10 ArUtoielas. 

ches % nur das Wesen, und naher das allgemeine Wesen des Wirk- 
lichen *); es bandelt sich in ihr um die Ursachen und Gründe der 
Dinge 3 ), und zwar um ihre höchsten und allgemeinsten Gründe, 
und in letzter Beziehung um das schlechthin Voraussetzungslose*); 
wesshalb er denn auch, mit Rücksicht auf diesen Einheitspunkt alles 
Wissens, dem Philosophen in gewissem Sinn ein Wissen um Alles 
zuschreibt s ). Wie ferner Plato das Wissen, als die Erkennlniss des 
Ewigen und Notwendigen, von der Vorstellung oder Meinung, 
deren Gebiet das Zufällige ist, unterschieden hatte, so auch Aristo- 
teles: das Wissen entsteht ihm, wie Plato, aus der Verwunderung, 
aus dem Irrewerden der gewöhnlichen Vorstellung an sich selbst % 
und Gegenstand desselben ist auch ihm nur das Allgemeine und 
Nothwendige, das Zufällige kann nicht gewusst, sondern nur ge- 
meint werden; wir meinen, wenn wir glauben, dass etwas auch an- 
ders sein könnte, wir wissen, wenn wir die Unmöglichkeit des An- 
dersseins einsehen; beides ist daher so wenig einerlei, dass es viel- 
mehr, nach Aristoteles, geradezn unmöglich ist, dasselbe zugleich 



1) Anal. po*t. II, 19. 100, a, 6: U 8' tpmipf&f . , . tif<n\t äp-fti xA feior^- 
|M)f, 'av [ib ittp'l yrWtv, rtyynt, tat 31 icepl TD Sv, ixurnfpif. MaUph. IT, 2. 1004, 
b, 15:. Ttj) övti f, öv fazi tivä Bu, nl taut' (<n\ Jitf\ uv Toü 9 Jioodpou Inuix^staSai 
türfiU. Ebd. 1005, a, 2. c. 3. 1005, b, 10. 

2) Metaph. III, 2. 996, b, 14 ff., wo u. &.: xo elSivat fmwtov . . . toV old- 
|u6a (ntüp/ttv, Brav £?8%ev t; eon*. VII, 1. 1026, a, 36: rifievai tqV oiö|u8a Ena- 
not p-iXi3T», Stau ri fa™ o ävBpiunot -jvüjjiev $j ib 7uüp, jj.a7J.ov ^ TÖ kokjv J| t» 
Koobv f, tb jco3 n. B. w. o. 6. 1031, b, 20: tb siriruaaOoi ixararov Toürd im to ti 
?v etval (7t(oT«<j6«i. Ebd. Z. 6. XIII, 9. 1086, b, 5: die Begriffsbestimmung Ut 
anerlässlich, öveu \i&v -yap tou xafliftau oik ettiv fcisnj^v Xaßtfv. c. 10. KI86, b, 
33: fj äitio-nSp) tüu xa6iSXou. III , 6, Scbl. : xaOiXau al emarfSuni jüovtwv. III , 4. 
999, b, 26 : to fnforaaQai *Sf trau, et pj ti Eaiai Iv ex 1 , rtävmjv ; ebd. a, 28. b, I. 
XI, 1. 1059, b, 25. Anal. poat. I, 11, Auf. II, 19. 100, a, 6. I, 24. 85, b, 13. 
Eth. 14. VI, 6, Auf. X, 10. 1180, b, 15. Weiteres unten, in der Lehre vom 
Begriff. 

3) Anal. post. I, 2, Anf. o. 14. 79, a, 23. II, 11, Anf. u. o. Eth. N. VI, 7. 
1141, a, 17. Metaph. I, 1, Sohl. o. 2. 982, b, 2 ff. VI, 1, Anf. Vgl. Schweolb« 
Ariut. Metaph. III, 9. 

4) Phys. I, 1, Anf. 11, 3, Anf. Metaph. I, 1. 981, a, 26. c. 2. 982, b, 7. c. 3, 
Anf. III, 2. 996, b, 8. IV, 3. 1005, b, 5. 11 ff. 

5) Metaph. I, 2. 982, a, 8, 21. IV, 2. 1004, a, 35. 

6) Metaph. I, 2. 982 , b, 12 : Sil -j-ip ta Sau^o^Eiv ot JvOpumGi xai vuv xai t* 
jrpSJrov jfcfavro f iXoaofti» u. a. f. Ebd. 983, a, 12. vgL 1. Ahth. 364, 3. 



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Standpunkt. ^^^ 

zu wissen und zn meinen ')• Ebensowenig fällt das Wissen mit der 
Wahrnehmung' zusammen, da uns die letztere nur aber das Einzelne, 
nicht über das Allgemeine, nur über die Thatsachen, nicht über die 
Ursachen unterrichtet '); und ähnlich unterscheidet es sich von der 
blossen Erfahrung dadurch, dass uns diese nur von dem Dass eines 
Gegenstands Kunde giebt, jenes auch von dem Warum 9 ); das 
gleiche Merkmal, wodurch Plato das Wissen von der richtigen Vor- 
stellung unterschieden hatte. Auch darin endlich begegnet sich Ari- 
stoteles mit seinem Lehrer, dass er ebenso, wie dieser, die Philo- 
sophie für die Beherrscherin aller andern Wissenschaften, und die 
Wissenschaft überhaupt für das Höchste und Beste, was der Mensch 
erreichen kann , für deu wesentlichsten Bestandteil seiner Glück- 
seligkeit erklärt *). 

1) Anal. pust. 1, 33 vgl. ebd. c. G, Beb), c. 6, Anf. o. 30 ff. Metaph. VII, 
IS. VI, 2. 1026, b, 2 ff. Eth. N. VI, 3. 1139, b, 18. c. 6, Anf. Ebendahin gehört 
die Widerlegung des Satzes, dass für Jeden wahr Bei, was ihm als wahr er- 
icheint, die Mettiph. IV, 5. 6 Ähnlich, wie im piatonischen Tbeatet, geführt 

2) Anal. poat. I, 31: oiiSc St' cttaviJ9Mo: Ist.v feioraaQai. Denn die Wahr- 
nehmung geht immer auf Einzelnes (Mehreres hierüber tiefer unten), t'o Z\ is- 
lit'ju xst srft TiäuiV äüdvatov afoäivEjffai n. s. w. Selbst wenn man sehen könnte, 
da» die Winkel eine» Dreiecks zwei Hechten gleich sind, oder dass bei der 
Mondsfinsterniss die Erde zwischen Sonne und Mond steht, wäre dies« doeb 
noch kein Wissen, so lange die allgemeinen Ursachen der betreffenden Er- 
irfifinungeD nicht erkannt wären. 

3) Metaph. I, 1. 981, a, 28. 

i) IS. s. Metaph. I, 2.982, b, 4: «b^ucmtkC]) 61 t5v fc«rn]u.t5v, xa\ jj.oOJ.ov 
*flft\ tfjc SmjptTOiJai]; , }] YVttfpttouaa Tivo; Ivexev suri JtpKXTEÖv IxkoTov toütd 8' 
i«n Tiyi8bv h Ix&irmii. Jene Wissenschaft aber sei die, welche die obersten 
Gründe und Ursachen untersucht, da ja das Gate and der höchste Zwoek «nah 
n diesen gehöre. Ebd. '/.. 24: BijXov o3v, ü>; 5:' oüSfjxtav outijv TJ]to5|J,ev fiiilaw 
b'pav, all' uoices «Spund; <pi|uv &Eü9Ep&; o aürou Inxs xa\ fi-Jj, sXXou üv, oIStu 
»«'i Bjri] [iävt] Ctuflipa oiSu« töv hewnjtuS»' [läv?] yip aWj aSrijj EvExtSi imv Stb 
iii änwLcos Sv oix kvOb*ik{vi) vopifCoito l&rifc -f] xt^o« . . . all* oüti tö Bfiov pDovi- 
po* i»!ey£taL ilvat, . . oüte tijf thibiItt^ ällijv xp9j voii!£s<v iijuidi^pav f, yäp 6ito- 
tnn zi luueirirtYi .... ilUfnaiilipa-i p-lv oiv näaai ra-Ji^c, ijAtivcin S' ouStpia. 
XII, 7. 1072, b, 24: Jj 6(«i)p{« tö JjStaTav *«t äpunav. Eth. N. X, 7: die Theorie 
"t der wesentlichste Bestandtheil der vollendeten Glückseligkeit; Tgl. g. B, 
»7», b, 80: d 8J| flflov o voüj spo^ r'ov ävApumov, xsl i xits toütov Sfo( (Wiac *pb< 
' [ ™ «Mtpwjitvov ßlov - di yjjJ] 81 xMa Toü( itapa ivouvtac avftpimva f povdv ävSpnncov 
«"«eäJlSyTfca töv Byijtbv, £11' ip' Üoov jvS^crai äflavctrijuv xa\ jcivra nouflv ltpb( 
"» 3* Uta tb xpanaTQV tön tv sGtSi . . . tb röetiov Uärt(j> Tij f tfatt xpänorov *.& 



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112 Ariitatele». 

Vollkommen fSlll aber allerdings der aristotelisch« Begriff der 
Philosophie mit dem platonischen nicht zusammen. Nach Plato ist 
die Philosophie ihrem Umfange nach der Inbegriff alter geistigen 
und sittlichen Vollkommenheit, sie nmfasst daher bei ihm ebenso das 
Praktische, wie das Theoretische, am so scharfer wird sie dagegen 
ihrem Wesen nach von jeder andern Geistesthatigkeit unterschie- 
den; Aristoteles hat sie einesteils gegen das praktische Leben ge- 
nauer abgegrenzt, anderntheils mit den Erfahrungswissenschaften in 
ein näheres Vcrhältniss gesetzt. Die Philosophie ist nach seiner 
Ansicht ausschliesslich Sache des theoretischen Vermögens; von ihr 
unterscheidet er sehr bestimmt die praktische Thütigkeit, welche 
ihren Zweck in dem von ihr Hervorzubringenden, nicht, wie jene, 
in sich selbst hat, und nicht rein dem Denken, sondern auch der 
Meinung und dem vernunftlosen Theil der Seele angehört; ebenso 
auch das künstlerische Schaffen (die m^mOt welches gleichfalls 
auf ein ausser ihm Liegendes gerichtet ist '). Dafür verknüpft er 
nun aber die Philosophie enger mit der Erfahrung. Plato hatte alle 
Betrachtung des Werdenden und Veränderlichen ans dem Gebiete des 
Wissens in das der Vorstellung verwiesen, und auch den Uebergang 
von dieser zu jenem nur in der negativen Weise gemacht, dass die 
Widerspräche der Vorstellung von ihr weg und znr reinen Betrach- 
tung der Idee hintreiben sollten; Aristoteles, wie wir sogleich sehen 
werden, giebt der Erfahrung ein positiveres Verhältniss zum Den- 
ken, er lässt dieses aus jener auf affirmativem Wege hervorgehen, 
indem das in der Erfahrung Gegebene zur Einheit zusammengefasst 
wird. Plato hatte ferner geringes Interesse, von der Betrachtung 
des Begriffs zu dem Einzelnen der Erscheinung herabzusteigen; der 
eigentliche Gegenstand des philosophischen Wissens sind ihm nur 
die reinen Bogriffe. Aristoteles giebt zwar gleichfalls zu , dass es 
die Wissenschaft mit dem allgemeinen Wesen der Dinge zu thun 
habe, aber er bleibt nicht hiebei stehen, sondern als ihre eigentliche 



fJBtoriv im» lxö«ty- x«"l tu ivOptÜBu 6)] S xoträ xbv voOv (Mot, ifaip tsOto jA&urts 
ävflpwKOc oSraf äpn not tiiBaipLOvforaroj. c. 8. 1178, b, 38: if' Eaav 8)) Siottfvti 
J; Bcupfi, wi f; s'JSotijiov-a. Vgl. o. 9. 1179, ■, 22. Elh. Eud. VII, IS, Schi. Wei- 
teres in der Ethik. 

I) M. b. »unser dem eben Angefahrten: Etil. N. VI, 2. o. 6. 1 140, «, 28. 
b, 26. X, 8. 1178, b, SO. Eüd. I, 5, g. E. Metaph. H, 1. MW, b, 20 Tgl. VT, 1. 
1025, 1), 18 ff. XI, 7. De ui. III, 10. 43B, *, 14. Da ooalo III, 7. 306, •, 16. 



Standpunkt. Ü3 

Angabe betrachtet er eben die Ableitung des Einzelnen aus dem 
Allgemeinen (die äitüSeiÜk s. h.) '■ die Wissenschaft soll mit dem All- 
gemeinen und Unbestimmten anfangen, aber zum Bestimmten fort- 
gehen Oj sie soll das Gegebene, die Erscheinungen erklären *), und 
sie soll hiebet nichts, auch das Unbedeutendste nicht, geringschätzen, 
denn such in solchem liegen unerschöpfliche Schatze des Erken- 
nens 9 ). Aus diesem Grunde macht er nun allerdings an das wissen- 
schaftliche Denken selbst weniger strenge Anforderungen, als sein 
Vorgänger. Er giebt dem Wissen und dem wissenschaftlichen Be- 
weis nicht blos das Nothwendige, sondern auch das Gewöhnliche 
(■ri <i( *7rl tö ieöki>) zum Inhalt *); er erklärt es für ungebildet, für 
alle Arten der Untersuchung- die gleiche wissenschaftliche Strenge 
m verlangen 5 ), und wo ihm zwingende Beweisgründe fehlen, will 
er sieb mit dem Möglichen und Wahrscheinlichen begnügen, die be- 
stimmtere Entscheidung dagegen auf fernere Betrachtung ausgesetzt 



1) Motaph. IUI, 10. 1087, a, 10: tb El ri]v hü»n)u.j]v itm <«8ilou jräuav 
. ■ ■ ifa piv jj.aJ.iTt' äjropiav tiÜv ir^flEvtiiiv , oi! [i)jv iXX' luv. plv iü( iJ.ij9tt Tb 3.6- 
jjoEuov, ttm S' ü; o-jx öXijB^c fj yap faianJiMi, uaitEp xa\ Tb falataaflai, Slttov, uv 
:h piv SuviiiEi tb Si htpyila- fj (J.EV oi» SJvttuij <üs SX.7] :oü xa66Xou oSoa n'i iipi- 
m* toü xafWXou xal ioptorou farlv, ^ £' ivapY«« "pMpi«») xol <üpi!i)»ivou -rfSt ti 
sraa TOÜM Ttvof . 

2) Metaph. I, 9. 9B2, a,>24 (gegen die Ideenlehre): &J.us 8i Ci)TOiJa>|( *% 
io?!*t «pl TÖ» yavEptüv tb «!t[ov, toStq (ib slaxafitv (oäfliv yip Xt^ojitv Jttp'k t^4 
i'-;*f SOev Sj äp^fj Tijs uraBoXijc) u. s. w. De coelo III, 7. 806, a, IS; tAq; Ei 
ti,; yiv itoiijTnüj; E7:i3Tiijii]j tö ?pfQV] T^f St puoixijj tb ^aivi^vov Ml xupltec xiti 
t% oäjOnoiv, 

3) Part. an. I, 5. 645, a, 5: lotnbv istpi tijc Jiu«i]( ? Jmun eüeeTv, jiijBiv Jta- 
faXuivrat *fc Siivafuy jiijxe irijiiiTtpov jtij-a Tnu&Mpcv- xal Y"p ^* T'ft ^ MX.ap'0- 
licVwt «itöv Kpb( -rij» «Wb]o™ xaTi t^v ÖEiupiay i|tiü( f] Si]|iioupytjaaa« fiSoij ipif 
'/m<m JjSovät itap^ii Ttftt Suva[ievoi( Tat «ft!»( YVwpftEiv xa\ f liatt piXoaä^oij . . . 
Si'o Sti |iij 6ut)(Ep»i«s« naiBixü; -rijv mp\ tü>» dttlUnttpov ijtjioiv Wtwt^«*' fr nÖoi 
fip nti; f «oixuit iTvictI ti Baujiaari» u. a. w. 

4) Anal. post. I, 90. II, 12, Schi, park an. III, 2. 663, h, 27. Metaph. TI, 
!. 1027, a, 20. XI, 8. 1064, b, 82 ff. Eth. N. I, 1. 1094, h, 19. 

6)Etb. N.I, 1. 1094, b, 11— 27. n,2. 1104, a, I. VII, 1, SobLIX, 2. 1166, 
«, 12. Uetapb. XIH 8. 1078, a, 9. vgl. II, 3.— Polit. VII, 7, Sohl, gehurt nicht 
bisher. Die ethischen Untenncbnngen besondere sind es, ffir welche A. hier die 
Anforderung einer durchgängigen Genauigkeit abweist, weil die Natur der 
Stehe sie nicht veratatte; denn bei der Benrth eilung der Menschen und der 
Erfolge unserer Handinngen beruhe Vieles auf einer nur im Allgemeinen und 
in der Regel antreffenden Schilling. 

Pttet. i 8r. IL Bd. 1. Abth. 8 



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114 Ariitotelei. 

sein lassen ')■ Indessen sind es doch nicht die eigentlich philoso- 
phischen Fragen, bei denen sich Aristoteles so ausspricht, sondern 
immer nur speciellere ethische oder naturwissenschaftliche Bestim- 
mungen, für die auch Plato von der Strenge des dialektischen Ver- 
fahrens nachgelassen, und die Wahrscheinlichkeit an die Stelle der 
wissenschaftlichen Beweise gesetzt hatte; sie unterscheiden sich nur 
dadurch, dass Aristoteles auch diesen angewandten Theil der Wis- 
senschaft mit zur Philosophie rechnet, Plato dagegen alles Uebrige, 
ausser der reinen Begriffs Wissenschaft, nur als eine Sache der geist- 
reichen Unterhaltung oder eine nothgedrungene Anbequemung des 
Philosophen an das praktische Bedürfniss betrachtet wissen will *}. 
Warum aber, fragt Aristoteles mit Recht, sollte der, welcher nach 
Wissen dürstet, nicht wenigstens Einiges zu erkennen suchen, wo er 
nicht Alles ergründen kann?*) Ebensowenig möchte ich unsern 
Philosophen darüber tadeln, dass er durch die Unterscheidung der 
theoretischen Tbätigkeit von der praktischen die Einheit der gei- 
stigen Bestrebungen beeinträchtigt habe *) ; denn diese Unterschei- 
dung hat unstreitig ihr gutes Recht, jene Einheit aber ist bei Aristo- 
teles dadurch hinreichend gewahrt, dass er die Theorie als die 
Vollendung des wahrhaft menschlichen Lebens, die praktische Tha- 
tigkeit dagegen gleichfalls als einen unentbehrlichen Bestandteil 
desselben, die sittliche Erziehung ( als eine unerlässliche Vorbe- 
dingung der ethischen Erkenntniss darstellt B ). Hat aber allerdings 
jene Beschränkung der Theorie auf sich selbst, jene Ausscheidung 
alles praktischen Triebs und Bedürfnisses aus ihrem Begriffe, wie 



1) De ooelo D, 6. 287, b, 38 ff. c. IS, Auf. gen. an. III, 10. 760, b, 37. 
Hetaph. XII, 8. 1073, b, 10 ff. 1074, a, 15. Meteor. I, 7, Anf.: ntpl täv ä?«vü* 
ttJ alMpu voinTJo[i£v Ixavcüc inoStBßx" 11 " OI » ™v Xö-fov , üv eTc to S-jvotov ävafi- 
f ijjjiEv. Wir weiden im 8ten Kapitel noch einmal hierauf zurückkommen. 

2) Bep. VI, 511, Bf. VH, 519, C ff. TbeSt. 17B, E. Tim. 29, B f. u. A. 
Vgl. 1. Abth. 8. 367. 389. 407 ff. 

3) De coelo II, 12, Auf.: ntipMÜoV \z-fuv tb ?oivo'|uvqv, stöoü; «fiav slvai 
vo|i.tt«vra( -ri]v 7rpo0ujj.[«v fixMev ij Opiaout (<Ubb er sieh amgekebrt wegen nn- 
philosaphischcr Bescheidenheit in verantworten haben könnte, füllt ihm nicht 
ein), eT Tif 8ii xb ^:Xoiof!a( Si^rjv x«t juxpa; tixoplas iyaitä nip\ uv ti; [lEfiari? 
«Xojuv äitopfafr Vgla.a.O. 292, a, 14. e. 5. 237, b, 31. pari. an. I, 5. 644, b, 31. 

4) Rittes III, 50 ff. 

5) Ausser dem, was spater, bei der Untersuchung fiber das höchste Gut, 
beizubringen sein wird, Tgl. m. Etb.N. X, 10. 1179, b, 20 ff. 1,1. 1094, b, 27 ff. 



Standpunkt. 115 

sie namentlich in der aristotelischen Schilderung des göttlichen Le- 
bens (s. u.) zum Vorschein kommt, der späteren Zurückziehung des 
Weisen aus dem praktischen Leben vorgearbeitet, so dürfen wir 
doch nicht übersehen, dass Aristoteles auch hierin nur der von Platt) 
vorgezeichnelen Richtung gefolgt ist: auch der platonische Philo- 
soph würde ja, sich selbst überlassen, ausschliesslich der Theorie 
leben, und nimmt nur gezwungen am Staatsleben Antheil. Am 
Wenigsten möchte es aber zu billigen sein, wenn Aristoteles dar- 
über angegriffen wird, dass er sich in seiner Ansicht von der Auf- 
gabe der Philosophie nicht nach einem der menschlichen Art uner- 
reichbaren Ideal, sondern nach dem in der Wirklichkeit Ausführ- 
baren gerichtet habe 0» und zwar von derselben Seite her, auf der 
man es an Plato löblich findet, dass er sein Ideal des Wissens von 
der menschlichen Wissenschaft zu unterscheiden gewusst habe *}. 
Wäre jene Ansicht über das Verhältnis» des Ideals zur Wirklichkeit 
an sich selbst und im Sinne des Aristoteles gegründet, so würde 
daraus nur folgen, dass er, wie der Philosoph soll, nicht abstrakten 
Idealen , sondern dem wirklichen Wesen der Sache nachgegangen 
sei. Diess ist aber nicht einmal der Fall; wie vielmehr die Idee in 
Wahrheit zwar über die Erscheinung übergreift, und in keiner ein- 
zelnen Erscheinung schlechthin aufgeht, darum aber doch kein un- 
wirkliches Ideal ist, so hat auch Aristoteles wohl anerkannt, dass 
das Ziel der Weisheit hoch gesteckt, und nicht für Jeden, ja auch 
für die Besten immer nur unvollkommen zu erreichen sei*), wie 
wenig er aber darum geneigt ist, es für schlechthin unerreichbar zu 
halten, und seine Anforderungen an die Philosophie nach der 
Schwäche der Menschen zu bemessen, und wie vollständig er ge- 
rade hier mit Plato übereinstimmt, muss schon unsere bisherige Dar- 
stellung gezeigt haben. 

Auch in seinem wissenschaftlichen Verfahren folgt Aristoteles 
im Wesentlichen der Richtung, welche Sokrates und Plato begründet 
halten: seine Methode ist die dialektische, und er selbst ist es, der 
diese Dialektik zur höchsten Vollendung gebracht hat. Zugleich ver- 
bindet er aber mit derselben die Beobachtung des Naturforschers, 

I) Rfiteh a. a. O. und 8. 66 f. 
1) Der». II, *22 ff. 

S) Mouph. I, 2. 982, b, 28. XII, 7. 1072, b, 24. Eth.N. VI, 7. 1141, b, 2 ff. 
X, 7. 1177, b, 80. c 8. 1178, b, 26; TgL ebä. VTJ, 1. 



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116 Aiiitoteles. 

und wenn es ihm nach nicht gelangen ist, diese beiden Elemente 
völlig in's Gleichgewicht zu bringen, so hat er doch durch ihre Ver- 
knüpfung unter den Griechen ein Höchstes geleistet, und die Einsei- 
tigkeiten der Begriffsphitosophie, so weit diess ohne eine gänzliche 
Umgestaltung ihrer Grundlagen möglich war, ergänzt Wie Sokrales 
und Plato vor Allem nach dein Begriff jedes Dings gefragt und seine 
Erkenntniss allem anderen Wissen zu Grunde gelegt hatten, so liebt 
es auch Aristoteles, mit der Untersuchung über den Begriff seines 
jeweiligen Gegenstands zu beginnen l > Wie ferner jene hiebet in 
der Regel von dem Einfachsten, von Beispielen aus dem täglichen 
Leben, von allgemein anerkannten Ueber Zeugungen , von der Be- 
trachtung der Wörter und des Sprachgebrauchs ausgehen, so pflegt 
auch er die Anhaltspunkte für seine Begriffsbestimmungen in den 
herrschenden Meinungen, den Ansichten der früheren Philosophen, 
vor Allem aber im sprachlichen Ausdruck , in den für eine Sache 
üblichen Bezeichnungen und der Bedeutung der Wörter zu suchen *). 
Wie aber schon Sokrates die Unsicherheit dieser Grundlage durch 
eine allseitige dialektische Vergleichung der verschiedenen Vorstel- 
lungen und Erfahrungen zu verbessern gesucht hatte, so hat Aristo- 
teles dieses Verfahren noch umfassender und mit bestimmterem Be- 
wusstsein über seinen wissenschaftlichen Zweck angewendet, indem 
er fast jede wichtigere Untersuchung mit einer eingehenden Erör- 
terung der Schwierigkeiten und Widersprüche einleitet, die sich aus 
den zunächst liegenden Vorstellungen über den Gegenstand der 
Untersuchung ergeben, und der Wissenschaft nnn eben die Aufgabe 
stellt, durch eine schärfere Bestimmung seines Begriffs eine Lösung 
derselben zu finden *). Aristoteles bewegt sich so wesentlich auf 
dem Boden and in der Richtung der sokratisch -platonischen Dia- 
lektik; er hat die sokratische Induktion zur bewussten Technik ent- 

1) So werden z. 8. Pbrs. IT, 1. HI, 1. IV, 1 ff. IT, 10 f. die Begriffe der 
Notar; der Bewegung, de« Baumes, der Zelt, De an. I, I ff. II, 1 f. wird der 
Bugriff der Seele, Eth. K. U, 4 f. der Begriff der ragend, Polit III, 1 ff. der Be- 
griff des Staats gesucht u. s. f. 

S) Es wird spSter noch gezeigt werden, welche Bedeutung die allgemeine 
Meinung und der aus ihr abgeleitete Wahraoheialiobkeila beweis, all Grund- 
lage der Induktion, für Aristoteles hat 

B) Auch hierübet werden spSter die näheren Nach Weisung™ gegeben 



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Methode. 417 

wickelt, bat sie durch die Lehre von der Beweisführung , deren 
eigentlicher Schöpfer er ist, und durch alle damit zusammenhängen- 
den Erörterungen ergänzt, hat in seinen Schriften das vollkom- 
menste Huster von einer nach allen Seiten hin streng und scharf 
durchgeführten dialektischen Untersuchung gegeben. Wenn wir es 
auch nicht vorher wüssten, schon an seinem wissenschaftlichen Ver- 
fahren würden wir den Schüler Plato's erkennen. 

Hit diesem dialektischen Element verknüpft sich nun aber bei 
ihm eine Meisterschaft in der Beobachtung der Thalsachen, ein Stre- 
ben nach ihrer physikalischen Erklärung, welches in diesem Maasse 
Dicht allein Sokrates, sondern auch Plalo fremd war. Die vollkom- 
menste Begriffsbestimmung ist diejenige , welche die Gründe der 
Dinge aufzeigt 0) die Philosophie soll die Erscheinungen erklären 1 ); 
dazu darf sie aber »ach Aristoteles , wie wir spater noch finden 
werden, nicht blos ihren Begriff und ihren Zweck, sondern sie muss 
ebensosehr auch die bewegenden und selbst die stofflichen Ursachen 
in's Auge fassen; und je entschiedener nun (s. u.) daran festzu- 
halten ist, dass Jedes aus seinen eigentümlichen Gründen erklärt 
werde, um so weniger kann dem Philosophen eine solche Betrach- 
tungsweise genügen, welche nur das Allgemeine des Begriffs be- 
rücksichtigt, die nähere Bestimmtheit der Dinge dagegen ver- 
nachlässigt 3 ). Daher hier diese sorgfältige Beachtung der That- 

1) De an. II , 2, Anf.: w5 fip [iiSvov tb Bti 5fl tbv optarixbv \6yov Bijloüv . . . 
«Üb xoil tJjv ahi.a.1 Iwn&pysiv xal Ipyaivtoüui. vBv 8' äknap ou|inEpna[iit) ' ol li-foi 
luv Spuiv sKv ofov ti toxi. TETpifuViOfiis ; Tb ?aav *TEpo|njxE! ipflovüvrov eTvn 
taSrcliupov. & Bi TOtoBtot Spo; XifOi TOÜ aujiitepänpaiDf. ö 8t Xtjmi Bti sarlv ö te- 
ifi-fd)via[ib4 [ii(TT]( EÜpEaic, toO itpi^|iiTO( Xifii tb aTciov. Anal. poat. II, 1 f. : Es 
bandelt sieh bei jeder Untersuchung um Tier Stücke, das Sti, das Start, das s! 
bti, das t! ioitv. Dieee lassen sich jedoch anf die zwei Fragen: d am [linov 
nnd ti «W tb |l*oov zurückführen, tb piiv yip alttov tb pcaav , äv Suiaat 8e toSto 
^ifei. Und nachdem einige Beispiele angefahrt sind: h ar.ua: -[kp toJtoi; bo 
lEpon iottv Sri tb aM hm tb ti Am xeii 8i« ti iottv o. s. w. Ebd. o. 8 , Am*, o. 8, . 
Auf. Ebd. I, 31. SB, a, 5: tb El xsOolou t!|j.iov ort StjXoI to bTtiov. Metaph. VI, 1. 
1025, b, 17: Sin tb tfjs aikf,4 eTvol Stttvoi'a; t6 rt ti e'oti BjjXov rcattiv xa>. tt sattv. 
Ebd. VII, 17, wo u. A. 1041 , a, 27 : (pavEpbv totvuv Sit £i|TE"i to atriov tovto 8' 
itii ta ri fy tTvat, (In cfnllv Xoytxüf. 5 &t' ivluv (tlv Eon tivo; Evexb , . . . sjv' Evituv 
Et tI ixfvTjEn: icpütov. Vgl. Anal. post. II, 11, Anf.: fes'i St IxloTotAm oM|uft« Stav 
tBwjm t)iv aWav, aittat 6i tfttapet . . . icauai «5tai Sti toü [xfaou Stfxvuratt. 

2)8. o. 8. 110, S. 113. 

3) In diesem Sinti seist Aristoteles nicht selten die logische Betrachtung 

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HS ArUWWta 

Sachen, «eiche dem Philosophen nicht selten sogar den Vorwurf 
eines unphilosophischen Empirismus zugezogen hat ')■ Aristoteles 
ist nicht blos einer der spekulativsten Denker, er ist auch einer der 
genausten und unermüdlichsten Beobachter, einer der fleissigsten 
Gelehrten, welche wir kennen; wie er überhaupt in der Erfahrung 
die Vorbedingung des Denkens, in der Wahrnehmung den Stoff siebt, 
ans dem die Gedanken sich entwickeln (s. u.), so hat er es auch 



einer Sache, d, b. diejenige, welche eich nur an du Allgemeine ihres Begriffs 
fault, theils der analytischen , in die Eigentümlichkeit des gegebenen Falls 
naher eingehenden, die er desshalb auch ix i&v kjiji^viuv nennt, theils der phy- 
sikalischen Untersuchung entgegen, welche ihre Ergebnisse nicht blos ans 
dem Begriff einer Erscheinung, sondern ans den konkreten Bedingungen der- 
selben ableitet Jenes t. B. Anal. poat. I, 31, Schi. o. 23. 84, a, 7 Tgl. c. 24. 
86, a, 22. o. 32. 88, a, 19. 80. Metaph. TU, 4. 1029, b, 12. 1030, a, 25. c 17. 
1041, a, 28. Dieses Phys. III, 5. 204, b, 4. 10 (vgl. a, 34. Metaph. XX, 10. 
1066, b, 21) o. 3. 202, a, 21. De coelo I, 7. 275, b, 12. Metaph. XU, 1. 1069, 
a, 27. XIV, I. 1087, b, 20 (ähnlich T uoix5t nnd xs86Xou De coelo I, 10, Schi. 
o. 12. 288, b, 17). Hiebe! gilt ihm aber das Logische in demselben Maass für 
das Unvollkommenere, in dem es sich von der konkreten Bestimmtheit des Ge- 
genstandes entfernt. Vgl. Phys. VIII, 8. 264, a, 7: ok |iiv olv äv «g J>{ otxEtoi; 
ni(r[Eu3£i£ Xifois, oEtoi xki ToioÜTo! v.tii etaiv Ioy""" 1 ! S* lr.iat.<möü<ji xäv tx -tüjvBe 
SöW Tq> rauVo touto au(j.ßaivEtv. gen. an. II, 8. 747, b, 28 : Xryiii 81 XoyixJjv [ebrrS- 
Sei?iv] Bii touto, Sri oaep xafl^Xou |*£XXov Tto^iut^piu töv aExtfiov sot\v sp^cüv. Und 
nachdem ein solcher Beweis geführt ist, 748, a, 7: äi-.a% \t\i o5v & AÖ-fo? xaOo- 
Xou X(«v xal xtvöj. oE vap jaJ) ix tüv o!*;!üiv ipx."* v Wfot xevo! u. s. w. (Aehnlich 
Eth. End. I, 8. 1217, b, 19: Xcrrixü; xat xevü;.) In solchen Fallen zieht er da- 
her die physikalische Behandlung der logischen weit vor (z. B. gen. et corr. I, 
9, 316, a, 10: Soi 6' äv tt( xal l*. Totlttov, üoov BioKptfpoootv ol ywuitÜ; xot\ \o-jix.&i 
wqjcoSyth n. s. w. s. 1. Abth. 8. 670, 3), wogegen ihm bei der metaphysischen 
Untersuchung über die Ideen Metaph. XIII, 5, Schi, die XoYixÜTtpot Xöfot «ach 
die ixpiß&npot sind. Weiteres bei Waitz Arist. Org. II, 863 f. Bonitz Arist. 
Metaph. II, 187. Rassow Ariat. de not. def. doctr. 19 f. 

1) So ScnLBinBMAOQEB, wenn er Gesch. d. Phil. 8. 120 von A. sagt: „gros- 
aen Mangel an specnlativem Geist kann man nicht verkennen" u. s. w-, and 
S. 110 die alteren Akademiker als die „speculativeren" ihm entgegenstellt, auf 
Grund des Satzes, bei dem er freilich fibel wegkommen mnss: „nie ist einer, 
der eine grosse empirische Hasse znerat bearbeitet hat, ein eigentlicher Philo- 
soph gewesen." So noch 8rattiirELL Theoret. Phil. d. Gr. 8. 156 mit dem Ur- 
theil, das aber mit der S. 184 ff. gegebenen Auseinandersetzung sieh schwer- 
lich ganz verträgt nnd noch weniger an sich selbst begründet erscheint, dass 
seine allgemeine Richtung nnsem Philosophen „mehr zur sammelnden Auf- 
fassung des Empirischen nnd Historischen, als zur Beseitigung metaphysischer 
Schwierigkeiten geneigt gemacht babe" n. s. w. 



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Methode. «19 

nicht versäumt, seinem eigenen System einen breiten Unterbau von 
erfahrungsmässigem Wissen zu geben, und seine philosophischen 
Sätze durch eine allseitige Betrachtung des thatsächlich Gegebenen 
zu begründen. Für die Naturforschung vor Allem verlangt er, das« 
man zuerst die Erscheinungen kenne, ond dann erst nach ihren Ur- 
sachen sich umsehe 0- Diejenige Sicherheit und Genauigkeit des 
Verfahrens dürfen wir allerdings bei ihm noch nicht suchen, welche 
die Erfahrungs wissen Schaft in der neueren Zeit erreicht hat; hiefür 
war dieselbe in seinen Tagen noch zu jung, es fehlte ihr auch noch 
zu sehr an den Hilfsmitteln der Beobachtung und an der Unter- 
stützung durch eine ausgebildetere Mathematik; es wird endlich bei 
Aristoteles die empirische Forschung noch vielfach von jener speku- 
lativen und dialektischen Behandlung gekreuzt, welche er zunächst 
aus der platonischen Schule herübergenommen hat. Man konnte in- 
sofern, was seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen betrifft, 
eher über das Zuwenig als über das Zuviel seines Empirismus Klage 
führen. Das Richtigere ist aber vielmehr, dass er beide Methoden 
so weit gefördert bat, als diess von ihm zu erwarten war. Da die 
griechische Wissenschaft mit der Spekulation angefangen hatte, und 
die Erfahrungs wissen schatten erst spät, hauptsächlich durch Aristo- 
teles selbst, zu einiger Ausbildung gelangten, so war es natürlich, 
dass das dialektische Verfahren eines Sokrates und Plato, die von 
der gemeinen Vorstellung und der Sprache ausgehende logische 
Zergliederung und Verknüpfung der Begriffe, einer strengeren Em- 
pirie den Rang ablief. Auch Aristoteles hält sich zunächst an dieses 
Verfahren, ja er bringt es theoretisch und praktisch, wie bemerkt, 
xor Vollendung. Dass die Kunst der empirischen Forschung bei ihm 
eine gleichmässige Ausbildung erfahren werde, Hess sich nicht er- 
warten, und ebenso lag ihm eine schärfere Unterscheidung beider 
Methoden noch ferne; diese ist erst durch die höhere Entwicklung 
der Erfahrungs Wissenschaften, und von philosophischer Seite durch 
die erkenntnisstheoretischen Untersuchungen herbeigeführt worden, 
welche die neuere Zeit in's Leben gerufen hat. Nur um so grössere 
Anerkennung verdient es aber, dass Aristoteles mit dem unbefange- 
nen und umfassenden wissenschaftlichen Sinn, der ihn auszeichnet, 
auch der Beobachtung sich zugewendet, und sie, so weit er es ver- 



1) Z. B. put an. I, 1. 639, b, 1 ff. 

Digi-zBd^y Google 



120 ArUlot-Ua. 

mochte, mit der dialektischen Verarbeitung der Begriffe verbun- 
den hat. 

Indem nun das dialektische Verfahren von Aristoteles auf einen 
viel umfangreicheren erfahrungsmässigen Stoff angewandt wird , als 
von Plato , so erhält es von selbst jenes formal logische Gepräge, 
durch welches die aristotelischen Darstellungen sich auf den ersten 
Blick von den platonischen unterscheiden. Aristoteles bewegt sich 
nicht in jenen rein begrifflichen Entwicklungen, welche Plato von 
dem Philosophen verlangt ')> wiewohl er selbst sie im Grande doch 
nur in einzelnen Fällen und nur unvollkommen versucht hat; son- 
dern die begrifflichen Erörterungen sind bei ihm fortwährend durch 
Belege aus der Erfahrung, durch Erörterungen Über vieldeutige 
Ausdrücke, durch Kritik fremder Ansichten durchbrochen, und je 
anfassender der Stoff ist, den er wissenschaftlich zu bewältigen hat, 
um so grösseren Werth legt er darauf, dass jeder Schritt in seinen 
weitschichtigen Untersuchungen theils durch eine reichhaltige In- 
duktion, theils durch genaues Einhalten der logischen Begeln ge- 
sichert sei. Auch seine Derstellungsform erscheint im Vergleich mit 
der platonischen trocken und nicht seilen ermüdend; von der Fülle 
und Amnuth, welche den aristotelischen Schriften, wie den plato- 
nischen, nachgerühmt wird *), geben die, welche wir noch haben, 
nur selten eine Probe; jene dramatische Lebendigkeit, jene künst- 
lerische Vollendung, jene anziehenden mythischen Bildungen, die 
wir bei Plato bewundern, fehlen ihnen. Aber die eigentümlichen 
Vorzüge einer wissenschaftlichen Sprache besitzen sie in so 
hohem Grade, dass sich Aristoteles nach dieser Seite hin, wenn wir 
auch nur die Darstellung in's Auge fassen, nicht allein nicht als 
„schlechter Schriftsteller" s ), sondern seinem grossen Lehrer sogar 
weit überlegen zeigt 4 ). Und auch seinen angeblichen Formalismus, 



1) S. 1. Abth. B. 367. 389, 1. 393. 

2) Vgl. 8. 42, 1. Cic. Top. 1, 3: die Vernachlässigung der aristotelischen 
Schriften sei nm so tad eine weither, da man sich nicht blos durch ihren Inhalt 
angesogen finden sollte, led dicemti guoque inerattbiU qvadam cum eopia (um 
etiam taamitaU, Den. De ineent. II, 2, 6: Aristoteles habe in seiner Euva-fto-pi 
■ayyösv die «Iten Rhetoren «elbst durch Anmuth und Kürze des Ausdrucks weil 
abertroffen. 

8) Kittes III, 28. 
4) Vgl. S. 86 f. 



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Met»phyaisohe« Prinoip. 121 

der ohnedem in den konkreteren naturwissenschaftlichen und ethi- 
schen Untersuchungen bedeutend zurücktritt, wird man anders be- 
urteilen, wenn man erwagt, wie notbwendig auch nach Flato noch 
diese strenge logische Zucht war, wie viele Verwirrung in den Be- 
griffen durch schärfere Unterscheidung der Wortbedeutungen, wie 
mancher Fehlschluss durch eine genauere Analyse der Schlussformen 
beseitigt werden musste, welches unsterbliche Verdienst sich Ari- 
stoteles dadurch erworben hat, dass er die unabänderlichen Grund- 
lagen alles wissenschaftlichen Verfahrens festgestellt und dem Den- 
ken eine Sicherheit in denselben verschafft hat, deren Werth wir 
nur desshalb leicht zu verkennen geneigt sind, weil sie uns zu ge- 
läufig ist, 'um uns als etwas Grosses zu erscheinen. 

Fassen wir endlich, so weit diess hier schon geschehen kann, 
die hauptsächlichsten Ergebnisse und den ganzen Standpunkt der 
aristotelischen Weltansicht in's Auge, so werden wir auch hier eines- 
teils die sokratisch- platonische Grundlage nicht fibersehen, ande- 
rerseits aber eine so bedeutende und folgerichtig durchgeführte 
Eigentümlichkeit wahrnehmen, dass die Meinung, als ob Aristoteles 
nur ein unselbständiger Nachtreter Plato's gewesen wäre, der des- 
sen Gedanken nur formell zu verarbeiten und zu ergänzen' gewusst 
habe 1 )» als das ungerechteste Missverständniss erscheinen muss. 
Aristoteles hält nicht allein an dem somatischen Satze fest, dass es 
die Wissenschaft nur mit dem Begriff der Dinge zu thun habe, son- 
dern auch an der weiteren Folgerung, welche in den Mittelpunkt 
des platonischen Systems führt, dass nur das im Begriff gedachte 
Wesen derselben das schlechthin Wirkliche an ihnen, alles Andere 
dagegen nur in dem Maasse wirklich sei, in dem es an der begriff- 
lichen Wesenheit theilnimmt. Aber während Plato dieses wesenhafte 
Sein als ein Fürsichseiendes aus der Erscheinung hinaus in eine be- 
sondere Ideenwelt verlegt hatte, erkennt sein Nachfolger, dass die 
Idee als das Wesen der Dinge von den Dingen selbst nicht getrennt 
sein könne, und er will aus diesem Grunde den Begriff nicht als für— 
siebseiende Allgemeinheit, sondern als das den Einzeldingen selbst 
inwohnende gemeinsame Wesen derselben gefasst wissen; er ver- 
langt statt des gegensätzlichen und ausschliessenden Verhältnisses, 
tu welchem die Unterscheidung des Begriffs und der Erscheinung 



1) Bufui Gesch. d. Phil, s, Kant I, 170 ff. 207 f. 

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122 Ariatotolfts. 

bei Pinto geführt hatte, ihre positive Beziehung aufeinander, ihre 
gegenseitige Zusammengehörigkeit: das Sinnliche soll der Stoff, das 
unsinnlicfae Wesen die Form sein, es soll ein und dasselbe Sein hier 
zur Wirklichkeit entwickelt, dort unentwickelt, als blosse Anlage, 
gesetzt sein, und es soll desshalb der Stoff mit innerer Notwen- 
digkeit zur Form hinstreben, die Form im Stoffe sich darstellen. 
Man wird in dieser Umbildung der platonischen Metaphysik den 
naturwissenschaftlichen Realismus, den auf die Erklärung des Thal- 
sächlichen gerichteten Sinn des Philosophen nicht verkennen. Ge- 
rade das ist ja seine stärkste immer wiederkehrende Einwendung 
gegen die Ideenlehre, dass sie die Erscheinungen, die natürlichen 
Vorgänge des Werdens und der Veränderung, unerklärt lasse. Aber 
sein System in dieser Richtung zu vollenden, verbietet dem Aristo- 
teles jeuer begriffsphilosophische Dualismus, den er von Plato geerbt 
hat. So sehr er sich auch bemüht, Form und Stoff einander zu 
nähern, in letzter Beziehung bleiben es doch immer zwei Principien, 
von welchen sich weder eines aus dem andern noch beide aus einem 
dritten ableiten lassen, und so vielfach sie in den endlichen Dingen 
verflochten sind, das Höchste von Allem ist doch blos der reine, 
ausserweltliche, nur sich selbst denkende Geist, und das Höchste im 
Menschen die Vernunft, welche von aussen her in ihn eintritt und 
mit der individuellen Seite seines Wesens nie wahrhaft zur Einheit 
zusammengeht. Die aristotelische Philosophie ist insofern zugleich 
die Vollendung und das Ende des sokratiscb -platonischen Idealis- 
mus; jenes, weil sie der tiefste Versuch ist, ihn durch das ganze 
Gebiet des Wirklichen durchzuführen, die gesammte Erscheinungs- 
welt vom Standpunkt der Idee aus zu erklären; dieses, weil sich in 
ihr die Unmöglichkeit herausstellt, den Begriff und die Erscheinung 
zu einer wirklichen Einheit zusammenzufassen, nachdem einmal in 
der Bestimmung der letzten Gründe ihr ursprünglicher Gegensatz 
ausgesprochen ist. 

Wollen wir nun die weitere Ausführung dieses Standpunkts im 
aristotelischen System näher kennen lernen, und versuchen wir es zu 
dem Ende, zunächst eine vorläufige Uebersicht über die Gliederung 
desselben zu gewinnen, so tritt uns der Umstand höchst störend 
entgegen, dass uns weder in den aristotelischen Schriften noch in 
einer zuverlässigen Ueberlieferung über die Einteilung, welcher 
der Philosoph selbst folgte, eine genügende Auskunft ertheilt 

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Gliederung d, 8y atems. 123 

wird 1 ). Wenn wir den späteren l'eripatetikern und den neuplatoniscben 
Auslegern trauen dürften, so hätte Aristoteles die ganze Philosophie in 
die theoretische und die praktische getheilt, indem er jener die Be- 
stimmung zuwies, den erkennenden, dieser, den begehrendeu Tbeü 
der Seele zu vervollkommnen. In der theoretischen Philosophie hätte 
er dann wieder drei Theile unterschieden : die Physik, die Mathematik, 
und die Theologie, welche auch erste Philosophie oder Metaphysik 
genannt wird. Die praktische Philosophie zerfiele in die Ethik, die 
Oekonomik und die Politik '). Auch fehlt es diesen Angaben nicht 
an Anhaltspunkten in den aristotelischen Schriften, Aristoteles stellt 
nicht selten die theoretische und die praktische Vernunft einander 
entgegen *)> er unterscheidet solche Untersuchungen, welche am 
Erkennen, und solche, welche am Handeln ihr Ziel haben *), und 
dem entsprechend findet sich schon frühe in seiner Schule die Ein- 
teilung der Wissenschaft in die theoretische und die praktische *); 



1) M. Tgl. ium Folgenden Kittes III, 57— 58. Bbasdis II, b, 130 ff. 

2) So Ammok. in qn. toc. Porph. 7, a ff. (welcher noch die vierfache Ein- 
tatilong der Mathematik in Geometrie, Astronomie, Musik and Arithmetik 
beifügt), and nach ihm David in Categ. Schal. 25, a, 1. 8upi,. Phys. Anf. in 
Categ. 1, e. Philo)-, in Categ., Schol. in Ar. 35, a, 6. Phys., Anf.. Eustbat. in 
Eth. N. Anf. Anon., Schul, in Arial, 9, a, 31. Die Eintheilung in die theore- 
tische und die praktische Philosophie hat schon Alei. in Anal. pri. Anf. und 
Dioo. V, 28. Im Weiteren theilt der Letztere, theilweise abweichend von den 
Andern, die theoretische Philosophie in Physik nnd Logik (welche jedoch 
nicht eigentlich als Theil, sondern als Werkzeug der Philosophie zu betrach- 
ten sei), die praktisch« in die Ethik nnd die Politik, die Politik in die Lehre 
Tom Staat nnd die Lehre vom Hanswesen. Alex. Top. 17, m. nennt all philo- 
losophische Wissenschaften die Physik, Ethik, Logik nnd Metaphysik ; über 
die Logik vgl. in. aber unten 8. 127, 5. 

3) De an. III, 9. 432, b, 26. c. 10. 433, a, 14. Eth. N. VI, 2. 1139, a, 6 
rgl.L 13 g. E. Polit, VLL 14. 1333, a, 24. Das Nähere hierüber im lOtenKap. 

4) Eth. N. I, 1. 1095, a, h: (itltSij tb tAo; [tfji iroXrtixijc] ftrAv ou rvürn; 
illi Kpöfa. Ebenso X, 10. 1179, a, 85. IL 2, Anf.: fatt oüv jj nspoüsa Kpirrfia- 
■aio. »4 6«ap£as tvtii fort» fimtep at äXXat (oil -jap V eIEüjicv t£ eutiv fj äp tri| oxEjcrd- 
(ü8a, ÖU' Tv* äyaBo\ -fEV(u|i49a, $jcs\ ü&Ösy sv i{v ö^ eXoj ait^s] n. s. w. 

5) MeUph. II (et), 1. 993, b, 19: Qp6ü; S" lyv. xal tb xaXfirfat tt,v f iXoaaipdx* 
in!OTijiu]¥ t% Üktficltn. UEwprpixtfi JJ.6V fip (in der aber hienach die gesammte 
Philosophie gerechnet wird) teaoj äÄjjfliia, npaKTCxijt 5' Ipyov. Eth. End. I, 1. 
1214, a, 8: itoliöv 6" Övtuiv Suupijjxsnav ... T« [ikv «Stöv ouvreivfi izpbi to vvüvai 
luivoi, ™ Si xnt Jtep'i Tat xnjaEi( xot mal \xi Jtpii;ii( To2 Ttpa-yfittTo;. San jitv oäv ej^e; 
siXesosiotv (idvov (Wpirtuijv n. s. w. 



JigilizBdby G00gle 



124 Ariitoteles. 

er selbst Freilich pflegt beiden die poetische Wissenschaft b 
gen 1 ), indem er das Hervorbringen OronwO vom Handeln (_iepSS,:4) 
theils durch seinen Ursprung, theils durch sein Ziel unterscheidet: 
denn jener liegt bei dem einen im künstlerischen Vermögen, bei 
dem andern im Willen *)> dieses bei dem Hervorbringen ausser ihm 
selbst in dem zu erzeugenden Werbe, beim Handeln in der Thätig- 
keit des Handelnden als solcher *). Im Gegensatz gegen die theo- 
retische ThSligkeit aber kommen beide darin überein, dass sie es 
mit der Bestimmung eines solchen zu thun haben, was so oder an- 
ders sein kann, jene mit der Erkenntniss dessen, was nicht anders 
sein kann, als es ist *). Weiter nennt Aristoteles drei theoretische 
Wissenschaften, von denen sich die erste auf das Bewegte und Kör- 
perliche beziehe, die zweite auf das Unbewegte am Körperlichen, 
die dritte auf das schlechthin Unkörperliche und Unbewegte: die 
Physik, die Mathematik und die erste Philosophie, welche er auch 
Theologie nennt 5 )- Ihrem Werth nach freilich sind dieselben in 

1) Metaph. VI, 1. 1026, b, 18 ff. o. 2. 1026, b, 4. (XI, 7.) Top. VI, 6. 145, 
a, 15. Vin, 1. 157, a, 10. Bth. N. VI, 3-5. c. 2. 1189, a, 27. X, 8. 1178, b, 20. 
lieber den Untere chied der poetischen und der theoretischen Wissenschaft: De 
coelo III, 7. 306, a, 16. pari. an. I, 1. 639, b, 19 ff. Metaph. XII, 9. 1075, a, 1 
Tgl. IX, 2. 1046, b, 2. und Bokitz %. d. St. 

2) Metaph. VI, 1. 1025, b, 22: tüv [uv -jap nonrTtxSv h X& rcoioürti i] apyft 
?j voü[ ij te^vt] 5j Siivapfc tu; , tüv Sa jtpaxtixuiv rv t<£> npartovri $ spoafpEOij. Da- 
bei Eth. N. VI, 5. 1140, b, 22: auf dem künstlerischen Gebiet sei es besser, 
freiwillig, auf dem sittlichen, unfreiwillig iu fehlen. 

3) Eth. N. VI, 4, Anf.: fttpov B' loa jco(j]oi( xal npäfo. c. 5. 1140, b, 3 : 
äX\o tb fdwt npi?t(ii; xsl ironjoEtoe .... TJJ; jih Y"P ponjattof eteoov tb tA«(, -eifc 
Ei itpiJ-en>( ofi* äv sTtj ■ ton ^äp aärij Jj tüitpafia täof. Ebd. I, 1, Anf. 

4) Eth. N. VI, 8. 1139, b, 18: fnianhiTj uiv ouv -d la-nv tvttWtv pavtpÄv . . . 
jcsvtej fap SioXa|ißavo[AEv, o Eiriorijisfla [iJ] IvSc/trAtu sXXui; Iftn., c 4, Anf. : xoü 
8" EvSeyoii^vou SiXtoi t/_tiv esrn ti xsl nourcbv xal jcpaxtov n. s. w. Vgl. c. 2. 1139, 
a, 2 ff. De coelo a. a. O.: s. o. HS, 2 park. an. 1, 1. 640, a, 3; ?i -|-äp äp/Jj 
Tdtj utv (den Theoretikern! to öv, toi; 6ä (den Technikern) to fa6\itttiv. 

5) Metapb. VI, 1. (XI, 7.), wo n. A. 1026, a, 13: fj ixfev yap ipuatxj) icepl 
ä^piora [iiu äXX' oix äxiyi]Ta, tSj[ Bi [itiBi'jp.aTimfc fvis mo"! äxfvnro j*ev oi j^iupiorä 
B' Toms, alX' <ö; Iv EX)]. J| 51 icpdnj (sc. fiXoaofla) xa'k 7tipi x"pio-rs xal äxtv^-ta. . . 
öote Tpfit Sv e^v V iloaopiai ÖetipijTixsl, [isfljjp.anx-fi, tpuoixi], BeoXoyixij. Aehnlich 
XII, 1. 1096, a, 30. c. 6, Anf. De an. I, 1. 403, b, 7 ff. lieber den Namen der 
ersten Philosophie rgl. auch 8. 58; Aber die Mathematik als die Wissenschaft 
der Zahlen nnd Grössen, und die ihr eigentümliche Abstraktion, das Körper- 
lich« nicht nach seinen physikalischen Eigenschaften, sondern nur ins dem 



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Gliederung d. Systems. 425 

der umgekehrten Ordnung zu stellen 1 ), Versuchen wir es jedoch, 
die hierin angedeutete Eintheilung auf den Inhalt der aristotelischen 
Schriften anzuwenden *), so gerathen wir in vielfache Verlegenheil. 
Zar poetischen Wissenschaft würde von allem, was Aristoteles ge- 
schrieben hat, nur die Poetik gehören; denn die Rhetorik stellt er 
selbst unter einen andern Gesichtspunkt, indem er sie als einen Sei- 
tenzweig der Dialektik and der Politik bezeichnet '), die Dialektik 

(leolchtspankt der Raumgrosso in betrachten, bei den Zahlen- nud Gruse cnbe- 
rtimniuugen von der nRberen Beschaffenheit dessen abzusehen, an dem sie vor- 
kommen, a. m. Pbys. II, 2. 193, b, 31 ff. Anal. poat. I, 10. 76, b, 3. c. 13. 79, 
i, 7. Anal. pri. I, 41. 49, b, 35. Metaph. XI, 4. o. 3. 1061, *, 28. TU, 10. 1036, 
i, 9. MI, 2. 1077, a, 9 — e. 8, Sohl. HI, 2, 997, b, SO. Ebd. 996, a, 39. De 
in. III, 7, Sehl. Einzelne Aenssernngen über die Mathematik finden sieb noch 
u manchen Orten, z. B. Metaph. I, 2. 9S2, u, 26. De eoelo III, 1. 299, a, 
iS. e. 7. 306, a, 26. De an. I, 1. 402, b, 16. Vgl. Bbindis S. 135 ff. Der Wider- 
spruch, welchen Kitter III, 73 f. bei Aristoteles findet, dass der Mathematik 
«in sinnliches Substrat bald abgesprochen bald zugeschrieben, und ihr Qe- 
genrtand bald als getrennt bald als nicht getrennt vom Sinnliohen bezeichnet 
■erde, Ittast sich theils durch die Unteischeidnng der reinen mathematischen 
Wissenschaften von den angewandten, theils and besonders durch die Bemer- 
kung beseitigen, dass Aristoteles nirgends sagt, der Gegenstand der Mathema- 
tik sei ein ^oipiorbv, sondern nur: er werde als solches, d. h. abgesehen von 
Miner sinnlichen Beschaffenheit, betrachtet; Metaph. XII, 8. 1073, b, 3 . 
ohnedem wird die Astronomie auch bei der gewöhnlichen Lesart nicht „die 
eigentlichste Philosophie", sondern die oixeiOTaU], die für die vorliegende 
Uatersnchwig wichtigste unter den mathematischen Wissenschaften genannt; 
Bosui jedoch liest: xijt oIxeiqtAtjk ftXoaoyl* tö» fi«fb)u.aTUÖv Enrarjijiö*, was 
viel für sich hat. 

1) Vgl. Metaph. XI, 7. 1065, b, 1 : tpfa ^evtj twv OswpijTutö)» Enurtrijiüv fort, 
i'JootJ), uaBijpjmxI), 6eoXqyuw| - ßAttarov |i£v oSv tb twv ÜeiupT^ixüJv EJtiaTi)u.ä)v 
]*o;, wjtiuv S' aitüv )| TEXeuraLa Xr/fiiiaa • itEpt to npjtiiTaisv -j-ip fori TÖ< Svxatv, 
fswlrav St xai X E 'P 0JV ^*4iTi5 Ät'yEtai xaTa td olxslov stuottjtSy. 

2) Bo Bavussoh Essai sur la Me*taphysiqne d'Aristote I, 244 ff., welcher 
die theoretische Fbilosophie weiter in die Theologie, Mathematik und Physik, 
die praktische in die Ethik, Oekonomik nnd Politik, die poetische in die Politik, 
Bhetorik nnd Dialektik theilen will. 

3) übet. I, 2. 1366, a, 25: &att 9up.jäa!vti tJ)v pV,Tsptx))v olov xafcufuii n rij; 
äwAtttuifc E ^ vcu *& Ti}S ttp\ ra Jfiij itpocvnaTe!«!, Jjv Sbtatäv Eon jtpomrfopEUEiv (toli- 
ta V c. 3. 1359, b, S : Snep väp xsl icpärcpov dfixC-.zi vjvyavo|uv iXrfiii eariv, Sri 
', ftTOfixJi oiStxiitoi ]iiv & te -rij; iuaXuTixJj; imonjjxr,; xal Ttjf nsp\ ta flflij jtoXiti- 
<1( £|»°la S' ("orti ta p.1* -uj] BioXektim] Ta £s tot: CfOipiuTw&if XivotJ. Eth. N. I, 1. 
1094, b, 2: öpü|uv Bk neu ti; ivTt|ioTJrrs^ tüy Suvapnov Otto tbJtjjv [tjjv noXitix))»] 
^«•4, oTm BTpartjrixJ|V, oZxovojiLxty , foTopunjv Xp«jlfVi)t Ei raiinn i«i( Xoinait 

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126 ArlitotftU*. 

ohnedem lSsst sich von der Analytik, unserer Logik, nicht tren- 
nen ')• Wollte man aber desshalb der Zweitheilung in die theore- 
tische und die praktische Philosophie den Vorzug geben, so würde 
man sich von den eigenen Erklärungen des Aristoteles wieder ent- 
fernen. Die Mathematik ferner scheint er selbst bei der Darstellung 
seines Systems nicht berücksichtigt zu haben; die einzige mathema- 
tische Schrift wenigstens, auf welche er verweist und welche ihm 
mit Sicherheit beigelegt werden kann, das astronomische Werk, 
musste er nach der obigen Bestimmung eher zur Physik rechnen, 
von den andern ist theils die Aechtheit unsicher, theils lässt das 
Fehlen jeder Verweisung auf dieselben vermutl.cn, dass sie keinett- 
falls ein wesentliches Glied in der zusammenhängenden Ausführung 
der aristotelischen Lehre bildeten *). So wird auch die Physik, als 
ob keine Mathmatik zwischen ihr und der ersten Philosophie stände, 
die zweite, nicht die dritte, Philosophie genannt*). Die mathema- 
tischen Axiome aber, welche den Philosophen allerdings angehen, 
weist er selbst der ^ersten Philosophie" zu *'). Was weiter die 
praktische Philosophie betrifft, so theilt sie Aristoteles nicht, wie 
die Späteren 6 ), welche durch die unächte Oekonomik dazu verleitet 
sind, in Ethik, Oekonomik und Politik e )> sondern er unterscheidet 

xSn xpaxmüv £mro][uüv □ . s. w. Diese Aeussorungen scheinen mir die Stelle 
der Rhetorik bestimmt bu bezeichnen: Aristoteles rieht in ibi eine Verwen- 
dung der Dialektik für Zwecke der Politik; und dm nun der Charakter 
einer Wissenschaft von ihrem Zweck abhängt, i&hlt er sie tu den praktischen 
Fächern. Wiewohl nie daher an sich vielleicht mit mehr Recht so den poeti- 
schen gerechnet würde, kann ich doch Beanujb (II, h, 147), weichst diesen Ort 
für sie vorsieht, nicht beitreten. 

1) Anch Top. I, 1, Anf. c. 2 wird sie deutlich als eine Hfllfswissenscbsit 
der Philosophie überhaupt, und namentlich der theoretischen Untersuchungen 
bezeichnet. 

3) M. vgl. aber diese Schriften S. 64, 1. 

3) Hetsph. VII, 11. 1087, a, 14: xijj fwmfy xo£t Sfuttpaf füWest (s*. 

4) Metaph. IV, 3, Anf. (XI, 4). 

5} Denen sich hierin ausser Rataisson anch Kn-ra» III, 302 anscbliesat. 

6) Aristoteles nennt allerdings Eth. N. VI, S. 11-12, s, 9 neben der anf den 
Einzelnen bezüglichen 5pivr,3ic noch die o!xovo|i!« nnd noXiTtla, aber 1141, b, 81 
hat er die Politik (d. h. die Lehre vom Gemeinwesen mit Ausschluss der Ethik) 
in slxovo|i(s, 40|io9io!a, «olirreJl getheilt, so dsis demnach die Oekonomik einen 
Theil der Politik bildet. Bestimmter stellt Endemns Eth. End. I, 8. 1918, b, 
13 die JtoXim^ xoit otxwopui] xai f? ävrjon ab die drei Theilc der praktischen 



Oliederuog d. flystnm». |27 

zunächst die ethische Haaptwissenschaft, die er Politik genannt 
wissen will *), von den blossen Hilfswissenschaften, der Oekono- 
mik Feldherrnkunst und Rhetorik a ); sodann in der Politik den 
Theil, welcher von der sittlichen Thätigkeit des Einzelnen, nnd 
den, welcher vom Staat handelt *). Nicht unbedenklich ist es end- 
lich, dass in der obigen Einteilung, ob wir sie nun zwei- oder 
dreigliedrig fassen, die Logik keinen Raum findet. Die jüngeren 
Peripatetiker helfen sich hier mit der Behauptung, welche einen 
Streitpunkt zwischen ihnen und den Stoikern bildet, dass die Logik 
nicht ein Theil, sondern nur ein Werkzeug der Philosophie sei 5 ). 
Aristoteles selbst jedoch deutet diese Unterscheidung nirgends an 6 ), 
wenn er auch die Logik allerdings zunächst als Methodologie fasst '0, 
und sie würde auch nicht viel helfen: da er die Logik einmal mit 
solcher Sorgfalt wissenschaftlich bearbeitet hat, muss ihr auch in 
dem Ganzen seiner Philosophie ein bestimmter Ort angewiesen wer- 
den"). Das Fachwerk, welches sich aus den oben angeführten 

Wissenschaft zusammen; diese Einteilung mim mitbin den BlteBten Peripate- 
tikera angehören. 

1) Eth. N. I, 1. 1094, a, 18 ff. VI, 9. IUI, b, SS ff. 

2) Eth. N. I, 1 a.a.O. and 1093, s, 2. 1,-8, Auf. u. Sohl. II, 2. 1105, a, 12. 
VII, 12, Auf. lihet. I, 2. 3. b. o. 126, 3 —mit dem Namen der Ethik bezeichnet 
Aristoteles iiftr die nikomaohisebe Ethik; s. o. S. 72, 1. 

3) Eth. N. I, 1. 1094, b, 2. Khet. 1, 2. 1356, a, 25. Ebenso wird in der IV 
lik, B. I, die Oehonomih, soweit Aristoteles überhaupt auf sie eingegangen ist, 
m Staatslehre gezogen. 

4} Eth. N. I, 1. 1094, b, 7. So auch in der ausführlichen Erörterung 
X, 10. 

5) Üiou. V, 28. Alex, in pri. Anal. Anf, SchoL 141, a, 19. b, 26. in Top. 
41, ul Amhon. b. Wim Arial. Org. I, 44 med. Siupl. Categ. 1, f, Schol. 39, b, 
u. Philop. in Categ. Schol. in Ar. 36, a, 6. 13. 15. 37, b, 46. Den. in Anal, 
pri. ebd. 143, a, 3. Anon. ebd. 140, a, 45 ff. DiviD in Categ., Schol. 26, », 1, 
IQ anch theil weise weitere Abteilungen der Logik und der logischen Schriften. 

6) Denn dass er Top. I, 18, Schi. VIII, 14. 163, b, 9 die logische Fertig- 
keit ein Organ der Philosophie nennt, ist ganx unerheblich. 

Vi S. u. Kap. 4, Anf. 

8) Nicht stichhaltiger ist auch rUviissoN's Auskunft (a. a. 0.252. 264 f.): 
die Analytik sei keine besondere Wissenschaft, sondern die Form aller Wiaseu- 
■chaft. Sie ist vielmehr das Wissen von dieser Form, welches ebensogut ein 
besonderes Fach ausfüllt, wie die Metaphysik als das Wissen von den allge- 
meinen Gründen alles Seins. AUsbach Qesch. d. Phil. I, 247 meint gar, „es 
länne keinem Zweifel unterliegen, dass die Mathematik, welche einen Theil 
der Philosophie ausmacht, die jetzt sog. Logik sei." 



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128 Ariitotelw. 

Aeusserungen des Philosophen ableiten Hesse, erscheint so für den 
in seinen Schriften vorliegenden Stoff Iheils als zu weit, theils als zu 
eng. — Eine andere Eintheilung des philosophen Systems könnte man 
auf die Aeusserung gründen, dass alle Sätze und Aufgaben theils 
ethische, theils physische, theils logische seien 0- Unter dem Logi- 
schen fasst aber freilich Aristoteles hiebei die formale Logik mit der 
ersten Philosophie, unserer Metaphysik, zusammen 0» was für sich 
allein schon beweisen würde, dass er es bei dieser Unterscheidung 
nicht darauf abgesehen haben kann, für die Darstellung »eines Sy- 
stems, in welcher beide Fächer so klar geschieden sind, den Plan 
zu verzeichnen. — Müssen wir aber hiernach darauf verzichten, über 
diesen in bestimmten Erklärungen einen mit der Ausführung über- 
einstimmenden Aufscbluss von ihm zu erhalten, so bleibt nur übrig, 
dass wir die letzlere selbst darauf ansehen, welchen Gesichtspunk- 
ten sie folgt Und da treten nun in den Schriften des Philosophen, 
nach Abzng dessen, was blossen Vorarbeiten, geschichtlicher und 
naturgeschichtlicber Sammlung und wissenschaftlicher Kritik ge- 
widmet ist, vier Hauptmassen hervor: die logischen, die metaphy- 
sischen, die naturwissenschaftlichen und die ethischen Untersuchun- 
gen. Eine fünfte Abtheilung bildet die Kunstlehre, von der aber 
Aristoteles nur die Theorie der Dichtkunst bearbeitet hat. Diese 
verschiedenen Zweige aus dem Begriff und der Aufgabe der Philo- 
sophie abzuleiten , oder sie auf eine einfachere Eintheilung zurück- 
zuführen, hat Aristoteles, wie es scheint, unterlassen. Von ihnen 
selbst wird, wie in der Reihenfolge der wissenschaftlichen Haupt 



1) Top. I, 14. 106, b, 19: &ti 6' ui; Timp MpiXaßifv tüv jtpoT&TOüv xtzt tä» 
7tpoßXiiu.ÄTK)« [lipTj Tpla. a! [iiv f ip ifimA ipotiotn ticftv, B I Bi (pu-jixsiL at 3k Xo^i- 

kil. .. . ö[io»D4 äk xai T& JtpoßXijpiaTa Tipb; iolv oiv f iXooo? iav xsi' öXifBcuw Tcepl 

aü-tüv tip»y|o.ot£'jt&)v, SiaXexTtxüi; Bi npbf B<S?av. Ziemlich unerheblich Jet d&go- 
gen, das« in Beziehung auf den Unterschied des Wissens und der Vorstellung 
Anal, post I, SS, Sohl, bemerkt wird: xa i\ Xoittb kü; M BiavSTim Ird it Sia- 
voia; %A voQ xal &nra[pi)( xa\ T^fvijj xc " ??ovr|0£(at xa\ aoyiss ta fiiv qjuaiicjj^ -tä 
Si -/fiinTji Bttupute p-sXXov Iotlv. 

2) Als ein Beispiel logischer Sätze nennt Top. a. «. 0. den Sats, welcher 
der Sache nach ebenso zu der Methodologie oder Analytik gehört, wie aar Me- 
taphysik (vgl. Metaph. IV, 2. 1004, a, 9 ff, 1005, a, 2), dass das Entgegenge- 
setzt« unter die gleiche Wissenschaft falle. Aach in den S. 1 17,3 angeführten 
Fallen steht Xofixbf bald für logische bald für metaphysische Untersuchungen; 
für letztere auch Eth, Eud. 1, 8. 1217, b, 16. 



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Gliederung de«- System«. U9 

werke '), so auch in der Darstellung des Systems das Logische und 
Methodologische voranzustellen sein , welches Aristoteles selbst als 
eine Vorbedingung aller anderen Forschungen bezeichnet ■)- Auf 
diese Erörterungen über das wissenschaftliche Verfahren wird die 
»erste Philosophie" zu folgen haben; denn mag auch ihre zusam- 
menhängende Ausführung in unserer Metaphysik vielleicht die letzte 
Arbeit des Philosophen sein s ), so enthält sie doch den Schlüssel 
für das philosophische Verständniss der Physik and der Ethik, und 
alle jene Bestimmungen, ohne welche wir in diesen Wissenschaften 
keinen Schritt thun können, über die vier Ursachen, über Form und 
Stoff, über das Einzelne und Allgemeine, über die verschiedenen 
Bedeutungen des Seins, über Substanz und Accidens, über das Be- 
wegende und das Bewegte u. s. w-, haben in ihr ihren Ort. Auch 
schon der Name der ersten Philosophie drückt aber aus, dass die- 
selbe der Sache nach allen andern materialen Untersuchungen vor- 
angehe, weil sie die allgemeinsten Voraussetzungen erörtert *}. 
Ad die erste Philosophie schliesst sich zunächst die Physik an, und 
erst an diese die Ethik, da jene von dieser vorausgesetzt wird s ). 
Zur Ethik wird auch die Rhetorik zu rechnen sein *), wogegen die 
Lehre von der Kunst ein eigenes, mit den übrigen in keinen be- 
ll S. o. 105 f. 

2) Metaph. IV, 3. 1005, b, 2: tau 6* ffttipoSm töv Xrrovnuv Ttvi( ntat t% 
ilr^tia^, %i TpÄJtov Sit äiroS^ioßat, Bl' inatStualav tü>v ÄvaluttxüW toSio ipöJat»- 
it' »ip xtpk todriuv fjxttv itpocmtnafi^vou;, k'k\a |*J) ixotfov-?«t l^tttv. Dabei ist es 
für die vorliegende Frage ziemlich gleichgültig, ob du xotiiuv auf övaiuxixniv 
oder richtiger Auf die in den Worten Jtsp'i xijt aXijOuof u. 1. f. angedeuteten Un- 
teren drangen bezogen wird, da es der Bache nach auf du Gleiche hiiiaus- 
bmnit, ob ich sage: „man hiubs mit der Analytik bekannt sein", oder: „man 
boh mit dem, was die Analytik ia erörtern hat, bekannt sein" ; unzolftaaig iit 
ä»gegen Prakti.'s Erklärung (Gesch. d. Log. I, 137), welcher du Toifruv, statt 
dm Worte, womit ea zunächst verbünd™ ist, auf die äftu>|iaT» belieben will, 
*on denen früher die Kens war, und welcher ea nnn in Folge dieser Auffassung 
tuiTeneihlich findet, dass unsere Stelle als Beleg für die Voran Stellung der 
Analytiken gebraucht werde. 
S) 8. o. 108. 

4) Noch deutlicher, als der Superlativ Jtpi&Ti] T Aotafla , zeigt diese der 
Comparatir: <fd.oaofla irporE'pa (?u3uüj(, (iofci(Mrrut^() Metaph. VI, 1. 1Ü26, a, 
13. 30. gen. et corr. I S. 318, n, 5. 

5) 6. o. S. 107. 

6) S. 8. 125, 8. 

'kta. d. Gr. II. Bi 3. Abth. 9 ' 

Digilizedby GoOgle 



*30 Ari.toUle». 

stimmten Zusammenhang gesetztes Fach ausfällt, und daher von 
ans nnr anhangsweise behandelt werden kann. Das Gleiche gilt 
endlich von den Aeusserungen des Philosophen über die Religion, 
da eine Religionswissenschaft als solche ihm noch fremd ist. 

4- Die Logik. 
Aristoteles wird von Alters her als der Schöpfer der Logik 
gepriesen, und dieser Ruhm ist auch wohlbegründet. Indessen dür- 
fen wir nicht übersehen, dass er diese Wissenschaft nicht selbstän- 
dig, sondern nnr aus dem Gesichtspunkt der Methodologie, als wis- 
senschaftliche Technik, behandelt, dass er mit derselben nicht eine 
vollständige und gleichmässige Darstellung der gesammten Denk- 
thätigkeit, sondern zunächst nur eine Untersuchung über die For- 
men und Gesetze der wissenschaftlichen Beweisführung beabsichtigt. 
Von der einen Hälfte seiner Logik, derTopik, sagt er diess selbst '); 
bei dem anderen und wichtigeren Theile, der Analytik, ergiebi es 
sich tfaeils gleichfalls aus einzelnen Andeutungen, welche derselben 
die Stellung einer wissenschaftlichen Propädeutik anweisen *), theils 
aus der Analogie der Topik, theils und besonders aus ihrer ganzen 
Behandlung. Von den beiden Analytiken, diesen logischen Haupt- 
werken, beschäftigt sich die eine mit den Schlüssen, die andere mit 
der Beweisführung 3 ); nur im Zusammenhang dieser Untersuchung 
und nur so weit es für dieselbe nothwendig ist, bespricht er die 
Satze*); srst später 6 ) hat sich ihm hieraus in der Schrift vom Aus- 
druck eine selbständige Erörterung über dieselben entwickelt Ebenso 
kommt er zur logischen Betrachtung der Begriffe zunächst von den 



1} Top. I, 1, Auf.: S\ yiv jrpiflEaij tijs ftpafpaTEiac [«DoSo» tüptiv, a.tp' %t 
Buv)joi[i(0« ouU.offCsoflai wpi iwuTOt toB ispottfl&Tot npojäXjjfiaxos ö; evS<S£uv xat 
aitift Xiyov Gn^ovT£( lieAev £poü[uv SjtEvaNTio». Vgl. c 2. c. 8: ?Eoj«v Bi te^cu; 
T^v jaiflgSov, Brav ifioiius f^ujiev 5<jiT£p «Vi faioptxrn xal iccTpix^i xal töv roioiiTdiv 
B«vi(i£cdv. wüto 8' lot\ t'o in, tüv eVS^OfieWu noifiv ä npOBipoiifuB». 

2) S. o. 129, 2. 

8) Das gemeinsame Thema beider wird Anal. pri. Auf. so bezeichnet: JtpSt- 
tov p.b tiitrtv itEp\ ti xst tivoj äoriv i\ axityn, Sri irep't äjrfSeifiv xn\ ätra-nJLiijt iiro- 
Eiixtixjjf. Ebenso am Sobluss, Anal, post. II, 19, Auf.: mp'i \i\v o3v truXXoy lujioü 
%A iisoBtf&iuf, ti t* fxitipöv fori xal nü>s -fcWr«, yavepbv, äp.a Gl x*\ wp\ imirnj- 
P]( äsoBuxTix^c wirbt -fip fanv. 

4) Anal. pri. I, 1—3. Anal. post. I, 2. 72, b, 7. 

6) S.o. 106,4. 



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Logik. 131 

Schlüssen aus; die Definition behandelt er, als ein Ergebniss der 
Beweisführung, in der Analytik '), und die logischen Eigenschaften 
der Begriffe überhaupt werden nur aus Anlass der Schlusslehre be- 
rührt *). Die Kategorieenlehre aber gehört mehr zur Metaphysik, 
als zur Logik, da sie nicht aus der logischen Form der Begriffe oder 
dem bei ihrer Bildung beobachteten Verfahren abgeleitet, sondern 
durch die Unterscheidung der realen Verhältnisse gewonnen wird, 
auf welche sie sich ihrem Inhalt nach beziehen; nnd in Ähnlicher 
Weise scheint Aristoteles auch in den verlorenen Schriften ver- 
wandte Fragen behandelt zu haben s ). Auch der Name der Analy- 
tik 4 ) weist darauf hin, dass es sich für ihn bei den Untersuchungen, 
welche wir zur formalen Logik rechnen wurden *), zunächst darum 
handelt, die Bedingungen des wissenschaftlichen Verfahrens, und 
näher des Beweis Verfahrens, zu bestimmen'). Sokrates hatte die 



1) Anal. post. II, a ff. vgl. besondere c. 10. 

S) Du Wenige, was in dieser Beziehung sn erwähnen ist, wird später 
'beigebracht werden. Schon die Definition des 8f*>4 Ana), pri. I, 1. 24, b, 16 
j5»t 5t xaXw ih 8v SiaXüctai t) npÄTKtnf) zeigt, dsss Aristoteles auf analvtisuhem 
Wege, wie von den Schlüssen in den Sä-tsen, so von den Stttien zu den Be- 
griffen gelangt; beide kommen nnr als B est ancith eile des Schlusses in Be- 
triebt. 

i) Was wenigstens Simplicius in den S. Gl angeführten Stellen ans der 

Schrift s. lujv 'AviixEifievioV mittheilt, lautet mehr mttanbysich , all logisch. 
Aristoteles selbst rechnet Motaph. IV, 3. 1004, a,25— b,4 die Untersuchungen 
über den Begriff nnd die Arten des tWvxlov sur ersten Philosophie und ebd. V, 
10. 1, 4 ff. handelt er ausführlich davon. 

4) Aristoteles nennt nicht allein die beiden logischen Haupts chrifteu 
.taXimxä (b. 8. 52, 1), sondern der gleichen Bezeichnung bedient er sieb (s. 
o. 139, 2) auch für die Wissenschaft, mit der sieh dieselben beschäftigen. 

fi) 'AvnXiisiv heisst; ein Gegebenes auf die Bestandteile, ans denen es iu- 
i Immen g es« tut Ist, oder die Bedingungen, durch die es zu Stande kommt, su- 
räckführen. In diesem Sinn gebraucht Aristoteles ävüvotj und ävaXihtv 
stehend für die Zurückt'ühruiig der Schlüsse auf die drei Figuren, s. B. Anal. 
pii 1, 12, Auf, : •!,., Tobe ^s-fcv>][xtvou; [auUoviou.<]it(] ävctXdoiusv «t{ ta itposipi)- 
I 1 "» freien, wofür unmittelbar vorher stand: rc£; 8' iv*Es|«v rous ouUovtdf. 
P>* ik "i Ttpoiipr^va opjjwr*. Und da nnn jede Untersuchung darin besteht, 
fai die Bestandtheile nnd Bedingungen dessen, worauf sie stob besieht, auf. 
e^aobt werden, so steht ävaWj'.v neben tirrfh in der Bedeutung: untersuchen. 
So Eth. N, HI, 5. 1112, b, 16: (SouJwJsTai . . . ooSs\{ Mpl toB -nftouc, ■) UJ.a6ifi.ivot 
™tn, JtSjxeABiä t!vuv fotai axoicoü<n . . . . Iwi 3™ fXIhuaiv h& to npükov ahun, 
äwiij iSpfon hf*x&v low ö f«p BouXtuo'jiwos toixi 1Jt ( tSv t*i äveiiisw Vov dpi- 

9* 

i 



i32 Aristoteles. 

Methode der Begriffsbiidung entdeckt, Plato die der Eintheilung 
hinzugefügt; Aristoteles hat die Theorie des Beweises erfunden, 
und diese ist ihm nun sosehr die Hauptsache, dass ihm die ge- 
sammte Methodologie darin aufgeht. Wenn daher die spateren Pe- 
ripatetiker die Logik als Werkzeug der Philosophie bezeichne- 
ten *), und wenn desshalb in der Folge die logischen Schriften des 
Aristoteles unter dem Namen des Organon zusaromengefassl wur- 
den *), so ist diess nicht gegen den Sinn des Aristoteles*); die 
Behauptung freilich , dass diese Wissenschaft als Organ der Philo- 
sophie nicht zugleich ihr Theil sein könne 6 ), würde er schwerlich 
gebilligt haben. 



fiiiov Tpfaov (uoirsp Sityps^iu«. fotvrceu S' J) [üv tifanif ni xSaa iüvnt fleiiXsuo«, 
oTov at lUtttHURWOft, f] Bi ßwSlEuutf rcäaa (ijngotf , xa\ Tb (ox«toy h ty JvbIu'oei 7cpG- 
tov iTvai h -rij yetiau. (Vgl. Trebdelehburo Elem. Log. Amt. S. 47 f.) 'AvctXv- 
tnaf heiaat demnach: auf die (wissenschaftliche) Untersuchung bezüglich, und 
Ta ivalurixi: das, WM sich auf die wiss ans ohaftliohe Untersuchung besieht, 
die Methodologie. 

I) Ueber diese seit Cicero nachweisbare Bezeichnung vgl. Psütl Gesch. 
d. Log. I, 614, 27. 536. 

3) S. o. S. 127, 6. 

3) Bei den griechischen Auslegern bis in's sechste Jahrhundert findet sich 
dieser Name fiir die Schriften noch nicht, erst spater wird er für diese ge- 
bräuchlich (vgl. Wjitz Ariat. Org. II, 393 f.); dagegen werden dieselben auch 
schon von ihnen Äofavixi genannt, weil sie sieh auf das Sp-favov (oder das öp- 
vovubv Jispo«) fXaaoflMt beliehen; Tgl. Sikpl. in Categ. 1, c Philcp. in Cat,, 
ßchol. 36, o, 7. 16. David ebd. 35, a, 3. 

4) PiiiSTL Gesch. d. Log. I, 186 ereifert aioh insofern ohne Grund über 
„die Schulmeister des späteren Alterthnnu", welche, „infieirt von dem Blödsinn 
der stoischen Philosophie", die Logik als Werkzeug des Wissens neu jeden 
Preis voranstellen wollten. Diese ist wirklich die Stellung nnd Bedeutung, 
welche ihr Aristoteles anweist; dass sie ihren Zweck, ebenso wie die Physik 
nnd die Ethik, in sich selbst nnd ihrem eigenen Gegenstand habe, dass sie 
eine philosophisch begründete Darstellung der Th&ügkeit des menschlichen 
Denkens nnd sonst nichts sein wolle (a. a. 0. 8. 136 f.), ist eine Behauptung, 
welche sich weder durch bestimmte Aussagen des Aristoteles noch dnreh die 
Beschaffenheit seiner logischen Schriften beweisen ISsst. Die „reale metaphy- 
sische Seite der aristotelischen Logik" braucht man dessbalb nicht ausser 
Acht in lassen: auch als Methodenlehre betrachtet kann sie ihre Wnrseln in 
der Metaphysik haben, und auch wenn sie dieser vorangestellt wird, kann «ich 
schliesslich die Notwendigkeit ergeben, sie auf metaphysiche Prineipien su~ 
rBckaofOhren. 

6) S.O. 127, 6. 

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Entstehung des Wiiaui. (33 

Um nun diese Methodologie richtig aufzufassen, wird es nölhig 
sein, dass wir zuerst auf die Ansichten des Philosophen über die 
Natur und Entstehung des Wissens näher eingehen ; denn durch den 
Begriff des Wissens ist dem wissenschaftlichen Verfahren sein Ziel 
und seine Richtung bestimmt, und die natürliche Entwicklung des 
Wissens im menschlichen Geiste muss seiner kunstmässigen Ent- 
wicklung in der Wissenschaft den Weg vorzeichnen. 

Alles Wissen bezieht sich, wie früher gezeigt wurde, auf das 
Wesen der Dinge, auf die allgemeinen, in allen Einzeldingen sich 
gleichbleibenden Eigenschaften und die Ursachen des Wirklichen ')• 
Andererseits aber lässt sich das Allgemeine nur aus dem Einzelnen, 
das Wesen nur aus der Erscheinung, die Ursachen lassen sich nur 
ms den Wirkungen erkennen. Es folgt diess theils aus den meta- 
physischen Sätzen unseres Philosophen aber das Verhällniss des 
Einzelnen und des Allgemeinen, welche uns spater noch begegnen 
Verden; denn wenn nur das Einzelwesen das ursprünglich Wirkliche 
ist, wenn die allgemeinen Bestimmungen nicht als Ideen für sich 
sind, sondern nur als Eigenschaften den Einzeldingen anhaften, 
so muss die erfahrungsmassige Erkenntniss des Einzelnen der wis- 
senschaftlichen Erkenntniss des Allgemeinen nolhwendig vorange- 
hen 1 ]. Noch unmittelbarer ergiebt es sich aber für Aristoteles ans 
der Natur des menschlichen Erkenntnissvermögens. Denn so unbe- 
denklich er zugieht, dass die Seele den Grund ihres Wissens in sich 
selbst tragen müsse, so wenig halt er es doch für möglich, dass 
ein wirkliches Wissen anders, als vermittelst der Erfahrung, zu 
Stande komme. Alles Lernen setzt schon ein Wissen voraus, an 
das es anknüpft 3 ]; aus diesem Satz entwickelt sich aber das Beden- 



1) 8. o. 8. 110.117. 

I) Aristoteles selbst wellt auf diesen Zusammenhang «einer Erkenntniss- 
U» mit »einer Metaphysik De an. III, 8. 432, a, 3 : feA 61 oiBfc spSv[i« oüfl^ 
wn "ipi tl [ie-jeUi], <ü; Soxfl, ti afaftqtä ■tz-f_t>p<a[i.d<iQv } h läit, cTSttn toi; s?<j8rj , col( 
nvei|T±kTi, (vgl. c. 4. 430, a, 6: tv St tot; e^ouoiv GXnv Suvifiti ExaonS* &m 
tüi ra]t£<i) Tct te h ivatpiati Xrrä|uva (die abstrakten Begriffe) xol Bsa rüv <zfa- 
fojtiZn l^iif xa\ iti&i], la'r Bis toüro oSre |i)j aiüSavi^Evst prflh oüfllv 3v jiifioi o£St 
P"<t1" ÜTccv te fleiupi], ävif"! Siia tpAvTidfii tt BeuipEtv xa ykp tpnvTacJjiaia fiojKp 
«ä*i|«n« Ion, *Xi)y £viu ttr, ( . 

3) Anal. poat. I, Anf. : r.xcx Sifasxalia td: r.iax jj.a07]<j'.4 SiaVOi]Tixrj Ex Ttpo- 
wipjiiJmjj TtusTiii -fVüiaE'o;, was sofort an den einzelnen Wissenschaften sowohl 
saiiehtlieh der Beweisführung durch Schlüsse, als hinsichtlich des Indult - 



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{34 Aristotelei. 

ken, welches den Früheren so viel zn schaffen gemacht bitte l )i 
dass überhaupt kein Lernen möglich zu sein scheint. Denn entwe- 
der, scheint es, müssen wir dasjenige Wissen, ans dem alles an- 
dere abzuleiten ist, schon besitzen, diess ist aber eben thalsach- 
lich nicht der Fall; oder wir müssen es uns erst erwerben, dann 
würde aber der obige Satz gerade von dem höchsten Wissen 
nicht gelten *> Dieser Schwierigkeit hatte Plato durch die Lehre 
von der Wiedererinnerung zu entgehen gesucht. Aristoteles weiss 
sich hiemit, ausser allem Uebrigen, was er Cs. u.) gegen die 
Präexistenz der Seele geltend macht, schon desshalb nicht zu be- 
Ireunden, weil es ihm undenkbar erscheint, dass wir ein Wissen in 
uns haben sollen, ohne uns dessen bewusst zn sein a ); davon nicht 
zu reden, dass das Sein der Ideen in der Seele, wenn man es ge- 
nauer zergliedert, zu mancherlei Ungereimtheiten führen würde*]). 
Die Lösung liegt vielmehr für ihn in jenem Begriff, mit dem er so 
viele metaphysische und n&lurphilosophische Fragen beantwortet, 
dem Begriff der Entwicklung, in der Unterscheidung von Anlage 
und Vollendung. Die Seele, sagt er, tnuss allerdings ihr Wissen 
in gewissem Sinn in sich tragen; denn wenn schon die sinnliche 
Wahrnehmung nicht einfach als ein leidentlich.es Aufnehmen des 
Gegebenen, sondern vielmehr als eine durch dasselbe veranlasste 
Thätigkeit zn betrachten ist 6 ), so muss diess von dem Denken, 

tionsboweisüs nachgewiesen wird. Da» Gleiche MeUph. I, 9. 992, b, 80. Etb. 
H. VI, 3. 1139, b, 26. 

1) S. 1. Abth. S. 639. I, 771. 

8) Anal. polt. II, 19. 99, b, SO: Jedes Wissen durch Beweisführung aotit 
die Kenntnis!! der höchsten Principien (der apya't äjuiroE s. u.) vorans. Ttöv 5' 

«Lifaiov t)]v -]-vtT>oiv . . . 6fiijropT|tjEiEU su ti; x«\ nÄTEpon oilx ivoüan a! IEe(( (eben 

jene ftSint) E'-frivovrai ?, Ivoieai XsliJBaaiv. d y.h Sij efo^ei «foaf , äxoicov- oup> 
ßaiVEi fafi äxptßccrt^pa; £^_ovta( yvu)«'; a^oäsi^eiui XavBivEiv. d St Xajißivajifv p.7; 

EJ^OVTEt ICpOTEpOV, EüJf ÖV f VU)pL^0l|f£V Xa\ [ISvOaVülLLEV ix ft)] XpoÜKapfavOTH yväi- 

0£«k; äBiivarov yip ■ -- fsvtpöv roivuv, Eti oüt' e^elv oföv T£, ojt' ä-rvooioi xät faf- 
Si[i(av fyouam I?iv E^^fvEoSoi. 

S) A. a. O. and Metapl>. I, 9. 992, b, 33.- 

4) Top. II, 7. 113, a, 25: die Ideen müssten, wenn sie in uns wsren, sich 
auch mit uns bewegen n. s- w. Doch hätte Arist. selbst wohl dieaem bloa dia- 
lektischen Einwarf schwerlich grosse Bedeutung beigelegt. 

5) De an. II, 5. 417, n, 2 ff. Arist. sagt hier, weder die Wahrnehmung 
noch das Denken dürfe ein nio/Eiv und eine oXXoiwit; genannt werden, ausser 
wenn man zwei Arten des Leidens und der Veränderung unterscheide: ?>fv te 



Entstehung des Wiaaens. 135 

welches keinen äusseren Gegenstand bat, noch weit mehr gelten 1 ): 
da das reine Denken von seinem Gegenstand nicht verschieden ist *)» 
so hat es diesen unmittelbar in sich selbst s 'j; in seiner Selbstan- 
scbauung ist daher jene unmittelbare und irrthumslose Erkenntnis« 
der höchsten Prineipien gegeben, die von allem abgeleiteten und 
vermittelten Wissen als Anfang und Bedingung desselben vorausge- 
setzt wird *)• Die Seele kann insofern als der Ort der Ideen bezeich- 

iVi :äj aTEpjrnxat BtaWom (uxaßsXJjv xai tJ)v ab Tic &'i "=' Tfjy fdoiy. Aehnlich 
111, 5. 429, b, 22 ff. III, 7. 431, a, 5. 

1) A. a. 0. 417, b, 18: x*i ta xai* sW^eie» [atatävsotlai] 6i opinis «fWM 
10 (lEUpEiv' Sia^EpEi Be, 3:i toS uev tx KonjTixa T)j< ivEpyela; ££m6ev, TÖ Opxriv 
d.i. v. sitiov S' Sil iöjv xaQ' Ixaarov fj xot' iiiffnai Kiaftijaif, jj 8' iwurtij|*^ toiy 

liWkoV TBÜTO 6' EV aülij 7CIU( (OTI TT} ^«XS' ® 1 ' y0 *i aal (*tv Ü»' «itt^ BtBV fkuJXjJ- 

nr, aiaBayttrBai 3* oux es' aCtö- sMyxoEtav yap äJtapx,"'' •b affflbiTäy. 

2| Da an. 111, 4. 430, s, 2 (nach dem S. 137, 1 An zufuhr od den) : xai «ätbc 
& [i ytin] voi)ti( eotiv öJomp tö yojjT«. fai [iiv f"p räW ävsu 5J.i)( tb auw! «W tb 
vmüv xai tb vooujievov Jj t«P fctwwft"! ^ 6««p>itoi)| xai tb säiut, «lEwtijtbv tb aBti 

3) Vgl. Anm. 1. 136, 2. Dieses Verhältnis» des Denkens >u seinem Ge- 
geastsnd wird später, in der Lehre vom Menschen, noch weiter in untersuchen 

4) Anal. post. II, 19. 100, b, 8: (iwl Si . . .. nJBlv Miio-njpjt öüptB^sTtpov 
älo YE»o< 5) voüf, ai 8' xpX.ai tüv aJto6«i£«i>y yvdipljtütcpai, iitiirnjtii) E' äitaoa 
Jtri iöpt» IcrA, tüv.öpx.üv £]T(vti{|M] jitv o'jx äv t!r M fall S' oiiäiu aiiiOiViEpoy iv- 
«yitai;Tvai ijCKJtiju.Jis fj voüv, vow iv t'r; nny ap/üv ... tl o«y u.ij8iv ÖXXa icap'te. 
im{|iiiy ffto( fx.o(uv iXi)(ll4i voC? 5v e'tj Enianffuji äpxi'' Eto. N. VL 6: t^t äpx*i* 
:w EEiTtiyrou oüt * «y äicioxnjp] iö] oüiE ts^yi] oute <ppiyi)gt( .... leinet»! vofly sttai 
■üt ipf&i. c. 7. 1141, 1, 17. b, 2. c 9. 1142, a, 25: ö|üv fa? voü( TÜV Spuv, üiv 
»ncraXäYOt- C 12. 1143, a, 35 (»osii TRK«UELESBUS»lIiBtot. Beitr. II, 376 ff. 
■•TgL): evoüc tw» i»x,iwov is' äjiipiiTtpa- xal^ap lüy jcpüiBiv Spun xai tüv iifß- 
nov voüf jart xai ou XifO(, xol ö [uv xaiä iä( «cciäii^eii [der theoretische Vsr- 
sUnd] tüv öxivijnuy SSpuv xa\ icpiutiuv, & S' £v to"i( npaxiixats [der praktisohs, 
«■ecltsetzende Verstand) toü eav_aTOu xa"l tySExoi**' 01 ' "-■ ■■ w - (Hieröber spater, 
in der Psychologie und der Ethik). Diese Erkenntniss der Prineipien ist ein 
unmittelbares (öu4oovj Wissen, denn die Prineipien aller Beweisführung lassen 
•ich nicht wieder beweisen (Aual. post. I, 2. 3. 72, a, 7. b, 18. c. 22. 84, a, 30. 
II, 9, Anf. c. 10. 94, s, 9. Metaph. IV, 4. 1006, a, 6 — das Genauere hierüber 
ipfcer). Ebendesshslb ist sie aber auch immer wahr. Denn der Irrthnm be- 
ucht nur in einer falschen Verknüpfung von Vorstellungen, und kann dess- 
Wb erst im Satz, in der Verbindung des Prädikats mit einem Subjekt vor- 
kämmen (Kateg. c. 4, bohl. De interpr. c. 1. 16, a, 12. De an. III, 8. 482, a, 11), 
du unmittelbare Wissen dagegen hat es mit reinen, auf kein von ihnen selbst 
verschiedenes Subjekt beaügüoben Begriffen an tbun, die man nur kennen oder 



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136 AilrtotilM. 

net *} »>d es kann von dem Denkvermögen gesagt werden, dass es 
alles Denkbare sei, weil es alles seiner Form nach in sieb sehliess! *). 
Aber zum wirklichen Wissen bann dieser Inhalt erst in der Erkennt- 
nissthätigkeit selbst werden; es bleibt also nur übrig, dass er vor 

nicht kennen, hinsichtlich deren min sich aber nicht tSoschen kann; De u. 
HI, 6, Anf.: f) uiv oäv Twv äStaiprrojv »inoij h -coüiott jcipl S oäx tan t'o $:Xv,- 
Jv o!( £1 i>i to $iBSos xa\ t'o ä).j]&l;, oiivfaois tt( jJ4)] voij[i£ruv m( tv Öv-ruiv. Ebd. 
Bohl.: fort 8' J} piv 911015 ti xatä Tivot, äoxip f, xorcäiptiaic, xal aX7)l% I) ^cuS^ 
jiäw & 81 vsOc oG it8(, £X1' S roB tMoti xsrei. tö t! f^v if*at ili|W)s, xa"t oj t\ 
xora Ttvof iXX' AWip TD Jpäv toB ßiou aXi)Ssf , i! B' üv6p<ORO{ ib Xiuxbv 1J pij, 
oix iljjtts atl, oBtu ( f/n Boa äveu BX^t. Metaph. IX, 10: fast Si .. . tb ... iljfik 
1| $i08os ... fett tö* npaYpiiTuv iot?It6) ovfxßoSai 1) Sii|p^ij9ai ... bot' io-Äv ?| oi» 

fort ib iXr,fll; X«Yojievo» 1 4*3*05, 1Up\ Si 8i| TB icnJvBeTa ti to sTvol J[ pu| e7v» 

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imanjflflval iXX' 1) voftv ?, >jjj . . . to Si äXt|81{ tb vofiv but4- to Si J>iB5o; oäx iom, 
o05' aTiinj, iXX' äfviiia. Nach diesen Stellen würden wir «ach unter den itpo- 
TÖatii äjwiei, welche die letzten Principien ausdrucken (Anal. post I, 2. 33. 
S8. 73, a, T. 84, b, 39. 66, b, 36), nnr solche Bfitae verstehen dürfen, in denen 
das Prädikat im Subjekt schon enthalten ist, nicht solche, in denen es :u einem 
von ihm verschiedenen Subjekt hinsutritt, also analytische Urtheile a priori. 
Ebeuso ist dar Sprap.bc tuv ayiatav (ebd. II, 10. 94, a, 9) eine Wtnt roü t! tum 
svaxiEuxTOf , worin nichts Aber das Sein oder Nichtsein eines Begriffs oder 
seine Verbindung mit gewissen Bnbjecteii anageeagt wird. Wenn endlich 
Metaph. IV, 3 f. 1U05, b, 11. 1006, a, 8 der Bata des Widerapnich» als die pV 
(Siiothtt) äp^J) KBoiäv nto\ Ift 3ta4ct»6i|vai äoiivaTov hexeichnet wird, so handelt 
es «ich anch in diesem nur um den Grundsatz aller analytischen Urtheile, die 
formelle Identität jedes Begriffs mit sich selbst. Diese ganae Lehre Über das 
unmittelbare Wissen ist aber allerdings von einer Unklarheit nicht frei, deren 
letzter Grand eben in der Voraussetiruig liegt, dass allgemeine Begriffe und 
GrandsatEG überhaupt ein unmittelbar Gegebenes sein können. 

1) De an. in, 4. 4S9, a, 27: xA ti 8J] ot X^fovTs; rt|v tj.ux.Jiv iTvai -rficov ci&uv 
(wohl Plato, s. Abth. 1, 580, 1), jcXJjv !tt out« 8).i] 4U* J) vo<]TixJ| , oBti tvxtltxeia 
ilU Buvxpat t! iTSi). 

- 2) De an. DU, 8, Anf.: vBv SI mpt <}*>■/?•'• T * ie/."**™ aajutfakatwtnmti eociu- 
[UV icaXrv Bti ij 4«^jj tä övts nd; f<ra Tuivia. I) f äp alatiirrä Ta Övtk ]) votjt«, um 
8* ij ini3Ti(p;T] piv Ti tetarjjT* «««, ^ 8' afoftijais t« afaftiti. (Vgl. II, 5, Bold. III, 
7, Auf.) Wie diess aber su verstehen ist, ergieht sich aus dem Folgenden: 
sva-fxr, 5' I) aütä )) TS t!or h (IftU. o&ra uiv yap 8j) e3- öS ^ap ö XiBo; jv Tg ^XJli 
äXXa ib eTSo;- StteI, du^)] £mup ft /dp luriv xalYop j)x E V Öpyav6> jonv opfiviuv, 
Stal o voü; tfäo? tßüv xa\ ^ sTsOi)«!« cito« alafrjTbiv. Die Seele igt also Alles nnr so- 
fern sie die Formen aller Dinge in sioh trflgt, nnd su Vorstellungen entwickelt. 



Entstehung des Wissens. 137 

derselben Mos der Möglichkeit und der Anlage nach in der Seele 
sei; und diess ist er, sofern sie die Fähigkeit hat, ihre Begriffe 
selbstihäiig aus sich zu bilden ')■ Ist uns aber das Wissen als sol- 
ches nicht angeboren, sondern muss es erst im Laufe der Zeit in 
allmähliger Entwicklang von uns erzeugt werden , so folgt von 
selbst, dass wir am Anfang dieser Entwicklung von demjenigen 
Wissen, welches ihr höchstes Ziel bildet, von der begrifflichen Er- 
kenntniss der letzten Gründe*) noch am Weitesten entfernt sind; 
dass mithin die Erhebung zum Wissen nur in einer stufenweisen 
Annäherang an dieses Ziel, einer zunehmenden Vertiefung unserer 
Erkenntnis«, im Fortgang vom Besonderen zum Allgemeinen, von 
der Erscheinung zum Wesen, von den Wirkungen zu den Ursachen, 
bestehen kann. Das Wissen, welches uns weder als ein fertiges 



1) De an. III, 4. 429, a, 15 (wo aber im Vorhergehen den eine Lücke im 
Text zu sein acheint): önaflt; äpn 3fi eTvbi [to voi)Ttxöv], Sextixov Be toü e*8ou; xa't 
Suviji« rotoürov Jsc. oTov to eÜBo;] iXXi |i}] tquto, xal oiiofaj e^eiv, öjarop to aiaOij- 
tiibv Tupbt ti ahfaph, oÜnu tqv voüv rcpbt t! viTjt&. ... & ipa xaXoJjunof tijj tyr/fc 
voi( ... oiOsv eotiv EVEpyEfa t5v Övtuv npW voiiv ... x«\ e3 8J) u. B. f. (b. o. 136, 1). 
Ebd. b, 30: 5'jvip.Ei jciuf fori ti votitci h voü?, «ää' ^vtcXeX"'? oiSh, nptv 3v vorj, 
äö 8* o&tiu; fimtEp ev YpafifiaTEdu i5 jjujSiv S7cipX E ' fcii*i)(ti« YE"fP ll ( 1 r l ^' 0, ■ ^ nt P 
ou|lj)«nei fiel TOÜ vou. Hier (b, 5) und II, 5. 417, a, 21 ff. wird dann noch ge- 
nauer zwischen einer doppelten Bedeutung des Bjvijm unterschieden: SuvägiEi 
Kionj^biv kann man nicht allein denjenigen nennen, welcher noch Dichte ge- 
lernt hat, aber die Anlage besitzt, etwas an lernen, sondern aneh den, welcher 
etwas weis«, aber sich dieses Wiesen in einem gegebenen Zeitpunkt nicht in 
•irklicher Betrachtung vergegenwärtigt. Nach der letzteren Analogie hatte 
■ich Plato das angeborene Wissen gedacht, Aristoteles denkt es sich nach der 
entern, und eben diess soll auch die Vergleiohnng der Seele mit dem unbe- 
schriebenen Bach ausdrücken; wogegen es ein Miss vers tan dniss war, wenn 
die» Vergleichung im Sinne des spfiteren Sensualismus verstanden wurde. (Vgl. 
Heck. Gesch. d. Phil. II, 342 f, Teehdbi.rnbüiic z. ä. 8t. S. 485 f.) Arist. will 
damit nur den Unterschied des SuvÄ|Iei und ivzpycla erläutern, die Torateilung 
dagegen, als oh der Seele ihr Inhalt, wie einem leeren Buch, von aussen her 
eingeschrieben würde, liegt ihm ferne. Inwiefern ihr aber freilich ein ur- 
spi Angliche» Wissen, wenn auch nur ein potentielles, oder genauer eine nr- 
•Dringliche Befähigung, das Wissen a,us sich selbst zu entwickeln, beigelegt 
"erden kann, wenn doch alle Begriffe erst vermittelst der Erfahrung gewonnen 
■erden, diess bleibt hier desshalb im Unklaren, weil Aristoteles noch nicht 
im Fall war, das Verhaltniss des Apriorischen und des Empirischen in unseren 
VorttaUttDgen scharfer tu bestimmen, nndjenes, wie Kant, auf die Vorstollsngs- 
foraien zu beschranken. 

2) Ueber diese, als das Ziel des Wissens vgl. ra. S. 110. 



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138 Aristoteles. 

gegeben ist, noch aus einem Höheren abgeleitet werden kann, moss 
aus dem Niedrigeren, aus der Wahrnehmung, hervorgehen '}. Die 
zeitliche Entwicklung unserer Vorstellungen steht daher mit ihrer 
begrifflichen Abfolge im umgekehrten Verhältnis»: was an sich das 
Erste ist, ist für uns das Letzte; während seiner Natur nach das 
Allgemeine grössere Gewissheit hat, als das Einzelne, das Priucip 
grössere, als das, was daraus folgt, so hat für uns das Einzelne und 
Sinnliche grössere Gewissheit 1 ), und es ist uns aus diesem Grunde 
diejenige Beweisführung einleuchtender, welche vom Einzelnen, als 
die, welche vom Allgemeinen ausgeht s ). 

Die Art aber, wie sich aus der Anlage znm Wissen ein wirk- 
liches Wissen entwickelt, ist diese. Das Erste ist immer, wie be- 
merkt, die sinnliche Wahrnehmung. Ohne sie ist kein Denken mög- 
lich*); wem ein Sinnesorgan fehlt, dem fehlt nothwendig auch das 
entsprechende Wissen, denn die allgemeinen Grundsätze jeder Wis- 



1) Anal. post. II, 19. 100, a, 10; oütc 8i) lwr,ifymaiv äip6>puijiivai al E^Eif 
(i. u. 134, 2), oüt' an' iiltuv t^iwv fivovtai Yvidarutwup wv, iXk' inb aijBijmiuj. 

2) Anal. puat. I, 2. 71, b, 33: npdTcpa 8' eVct x«i fviupipi-iEpa 8i)(Ö>{' oi -fip 
TOÜTDV npixspov tS] y iazi xot Tipbj ^iiäj itpOTEp&v &u8e ^voipiiioiTEpov xa\ f|p.iY ■ptupi- 
[uuTEpov. Xt^fi« 6i rcpif Jjfiöf jjlv npOTEpa xa't YVwpi|K&tlMl ta Ifjütifm t»i( atuthj- 
atoit, ir-X£( 61 jüpÄTEpa xoit yMipi|i«fmpct Ti Jtop'f (ütEpov. frti 81 JtojJpwTäTiu [tiv to 
xafloXou iiiXtort«, ^rruräTiu 8e ti xa8' Ixjhjt«. l'hys. *> '• 184 t ■■ 16: **>»» 5k ex 
xüjv ■yvcdpifuuTEpun ijjjlv Jj Ö8b( xa'i oa^EOTipiuv te\ ti anp&iEp« tjj fuatL xsl yvuipi- 
[luiTSpa ' ou -]-ip toCti j)[tfy TE yvtipLLia xa\ äjuXüif. I, 5, Sohl. Vgl. Metapli. I, 2. 982, 
», 28. V, 11. 1018, h, 29 ff. VII, 4. 1029, b, 4 ff. IX, 8. 1050, a, 4. Top. VI, 4. 
141, b, 8. 22. Do an. II, 2, Anf. III, 7, Auf. Eth. N. I, 2. 1095, b, 2. (Noch «Er- 
ker, aber mehr an Puw, Rep. VII, Anf., als an Aristoteles erinnernd, drückt 
sich Metaph. II, 1. 993, b, 9 aas.) Nur scheinbar widerspricht diesem, daas 
Fbya. I, t fortgefahren wird: esti fi' fjp.lv npiltov SijXa xal (jatpij ti ctuyxsxuiie'vb 
[löüXov ' EotEpov 5' h toutiuv -fivEtai -fvipiita ti <jtoi)(ei« xa'i «I äp^ai SiaipoÜoi taB- 
ta. Sie Ex tüv x«8oXou ärft ti xa8' Sxatrta Sei Kpa'ävai. TD -jap SXov xati TJ)v aiafirj- 
oiv YVuipi(iii)TEpov, tb 3i xa&iXou 3Xov Ti iotiv - jraXXi fip nEptXaiißavEt Ji( pipTj tb 
xaflo'Xou. Denn (wie auch Thesdblekbdbo z. Arist. De an. S. 338. Rittes, III, 
105 u. A- bemerken) es handelt sich hier nicht von dem logisch, sondern 
von dem sinnlich Allgemeinen, der noch unbestimmten Vorstellung eines 
Gegenstands, wie wir s. B. die Vorstellung eines Körpers früher haben, als 
wir seine Bestandtheile deutlich unterscheiden. 

3) Anal. pr. II, 23, Schi.: tpiisEi jikv olv npoTEpo; xai YV(upi[i.üiTEpQS S 8c« tqu 
jie'oou auXXo-jtoi/oi, Jjjuv B' EvapifE'aTEpoä ö Bii tijt ixaf<orf%i. 

*4) De an. III, 8. 432, a, 4 (s. o. 133, 2). De sensu c 6, 445, b, 16: oiSe 
voe" 6 vou; t& EXtb( pj) jaet' alaflijajiuj Svts. 



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Entstehung dos Wissens. 139 

senschaft lassen sich nur durch Induktion finden, die Induktion aber 
beruht auf der Wahrnehmung *> Die Wahrnehmung nun hat zu- 
nächst das Einzelne zum Inhalt *~) ; sofern jedoch im Einzelnen immer 
auch das Allgemeine enthalten ist, wenn auch noch nicht für sich 
abgelöst, so richtet sie sich mittelbar auch auf dieses *)• Oder ge- 
nauer: was die Sinne wahrnehmen ist nicht die Einzelsubstanz als 
solche, sondern immer nur gewisse Eigenschalten derselben; diese 
aber verhallen sich zur Einzelsubstanz selbst bereits wie das Allge- 
meine, sie sind nicht ein „Dieses" (to&V), sondern ein „Solches" 
(towvoY); wiewohl sie daher in der Wahrnehmung nie unter der 
Form der Allgemeinheit, sondern immer nur an einem Diesen, in 
einer individuellen Bestimmtheit angeschaut werden, so sind sie 
doch an sich ein Allgemeines, und es kann sich aus ihrer Wahrneh- 
mung der Gedanke des Allgemeinen entwickeln 4 ). Diess geschieht 
aber so: schon in der sinnlichen Wahrnehmung selbst werden die 
einzelnen sinnlichen Eigenschaften, also die relativ allgemeinen Be- 
stimmungen, welche der Einzelsubstanz anhaften, unterschieden b 'j; 
aus der Wahrnehmung sofort erzeugt sich mittelst des Gedächtnisses 
ein aligemeines Bild, indem dasjenige festgehalten wird, was sich in 
vielen Wahrnehmungen gleichmässig wiederholt, und es entsteht so 
zunächst die Erfahrung, weiterhin, weun viele Erfahrungen zu all— 

1) An. poat. I, 16. 

2) An. post. I, 18. 31, b, 6: tüv x«6" Ixaerov f, «Toi»]««- Dasselbe oft, i. B. 
An. post. I, 2 (b. o. 188, 2). c, 81, Anf. Phys. I, 5, Schi. De in. HI, 5. 417, b, 
2S. 27. Metaph. I, 1. 981,«, 16. 

S) De an. III, 8,8. 3. 183, 2. 

4} Ad. poat. I, 31, Anf.: oiät Si' aloOrjmcu; eoriv iitloiaaBai. s! yap xai fotw 
', suaOr,(T!( toü TOioüSt xal pj) toSSe* tiVOf (nur das t6Si aber ist Einzelsub- 
stans; oOSiv oi)|ia.LVEi TÖv xotvij xsmrropouuivwv tÖSe ti äiXi TOiävSt, Metaph. VII, 
13. 1039, a, 1 ; Weiteres nuten), i\V i?<iSgv(t>e<i{ -,e önc-rx«tov ti&t ti xb\ nuü xot 
ö». xo & xaß6Xav xai fei nämv äfiivarov xMavEiÖ«. oi3 T äp t<S6e oüfie vSv. II, 19. 
100,4, 17: «faflivctai jiiv tö xa6' ßtoorov, I, 8' aftj&i^i; roB xjOoXou eViv, 
tfo* cnSpiünou, akV ai KaXÄia av8ptijKiu. Vgl. weiter De an. II, 12. 424, a, 21 ff. 
• Phys. I, 6. 189, a, 5. Den Sinn dieser Stellen, und ihre Uebereinstimmung mit 
du sonstigen Lehre des Aristoteles, deren Herstellung noch Hktdkr (Vergl. der 
AristoteL und Hegel*echeij Dialektik I, lGOff.) zu viel zu schaffen macht, wird 
dss im Text Gesagte darthnn. 

5) De an. III, 2. 426, b, 6 ff. Daher wird die aleflijjij An. post. II, 19. 99, 
b> 35. Tgl. De an. III, 3. 428, a, 4. o. 9, Anf. eine Biivxps uiiu-putos xpraxi, ge- 



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140 Ariitotelei. 

gemeinen Sätzen zusammengefasst werden; die Kunst und die Wis- 
senschaft '); bis man am Ende zu den allgemeinsten Gründen ge- 
langt, deren wissenschaftliche Erkenntniss desshalb (s. u.) nur durch 
die methodische Nachbildung desselben Verfahrens, durch die In- 
duktion möglich ist. Während also Plato dadurch zur Idee hinführen 
will, dass er den Blick von der Erscheinungswelt abkehrt, in der 
seiner Meinung nach höchstens eine Abspieglung der Idee, nicht 
diese selbst, angeschaut wird, so besteht nach aristotelischer An- 
sicht die Erhebung zum Wissen vielmehr darin, dass wir zum All- 
gemeinen der Erscheinung als solcher vordringen; oder sofern 
beide die Abstraktion vom unmittelbar Gegebenen und die Reflexion 
auf das ihm zu Grunde liegende Allgemeine verlangen, so ist doch 
das Verhältniss dieser Elemente hier und dort ein verschiedenes: 
bei dem Einen ist die Abstraktion vom Gegebenen das Erste, und 
nur unter Voraussetzung dieser Abstraktton halt er ein Erkennen 
des allgemeinen Wesens für möglich, bei dem Andern ist die Sich- 
tung auf das gemeinsame Wesen des empirisch Gegebenen das Erste, 
und nur eine notwendige Folge davon ist es, dass vom sinnlich 
Einzelnen abstrahirt wird. Aristoteles nimmt desshalb auch dio 
Wahrheit der Sinneserkenntniss gegen Plato und seine Vorgänger 
in Schutz : er zeigt, dass trotz ihrer Widersprüche und Täuschungen 
doch eine richtige Wahrnehmung möglich sei, und trotz ihrer Rela- 
tivität die Wirklichkeit der Dinge, die wir wahrnehmen, sich nicht 
bestreiten lasse, dass überhaupt die Zweifel an der sinnlichen Wahr- 
nehmung nur von mangelnder Vorsicht in ihrer Benützung herrüh- 



1} Anal. post. II, 19. 100, a, 2: rx [*b oSv afofojoeio; -flvcrat [*vij[ii), &oKtp 
Xe^ojaev, ex 81 p.vjjp.-n; ToXk&xit toü eötaü VN0|*4nK Ijixapfs* at -jap xoU« |urij[M{ 
icj> äpiOfitj) Ijixticla jii« eWv. ex 3' ipriEipi«! Jj ex jt«vtÖ( ^psjujitivTo; io3 xatWXou 
£v T7) 'J'UJtTii t0 " ^ v ' 01 na P* "t* toXXä, ? «v it iicaatv Iv ävij IxEivotc t'o ttütb, t^[v>]t 
äpxf) »oft fatemjjMjc, liv jiev 7cepl fEVEaiY, tfyyil, i&i Be tsp\ tb Bv, ämir)[jja](. Me- 
tapb. I, 1. 980, b, 28: Y17VET01 3' ix Tvjf |iv^p.rj( J|ircaip[« tert; ivflpi&noif cd fäp 

jroXXil [ivijp;«i to5 aJ^oü npifp-atoj |«äc, E'u.ireipiat BJva[iiv inoTEXoÜai» äjcoßa£vii 

B' teionjfiTj xa\ t^(¥t| Sia -rij; ^Eipiat to1( ävflpÜTUo« fivena Bt re^ii], Siav ex 

jcoXXwv tij( spneipia; ivw^ilnaiv p[i x«8(5Xqij -jivr^m mp 1 ! ttüv Suoiiuv S?roX>$i;. "tö 
jiiv fip e^iiv fijciiX7]iiv 011 KaXXf« xifivom T)]v8\ tJ]V vioov toSI auvifvrfXE xal Ew- 
xpa-rai xa"t xiflExaaTov oBtiu noXXof(, Jp-Ttsipia; iVtiv ■ To 8' Bti ttäai ro« toKitoS» x(rt' 
E"ßio( Iv a^optiBtfai, xapvoutri i)]v8\ tJjv vdoov, ouVTJH-ptEV, . . . t^XW]C. An denselben 
Orten findet sich auch das Weitere. Phyi. VII, 3. 247, b, 20; ix ^ip Tijt xatä 
[lipot Ep.^Etpi»; rijY xaS6Xou XajAßävofitv ethtdjptjv, 



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Entstehung äea Wissens. 141 

reu '); ja er behauptet sogar, die Wahrnehmung führe uns für sich 
genommen niemals irre, erst in unsern Einbildungen und unsern 
Urtbeilen seien wir dem Irrthum ausgesetzt *)• Die Sinnestäu- 
schungen will er aber desshalb freilich nicht läugnen, er glaubt nur, 
dass nicht unsere Sinne als solche daran schuld seien -. das Eigen- 
thümliche, sagt er, was jeder Sinn wahrnimmt, die Farbe, den Ton 
u. s. f. stellen sie immer oder fast immer getreu dar; eine Täuschung 
entstehe erst in der Beziehung dieser Eigenschaften auf bestimmte 
Gegenstände und in der Bestimmung dessen, was nicht unmittelbar 
wahrgenommen, sondern nur aus dem Wahrgenommenen abstrahirt 
werde s ). 

Diesen Ansichten über die Natur und Entstehung des Wissens 
entspricht nun die Richtung der aristotelischen Wissenschaftslebre, 
der Analytik. Die Wissenschaft soll die Erscheinungen aus ihren 
Gründen erklären, welche näher in den allgemeinen Ursachen und 
Gesetzen zu suchen sind. Ihre Aufgabe ist mithin die Ableitung des 

1) Metaph. IV, 5. 6. 1010, b f. De an. III, 8. 428, t>. 

2) Da an. 111, 3. 427, b, 11 : fi [ib T ip aTa6»]9« tßv !8&™ at\ ilrßfa xoifc jsä- 
<m hicitffßi idtt tijioft, Stovofioflat 8' hiifttai xal ^«utßc *al oboeii inip^si 5 ji)j 
ulM T oj. Ebd. 428, a, 11: al |iev (die ahW.xii) ahfifti ottt, af 8s tpavraaiai -fi- 
wt« x\ Tzlda-A ^EuSei!. Aehnlich c 6. 418, a, 11 ff. MeUph. IV, 5. 1010, b, 2: 
oiB' Jj o"io0i]mt iji£uSJ]i toü Wm &itv, äXX' f| yavtaofa oä Toürbv tjj «faBifoEt, 

3) In diesem Sinn erläutert Arial. selbst Beinen Satz. De an. III, 3. 438, 
b, 18: fj dUhptt twv [liv SSfav älijöii; tarn Jl Eti Üfyia-rov 'X ouob ™ ^säBat. Se>- 
npw 81 toö o-jIiSeBjjxSv«! Tsüw xa'i t^aüBa JJStj euS^trai Bw^tllBuSst' oti |iiv fäp 
W'av, oü <{>ei{$«t«, t-t Si toBto •» leuxfev , j) äUo ti (ob das Weisse E. B. ein 
Tuch oder eine Wand ist), ifEiiS««. Tpitov Se tüv xomfiv xal IjcafiEvuiv toic. ijuu.{Se- 
^xioiv, olf iiripx. 51 T " "Sia- lE'yw B' ofov xlvr^i; xsl ja^eSos, 1 au[i£lE'ß7jxE Tdl( a!u- 
^Nit, jiipi ä [löÄiJr« ijBj) ettiv ananjBijvai xa-ri rJ,v a'ofliiow. (Ueber diese xoiva 
fgL auch De Benin c 1. 437, a, 8.) Mctaph. IV, 5. 1010, b, 14.- auf die Aus- 
ixgen jedes Sinns können wir uus innacbst nur in Betreff seiner eigenthiim- 
lichen Gegenstände verlassen, auf die des Gesichts in Betreff der Farben u. s. 
"■ luv [«Io9t(oe(ov] ex&otj] eV t& airö XP^vtp Kt ? 1 t0 "^to oüBejiots' ^ijuiv ä[is oütw 
in oi]f o&twc e^eiv. 41X' oiSe" £v eitpr|> XP^ V ¥ "'P 1 T0 tä8o( jjjj.sußifosev, äXXä 
«fi tb $ ouj»jMBj]x* tb «48*4. Derselbe Wein kann uns einmal süsi ein ander- 
rasl nicht süss schmecken; aXX' oi ts ff -fÄuxü oTöv £rav Brav tj, oiBsjcümoTt 
P^Paln, sXl* at\ äXijBEiin rrepl «ütoU xa'i tatw äS ävayxi]; tb faö[iEvov fWb toi 7 
sütov, Die Wabmehmung zeigt uns zunächst, wie scbon S. 139 bemerkt 
*nrie, nur gewisse Eigen schatten; die Subjekte, denen diese Eigenschaften 
"»kommen, werden nicht unmittelbar und ausschliesslich durch die Wahi- 
Mlunnng bestimmt, and ebensowenig die Eigenach aften, welche ans den wahr- 
gßwmmenen etat erBohloiaen werden. 



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142 Aristoteles. 

Besonderen aus dem Allgemeinen, der Wirkungen ans den Ursachen, 
oder mit Einem Wort, die Beweisführung, denn in dieser Ableitung 
besteht eben nach Aristoteles der Beweis. Aber die Voraus- 
setzungen, von denen die Beweise ausgehen, lassen sich nicht wie- 
der auf demselben Weg finden; ebensowenig sind sie aber unmit- 
telbar, in einem angeborenen Wissen, gegeben; nur von den Er- 
scheinungen aus können wir zu ihren Gründen, nur vom Besonderen 
zum Allgemeinen vordringen. Diess kunstmässig zu leisten, ist 
das Geschäft der Induktion. Der Beweis und die Induktion sind 
demnach die zwei Bestandteile des wissenschaftlichen Verfahrens 
und die wesentlichen Gegenstände der Methodologie. Beide setzen 
aber die allgemeinen Elemente des Denkens voraus, und können 
ohne ihre Kenntniss nicht dargestellt werden. Aristoteles lasst dess- 
halb der Lehre vom Beweis eine Untersuchung über die Schlüsse 
vorangehen, und im Zusammenhang damit sieht er sich genöthigt, 
auch auf das Unheil und den Satz, als die Bestandteile der Schlüsse, 
naher einzugehen. Zu ihrer selbständigen Bearbeitung kam er aber, 
wie bemerkt, erst später, und auch da blieb dieser Theil der Logik 
ziemlich unentwickelt. Noch mehr gilt diess von der Lehre vom Be- 
griff 1 ). Nichtsdestoweniger müssen wir mit der letzteren beginnen, 
um von da zum Urtheil und weiter zum Schluss fortzugehen, da die 
Erörterungen über diesen doch immer gewisse Bestimmungen über 
jene voraussetzen. 

Mit dem Aufsuchen der allgemeinen Begriffe hatte die Philo- 
sophie in Sokrates jene neue Wendung genommen, welcher nicht 
aHein Plato, sondern auch Aristoteles, im Wesentlichen gefolgt ist. 
Hieraus ergiebt sich von selbst, dass er im Allgemeinen die sokra- 
tisch- platonische Ansicht von der Natur der Begriffe und der Auf- 
gabe des begrifflichen Denkens voraussetzt 3 ). Aber wie wir ihn in 
seiner Metaphysik der platonischen Lehre von der selbständigen 
Wirklichkeit des Allgemeinen, was im Begriffe gedacht wird, wider- 
sprechen hören werden, so findet er, im Zusammenhang damit, auch 
für die logische Behandlung der Begriffe einige nähere Bestim- 
mungen nothwendig s ). Hatte auch schon Plato verlangt, dass bei 

1) Vgl. 8. 180 f. 

2) Vgl. 8. 109 f. 115 f. 

3) M. vgl. zum Folgenden: Kühn De noHonii dtfinitüme quid, AritU con- 
itituerü. Halls 1844. Bamow Aritt. De notionit definitione doctrfaa. BerL 1843. 



De* Begrlft 143 

der Begriffsbestimmung die wesentlichen, nicht die zufälligen Eigen- 
schaften der Dinge in's Auge gefasst werden ') , so hatte er doch 
zugleich alle allgemeinen Vorstellungen zu Ideen verselbständigt, 
ohne dabei die Eigenschafts- und die Substanzbegriffe genauer zu 
sondern 1 ). Aristoteles thut diess, da ihm eben nur das Einzelwesen 
für eine Substanz gilt (s. u.). Er unterscheidet nicht blos das Zu- 
fällige von dem Wesentlichen r j, sondern auch innerhalb des letz- 
tem das Allgemeine von der Gattung und beide von dem Begriff 
oder dem begrifflichen Wesen der Dinge 4 ). Ein Allgemeines ist 
alles, was mehreren Dingen nicht blos zufälligerweise, sondern ver- 
möge ihrer Natur gemeinschaftlich zukommt s ). Ist dieses Gemein- 
same eine abgeleitete Wesensbestimmung, so ist das Allgemeine ein 
Eigenschaftsbegriff, es bezeichnet eine wesentliche Eigenschaft*); 

1) 8. late Ahthlg. 8. 391. 

2) Ebd. 442 ff. 

3) lieber den Unterschied des au[ipEß(]xb; von dem x«8* o-jto Tgl. m. Anal, 
pwt I, 4. 73, a, 34 ff. Top. 1,5. 102, b, 4. Metaph. V, 7. c. 9, Anf. o. 18.1022, 
a, 24 ff. c. 30. 1025, a, 14. 29. c. 6, Anf. Waitz zn Kateg. 5, b, 16. Anal. post. 
11, b, 10. Diesen Stellen infolge kommt einem Gegenstand alles das xafl' zfcb 
in, nag mittelbar oder unmittelbar in seinem Begriff enthalten ist, xat« 9U[iße- 
ßijib; dasjenige, was nicht aus seinem Begriff folgt; zweibeinig zu sein z. B. 
kommt dem Menschen *afl' a&tb zu, denn jeder Mensch als solcher ist diess, 
gebildet zu sein, xaii ou[ißtß7ixo'j. Bin oufißEßrjxbt ist (Top. a. a. O.) 8 ^vSe^ctbi 
hip/fa Sujiouv bt\ xa\ Tiii «ütO xa\ JJ.J] Mfffftr. Was daher xaB' aSti von einem 
Ding aasgesagt wird, gilt von allen unter diesen Begriff fallenden Dingen, was 
i. pj!i[}Eßi|xb(, nur tou einzelnen, and desshalb sind alle allgemeinen Bestimman- 
gen ein x«B' etfiro, Metaph. V, 9. 1017, b, 35: ti -jap xaflolou xaB' afrri finapx«, 
■A 81 auußtßijxdto oO xo6' «faä ÜX ist twv xafl' fxiora önXffif Wt*™'- Vgl. Anm. 
S- lieber die sonstigen Bedeutungen und die metaphysischen Gründe den ouu.- 
?'4',> r 'i wird spBter, in der Metaphysik zu sprecheu sein. 

4) So Metaph. VII, 3, Auf.: unter der oäata pflege man viererlei zn Ter- 
sieben: t'o xi )[y tlvai xai tb xaBöXou »A tb YEVQt... xa\ TE'tapxov toJtiov xb SnoxEi- 
|WW. 

5) Anal. post. I, 4. 73, b, 25: xafldXt« 81 Wyö> 8 av xari Jtavräf te SitipXI 
«" xoft* airä xoä Jj aJ-rf. f avtpbv äp« Bti Boa xaBilou t? ävirx»]4 oicspx« tdf( Kpii- 
?&>». pirt. an. I, 4. 644, a, 27 ; rä Bl xaWXau xoivi - ta Y«p JtXrfomv Sjcap^ovia 
«»Bttou X^oo-Ev. (Ebenso Metaph. VII, 13. 1038, b, 11.) Vgl. vorletzte Anm. 

6) Eine solehe wesentliche Eigenschaft nenntArist. ein xaO' aätb fijripjfov, 
ein äABoj xaB' aütb, oder ouu.ßeß>]xb: xaO' <&■&, indem er im letzteren Fall unter 
dem cuiißEßijxb;, von dem vorhin erörterten Sprachgebrauch abweichend, Ober- 
haupt das versteht, 8 aup-Satvet Ttvt, die Eigenschaft; Tgl. Metaph. V, 80, Schi. 
«■ 1. 1017, «, ». in, l. 695, b, 18. 26. o. 3. 997, a, 25 ff. IV, 1. IV, !. 1004, 



144 Aristoteles. 

ist es das Wesen der betreffenden Dinge selbst, so wird das Allge- 
meine zur Gattung ')- Treten zu den gemeinsamen im Gattungs- 
begriff enthaltenen Merkmalen noch weitere gleichfalls wesentliche 
Bestimmungen hinzu, durch welche sich ein Theil dessen, was unter 
ihm befassfist, von dem übrigen in derselben Gattung Enthaltenen 

b, 5. VI, 1. 1035, b, 13. VII, 4. 1029, b, 13. Anal, post, 1, 33. 88, b, 11. 19. e. 
4. 73, b, 5. c. 6. 75, a, 18. c. 7. 7G, a, 42. Pbys. J, 8. 188, b, 18. II, 2. 193, b, 
36. c. 3. 195, b, 13. III, 4. 308, b, 33. De an. 1, 1. 402, b, 16. Ehet. I, 2. 1355, 
b, 30. Wutz zu Anal, post. 71, b, 10. TBBar.Ei,BMBBHo De an. 189 f. Busin 
zuMetapb. 1025, a, 30. 

1) Top. I, 5. 103, a, 31: Y>ot G' Seit t'o xctiä jOuivu* mit Stafcpdvrtav Ttf 
iTBsl ev tu ti fori xaT>iYopoii[uiov. «v cip tl im St x«T|TOpßo0jn taroniJT» Xsvirfii), 
5ai ipfiirtEi aitoSoEvat (paiTnBfYts tl Jon TÖ nfOiEi|i£vov (s. B.boi einem Menschen; 
ti bflj C&qv). Metapb. V, 28. 1024, a, 36 ff., wo unter den verschiedenen Be- 
deutungen von fivoi angeführt wird: to &Jtoxtfjitvov Ta1( Btapopilj, To ItpÖTO» 
iwr.äp-jm 8 Mrerat iv ifli t( Jon... o5 Smyopoi XryovTat at ico(dTi)Ti;. (Dasa diese 
beiden Bescfa reihungen auf dieselbe Bedeutung des vivo( gehen, zeigt Bobitz 
z. d. St.). Ebd. X, 3. 1054, b, 30: Urinu 3i Ytvo( 3 öu^tu t*uto Uyovrsu xorä 
lijvouoiav TäBiifopsuX,8. 1057, b, 37: t'o f»p toioÜtov yevo« koXüJ, $ iiupoi Iv tiuto 
Xs^etcu, jj.j) xaici TV|ifießj]xb( txov Bwpopiv. Top. VII, 2. 158, a, 17: xaxi]Yop<*ra' 
S' ev Tiji r' Iva t« ye'vt; xak ai SiB^opai. Jedes -tvo; ist mithin ein xnBiXou, aber 
nicht jedes xaBoXou ein yevos, Tgl. Metaph. III, S. 9B8, b, 17. 999, a, 21. XII, 
1. 1069, a, 27 n. a. 8t. mit I, 9. 992, b, 12. VII, 13. 1038, b, 16. 35 f. Bon-rx 
z. Metaph. 299 f. Auf den Unterschied der Gattung von der Eigenschaft be- 
zieht sich tbeilweise auch die Bestimmung (Kateg. c 3. 1, a, 30 ff. c. 5) dasa 
Alles entweder 1) xaB' inoxEifiEvou tivo; X/yetou, ev inoxEiptvii] Sc ouSevt eVnv, 
oder 2) iv orroxEi^vid jisv faxt xaB' unoxtipivou 8i oi&eiai Mtetm, oder 3) xaB' 
Siiqxeiiiivqu te Xe^etsi xai it iircoxtHjivu ioriv, oder 4) oflt' iv äitouinÄbi rättv oüte 
xafi" SnoxEijie'vdu Xe-retai. Wenn nämlich die vierte von diesen Klassen die Ein- 
zelwesen umfasst, so sind mit der ersten die Gattungen, mit derselben aber 
auch (o. 5. 3, a, 21) die artbildenden Unterschiede, mit der zweiten die Eigen- 
schaften Thätigkeiten und Zustände, überhaupt also die au|*&£ßt]xdTa beaeich- 
net; in die erste gehört der Begriff des Mensohen, in die zweite der Begriff der 
Grammatik, in die vierte der Begriff des Bokrates. Zugleich kommt aber das 
Unsichere der ganzen Eintheilung in der Bestimmung der dritten Klasse nun 
Vorschein, denn wenn es Begriffe gibt, welche zugleich xaB' ijroxEipivou and t* 
Snaxeipvu prfidicirt werden, d. h. Gattungs- und Eigens ehaftsbegriffe zugleich 
sind (als Beispiel nennt A. den Begriff der Wissenschaft, welche in der Seele 
als ihrem Snoxtijuvov sei und von den einzelnen Wissenschaften pradicirt wer- 
de), so verhalten sich die Gattungen und Eigenschaften nicht als coordinirte 
Arten de« Allgemeinen. Wie unsicher die Grenze zwischen Gattung*- und Ei- 
gen Schafts begriffen ist, wird sich an* auch in der Lehre von der Substanz 
(Kap. 6, 1) ergeben. 



Sqil.ariBy G00gle 



Der B.grift 145 

unterscheidet, so entsteht die Art, welche demnach aas der Gattung 
und den artbildenden Unterschieden zusammengesetzt ist *)- Wird 
endlich ein Gegenstand auf diesem Wege durch seine sammtliehen 
unterscheidenden Merkmale so bestimmt, dass diese Bestimmung als 
Ganzes auf keinen anderen Gegenstand anwendbar ist, so erhalten 
wir seinen Begriff *). Der Gegenstand des Begriffs ist mithin die 



1) Metapb. X, 7. 1057, b, 7: li y*p *<* ^fa•ut ut töv Biofopüv tä liäi] 
(die Artbegriffe schwarz nnd weiss z. B. entstehen, wie im Folgenden erläutert 
wild, uns dem Gattungsbegriff 'fP''V-' na & den unterscheidenden Merkmalen 
StucptTtxb; und aufxfaaläi : das Weisse ist das xp^f" BiaxpiTixb», das Schwarze 
du Xp&|J-a ovyxpmxiv). Top. VI, 8. 140, a, 26; Sil 70p tb p.iv f^M «ro töv 
äUuV ^wffijsiv (der Gattungsbegriff unters oiieidet das zu Einer Gattung Ge- 
hörige von allem Andorn) T^v Gl 6«Ef opiv «td tivu( ev itj» aäiu ftei. Ebd. VI, 
6. 143, b, 8. 19. (Weitere Beispiel« über den Sprachgebrauch von Bureopä giebt 
Waitz Arist. Org. I, 279.) Diese Unterscheidungsmerkmale der Arten nennt 
Arial. Sutf opä (I6oiK»b( (Top. VI, 6. 148, b, 7.) Von andern Eigenschaften an 
toracheidet er sie dadurch, das» sie zwar von einem Subjekt prftdicirt werden 
M' üjtox£i[iivoü X^-oviai), aber nicht In einem Subjekt seien (Jv fiiwxeiuAui oux 
[In], d. h. sie subsistiren nicht in einem solchen Subjekt, das tot ihnen da 
wBre oder unabhängig von ihnen gedacht werden könnte, sondern in einem 
solchen, welches nur durch sie dieses bestimm tu Subjekt ist, sie sind nicht 
acc iden teile , sondern Wesensbeetünmungen (Metapb. VII, 4. 1019, b, 14.1030, 
a, 14. Top. VT, 6. 144, a, 94: oi6ä[i(a vip Sitttpopi tüv xati oiut{l«fij|xaf üjcap- 
XÜHT'UV (aii, xaBöxap oü£l ro v/voc oi yop EvSiyrtai ri)v Sii^jpav ÜTtap^siv tivI xei 
jtf, iTiapxE"), sie gehören zum Begriff des Subjekts, Ton dem sie ausgesagt wer- 
den, alles daher, was in ihnen enthalten ist, gilt auch to& den Arten nnd den 
Einzelwesen, denen sie ankommen. (Kateg. c 6. 3, a, 31 ff. b, 6.) Es kann 
dessbalb Ton ihnen gesagt werden, dass sie (zusammen mit der Gattung) die 
Substanz bilden (Metapb. VII, 12. 1038, b, 19 Tgl. folg. Anm.), dass sie etwas 
Substantielles aussagen (Top. VII, 2. e. o. 144, 1); sie selbst jedoch, für sich 
genommen, sind nicht Substanzen , sondern Qualitäten, drücken nicht ein tf, 
sondern ein soiov n ans (Top. IV, 2. 122, b, 16. 0. 6. 128, a, 26. VI, S. 144, a, 
18. 21. Phya. V, 2. 226, a, 27. Metapb. V, 14, Anf.) Der anseheinende Wider- 
sprach dieser beiden Beetimmungen, welchen TRBBDBLiHBcao Hist. Beirr, z. 
Phil, i, 66 f. Bositz e. Metapb. V, 14 hervorheben, wird sich in der angedeu- 
teten Weise heben lassen; vgl. Win« a.a.O. Wie die Arten, so unterscheiden 
sich auch die Gattungen durch gewisse Merkmale von einander; dies« beisaen 
0107000- -rtvuti] (Top. I, 4. 101, b, 18). 

2) Anal. poat. II, 13. 96, a, 24: Manche Eigenschaften der Dinge kommen 
auch noch anderen zu derselben Gattung gähürigen zu. Tä Si) TOiaSra Jupwew 
(bei der Begriffsbestimmung) uiy 1 tojrou, tun Toaaür« X>j(p&jj jtpwtov, uv fiasto* 
uh ixt nXsfov £xa0$n (auch noch Anderen zukommt), fijtavwi 61 |ii| ht\ nliitv 
twJtijv yIo auaYxn oooictv iTwu tob jcpaYuatoj, waa dann im Folgenden weiter et- 

Pssks. 4. Gr. IL Bd. X. AMh. 10 



loogle 



fjf Aristoteles, 

Substanz, and «war getaner die bestimmte Substanz oder dal eigen- 
thämlicbe Wesen der Dinge '), nnd der Begriff selbst ist nichts an- 



Uotert wird. Ebd. 91, a, IS: den Begriff (J.d T o( Tijt oiiofa;) eines gegebenen 
Gegenstands erhalt man, trenn m«n die Gattung in ihre Arten zerlegt, ebenso 
die Art, welcher er angehört, in ihre Unterarten, and damit so lange fortfahrt, 
bis man zu dem kommt, uv jmjxeti t<r& Sia&opä, d. h. was in keine weiteren ent- 
gegengeeetsteu Arten , von denen der fragliebe Gegenstand der einen oder der 
anderen angehorte, lerfallt. (Ueber die sachliche Haltbarkeit dieser Sitae vgl. 
Boam Artet. kfetaph. II, S46, 1.) Hetaph. VII, 12. 1087, b, 29: oä8iv fäp f=pf> 
äariv ev iö iot(T[iiü ffM)v td te xpütei Xrjo'uavov yivoi i«i cd Siafopai (oder wie es 
1 OBS, a, 8 heiiat; o opi;fuLä( je/rre & ix -tu* Sia^opü» lävo?}. Die Gattung wird in 
ihre Arten, diese in ihre Unterarten getheilt and hierin so laiige fortgefahren 
tau Sv jAUt] sk tci oeiaeope. (ebd. Z. 10), und da nun hiebe! jedes folgende Un- 
terschei dun gern erkmal das TQrangehende in sieh achllesat, (das Sdiouw %. B. du 
iitdnou*) , die «wischen der Gattung nnd der untersten Artbestimmung liegen- 
den Zwischenglieder mithin in der Definition nicht wiederholt an werden brau- 
chen (Tgl. suoh pari. an. I, 3, Anf.), so folgt (Z. IS. 1038, a, 28), on fj tsXiutiii 
flratpopi 5] oiloin tsS np&y[uiTo{ fovu xat & Sptu|idi : wobei aber unter den Ttleut*!» 
Bia^opä nicht blos das letste speeifische Merkmal als solches, sondern der durch 
dasselbe bettintmte Artbegriff au Terstehen ist, welcher die heberen Arten nnd 
die Gattung in sich begreift 

1) Zar Bezeichnung dieses im Begriff Gedachten bedient sich Aristoteles 
verschiedener Ausdrücke ; ausser säaia und iföo;, tou denen in der Metaphysik 
weiter su sprechen sein wird, gehört hieber namentlich das ifcai mit beigefüg- 
tem Datir (s. B. to ävBpctaru crWi und dgl., to iv\ tlyai to äBuupenp eVctv itm 
Hetapb. X, 1. 1062, b, 16) und to ti tJv tftac. In dem ersten von diesen iwei 
Ausdrücken wird der DatiT possessiT in fassen sein, so daas rs üvOpomui itw 
so Tiel ist als : to ifvai toüto 8 ^erav ivOptörai, das dem Menschen elgenthfimlicheSein. 
Derselbe Sprachgebrauch scheint aber auch dem tb -.i ^v ütcu in Grunde «n 
liegen, welches gleichfalls gewöhnlich mit dem DatiT (tb tf J[v tbeu ttv6päau 
n. b. w.) construirt wird. Dsan kommt dann aber der mgenthürnliche Gebrauch 
des Imperfekta, welches wohl ähnlich, wie unser „Wesen", dazu dienen sott, 
dasjenige an den Dingen cd bezeichnen, was nicht dem Moment angehört, son- 
dern in dem ganten Verlauf ihres Daseins sich als ihr eigentliches Sein hef- 
knegestellt hat, das Wesentliche im Unterschied von dem Zufälligen nnd Vor- 
übergehenden. Tb tf tJv ibat »Bpi&xty bedeutete demnach eigentlich: dasjenige 
was für den Menschen sein eigentliches Sein war, das wahre Wesen des Men- 
schen, das an ihm, waa auch die npr&ri] ofietaBic* ix&aTta genannt wird (Metsph. 
VII, IS. 1038, b, 10. VII, 7, s. u. VII, 5, Sohl.). Dies* ist aber nur sein ideell« 
Wesen, dasjenige, was wir denken, wenn wir von dem Zufälligen seiner Er- 
scheinung und dem Stofflichen, worauf diese Zufälligkeit beruht, absehen; 
Tgl. Hetaph. VII, 7. 1032, b, 14: X£ro> S' ooeiav «wo SXttf to ti ^v tiW EM. 
XII, 9. 1076 , a, I : M |ikv tSv nonjnxöW övtu BXi); f\ oWa xsit tö ri rjv tüvai (m. 
Tb TtpäflAi Jon), u. 8. 1074, a, 35: Ti es tl Jjy anw ofa S^ti QXrjv -rbitpütev- Arn- 



Dar Bafrlff. 147 

deres, als der Gedanke dieses Wesens 0; dieser könnt aber da- 



liyje.LBL v&p. Das t. t. ?,. il fällt daher mit dem iTSos zusammen; Metaph. TU, 7, 
1032, b, 1: tföoc Bl Xifw tb ti fy cTmu Ixirtou xsl vi)* xf-umv oäuiaw. c 10. 1085, 
b, 32 : tföoj El Xtyeu tb ti Jjv «Trat. Phy«. II, 2. 19*, a, SO: to5 iTBout x«1 toü ti 
rjv eTvhi. Ebd. c 3. 194, b, 36: eine der vier Ursachen ist tb clSg« xal Tb «api- 
Setfi&si' Touro 8' srulv i X6yoc ' ™" T ' ^ v *^ I " M *"* T * toJtou t&m, du Gleiche, 
wm Arial. Metaph, I, 8. 963, a, 37 "V oüoi» xot w t( fy bTvoi sugleich aber 
noch TÖv Xdrov nennt, nie denn Oberhaupt alle diene Ausdrücke bei ihm be- 
ständig wechseln. Vgl. s. B. De an. II, 1. 413, b, 10, wo oioisi f| xati tov 16-^o-t 
durch tb b i[v tlvsi erklart wird. Metsph. VI, 1. 1026, b, 38: in ti fy sTv« aal 
tb* Xoqrov. VII, 6. 1030, b, 36: tb t. ij. tt x«l 6 ipimief (ähnlich part. au. I, 1. 
643, s, 26 vgl. Phy*. II, I a. a. O.). Etil. N. II, 6. 1107, », 6: xara pl* f*» 
r.üainv im tbv Xivoy tbv ti t|v sTvs; Xc^ovroi. Zu dem einfachen ti fori verhalt sich 
du ii ijv sTvat, wie da* Besondere and Bestimmte iura Allgemeinen and Unbe- 
stimmten. Während daa tir[v (Tvst nur die Form oder das eigentümliche Wesen 
eines Dings bezeichnet, kann anf die Frage: ti fariv; auch durch Angabe dej 
Stoffs oder des aus Stoff und Form Zuaammcngese taten, ja selbst einer blossen 
Eigenschaft geantwortet werden; und auch wenn sie durch Angabe der begriff- 
lichen Farn beantwortet wird, mues die Antwort nicht nothwsndig den ganzen 
Begriff der Sache' umfassen , sondern sie kann sieh auch auf die Gattung oder 
andererseits auf die Artunterschiede beschränken (den Nachweis giebt Schwel- 
le* Arist. Metaph. IV, 375 ff.]. Das ti ^v cTvm ist mithin eine bestimmte Art 
des ti i/rn (daher De an. III, 6. 430, b, 28: wü t! &m <ni tb t£ JJi (bat, das 
Sein nach der Seite des Wesens), und ei kann deasfaalb dieses, wie diese bei 
Arist. sehr häufig ist, in der engeren Bedeutung des tl tJv iTvni gebraucht wer- 
den, wogegen das letztere niemals in der umfassenderen des ti s<ni steht, an 
dies ea auch den Stoff oder die blosse Eigenschaft oder das Allgemeine der 
Gattung, abgesehen von den artbildenden Unterschieden, bezeichnete. Ebenso 
verhält sieb auch das t1»«t mit dem Dativ sn dem tTvai mit dem Accnsativ, Tb 
Xeuxi« (Tvw bezeichnet den Begriff des Weissen, tb Xeuxbv tTvai die Eigenschaft, 
weiss zn sein. Vgl. Schwbolee a. a. O. 370. Phya. III, &. 304, e, 28 u. a. St. — 
Die Formel tb tl J[v tJvai hat ohne Zweifel Aristoteles aufgebracht: wenn sieb. 
Btilpo wirklieh ihrer bedient hat (s. Ite Abtfa. 194, 4), so wird er sie von ihm 
entlehnt haben. Auch das blosse t; f|v hat schwerlich schon Antisthenes zur 
Bezeichnung des Begriffs gebraucht; aus dem wenigstens, was Ite Abtb. 310, 1 
angefahrt wurde, folgt diess nicht. — Ausführlich handeln über das ti vjv (hat 
und die verwandten Ausdrücke: Tbendklesbuiiq (der diesen Gegenstand morst 
gründlich untersucht hat), Kbein.Mus. v. Niebuh r undBrandisÜ (1838), 4M«, 
De auima 192 ff. 471 ff. Eistor. Beitr. I, 34 ff. Schwebleb, a. s, O. 369 «. und 
die ven ihm weiter Angeführten. 

1) Anal. post. II, 3. 90, b, 30. 91, a, 1: SpMpof. piv top top t( ion xsa oäoiac 
... 4 |tsv oSv &pioub( ti&tt Bt ( 1ou Ebd. II, 10, Anf,: Spiajib( ... Xfjstat iTvat 1.6-joi 
tsö ti hm. (Dasselbe ebd. 94, a, II.) Top. VII, 5. 164, a, 81: ipwpo; am Xfi^oj 
ö ti ti ?[* srVM artf.oJ.vtav. Mutapb. V, 8. 1017, b, 21: tb ti fy ifvai öS o Xsvof 

10* 

. , ,Google 



118 Aristoteles. 

durch zu Stande, dass das Allgemeine der Gattung durch die sämmt- 
lichen unterscheidenden Merkmale näher bestimmt wird 1 ). Du 
Wesen der Dinge liegt aber nach Aristoteles nur in ihrer Form 0; 
nur mit dieser hat es daher der Begriff zu tonn, von den sinnlichen 
Dingen als solchen dagegen lässt sich kein Begriff aufstellen *), und 



ipiouös, xot toGto ofak U^nst borau. Ebenso VII, 4. 1030, a, 6 Tgl. Z. 16. 1, 
4. c. 0. 1080, b, 26. part. an. I, 1. 642, a, 35. AriaL bezeichnet desahalb da 
Bogriff (im subjektiven Sinn) auch mit den Ausdrücken: i Xd-yoc & opEE«" dp 
oüafav (part od, IV, 5. 678, a, 34), h Ufa-, ö -ri itrti X^on (Metaph. V, 13. 1030, 
a, 18) and ähnliche. (Aöf «( oder Xivoj rrj; oüiiif steht aber auch, der objekti™ 
Bedeutung ron Xtfros entsprechend, für die Form oder das Weaen der Ding' 
s. B. gen. an. I, 1. 716, a, 5. 6. De an. I, 1. 403, b, 3. II, 3. 414, s, 9 n. ö. Tgl. 
vor. Anm.) Der Sache nach gleichbedeutend mit ipwjiöi steht Spo( i. B. Top. 
I, 6, Auf. : «sti 8 ' SpO( (ilv Xiyoj h x'o ti rjv ejwu a7]fi«(vwv. c. 4. 101 , b, 81. c I. 
103, a, 25. AmL post. I, B. 72, b, 28. II, 10.97, b, 36. Metaph. VII, 6. 1031, 

a, 8. e. IS. 103», a, 19. VIII, 3. 1048, b, 28. c 6. 1045, a, 36. po&t. o. 6. 144», 

b, 23. Das gleiche Wort bezeichnet aber nach im weiteren Sinn jeden der ba- 
den Satxtheile (Subjekt nnd Prädikat), nnd es ist Insofern der stehende Aus- 
druck für die drei Termini der Schlaue; Anal. pri. I, 1. 34, b, 16: BpovBliiXü 
ik Bv BtaMtr« f, nporaoi? u. *. w. c 4. 35, b, 33. o. 10, B0, b, 31. o. 84.48,*,!. 
Anal. post. I, 10. 76, b, 35 u. o. 

1) Vgl. B. 145, 1. 2. Das VerhUtnisa dieser beiden Elemente drückt 
Aristoteles anoh so ans, dass er die Gattung als den Stoff, die Artuntersohiede 
sla die Form des Begriffs bezeichnet, nnd eben hieran« erklärt er es, dass beidi 
im Begriff Eine sind. Die Gattung ist das an sieh noch Unbestimmte, welch« 
erst im Artbegriff seine Bestimmtheit erbttit, das Substrat (SkoxiIimvov), desto 
Eigenschaften, der Stoff, dessen Form die unterscheidenden Merkmale sind. 
Das Substrat existirt aber in der Wirklichkeit nie ohne Eigenschaften, d* 
Stoff nicht ohne Form, die Gattung daher nicht ausser den Arten , sondern nie 
in denselben: sie fflr sieb genommen enthalt erat die allgemeine Voraussetzung, 
die Möglichkeit dessen, was in der untersten Art aar Wirklichkeit kommt; 
Metaph. VIII, 6 vgl. c. 3. 1048, a, 19. V, 6. 1016, a, 35. c 38. 1034, b, S. VII, 
12. 1038, a, 25. X, 8. 1056, s, 38 vgl. o. 8. 1054, b, 27. Phvs. II, 9, Sohl gu- 
et corr. I, 7. 834, b, 6 (part. an. I, 3. 643, a, 34 gehört nicht hieher). 

3) Vgl B. 146, 1. Weiteres in der Metaphysik. 

3) S. 8, 147, 1 nnd Metaph. VII, 11. 1036, b, SS: tou f«p xoSoXeo xoit n» 
e"6ou4 i £pw|iO(. o. 15, Anf.: unter Snbstani versteht man bald den Xi-fo; aUaia, 
bald den Xiyoi ovv -rfj BXi) ouvriXTjjiuAoe (das utivoXov). tarn [iiv o5v (sc oMw) ilw 
(im Sinne des otfvoXov) Xf'vovtat, toütuv |ilv fort <pQopa' xA -jap rtMOtc Tau « 
Xifmi oäx EUTiv oQru( £ar» fflt(pw6«- oili föo Yiviaif (oü -jap yfrfWMu ti oW» 
cTvki iXXi Tb TJjBs Tjj otxls) . . . Sii toUto 8t xat xöiv ofatüv tüv aio!hp£v twi »t 
txaor« nüfl' £pin|ib; oüV «ciS«£(( fm , Ext Eyouotv GXijv ]j( f| ipiioij toi Min] äs« 



DerBegriH. U9 

auch wenn eine bestimmte Beziehung der Form auf den Stoff au 
dem eigentümlichen Wesen und also auch zu dem Begriff eines 
Gegenstandes mitgehört 1 ), lüsst steh doch nicht dieser sinnliche 
Gegenstand selbst, sondern nur diese bestimmte Weise des sinn- 
lichen Daseins, nur die allgemeine Form des Gegenstands, defi- 
niren *). Folgt nun schon hieraus, dass sich der Begriff nicht auf 



Bei£ij tüjw ävavxxfbiv **' 1 '" optTJAOf fjEiTnjjiavwoi , X«t o'Jx IvMyct&t , uitriEp oä6' jirt- 
im|{i7]V ote [tiv eicianfjMpi örs 6' «yvorav iltat, aXXi 66?« to ToieCräv ejtiv (i. o. 
B. 110), oütu>4 oiB' ärcöBEi!;™ oCS" opiopiv, äXXi Sdia fort tou ^vSe^ci|ievou äiXi«; 
^eiv, SiJXov 3:i oix Sv ^Ttj aütüv outs &r.6Zzi%i$. Sobald man sie nicht mehr wahr- 
nehme, wisse man ja nicht mehr, ob sie noch so seien nie man sie sich danke. 
(Hinzu Tgl. Top. V, 8. 131, b, 31. Anal. pri. II, 21. GT, a, 39.) c 10. 1039, b, 34: 
toü ItS^ou [Afpi] ti toö efSou( uuivov forty, Sl \6yoi fori toü x«9dXiw- tb y*P xijxXoi 
Oval xa\ xüxlo; xat i^u^tj eTvsi xat fa/fa tiuti. toB Se suv&QU ijfii), Ay xiixXoo 
TOuSt, TtSv xaHExnarä Tcyo< i) otoGr,rou J) voijtoü (Xiyii) 8e votjio'j; u.tv oTov Toilf u-iBir- 
(latixo'u;, «fo(h]TOu; 51 oloy tou; ^kXxoÜc ital tou( £'j*ivo'Ji — auch die erateren 
haben aber eine UXi), nur eine BXi) voijnj 1036, a, 9 ff.), tdJicov Bt oJ* form Spia- 
|t'o( aXkä [i£Ta vaijOEui; i] afofbjütut -fVR>pi£oVTai. äuEXBoirra; !' fe ttj( hrtikt/tiaf ou 
BijXov icd-npiv kote £?<Äv jj oflx iWW, iXX' äet Xe^ovtc« xat yvuipilJovT«! Tel xaWXou 
Xifw- 1} S' QXij äfyoiorot xaB' aänjy. 

1) Wie bei dem Begriff des Hauses (Metaph. TU, 15, s. vor. Anm.), der 
Seele, der Axt (De an. I, 1. 403, b, 2. II, 1. 413, b, 11), des suibv (Metaph. VIT, 
5 u. 5.), Oberhaupt bei allen Begriffen ran materiellen und natürlichen Dingen. 
Vgl. l'hys. IT, 9, Sohl.: wenn auch die materiellen Ursachen den begrifflichen 
oder Endursachen dienstbar sind, bat doch der Naturforscher beide anzugeben; 
isnic Se xoü ev tS> X6yii> fori tö iwrfxatoy (die physikalischen , materiellen Ursa- 
chen gehören mit zum Begriff der Dinge). öpraapfW Top to Epvov toC icpfctv, otl 
BWperof To'.aSt- aGrt) 8' oüi form, e! u.tj S^si jSovtb; toiou(8l- nätoi 8' oD, e? |ii| otS)|- 
poüf. fort fip xa't iv tu Xdvu> evib [iipio ü( BXi) toü Xöfo'j. Vgl. Metaph. VII, 10. 
1035, a, 1. b, 14. c. 1). 1037, a, 29. 

1) Wenn man einerseits ISugnet, dass der Stoff mm Begriff des Dings 
gehöre, andererseits aber doch zugeben musa, daaa sich unzählige Dinge ohne 
Angabe ihres Stoffes nicht definiren lassen, so erscheint diega zunächst als ein 
Widerspruch. Aristoteles sucht nnn in der angeführten Stelle Metaph. VII, 10 
diesem Widerspruch dadurch in entgehen, dass er sagt: in solchen Füllen 
werde doch nicht dieser einzelne, durch die Verbindung eines Artbegriffs mit 
diesem bestimmten Stoff entstandene Gegenstand definirt, sondern nur seine 
Form, nicht dieser Kreis, sondern der Ereil, oder das xiIxXu tltai, nichldiese 
Beele, sondern die Seele, das ifiuxj) clWi. Gelüst ist aber die Schwierigkeit da- 
mit freilich durchaus nicht. Wenn z. B. die Seele die Entelechie eines organi- 
schen Leihe« (De an. II, 1), das ti rjv eIvoi tu totüSi «Auati (Hetapb. a. a. O. 
1035, b, 16) ist, so gehurt eben ein so und so beschaffener Stoff mit zu ihrem 
Begriff. 



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ISO Aristoteles. 

die sinnlichen Einzelwesen als solche besieht ] j> so mnss eben die- 
ses von dem Einzelnen überhaupt gelten : das Wissen geht ja immer 
auf ein Allgemeines *), auch die Wörter, ans denen die Begriffsbe- 
stimmung zusammengesetzt ist, sind allgemeine Bezeichnungen 1 ); 
jeder Begriff umfasst mehrere Einzelwesen, oder kann wenigstens 
mehrere umfassen *), und wenn wir auch bis zu den unterster 
Arten herabsteigen, erhalten wir doch immer nur allgemeine Be- 
stimmungen, innerhalb deren sich die Einzelwesen nicht mehr der 
Art nach, sondern nur noch durch zufällige Merkmale unter- 
scheiden B ). Zwischen diesem Zufalligen und den artbüdenden 



1} Mctaph. VII, 16. 1089, b, 27 •. o. 148, 8. 

2) S. o. 110, 3. 

8) MeUph. a. *. O. 1040, a, 8: nicht allein die sinnlichen Dings lassen 
■ich nicht definiren, sondern auch die Ideen; luv -jap xafl' «xnarov fj J8s», >k 
■yaa'i, xa\ ^oipiarrj. ävafxaTov £' £ ovojiiroiv thea im X6ynt- övofia S' oi jroojoei ö 
öfiCöiievof, ä-jiDxrtöv -fip tV.ai. t& & xcliuvoi xoivi nSnv, ivkfr.ii '?" u»«f jfEtv xä 
äXlij) taStet' utov c* Tis st Jpäoarre, £iäov epft layym fj SUinüw JJ Pnpdv Tt 8 x>\iUu 
SitipS«. 

4) A. m. O. Z. 14 läset gich A. einwenden: u.n6iv xulduv r,Mp\( jtiv iiiwi 
jcoW.oi(, ap.a Si pivoi toiStdi Sx-iex.'"' (■■< hei dei Begriffsbestimmung wirklich 
der Fall ist, ■, o. 145, 2), und er entgegnet darauf neben Anderem (worüber 
Bonn i. d. St. e. vgl.) Z. 37 : wenn auch ein Gegenstand der einsige in seiner 
Art sei, wie die Sonne oder der Mond, so konnte dooh sein Begriff immer nnr 
solch» enthalten , Sua in' öW.ou ItZi/iiat , otov iav (teoo; fAojTai towiitot , ffijlov 
Bii JJXloc Jxrsi- xoivbf äpa o l*Y0f n. e. w. Aehulioh De eoelo I, 9. 278, a, 8: 
gesütat ea gäbe auch nnr Einen Kreis, iMh Jirtov HXko forai tu xiixlei cfcou xdt 
Ttpck Tiü itJxXw, xoii -b [ilv itSoi, rb 5' tUäoi h -rij BXji xa\ tüv xa9' &a«rov. Ebd. 
b, 5: ea giebt nnr Eine Welt, aber doch ist das ^isaviü iW und daa x&Sc ™ 
oupaviti cTvai zweierlei. 

6) Metaph. TU, 10 (s. o. 148, S): & Xdyoc iirct toB xaflilou. Anal, poit 
IJ, 13. 97, b, 26: a& S' 2«fi icäf Spot x«B.5).ou. Die Begriffsbestimmung liul 
■ich «war so lange fortsetzen , bis alle Artuntarschiede erschöpft sind, und die 
TslFwtaia fiiafopt erreicht ist, unter dieser bleiben dann aber immer noch die 
Einielweeen , welche eich nicht mehr der Art nach unterscheiden (m. s. bier- 
flber Metapb. X, 9. 1058, a, 84 ff. u. oben 146, 3), and insofern eftoia bbA 
(Anal, post, II, 18. 97, a, 87. b, 7), welche aber doch immer eine Vielheit, j» 
eine unbestimmte Vielheit bilden, nnd ebendeshalb nicht Gegenstand der 
Wissenschaft und des Begriffs sein können; Hetaph. 111,4, Anf.: EitefäpP'l 
iorw tt icapi ti xaWxiTra, tä & xaB^xarta ömipa, rüv 8' Astifat* jt&K Iväif etat 1»- 
ßtfv iWn[|ii;v ; vgl. II, 3, 994, b, 30 ff. Top. II, 2. 109, b, 14. Anal, post I, i4- 
86, a, 3 ff. nnd ebd. c. 19—31 den Nachweis, das» die Beweisführung weder 
nach oben noch nach unten in's Unendliche fortgehen kenne. Aristoteles folgt 



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DerBegrifE 151 

Unterschieden liegen diejenigen Eigenschaften, welche den Dingen 
einer gewissen Art ausschliesslich zukommen, ohne doch unmit- 
telbar in ihrem Begriff enthalten zn sein; Aristoteles nennt die- 
selben Eigentümlichkeiten (ßiix) *); im weiteren Sinn befasst er 
aber unter diesem Namen einerseits auch die artbildenden Unter- 
schiede und andererseits zufällige Eigenschaften *). Was unter 
Einen Begriff fällt, ist, so weit diess der Fall ist, identisch'), 

hisrin ganz Pluto; s. lte Abth. 8. S96, 4. 444, 1. — Die Einzeldinge bezeichnet 
Arist. mit den Ausdrucken : ti xifl' fxaTra (oder x, £xH<rrov), tb aptSfiü !v (Metaph. 
IH, 4. 999, h, 84. Kateg. o. 2. 1 , b, G u, o. s. Waitb e. d.St.j, ti wvi, 5 ri; 
»epuTcof u. «. w. (Kateg. «. a. 0. 1, 4, b. An»], poat. I, 24. 85, a, 34. Metaph. 
VII, 13. 1088, b, 33}, t<55s n(Knt o. 5. 8, b, 10. Metaph. IX, 7. 1049, a,27u.o. 
a. Wait* zu d. 8t. der Kategorieen), auch rä äroji« (i. B. K»t. e. 3. 1, b, 6. e. 
5. 3, a, 35. Metaph. III, 1. 995, b, 39; ebenso heissen zwar auch die untersten 
Arten, die nicht wieder in Unterarten zerfallen — die Mtöip-ops s. o. 146, 2 — 
doch steht in diesem Fall, sofern diese Bedeutung nicht schon ana dem Zusam- 
menhang erhellt, nicht t« öiop.» achleohtweg, sondern öto|ib tUb] nnd Ähnli- 
ches; Tgl. Metaph. in, 3. 999, a, 12. V, 10. 1018, b, 6. VII, 8, Schi. X, 8. ». 
1058, a, 17. b, 10. XI, 1. 1059, b, 35) oder li tr/^axa, weil sie beim Herabstei- 
gen vom Allgemeinsten aoletzt kommen (Metaph. XI, 1. 1059, b, 26. Eth. N. 
VI, 12. 1143, a, 29. 33. Dean. III, 10. 433, a, 16. De mein. c. 2. 451, a, 36). 

1) Top. I, 4. 101, b, 17 unterscheidet er fSvoc, iäiov nnd eo|»ßeflT(XÄ< ; nach- 
dem er sodann das TSiov wieder in den Spot nnd das TSiov im engem Sinn ge- 
theilt hat, defmirt er das letalere c- 5. 102, a, 17; TSiov £' hilv B u-i) 3i)Xol [itv to 
ti rj» cTvbi, |iOvrg S' unrip/Ei xcti ivTixiTTj-fOpEiTH TDÜ 7cpty|iaT0( (sioh als Wechsel- 
begriff an ihm verhalt) , oTov tSiov ivBptiJEOu t'o -fpa|J.jJiTut^( s?»ai BextixSv a. b. w. 

2) Schon a. a. O. unterscheidet er von dem axi.Sn Tä'-ov das not! i] itpös te 
iöiov, nnd im 5ten Bach, welches von der topisohen Behsndlnng der Bio han- 
delt, (c. 1) das TSiov xn8' »S-'o von dem TSiov icpbä ftspav, das ötet TS. von dem nett 
73. Von dem TS. jr.pbj fiEpov bemerkt er aber selbst (129, a, 33), nnd van dem 
ira« TS. gilt ohnedem, dass es au den aupjäeßiixek« gebäre, als Beispiele des TS. 
ist' aÜTO nnd äs'i führt er andererseits wesentliche Merkmale an, wie Z&oi iB» 
«toi, ftSov Bvt]tov, t'o ix ^u/ijs x«l aiin« 1 ^ ou-fxti(i«vo« (128, b, 19. 35. 139,», 2). 
Vgl. vor. Anm. 

3) Arist. sagt diess nicht mit diesen Worten, aber es ergiebt sieb aas sei- 
nen Erörterungen über die verschiedeneu Bedeutungen das to'jtöy. Top. 1, 7 
('gl. VIII, 1. 151, b, 29. 152, b, 31) werden deren drei unterschieden: -je-/*. 
isä-räv ist, was Einer Gattung, eTSei Wtbv, was Einer Art angehört (hierüber 
vgl. Metaph. X, 8. 1058, a, 18), ößiBp$ toitbv, &i onip."™ nXeffei rb fit itpäyu« 
I*. Diese letztere Art der Identität lässt sich wieder auf verschiedene Weise 
anidrfioken: xupuuTOTa piv xotl itpiirtcin !tov iv6\um Jj Bprjj tb Tiütb» änoSgBij, x«. 
8i«Ep tjuniov l(U7ri(|> xat Jijiov tieCöv Sinouv ivBpeini]), SititEpov 6' 8tav tS IBliji, xa- 
&Msp xb inicrtijjiTR osKTUtev ävflpün^, . . . Tpfxov B' Brav ijtb toü ou|iS£pV ( xiiTOS , olov 



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158 Aristoteles. 

was nicht unter Einen Begriff fällt, verschieden 1 ); zur vollstän- 
digen Identität gehört aber allerdings such Einheit des Stoffes: 
solche Einzelwesen, zwischen denen kein Artunterschied statt- 
findet, sind doch noch der Zahl nach verschieden, weil sich in 
ihnen derselbe Begriff in verschiedenem Stoffe darstellt *)- Der 
begriffliche Unterschied ergiebt in seiner Vollendung den con- 
trären, die blosse Verschiedenheit den contradidorischen Gegen- 
satz. Denn conträr entgegengesetzt CevkvtEov) ist dasjenige, was 
innerhalb derselben Gattung am Weitesten von einander abliegt 9 ): 

i'o xaihjuivov 55 t'o |iouaiitbv Euixpitei. Etwas müden wird Meteph. T, 9 eingetheilt : 
Ariat, unterscheidet hier zuerst die Tsiiia xbtöi aujißiBijxln und taiiri xbB* oStö, 
sodann du tsOtov iBti und äpiß|uT), weicht beide tbeils von dem ausgesagt wer- 
den, was Einen Stoff, theils von dem, vu Ein Wesen habe. (Genauer X, S. 
1064, «, 32: der Zahl nach identisch sei, irM stiwohl dem Stoff als der Form 
nach Eins ist.) Im Allgemeinen wird die Bestimmung aufgestellt, welche sich 
auf die obige leicht in rück führen lUsst: fj laürfri]; Ev(!tt|( 1<{ form I) JiXf.uSvuv 
toü slvai ?| Srav XP"!*" *"! i&slosw (wie in; cnkb «StQ TaWy). Da aber (c 10, 
1018, a, 35) die Einheit und das Bein verschiedene Bedeutung Imbun können, 
mflase eich die des taiitbv, fwpov a. b. f. nach der ihrigen richten. ■ 

1) Metaph. V, 9. 1018, a, 9: fnpa St Wvrai &i J) xi eBij idtCu J| *j Uli) Jj 
& XdfO( tffc oJoiac xat BXwf ovrixeipiviu^ tcS tbOtu X^fSTat to trtpov. Ueber das 
■Bit nnd -jfVti ftipov Tgl. ebd. I, 8. V, 10. 1018, a, 38 ff. c. 88. 1024, b, 9. 

3) 8. vor. Anmm. nnd 160, 5. Dana die individuelle Verschiedenheit der 
Dinge ihren Grund im Stoff haben soll, wird auch spater noch gezeigt werden. 

3) Diese Definition führt Arist. Kateg. 0. 6. 6, a, IT. Eth. N. II, 8. 1108, 
b, 33 als eine (iL erlieferte an (ipEtovrni); Metaph. X, 4, Auf. jedoch tragt er sie 
in eigenem Namen tot, nnd begründet die Bestimmung, aus die Entgegenge- 
setzten derselben Gattung angehören müssen, ausdrücklich mit der Bemerkung: 
t! jilv "r&p YPrti 6ia<p*povra ofix fyei ÄBb* ti$ ölXnl«, ÜX' Zxfys.1 itXiov xoi ewii[<^ 
ßljjTa (ein Ton und eine Farbe z. B. sind sioh nicht entgegengesetzt, weil sie 
Überhaupt nicht verglichen werden können, im!|iB^ijta sind). Dagegen lesen 
wir Metaph. V, 10. 1018, a, 25: jumtfa ä^etoi :i ts lu); Euvst« Spa tu o£tö 
ItBpiWat TÜv S[OupEpdvre>v ms y&as, xol ti nWiorov Siay^oVTa töiv Iv Tai aÜTtji 
f tat, xcn t& TcXflarov 3nif ^povxn nüv Jv taütoi Bsxtixui , (dass die ivavrii einem 
nnd demselben SexTixbv ankommen, bestätigt Metaph. X, 4. 1055, a, 29. De 
somno 1.458,h, 2T)xat t« itXfiorov Sm^epovra tüv otc'o rijvaflriiv 6tJvK[tiv, xal 5v J| 
Biaipopi ju^(oD] J| Ö7tX(Ü; Jj xaTa f^vo; ^ xir' e78q(. tcl 5' iXXa ivavria Xs^ETai tä 
ulv t<S xi Toiiüta t-ftiv, ts Bi tcü SsxTixi tTvar iüv tmoiItuv u. s.w. (Dieses auch 
X, 4. 1055, a, 85.) Aach Kateg. c. 11, Schi, beisst es: övav»i Se xlcna Ta Iva*- 
t(« ?) £v t5 aitiTi y^vgi slvai (wie weiss nnd schwara), f] £v Tot; havrlotc -[^veoiv 
.-(wie gerecht nnd ungerecht), 1 odra ylvi] eTisi (wie gut nnd base). Aehnlich 
BiHpr,. in Categ., Schot. 84, a, 6: nach Arist. (x. 'AvtixeiuAuv) seien, zwei De- 
finitionen Jvovrfai, iöv Tiji ifAci n >| IvovtCov ?) tote äia^ opj"( 1) iu.spo-rt'poii. Die 



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Dar Segriff; dar Gegensatz. 153 

der contrfire Gegensatz ist nichts anderes, als der absolute Art- 
unterschied '}• I» eontrndictorischem Gegensatz dagegen stehen 
diejenigen Begriffe, welche sich zu einander als Bejahung und 
Verneinung verhalten '), zwischen denen daher nichts in der Mitte 
liegt 8 ), und von denen jedem gegebenen Gegenstand der eine 

reifere und richtigere Darstellung ist aber die MeUpti. X (gut und böse z. B. 
kennten sich nicht entgegengesetzt sein, nenn sie nicht unter denselben Gat- 
tung« begriff, den des sittlichen Verhaltens, fielen), und Aristoteles selbst führt 
(1055, a, 23 ff.) die froheren Bestimmungen auf den hier aufgestellten Begriff 
den ivxv-.itiv zurück. Nur ans diesem erklärt sich auch der Grundsatz (Metaph. 
m, 3. 996, ä, 20. IV, 2, 1004, a, 9. 1005, a, S. XI, 3. 1061, a, 18. An. pri. I, 
36. 48, b,6. De an. HI, 3.427, b, 5 u. e. s.Boürrzn. Schwiqi.eh an Metaph.lll, 
2 a. s. O.): tSi eWvtÜiiv [i!a teionju-u. Dieselbe Wissenschaft ist die, welche 
es mit Dingen derselben Gattung zu thun hat; was verschiedenen Gattungen 
angehört, nie Ton nnd Farbe, fallt Insofern auch unter verschiedene Wissen- 
schaften. Vgl. a. a. O. 1055, a, 31. Ans jenem Begriff des tvavrfov wird femer 
(a. a. O. 1055, a, 19 rgl. De eoelo I, 2. 269, a, 10. 14. Phys. I, 6. 189, a, 13.) 
der Satz abgeleitet, das* Einem nur Eines contrBr entgegengesetzt sein könne. 
Zwischen contrlr Entgegengesetzten können unbestimmt viele Zwischenglie- 
der in der Mitte liegen, welche dann aus ihnen zusammengesetzt sind (wie die 
Farben aus bell and dnnkel) ; dech finden sich solche Mittelglieder nicht zwischen 
allen, sondern nur zwischen denen, von welchen dem dafür empfänglichen 
Subjekt nicht noth wendig das eine oder das ändere zukommt, bei welchen ein 
aUm&hliger Uebergang toh dem einen zn dem anderen stattfindet (Metaph. X, 
7. Kateg. c. 10. 11, b, 38 ff. 12, b, 25 ff. vgl. Siupl. Categ., Scbol. in Ar. 84, 
a, 15 ff. 28 ff.); wie es denn hauptsächlich die Veränderungen in der Natur 
sind, welche Aristoteles bei der Lehre vom tvavrlov im Auge hat, denn jede 
Veränderung ist Uebergang aus einem Zustand in den entgegengesetzten; Phys. 
V, 3. 226, b, 2. 6. I, 4. 1S7, a, 31. c. 5. 188, a, 31 ff. gen. et eorr. I, 7. 328, b, 
19. — Der obigen Definition des eISei ivaWov entspricht die des cvavriov «tri 
ttfjrav Meteor. IL 6. 363, a, 80; Phys. V, 3. 226, b, 33. — Ueber die richtige 
sprachliche Formul jrnng der Gegensätze hatte sieh Arist. iE. 'Avtixeijuvoiv ge- 
äussert ; Sinn,, a. a. O. 88, h, 39 ff. 

1) Die e«npopi tAitac. Uetaph. X, 4. 1055, a, 10 ff. 22 ff. Da dieser Gegen- 
sata aar (wischen den abstrakten Begriffen, nicht zwischen konkreten Dingen 
stattfindet, wollte Arist in der Schrift n. 'AvT»ti|ifv«M nur solche Begriffe (e. B. 
fp6Vrj«t{ nnd ä<p?o<rjvr h ) inXffit svavtt« genannt wissen, nicht aber das daran 
TheÜhabende (wie ippovifiot nnd ä^pwv). BmrL. In Categ., öohoL in Ar. 83, b, 
24 ff. vgl. Piato PhSdo 108, B. 

1) Die stehende Bezeichnung für diese Art der Entgegensetzung ist da- 
her: tos xaxifamt xal &Tc6faatt «vtixeTo8o:l ; bei den Urtheilen (s. u.) heisst sie 
impaoit, nnd unter demselben Namen wird Phys. V, 3. 227, a, 8. Metaph. IV, 
7, Auf. V, 10, Apf. auch der Gegensatz der Begriffe mitbefasst. 

8) MetapL. IV, 7. XI, 6. 1068, b, 19. Phys. a. a. O. vgl. was spater über 



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154 Aristoteles. 

oder der andere nothwendig zukommen tuass M Jj diese Art des 
Gegensatzes entsteht, mit anderen Worten, wenn alles das, was 
in einem Begriff nicht enthalten ist, in einem verneinenden Aus- 
druck zusammengefasst, die Gesammtheit der möglichen Bestim- 
mungen nach ihrer Identität oder Verschiedenheit mit einer gege- 
benen Bestimmung getheilt wird. Zwischen dem contr&ren und 
dem contradictoriscben Gegensatz steht nach Aristoteles der des 
Besitzes und der Beraubung'); indessen will es ihm nicht recht 
gelingen, den Unterschied dieses Verhältnisses von den beiden 
anderen festzustellen 3 ). Als eine vierte Art der Entgegensetzung 



du contradictorische Urtheil zu sagen sein wird; die Art der Entgegensetzung 
ist nümlioh dort dieselbe, wie hier; Kat. c. 10. 12, b, 10. 

1) Kateg. C 10. 11, b, 16 ff. 13, a, 37 ff. Metapb. X, 1057, a, 33. 

2) £&( und aWpijots, z. B. sehend nnd blind. Zum Folgenden vgl. Thehdh- 
lebbdro Hi B t. Beitr. 1, 103 ff. 

3) Metaph. V, 33 (und hierauf zur ück weisend X T 4. 1066, b, 3) unterschei- 
det A. drei Bedeutungen der T-.iprpii: 1) iv [ijj fyjj ti tüv mpundrow IysoS«!, 
xkv [ijj aitb j[v myuitbt e/eiv, oToy su-'ov ö)i.[iäTiuv irapijaftou Mvcm. 2) öv jue^ii- 
ko; lx £lv i 1 *äm fj to vEvof, (ijj ij(]|; 3j öv «tfuxbt xal 5t» nApoitlv (£«« ji») fjrj. 
Allein in der ersten Bedeutung wäre die Privation gleich bedeutend mit der 
Negation (blind = nichtsehend),' und es könnte von den xirä ar^pijaiv >ai IE'* 
Entgegengesetzten gesagt werden, was auch nach Hat. c 10. 18, b, 30 ff. (frei- 
lieh den Postpradioamenten) nicht von ihnen gesagt werden kann, jedes Ding 
sei entweder das eine oder das andere ron ihnen (entweder sehend oder blind), 
das Verhältnis« der ar4p>]<rif und tfi( würde sich mithin auf das der ävtupauis 
zurückfuhren. Bei den zwei andern Bedeutungen ist diees allerdings nicht der 
Fall, denn bei ihnen drückt die ^ifnfm, wie auch Metapb. IV, 12. I0l9,b,3ff, 
zagegeben wird, selbst wieder etwas Positives, eine Art um aus; dafür mit 
aber, wenn wir die Beraubung in diesem Sinn nehmen, ihr Gegensatz gegen 
die ?£t; unter den Begriff des evbvtIov. Der Unterschied beider wird in den Post- 
prldicamenten, Kat. o. 10. 12, b, 26 ff. darin gefanden, dass von den tvonfta, 
wenn es zwischen ihnen kein Mittlere* gebe (wie zwischen gerade und unge- 
rade), noth wendig jedem dafür Empfänglichen das eine oder das andere zu- 
kommen müsse (jede Zahl ist entweder gerade oder ungerade); wenn es dagegen 
ein Mittleres zwischen ihnen gebe, diess niemals der Fall sei (es kann nicht 
gesagt werden : jedes,' was für die Farbe empfänglich ist, mnss entweder wein 
oder schwarz sein); bei der rcVpiaif nnd ?&( dagegen finde weder das Eint 
noch das Andere statt: man könne nicht sagen, Jedem dafür Empfänglichen 
mnss das eine oder das andere der Entgegen setzten zukommen", denn es könnt 
eine Zeit geben, wo ihm noch keines von beiden zukomme, ib -jap (hJem rracu- 
r.o$ ö^rv Igut oüis TuipiUv aürt ctyiv evoy W]-'™'! man könne die so Entgegenge- 
setzten aber auch nicht zu dem rechnen, zwischen dem es Mittelglieder gebt, 



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Der Begriff; der Qegensatc. 155 

wird die der Verhßltnissbegriffe angefahrt *). Von allen diesen 



Em y<"P $*l ice?»"; ij öijiiv fynv, titi II'tdcAöv J] ö^iv l/tn faft fri t at . Allein 
10 lange etwas noch nicht jtEpgxbc Siji'.v tyztv ist, ist ei eben auch nach kein 
StxTixbv ö^t(d(, dieser Fall gehört also gar nicht bieher, and andererseits liegt 
zwischen dem Besitz und der Beraubung allerdings Vieles in der Mitte, näm- 
lich alle Grade des theilweisen Besitzes: es gibt nicht blos Sehende und Blinde, 
sondern auch Halbblinde. Ein weiterer Unterschied der tVsnrcfa von dem xxtä 
T-./pijoH xai B£n Entgegengesetzten soll (Kat. c. 10. 13, a, 18) darin liegen, data 
bei jenen der Uebergang von dem Einen zum Andern gegenseitig sei (da* 
Weisse kann schwarz und das Schwarze weiss werden), bei diesen nur ein- 
seitig, vom Haben zur Beraubung, nicht umgekehrt. Diess ist aber gleichfalls 
nicht richtig: es kann nicht blos der Sehende blind oder der Belebe arm, son- 
dern auch dar Blinde sehend und der Arme reich werden, and wenn diess nicht 
in allen Fallen mBglioh ist, so gilt das Gleiche auch von den sWvrfe: es kann 
anch nicht jeder Kranke gesund, alles Schwarze weiss werden. Für das logi- 
sche Verhaltnias dor Bogriffe wire dieser Unterschied Oberdiess ganz unerheb- 
lich. Uetapb. X, 4. 1055, b, 3. 7. 14 endlich wird bemerkt: die -jt^tjo^ sei 
eine Art der ivtlp sol;, nfimlich die ävTi<paai; tv rö Sextixü , die (vovtiq'ths eine 
Art der rrziprpii (so auch XI, 6. 1068, b, 17), so dass demnach diese drei Be- 
griffe eine Stufenfolge vom Höheren zum Niederen bilden worden. Aach diese 
kann man aber nnr dann sagen, wenn der Begriff der miftjim nicht genauer 
bestimmt wird; sobald diess geschieht, füllt das Verhaltnias der trtspi;<ji^ und 
3; 14 entweder unter die ävefftune oder unter diesvavrforijt. Auf die letztere führt 
such Anal. post. I, 4. 73, b, 21 : ?oti yip tö Ivavtiov f[ atsprpii i) äräftaii ev -ü 
t^TiÖ ytvM, otov öpriov x'a pj) ittptTrov sv äpcKjAdit; denn um ein jvavrjov sein »n 
kennen, raus* die orfpi)Otj einen positiven Begriff ausdrücken, und zwar nicht 
blos indirekt, wie die övripao«, von der sie ja hier unterschieden wird. Das 
Gleiche gilt von Stellen, wie Metaph. VII, 7. 1033, a, 7 ff., wo das Kranke, 
nach andern Stellen das fvavrfov des Gesunden, als seine o-rfpT| 014 angeführt, ist; 
ebd. XII, 4. 1070, b, 1 1 : wf ptv eTooc [akh. tSv owuAtwv} 10 öt ?i i'ov xki iXXov 
rpiicov tb tyiifjOn ij <rtipTpni, denn das Kalte bildet zum Wannen einen oontr&ren 
Gegensatz, nud wenn es ein 1(804 ist, kann es keine blosse Verneinung sein; 
wird es daner anch mit andern analogen Begriffen für eine solche ausgegeben 
(e. B. De coelo II, 3. 266, a, 36), so erkennt doch Arial, selbst anderswo an, 
dass es in gewissen Fallen eine natürliche Eigenschaft, kein blosser Mang ol 
sei (pari an. II, 2. 649, a, 18), und dass es die Kraft habe, zu wirken (gen. et 
oorr. II, 2. 329, b, 24), die einer blossen orip»|ai( unmöglich ankommen kann. 
Vgl. Thknijeleobueo a. a, O. 107 ff. Stb(?mfbi.j. Gesch. d. theor. PhiL 227 f. 
— Von der oxep)jai4 und ffo hatte Arist auch in der Schrift h. 'AvTixeiusvKW 
gehandelt; Sihfi.. Schob in Ar. SS, b, 41. ST, a, 2. Ueher die metaphysische 
Bedeutung der artpijmi nnd Ihr Vorhftltnias sur 3Xi) wird später zu sprechen 

1) Kat. c. 10. 11, b, 17. 24 ff. Top, II, 2. 109, b, 17. o. 8. 113, b, 16. 114, 
a, 13. V, 6. 185, b, 17. Metaph. X, 4. 1056, a, 38. c. 3. 1064, a, 28. Wenn He- 



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]56 Aristoteles. 

Arten der EntgegensetEung gilt der Satz, dass die so aufeinander 
Bezogenen unter dieselbe Wissenschaft fallen *)• 

Die Begriffe für sich genommen geben aber noch keine Rede, 
sie sind weder wahr noch falsch; eine bestimmte Aussage, and 
eben damit Wahrheit und Irrthum, findet sich erst im Satze*]). Durch 
die Verbindung des Nennworts mit dem Zeitwort, der Subjekts- 
und der Prädikatsbezeichnung 9 ), erhalten wir eine Rede (X&yoO *); 
hat diese Rede die Form der Aussage, wird in ihr etwas bejaht 
oder verneint, so entsteht, im Unterschied von anderen Rede- 
weisen s ), der Satz 8 ), oder das Urtheil C&mwxtvtn?) *)> als dessen 

taph. V, 10 noch zwei weitere Formen der Entgegensetzung genannt sind, so 
zeigt Bokitz z. d. St. Wait* Äriat. Org. I, 306, dass diese anter die vier sonst 
allein genannten fallen. Umgekehrt nennt Phys. V, 3. 227, a, 7 Dar die ivt!- 
yson nnd ävaw.riii];. Beispiele solcher Verhältnis» begriffe (Kat. a. a. 0. und 
c. 7. Metaph. V, 15) sind: das Doppelte und das Halbe, Oberhaupt das Viel- 
fache nnd «ein Theil, das imp^ov nnd Or.tptyi-Atvov ; das Wirkende nnd das 
Leidende; das Messbare und daa Maass, das Wissbare nnd das Wissen. 

1) S. o. 162, 3, nnd was die Ausdehnung des obigen Satzes anf alle 4vn- 
xiiiiEva betrifft, Metaph. IV, 2. 1004, a, 9. Top. I, 14. 105, b, 33. II, 2. 109, b, 
17. VIII, 1. 155, b, 30. c. 13. 163, a, 2. Die Begründung dieses Satzes liegt im 
Allgemeinen darin, dass von den Entgegengesetzten keines ohne das Andere 
gewnsst werden kann, dieses selbst aber hat in den verschiedenen Füllen ver- 
schiedene Ursachen: beim contradiotorisohen Gegensatz rührt es daher, dass 
der negative Begriff Non a A den positiven A unmittelbar voraussetzt und ent- 
halt, bei den Correlatbegriffen daher, dass sie sich gegenseitig voraussetzen, 
beim oontrHren Gegensatz nnd bei der nipriait nnd ?£t;, so weit sie nnter diesen 
fUllt , daher, dass die Kenntnias der entgegengesetzten Artunterschiede die der 
gemeinsamen Gattung voraussetzt. 

2) De interpr. c. 1. 13, a, 9 ff. e. 4. c. 5. 17, a, 17. De an. III, 6. 430, a, 
36. b, 27. e. 8. 432, a, 11 vgl. Metaph. VI, 4 und die platonische Lehre lste 
Abth. 399, 2. 3. 

3) M. s. aber Svopa nnd pTJji«, welches letztere aber Copnla nnd Prädikat 
in sich begreift, De interpr. c. 2. 8. c. 10. 19, b, 11. PoSt. c 20. 1457, a, 10. 
14. Auch diess ist platonisch; s. lste Abth. a. a. O. nnd 408, 6. 

4) De interpr. o. 4. 

5) Wie Wunsch, Bitte u. s. w. Die Frage wird Anal. pr. I, 1. 24, a, 22. 
Top. I, 10. 104, a, 8 (vgl. Wni! AriBt. Org. I, 852) zwar unter den Begriff der 
rtpÄTaaif gestellt, aber als itporaoit 8i»a,«tix)) von der änoSfixTtx^ so unterschie- 
den, dass diese lij^n 6err=pou (lopiou ttj; ävii^öatiii; , sie dagegen fptivngatj «mfä- 

6) nporoait; über den Ausdruck vgl. m. Biese Phil. d. Arist. I, 128, 2. 
Wajtz Arist. Org. I, 368. 

7) De interpr. c. 4. IT, a, 1. Anal. pr. I, 1. 34, a, 16.' 



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Das Urtheil. 157 

Grundform Aristoteles das einfache kategorische Urtheil betrach- 
tet *). Ein Urtheil ist wahr, wenn das Denken, dessen innere 
Vorgänge durch die Sprache bezeichnet werden *), dasjenige für 
verknüpft oder getrennt hält, was in der Wirklichkeit verknüpft 
oder getrennt ist, falsch, wenn das Gegentheil stattfindet 1 ). Der 
ursprünglichste Unterschied unter den Urtheilen ist daher der der 
bejahenden und der verneinenden 4 ). Jeder Bejahung steht eine 
Verneinung gegenüber, welche mit ihr einen ausschliessenden 
(contradictorischen) Gegensatz C&vrtyoaiO bildet, so dass ent- 
weder die eine oder die andere wahr sein muss, und kein drittes 
möglich ist B ); daneben stehen aber gewisse bejahende Sätze zu 



1) De interpr. o. 5. 17, *, 20: f] fih aitXjj ümv «tiipovoit . .. f| SHx toihuv 
eu-putpivv) . . . fern Sc i) jiiv iniij imSipavatj ptovJ) <»]{unmxJi rapt tob GirÄp^iiv xi f[ 
!"! ÜKip^sw, £■$ et jyiivoi Siijpijwiu. Weiteres unten. 

8) Uebor die Sprache als «djijäQXo» i5v iv tjJ $uxfl urafliijiitiii» b. m. De 
interpr. c. 1. 18, *, S. c. 2, Ali f. 0. 4. 17, a, 1. soph. el. c. 1.166, «,6. De Bens U 
fc 1. 437, a, 14. Bhet III, 1. 1404, a, 30. Die Vorgänge in der Seele, welohe 
die Worte »andrücken, lind nach diesen Stellen bei Allen die gleichen, ihre 
sprachliche Bezeichnung dagegen iit Sache der Uebereinkunft und deaehalb bei 
Verschiedenen verschieden, wie die Bchriftaeiehen. 

3) MeUph. VI, 4. IX, t, Auf. 

4) De interpr. C. 6, Anf.: iav. Es elf Kpwxoi Xö^o; jinof evrotb; uMifwit Uta 
«jcnaic- ol S' öUot nävTs; auvB*ou.o> slj. Weiteres ebd. c. 5. 6. Anal. pr. I, 1. 
24, a, 16. Anal, poat, I, 26. 86, b, 33. Die EpeJTOO« xertd? «Tliii heisst auch xxrij-- 
pput-Jj, die «rotparctJ) auch arepr-uiij. Anal. pr. I, 2. c. 4. 36, e, 18. 31. c 6. 38, 
«, 30. b, 6. 16. c. 13. 33, b, 1. 

6) De interpr. c. 6. c 7. 17, b, 16. Anal. post. L, 3. 73, a, 11 : iredtpavoit 
ä hrmf&an*>t fewtSJI ovoÜv (lipiov. iviiooai; 31 övrCOsoif jfc iiuk ecrri [liraipu x«8' aS- 
•■ifi. [lopun 3' övnf aauuf io [tiv ti xorta tivo< i-ataf 0014, to Sk t\ dutd Ttvof ijrdonoit. 
VgL 8. 103 f. Ueber den Satz dea Widerspruchs and de« ausgeschlossenen Drit- 
ten wird später noch weiter zu sprechen sein. Eine Ausnahme vod der obigen 
Hagel machen nach Arist. De interpr. 0. 9 aolohe DIsjunktivaStEe, welche sieh 
»of einen zukünftigen Erfolg beziehen, der snf&llig ist oder vom freien Willen 
sbhtngt. Ton ihnen kann man, wie er glaubt , überhaupt nichts vorher sagen, 
weder dass sie eintreten, noch dass sie nicht eintreten werden, von ihnen gilt 
(gen. et corr. II, 11. 337, b, 3) nur 3ti |hX3.ei, aber nicht Sti itrrat, denn dieses 
•colieest die Möglichkeit des Andersseina aas; es ist daher bei ihnen nur der 
disjunktive Satt wahr: „sie werden entweder eintreten oder nicht eintreten," 
Tan den iwei kategorischen SSWen dagegen: „sie werden eintreten", und: „sie 
werden niebt eintreten* keiner. Die letztere Behauptung hat für nns etwas 
Anffalleadea; wir würden eher sagen, die eine von beiden Aassagen sei wahr, 
nee erfahre man erst durch den Erfolg, welche. Arist nimmt aber den Begriff 



gewissen verneinenden (die allgemein bejahenden nämlich zu denen, 
welche das Gleiche allgemein verneinen) in dem VerbJitmss des 
conträxen Gegensatzes, welcher einen dritten mögliche« Fall nicht 
ausschliesst »J, Eine reine Darstellung dieser Verhältnisse dürfen 
wir aber freilich bei Aristoteles nicht erwarten. Da er die Co- 
pula noch nicht bestimmt vom Prädikat unterscheidet *)» weiss er 
auch die richtige Beziehung der Negation noch nicht an finden-. 
er spricht es nirgends ans, dass sie in Wirklichkeit nur der Co- 
pula gilt, nur die Verbindung des Subjekts mit dem Prädikat, 
nicht das Subjekt oder Prädikat selbst verneint *)i und im Zusam- 
menhang damit fährt er die Satze mit negativem Prädikat oder 
Subjekt als eine besondere Form auf 4 !)) während dam doch eigent- 
lich kein Grund vorliegt*). 



des =Xtj6e( im strengeren Sinn; er versteht darunter ein solches, was nicht än- 
dert lein kann, oder vi«lmehr, er hat dabei den Unterschied zwischen thsteacli- 
lieher Richtigkeit und apodiktischer Wahrheit ausser Acht gelassen. Zu der 
Aporie, welche Arisi a. a. O. erörtert, haben ihm wohl die Megariker den Stoff 
geliefert, vgl. lte Abtb. 188, 2. 

1) De interpr. o. 7. IT, b, 20. vgl. wm 8. 153 über die Jvonridn]; bemerkt 
wurde. Auch die partikular bejahenden nnd partikular verneinenden Sätze, 
welche sich nach späterer Terminologie mboontrarie entgegengesetzt sind, 
werden Anal. pr. II, 8. 69, b, 10 au den i'vavrteit £vcuu{|uvou gerechnet; c. 15, 
Anf. bemerkt jedoch, sie seien dies« nur den Worten, nicht der Sache nach. 

2) 8. o. 166, 3. De interpr. c 10. 19, b, 19 wird nun allerdings auch der 
Fall in'» Auge gef äset , In» ib fati tc(tov TtpojxatT] fif ijiai , wie in dem Sali um 
SLi.au.; ävSpiimot. Diess besieht sich aber nicht auf die Trennung der Copnla 
vom Prädikat, sondern nur darauf, data in den E zist an tiala atzen: ("otiv ävSpu- 
jcot, aiit. Smv ä. u. s. w. da« Subjekt durch ein adjektivisches Epitheton erwei- 
tert sein kann, welchea sich seinerseits wieder affirmativ (Stxxrot ä.) oder nega- 
tiv (oti Slmho( ä.) fassen läast: «Vn &lx. i. heilst: es giebt einen gerechten Men- 
schen, was etwas andere« ilt, als: ävflpnncof fiUtuif im, derHenaoh itt gerächt. 
Dub jeder Satz, selbst der Ezistentialsata, logisch betrachtet aus drei Be- 
standteilen besteht, sagt A. nirgends, und in der Schrift it. 'Epppda« 
nimmt er seine Beispiele sogar mit Vorliebe von den iweitheiligea Existenti ai- 
satzen her. 

■8) Anal. pr. I, 46, Anf. c. 8. 25, b, 19 zeigt er wohl, data zwischen uj) 
iTmi -.aS\ nnd aTvczt u.)| w&w , (iJ) thai Jituabv nnd itvai fii) Xaukbv ein Unterschied 
«ei, indem die Salze der letzteren Art die Form bejahender Sitze haben, aber 
den eigentlichen Grund davon deckt er nicht anf, aneh nicht De interpr. e. 12, 
woranf Branüjm 8. 165 verweilt. 

4) De interpr. c 8. 16, a, 30. b, 12 lagt er: o^x-övSptditoc «ei kein Evojt«, 
efy- uyijIvh kein ffipa, will dann aber Jenea bona adpKrwv, diese« üpwtov 



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Das üttfaelL 159 

Weiter zieht Aristoteles die Quantität der Urtheile in Be- 
tracht, indem er zunächst zwischen den auf eine Mehrheit und 
den auf Einzelne bezüglichen , und sodann unier den ersteren zwi- 
schen den allgemeinen and den partikulären, im Ganzen also zwi- 
schen allgemeinen, partikulären and individuellen Urtheilen unter- 
scheidet 1 ). Auch hier drängt sich aber in den sogenannten un- 
bestimmten Urtheilen eine Kategorie ein, welche eigentlich nicht 
die logische Form der Gedankenverknüpfung, sondern nur das 
Grammatische des Aasdrucks betrifft *). Sehr wichtig ist endlich 
unserem Philosophen, wegen ihrer Bedeutung für die Syllogisiik, 

«in nennen, and bringt c. 10 neben den Sätzen ectiv äv8p(07io(, o ix £ ä. u. g. w. 
lad die entsprechenden au» negativen Begriffen zusammengesetzten: law 

oi« - nOpdiivo; , oüx ionv oix-ä. , fetivoä - StxalOt oix-ävBp., oü* Jrav oiJ-Slx. 

wi-n6p. u. s. w. Theopbrast nannte diese BBtEe; 1% [uraWoswj (Ahmok. De 
inlerpr. 128, b, n. 120, a, u. Pbilop. Scbol. in Ar. 121, a,u.) oder »erc« |m«<)eetv 
(lux. Analyt. 134, s, m.). 

5) Denn da«, worin die Form des Urtheile liegt, diese bestimmte Verbin- 
dung de» Subjekte mit dem Prädikat, bleibt sich gleich, ob nun Subjekt und 
PrMikat positive oder negative Begriffe sind; nnd Aristoteles selbst giebt 
in»l. pr. I, S. 26, b, 19 vgl. c. 13. 32, a, 31 zu, dasa Ausdrücke, wie hSi/y.n 
|»;5tvi änipvnv, ärnv oflx a-fiBbv, »in r/fiiia xaiafatutov haben. Mit Recht nimmt 
ibcr Pbxmtl. Gesch. d. Log. I, 143 an dem Svgui nnd f^ua iipiorov überhaupt 
Anstois, da die Vemeinnng in Wirklichkeit überhaupt nur im ürtheil vorkom- 
men kann, jeder Subjekts- oder Pridikatsbegriff als solcher dagegen einen po- 
ritirsu Inhalt haben mnss. 

1) De interpr. o- 7. Die allgemeinen Urtheile werden hier als solche be- 
leichnet, welche M tüv xsööXo'j aTtofpaivavrai xaBÄXou, die partikularen, welche 
mcb jv.uipn oder xnrl fiipo; genannt werden (Anal. pr. I, 1. 24, a, 17. c. 2. 
J5, a, 4. 10. 20 n. ö.), als solche, die M -CÜJv xaUla-j uh \l\ xiOilou 8k änoipai- 
•mn, d. h. in beiden ist das Subjekt ein xaBo'Xou, i h& ttXsiSyiuv ic^uxe xaTrjyb- 
ptiatai, aber in den einen wird das Prädikat von diesem Snbjekt seinem gan- 
ten Umfang nach ausgesagt, in den anderen nicht. 

2) Wahrend De interpr. von den unbestimmten Urtheilen nicht mehr ge- 
sprochen wird, sondern die individuellen in ihre Stelle eindicken, sagt Anal. 
pt. I, 1. 34, e, 16 (vgl. 0.2. 26,«, 4. c. 4. 26, b, 8 n, ö.): Jtporaaic . . . 3) x«86Xou 
i b ulpei t) äBtipwtoc. Die Beispiele jedoch, welche hier angeführt weiden: 
tüvivmmwv *ft«i -rijv aorjjv &twn{üj]v, t))v i)8ov))vu.j)il!vat 0^08^1, gehören logisch 
""richtet zu den allgemeinen Sätzen, andere, die man herziehen kannte, wie 
i3T " Wlpowwi Bixjio;, sind partikulare. Arist, selbst macht auch in der Analytik 
'an den Kptrriien iBiiprarai keinen weiteren Gebranch; Theopbrast bezeichnete 
mit diesem Namen die partikular verneinenden (Alex. Analyt. 21, b, m.}, oder 
*ie Amol. De interpr. 73, a, m angiebt, die partikularen Satze Überhaupt. 

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160 Aristoteles. 

die Modalität der Urtheile; er unterscheidet solche, die ein wirk- 
liches, ein notwendiges, und ein mögliches Sein aussagen '); 
diese Unterscheidung fällt jedoch mit der jetzt üblichen zwischen 
assertorischen apodiktischen und problematischen Urtheilen nicht 
zusammen, denn sie bezieht sich bei Aristoteles nicht auf den 
Grad der subjektiven Gewissheit, sondern auf die objektive Be- 
schaffenheit der Dinge, und unter dem Möglichen will er dabei 
überdies« nicht alles, was sein kann, sondern nur dasjenige ver- 
standen wissen, was sein kann, ohne nothwendig zu sein, was 
mithin sowohl sein als nicht-sein kann *)• Den Folgesätzen, welche 
er aus seinen Bestimmungen ableitet, haben zum Theil schon Theo- 
phrast und Eudemus widersprochen '). Der sog. Relation der Ur- 



1) Anal. pr. I, 2, Anf. : jtäoa ixpixasi; imv t t tou fiKap^uv t t tob ^ oviviujj 
Sraip/Eiv j) toS Evär/eoBai ijxapveiv. 

2) Anal pr. I, 13. 82, s, 18: }jp* 6" EvBtxwBai xal xb b&ty&ptvav, öS uJ| 
övra; avoiYxaiou, te6eVco{ S' CjxapY_EW, oüSkv iarai öii Tour' äSüvsTov. Z. 28: larai 
äpa xb JvfiE^d^EVOV oix iva'rxa'io« x«t xb |*)| ava-fxatov iyBt^duivov. Meteph. IX, 3. 
1047, a, 24: itrtt 8t Buvaxbv touxo, w Eav taip?r, J) EVEp-jtia, öS Wysrai e" x eiv T^v 
BiSvbu.iv, oiBh Etrxu! «Biivotetv. Ebenso c. 4. 1047, b, 9.: c 8. 1050, b, 8: 
Jtaaa S'Jvapti ajia x?j( ävxi? ij£<u( iazw ... xb ipa Suvcni» e7ybi itüftxxt xal eIvbi 
xa'i [i-i] etvai ■ xb aijtb öpa Suvaxbv xa\ cTvai xa\ jij eTvm. IX, 9, Anf. ; öoa yap xaxa 
xb Suvaofloi XsSfExai, xafirfv Iotl Buvoxbv xävavxia: was gesund Bein kann, kann 
auch krank aein , waa ruhen kann, kann sich auch bewegen, wer bauen kann, 
kann such niederreiasen. 

3) Ariet. aagt, in der Möglichkeit sei zugleich auch die Möglichkeit dos 
Gegentheiis enthalten {». vor. Anm. uud De interpr. o. 12. 31, b, 13: Soui 31 :o 
aflxb Bsjvaafloi xat etvai tat jii) eTvai- jräv jap xb Suvocxbv xijiviaflai J[ ßaäijEiv xa'i (i)| 
ßaSi^tiv xai iai; WjivtcrSat Suvatov u. a. w.), indem er für die liestlmmnng dieaes 
licgiitfa von degenigen Bedeutung der Süvojj.^ .anageht, wornach sie ein Ver- 
mögen zu Chan oder tu leiden bezeichnet (Metanh. IX, 1. 1046, a, 9 ff. V, 12, 
Anf.); und das« diese Möglichkeit des Qegentheila nicht immer eine gleich 
atarke ist, dasa das EvBsYjSjisvov oder äuvatbv (denn diese beiden Ausdrücke sind 
der Sache nach gleichbedeutend) bald ein solches bezeichnen soll, was in der 
Regel, aber doch nicht ausnahmslos , eintritt, bald ein solches, waa gleich gut 
eintreten und nicht eintreten kann (AnaL pr. a. a. O. 32, b, 4 ff), ist unerheb- 
lich. Er behauptet daher Anal. pr. I, 13. 32, a, 29 (vgl. De coclo I, 12. 282, 
a, 4), die Möglichkeitaaitze lassen sich in der Art umkehren, das« ans dem £*- 
Bej^oÖii Ü7iip^eiv immer anch das EvStgtofou u.j] inap/tiv, ans dem Jtavx\ evä^Eaflai 
das Ivhtytaiui |u|Scvt und pi, navx\ (die Möglichkeit, daas das fragliche PrAdikat 
Keinem, oder nicht Allen zukomme — Fbastl Gesch. d. Log. I, 267 erklärt die 
Worte unrichtig) gefolgert werde, denn da das Mögliche kein Notwendiges 
sei, könne von allem, was (Mos) möglich ist, auch das Gegentheil lUttündcn; 

. „Lzeday G00gle 



Das Drtheit 



(heile schenkt Aristoteles so wenig, als den hypothetischen und 
disjunktiven Schlüssen, Beachtung; nnr in dem, was er vom aus- 



nnd aas demselben Grunde l&ngnet er (ebd. o. 17. 36, b, 3G) für die MöglioL- 
kcitssätze die einfache Conversion der allgemein vernein enden Urtbeile; denn 
Ja äaa verneinende Urtheil: „es ist möglich, dass kein B A ist," ihm infoige 
dai bejahende: „es ist möglich, daaa jedes B A ist," in sich aohlieist, so würde 
die einfache Conrersion des erateren die einfache CoQversion eines allgemein 
bejahenden Uitbeils in eich schliessen, allgemein bejahende Urtbeile kennen 
aber nicht einfach convertirt werden. Theophragt und Eudemus widerspraohon 
diesen Behauptungen , indem sie anter dem Möglichen alles das verstanden, 
was stattfinden kann, die>Beitinunnng dagegen, dass es zugleich auch müsse 
nicht-stattfinden können, aufgaben, und somit das Nothwendige mit zu dem 
Möglichen rechneten (Alex. Analyt. pr. 51, b, m. 64, b, n. 72, a, u.b,m. 78,a,u.). 
Aristoteles selbst (Anal. pr. I, 3. 26, a, 37. De interpr. c. 13. 22, b, 29 Tgl. 
Hetaph. IX, 2, Anf. c. ö. 1046, a, 4. & 8. 1050, b, 30 ff.) giebt mit Bflckiioht 
auf die Naturkräfte (ouväjiti;), die nur in Einer Richtung wirken, zu, dasa auch 
du Nothwendige ein Mögliches (Suvaibv) genannt werden künno, und daaa un- 
ter dieser Voraussetzung die allgemein verneinenden MüglichkeitsaHtze einfach 
convertirt, und von der Noth wendigkeit auf die Möglichkeit geschlossen wer- 
den könne, aber er sagt zugleich auch, Ton seinem Begriff des Möglichen gelte 
äisee nicht. — Zwei weitere Streitpunkte zwischen Aristoteles und Beinen 
Bchfllera, aber die Alexahbbb, eine eigene Schrift verfasst hatte (Alex. Anal. 
10, t), m. 83, a, o.), entstanden bei der Frage über die Modalität der Schluss- 
latte in Schlüssen, deren Prämissen verschiedene Modalität haben. Aristoteles 
tagt, wo die eine Prämisse ein Müglichkeits- die andere ein Wirklich keitsa atz 
iit, ergebe sich nur in dem Fall ein vollkommener Scblusa, wenn der Obersatz 
ein Möglich keitssatz sei; sei es dagegen der Untersatz, so erbalten wir theils 
einen unvollkommenen ttchluss, d. h. einen solchen, dessen Schlusssatz nur 
durch dedueiio ad absurdum, nicht unmittelbar aus den gegebenen Prämissen, 
gewonnen wird, tbeila müsse die Möglichkeit, wenn es ein verneinender Schluas 
wt (richtiger; in allen Fallen) imSchlusssatz nncigentlich (nicht von dem, was 
■ein und nicht sein kann) verstanden werden (Anal. pr. I, 15}. Theophrast 
nnd Eodemns dagegen waren der Meinung, auch in diesem Fall entstehe ein 
vollkommener Sebluss der Möglichkeit (Alex. a. a. O. 56, b, o. u.). Beide 
Theile von ihrem Begriff dea Möglichen ans mit Recht. Versteht man unter 
dem Möglichen alles, was sein kann, auch das Nothwendige mit eingeschlossen, 
Wlind die Schlüsse ganz richtig and einfach: „Jedes B ist A, jedes C kann 
B sein, also kann jedes C A Bein;" „kein B ist A, jedes C kann B sein, also ist 
es möglich, dasa kein C A ist." Soll dagegen möglich nur das beissen, dessen 
Gegentheil gleichfalls möglich ist, so kann man diese Schlüsse nicht machen, 
weil in diesem Fall der Untersatz : „jedes C kann B sein" den verneinenden 
8»li mit enthält; .jedes C kann nicbt-B-sein." Man kann z. B. nicht 
■etiiessen: Jeder Geschworene ist ein Mensch, jeder Staatsbürger kann mög- 
licherweise Geschworener sein (möglicherweise aber auch keiner sein), also 
PUlu. 4, Gr. IL Bd. 1. Abu. 1 1 



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schliessenden Gegensalz sagt *), liegt der Keim zu der Lehre vom 
disjunktiven ürtheil. Dagegen handelt er ausführlich, aber mir 
im Zusammenhang der Schlusslehre , von der Umkehrung der Ur- 
theile Oi für welche er die bekannten Regeln a ) feststellt; nur in 
Betreff der Möglichkeitssätze verwickelt ihn seine eigeolhümliche 
Begriffsbestimmung des Möglichen in die oben erörterten Schwie- 
rigkeiten. 

Ausführlicher hat Aristoteles die Lehre von den Schlüssen ent- 
wickelt, und sie gerade ist auch seine eigenste Erfindung *). Wie 

kann jeder Staatsbürger möglicherweise ein Mensch lein, möglicherweise aber 
■nah keiner sein." Ebensowenig verneinend: „kein Geschworener ist ein Aus- 
länder, jeder Staatsbürger kann Geschworener sein, also ist es möglich (aber 
nicht notwendig), dass kein Staatsbürger ein Ansiander ist" — Und wie 
Theophrast und Eademus in diesem Fall einfach daran festhielten, dass die 
Modalität des Schlasssatzes sich nach der schwächeren von den Prämissen 
richte (Alex. a. a. O.), so behaupteten sie nach demselben Grundsatz, wenn 
die eine Prämisse assertorisch, die andere apodiktisch ist, sei der Scblasssatz 
assertorisch (Ales, a, a. 0. 40, a, m. 42, b, n. Philo r,, Sohol. in Arist. 158, 
b, IS), während er nach Aristoteles (Anal. pr. I, 9 ff.) dann apodiktisch ist, 
wenn es der Obereatz ist. Anch in diesem Fall laset sich, je nach der Bedeu- 
tung, welche der Modalitttt der Satze beigelegt wird, beides behaupten. Sollen 
die Satze: „B muss A sein," „B kann nicht A sein" das aasdrücken, dass zwi- 
schen B and A nicht zufälliger- sondern noth wendiger weise eine Verbindung 
stattfinde, oder nicht stattfinde, so folgt, dass auch zwischen jedem in B Ent- 
haltenen and A vermöge derselben Noth wendigkeit eine Verbindung stattfindet 
oder nicht stattfindet (wenn alle lebenden Wesen kraft einer Natura oth wendig- 
keit sterblich sind, so gilt dasselbe auch von jeder Art lebender Wesen z. B. 
den Menschen); nie diesa Aristoteles a. a. 0. 30, a, 21 ff. ganz klar zeigt. 
Bollen dagegen jene Sitze besagen, dass wir genöthigt seien, A mit B ver- 
bunden oder nicht verbunden zu denken, so lasst sich der Satz: „C muss (be- 
ziehungsweise: kann nicht) A sein," aus dem Satze: „B muss (oder: kann nicht) 
A sein" nur dann ableiten, wenn wir uns C anter B subsumirt tu denken ge- 
näthigt sind; wissen wir dagegen nur thatsSchlicb (assertorisch), dass C B ist, 
so wissen wir auch nur that sachlich, dass C das ist oder nicht ist, was wir ans 
mit B verbunden oder niebt verbunden denken müssen. 

1) S. o. S. 157. 

2} Anal. pr. I, 2. 8 Tgl. c. 13. 32, a, 29 ff. c. 17. 36, b, 15 ff. II, 1. 53, 
1,8 ff. 

3) Einfache Umkehrung der allgemein verneinenden, and partikulär be- 
jahenden, partikulare (die später sogenannte eonversio per accideni) der allge- 
mein bejahenden, gar keine Conversiou der partikulär verneinenden Urtheile 
— denn die ctmverrio per amtrapositionem kennt er noch nicht 

4) Wie er selbst sagt soph. el. c. 34. 183, b, 34. 184, b, 1. 



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Der Schlna«. 163 

er den Namen des Syllogismus in die Wissenschaft eingeführt hat *)» 
so ist er auch der erste, der es bemerkt hat, dass jeder Zusammen- 
hang und Fortschritt unseres Denkens auf der syllogistischen Ver- 
knüpfung der Urlheile beruht. Ein Schluss ist eine Gedankenver- 
bindung, in welcher aus gewissen Annahmen, vermöge ihrer selbst, 
ein Weiteres, von ihnen Verschiedenes, mit Nothwendigkeit her- 
vorgeht 8 ); dass es sich hiebet immer zunächst nur um zwei 'An- 
nahmen, oder genauer, um zwei Urtheiie handle, aus denen ein 
drittes abgeleitet werden soll, dass daher kein Schluss mehr als 
zwei Vordersätze haben könne, zeigt Aristoteles am Anfang seiner 
Schlosslehre nicht ausdrücklich , wenn er es auch später s ) an der- 
selben nachweist. Die Ableitung eines dritten Urtheils aus zwei 
gegebenen wird aber nur in der Verknüpfung der in diesen noch 
unterbundenen Begriffe bestehen können 4 )) und eine solche ist nur 
dann möglich, wenn sie durch einen mit beiden verbundenen Begriff 
vermittelt wird *}• Jeder Schluss muss daher nothwendig drei Be- 
griffe, nicht mehr und nicht weniger, enthalten 6 ), von denen der 
mittlere in dem einen Vordersatze mit dem ersten, in dem andern mit 
dem dritten in einer Weise verbunden ist, welche die Verbindung 
des ersten mit dem dritten im Schlusssatz herbeiführt. Dieses selbst 



1) Vgl. Pbantl Gesch. d. Log. I, 264. 

2) Anal. pr. I, 1. 24, b, 18: ?uU.o-]-iajj.Q{ Se eoti X&fOf h & -tsWvTwV TOÖW 
fapiv ;i twv x;i[i£Wv 1% ävav*7]s oupßatai i.ü taüta sTvai. (Ebenso Top. I, I. 100, 
a 25 Tgl. soph. el. e. 1. 165, a, 1.) Wyui i\ „tu Ta&ra tW" t'o 3ii tauvi <r»\i- 
faita* , tb äi „8ia taut« jujißaivEiv" to [A7]Stvb( ?Eu)0ev Spoo icpototf» ffp'o; to ftvia- 
ftai to ivoYxaton. 

3) Anal. pr. L 25. 42, a, 82. Was die Terminologie betrifft, so heiasen die 
Vordersätze gewönnlieh repotiozu, Metaph. V, 2. 1013, b, 20: üiroStaetc tüCouu.- 
nfiT|inro;, der Untersatz Etn. N. VI, 12. 1143, b, 3. VII, 6. 1147, b, 9: i> Srfp« 
(oder TEXcuTai'a Jtp6raai(), der Scbluseaatz stehend CTupiirE'paou.a. Anal. pr. II, 1. 
5B, a, IT ff. jedocb steht wjpr.ip. vom Subjekt des Bchlnasaatiea. 

4) Ein Satz, den Ariat. allerdings nicht in dieser Form ausspricht, der 
aber aas seiner Definition des Urtheils unmittelbar folgt, wenn wir dieselbe 
Mi den Torliegenden Fall anwenden. 

5) Vgl. Anal. pr. I, 23. 40, b, 30 ff., namentlich aber 41, a, 2. 

6) A. a. O. c. 25, Anf. Ebd. 42, b, 1 ff. über die Zahl der Begriffe und 
Sitae in ganzen Schlussreihen. Von den drei Begriffen (Speis, o. 14?, 1, Schi.) eines 
Schlaues heisst der, welcher in beiden Vordersätzen vorkommt, jjiooj, der, 
»on welchem dieser urnfssst wird , der höhere {[itftot oder Kpürov sxpov), der, 
welcher Ton ihm umfasst wird, der niedrigere (CUcrqv äxpov oder io^enov). 
Anal. pr. I, 4. 25, b, 85. 82. 26, a, 21. c. 38, Auf. o. o. 

11* 



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t&l Aristoteles. 

aber ist auf dreierlei Art möglich. Da nämlich jedes Urtheil in der 
Verknüpfung eines Prädikats mit einem Subjekt besteht Cdie hypo- 
thetischen und disjunktiven Urtheile lässt ja Aristoteles ausser Rech- 
nung), die Verbindung zweier Urlheile zum Schluss aber, oder die 
Ableitung des Schlusssatzes aus den Vordersätzen, auf der Bezie- 
hung des Mittel begriffe zu den beiden andern beruht, so wird die 
Art und Weise jener Verbindung Cdie Form des Schlusses) von der 
Art abhängen, in welcher der Mittelbegriff auf die andern bezogen 
ist 0* Hiefür zeigen sich aber nur drei Möglichkeiten. Der Mittel- 
begriff kann entweder Subjekt des höheren und Prädikat des niedri- 
geren Begriffs sein, oder Prädikat von beiden, oder Subjekt von 
beiden 0; den vierten möglichen Fall, dass er Subjekt des niedri- 
geren und Prädikat des höheren Begriffs sei , fasst Aristoteles nicht 
ausdrücklich in's Auge; wir werden ihn aber desshalb um so we- 
niger zn tadeln haben, da dieser Fall wirklich bei einem reisen 
und strengen Verfahren nicht vorkommen kann *)■ Wir erhalten 
demnach drei Schlussfiguren Ot^[/.ktoO, welche- sämmtlich der ka- 
tegorischen Schlussform angehören; für die sogenannte vierte Fi- 
gur der späteren Logik 4 ), lässt Aristoteles, wie bemerkt, keinen 
Raum, und den hypothetischen Schluss hat er so wenig, wie den 
.disjunktiven, als eigene Form behandelt 5 ). 



1) Anal. pr. I, 23. 41, a, 13, am Schluss des Abschnitts über die Schluss- 
flguren, fährt Arial., nachdem er die Notwendigkeit and Bedeutung des Mit- 
telbegriffs, als Verbindungsglied zwischen major and minor, entwickelt hau 
fort: el q8v kii^r.-^ \a& ti laßfiv npb( äjtaiu xoivbv, toüto B' (vB^etbi Tp[Y_£>( (1 Y=P 
tb A to5 r*«t to T toS B »«T>iYopi{OTivTBt, )| tb F x«' ifipolv, J[ öfifiu toxk toü 
T), taik« B* fett ti efpniUvo o^tfjiOTB, pavspi™ Sti novta ouXXofiaubv a.vifxr\ ^Iveo-- 
Bai Sii toiJuüv tnbt tölv apipäTaiv. 

2) Die Stellung der ßutzu ist bekanntlich für die Form de« Schlüssen gleich- 
gültig; die seitdem übliche Varanstellung des Obersatzes ergiebt sich aber für 
Aristoteles natürlicher, als für uns. Er beginnt nämlich bei der Darstellung 
der Schlüsse nicht, wie wir es gewohnt sind, mit dem Subjekt, sondern mit 
dem Prädikat des Ohereatzes: A äiräp);Ei r.xvil tö B, B Im&tffu XarA T(Ü T, SO 
dass also bei ihm auch im Ausdruck ein stetiges Herabsteigen vom höheren 
zum Mittelbegriff und von diesem zum niedrigeren stattfindet. 

S) Was hier allerdings nicht nachgewiesen werden kann. 

4) Uener sie wird später zu sprechen sein, wenn die neue Bearbeitung 
dieses Werks an ihren Erfinder, Gilbk, kommt; inzwischen vgl. in. 1'«*htl 
Gesch. d. Log. I, 670 f. 

ß) Ob diess ein Mangel, oder wie Pbabti, Gesch. d. Log. I, S9S will, ein 



Der Schlnas. 405 

Fragt man nun , was für Schlüsse in diesen drei Figuren mög- 
lich sind, so ist zu beachten, dass in jedem Schluss ein allgemeiner, 
und ebenso in jedem ein bejahender Satz vorkommen muss *); dass 
ferner der Schlusssatz nur dann allgemein sein kann, wenn es beide 
Vordersätze sind 0; dass endlich in jedem Schluss sowohl hinsicht- 
lich der Qualität als hinsichtlich der Modalität mindestens einer der 
Vordersätze dem Schiasssatz ähnlich sein muss *)• Doch hat Ari- 
stoteles diese Bestimmungen nicht in allgemeiner Weise aus der 
Natur des Schlussverfahrens abgeleitet, sondern erst aus seiner 
(Jebersicht Aber die einzelnen Schlussweisen abstrahirt. 

Diese selbst ist bei ihm sehr sorgfältig ausgeführt. Er weist 
nicht allein für die drei Figuren die bekannten Schlussformen nach *), 
sondern er untersucht auch mit eingehender Genauigkeit, welchen 
Einfluss die Modalität der Yordersälze, sowohl in reinen als in 



Vorzug der aristotelischen Logik ist, haben wir hier gleichfalls nicht au unter- 
suchen; wenn jedooh dieser Gelehrte mit Biese (Phil, d. Arist. L. 156) die von 
Andern vermisste Berücksichtigung der hypothetischen Schlüsse in den Be- 
merkungen über die Voraussetznngsschlüsse (oiAXo-f lsjaoI i£ ir.ofliocioi) Anal. pr. 
L 23. 40, b, 26. 41, s, 21 ff. c. 29. 45, b, 22. c. 44 sucht, so vermischt er cwei 
verschiedenartige Dinge. Aristoteles bezeichnet als hypothetische Sehlüflso die- 
jenigen, welche von einer unbewiesenen Voraussetzung ausgehen (vgl. Wiite 
e. Anal. 40, b, 26); wir verstehen darunter solche, deren Obersalz ein hypo- 
thetisches Urtheil ist; dieses beides fällt aber gar nicht nothwendig zusam- 
men: eine unbewiesene Voraussetzung kann auch in einem kategorischen Bete 
ausgedrückt, ein hypothetischer Satz umgekehrt vollständig erwiesen sein. 
Unsere Unterscheidung des Kategorischen und Hypothetischen betrifft aus- 
schliesslich die Satzform, welche in dem einen Fall das Verhältnis* des Dings 
zur Eigenschaft, das der Inhlrenz, in dem anderen das Verhältniss des Bedin- 
genden zum Bedingten, das der Causalität, ausdruckt, die Begriffe dort nach 
jenem, hier nach diesem Gesichtspunkt verknüpft. 

1) Anal pr. I, 24, Anf.: fri ti h ÖTtavTt (sc. ouXXof t<j|i(J} 8ä xot«rropixov twe; 
tüv Epuv fTvai xal tb xaQiXou fnt&pytiv. Das Entere wird nicht weiter bewiesen, 
indem Arist. wohl voratusetit, dass es ans der vorangehenden Darstellung der 
Sohlossfignien erhelle; aum Beweis des Zweiten fahrt er fort; «viu fäp teil *a- 
fliXou *j ein ätrrcu duXÄo-]-ra|ib; , \ od Kpö; to ulpsvov, ? ( to 1% iffjli «M 01 ™ 1 ! wu 
im Folgenden näher ausgeführt wird. 

2) A. *,. O. 41, b, 23. 

3) A. a. 0. Z. 27. 

4) Für die erste Figur (um die scholastischen Beseiohnnngen an gebrau- 
chen) die Modi: Barbara, Darü, Ctkarent, Ferie (Anal. pr. I, 4); für die (weite: 
Cetars, Camzstru, Feitino, Saroeo (ebd. c 6); für die dritte: Darapti, Ftlap- 
ton, Ditamii, Daliri, Bocaräo, Frfhon (o. 6). 



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166 Aristoteles. 

gemischten Schlüssen, auf die des Schlusssatzes und auf das ganze 
Schlussverfahren ausübt ')• Als vollkommene Schlüsse betrachtet er 
aber nur die der ersten Figur, weil bei ihnen allein, wie er glaubt, 
die Notwendigkeit der Schlussfolgerung unmittelbar aus ihnen selbst 
erhellt; die beiden andern dagegen liefern unvollkommene Schlüsse 
und müssen durch die erste vollendet werden: ihre Beweiskraft be- 
ruht darauf und ist dadurch zu erweisen, dass sie durch Umkehrung 
der Sitze oder auf apagogischem Wege auf die erste Figur zurück- 
geführt werden 1 ). Die gleichen Schlussformen kommen selbstver- 
ständlich auch bei dem apagogischen und überhaupt bei dem vor 
aussetzungsweisen Verfahren in Anwendung *). 

Wie nun diese Formen für den wissenschaftlichen Gebrauch zu 
bandhaben, und welche Fehler dabei zu vermeiden sind, hat Ari- 
stoteles gleichfalls ausführlich erörtert. Er zeigt zuvörderst, was 
für Sätze schwieriger zu erweisen und leichter zu widerlegen sind, 
und umgekehrt *); er giebt sodann Regeln für die Auffindung der 
Vordersätze, welche den Schlüssen zu Grunde gelegt werden sollen, 
mit Rücksicht auf die Qualität und Quantität der zu beweisenden 
Sätze '0, nicht ohne bei diesem Anlass auf die platonische Methode 
der Einteilung 6 ) einen tadelnden Blick zu werfen 7 ); er handelt 

1) A. a. 0. c 6—23, Tgl. die Bemerkungen S. 161 f. Anm. 

2} M. a. die angeführten Abschnitte, namentlich c. 4, Schi. c. 5, Sohl. c. 6, 
Schi. c. 7. 29, a, SO. b, 1 ff. c 23, vgl. c 1. 24, b, 22: t&uqv ;j.:v oSv xaXG aul- 
lo-pa(iov töv jjd]£gv'o( äXÄou itfOiSt&jxtnv iraoi xa c!Xr,|i|iEW Rpbt td favJjvai tb 
av»Y*ito«, «TeXij 81 t'ov ^poiStdjitvoii i) ivbf ^ nXeuSvtnv, & toxi uiv äva^xala Siä nn 
■J7toiii[jivwv Spuv, OJ |i)jy Eilijniai Sii TtpoTcaEuv. Die Prüfung der aristoteli- 
■ohen Ansieht dürfen wir ans auch hier ersparen. 

3) A. a. 0. e. 23. 4t, a, 21 ff. Tgl. oben S. 164, 1. 

4) A. a. O. o. 26. 

5) A. a. O. o. 27—29, auch hier (c. 29) mit der uua drück lieben Anwen- 
dung auf die apagogischen und Voraussetiungssohliisse. 

6) M. s. über diese: Ute Abth. S. 396 ff. 

7) Die Begriffe mittelst fortgesetzter Eintheilungen bestimmen zu wollen, 
sagt er c. 31, sei verfehlt, denn gerade die Hauptsache, das zu Beweisende, 
müsse man dabei voraussetzen. Wenn es eich i. B. um den Begriff des Men- 
schen als eines £üov Oviffov handle, SO würde aus den Sätzen: „alle lebenden 
Wegen sind entweder sterblich oder unsterblich, der Mensch ist eis lebendes 
Wesen" nur folgen, dass der Mensch entweder sterblich oder unsterblich sei, 
dass er ein tijiov Ovjjtov sei, ist blosses Postulat. A. sagt dessbalb von der Ein- 
theilung, sie sei oTov öoScvi); (nicht bündig) ouXXoYia[j.d(. Aehulicb Anal, post 



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Der Schluss. 167 

eingehend darüber, was man zu beobachten und wie man zu verfahren 
hat, am den so gefundenen Stoff der Beweise in die regelrechte 
Schlussform zu fassen l }. Er bespricht ferner die Tragweite der 
Schlüsse in Beziehung auf den Umfang des durch sie Erschlosse- 
nen Oi die Schlüsse ans falschen Vordersätzen s ), den Zirkel- 
schluss *) und die Umkehrung des Schlusses 9 )* die Widerlegung 
aus den Folgesätzen e ), die Schlüsse, welche sich ergeben, wenn 
die Vordersätze eines Schlusses in ihr Gegentheil umgesetzt wer- 
den '), die mancherlei Fehler im Schliessen und die Mittel, ihnen 
zq begegnen 8 )- Er untersucht endlich diejenigen Arten der Be- 
glaubigung, welche nicht zur Beweisführung im strengen Sinn ge- 
boren *) , um auch an ihnen das einer jeden eigentümliche Schlüss- 



ig 5. Auch part. an. I, 2 f. wird das platonische Verfahren getadelt, weil e* 
(der 8. 145, 2 besprochenen Regel zuwider) die Zwischenglieder nnnothig ver- 
TielfUtige, dasselbe nnter Terschiedenen Gattungen aufführe, negative Merk- 
male aufstelle, nach allen möglichen sich kreuzenden Gesichtspunkten theile 
a. a. w. Tgl. Meyuh Ärist. Thierknnde 71 ff. 

1) A. a. O. e. 32—46. 

S) Anal pr. II, 1. 

8) Ebd. c 2, Anf. (vgl Top. TuT, 11 t. 162, a, 9. b, 18): $ ShfiSt» |i*v 
A oix fon ü/jÜSot miX)iof(aa<n)ai , ix ^eufiüv 6' ftrnv ÜTjflts, nX))v au Sldrt iU' 
st!' tuu Y^p Siöti aux turn ix ifieuStüv ouXXoti-j|i(>( (weil nbulich falsche Vorder- 
aätac eben die Gründe, das StdxL, falsch angeben, TgL Ö. 1 11, 1). Unter welchen 
Bedingungen diese in den einzelnen Figuren möglich ist, erörtert c. 2 — 1. 

i) YoxtixXtax.AiZiXk-fi.tav tewoBm. Dieses besteht darin, dass der Sobloss- 
uU eines Schlusses, welcher dann aber natürlich anderweitig feststehen musi, 
in Verbindung mit der umgekehrten einen Prämisse aum Erweis der anderen 
gebraucht wird. Ueber die Fälle, in welchen diess möglich ist, a. m. a. n. O. 
o. 5—7; gegen den fehlerhaften Zirkel im Beweis Anal. post. I, 3. 72, b, 36. 

5) Aufhebung der einen Prämisse durch die andere in Verbindung mit 
dem contradieto riechen oder euntr aron Gegentheil des Sehlusssataes ; a. a- O. 
c. 8—10. 

6) Die Deductio ad absurdum, ö 3ii to3 äSuvsVtou auU.OTioydt o. 11 — 14, 
*gl. Top. VIII, 2. 167, b, 34. o. 12. 162, b, 6 and Anal. post. I, 26, wo bemerkt 
wird, dass die direkte Beweisführung höheren wissenschaftlichen Wertb habe. 

7) A. a. O. e. 15. 

8) Die petüio prinapii {tb lv ipxfi ottffo9at) o. 16 Tgl. Top. VTH, 18; das 
M rcopo xoSto ou|ipa(v£iv to tyüom, e. 17; das npürov ^luGo« o. 18 Tgl. Top. VIII, 
10; daraus abgeleitete Segeln fiir das Disputireu c. IS f.; aber die Täuschung 
durch voreilige Voraussetzungen c. 21; fiber die Prüfung gewisser Voraus- 
•etinngen durch Umkebrnng der in einem Schluss enthaltenen Sfttie c. 22. 

9) Die Induktion c. 28; das Beispiel c 24 (Tgl. Anal, post I, 1. 74, a, 9. 



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168 Aristoteles. 

verfahren nachzuweisen ')■ Wir können auf diese Untersuchungen 
hier nicht naher eintreten, so viel ihnen auch die Anwendung des 
syllogistischen Verfahrens ohne Zweifel zu verdanken bat, und so 
entschieden auch sie die Sorgfalt beweisen, mit welcher der Philo- 
soph an seiner Ausbildung gearbeitet hat. 

Auf der Grundlage der Syllogistik erbaut sich nun die Lehre 
von der wissenschaftlichen Beweisführung, welche Aristoteles in 
der zweiten Analytik niedergelegt hat. Jeder Beweis ist ein 
Schlnss , aber nicht jeder Schlnss ein Beweis; sondern allein der 
wissenschaftliche Scbtuss verdient diese Bezeichnung *). Das Wis- 
sen besteht aber in der Erkenntnis« der Ursachen, und Ursache 
einer Erscheinung ist dasjenige, woraus sie mit Notwendigkeit 
hervorgeht '}. Ein Beweis und ein Erkennen durch Beweis fin- 
det daher nur da statt, wo etwas aus seinen ursprünglichen Ur- 



RheL I, 2. 1356, b, 2. 1357, h, 26. II, 20); die iira-ji,]-^ (Zurackffihrung einer 
Aufgabe auf eine andere, leichter in lösende) c. 26; dielnstanz (ivexome) c 26; 
den Schlisi am dem Wahrscheinlichen (itx'04) oder gewissen Anzeichen (orjpßct), 
welchen A. F.nthymem nennt, c. 27, Du nichtigste von diesen ist die Induk- 
tion, über die wir auch später noch in sprechen haben werden. Sie besteht 
darin, dass der Oberes tx mittelst de« Unter- und ächlusisstzes bewiesen wird. 
Wenn z.B. apodiktisch in tchliessen wäre: „alle Thiore, die wnuig Galle haben, 
sind langlebig; det Mensch, das Pferd n. i, f. haben wenig Galle, also sind sie 
langlebig", so scbliosst die Induktion: „der Mensch, das Pferd u. s. f. sind 
langlebig, der Mensch u. s. f. haben wenig Galle, also sind die Thiere, die 
wenig Galle haben, langlebig," was aber nnr angeht, wenn der Mittelbegriff 
(Thiere die wenig Galle haben) mit dem untersten (der Mensch □. s. f.) gleichen 
Umfang hat, wenn somit der Untersatz („der Mensch u. s. f. haben wenig Galle") 
einfach umgekehrt und dafür geseilt werden kann: „die Thiere, welche wenig 
Galle haben, sind der Mensch n. s. w." (A. *. O. c. 23). 

1) Das Nähere eher diese Erörterungen a. m. bei Pbabtl S. 299 — 821. 
In der Auswahl und Reihenfolge der einzelneu Abschnitte lagst sich keine 
strenge Disposition wahrnehmen, wenn auch das Verwandte ku »ammengestellt 
ist. lieber die Gliederung der ersten Analytik im Gänsen Tgl. ra. B* Audis 
6. 204 f. 219 ff. 

2) Anal. post. I, 2. 71, b, 18: £xä3a&v 81 \(fw ouXXoriopov &t«mi|jLOvtxeY 
Und nachdem die Erfordernisse eines solchen aufgezählt sind: oiAXo-ftoj/is u)v 
f«p eutffi xai avtu Tutixeov, ixittd-it 8' oux fotac ob yäf Ttonjati feraufjHjv. 

8) A. a. O. c 2, Amts bclawA«. Bi otyuB' exerov ä«Xü* . . . Srav ti)v t' 
jtfrto o!ü[ttOa yvtämaw 8t' ijv t'o Kpiy\iJc iuttv, Sti fcteivou «frfa (VA, x«l p)] hü- 
XeoS«! -tout' äXXidj ex"v. Weitere Belegstelleu s, o. 1 10, 8. 



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Sachen erklärt wird ')» und Gegenstand der Beweisführung:, ist 
nur das Notwendige: der Beweis ist ein Schluss aus notwen- 
digen Vordersätzen s ); nur bedingter Weise kann man auch das, 
was in der Regel, aber nicht ausnahmslos, stattfindet, in seine 
Aufgabe mit aufnehmen s ). Das Zufällige dagegen kann nicht be- 
wiesen und überhaupt nicht gewusst werden *)- Und da nun ein 
Nothwcndiges nur das ist, was sich aus dem Wesen und dem 
Begriff 'des Gegenstandes crgiebt, alles Andere dagegen ein Zu- 
fälliges, so kann auch gesagt werden: alle Beweisführung beziehe 
und gründe sich ausschliesslich auf die Wesensbestimmungen der 
Dinge, der Begriff jedes Dings sei das, wovon sie ausgeht und 
welchem sie zustrebt 5 )- Je reiner und vollständiger uns daher 
ein Beweis über das begriffliche Wesen und die Ursachen eines 
Gegenstands unterrichtet, um so höheres Wissen gewährt er; der 



1) Ä. a. O. 71, b, 19: d tolvuv l<r& tb EWaraoflai oT&v fflt|Uv, äviyir, xat -,)]v 
isoäftxTw))v ir.ir^^t e'£ «Xi]8tuv t' Am xa\ itpuVniiv in äjiferu» (hierüber später) 
«i fviuprjijii-rfpiiiv xol sportpiiiv roü <io|<.7r(pi<i|j,aTO( ■ oOtid yip Zaovtai hA a! ipX<ü 
a'jün tou oewvj(jivou. Z. 29: aTna tt ... Sei stvai (so. d»a , woran* ein Beweis 
■bgeleitet wird) . . ., Eti ti-re ejjurcijieS« irav d)v ohiav stäüpn. 

3) A. a. O. c. 4, Auf.: im\ S' äSifvarsv äXXti; fy. tlv öS fattv smonjpj äjrXfl(, 
mrpealo» Sv (fy tb ftnanpiv tb xati t))V ÖKoSsmtiicV öna-nfjMjv. änobisTiitj) 8* 
Iritv Jjv e^O[«v tö ffjiii facdtaEw' ff; äwrfxalnv «pa <juXXofia|xd( Jora Jj iniBttSic. 
Vgl. Aura. 6. 

3) MetJiph. XI, 6. 1065, a, 4: imtrnfiu] fiiv fip näaa tou aä Svrof )) ü( ist 
in KoXb, t'o 81 ouiipe^io; ev oäStt^pty toilnav iWv. Anal. post. I, 80: rcäj fap 
TjUovtajibs )) fii' flva-fiaicov }] Sia luv ü< etiI tb jroXii npotiosiuv xal ei uiv «! rcoo- 
'ioa; ivi-ptacai , xa\ tb aupnfpaap^t äva-fxo'ov, ti B' »>; eVi tb jcoXb, xa\ tb <W[i- 
rifirj.» rtnouTöv. Vgl. S. 113, 4. 

4) AnaL jiost. I, 6. TS, a, IB. c. 30 Tgl. c 8. e. 33 u. a. 8t 8. oben 
111, 1. 

5) A. a. 0. o. 6, Anf. : it oSv estIv Jj ijTtiBsixT-.xJj Imorijp) iE övayxafo)» ip;röv 
f! ;ip ejrfoTirai oi Suvitbv sXXiuc e^sw) ti 61 xa8 ' sutä Gnap^avta äva^ala T0I4 
sf tfjimnv . . . f evapbv Sn ex totodtuv nvüv äv e n; ö aicoSiixtixb; auXXcrf lopi; ■ Sxiv 
T'p 1 o5tuj( uju&pys 1 . J| xati tni[tßiß)]xb; , tä 8e ou|j.ßEßiixdTa oäx ävopiata. Ebd. 
Sold.: in e\ 8' Q avapnjt Snap^u (tifft Ixaorov y^vo; 8aa xa8' aS-rä faapxct x«\ fj 
WWW», favBpov !t[ mpl tiüv xaB' oäti ärcapy^vtiuv at iBnrri]|iOvuta\ 4jcoSs(Ests xa\ 
« töW toioiStuy (taiv. tl ii'ev f ip ait)»p«piixiT« oäx ava^xat« , out ' oäx ävfrp"] tb 
njtnipagjia eUev»! Sieta Snap^EE, odB' e! äA efi], iifj xoB' a£tb St, olsv ot Sii si)- 
ptrav roXXoriajxoL tb fip xaS 1 aita od xa6' aitb ii«9ti{«Tiii , oiBi Siiti. tb Ei 
Wtl feiaraoflat fort tb Sia teiö «Mou ftriotaaflai. 5l' «itb äp« W xal tb iifao* tffi 
tph« wä A sp&wv t^i [ifaui Snip^tiv. Vgl. B- 143, 8. 



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170 Aiiitotele*. 

allgemeine Beweis verdient unter gleichen Umstanden vor dem 
particulären , der positive vor dem negativen, der direkte vor dem 
apagogischen, der, welcher uns die Einsicht in das Warum ge- 
währt, vor demjenigen den Vorzug, welcher Mos das Dass fest- 
stellt 0; »nd sofern es sich um die Beweisführung im Grossen, die 
Gestaltung eines wissenschaftlichen Systems handelt, gilt die Re- 
gel, dass die Erkenntniss des Allgemeinen der des Besonderen 
vorangehen müsse ')• Aus derselben Erwägung folgt aber ande- 
rerseits auch der Grundsatz, welcher in das ganze Verfahren un- 
seres Philosophen so tief eingreift, dass sich Jedes nur aus seinen 
eigenthümlicben Gründen beweisen lässt, und dass es unstatthaft 
ist, die Beweise aus einem fremden Gebiete zu entnehmen; denn 
der Beweis soll von den wesentlichen Bestimmungen des Gegen- 
stands ausgehen, was dagegen einer andern Gattung angehört, 
kann ihm immer nur zufälligerweise zukommen, da es keinen 
Theil seines Begriffs bildet *). Alle Beweisführung dreht sich so 
um den Begriff der Dinge: ihre Aufgabe besteht darin, dass sie 
nicht allein die Bestimmungen, welche jedem Gegenstand vermöge 
seines Begriffs zukommen, sondern auch die Vermitttungen nach- 
weist, durch welche sie ihm zugebracht werden, sie soll das 
Besondere aus dem Allgemeinen, die Erscheinungen aus ihren Ur- 
sachen ableiten. 

Kann aber die Reihe dieser Vermittlungen in's Unendliche 
fortgehen, oder hat sie eine nothwendige Grenze? Aristoteles 

1) Anal- post. I, 14. c. 24—27. 

2) Phy*. III, 1. 200, b, 24: uorepa yhp jj Kpl xfat tEUiv 8iup!s t% Jtepl toy 
xotvfiv lariv. 

S) Anal. poBt. I, 7, Auf.: oflx äp« low t£ sM.au fsvouf iisrafävia &t£ai, oTov 
tö fEdijjUTptxöv ipiGgMjTixij. Tpia fip lern tö Iv Tai; oieoMEm» , Ev \iiv ™ äirofautvii- 
(i4vov to su|xrt^ptxafj.a ■ touto S ' laA tb ür.ip /ov yivti Ttv\ xaf} ' a$t6. Jv Si ik ä£uu- 
tiarO' «Ei<i|iaT« 3 ' earlv ii <uv [sc. a\ änoStf^eif tiaiv]. Tpitov to yE»g; to äiroxd- 
[livov , o3 -:» irafli) xit ts xoi6 ' a&Tb auu.[JjpV°T<' 87]l.oi f] inäSiifo. ^ ä* pi» oiv jj 
ajEdo£i£i(, &£if/ETa: tb ai:i c!vai" cuv 31 TÖ f evo! ItEpav, dWltip äpiÖp.tjlixfjt xsl -j&o- 
jirtpisj, oüx Eni TJ]V apiSpjTtxtjv ämiBi^iv ffapp.iaai £iA ti Ttftt j«^'»:: ou|tßtpT r 
xfrra ... Surt' i) ücXü>{ ivä-fxi; to ctiio eTvsl fA>0( ij Kfj, ;! [uXXei f| ändSEi^i« JUTo- 
Bblveiv. bXXioc S' Sti ÜSiSvotov, BjjXov Ix f«p Tai afrov -fl^ous iviyxij to, ixps xa\ 
tk [liaa i?v»l. e? yip )ir) xiS' lutä, uujißtßijxita eVtai. Eis touto ... oix eoti SeTfjax 
. . . iXÄij ^TrtTtTfjATj tb Ercpa; , äil ' j) oon o5tio4 (T](E[ HG04 ayj.7|lii ujar ' eTihu OaTEpo» 
Sieb 6srcpov. c 9, Auf. : (p ai/Epbv Sti exiotov iftoäfiEat oilx eotiv iU ' fj ex ttüv £xi- 
utöu ap/üv d, s. w. Weiteres später. 

3,g,1:zedBy G00gle 



Das unmittelbare Wissen. 171 

behauptet das Letztere in dreifacher Hinsicht. Mögen wir nun 
von dem Besonderen zum Allgemeinen, von dem Subjekt, wel- 
ches nicht mehr Prädikat ist, zu immer höheren Prädikaten auf- 
steigen, oder mögen wir umgekehrt von dem Allgemeinsten, dem 
Prädikat, welches nicht Subjekt ist, zum Besonderen herab- 
steigen; immer müssen wir doch an einen Punkt kommen, wo 
diese Bewegung stillesteht, da es sonst nie zur wirklichen Be- 
weisführung oder Begriffsbestimmung kommen könnte *}; eben- 
damit ist aber auch der dritte Fall ausgeschlossen, dass zwischen 
einem bestimmten Subjekt und einem bestimmten Prädikat eine 
unbegrenzte Zahl von Vermittlungen in der Mitte Hege *}. Ist 
aber die Reihe der Vermittlungen nicht unendlich, so kann es 
auch nicht von Allem ein vermitteltes Wissen, einen Beweis ge- 
ben 3 ); wo vielmehr die Vermittlung aufhört, da tritt nothwendig 
das unmittelbare Wissen an die Stelle des Beweises. Alles zu be- 
weisen, ist nicht möglich, da man mit dieser Forderung entwe- 
der zu dem ebenberührten Fortgang in's Unendliche geführt würde, 
welcher als unvollziehbar jede Möglichkeit des Wissens und Be- 
weisen« aufhebt, oder zu dem Zirkelschluss, welcher ebensowenig 
einen bündigen Beweis giebt*). Es bleibt mithin nur übrig, dass 

1) Denn (83, b, 6. 84, a, 8) tot «neipa oi< foxi SuEiXSttv vooSvro. Tgl. 

2) A. a. O. a. 19 — 22. Dm Einsehe dieser theilweiae ziemlich undurch- 
sichtigen Ausführung kann hier nicht wiedergegeben werden. Dass Arist. eine 
Grenze der Begriffe reiben nach oben wie nach nnten annimmt, ist schon S, 150,5 
gezeigt worden. 

8) C. 23. 84, a, 30. Metapb. III, 2. 997, a, 7: wpt jiävtoiv yip «Sdvarov 
ik45el£iv tTycu ■ ävtrptij fip ek tiViuv eTmzi ii'l Jttpl xi x«l tivüv xfjv äniSzifyv, 

4) Nachdem Arist. Anal. post. 1, 2 gezeigt hat, daaa die Beweiskraft der 
SchlüBse durch die wissenschaftliche Erkenntnis» der Vordersätze bedingt sei, 
fährt er c 3 fort: Manche achliessen nnn hieran«, dass überhaupt kein Winsen 
möglich sei, Andere, dass eich Alles beweisen lasse. Er bestreitet jedoch beide 
Behauptungen. Von der ersteten sagt er: ol y£v -röp ünc6^ievoi (i)j eltat SXuc i-rd- 
ttoüou, oixoi ili inupo» ä^ioüaiv nyn-reeflat ü; o jx «v foia-iausvout xa Boxepa ha xi 
Kpöispa, Sit |jlwJ soxi npöxa , ÖpSüc Xtfutii , aä-JuTo v yip TS ärtEipa Bitlfeiv. e* te 
manu Mit tWtv öpx a ' l > ratixa; ä-fvüaxciuc eTmu änaSe^eüc yi |tij oüarj; aüxüv, Sittp 
<p»«Vi eTvou t'o ETjiarnuöai jifjvo« ■ e! 3i [xi] toxi xi irpüjx« tiStvW, oüBi xi ix toiittov 
An s-ijTnoBni faMif o£81 xvp!<u{, iXX' ^ SicaBiaEtof , i! Ixsivct etiiv. Er snlbst 
Siebt eu, dus das Abgeleitete nicht gewusst werde, wenn die Principien nicht 
gewusat werden, und das» es von diesen kein Wissen gebe, wenn das vermit- 
telte Wissen, durch Beweisführung, das einzige sei ; aber eben diese Mugnet er, 



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172 Aristoteles. 

die Beweise in letzter Beziehung von solchen Sätzen ausgehen. 
die als unmittelbar gewiss eines Beweises weder fifaig noch be- 
dürftig sind 0* und diese Principien der Beweise *) müssen nach 
eine höhere Gewissheil haben, als alles das, was aus ihnen ab- 
geleitet wird s ); es muss daher auch in der Seele ein Vermögen 
des unmittelbaren Wissens geben, welches höher steht nnd gros- 
sere Sicherheit gewährt, als alles mittelbare Erkennen. Und ein 
solches findet ja Aristoteles wirklich in der Vernunft, und er 
behauptet von ihm, dass es sich nie täusche, dass es seinen Ge- 
genstand nur habe oder nicht habe, aber nie auf falsche Art habe 1 )' 

a. a. O. 72, b, 18 vgl. Metaph. IV, 4. 1006, a, 6: 6m yip «nonSEunia ti |tf, 
YiYVtiMEtv, -rivaiv Sit JJijteTv «itdBstEiv ndt tiviuv oü BtT" oAwc jxiv Y&p «Jtivnov iätr 
vatov indBeiEiv tbw e!; mcEipov fap tu ßaSflJot, S^te [itjS' oBtfüj dwu äni&^iv. 
Die zweite Annahme (ttbvtiuv älva; «rfBei&Y ooüiv xiakitw iv&£ystj%ai väp xiixXu 
7(via9«( ti]V &x6Stify xai£f;&ÄifA<ov72,b,16) widerlegt Afiet, «.»,0. 72,b,25S 
unter Hinweisung auf seine früheren Erörterungen über den Zirkclauhlnsi 
(b. o. 167, 4). 

1) A.a.O. o,9. Tl,b,20: mirfiTi xa\ tJ]v äicoBEiictixJ]v äiti«i[|i>|v ä; ili|(lüi 
T* iHvai xol itptöriuv xot cqi&tuv xxl -fviupi|j.wTlipwi xai Tcpot^piuv xiV alricuv roÜ tj|A- 
iuaio[ucco{. ... ix 7vpö>Tüiv S' iv«noB(£xRuv , Sit od* feiTtiJoeia'. |*i) Sx.iuv airiE^ 
auTÖv (weil sie sonst, wenn sie nicht ävajroBEixroL wären, gleichfalls nur durch 
Beweis erkannt werden könnten;} Tb y«p &;( Tiamon i5v ir.äfaify tan pi| xrci 
suu.ßißixö(, rb t^tiv i)ciiBiiJ(v ion». c. 8. 72, b, 18: iff£iii M yopv o5w juäoew £>.i- 
ar/[\ii{t inoBeaTixi|» etvai, illa rijvrülv äfiiouw ävaitSBitxtov. . . . xa\ oä |iivoi fe- 
ottjpiv ÖAA& x«l "pxV ^nonlr«]! eIW *«* ? a F 1£ ''i ?i wrät Spou$ yvojpKo|xev. Tgi. 
B. 1S5, 4. Dagegen ist der Umstand, dass etwas immer «o ist, noch kein Grand, 
sieh des Nachweises der Ursachen zn entschlagen, dann auch das Ewige kam 
seine Ursachen haben, durch die es bedingt ist; gen. 'an. II, 6, 742, b, 17 ff. 

2) 'Ap^al, ipys\ dijtoBi!Etiü{ , &j%cä suAXoYwtnuft , i. äp4uoi, KpOTAcrcis äjuw 
a. a. O. 72, a, 7. 14. c 10, Anf. (Wtw 8' i?xM * ¥ l*k"<? t* (1 «oitoj, SfSn 
btt |d) hB(y«a. Beb;«). II, 19. 99, b, 21 Tgl. 8. 135, 4. gen. an. II, 6. 741, k, 
29 ff. — Anal. poat. 1,2. 72, a, 14 will Arist. den unbewiesenen Vordersati eiuM 
Schlusses fMatj nennen, wenn er sich auf etwas Besonderes beiieht, ifiwiu 
wenn er eine allgemeine Voraussetzung aller Beweisführung ausdrückt; enfr 
hSh eine Bfai; eine Aussage. Über Sein oder Mich (sein eines Gegenstands, so ül 
sie eine Sröfliatc,, andernfalls ein öpiouii. In weiterem Sinn wird fleoi; Anil 
pr. II, 17. 65, b, 13. 66, a, 2. An. post. I, 3. 73, a, 9 gebraucht, in engerem 
Top. I, 1 1. 104, b, 19. 36. Ueber äE(u[ia, du aber gleichfalls auch in weiter« 
Bedeutung vorkommt, s. in. Anal. poat. I, T. 7b, a, 41. c. 10. 76, b, 14. Me- 
taph. III, 2. 997, a, 5. 12. Von der Mitati wird noch das rfrct|[«i unterschiede 
Anal, post I, 10. 76, b, 23 ff. 

8) A, a, O. c 2. 72, a, 28 ff. Tgl. Anm. 1. 
4) 8. o. 8. 134 ff. 



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Da« unmittelbare Wilson. 173 

Bewiesen bat er aber freilich weder die Unfehlbarkeit noch auch 
nur die Möglichkeit dieses Wissens. 

Näher ist jenes unmittelbar Gewisse ein Doppeltes. Wenn 
nämlich in jeder Beweisführung dreierlei vorkommt: das, was 
bewiesen wird, die Grundsätze, aus denen, und der Gegenstand, 
von dem es bewiesen wird *}j so ist das erste von diesen Stücken 
nicht Sache des unmittelbaren Wissens, denn es ist aus den zwei 
anderen abgeleitet. Diese selbst aber unterscheiden sich dadurch, 
dass die Axiome verschiedenen Wissensgebieten gemeinsam, die 
auf den bestimmten Gegenstand bezüglichen Sätze dagegen jeder 
Wissenschaft eigentümlich sind *). Nur auf diese eigentümli- 
chen Voraussetzungen jedes Gebiets lasst sich ein bündiger Be- 
weis gründen 8 ); sie selbst aber lassen sich so wenig, als die 
allgemeinen Axiome, aus einem Höheren ableiten 4 ), sondern die 
Kenntniss des Besonderen, worauf sie sich beziehen, muss sie 
aa die Hand geben *). Eine Aufzählung derselben ist desshalb 



1) Anal. post. I, 7; a. o. 170, 3. c. 10. 76, b, 10: Jcäaa -jap «noBEixtixJj erci- , 
injja] np'i Tpia EVftvJ/Scs te eT»«i tJAetoi (t«ut« 8' ivA t'o ftVot o5 tüiv xa8* o&ta ! 
jri6r ( pjxiii«i iait 9siupr,Ttx7|| , xxt t« X£YÄ[J£«« *oivä «EitifiaTa 1% "» np&Toiv «noBsix- 

wn, xai Tp:rov— i n£8t] rpia TOÜti iixt, :tEpl S TE Btfxvjai xs'i « ätfxvuai xa'i ^ 

üv. Metaph. III, 2. 997, a, 8: ävä-j-xT) yip c"x nvtuv sTv«! xat mpt « x«l Ttvwu rir* 
EiiSstE™, wofür Z. 6 in anderer Ordnung ftvo; ircoxEipievov, rcidr,, ä^iwjtata atsbt. > 

2) Anal. post. I, 7, s. o. 170, 3. c. 10. 76, a, 37: eoti S' «>v j^pöJvtoti iv t«t{ 
KoSsatix«?? imanjuinf Ta |iev Bia ExanTiu E'jturojpjK iä 31 xoivi . . . IBi* plv aTov 
f?s(i|iilv eb« ToiavS xai tb eMu, xotva Sk oTbv -cb foa «wo "oriiy «v äofl.ji 8t[ to« ti 
Wi. c. 33, Anf.: is; B' aijTä( öpx«4 swivtiuv e&«i tüv uullo^ Wfiöjv iBiJvaTOV, 
und nachdem diess ausführlich bewiesen ist, ebd. Schi. : al -pp «pX ai Sirrii, t£ 
"" iE x«\ rcEpi 8 ■ al [liu o jv ££ luv xtiival , al Sc nsp\ & "Bin , oTov «pi6|ibc. , [iEjsSo;. 
Ueber die äxoäEiXTLxat apjini oder xotva'l Bo^ai E*E uu äjravTE; Beixvüoixjiv s. m. auch 
Metaph. Ilt, 1. 995, b, 6. c. 2. 996, b, 25 ff. 997, a, 10. 12. 19. IV, 3, Anf. 

3) S. o. 170, 8. gen. an. II, 8. 748, a, 7: oSrot p£v uäv o X6yn xofldXou Xfat 
>« xEvic, ot ^ip [i7j ex tüJv o?xekuv äpjrüJy XöfOi xevo\, iXXi BoxoÜow ET*ai tÖ« 
ipcrfpJmuv oux öVce?. Vgl. 8. 117, 3. 

4) Anal. post. I, 9. 76, a, 16 (nach dem 8. 170, 3 Angefahrten): ti Bi ?a- 
"pin toSio, ipavEpbv x«t Sri oiSx eoti rä( exsotou !8io( «pX.«S äiroSst^w Iuovt«! f«p 
(denn es würden) Exitvai önavcuv äp^ol xot i7uiTtr{p,ij J| ^xcfvuv xup(a icovtuiv. 
i. 10, a. o. Anm. 1. 

5) Anal. pr. I, 30. 46, a, 17: Tgicu St xaO' ixosi^v [iictral|»{v] al -kna; J 
[•ppi töw ouXXqykj|j.iüv]. 8ib t« p.b öp^äi t«? nep^ Ixaarov ipucEipia^ IttI napa- 
äA«u Xrfo> S' ol!ov -rijv BotpoXo-yixilv piiv IpimipLav t^( «OTpoXorixiij tewrtl[«j4 
"Ir^touv i«p txavüf i2™ paivoui*nlv ofcwf tSpAb)aav al aaTpoXsf «al anoBi^uf. 

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174 Aristoteles. 

natürlich nicht möglich. Eher möchte man eine solche fn Bezog 
auf die allgemeinen Axiome erwarten. Auch dazu macht aber 
Aristoteles keinen Versuch. Nur darnach fragt er, welches der 
unbestreitbarste, anerkannteste und unbedingteste von allen Grund- 
sätzen sei, über den desshalb kein Irrthum möglich ist '), und 
er findet diesen in dem Satze des Widerspruchs *)■ An diesem 
Grundsatz kann Niemand im Ernste zweifeln, wenn es auch 
Manche sagen mögen; gerade desshalb aber, weil er der höchste 
Grundsatz ist, lässt er sich auch nicht beweisen, d. h. aus einem 
höheren ableiten; dagegen ist es allerdings möglich, ihn gegen 
Einwendungen jeder Art zu vertbeidigen , indem diesen nachge- 
wiesen wird, theils dass sie auf Missverständnissen beruhen, theils 
dass auch sie ihn voraussetzen und mit ihm sich selbst aufheben *). 
Dass er aber nicht sophistisch gemissbraucht werde, um das Zu- 
sammensein verschiedener Eigenschaften in Einem Subjekt oder 



Hist. tmim. I, 7, Auf.: zuerst wollen wir die Eigenthümlichkniten der Thiere 
beschreiben, hernach ihre Ursachen erörtern. o&Ttu -yap «its ipJaiv fers irorfsBai 
t))v pifloBov, 57c«pxoJot]4 tSjf toropias t^s it*p\ (mstw mp'l 5v t» -jap xen ^ "» 
iTvai Sei ripi äiriSs&v, h toiirort yivetbi »avspoV 

1) Metaph. IV, 3. 1005, b, 1 1 : pkfkioTATJi 8' äpx>l na»flv npi ijv kfioeijvB 
aBilvarov- YWptjuotÄcip n ^ap äva^xatov 6Tvai t)|V Toiad-niv (itEp\ fäp 1 pi] yvupi- 
Cmwiv ijraTÜvtai 7c4vte() xal ävuniSBETOv. fjv ^fäp i»«-p t °i' ov fy. E[v * ,v 4w™* fuvisVw 
xuv Svnov, touio qj z ijtd&Ea«. (Ein Auszug aus Metaph. IV, 3 ff. ist XI, 5 f.) 

2) A. a. 0. Z. 19: t'q yip aürb äiia iicipyEiv ie xat pi| uit&pxttv i&hatov T<ü 
aihüi xa\ xoti t'o bütä ■ xai Salt «XXa TipocBiofuaaipEfT in, et™ jrpotäioipiopA« 
ip'oc -ra; io-puiaj Suf^'P^"^ «Bti] SJj naatuv iori pjßaioran) tüv äpxwv. Nor ein 
anderer Ausdruck dafür ist der Satz, das» Demselben in derselben Beziehung 
nicht Entgegengesetztes zukommen könne, womit der weitere, dass ihm Nie- 
mand solches zuschreiben könne, wieder in der Art zusammenfällt , dass bald 
dieser aus jenem, bald jener aus diesem bewiesen wird; a, a. O. Z. 26: d 5; pi) 
totere« o|»a taöpjrELV tu bijtiü TavovTia (jtpotBtiuptaBuj S' fjpüv xat -raiSti) *f, xpo- 
tooei ra ciuBdra) , tvarda 8' iox\ Sofa Sjfij fj Trj( ävTifioewt, tpxvtpbv Sri äSiivmov 
5(1» 6j:oX«p|äiivEiv tov airbv =ka! xa'i pi] £?vai t'o odtd' äpa -yäp Sv ifpi xii evaviLBi 
Sd£o; ö SiE^Euopivo; mpi roÜTou. C. 6. 1011, b, 15: &m\ 8* äBJvarov tjjv ävdipaaEV 
äXij8eiles6a[ £pa xtt'.x tau aurou [wofür Z. 20: äp» xarayavai xa\ anooävni EÄijflüi;), 

ipavEpbv öti oiSBi Tivav-tfa äu.a ünapyitv evBe^et« Tip «utiTi äU' J| jcij äu.<pw, 1] 

6attpcv piv »cfi OsTEpov Ü äitXwt. 

3) In diesem Sinn widerlegt Arial. Metnph. IV, 4 — 6 die Behauptung, 
welche er freilich in einige der Uteren Systeme erat durch Folgerungen hin- 
einlegt, dasa ein Gegenstand dasselbe zugleich sein und nicht sein küntie, iu- 
dom w nachweist, dass jede Bede den Bata des Widerspruchs TorauaaeUe. 



Siti d. Widersprach». Induktion. 175 

das Werden und die Veränderung: zu bestreiten, dafür hat Ari- 
stoteles durch die näheren Bestimmungen hinreichend gesorgt, 
wornach er es nicht schlechtbin für unmöglich erklärt, dass Dem- 
selben Entgegengesetzes zukomme, sondern nur, dass es ihm in 
derselben Beziehung zukomme *)■ In ähnlicher Weise, wie der 
Satz des Widerspruchs, wird der des ausgeschlossenen Dritten ') 
als ein unbestreitbares Axiom nachgewiesen 9 )] ohne dass er doch 
ausdrücklich aus jenem abgeleitet würde. 

So entschieden es aber Aristoteles ausspricht, dass alles 
durch Beweis vermittelte Wissen in doppelter Beziehung durch 
eine unmittelbare und unbeweisbare Ueberzeugung bedingt sei, so 
isl er doch weit entfernt, diese darum für etwas zu erklären, 
was keiner wissenschaftlichen Begründung fähig wäre. Bewei- 
sen lfisst sich das, wovon jede Beweisführung ausgebt, aller- 
dings nicht, d. h. es lässt sich nicht aus einem Andern als seiner 
Ursache ableiten; wohl aber lässt es sich im Gegebenen als seine 
Voraussetzung nachweisen: an die Stelle des Beweises tritt hier 
die Induktion *). Es sind nämlich überhaupt zwei Richtungen des 
wissenschaftlichen Denkens zu unterscheiden: die, welche zu den 
Principien hinführt, und die, welche von den Principien heran- 
führt *)> der Fortgang vom Allgemeinen zum Einzelnen, von dem, 
was an sich gewisser ist, zu dem, was es uns ist, und der umge- 
kehrte von dem Einzelnen und uns Bekannteren zu dem an sich Ge- 
wisseren, dem Allgemeinen. In der ersteren Richtung bewegt sich 
der Schluss und Beweis, in der zweiten die Induktion. Entweder auf 
dem einen oder auf dem andern von diesen Wegen kommt alles Wis- 



1) B. vorl. Anm. 

2) OMl [iccaipi 4vrifi«<u4 tvä^raiL An oiMe'y. Vgl. 8. 167. 

S) MoUph. IT, 7; in die verschiedenen Wendungen seiner Beweisführung: 
hat Arist. hier auch solche Gründe aufgenommen, welche von dar Veränderung 
in der Natur hergenommen eind, indem er eben leinen Satz nicht Mos als logi- 
sche», sondern zugleich als metaphysisches Prinoip beweisen will. 

*) M. s. über dieselbe, ausser dem Folgenden, was 8. 167, 9 angeführt 
wurde. Der Name iiterftof)] bezeichnet entweder das Herbeibringen der ein- 
lelnenFUle, aus denen ein allgemeiner Satz oder Begriff abstrabirt wird (Trben 
DiLiiecna Elem. Log. Artet. 84. Hbidhe Vergl. d. Arist. u. Hegel, Dialektik 
8.219 f.), oder das Hinfahren des Zuhörer» zu diesen Füllen (Waite Arist. 
Org. n, 800). 

5] Eth. N. I, 2. 1095, b, 80; vgl. unsere lste Abth. 867, 8. 



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176 Ariitotelet 

gen zu Stande. Was mithin seiner Natur nach keines Beweises fähig 
ist, das muss durch Induktion festgestellt werden 1 ). Dass dieses 
Unbeweisbare darum nicht nothwendig erst aus der Erfahrung ah- 
strahirt sein soll , dass vielmehr die allgemeinen Grundsätze nach 
Aristoteles durch eine unmittelbare Vernunftthätigkeit erkannt wer- 
den, ist schon bemerkt worden *); aber wie sich diese Vernunft- 
thätigkeit im Einzelnen nur allmäblig, an der Hand der Erfahrung, 
entwickeil, so können wir uns, wie er glaubt, auch wissenschaft- 
lich ihren Inhalt nur dadurch sichern, dass wir ihn durch eine 
umfassende Induktion bewähren. 

Diese Forderung ist nun aber nicht ohne Schwierigkeit. Der 
Induktionsschluss beruht, wie früher gezeigt wurde 8 ), auf einem 
solchen Verhältniss der Begriffe, welches die Umkehrung des all- 
gemein bejahenden Untersatzes gestattet; er setzt voraus, dass 
der unterste und der Hittelbegriff des Schlusses den gleichen Um- 
fang haben. Eine beweiskräftige Induktion findet, mit anderen 
Worten, nur dann statt, wenn eine Bestimmung an allen Einzel- 
wesen der Gattung, von der sie ausgesagt werden soll, aufge- 
zeigt ist 4 )* Eine schlechtbin vollständige Kenntniss alles Einzelnen 
ist aber bei der Unendlichkeit desselben unmöglich. Es scheint 

1) An. pri. II, 23. 68, b, 13: äjtsvra yip «ioteiSojiiv I) Bii ouXlo"ria|j,oÜ v) &' 
ixaybyyrfi. Ebd. Z. 35; a. o. 138, 3. Etil. N. VI, 3. 1139, b, 36: ix jipOYivwtrea- 
piviuv St Jtäoa SiomxuXls ■ ... fr, piv yap 6;' Enra-ywfr^, f| Bt ■juWnyuip.ih. f| jib 3J] 
imtfuyfy «pX*i ^ IIT[ * ! " ' co " xaflolou, o Bl 3ulJ.0Yi?p.b( ix töJ» xafliXou. *Wlv ip« 
äpX«t iE iuv S ovUayia|ii)(, Siv oäx Eon auUofiap.j(' licrfniy j) äpa. Aebaltob Ami. 
poai, I, 1, Auf. Anal. post. I, 18: jj.av04vop.Eu fl inx-fiürrj fl n«oBeIE*.t. eo-ci B* fj ptiv 
fatdBnfc ix tüjv xdtSrÜtoti, ^ B* fa*y»ry$) ix t&v xaii aipos 1 iBiivatov öe to xaOt&ou 
BtiiipTiooii p.)) 6i' Ijcbtb)tt,(. Ebd. II, 19. 100, b, 3: Br,X*v SJj Bti Jip.iv tö icpSin etc»- 
furfij YViuptlBiv ävnyKflfiov. Top. I, 12: fern St t'o piv [eTBoj Xdfidv ■Bis&iXTixH»] 
inafii>YJ), to & 5ullo-yLap.ä( . . . imt-jui^ Sc jj in* tüv xaSlxwrtov int ti xaBdXov 
itpoBof . . . eotl S ' J| jj.1v ini-fiiip] mBavoiTEpov xal oapto-ttpo» xaä xatä iJ.v a&ilhjaiv 
-fvidpiiititEpov xofi ro"( noXloit xoiv'ov, o Sc miUo-riSjü; (liaoTUMiTtpOv xi; JEpbs tob; 
ivxiXovixaut ^vapT^Tspov. Ebd. o. 8, Auf. Ehet, I, 2. 1356, t, 86. Tgl. S. 138. 

2) S. 8. 134 f. 172. 

3) 8. 167, 9. 

4) Tgl. Anal. pr. II, 24, Bohl: (to nnfiJtiypaj BiaqpepEi t^; iictrpufiic, ° rl i 
piv ^ ixivtci» tÖv JTipiuv t'o äxpov i&iixwEi äitipx'tv toi piaoi ..., ib. 61 ... oüi 
iE än&vtrov Sf£xvuaiv. Ebd. c. 23. 68, b, 27: Stl 61 vodv tb 1" (den untersten Be- 
griff de« IndnktioDSBehluBsei) ib iE inavtiuv tüv xw8(xiwtov wjxtiptvov fj jap 
faaYtüY^ 6l& rcivuuv. 



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Wahraoheinli ob keiti beweis. 177 

mithin alle Induktion unvollständig, und jede Annahme, die sich 
auf Induktion gründet, unsicher bleiben zu müssen. Um diesem 
Bedenken zu entgehen, muss eine Abkürzung des epagogtschen 
Verfahrens angebracht, für die Un Vollständigkeit der Einzelbeob- 
achtung ein Ersatz gesucht werden. Diesen findet nun Aristo- 
teles in der Dialektik oder dem Wahrscheinlichkeitsbeweise 1 ), 
dessen Theorie er in seiner Topik niedergelegt hat. Der Nutzen 
der Dialektik besteht nämlich nicht allein in der Denkübung, auch 
nicht blos in der Anleitung zur kunslmässigen Streitrede , son- 
dern sie ist zugleich ein wesentliches Hülfsmittel der wissenschaft- 
lichen Untersuchung, indem sie uns die verschiedenen Seiten, von 
denen ein Gegenstand betrachtet werden kann, aufsuchen und ab- 
wägen lehrt. Sie dient insofern namentlich zur Feststellung der 
wissenschaftlichen Principien, denn da sich diese als ein Erstes 
nicht durch Beweisführung aus einem Gewisseren ableiten lassen, 
bleibt nur übrig, sie vom Wahrscheinlichen aus zu suchen s _). 
Ihren Ausgang nimmt eine solche Untersuchung von den herr- 
schenden Annahmen der Menschen; denn was Alle, oder doch 
die Erfahrenen und Verständigen glauben, das verdient immer Be- 
ichtung, da es die Vermuthung für sich hat, auf einer wirklieben 
Erfahrung zu beruhen *)■ Je unsicherer aber diese Grundlage ist, 

1) Ueber diese engere Bedeutung des „Dmlek tischen" bei Aristoteles s. tn. 
Wiitz Arist. Org. II, 435 ff.; vg]. die folgenden Anmm. 

2) Top. I, 1 : 'H plu xfiilkiii T7J4 !tpafp.aTs£aj, ijsTJaBov ifiptvi, äf' Jj( Suvrjao- 
[u8a roXloyiCiiiflixi fltpk savrbt toü nporEBeiiToj j[popJ.^'[i.ato; 1% ivSä^uv, %& ai-:o'i 
%ov üniforti^ |iT)Gev ipuü^sv üwavriov. ... SiaXfxTtxb; 81 auJ.Xo-[i3p.b( ö %£ hSi- 
\w miXloYiJiijuvoi . . . JvfioEa St ™ SoxoÜvra näatv ij toi; nXeisToij I) T014 ootptffc;, 
«'1 roJtoit 51 Tcaaiv fl to!( icXtürcoif % toi; pÄiiora -fViupipoi; iai eSiBö£<h;. C 2 : suri 
i>jip'ot xpfet [xprfmp-os fj Ttpaf |iaT£ict] , xpbi ^upasiav, npb; xas Ivisii^sit, jup'ot xi; 
«ti * ilwoyiav är.ia-n[|itt; ... spbj Ei Ta; »ata ipiXoaoyiav EJCianjp;af , Sri Suviu4H)i 
spi; ijupdTEpa BianopSjaai £äuv £v Jniotoi; xato^dp^Ba xö).tjO^( te xa\ ib ijisüfioc,. 
ii[ ät 9tpo( 11 jcpiÜTa tu» Tuepl Ixäoxijv ärei3TTJ[i7]V äp^ülv. ex pAv yap tüy 
"[«um -rtJv xata rijv jtpoxsBfiaav ijtionjpjv <Epx.ü>v äBiivaxov dicETv ti sspl «Jtüv, 
'raifii) npSxai al ap'/sl änavxiov tldt, 81a 8t tüJv jesp 1 ! Inaoxa hBföw äviyxij wtp't ai- 
*» EieXMv. ToäTo B' iBlov I) [iÜJora otxfiov -rijj 8l«Xexxl*% {nur i&TaaxuiJ) t»P 
cfoti Ttpin Tai änaoüu tüv p*8öBiov ip^nj äB'ou t^ei. Den dialektischen SohluM 
nennt Arist. tm/ttpuy* Top. VIII, 11. 162, a, 15 vgl. 8. 53, 1. 

S) DiTin. in s. c 1, Auf. : isip\ Bi x>jt |iavTtxij< xijt ev xöts Skvoic, Yivop^njt . . . 
** *«taiipQvijsat paBiov oSxe nsioBiJvai. tb piv f ap Ttävta^ 5) JioXXoIfj ircoXopißivEtv 
ll» ti w.uitffiBst xa hiirevia jrap^xai xioxtv Jis £E tp-iuiptof Xrfijisvov n.s.w. Eth. 
rbOM. d. Gr. IL Bd. I.Abth. 12 



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178 Ariitotal««. 

am so mehr dringt sich such Aristoteles das Bednrfdiss aof, an» 
welchem schon die sokralische Dialektik entsprangen war, ihre 
Mangelhaftigkeit dadurch zn verbessern, dsss die verschiedenen 
in der Meinung der Menschen sich krensenden Gesichtspunkte zu- 
sammengebracht und gegen einander ausgeglichen werden. Daher 
die Gewohnheit des Philosophen, seinen dogmatischen Unter- 
suchungen Aporieen voranzuschicken, die verschiedenen Seiten, 
von denen sich der Gegenstand fassen lässt, aufzuzählen, die hier- 
aus sich ergebenden Bestimmungen an einander und an dem, was 
sonst feststeht, zu prüfen, durch diese Prüfung Schwierigkeiten 
zu erzeugen, und in der Lösung derselben die Grundlagen der 
wissenschaftlichen Darstellung zu gewinnen *). Diese dialektischen 
Erörterungen dienen den positiven wissenschaftlichen Bestimmungen 
zur Vorbereitung, indem sie die Ergebnisse der Induktion unter 
gewisse allgemeine Gesichtspunkte zusammenfassen, diese durch 
einander bestimmen und sie zu einem Gesammtergebniss verknü- 
pfen; in ihnen versucht sich das Denken an den verschiedenen 
Aufgaben, deren wirkliche Lösung zur philosophischen Erkenntniss 
fuhrt *)■ Einer strengeren Empirie kann freilich dieses Verfahren 



N. VI, 12. 1143, b, 11: Siitt Sil Kpof^tiv tüv Ipurtipiuv xal irptajäu'rfptov fj ippovi- 
puv Tttts ävaitoSc£xTO(( paasai xa\ Wt;at( oil^ Jjttov töv bnoStfcuav. X, II. 1172, b, 
35 : ol B' iviarijiEvoi m; oix ä-faBb v o5 hAvt' ifUzai , 14.7; oüfliv X^f uxnv ' 6 fip Jtiot 
äoxtt, toQt 1 sTvai fajuv. Aas demselben Anlas« bernft siob die genannte Schrill 
VII, 14. 1153, b, 27 auf den Vers 

ffl*If"i 8' oü -ri fc «ijijiav ärco'XXuTat, fjv tivi Xaa>. 

Vgl. auch Polit. II, 6. 1264, a, 1. Etb, Eud. I, 6, Anf. Damit hangt euch die 
Vorliebe des Aristoteles für sprichwörtliche Redensarten und Gnomen zusam- 
men, worüber auch 8. 78, 1 {ITapoiniat] z. Tgl. 

1) Hetaph. III, 1, Anf.: fern äl Tai; einopjjaai ßo'jlopÄoi; nsoüsyou to 81a- 
nupijijai *nXw(- }] yno Gimpov tiicopd XJaic iuW Kf^tipov iiropoupivwv tWt, Mew 
8" oix fem &yvw>Üvta; tov Stativ u. s. w. Eth. N. VII, 1, Schi.; Sfl o", Äjirsp W 
tüv äXXuv, TiBrfrcat ts iparviiieva »oil npÜTOv SLairaprjaavTit oEtbj Stixvilvai i/.äXiara 
piv xtnra Ta evSo?3 inpt Taüia -.3 Trift»), si St jij), Ta Ttiflora xa'i xuoiwraTo:- iav 70p 
XdrjTal TS -ri Sus/.ipi) xat xaTaXiftnjrai xä frSoEa, SeSitYpivov 5» fb) Exavüf, Anal. 
post II, 3, Anf, niid Wams x. d. St. Phye. IV, 1D, Anf. Meteorol. I, IS, Auf. 
Do an. I, 1, Anf. longit vit. 0. 1. 464, b, 21 u. a. St. Top. VIII, 11. 162, a, 17 
wird das &.r.6pr,\ici als 9uXXopn|ib{ SiaAtxtixbf äyrisiceuf deflnirt 

2) Hetaph. IV, 2. 1004, b, 25: fori 61 fj SiaXtxtvxT) rtEtpatmxJj Tttp't Äv f] si- 
faanyfa ■yv iaimt^ . 



JigilizBdby G00gle 



Wahn oh ein lieh k ei t« bewein, Definition. 179 

nicht genügen, aber in der Richtung der damaligen Wissenschaft 
und der von Sokrates begründeten Dialektik war kein vollkom- 
meneres zu erwarten 0- 

Auf das Einzelne der aristotelischen Topik können wir hier 
so wenig, als auf die Widerlegung der sophistischen Trugschlüsse 
naher eingehen, da die wissenschaftlichen Grundsätze des Philo- 
sophen dadurch keine Erweiterung, sondern nur eine Anwendung 
auf ein ausser den Grenzen der eigentlichen Wissenschaft liegen- 
des Gebiet erfahren *). Dagegen müssen die Untersuchungen über 
die Begriffsbestimmung hier noch berührt werden, welchen wir 
theils in der zweiten Analytik, theils in der Topik begegnen •)• 
Wie der Begriff den Ausgangspunkt aller wissenschaftlichen Unter- 
suchungen bildet, so ist umgekehrt die vollständige Erkenntniss 
desselben, die Begriffsbestimmung, das Ziel, dem sie zustrebt. Das 
Wissen ist ja nichts anderes, als die Einsicht in die Gründe der 
Dinge, und diese Einsicht vollendet sich im Begriffe: das Was ist 
dasselbe, wie das Warum, wir erkennen den Begriff eines Dings, 
wenn wir seine Ursachen erkennen 4 ). Die Begriffsbestimmung 
hat insofern die gleiche Aufgabe, wie die Beweisführung: in bei- 
den handelt es sich darum, die Vermittlung aufzuzeigen, durch 
welche der Gegenstand zu dem gemacht wird, was er ist b ~). Nichts- 
destoweniger fallen sie nach Aristoteles nicht unmittelbar zusam- 



1) Neben der Induktion findet Hkvdeb Vergl. d. arist. nnd faegel. Dial. 
232 f. bei Aristoteles ;Phys. I, 1. 184, a, 21 ff.) noch ein anderes Verfahren 
angedeutet, vermöge dessen vom Allgemeinen der sinnlichen Wahrnehmung 
mm Begriff, als dem Besonderen und Bestimmten, ebenso fortgegangen werde, 
wie dort vom Einzelnen der Wahrnehmung zum Allgemeinen des Begriffs. In- 
dexen bemerkt er selbst ganz richtig, dass diese nur die (von Arist. gewöhnlich 
nicht besonders hervorgehobene) Rückseite dar Induktion sei. Indem eine all- 
gemeine Bestimmung als das vielen Einzelnen Gemeinsame herausgehoben 
wird, wird sie zugleich aus dem Cumplex, in welchem sie sich der Wahrneh- 
mung darbietet, ausgeschieden; nnr diess ist es, was Arist. a. a. 0. im Auge 
hat. 8. o. 138, 2 vgl. mit S. 139 f. 

2) Eine Uebersicht über beides giebt Bbahdis S. 288—345. 

3) M. vgl. zum Folgenden ausser den bekannten umfassenderen Werken 
die 8. 142, 3 angeführten Schriften von Kühh und Rassow, nnd Hnrnan 
vergl. d. arist. u. begel. Dialektik S. 247 ff. 

4} S.o. 110,3. 117, 1. 
5) A. a, O. 117, 1. 

12* 



JigilizBdby GoOgle 



180 Arlitotel«. 

men. Für's Erste nämlich liegt am Tage, dass nicht von allem, 
was sich beweisen lässi , eine Begriffsbestimmung möglich ist; 
denn beweisen lassen sich auch verneinende, partikulare und Eigen- 
scbafts- Sätze, die Begriffsbestimmung dagegen ist immer allge- 
mein und bejahend, und sie bezieht sich nicht auf blosse Eigen- 
schaften, sondern auf das substantielle Wesen ')- Ebensowenig 
Utsst sich umgekehrt alles, wovon es eine Begriffsbestimmung 
giebt, beweisen; wie man schon daran sehen kann, dass die Be- 
weise von unbeweisbaren Begriffsbestimmungen ausgehen müssen'). 
Ja es scheint sich überhaupt der Inhalt einer Begriffsbestimmung 
nicht durch Schlüsse beweisen zu lassen. Denn für den Beweis 
wird das Wesen des Gegenstands als bekannt vorausgesetzt, bei 
der Begriffsbestimmung wird es gesucht; jener zeigt, dass einem 
Subjekt eine Eigenschaft als Prädikat zukomme, diese will nicht 
einzelne Eigenschaften , sondern das Wesen angeben ; jener fragt 
nach einem Dass 8 }, diese nach dem Was 0> um aber anzugeben 
was etwas ist, müssen wir vorher wissen, dass es ist G ). In- 
dessen ist hier zu unterscheiden. Eine Begriffsbestimmung lässt 
sich allerdings nicht durch einen einfachen Scbiuss ableiten; wir 
können das, was in der Definition von einem Gegenstand ausge- 
sagt wird, nicht zuerst im Obersatz eines Schlusses zum Prädikat 
eines Hittelbegriffs machen, um es durch denselben im Schluss- 
satz auf den Gegenstand, welcher definirt werden soll, zu über- 
tragen; denn wenn auf diesem Wege nicht blos die eine und 
andere Eigenschaft, sondern der vollständige Begriff desselben 
gefunden werden soll, so müssten Obersatz und Untersatz gleich- 
falls Definitionen, jener des Mittelbegriffs, dieser des niedersten 
Begriffs sein; und da nun eine richtige Begriffsbestimmung nur 
die ist, welche auf keinen andern als diesen bestimmten Gegen- 
stand Anwendung findet e ), da daher in jeder Definition das Sub- 
jekt den gleichen Inhalt und Umfang hat, wie das Prädikat, und 

1) Anal. post. II, S. 

2) A. a. O. 90, b, 18 ff. (vgl. oben S. 170 ff.). Einen anderen verwandten 
Grand, der hier angegeben wird, Übergehe ich. 

3) Sit fj etci tiSi xarä toÜSi 3) oüx ?otly. 

4) A. a, O. 90, b, 28 ff. vgl. c. 7. 9S, b, 13. 
6) A. a. 0. o. 7. 93, b, 4. 

6) 8. o. S. 140. 

liigilzedBy G00gk 



DefiBÜioB. 181 

desshalb der allgemein bejahende Salz, der die Definition aus- 
spricht, sieb einfach umkehren Jasst, so wäre auf diese Art nur 
Dasselbe durch Dasselbe bewiesen '), man erhielte eine Worter- 
erklärung, aber keine Begriffsbestimmung *). Ebensowenig lässt 
sich der Begriff mit Plato durch Eintbeilung finden, da auch diese 
ihn schon voraussetzt a ) Das Gleiche gilt ferner auch gegen den 
Versuch*}, eine Begriffsbestimmung voraussetzungsweise anzuneh- 
men and ihre Richtigkeit nachträglich im Einzelnen nachzuweisen; 
denn wer verbürgt uns, dass jenes hypothetisch Angenommene 
wirklich den Begriff des Gegenstandes und nicht blos eine Anzahl 
einzelner Merkmale ausdrückt? 5 ) Wollte man endlich die Ableitung 
der Definition dem epagogischen Verfahren zuweisen, so wäre zu 
entgegnen, dass auch auf diesem Wege immer nnr das Dass, nicht 
das Was gefunden wird 6 ). Lässt sich aber auch die Begriffsbe- 
stimmung weder durch Beweis noch durch Induktion gewinnen, so 
lange jede von beiden Verfahrungsarten für sich allein genommen 
wird, so hält es Aristoteles doch für möglich, durch eine Verbindung 
heider zu ihr zu gelangen. Wenn wir (zunächst durch Erfahrung) 
von einem Gegenstand wissen, dass ihm gewisse Bestimmungen zu- 
kommen, und nun die Ursache derselben oder den Mittelbegriff 



1) Anal. post. II, 4. Zur Erläuterung dient hier die Definition der Saale als 
einer sich gelbst bewegenden Zahl. Wallte man diese mittelst des Schlusses 
begründen: „alles was sieh selbst Ursache des Lehens ist, das ist eine sieh 
selbst bewegende Zahl, die Seele ist sich selbst Ursache des Lebens n. s. w.," 
so wäre diess ungenügend, denn auf diese Art wäre nur bewiesen , dass die 
Seele eine sich selbst bewegende Zahl ist, aber nicht, dass Ihr ganies 
Wesen, ihr Begriff, in dieser Bestimmung aufgeht; um diess zu zeigen müsste 
vielmehr geschlossen werden : der Begriff dessen , was sich seihst Ursache dos 
Lebens ist, besteht darin, eine sich selbst bewegende Zahl in sein, der Begriff 
der Seele besteht darin, sich selbst Ursache des Lebens zu sein n. 8. w. 

9) A. a. 0. c. 7. 92, b, 5. 26 ff. vgl. c. 10, Anf. I, I, 71, a, 11. Top. I, 5, 
Anf. Metaph. VII, 4. 1030, a, 14, 

3) S. o. S. 166, 6. 

4) Welchen wohl gleichfalls einer der damaligen Philosophen angestellt 
hatte, wir wissen aber nicht, wer. 

5) A. a. 0. 0. 6 n. dazu Waitz. 

6) A. a. O. c. 7. 92, a, 37: die Induktion zeigt, dass sich etwas im Allge- 
meinen so oder so verhalte, indem sie nachweist, es verhalte sich in allen ein- 
zelnen Füllen so; diess hoisst aber doch immer nur ein Sti ettiv f, ojx fotw, 
Dicht das xi i<n: beweisen. 



JigilizBdby G00gle 



J82 Aristoteles. 

Sachen, durch den sie mit dem betreffenden Subjekt verknüpft sind, 
so stellen wir ebendamit das Wesen des Gegenstands durch Beneis 
fest l ~); and wenn wir min dieses Verfahren (wir ergänzen hier 
die aristotelische Darstellung) ') so lange fortsetzen, bis der 
Gegenstand allseitig bestimmt ist, so erhalten wir seinen Begriff. 
So wenig daher auch der Schluss und Beweis zur Begriffsbestim- 
mung aasreicht, so dient er doch dazu, sie zu linden *), und sie 
kann insofern sogar als ein Beweis des Wesens in anderer Form 
bezeichnet werden *). Nur bei den Dingen ist dieser Weg unzu- 
lässig, deren Sein durch keine von ihm selbst verschiedene Ursache 
vermittelt ist; ihr Begriff kann nur als unmittelbar gewiss gefordert 
oder durch Induktion klar gemacht werden & ). 

Aus diesen Erörterungen über das Wesen and die Bedingun- 
gen der Begriffsbestimmung ergeben sich nun einige nicht unwich- 
tige Regeln für das Verfahren, wodurch sie gewonnen wird. Di 
sich das Wesen eines Gegenstandes ') nur genetisch, durch Auf- 



1) A. a, O. c 8. 93, a, 14 ff. 

2) Dag Reoh t zu dieser Ergänzung der allzu kurzen Andentangen a. a. 0. 
liegt in dem, was 8. 145, 2 aas Anal. post. II, 13 angefahrt wurde. 

3) Anal. post. II, 8, Schi.: trjXXo-fiap.be \ih toü tE lonv oi fivtrai oi3' ir.6- 
8ei£ic, EijXoY h^vtdi Sut auW-ofiiu-Oü xa\ Bf' äito6[i£nu( ■ war' auf «tu äitoSEÜJEmi 
■an Yvuvai Ta ti e'otiv du eVtiv aTnav sXXo, out* &nv «irfBsiEis outou. 

4) A. a. 0. c. 10. 94, a, 11 : ionv äpa boio|iij4 eT( (ikv Xifos to3 tE breit ovo- 
xiBEixTDj, eT( Et auXXo-yio'j.öi roÜ ti Sari, xruiaEi Biaei'piüii tt|( ä;roBE!EEtüf, Tpfto; St 
ri]4 raü t! iariv a7roB£!Ee<u; ounne'f oa[j.n, wozu die nähere ErlKutetung im Vorher- 
gehenden. Dass jedoch Definitionen der letzteren Art nicht genügen, sagt 
Arist.Dean.il, 2; s.o. 117, 1. 

6) A. ii. 0. c. 9: ha Be xSft pUv fapov ti alnov, tüh S' oO« Jonv. äutt BijXo» 

ort xat xSn ti Ion Ta [liv äfitoa iii äpj^aE e!oiv , o xsl eIvbl xat ti e'onv änoBfoBai Sei 
ij äXlov rponov <pavEpa nowjoat. Vgl. vor. Ana. und a. a. 0. 94, a, 9: 5 & t£i 
ipioiov äpiauöt Biois lern roB ti lonv äyano'BEixTot. Metaph. IX, 6. 1048, a, 35: 
Bj[Xov B' fa"! TÜv xaÖExaara Tjj Inn^riu-^ 3 pouXduiB« WyEiv, xol oi Est na«tb( Bpo» 
£i]T£?v, aXXa xat Ta äviXo-fov auvopSv, nnd oben 8. 175. Zar Induktion gehört 
auch das Verfahren, welches De an. I, 1. 402, b, 16 beschrieben wird: coixe 3' 
oü [idvov Tb -rf Ivn ■pöivai xjnjetpav sTvai 7cpb[ TÖ Btup^aai Tä( okia( tüv oujißEpii- 
xdtiuv Tat« oioiai; . . . äXX.ä xai äväjcaXiv ta aui>ßeßi]xdxa ou|j.SaXXcTat |ie-fa pipoi 
7tpb; to e!SYwu rb tE lata, weil nKmlioh eine Definition nur dann richtig ist, 
wenn sie die sämmtlichen aup.ßeßijxo'Ta (d. h. die xaft' afcb ou(ißtßi]xdTa, die 
wesentlichen Eigenschaften s. o. 143, 6) des Gegenstands erklfirt. 

6) Natürlich mit Ausnahme der eben erwähnten Öu-ejo, d. h. dessen, wss 
durch keine von ihm selbst verschiedene Ursache bedingt ist. 



Definition. 183 

zeigung seiner Ursachen, bestimmen lasst, so muss die Definition 
die Bestimmungen enthalten, durch weiche derselbe in der Wirk- 
lichkeit zu dem, was er ist, gemacht wird; sie muss, wie Aristote- 
les verlangt, durch das Frühere und Bekanntere vermittelt sein, und 
es darf diess nicht bloss ein solches sein , was für uns , sondern ein 
solches, was an sich früher und bekannter ist; nur dann mag man 
jenes vorziehen , wenn die Zuhörer dieses zu verstehen nicht im 
Stande sind, aber dann erhält man auch keine Begriffsbestimmung, 
welche das Wesen des Gegenstandes in's Licht stellt 1 J. Es folgt 
diess übrigens schon aus dem Satze , dass die Begriffsbestimmung 
aus der Gattung und den artbildenden Unterschieden besteht; denn 
die Gattung ist froher und gewisser, als das, was unter ihr begriffen 
ist, und die Unterschiede früher, als die Arten, die durch sie gebil- 
det werden *). Ebenso aber auch umgekehrt: besteht die Begriffs- 
bestimmung in der Angabe der sämmtlichen Vermittlungen, durch 
welche der Gegenstand in seinem Wesen und Dasein bedingt ist, so 
wird sie die Gattung und die Unterschiede enthalten müssen, da ja 
diese nichts anderes sind, als der wissenschaftliche Ausdruck für 
die Ursachen, welche in ihrem Zusammentreffen den Gegenstand 
hervorbringen '). Diese selbst aber stehen zu einander in einem 
bestimmten Verhältniss der Ueber- und Unterordnung : die Gattung 
wird zuerst durch das erste von den unterscheidenden Merkmalen 
näher bestimmt, der so gebildete Artbegriff dann weiter durch das 
zweite und so fort; und es ist ebendesshalb nicht gleichgültig, 
in welcher Aufeinanderfolge die einzelnen Merkmale in der De- 
finition aneinandergereiht werden *}, Es handelt sich demnach 
bei einer Begriffsbestimmung nicht allein um die Aufzählung der 
wesentlichen Merkmale *), sondern auch um die Vollständig- 

1) Top. VI, 4 vgl. 6. 1S8, !. 

2) A. «. O. 1*1, b, 28 Tgl. 8. 145, 1. 3. 

3) Dies* ergiebt eich ans dem S. 117, 1 Angefahrten, verglichen mit 
S. 145, 1. 169, 6. Wegen dieses Zusammenhangs lllsst die Topik VI, 6 f. un 
mittelbar auf die Bemerkungen über die npdiEpa xat yvb>pijj.&tipa Hegeln fSr 
die richtige Bestimmung der Definition durch f tvo; und Sia^opai folgen. 

4) Anal, post II, 13. 96, b, 30 vgl. 97, a, 38 ff. 

i) Ti h t<5 -ri Jon xro]Yspoi!|uva, nl tou fiiauq 3i»<popsi. Dus nur solche 
in der Definition vorkommen können, versteht sich von selbst; vgl. auch 
8. 147 ff. Anal. poat. U, 13. 98, b, 1 ff. I, 23. 84, a, 18. Top. VI, 6 u. «_ St. 
Wim za Kateg. 2, a, 20. 



JigilizBdby G00gle 



18 4 Aristoteles. 

keif] und die richtige Ordnung derselben *). Hieför aber ist das beste 
Hülfsmittel beim Herabsteigen vom Allgemeinen zum Besondern die 
stetig fortschreitende Einteilung, beim Aufsteigen zum Allgemeinen 
die ihr entsprechende stufen weise Zusammenfassung 3 )) sodass dem- 
nach die platonische Methode, welche Aristoteles als eine beweiskräf- 
tige Ableitung der Begriffsbestimmung allerdings nicht gelten lassen 
konnte, für ihre Aufsuchung doch wieder in ihrem Werth anerkannt 
und noch genauer bestimmt wird *). 

Denken wir uns nun das ganze Gebiet der begrifflichen Er- 
kenntniss nach dieser Methode bestimmt und vermessen, so worden 
wir in ähnlicher Weise, wie diess Plato verlangt hatte s ), ein Gan- 
zes von Begriffen erhalten, welche von den obersten Gattungen 
durch die sämmtlichen Zwischenglieder zu den untersten Arten 
stetig herabführten; und da die wissenschaftliche Ableitung eben in 
der Angabe der Ursachen zu bestehen hat, da somit jeder weitere 
Artunterschied eine weiter hinzutretende Ursache voraussetzt und 
jede solche einen Artunterschied begründet, so müssle dieses logi- 
sche Gebäude der realen Abfolge und Verkettung der Ursachen ge- 
nau entsprechen. Hatte aber schon Pinto die einheitliche Ableitung 
alles Erkennbaren , welche ihm allerdings als höchstes Ziel vor- 
schwebt, in der Wirklichkeit nicht unternommen (eine immanente 
dialektische Konstruktion derselben ohnedem gar nicht beabsichtigt), 



1) Dass nämlich diu Zahl der Mittelglieder eine begrenzte sein moss, iat 
schon 8. 171 bemerkt worden. Vgl. auch Anal. poat. II, 12. 95, b, 18 ff. 

2) A. a. 0. o. 18. 97, a, 23: tk & xo xottCraxEuii^Eiv Bpov S>a tüv Statpfotuv 
tpnu'j Sil atoyi^EtjOat , to« Xsßetv tä xaTirjopoiSpiva Iv tüi ti im , sa'i taZza tüjni ti 
Kptütov t, Bsilnpov , nai Sri tbÜtk r.iiza. 

3) Aristoteles fasst beides, ohne schärfer zu trennen, unter dem Begriff der 
Eintheilung zusammen; eingehende Kegeln dafür anheilt er Anal. post. II, 13. 
96, b, 15 — 67, b, 25. Top. VI, 5. 6. parL anini. I, 2. 3. Das Wichtigste iat 
auch ihm, wie Plato (b. lato Abtli. S. 396 f.), dass die Eintheilung stetig fort- 
schreite, kein Mittelglied überspringe, nud das Einzuth eilende vollständig er- 
schöpfe; «Ubb sie endlich (was Plato weniger beachtet hatte) nicht in abglei- 
teten oder zufälligen, sondern in den wesentlichen Unterschieden sich bewege. 
Vgl. Tor. Anm. , 

4) Die weiteren Regeln, welche namentlich das 6te Bach. der Topik ent- 
hält, indem es die beim Sefioiren vorkommenden Fehler ausführlich aufsäblt, 
müssen wir hier übergehen. 

6) S. Ute Abth, S. 897. 445. 



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Oberste Gattungsbegriffe. 4,85 

so hält Aristoteles eine solche überhaupt nicht für möglich : die 
obersten Gattungsbegriffe lassen sich' ja ihm zufolge so wenig, als 
die eigenthüm liehen Principien der besonderen Gebiete aus einem 
Höheren ableiten '), es findet zwischen ihnen keine volle Gemein- 
schaft, sondern nur eine Analogie statt '}, und eben desshalb giebt 



1) Ansl. poei. I, 32. 68, a, 31 ff. □. a. St. t. o. 8. 170 ff. Daes namentlich 
die Kategorieen sich weder aus einander, noch aus einer höheren gemeinsamen 
Gattung herleiten lassen, sagt Arist. Mctaph. XII, 4. 1070, b, 1 (nisi -jap tj)v 
ojaiav x«i toäXb ti KaTrjfjpuiifisva aü8rv iiz\ xowov). V, 28. 1024, b, 9 (wo das 
Gleiche auch von Form and Materie). XI, 9. 1066, b, 8. Phys. III, 1. 200, b, 34. 
De an. I, 6. 410, a, 13. Eth. N. I, 4. 1096, a, 19. 23 ff.; vgl. Tbesdklbsbuiio 
Bist. Beitr. I, 149 f. Die Begriffe, welche man am Ehesten für höchste Gat- 
tungen halten möchte, das Seiende und dos Eine, sind keine ytfvi]: Mctaph. III, 3. 
998, b, 32. VIII, 6. 1046, b, 5. X, 2. 1063, b, 81. XI, l. 1069, b, 27 ff. XII, 4. 
1070, b, 7. Eth. N. a. a. O. Anal. poet II, 7. 92, b, 14. Top. IT, 1. 121, a, 16. 

C 6. 127, S, 26 ff. Vgl. TllEBDELKNHUKG H. a. O. 67. IlüMTZ Und ScHWEQLEE EU 

Hetaph. III, 3. (Weiteros tiefer unten.) Der Satz, welchen Stilümpblt. Gesch. 
d. theor. Phil. d. Qr. S. 193 für eine Behauptung des Aristoteles ausgiebt, dass 
ichliesnliüh Alles unter einem einsigen höchsten Begriff als gemeinsamem Gat- 
tungsbegriff enthalten sei , ist hiernach strenggenommen nicht aristotelisch. 

2) Hetaph. V, 6. 1016, b, 31 werden vier Arten der Einheit unterschieden 
^vollständiger ist die gleichfalls viergliedrige Aufslhlung Metaph. X, 1, In 
welcher die Einheit der Analogie nicht vorkommt): die Einheit der Zahl, der 
Art, der Gattung , der Analogie. Jede frühere von diesen Einheiten schliesat 
die folgenden in sich (was der Zahl nach eins ist, ist es auch der Art nach 
u. s. w.), aber nicht umgekehrt; die Einheit der Analogie kann daher auch 
unter solchem stattfinden, was in keine gemeinschaftliche Gattung gehört 
(Vgl. part. an. I, 5. 646, b, 26: ti jib -pp tfWtOt n xowov *«' ävolvjfav, t« 81 
<ni T^vot) *i 3e xot' eTSo;.) Sie kommt bei allem vor Sa« Ifti iic, SXko npo; xkko, 
sie besteht in der Gleichheit des Verhältnisses (fein-,; Xifiov), und setst daher 
mindestens viel Glieder voraus (Eth. N. V, 6. 1131, a, 31){ ihre Formel ist: i( 
toüto h TotJxcp i) *pb< toCto, taS' Iv töBe J) icpb; Ti6e (Metaph. IX, 6. 1048, b, 7 
vgl. Poet. 21. 1457, b, 16). Sie findet sich nicht Mos im Quantitativen als 
srithmetischa und geometrische (Eth. N. V, 7. 1131, b, 13. 1132, «, 1) Gleich- 
heit, sondern auch im Qualitativen als Aehnlichkeit (gen. et eorr. II, 6. 333, a, 
26 ff.) , oder als Gleichheit der Wirkung (vgl. part an. I, 6. 646, b, 9 : -o ävi- 
lovov-rijv ecW)v rj[ov Bihapjv. Ebd. I, 4. 644, b, II. TI, 6. 662, s, 3), überhaupt 
in allen Kategorie™ (Metaph. XIV, 6. 1093, b, 18); Beispiele geben, ausser 
den eben an geführten Stellen De part. anim., auch Anal. pri. I, 46. 61, b, 12. 
Bhet III, 6, Schi. Was sich von keinem Anderen mehr ableiten iasst, die höch- 
sten Principien , das mnss durch Analogie erlÄutert werden ; so x. B. die Be- 
griff» der Materie, der Form n. s.w. Metaph. IX, 6 (s.o. 182,5). XII, 4. 1070, b, 
13 ff. Phys. 1, 7. 191, a, 7. (Du Vorstehende nach Tbekdei.ehbürg Hist Bete. 



186 Aristoteles. 

es nicht blos Eine Wissenschaft, sondern mehrere, weil jeder Gat- 
tung des Wirklichen eine ihr eigentümliche Wissenschaft ent- 
spricht l 3- Wenn daher auch anter diesen eine Wissenschaft von 
de» letzten Gründen (die »erste Philosophie«) vorkommt, so wird 
sie doch zum Voraus darauf verzichten müssen, ihren Inhalt aus 
einem einzigen Princip zu entwickeln; jeder weiteren Untersuchung 
wird vielmehr die Frage nach den allgemeinsten Gesichtspunkten, 
ans denen sich das Wirkliche betrachten lässl, den höchsten Gat- 
tungsbegriffen, vorangehen müssen. 

Mit dieser Frage beschäftigt sich die Kategorieenlehre, welche 
im aristotelischen System das eigentliche Bindeglied zwischen der 
Logik und der Metaphysik bildet. 

5. Die Metaphysik. A. Einleitende Untersuchungen. 
1. Die Kfttegorieen '). 

Alle Gegenstände unseres Denkens fallen nach Aristoteles un- 
ter einen der folgenden zehen Begriffe: Wesenheit, Grösse, Be- 
schaffenheit, Beziehung, (Substanz, Quantität, Qualität, Relation,] 
Wo, Wann, Lage, Haben, Wirken, Leiden 3 ). Diese obersten Be- 

I, 161 ff.) Von besonderer Bedentang ist die Analogie unserem Philosophen 
für »eine naturgesohichtlichen Untersuchungen; §. u. and Maria Arial Thiar- 
k unde 3S4 ff. 

1) Anal, ptisi. I, 28, Auf.: fifa 5' taarrjai) etrc'iv 5] ivb; -{haut ... SrtVia ö' 
ljtvix^\n\ (rc\t htyac, Baiuv at äp^o* |«jt' h. töW «Jtö» pnjB' fnpat ix. töiv h if M , 
Metaph. III, 2. 997, a, 21: iwp\ ob tb aütö -j^üt ti au\L$t$rpt6x* xaS' a&zk rfc 
aÜTifc [fawtifci'Kj W fltwpjja«! ix Töl* orftüv SoEöv. Ebd. IT, 2. 1003, b, 19: Smn>- 
vo( St frfvnus xol «*o4>)aif [i(o ivö; xa\ fcirajjWj. Elid. 1004, a, 3: TooaBra [tipjj ipile- 
uoipiit io-ftv BaaiKEp al oiiaini . . . fljcep;((t fäp söffiit f^"l ^X.ovtii Tb tv not t'o 3v ■ Sic 
xon nf iKtoTripiu äxolouBjJaoijai totiroi;. Wie eich damit der Begriff der ersten 
Pbiloaoptiiü vertrügt, wird sogleich naher untersucht werden. 

2) Teehdbluküueü Gesch. d. Kategorieenlehre (Hut Boitr. L 1846), 8. 1 
— 196. 209 — 217. Bonite fib. die Kateg. d. Arist Sitsungtberiirhte d. Wiener 
Akad., BisL-pbilol. Kl., 1653, B. X, 591 ff. Pbaxtl Gesch. d. Log. 1, 182 ff. 90t 

3) Kateg. c. 2, Anf. : TÜv Xfyajjivoni lä |ib isti ou(j.ti).ok)]v Ufrrat, xi 8' 
«vf u aupLicXoxijc. c. 4 , Auf. : :ü>i xsra [iTj&(ifen ou(inloxi)y leyopivcuv feooTO» 
>Jtw o'jsiav -njuaivE! i) itoaöv f] icoibv f] JtpÖt m i) rcoQ 5) «qtI i) itrafla: I) fgen ^ 
icoiävi) rA<rjivt. Top. I, 9, Auf.: jirti roivu* t«ut« SA äiopiü-aa&oi Ti -yiVi) TÖv 
xaTufopicüv , Jv oT( ix&p-fpuart al foflSaar tsrtapes [Spot, ftvo«, ISio», ou(iflaßi|xs(]. 
Jon 8k raiha tov äpifl^ov Sfoa, tiian, xoaev, Jtoi'ov, Kpof-ti, icdG, woti, xeurS«, 

J/tlV, noiltv, JI1T-/EIV. 



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Kategorien. 187 

griffe oder Kategorieen *) bezeichnen für ihn weder blos subjektive 
Denk formen , welche seinem Realismus von Hanse aus fremd sind, 
noch überhaupt blos logische Verhältnisse; es sind vielmehr die 
verschiedenen Bestimmungen des Wirklichen , welche sie aus- 
drücken *). Andererseits sind aber nicht alle Bestimmungen des 
Seienden Kategorieen oder Unterarten derselben, sondern nur die- 
jenigen, welche die allgemeinen und formalen Gesichtspunkte dar- 
stellen, unter denen es sich betrachten lässt; die bestimmteren Aus- 
sagen dagegen, welche die konkrete Beschaffenheit eines Gegen- 
stands, seine physikalischen oder ethischen Eigenschaften betreffen, 
sind keine Kategorieen *)> und aus demselben Grunde scheinen auch 



1) Aristoteles bedient sich au ihrer Bezeichnung verschiedener Ausdrücke 
(vgl, Trend n. RNRüHe a. a. O. 6 ff. Bonitz a. a. 0. 610 ff.); er nennt sie ri 
■fort (sc. toü miTOf, De an. I, 1. 402, t, 22), ti npSra (Metaph. VII, 9. 1034, b, 7), 
auch Buiioeasn (Top. IV, 1. 120, b, 36. 131, a, 6) und nitiosn (Metaph. XIV, 2. 
1039, a, 26 vgl. Eth. Eud. I, 6. 1217, b,29), weit am Häufigsten jedoc h xera]- 
lopiai, xcroif ue>f|Urni , vfrjj oder ay/gutta tüv xsm]Yopt<3v (-rij( xmrfopfaf)- Den 
letzteren Ausdruck erkläre ich mit Boiitz so, dass xartiropia einfach „Aus- 
sage" bedeutet, fin\ oder jyijiioro t. xot. mithin: „die Hauptgattungen oder 
Grundformen der Aussage, die verschiedenen Bedeutungen, in welchen von 
einem Gegenstand gesprochen werden kann"; dasselbe besagt das kürzere 
umiywCcH ( „die verschiedenen Weisen des Aussagens") oder xoTJifOplai toü 
Svto; (Phys. HI, 1. 200, b, 28. Metaph. IV, 28. 1024, b, 13. IX, 1. 1045, b, 26. 
XIV, 6. 1093, b, 19); das Letalere, sofern jede Aussage auf ein Seiendes geht. 

2) Metaph. V, 7. 1017, a, 22: xofl' s5ii 8i irvai 1^-biii 5o«IMp arifiaivii -i 
SY_i(|iaxs Tifr xarrifopia; ' öaarf&i yip Uyitai, -aaauxaföi z'o Htm m][ia(m (Vgl. 
Eth. S. I, 4. 1096, a, 23). Die Kategorieen beissen daher umr^apta-i toü öVeo; 
l>. vor. Anm.j, es ist das äv, (lessen verschiedene Bedeutungen sie darstellen 
(Metaph. VI, 2, Anf. IX, 1. 1045, b, 32. De an. I, 5. 410, a, 13: tri 6e ralls- 
JÜ4 lerojiivou to3 üvro;, itjpaivti fip vb piv Tä6t xi u. a. w.); die logischen Ver- 
tilüiiaso der Begriffe dagegen, wie Spot, f'vOf, ESiov, <njp.ßeßnx't>c , sind in den 
Kategorieen nicht ausgedrückt, sondern sie ziehen sioh durch sie alle hin- 
durch; anf die Frage nach dem v. eVri z.B. kann je nach Umständen eine oCola, 
ein too'oy n. s.f. genannt werden, Top. 1,0; und ebensowenig gehört der örgen- 
>»te des Wahren und falschen, welcher siob nicht auf die Beschaffenheit der 
Dinge,- sondern auf unser Verhalten au den Dingen besieht (Metaph. VI, 4. 
1027, b, 29) , an den Kategorieen (s. u. 168, l)i 

S) Aus diesem Grande wird i. B. der Begriff der Bewegung (oder Verän- 
derung) nicht unter den Kategorieen aufgeführt; er ist vielmehr naoh A. ein 
physikalischer Begriff, der seine nähere Bestimmung als 8 ubstanz Veränderung, 
qualitative, quantitative, räumliche Bewegung durah verschiedene Kategorieen 
erhält (Phyi. V, 1, Sohl. c. 2, Anf. ebd. 226, a, 23. gen, et corr. I, 4. 319, li, 31. 



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solche metaphysische Begriffe ans ihrer Zahl ausgeschlossen zu 
werden, welche dazu dienen, die konkreten Eigenschaften und Vor- 
ginge zu erklären, wie die Begriffe des Wirklichen und Möglichen, 
der Form und des Stoffes, der vier Ursachen ')■ Die Kategorieen 
wollen die Dinge nicht ihrer wirklichen Beschaffenheit nach be- 
schreiben, und auch nicht die hiefür erforderlichen allgemeinen Be- 
griffe aufstellen, sie begnügen sieb vielmehr damit, die verschiede- 
nen Seiten anzugeben, welche bei einer solchen Beschreibung in's 
Auge gefasst werden können *): sie sollen uns nach der Absicht 



De ooelc IV, 3. 310, s, 23. Metaph. XU, 2. 1069, b, 9; Weiteies hierüber spä- 
ter); und mag er selbst auch für sich genommen unter die Kategorie des Thuns 
und Leidens zu stellen sein (Top. IV, 1. 130, b, 26. Phys. V, 2. 315, b, 13. 
III, 1. 201, a, 23. De an. III, 2. 426, a, 2. Tbbndri.ehbuiuj Htat Beitr. I, 
135 ff.), und insofern Metaph. VI], 4. 1029, b, 22 als Beispiel dafür gebraucht 
werden, daas such die andern Kategorieen, ausser der der Substanz, ihr Sub- 
strat haben , so wird er doch dadurch nicht selbst zur Kategorie, und ebenso 
wenig wäre er es, wenn er nach der gewöhnlichen (durch Metaph. V, 13. 
1020, a, 26 nicht gerechtfertigten) Annahme der spateren Peripatetiker (Sihpl. 
Categ. 78, S. §. 29 Bas.) unter die Kategorie des noebv, oder wie Andere woll- 
ten (Simpl. a. a. O. 35, 8. §. 36), unter das npo"; tl gehörte. Wenn daher Eudk- 
hus (Kth. Eud. 1217, b, 26) die Bewegung an der Stelle des Thuns und Leidens 
unter den Kategorieen nennt, ist diess schwerlich aristotelisch ; richtiger sag- 
ten Andere, wie namentlich Treopbbabt, sie siebe sich durch viele Kategorieen 
hindurch (Siupr.. a. a. O. 35, S. §. 38. Phyi. 94, a, m). Ebenso findet sich das 
Gute innerhalb verschiedener Kategorieen (Eth. N. I, 4. 1096, a, 19. 23). 

1) Keiner dieser Begriffs wird den Kategorieen beigezählt oder einer der- 
selben untergeordnet, vielmehr wird ausdrücklich da, wo es sich um die ver- 
schiedenen Bedeutungen des Seienden handelt, neben dem Unterschied des 
Wahren und Falschen auch der-des Suvifui und «WXe^eii als ein solcher be- 
zeichnet, welcher zu den durch die Kategorieen ausgedrückten Unterschieden 
noch hinzukomme (Metaph. V, 7. 1017, a, 7. 22. 31. 35. VI, 2, Anf. IX, 10, 
Auf. e. ]. 1045, b, 32. XIV, 2. 1089, a, 26. De an. I, 1. 402, a, 22 vgl Tbek- 
delexbueu a. s. O. 157 ff. Bonitz a. n. O. 19 f.), und durch die verschie- 
denen Kategorieen hindurchgehe (Phys. IN, 1. 200, b, 26). Wesshalb eis nicht 
unter die Kategorieen aufgenommen werden konnten , sagt uns Aristoteles 
nicht, und in der Sache selbst will lieh, wie man zugeben muss, kein zwingen- 
der Grund dafür zeigen; ich gebe daher das Obige eben nur als Vermuthung. 

2) Man kann insofern als ihren Gegenstand (mit Strümpell Gesch. A. 
tbeor. Phil. 211) „die Arten der Prädieirung" bezeichnen; nur nicht in dem 
Sinn, als ob es sich hei ihnen blas um Prädikats begriffe oder um die Formeo 
der Begriffs Verbindung handelte, denn bei der Substanz ist keines von bei- 
den der Fall. 



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Kategorieen. 189 

des Philosophen nicht reale Begriffe, sondern nur d«8 Fachwerk 
geben, in welches alle realen Begriffe einzutragen sind, mögen sie 
nun auf eines dieser Fächer beschrankt sein, oder durch mehrere 
hindurchgehen ■). Von der Vollstfindigkeit dieses Fachwerks ist 
Aristoteles überzeugt *); wie er aber dazu gekommen ist, gerade 

1) So auch Bit an ms II, b, 394 IT. Dagegen erklArt Tbenoei.es ruru a. ■. O. 
162 F. da« Fehlen des Möglichen and Wirklichen unter den Kategorieen dar- 
aus, dass diese „abgelöste Prädikate" seien, jene dagegen „kein reale« Prä- 
dikat' 1 ausdrücken. Mir scheint gerade das Umgekehrte der Fall zu sein: die 
Katego rieen sind nicht selbst unmittelbar Prädikate, sondern sie bezeichnen 
nur den Ort für gewisse Prädikate; dagegen liegen der Unterscheidung des 
Möglichen und Wirklichen bestimmte reale Anschauungen zu Grunde, im Ein- 
zelnen der Gegensatz zwischen den verschiedenen Entwicklungszuständen der 
Dinge, im Weltganzen der Gegensatz des Körperlichen und Geistigen, und 
jene Unterscheidung ist nur der abstrakte, metaphysische Ausdruck für dieses 
Reale. Auch Bohitz scheint mir aber nicht ganz das Richtige getroffen zu 
haben, wenn er a. a- O. 18. 21 sagt, die Bedeutung der Kategorieen sei nur die, 
den Ueberblick über den Inhalt des erfabrungsmässig Gegebenen zu vermit- 
teln, solche Begriffe daher, welche Aber die Auffassung des erfahrungsmUssig 
Gegebenen zu seiner Erklärung hinausgehen, seien davon ausgeschlossen. Er- 
fabrnngsiDassig gegeben und zur Auffassung des Gegebenen dienlich ist der 
Begriff der Bewegung wohl ebensogut, wie der des Wirkens und Leidens, die 
Begriffe des Wirklichen und Möglichen, der Form und des Stoffs, welche Ari- 
stoteles regelmässig an den erfahrungsm assigen Beispielen künstlerischer und 
natürlicher Erzeugung erläutert, so gut, wie die der Substanz oder der QnalitNt. 

2) Dieas erhellt ausser den S. 186, 3 angeführten Aufzahlungen auch ans 
anderen Aouss eräugen, welche ganz abgesehen von jenen beweisen, dass Ari- 
stoteles allerdings, so wenig dies» auch Piakti, (Gesell, d. Log. 1, 206 ff.) glau- 
ben will, eine bestimmte Anzahl von Kategorieen aufgestellt und fortwährend 
festgehalten bat. So soph. el. c. 22, An f. : liulmp fyajitv tä ysw) tüv xcrn]TOßtüv, 
nämlich eben die zehen Top. 1, 9 aufgezählten, auf welche auch c 4. 166, b, 14 
nach Erwähnung des Tl (tbMj), jioibv, noobv, jtoioÜv, Ttaoyov, Gicexe!|uvov (eigent- 
lich nur eine Art des r.otm , die 8t«8eai( s. Kateg. c. 8. 10, a, 35 ff. Metapn. 
V, 20) mit den Worten: xai tSXX* S' «i\ SitfsijTai irpri-repov zurückweist De au. 
I, 1. 408, a, 24: icöttpov t6*Se ti xal oiiaioi J) noibv fl nsubv rj %a( tu äXlij tüv Biai- 
pjliioSW xatijvopiwv. Ebd. c. 5. 410, a, 14: anfiahf« Y«p ~o <tkv toSe ti tb Ei «och* 
^ Jtoibv t] xa( tiva ÖXXijv twv SiaipsBttaäv xatnYopiöW. Anal. pri. I, 37: ti 8* ureip- 
XCi« tdSs TOB* . . . 'oaaurayöc XnftTlav haar/un & xar>{fopla[ äiijpijvTai. Ebenso 
wird Phys.ni, 1. 200, b, 26. Metaph. VD, 9. 1084, b, 9. XIV, 2. 1089, *, 7, 
nachdem einige Kategorieen genannt sind, auf die übrigen, wie auf etwas Be- 
kanntes, mit einem einfachen: dl äXla: xnTi]YOplztt verwiesen, und Anal. post. 
1, 12. 83, b, 12. a, 21 die Unmöglichkeit einer in's Unendliche gehenden Be- 
weLsfnhning damit bewiesen , dass die Zahl der Kategorieen auf die dort g*> 



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190 Ariatotelea. 

diese und keine anderen Kategorieen aiiftustollen , sagt er ans nir- 
gends ,m ), and auch an ihnen selbst will sich ein festes Princip für 
ihre Ableitung so wenig zeigen*), dass wir nnr vermuthen können, 



nannten besohrlinkt «ei. Die Vollständigkeit der Kategorieentafel setzt auch 
der 8. 167, 2 berührte Beweis, dass es nur drei Arten der Bewegung (im enge- 
ren Sinn), die qualitative, quantitative Und räumliche gebe, Phya. V, 1 f., vor- 
an«, indem dieser auf dem Wege der Ausschliessung geführt wird: da die Be- 
wegung in den Kategorieen der Substanz n. s. f. nicht vorkomme, sagt Aritt, 
so bleiben nur jene drei Kategorieen für sie übrig. 

1) Auch in den verlorenen Schriften scheint dies« nicht geschehen zd 
sein, sonst wurden die alten Ausleger sich darauf berufen, aUtt daas Swrr.. 
Schol. in Ar. 79, a, 44 sagt: l\bn o08au,oü «ipl -rrjt T«E«of tSv fnflv oiS&uiav 
aitiav o 'AptffroTft)]c «M^iJvaTO. 

2) Es ist Tbbkdklrsbubg's Verdienst, in »einer Dissertation De Arial. 
Categoriia (Berl. 1833) und den Element« Logicea Ariatotelicae S. 54 sich morst 
nm ein solche« bemüht zu haben. Das« es ihm jedoch wirklich gelungen sei, 
es aufzuzeigen, davon hat mich auch die wiederholte Auseinandersetzung Hist 
Beitr. I, 23 ff. 194 f. nicht überzeugt, es acheinen mir vielmehr die Bedenken, 
welche schon Ritt bis III, 80 und jetzt in erschöpfenderer Weise Boiitz a. a. 0. 
36 ff. gegen «eine Ansicht geltend gemacht hat, vollkommen berechtigt. Tbbw- 
delenlcrg (und nach ihm Busse Phil. d. Ariel. I, 04 f.) glaubt, der Philosoph 
lasse sich bei seinem Entwurf der 10 Geaohleehter zunächst von gramma- 
tischen Unterschieden leiten: die oüofa entspreche dem Substantiv, das noaov 
und rql'ov dem Adjektiv; für da« rcpdc -\ seien Ausdrucks weisen, wie die Kateg. 
C 7 angeführten, mause gehend; das icou und norl werde durch die Adverbien 
des Ort« und der Zeit dargestellt; die vier letzten Kategorieen finden sich im 
Verbnm wieder, da durch das itoisiv und Jtiax«v das Aktiv und Passiv, durch 
das xdrfn ein Theil der Intransitiven, durch das e/eiv die Eigentümlichkeit 
des griechischen Perfekt« in einen allgemeinen Begriff gefasat werde. Allein 
fttr's Ente deutet Aristoteles selbst, wie Bmit* 8. 41 ff. eingehend zeigt, nir- 
gends an, dass er gerade auf diesem Wege zu «einen Kategorieen gekommen 
sei; da er vielmehr die Bedetheile noch gar nicht in der Art unterscheidet, 
welche nach Thüdelenhiiku den Unterschieden der Kategorieen entsprechen 
würde, da er die Adverbien nicht ausdrücklich hervorhebt, und da« Adjektiv 
als if|Ua mit dem Zeitwort zusammenfaßt, überhaupt ausser dem Artikel und 
der Conjunktion nur das övofi» und ptjjui nennt, so ist es nicht wahrscheinlich, 
dass sprachliche Formen, die er als solche gar nicht beachtet hat, ihn bei der 
Scheidung der Begriffsklassen geleitet haben. Sodann entsprechen sieh aber 
auch in der Wirklichkeit beide nicht in dem Maasse, wie dieas nach Tkbhdb- 
lkmbdeü's Annahme der Fall sein müastc: Quantität und Qualität z. ». lassen 
sieb ebensogut durch Hauptwörter (z. B. XiuEdtrjc, ftspiii-nn n. A. Kat c 8. 9, 
a, 29) und Zeitworter (XiXeiIxiutw u. s. f.) ausdrücken, wie durah Beiwörter, das 
Wirken und beiden ebensogut dnroh Hauptwörter (npäfo, naOof u. s. t), wie 
durch Zeitwörter, Zeitbestimmungen nicht Mos durch Adverbien, sondern auch 



Kategori.eo, Ifli 

er habe sie empirisch, durch Zusammenstellung der Hauptgesichts- 
punkte gefunden, unter denen sich das Gegebene (tatsächlich be- 
trachten liess. Ein gewisser logischer Fortschritt findet dabei im- 
merhin statt: mit dem Substantiellen, dem Ding, wird angefangen; 
hieran reiht sich die Betrachtung der Eigenschaften, zuerst (in dem 
iroaov und ttoldv") derer, welche jedem Dinge für sich, sodann Cin 
dem Tupös tO derer, welche ihm im Verhällniss zu Anderem zu- 
kommen ; von da wird zu den äusseren Bedingungen des sinnlichen 
Daseins, dem Ort und dem Zeitpunkt fortgegangen, und endlich mit 
den Begriffen geschlossen, welche Veränderungen und die dadurch 
herbeigeführten Zustande ausdrücken. Eine Ableitung im strengen 
Sinn kann man diess aber nicht nennen, wie denn auch eine solche, 
nach aristotelischen Grundsätzen, für die obersten Gattungsbegriffe 
nicht möglich war 1 ]. Wirklich bleibt auch die Ordnung der Kate- 
gorieen sich nicht gleich ä ) ; ebenso erscheint ihre Zehnzahl ziem- 
lich willkührlicb, und Aristoteles selbst hat diess dadurch anerkannt, 
dass er die Kategorieen des Habens' und der Lage in seinen späte- 
ren Schriften auch an solchen Orten übergeht, wo er, wie es scheint, 
eine vollständige Aufzählung geben will "). Möglich, dass der Vor- 
gang der I'ythagoreer *) und die von ihnen auch zu den Plaloni- 

durch Adjektive (x&Tcc , BtutEpatof u. dg].); sehr viele Hauptwörter bezeichnen 
keine Substanz (Knt. e. Ö. 4, a, 14. 21); für die Relation will sich eine entspre- 
chende grammatische Form nicht finden. 

1) S. o. S. IST f. vgl. S. 185, I. 

2) Beispiele im Folgenden. Am Auffallendsten ist in dieser Beziehung, 
dass Kateg. c. 7, von der sonst immer eingehaltenen, auch c. 4 angenommenen 
Reihenfolge abweichend, das Ttpi( Tiidem rcotbv vorangeht. Einen genügenden 
Grand weiss ich nicht dafür anzugeben, aber gegen die Aechthcit der Schrift 
mochte ich nichts daraus schliessen, da ein Späterer, sollte man meinen, sich 
eine Abweichung von der hergeh rächten Ordnung weniger erlaubt haben 
würde, als Aristoteles selbst zu einer Zeit, wo diese noch nicht feststand. 

3) Anal. post. I, 22. 63, a, 21: Sm 5) h t<Ü tl lartv [mrtifopLiTcu] ?, Er: 
othöy fj hooov 5) jtpiSt ti ?| noioDv ?| jc&trfov ij itoö ij notl, Stov tv xifl' Ivb; *ntT|fo- 
fifi^. Ebd. b, 16: ta f^i ^*> T naT7]fop(Öv ltuc4pavua' r) yap jrotbv ![ noabv i] Jtpi( 
~ 1, iroioüv JJ nirrfm % itoü % noxi (die ouaia, der diese als aup.ßißi}XJTa entgegen- 
gestellt werden, ist schon vorher genannt). Phys. V, 1, Sohl.: ei o3v ctt xstt^o- 
flai !ti|p)iVT<« aiaia xa\ KoidT7]Ti xail ttü iuou xA TÖ jcotI kb\ t<ü rcpds xi xal TlÜ jcoafii 
m\ t$ noifiv fl iciox«v, ivivxi! Tpfis «Tvai xiwjmtf (vgl. 8. 189, 2). HeUpb. V, 8. 
1017, a, 24: röv n.avn^r>pw^4vhn t* piv -rf «ort m]p.«!v:i t« St noibv, t« Bi itoobv, 
T«. !'( r.f6i ti, tb St boleTv 1 7uao7_£iv, ti St neu, ™ St böte. 

4) 8. Tb, I, 265. 



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192 Aristoteles. 

kern Übergegangene ») Liebhaberei für die Zehnzahl ihn zuerst ver- 
anlasste, für seine Kategorieen nach dieser Rundzahl zu suchen; 
an einen weiteren Zusammenhang seiner Lehre mit der pythagorei- 
schen *) kann freilich nicht wohl gedacht werden, und nicht viel 
wahrscheinlicher ist auch die Vermnthung s ), dass er seine Katego- 
rieen ans der platonischen Schule entlehnt habe*). Selbst dem Um- 
stand, dass diese fast alle in Plato's Schriften vorkommen 5 ), dürfen 
wir desshalb kein zu grosses Gewicht beilegen, weil sie bei diesem 
eben nur gelegentlich gebraucht werden, ohne dass der Versuch 
einer vollständigen Aufzählung der sammtlichen Kategorieen ge- 
macht würde. 

Unter den einzelnen Kategorieen ist weit die wichtigste die der 
Substanz, von welcher demnächst ausführlicher zu sprechen sein wird. 
Die Substanz im strengen Sinn (s. u.) ist Einzelsubstanz. Was sich in 
Einzelsubslanzen theilen lässt, ist ein Quantum 8 ); sind diese Theile 



1) 8. Uta Abth. S. 660. 

3) Wie ihn Pktemjeh annahm Fhilos. Chrysipp. fundunenta 8. 13. 

3) Boss Arist. libr. ord. 238 ff. 

4) Denn thcila feblt ca an jeder Spur dar leben Kategorieen bei den PI» 
tonikam, nährend es doch nicht wahrscheinlich ist, dus TOn einer so merk- 
würdigen Thatsache weder durch die Schriften dieser Manner noch dnreh einen 
Chrysippns und andere Gelehrte der alexandriniscben Zeit in den späteren 
Peripatetikem und durch sie zu uns eine Kunde gelangt sein sollte; theil» 
hKngt auch die Kategorieen lehre mit den sonstigen Ansichten des Aristoteles 
au eng zusammen, als dass sie auf einem anderen Boden gewachsen sein 
konnte. Man nehme nur z. B. die Grundbestimmungen Aber die ouuia und ihr 
Verhältnis« zu den Eigenschaften, auf der die ganze Scheidung der Kategorieen 
bei Arist. ruht. Platonisch sind diese gewiss nicht: gerade das ist ja ein Haupt- 
Btteitpuukt des Arist. gegen seinen Lehrer, dass dieser die Eigenschaftsbegriffe 
hypostasirt, das -oibv zur oioia gemacht hatte. 

5) M. s. darüber Trend ELthauEti Hist. Beitr. I, 205 ff. Bosm a. a. 0. 56. 
PaiKTL Gesch. d. Log. I, 78 f., and unsere lste Abth. 6. 446 f., wo für den 
Gegensatz des *n8' afi™ und npiif frapov auch auf Eebmodob b. Sinn,, l'bj-s. 
64, b, c sU verweisen war; vgL m. Dissertation De Hermodoro S. 30. 33. 

6} Metaph. V, 13, Auf.: jcoabv Ji-f"* 11 w 3u.pE-.ov ttj tW&pxovTa i ■""' ***" 
Tipov i) i'xaoTov Ki ti kh'i -63e Tt itifuxsv sfvii. Die i»u*«pv_ovT« siud aber die Be- 
etandth eile im Unterschied von den Momenten dea Begriffs. 8o wird t B. 
Metaph. III, 1. 995, b, 37. c. 8, Auf. gefragt, ob die y^vtj oder die bmip/v"* 
oberste Principien seien; ebd. VII, 17, Schi, wird das «oiväov als das definirt, 
ilt o oiaipiTTai (so. ii) tVtmapxw (Aoo.) ü« CIijv. Aehnliah VIII, 2. 1043, *, 19. 
Vgl. gen. an. I, 31. 729, b, 3: n>; ^vutiaf v_ov not pdpiov Sv tu8u( tq3 rnrausta aü- 



KategorUen. 19| 

getrennt, aa ist das Quantum ei» diskretes, eine Menge, sind m 
wusainmenbäiigend, so ist es ein steliges, eine Graste J ); siad im 
in einer bestimmten Laue Cöemö» «• ist die Grösse eine räumliche, 
sind sie nur in einer Ordnung Od&ö, onne l^g 6 » so ist sie eine 
UHräumliche *). Das Ungetheilte oder die Einheit, mittelst deren die 
Grösse erkannt wird, ist das Maass derselben, und eben diess ist 
das unterscheidende Merkmal der Grösse, dass sie messbar ist, und 
ein Maass hat 8 ). Wie die Quantität dem substantiell thalbaren 
Ganzen zukommt, so drückt die Qualität die Unterschiede aus, durch 
welche das begriffliche Ganze getneilt wird; denn unter der Quali- 
tät im engeren Sinn *) versteht Aristoteles nichts anderes, als das 
unterscheidende Merkmal, die nähere Bestimmung, in welcher ein 
gegebenes Allgemeines sich besondert; und als die beiden Haupt- 
arten der Qualitäten bezeichnet er diejenigen, welche eine Wesens-; 
Bestimmung, und die, welche eine Bewegung oder Thätigkeit aus- 
drücken *). Anderswo nennt er vier qualitative Bestimmungen als 



iiaToj p.cyviij**vov tj) Eli]. Ebd. c. 18. 724, a, 24: Zva «>c ££ (Huji -yt-fvtafai "* TT* 
vipEva Xs'-piAE», ix twoj Jwnip)(ovW( . . . in-J.v. Kat. o. 2. 1, a, 24. e. 5. 3, «, 31. 
Das Ttociov ist mitbin ein solches, was aus Theilen besteht, wie ein Korpen 
nicht an« logischen Elementen, wie ein Begriff. 

I) Metaph. V, 13 (wo auch aber das xoabv xafl' aärb und xnrtä sv«/ßt^x6(), 
Kateg. 6, Auf. Weiteres aber diskrete and stetige Grösse, nach Km. 6. Pbya. 
V, 3. 237, a, 10 ff. Metaph. u. a. O., bei Txb noblen au ae 82 ff. 

1) Kst. & 6, Anf. ebd. 6, a, 15 ff. Den Gegensatz des Räumlichen und 
Unriumlichen drückt ober Arial, hier nicht allgemein, sondern nur durch Bei- 
spiele (dort: Linie, Fläche, Körper, hier; Zeit, Zahl, Wort) ans. 

3) Metaph. X, 1. 105!, b, 16 ff. "Kai. c. 6. 4, b, 32. Es ergiebt aieb diess 
unmittelbar ans der obigen Definition des Kursiv: was sich in Theile zerlegen 
lisst, das Ifcsst sieh auch umgekehrt für die Vorstellung aus Theilen ins am - 
menaetieu und an ihnen messen. — Ale weitere Merkmale des kqsov nennt 
Eateg. a. 6. 6, b, 11 ff-, das» ihm nichts entgegengesetzt sei , und das« ei das, 
was es ist, nicht mehr «der weniger sei, wogegen der Begriff der Gleichheit 
nud Ungleichheit ihm eigentümlich zukomme. 

i) Im weiteren werden theils auch die Gattungsbegriffe (die Stiittfiai oioCai) 
roi'm, genauer jedoch noti ouois genannt (Kateg. c 5. 3, b, 13 Tgl. Metaph. 
VII, 1. 1039, a, 1), theils die truu.ßißnx£™ mit darunter befaast (Anal, post I, 
31. 83, a, 36). 

5) Kateg. c. 8 wird der Begriff der lEoufagt theils nur sprachlich, theils 

durch Beispiele erläutert; dagegen taast Metaph V, 14. 1020, b, 13 eine Auf 

aählang der verschiedenen Bedeutungen dieses Ausdrucks dabin Kusammen: 

ajiSet 3i] xenet SiSo tp&tovf Mp K * m tb noiiv, xat toiituv Ivb t'ov Hvputanov- 

PtaÜM-LGr. II. Bd. I. Abtlu 13 



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to£ Aristoteles. 

die hauptsächlichsten '), dieselben lassen sich jedoch unter Jen* 
zwei einordnen *). Als eigenthümliches Merkmal der Qnalitfit wir« 
der Gegensatz des Aehnlicben und Unähnlichen betrachtet 9 ) 
Uebrigens kommt Aristoteles selbst mit der Abgrenzuno; diesei 
Kategorie gegen andere in Verlegenheit *}. Zn dem Relati- 

apwTi] [iiv fip jionJtBt ij tij; oia(«t oiapopi . . . th St jviQij töJv «vou[ilVii)v ^ xivoii- 
jfva x«\ ol ouv xmjssuw Siaipopot. Zu der ersten Klasse gehören anter Anderem 
»ueh die qualitativen Unterschiede der Zahlen , m der zweiten die öptr)) und 
xaxla. Ueber die eta^oci f. 8. US, 1. Die Qualität drückt daher eine Formbe- 
stimmung aus, denn die Suufopk ist eine solche; Metaph. VIII, 1048. 2, a, 19; 
ioHE -j-ip £ [tiv Sta riüv äiayopüjv Xdyoc toi ilfiouf xa'c tt;( ivip-yiio; ifttu, ö S' ex tüi 

ivujtapx^'" u » t9|c tÄ>j( (iSXlov. 

1) Kat. c. 9. Die vier eISj] tco^tj]Xo(, neben denen aber {10, a, 25) auch 
noch andere vorkommen mögen, lind diese: 1) Sfr; und Siaflsait, welche beide 
sich dadurch unterscheiden, dtss die ffa einen dauernden Zustand, die Stäten; 
■Uli Jaden Zustand überhaupt, theila namentlich einen vorübergehenden ani- 
drdckt (vgl, Metaph. V, 19. 30. Bobitb und Schwjeslbb e, d. 8t. TanDtui- 
blbh Hist. Beitr. 1, 95 f. Wiriz Amt. Org. I, 303 f.). Beispiele der £fo sind 
dieiittoTijuoundäpiraf; der blassen Siafliai; Gesundheit and Krankheit. 2) "Oaa 
x«t& Siivnuiv f usixJjV 5) d8in*(J.isv X^-fEtai (freilich von den ££ei( and SiaWüEi; nicht 
■treng zn unterscheiden; s, Tbebdelebbubii a.. u. 0. 98 f. Naberos Ober die 
Siivapi; später). S) Die leidentlichen Eigenschaften, naEb|Tua\ naidtiiTif, auch 
itibiit im Sinn der icoi4t>]( xafl' f t v aXiotoDtjOai £vSEJ(«ai (Metaph. V, 21) genannt, 
nnd von den anter die Kategorie des näo^Etv geborigen noOi-, durch ihre Dauer 
unterschieden; Arist versteht aber darunter nioht blos die Qualitäten, welche 
durch ein ftaOo; entstehen, wie weisse oder schwarze Farbe, sondern auch die, 
welche ein naBo; oder eine älloiionit in unseren Sinnen bewirken (vgl. De in. 
n, 5, Auf.). 4) Die Gestalt (t/j^o. xa\ p-oppij). 

2) Die awei ersten nHmlich und ein Theil der dritten drücken ThätigkeiUn 
and Bewegungen, die übrigen WesensbestimmarigBU aus. 

S) Kat. c 6. 11, a, 15; dagegen kommt (ebd. 10, b, 13. 36} die ewriön* 
und der Gradunterschied des päXXov xA ^ttov nicht alten Qualitäten in. Ueb« 
den Begriff der Aehnlichkeit vgl. Top. I, IT. Metaph. V, 9. 1018, e, 15. X, 3. 
1054, a, 3, lind unten 8. 195, 4. 

4) Einestheils nämlich würde die Bemerkung a, a. 'O. 10, a, 16, daas die 
Begriffe des Lockeren nnd Dichten, Bannen und Glatten nicht eine Qualität, 
sondern die Lage der körperlichen Theil e (also ein xtfaBai) bezeichnen, nach 
TjiKirDBiBHBDno'B richtiger Wahrnuhmung (a.a.O. 101 f.) noch Manches treffen, 
was A. zur Qualität rechnet; anderntheils tritt die Unmöglichkeit einer festen 
Abgrenzung der Kategurieen darin hervor, dasi dieselbe Beschaffenheit in 
ihrem Gattungsbegriff (z. B. unonfpu]) zum itpdt ti, in ihrem Artbegriff (ypou- 
1**tixJ)) zum xoiöv gehören soll (Kat. □. 8. 11, a, 20. Top. IT, 124, b, 18, wo- 
gegen Metaph. V, IS. 1021, b, 8 die !atp;xij zum Relativen gerechnet wird, weil 
der Gattungsbegriff titwcrju] ein solsjfcee sei). 



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Kategorie«», Jtffi 

ven ') gehört alles da*t, dessen eigenthümliches Wesen tn einem be- 
stimmten Verhalten zu Anderem besteht 2 ), und insofern ist das Re- 
lative diejenige Kategorie, welcher die geringste Realität entspricht *); 
im Besonderen unterscheidet Aristoteles drei Arten desselben *), 
welche sich aber weiterhin aof zwei zurückfahren lassen G ). 
Doch bleibt er sich hierin nicht ganz gleich *), und ebenso- 
wenig weiss er mancherlei Vermischung mit andern Kategorie« 
zu vermeiden '.)» oder sichere Merkmale der vorliegenden zu ge- 



1} Dasa du Relative Kateg. c. 7 der Qualität vorangeht (s. o. 19t, 3), 
widerspricht dem natürlichen VerhHltnias beider, wie es nicht bloa in allen 
übrigen Aufzahlungen nnd in der bestimmten Erklärung Metaph. XIV, 1 , 1088, 
a, 12, sondern mittelbar anch a. a. 0. darin hervortritt, daaa daa afiounr nnd 
*«av, die qualitative nnd quantitative Gleichheit, 6, b, 31 zum itpit xt gereol*. 
n«t werden; vgl. Top. I, IT, Tbeuiiblbnbdbo 117. 

3) Bo KaL C. 7. 8, a, 31: toxi ri Jtp6{ n oT; fe llvsi Tsütiv tuti -:iT> itpoi t(- 
jmo( ey_eiv, indem die früheren, blos vom sprachlichen Ausdruck hergenomme- 
nen, BeatimmnngeD am Anfang des Kapitels ausdrücklich für ungenügend er- 
klärt werden. Top. Vi, 4. 142, a, 26. c. 8. 146, b, 3. 

8) Motaph. a. a. O.: tb U npü; ti nxvtuv IjxtrtB yimt TU ij oWa rtüv nora)- 
■fopiüv &rn, xsi iiWpa t&D TraioQ *ii nooou n. a. w. b, 2: tö El Jtpoi ti oEit SvvafUt 
oima oüte svtprsia. Kth. N. I, 4. 1096, a, 21: xopapuäSi fap TeSV isutt x«\ oup> 
ßeptptd'n toi Svtof. 

4) MeUph. V, 1B: da« «pds ti kommt vor 1) xsn' ipiSfii» xaX npi0|«i5 xata 
(und iwar unter vergeh i ©denen näheren Bestimmungen); dahin gehört «ach 
da* law, Spstov, taürbv, sofern ei sieh auch bei diesen um ein VerhSHBiae am 
einer gegebenen Einheit handelt: taütä [ui ylf tuV pl* ii oioi« i(i»i« S' luv ^ 
mdta,E (tla, n« £s *iv -o Roabv (v (diess auch gen. et narr. II, 6. S3S, s, 29)i 
1} uns !ii«iiiv jron]xwjiv xcu mBtrna^* , wie da« fliptuvroav und daa Stpficvcdv ; 
l)io dem Sinn, in welchem etwas [HTpijtev, fawnjtov, 6ia*oijW» heisst. Die awei 
ersten Arten auch Fhye. III, 1. 200, b, 28. 

5) A. a. O. 1021, a, 26t Bei den zwei ersten von den angeführten Fallen 
heiast daa 7tp«c n so tu !**p iet'iv eüov l^iaOuL «6tb ä forty (das Doppelte ist 
f]^(oEO( SinXiatov, das Erwannende 9ip|j*vTo3 Sippaytuiby), bei dem dritten liii 
üio icpb; ttüte WfiaSai (das Messbare oder Denkbar* bat sein eigenes Wesen 
unabhängig davon, ilw es gemessen oder gednobt wird, in einem Relativen 
wird es nur dadurch, data das Messende nnd Denkende au ihm in Beziehung 
tritt}. Ebenso Metaph. X, 6, 1066, b, 84. 1067, », 7. 

6) Ein« andere Eintbeilong findet aioh Top. VI, 4. 125, a, SS ff. 

7) Bo wird Est. c. 7. 6, b, S die R« , Siiflw«, *lo*ii«4. intvirku], fläoi; ansa 
spi{ tt gezogen, von denen doch die vier ersten zugleich aur Qualität, die letzte 
■nr Lage gehören; das muh nnd itioxit* sind nach Metaph. V, 15. 101«, b, 
U. 1011, a, 21 VeibMtniMbegriffe; die Theib «Ines Ganzen |m]&ü,.o», xsfsM 
n. d«L] soUen ein ßeUUvaa »ein (Kau e. 7. 6, b, 86 ff. vgl jedoch«, s, 2* ff.)j 

13* 

- 



fljtf ArUtotslesv 

wfnnen ')■ Die übrigen ftategorieen werden in der Schrift von den . 
Kalegorieen, and wurden wohl auch von Aristoteles selbst so kuri 
behandelt, Joss nach wir nicht ausführlicher mt sie eingehen 
können *)• 

Die wesentliche Bedeutung der Kategorieenlebre liegt darin, 
dass sie eine Anleitung giebt, ntn die verschiedenen Bedeutungen 
der Begriffe und ihnen entsprechend die verschiedenen Beziehungen 
des Wirklichen za unterscheiden. So wird hier zunächst das Ur- 
sprüngliche an jedem Ding, sein unveränderliches Wesen oder seine 
Substanz, von allem Abgeleiteten unterschieden. Innerhalb des letz- 
tere» sondern sich dann wieder die Eigenschaften, die Thätigkeilen 
and die äusseren Umstände. Die Eigenschaften sind theils solche, 
welche den Dingen an sich zukommen, und sie drücken in diesen 
Fall bald eine quantitative bald eine qualitative Bestimmtheit aus, 
d. h. sie beziehen sich entweder auf das Substrat, oder auf die 
Form *); theils solche, welche den Dingen nur im Verhältoiss zu 



ebenso die Materie (Phyi. II, 2. 194, b, B), und warum dann nicht auch die 
Form? 

1) Dia verschiedenen Eigentümlichkeiten des Belativen, welche Kat. c. 7 
genannt werden, finden sieh alle, wie eboii dasei bat bemerkt wird, nur bei einem 
Ttteil demselben; so die svivriinj: (8, b, 16 vgl. Metaph. X, 6. 1056, b, 36, c 7. 
1067, a, 37 nnd dam Themdbi.bkbubq 123 f.), du [tsQütov in* iJctdv, die Eigen- 
schaft, daaa die aufeinander Belogenen gleichzeitig sind (Kat. 7, b, 16), welche 
bei dem Relativen der «weiten Klasse (dem lx:rro]iai n. a, f. s. 195, 6) nah nicht 
findet. Nur das ist ein allgemeines Merkmal allea Relativen, daaa ihm ein 
Correlatbogriff entspricht (to itpöf ecvT[<np*?ovTi l^teAe« Kat. 6, b, 27 ff.), was 
im Grunde mit der zuerst (c. 7 , Anf.) aufgestellten nnd auch später (8, a, 33) 

• wiederholten Bestimmang zusammenfällt, ein repit Tl sei 6a« aärä försp iotiv 
Ittpwv eW Xtytxat f[ ™n>;aÜY äXXbi; itpb( üxepov, nur dass diese minder genau 
ist, Einr.elaubstanaen (xpÜT« wlmai) krtnnon kein Relatives sein, wohl »her 
Gattungsbegriffe (Stunpu oMi| Kat. 8, s, 13 ff. 

2) In dem rasch abbrechenden Scblnss der Kategorieenc.Sfs.o.S. 61) wird 
nnr Aber dal khe1v nnd itbayti» bemerkt, es sei des Gegensatzes und des Mehr und 
Minder ffthig, in Betreff der andern Kategorieen wird auf das Frühere verwiesen. 
Ausführlicher bespricht gen, et oorr; I, 7 das Thun und Leiden-, »her im phyni- 
kalisohen Sinn, wesiwegen dieser BrOrternng Bpiter so. erwähnen ist. Dan 
Haben wird Metaph. V, 16. Kateg. c. 16 (in den Postpradictmenten) lexikalisch 
erörtert. 

8) Das Quäle ist, wie T*esi>sc.Eiiioao 8. 108 richtig bemerkt, mit sar 
Form, das Quantum mit der Materie verwandt; s. o. 193, 8. 198, ft. 6 vgl. ra. 
S. 146, 1. So wird aneh die Aehniiohkeit, welobe nach Allst. In dar qualitativ 



Kategorie«». {07 

Anderem zukommen, ein Relatives 0- In Betreff der Thitigkeilen 
ist der eingreifendste Gegensatz der des Tbuns und Leidens, wo- 
gegen die Kategorieen des Habens und der Lage, wie bemerkt *)i 
nnr eine unsichere Stellung haben, und von Aristoteles selbst spater 
stillschweigend aufgegeben werden. Bei den äusseren Umstanden 
endlieh handelt es sich theils um die räumlichen, theils um die zeit- 
lichen Verhältnisse, um das Wo und das Wann; strenggenommen 
hätten aber freilich beide unter die Kategorie des Relativen ge- 
stellt werden müssen , und vielleicht ist es diese Verwandtschaft, 
welche den Philosophen bestimmt, sie ihr in der Regel unmittelbar 
folgen zu lassen 3 > Alle Kategorieen führen aber immer wieder 
auf die Substanz als ihren Träger zurück *), und so wird es zu- 
nächst die Untersuchung über die Substanz, das Seiende ah) solches, 
sein , von welcher die Erforschung des Wirklichen auszugehen hat. 

2. Die erste Philosophie als die Wissenschaft de« Seienden. 
Wenn die Wissenschaft Oberhaupt die Aufgabe hat, die Gründe 
der Dinge zu erforschen 5 ), so wird die höchste Wissenschaft die 



Ten Gleichheit besteht (194, S. 195, 4), anderswo als Gleichheit dec Form de- 
finirt (Metaph. X, 3. 1054, b, 3: Speis; 5k law (ti) teuhä ärtXüf 5vw . . . xarä t'o 
sföoc :a>ri f,) , Metapb. IV, 5. 1010, a, 23 f. wird msbv and holov mit xoebt und 
t!3u; vertauscht, and Metaph. XI, 4. 1063, a, 27 das imbv zur <pt>ot{ üpiapAtj, 
das icoabv (wie die Materie s. n.) aar ädpirt«« gerechnet. 

1) Alle VerhSltnissbegriffe beliehen sich ja auf das Abgeleitete, dl« Sah 
«Urnen Bind kein ito6i xt, e. o. 106, 1, 

1) S.o. 191,3. 

3) Dsüh diese nicht ausnahmslos geschieht, wird ans S. 191, 3 erhallen. 

4) Anal. post. 1, 33. 63, b, 11 i k&vts fap -taQts (das Wov n. s. w.) eu|iB*- 
pr,xi xat xectöi tuv oüouüv xarcTjYoofttin (Ueber das oujtjiijJijxBf in diesem Sinn s. 
m. B. 148, 6.) Aehnlioh Z. 10. c. 4. 73, h, 5. Pbjs. I, 1. 195, a, 81: oiWv -jap 
tüi äUtov XüipiTtiv jjrt irapi TJjV oJofav" Jtiv-a yip lad' ÖSokeijUvo« tff{ O'ioit»; 
Wfetsi (wss aber xafl' ünoxsifi^yo« ausgesagt wird, ist ein ouppcp^xbc im wei- 
teren Sinn; Anal. post. I, 4. 78, b, S. Metaph. V, 80, Sohl o. A.). c. 7. 190, a, 
34: tai yhp naabv xa\ ROtbv xa\ xpbf Ittpoi xa'i JtoTt xsl ICaü rivnw üitoxi i[uii>au 
t'-ibs Sii tb pivTp ti]v oüaiiv p.i;Btve( xct' c&Xou U-rsoOai ünoxtipAoa rä S' iXXs 
KavtmaTa -rijj oüda;. Metaph. VII, 1. 1038, a, 13. Ebd. Z. 33t ksvtbw f| oiW 
"prärov ril loyti) xai -fKÜOft xa'i XP^**^ i T s'- ^ss ganse Kap.). e. 4. 1039, b, 38. 
e. 13. 1019, b, 27. IX, 1, Anf. XIV, 1. 1088, b, 4: fcttspov T ip [tfj ( eä<n«c) icmbi 
si xati)Yop:si. gen. et corr. I, B. 817, b, 6. Daher steht in allen Aufzahlungen 
die ovdo voran. »Vgl. auch unten Kap. 6, 1. 

5) 9. e, 8, 110. Es gebort hie lier.n am entlich Metaph. 1, 1, wo mit Anknüpfung 

. Gooslc 



198 AriitotaUa. 

sein, welche sich inf die leisten und allgemeinsten Gründe bezieht: 
denn sie gewahrt des umfassendste Wissen, da unter dem Allge- 
meinsten alles Andere begriffen ist; dasjenige ferner, welches am 
Schwersten zu erlangen ist, da die allgemeinsten Frincipien von der 
sinnlichen Erfahrung am Weitesten abliegen; das sieberste, weil 
sie es mit den einfachsten Begriffen and Grundsätzen zu thnn hat; 
das belehrendste, weil sie die obersten Grunde aufzeigt Olle Be- 
lehrung aber ist Angabe der Gründe); dasjenige, welches am 
Meisten Selbstzweck ist, weil es sich mit dem höchsten Gegenstande 
des Wissens beschäftigt; das, welches alles andere Wissen be- 
herrscht, weil es die Zwecke, denen Alles dient, feststellt ')• Soll 
aber eine Wissenschaft die letzten Grunde angeben, so muss sie 
alles Wirkliebe schlechthin umfassen , denn die lotsten Grunde sind 
nur die, welche das Seiende als solches erklären *). Andere Wis- 
senschaften, die Physik und die Mathematik, mögen sich auf ein be- 
sonderes Gebiet beschränken, dessen Begriff sie nicht weiter ab- 
leiten: die Wissenschaft von den höchsten Gründen muss auf die 
Gesammtheü der Dinge eingehen , und sie hat dieselben nicht auf 
endliche Principien, sondern auf ihre ewigen Ursachen und in letz- 
ter Beziehung auf das Unbewegte und Unkörperliche zurückzufüh- 
ren, von dem alle Bewegung und Gestaltung im Körperlichen aus- 
gebt *). Diese Wissenschaft ist die erste Philosophie, welche An- 
us die herrschenden Vitra teil migeii über die Weisheit gezeigt wird (961, h, 30): 
ö ]iiv £|ij[£!po( tüv isoiavoüv Iyävtiuv aJoÖTjoiv tfcai BoxS vop&npaf , o $L ttj/ytofi 
tiuv ijiKELpruv, jiiipimfvvou & «pY^TexTWV , at 81 8(tupj|-nx«t iG.v kuo-jTexüv [i£0.ov. 
Diiher: 8ti )ib o3v Jj oooia jetp: was aliiat ik\ «fX&i imi £kuiti}u,i], Bip.ov. 

1) Metapb. I, 2, wo dag Obige 982, b, 7 dabin zusnnirotng einsät wird: £ 
inivtiuv oBv luv Eipr,[w'viuv bei tjjv aurijv eniimi[i^ icimti t« tTjvoüpjLVQ* ävofia 
(der «&y(a)' &i fip T«ii-nj« tüv jtpeuiwv äpj(üv *"* "fr™* «k» 6tu>pi]TUHjv. Vgl. 
III, 3. 996, b, 8 ff. Eth. N. VI, T. Metaph. VI, 1. 1026, a, 31: t^v tiiu«t4ti|* 
[inianiHj]v] SC rafft to tiiiuütstov y^vo< iTvai. od jitv süv OEuptvriiuä tüv ÖXXwv itt- 
oo](muv alperünpei, aütr, Be tiuv BcuptjTixüv. 

3) Mataph. IV, 1 : torrv feionju)] Ti( f, Btmpii ib It }\ 5v xo\ ti toütiu inip- 
vwra xafl' «iid. «Et») S' £jtiv oü&f[u$ tüv h f^pet Xe^Bfi/veiv fj adti{' oüSijaIix yop 
luv öJLXuiy inioxoiMf xaBdlou mpt toü üvtoc. f, Sv , iXii pipo; oJtoÜ ti fawnpiptiK 
mpl toijtou Biupofai to sup.Ju£«]xiJ; . . . ir.ii Sc tat ip"/i f **' T * 1 » äxpoT&Toet a!tiw 
t>)roüpjv , BtjXoy '«j ?\Satt&( tivoc «äiif äverptdiav eTwk xafl ' afrn{v. . . . 8tö xit Jj[ü» 
toü övro( $ Sv Tat itpoVrac ohlaj JLijnrAiv. Vgl. Anm. 3 und 8. 110, 5, 

3) 8. vor. Anm. n. Hetaph. VI, 1: al äpx>> »«' ta a'tta (ijtAw tüv «ran, 
EijÄBv Si Sa J «vta. Jade Wioaenaeaaft nftailich hat es mit gairja*t>n PrinoipiaB 



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Aufgabe d. eilten Philosophie. 109 

stoteles auch Theologie nennt *)■ Die erste Philosophie hat somit 
die Aufgabe, das Wirkliche überhaupt und die letzten Gründe des- 
selben zu untersuchen, die als die letzten nothwendig auch die all- 
gemeinsten sind, und sich auf alles Wirkliche schlechthin, nicht blos 
auf einen Theil desselben, beziehen. 

Gegen die Möglichkeit dieser Wissenschaft Hessen sich nun 
freilich manche Bedenken erheben. Wie kann eine und dieselbe 
Wissenschaft die verschiedenerlei Ursachen behandeln, die über- 
diess gar nicht bei Allem sännntlich mitwirken? Wie könnte ande- 
rerseits, wenn man die Ursachen jeder Gattung einer besonderen 
Wissenschaft zuweisen wollte, eine ron diesen darauf Anspruch 
machen, die oben gesuchte zu sein , deren Eigenschaften sich viel- 
mehr in diesem Fall an jene besonderen Wissenschaften vertbeilen 
würden? 3 ) Soll ferner die erste Philosophie auch die Grundsätze 
des wissenschaftlichen Verfahrens in ihren Bereich ziehen, und 
können diese überhaupt einer bestimmten Wissenschaft angehören, 
da sich alle Wissenschaften ihrer bedienen , nnd da sich kein be- 
stimmter Gegenstand angeben lasst, auf den sie sich beziehen? 8 ) 



und Ursachen zn thun. ÄU.a izSaai bStbi (lorcpix^, jiaOjj[i.aTwä; □. s. w.] mpt h 
ti i«t i$hj( ti nepi-jpailifitiai itEp\ toJto« 7rpaniattiovtai, «IX* eä/) «spi övtot xk- 
XSn oiäi Jj 3v, oiSSi toü ti fem oüWva i-iyov jroioOmu- «XV fc to4tou a[ jiiv alothj- 
«i mi^Matu aürb Bjjiov, al S' 'JTÖfiEuiy lafiouooi to t( ioriv oDnu tö u9' aika 
faipforta lip f £V£i XEp't S eIoiv änoBEixviSouoty 1) iva^xaiorEpov lj jiaXaxioTipav. . . . 
o|u>i<L>s St oüS' t! ieriiv J] (j.t[ e'ffti to yEVot ntp'i 5 TTfa-fjiiTEÜoVTat ouälv Xe^oiiS! Sib t'o 
Tij! sijt^; cda-i Siavoiot( T<5 te ti fori StjXqv noiElv xol Et ebtiv. 8o die Physik, so die 
Uuheswtik, jene hinsichtlich des Bewegten, hei welchem die Form Tom Stoff 
i licht getrennt ist, diese im besten Fall hinsichtlich eines solchen, hei dem »an 
Stoff und Bewegung aLutrahirt wird, das aber nicht als ein atofffose* nnd un- 
bewegtes für sich existirt (vgl. S. 124, 5). El Se tl Intt iÖiO* xat ixLvijt&v xeit 
X.0MISTOT , favEpbv Öt: SwojuiTuüjt to fviÜvat. oii (itvroi <puaixf ( ; y« . . . Quäl uaBi](i«v- 
T«ij(, iXXi jtpoTtfo« ä[i<ptfiv. Gegenstand dieser Wissenschaft sind die ^atpwt* 
«airäi«]™, ivarxi] 81 TtaVTn plv to aJtta «ßia [IvM, fiiXmro öe niw Tcrtiia r«p 
«in« tbw yavspo« twv fliimv. In ihnen, wenn Irgendwo, ist das fl£fov EU »unlitn; 
mit ihnen steht und lallt die Möglichkeit einer ersten Philosophie: wenn es 
kein« andern als die natürlichen Substanzen giebt, ist die Physik die erste 
Wissenschaft; e! 8' iaxi ~.ii oiaia «xlvj]TO(, aOti] Jtpottp« x«t j:Xoatnpii Kput)] xat 
uKXou oGiu( 8xt xjpwiT]* x«t itEpl TOÜ övro; jj 8v Taunjc äv Eb] IJEliipijjai xal Tt iort 
»^ ti änip;(. oy T' J ÖV 

1) HeUph. ft. «- 0. n. t, Öt. s. o. 124, 6. 

1) MeUph. DI, U 996, b, i. c. 2, Anf. 

*) A. t, O. o, 1. 996, b, 6. e. 3. 996, b, 36 Tgl. oben & 170, S. 173, 3. 4. 



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300 Arl.toLUt, 

Soll es eine einzige Wissenschaft sein, welche sich mit allen Klüsen 
des Wirklichen beschäftigt oder mehrere ? Sind es mehrere, so fragt 
es sich, ob sie alle von derselben Art sind, oder nicht, und welche 
von ihnen die erste Philosophie ist; ist es nur Eine, so mftsste diese, 
wie es scheint, alle Gegenstände des Wissens umfassen, die Mehr- 
heit besonderer Wissenschaften wäre aufgehoben ')■ Soll sich 
endlich diese Wissenschaft nur anf die Substanzen bezieben oder 
zugleich auch auf ihre Eigenschaften? Jenes scheint unzulässig, 
weil sich dann nicht sagen Hesse, welche Wissenschaft es mit den 
Eigenschaften des Seienden zu thun hat; dieses, weil die Substan- 
zen nicht auf dem Wege der Beweisführung erkannt werden, wie 
die Eigenschaften *)• 

Auf diese Fragen antwortet Aristoteles mit der Bemerkung, 
dass nicht blos dasjenige Einer Wissenschaft angehöre, was unter 
den gleichen Begriff fällt, sondern auch das, was sich auf den glei- 
chen Gegenstand bezieht *); da nun eben dieses bei dem Seienden 
der Fall sei, da ein Seiendes nur dasjenige genannt werde, was 
entweder selbst Substanz ist, oder sich irgendwie anf die Substanz 
bezieht, da alle jene Begriffe, um die es sich bandelt, entweder 
Substantielles bezeichnen, oder Eigenschaften, Thätigkeiten und Zu- 
stände der Substanz, da sie alle sich am Ende auf gewisse einfach- 
ste Gegensätze zurückführen lassen, das Entgegengesetzte aber 
anter dieselbe Wissenschaft falle *}, so werde es eine und die- 
selbe Wissenschaft sein, welche alles Seiende als solches zu be- 
trachten habe 6 ). Das Bedenken aber, dass diese Wissenschaft den 

1) A. a. 0. o. t. 996, b, 10. c. 2. 997, *, 15. 

2) C. 1. 996, b, 16. o. 2. 997, a, 26. Zu den supßcßqxrfn ts"; o-jbli.; wer- 
den «nch die 996, b, 30 aufgetHhlteo Begriffe de« tiihbv, Frapov, Sjioiov, hui- 
riov n. e. f. au rechnen »eis; Tgl. IV, 2. 1003, b, 34 ff. 1004, a, 16 ff. Die wei- 
teren Aporieoii des zweiten Buchs, welcbe nicht Mos den Begriff der ersten 
Philosophie, sondern dae Materielle ihres Inhalt« betreffen, werden spSter an- 
geführt werden. 

3) Metaph. IV, 2. 1003, b, 12: od rlp (irfvov -üv *oQ' h Xtyopiiun fctortf- 
[itj< iaii SOdpijaai [iräi, iXXk xa'i tüv npb( jj.(av Xs-fOjiivtuv ?fatv. Ebd. Z. 19. 1004* 
a, 24. Tgl. Anm. 6 nnd über den Unterschied von xifl' h nnd 7tpb( tv Metaph- 
Vit, 4. 1030, a, S4 ff. 

4) Hierüber t. m. 8. 152, 6. 

6) Metaph. IV, 2: t'o 8i Sv XlvstiXi |ikv xoWxyCyi, älXa Jtpbt I* xa'i piiav mi 
■f lisiv (wofür nachher; Siwv itfot [itav äfK*|V) **'> °^X ty<&«k*a<i ■ ■ ■ ■ *** r* T*P 



JigilizBdby G00gle 



Aufgabe ä, eraten Philosophie. 201 

Inhalt alter andern in sich aufnehmen müsste, hebt sich im Sinne 
des Aristoles durch die Unterscheidung der verschiedenen Bedeu- 
tungen des Seienden. Wenn es die Philosophie überhaupt mit dem 
wesenhaflen Sein zu thun hat, so wird es so viele Theile der Philo- 
sophie geben, als es Gattungen des wesentlichen Seins giebl *), und 
wie sich das bestimmte Sein von dem allgemeinen unterscheidet, so 
unterscheidet sich die erste Philosophie als die allgemeine Wissen- 
schaft von den besondern Wissenschaften: sie betrachtet auch das 
Besondere nicht in seiner Besonderheit, sondern nur als ein Seien- 
des, sie sieht von dem Eigentümlichen ab, wodurch es sich von 
Anderem unterscheidet, um nur das an ihm in's Auge zu fassen, 
was allem Seienden zukommt 1 ). Nach weniger wird unsern Philoso- 
phen die Einrede stören dürfen *), dass die Substanz selbst in an- 
derer Weise behandelt werden müsste, als das, was ihr abgeleiteter- 
weise zukommt , da ja das Gleiche von den Grundbegriffen jeder 
Wissenschaft gilt 4 ). Wird endlich gefragt, ob die erste Philosophie 
auch die allgemeinen Grundsätze des wissenschaftlichen Verfahrens 
zu erörtern habe, so bejaht Aristoteles diese Frage unbedenklich, 



Sti oüoiai öVtaUyetai, ta 3' Brt safli] oSs(*(, ta ä' Brt SSit; ei; oiaiav, J) tpOopsi (j 
awpijome 1\ TtonättpTEf 3) noiifiuta Jj yeivijTtxi uiaio( , J) tülv xpaf t)jv oWav J^eyoui- 
vuv , rj Toutiui X'.vb; inof iaai; ?, oüoiaj - Bio xat tu fiij Sv ä-nu |i)[ Sv ?auiv. Auch 
die Betrachtung den Einet] gehurt dieser Wissen schaft au, denn das tv und daa 
3« sind (ebd. 1003, b, 22) toütov xa'i [ila <ptiat( tu ÖxqX&uÖEiv, i&ajtEp ötpyjrj xa'i 
«kiov, «JA' oä)[ wj tvl Xäfca Si]XoiJ[»Eva. . . . BijXov olv Eti kA to Övta |*Tä( flEiopiJeai 
fj öyrn. jcatnanroS Se xupio>( toü jcpwrou ^ fatrajtu] xa\ ££ o3 ta äXXa ^pT^Tai xat SV 
1 X£rovrai. d öS» «in* teto fj oOofa, tS» wJoiGv «v 86u Tat öpx«c *ft ti( »Mas 
EX."» ™ =fiX4a°fov. ... äii> *at toü 3vto( Boa effirj ÖEiupijaai u.iü; taxiv fatrofjuic tw 
ftei x« te e"6i] tüv eBüjv. Weiteres 1004, a, 'J ff. 25. b, 27 ff. 

1) Mßiapli. IV. «. 1004, a, 2 n. S. Tgl. S. 124, 5. 

2) Metapn. IV, 2. 1004, a, 9 ff.: Da Bich die Begriffe des Einen nnd Vielen, 
der Identität* dar Verschiedenheit u. s. w. auf einen und denselben Gegenstand 
beliehen, hat sich auch eine und dieselbe Wissenschaft damit an befassen; 

1004, b, 5: litt'. alv teu svö; äj tv xat toB övroc Jj Gv xaura xaft' aM (ix: xaft), «XX' 
a&Y_ j- äpifttiol ^ ypou^Lol ij itup, BijXav ruf iwivi)( Tijt faiTnJpjf xa'i ri (Vli fviop/aai 
tat -.i ovp.ßEßi)xdT' aatoiä- Wie die mathematischen und die physikalischen 
Eigenschaften der Dinge ein elgenthfltnlicbes Qebiet bilden, oStw xa'i -:& SVti 
l| Sv feii Tita Beb, xsl Totrt' £rft Jcap\ iuv tau pAoaöpou tSciTXc|aa6a! T«Xi]W( . Ebd. 

1005, a, 8. Weiter erläutert wird dieas XI, 3. 1061, a, 28 ff. 

3) Welche In der Metaphysik gar nicht ausdrücklich beantwortet wird. 

4) S. o. B. 170 ff. 



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302 AtUUtalea, 

weil auch diese sich auf das Seiende überhaupt , nicht auf eine be- 
stimmte Klasse desselben beziehen ') ; und er gehl demgemäss so- 
fort auf eine ausführliche Untersuchung über den Satz des Wider- 
spruchs und des ausgeschlossenen Dritten ein, deren wir wegen 
ihrer methodologischen Bedeutung schon in einem früheren Ab- 
schnitt 1 ) erwähnen mussten; Aristoteles selbst freilich fasst sie zu- 
nächst ontologisch, als Aussagen über das Wirkliche, und bespricht 
sie desshalb in der ersten Philosophie. 

3. Die metaphysischen Grundfragen und ihr« Behandlung bei 
den froheren Philosophen. 

Für die metaphysische Untersuchung selbst hatten unserem 
Philosophen seine Vorgänger eine Reihe von Autgaben hinterlassen, 
für die er eine neue Lösung- nothig fand. Die wichtigsten nnter 
denselben und diejenigen, aus deren Beantwortung die Grundbe- 
griffe seines Systems zunächst hervorgehen, sind diese: 

1) Vor Allem fragt ds sich, wie wir nns das Wirkliche über- 
haupt zu denken haben? Giefot es nur Körperliches, wie dies* die 
vorsokratische Naturphilosophie im Allgemeinen voraussetzte, oder 
neben und über demselben ein Unkörperliches, wie Anaxagoras, 
die Megariker, Plalo annahmen? Sind daher auch die letzten Gründe 
nnr stofflicher Natur, oder ist vom Stoffe die Form als ein eigen- 
thümliches und höheres Princip zu unterscheiden? 

2) Hiemit hängt weiter die Frage nach dem Verbällniss des 
Einzelnen und des Allgemeinen zusammen. Was ist das Wesen- 
hafte und ursprünglich Wirkliche ; die Einzelwesen oder die alige- 
meinen Begriffe, oder ist vielleicht gar in Wahrheit nur Ein allge- 
meines Sein anzunehmen? Das Erste ist die gewöhnliehe Vorstel- 
lung, wie sie zuletzt noch in dem Nomin ulismus des Antisthenes 
mit aller Schroffheit hervorgetreten war; das Andere hatte Plato, 
das Dritte Pannenides und. nach ihm Euklides behauptet. 

3) Wenn uns in der Erfahrung sowohl Einheit als Mannigfal- 
tigkeit des Seins gegeben sind, wie lassen sich beide zusammen- 
denken? Kann das Eine zugleich ein Vielfaches sein, eine Mehrheit 
von Theilen und Eigenschaften in sich schliessen, das Viele zu 
einer wirklieben Einheit zusammengehen? Auch auf diese Frage 

1) MeUph. IV, s. 

S) 8. 174 f. 



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Metaphysische Probleme. DOS 

lauteten die Antworten sehr verschieden. Parmejiides und Zeno 
hatten die Vereinbarkeit beider Bestimmungen gelungne!, und dess- 
balb die Vielheit für eine Täuschung erklärt, derselben Voraus- 
setzung bedienten sich die Sophisten für ihre Eristik *}» Antisthenes 
für seine Erkenntnisstheorie 0- Die atomis tische und empedoklet- 
sche Physik beschränkte die Verknüpfung des Vielen zur Einheit 
auf eine äusserliche, mechanische, Zusammensetzung. Die Pytha- 
goreer liessen in den Zahlen, mit bestimmterem wissenschaftlichem 
ßewusstsein Plato in den Begriffen eine Mehrheit unterschiedener 
Bestimmungen sich zu innerer Einheit verbinden, wahrend das 
gleiche Verhältniss in den sinnlichen Dingen dem Letzteren zum 
Anstoss gereichte. Und wie über das Zusammensein des Vielen in 
Einem so lauteten 

4} auch aber den Uebergang des Einen in ein Anderes, über 
die Veränderung und das Werden, die Ansichten sehr verschieden. 
Wie kann das Seiende zum NichtSeienden oder das Nichtseiende 
zum Seienden werden, wie kann etwas entstehen oder vergehen, 
sich bewegen oder verändern? so hatten Parmenides und Zeno 
zweifelnd gefragt , und Megariker und Sophisten hatten nicht ge- 
säumt, ihre Bedenken zu wiederholen. Die gleichen Bedenken be- 
stimmten Empedokles und Anaxagoras, Leucipp und Demekrit, das 
Entstehen und Vergehen auf die Verbindung und Trennung unver- 
änderlicher Stoffe zurückzuführen. Auch Plato hatte ihnen aber noch 
so viel eingeräumt, dass er die Veränderung auf das Gebiet der Er- 
scheinung beschränkte, das wahrhaft Wirkliche dagegen davon 
ausnahm. 

Aristoteles fasst alle diese Fragen scharf in's Auge. Auf die 
zwei ersten beziehen sich ihrer Hehrzahl nach 3 ) die Aporieen, mit 
denen er sein grosses metaphysisches Werk nach den einleitenden 
Erörterungen des ersten Buchs im dritten (B) eröffnet. Sind die 
rinnlichen Dinge das einzige wesenhafte Sein oder giebt es neben 
ihnen noch ein anderes? und ist dieses letztere von einerlei Art 
oder ein mehrfaches, wie die Ideen und das Mathematische bei 



1) 8. B. 1,763.764, 1. 

!) 8. lato Abth. B. 210 f. 

3) Mit Ausnahme der so eben besprochenen, welche die Aufgabe der 
•nten Philosophie im Allgemeinen betreffen . 



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204 Ariatotelei. 

Plato? Gegen die Beschränkung desSeins auf die sinnlichen Dinge 
sprechen dieselben Gründe, auf welche schon Plato seine Ideen- 
lehre gebaut hatte: dass das sinnlich Einzelne in seiner Vergäng- 
lichkeit und Unbestimmtheit nicht Gegenstand des Wissens sein 
kann s ), und dass alles Sinnliche als ein Vergängliches eine ewige, 
als ein Bewegtes eine unbewegte, als ein Geformtes eine formende 
Ursache voraussetzt 3 ); aber den platonischen Annahmen. stehen, 
wie wir sogleich finden werden, die mannigfachsten Schwierigkei- 
ten entgegen. Das gleiche Problem wiederholt sich in der Frage 4 ), 
ob die letzten Gründe der Dinge in ihren Gattungen oder in ihren 
Bestandteilen zu suchen seien; denn diese sind eben der Grund 
ihrer stofflichen Beschaffenheit, jene ihrer FormbestHumtheit *). 
Für beide Annahmen lasst sich Scheinbares anführen: einerseits die 
Analogie des Körperlichen, dessen Bestandteile wir nennen, wenn 
wir seine Beschaffenheit erklären wollen; andererseits die Anfor- 
derungen des Wissens, das durch Begriffsbestiimnung, durch An- 
gabe der Gattungen und Arten, gewonnen wird. Auch zwischen 
diesen erhebt sich aber freilich sofort die Streitfrage, ob die ober- 
sten Gattungen oder die untersten Arten als die eigentlichen Prin- 
cipien zu betrachten sind: jene sind das Allgemeine, was alle Ein- 
zelwesen umfasst, wie diess ein letztes Princip soll; diese das 
Bestimmte, aus welchem sich das Einzelne in seiner Eigentüm- 
lichkeit allein herleiten lässt *). Auf den gleichen Erwägungen 
beruht das Bedenken, welches Aristoteles mit Recht besonders her- 
vorhebt ''), oh nur die Einzelwesen ein Wirkliches sind, oder neben 

1) Metapb. III, 2. 99T, o, IM ff. (XI, 1. 106«, m, 88. o. 3, 1060, b, 23.) 
DJ, 6. VII, 2. 

2) Motaph. VII, 15. 1039, b, 27. IV, 5. 1009, n, 36. 1010, a, 3 vgl. 1, 6. 
987, a, 84. XIII, 9. 1086, a, 37. b, 8. 

3) Ebd. III, 4. 999, b, 3 ff. 

4) Metaph. III, 3: Bottpov Mt> y^vi; rcotfßit xa'i äpx&j SmXa|ißBVEiv ]) u.Sl- 
Xov Ö; äv fcMmpxdvEWv ifrAv ixaa-nv npürov. (XI, 1. 1069, b, 31.) 

5) S.o. 192,6. 198,6. 196,3. 

6) Metapb. a. s. O. 998, b, 14 ff. (XI, 1. 1059, b, 34.) Ans den verschie- 
denen und oft etwas verwickelten Wendungen der aristo telUchen Dialektik 
bann lob natürlich bier und im Weiteren nur die Hauptgründe herausheben. 

7) Metapb. III, 4, Anf. c. 6, Schi. (vgl. VII, 13 f.) XID, «. XI, 2, Anf. 
ebd. 1060, b, 19. In der eratern Stelle wird diese Aporie die Jts*S>v ^aXucuün] 
■oit ävayxatoiiTi) Bciupijaai genannt, ähnlich XIII, 10. 10B6, a, 10, und wir wer- 

L ,!.zed B y G00gle 



Metaphysische Probleme. 205 

ihnen noch das Allgemeine der Gattungen ; jenes, wie es scheint, 
dessbalb zu verneinen, weit das Gebiet der Einzelwesen ein unbe- 
grenztes, von dem Unbegrenzten aber hei» Wissen möglich ist, 
weil überhaupt alles Wissen auf das Allgemeine gebt; dieses wegen 
aller der Einwurfe, von welchen die Behauptung eines fürsichbe- 
stebenden Allgemeinen, die Ideenlehre, getroffen wird 2 ). Eine 
Anwendung dieser Frage auf den besonderen Fall ist die weitere, 
ob die Begriffe des Einen und des Seienden etwas Substantielles 
oder nur Prädikate eines von ihm selbst verschiedenen Subjekts be- 
zeichnen: jenes müsste annehmen, wer überhaupt das Allgemeine, 
namentlich wer die Zahl für ein Substantielles hält, für dieses spricht 
neben der Analogie aller konkreten Gebiete die Bemerkung, dass 
man das Eine nicht zur Substanz machen kann, ohne mit Parmeni- 
des die Vielheit als solche zu läugnen *). Ebendahin gehört es, 
wenn gefragt wird, ob die Zahlen und Figuren Substanzen seien 
oder keine, und auch hier sind entgegengesetzte Antworten mög- 
lich. Denn da die Eigenschaften der Körper blosse Prädikate sind, 
von denen wir die Körper selbst als ihr Substrat unterscheiden, 
diese aber die Fläche, die Linie, den Punkt und die Einheit als ihre 
Elemente voraussetzen, so scheinen die letzteren etwas ebenso Sub- 
stantielles sein zu müssen, wie jene; während sie doch anderer- 
seits nicht für sich, sondern nur am Körperlichen ihren Bestand 
haben, und nicht wie Substanzen entstehen und vergeben 4 ). Auf 

den später finden, daas ihre Wichtigkeit und ihre Schwierigkeit nicht blos auf 
dem Gegensatz unseres Philosophen gegen Pluto, sondern auch auf dem inne- 
ren Widersprach in den Grundlagen seines eigenen Systems beruht. 

1) Das« diese Aporie mit der S. 204, 1 angeführten lusauimeufsllt,, sagt 
Aciat selbst Metaph. III, 4». 999, b, 1 : e! piv oäv jj.^Se^ eori Jtapa is *a0 ' üxama, 
oüHv «v ED) voijtöv iiii jt&VTa abthjrä, und er bringt dessbalb such hier die 
Gründe, welche schon 8. 204, 3 erwähnt wurden, weil sie nicht vom Begriff 
des Einzelwesens, sondern Ton dem des sinnlichen Wesens hergenommen sind. 
S) Hetaph. in, 4. c 6. 1003, a, 5 vgl. 8. 1 10, 2. Nor ein anderer Aus- 
druck für das Obige ist die Frage (III, 4. 999, b, 24. XI, 1, SchL), ob die ip/oü 
ttSti h oder äptfljiiT) h seien : re ■; ip apiflfiiTi h ^ iq xa&sxartov Xe-(elv jttatpEpet ai9tw 
(999, b, 38 Tgl. c 6. 1002, b, 30). 

S) Metaph. m, 4. 1001, a, 3 ff. und darauf zu nick weisend X, 2. XI, 1. 
105t, b, 27. e. 2. 1091), a, 36. 

4) Ebd. Ol, 6 (rgL XI, 2. 1060, b, 12 ff. and in 8. 1009, b, 82: VIII, 6, 
Inf. c 3. 1046, b, 15). Weitere Gegengrflnde gegen jene Annahme werden 
aus in der Kritik der pythagoreischen und platonischen Lehre begegnen. 



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306 Atiitotelei. 

das VerhfiHniss des Einzelnen und du Allgemeinen führt ferner 
auch die Schwierigkeit zurück, dass die Principien einerseits, wie es 
scheint, ein Potentielle« sein müssen, weil die Möglichkeit der Wirk- 
lichkeit vorangeht, andererseits ein Aktuelles , weil sonst das Sek 
zu etwas Zufälligem wurde l ) ; denn das Einzelne existirt aktuell, 
der allgemeine Begriff, sofern er nicht in Einzelwesen Dasein ge- 
wonnen hat, nur potentiell Wird endlich neben dem Körperlichen 
auch Unkörperliches, neben dem Vergänglichen Unvergängliches 
zugegeben, so lässt sich die Frage nicht umgeben, ob beide die 
gleichen Gründe haben *), oder nicht? Wird sie bejaht, so scheint 
es unmöglich, ihren Unterschied zu erklären; wird sie verneint, 
so wäre zu sagen, ob die Gründe des Vergänglichen ihrerseits ver- 
gänglich oder unvergänglich sind. Wenn jenes, so miieste man sie 
auf andere Principien zurückfahren, bei denen sich die gleiche 
Schwierigkeit wiederholte, wenn dieses, so müsste gezeigt werden, 
wie es kommt, dass aus dem Unvergänglichen in dem einen Fall 
Vergängliches, in dem andern Unvergängliches hervorgeht 8 ). Das 
Gleiche gilt aber von den verschiedenen Klassen des Seienden 
Überhaupt: wie ist es möglieb, das, was anter ganz verschiedene 
Kategorieen fällt, wie z. B. Substantielles und Relatives, auf diesel- 
ben Gründe zurückzuführen? 4 ) 

Auch die weiteren Fragen jedoch , welche wir oben berahrt 
haben , über die Einheit des Mannigfaltigen und die Veränderung, 
hat sich unser Philosoph mit aller Bestimmtheit vorgelegt und in 
den Grundbegriffen seiner Metaphysik ihre Lösung versucht. Die 
Verbindung des Mannigfaltigen zur Einheit beschäftigt ihn haupt- 
sächlich aus Anlass der Untersuchung, wie die Gattung und die un- 
terscheidenden Merkmale im Begriff eins sein können b ~), die gleiche 



1) Ebd. Hl, 6. 1003, b, 33 vgl. Boniti und Schwbolkb x. d. 8t 

2} Wie die*» Plato, gerade der aristotelischen Daratellung nach, i 
«, Ute Abth. 8. 476 f. 616 f. 

3} Uetaph. III, 4. 1000, a, 5 ff. (XI, 2. 1060, a, 37). 

4) Bbd. XII, 4. Di« Antwort dea Ariat. («. a. O. 1070, b, 17) ist: die 
letzten Gründe seien nur der Analogie nach die gleichen für Alles. Vgl. S. 
166, 2. 

8) Diese Frage, «ohon Anal. polt II, 6. 92, a, 29, De interpr. c. 5. 17, «,1* 
aufgeworfen, wird Metaph. VH, 12 ausführlicher erörtert, VIII, S. 1041, fc, 4 ff. 
1044, a, 6 wieder berührt, und VIII, 6 in der angegebenen Wiibc erledigt. 
Vgl. B. 148, 1. _ . 



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Metaphysische Trobleino. 207 

Frage liesse sich aber überall aufwerfen, wo Verschiedenartiges ver- 
knüpft ist '), nnd die Antwort ist nach Aristoteles, wie wir finden 
werden, in allen diesen fällen Im Wesentlichen die gleiche: sie 
beruht auf dem Verfaaitniss des Möglichen und des Wirklichen, des 
Stoffs nnd der Form *). Noch wichtiger ist jedoch für das aristo- 
telische System das Problem des Werdens nnd der Veränderung. 
Wird das, was entsteht, ans dem Seienden oder dem Nichtseienden, 
das was vergeht, zu etwas, oder zu nichts? ist die Veränderung ein 
Werden des Entgegengesetzten aus dem Entgegengesetzten oder 
des Selbigen ans dem Selbigen? das Eine scheint unmöglich, weil 
nichts aus nichts oder zu nichts werden, oder die Eigenschaften 
seines Gegentheils (die Wärme z. B. die der Kälte) annehmen kann; 
das Andere umgekehrt, weil nichts zu dem erst werden kann, was 
es schon ist s ). Und ähnlich verhält es sich mit der verwandten 
Streitfrage, ob das Gleichartige oder das Entgegengesetzte auf ein- 
ander einwirke *)■ In allen diesen Fragen treten Schwierigkeiten 
zu Tage, welche sich nur durch eine wiederholte Untersuchung der 
philosophischen Grundbegriffe, dnrch eine neue Metaphysik, lösen ■ 
lassen. 

Denn was seine Vorgänger zu ihrer Lösung gethan hatten, diesa 
genügt Aristoteles keineswegs 5 ). Der Mehrzahl der vorsokratischen 

1) So in Betreff der Zahlen (Metaph. VIII, 3. 1044, a, 2. c. 6, Anf.) und 
ins Verhältnisse tob Soele und Leib (a, a. O. c 6. 1045, b, 11. De an. II, 1. 
*1>, b, e ff.); ebenso aber noch in vielen Fallen; vgl. Motapb. VIII, 6. 1046, 
\ 12: xaiiot h afcb; Iä-jos int xävfuv u. e. w. 

!) Tgl. Phys. I, 2, Schi., wo Lykophron n. A. getadelt werden, daas sie 
lieh durch die Folgerung, Eines müsste zugleich Vieles sein, in Verlegenheit 
bringen lieBsen, öjorttf aij< evSE/äjievov taütöv fv tc xn: noXXa sTvai, jjf, TaYTixef- 
[vw U- ioti Y«p vi iv xat Suvijui x«t evtiXe^iIo. 

3}- Vgl. Phys. I, 6. 189, a, 22. c. 7. 190, b, 30. o. 8, Anf. ebd. 191, b, 10 ff. 
gen, et corr. I, 3, Anf. ebd. 317, b, 20 ff. Metaph. XII, 1, Schi. 

4) H. I. hierüber gen. et corr. I, 7. Phys. 1, 6. 189, a, 22. c 7. 190,b,29. 
* 6. 191, a, 34. Diese Frage fallt für Arist. mit der über die Veränderung zu- 
Hnmen, da das Wirkende du Leidende sich Ähnlich macht, fa' »vi-rw, tb 
Kwiov t \- T i, komQv (utBBöXXtiv (gen. et corr. I, 7. 324, a, 9). Es gilt daher auch 
hier, dass einerseits das, was sich nicht entgegengesetzt ist, nicht anf einander 
■uken kann: qZx ijiotijai yip üIjjX« tfj; fiimii^ S<ra firji* Ivavui« [«{t* iE «vjwriu» 
'"* («. ». O. 323, b, 28); andererseits aber du blos Entgegengesetzte gleieh- 
Wh nicht: Src' älÄip.(uv -jap xkrftn tAvomti« äSiivarov (Phys. I, 7. 190, b, 88). 

'•>) H. Tgl. mm Folgenden Stbümpell Gesch. d. thoor. Phil. d. Gr. 167 - - 



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Philosophen macht er zunächst schon ihren Materialismus zum Vorwurf, 
der es ihnen unmöglich mache, die Grunde des UnkÖrperlichen an- 
zugeben 0; einen weiteren Mangel sieht er darin, dass sie die be- 
grifflichen and die Endursachen so gut wie gar nicht berücksichtigt 
haben *). — An den älteren Joniern tadelt er neben den Schwierig- 
keiten, von denen jede einzelne ihrer Annahmen gedrückt wird J ), 
das Uebersehen der bewegenden Ursache *) und die Oberflächlich- 
keit, mit der sie ein beliebiges einzelnes Element zum Grundstoff 
gemacht haben, während doch die sinnlichen Eigenschaften und die 
Veränderungen der Körper durch den Gegensatz der Elemente be- 
dingt seien B ). Das Gleiche gilt auch von Heraklit, sofern er durch 
Aufstellung eines Grundstoffs mit Jonen übereinkommt ( ); ebenso- 
wenig ist aber Aristoteles mit den Lehren, welche ihm eigentüm- 
lich sind, vom Fluss aller Dinge und von dem Zusammensein des 
Entgegengesetzten, zufrieden: die erste, behauptet er, sei theils 
nicht genau genug gefasst, theils übersehe sie, dass jede Verände- 
rung ein Substrat voraussetze, dass im Wechsel des Stoffs die Form 
sicherhalte, dass nicht alle Veränderungen ohne Unterbrechung fort- 
gehen können, dass man aus der Veränderlichkeit der irdischen 
Dinge nicht auf die des Weltganzen schliessen dürfe *}; aus der zwei- 
ten folgert er, dass Heraklit den Satz -des Widerspruchs läugne- 8 }.- 
Empedokles irrt nicht allein in vielen Einzelheiten seiner Naturer- 
klärung, auf die wir hier nicht eingehen, sondern auchindenGrund- 
lagen seines Systems. Seine Voraussetzungen über die Unwaadel- 
barkeit der Grundstoffe machen die qualitative Veränderung, den 

184. BttJkSDiB II, b, 2, 8. 589 ff. Ich »ehe hier übrigens die ari«toUliicb< 
Kritik der früheren Philosophen nur so weit in Betracht, als sie steh auf ihre 
allgemeinen Grand salze bezieht. 

1) Metaph, I, 8, Anf. vgl. IV, 5. 1009, a, 36. 1010, q, I. 

2) Metaph. I, 7. 983, a, 34 ff. b, 28. gen. et corr. II, 9. 335, b, 32 ff. gsu 
an. V, 1. 778, b, 7. 

3) Hierüber s. m. De coelo III, 6. Metaph. I, B. 988, b, 29 ff. 

4) Metaph. I, 8. 988, b, 26. gen. et corr. II, 9. 335, b, 24. 

5) Gen. et corr. II, 1. 329, a, 8. De coelo HI, 5. 304, b, 11 vgl. ebd. 1,1. 
S70, s, 14. Pbys. I, 7. 190, a, 18 ff. III, 5. 205, s, 4. 

6) Ariat. stellt ihn ja gewähnlich mit Thaies, Anaximenes u. s. w. m- 
»aromon; b. unaern 1. Uli. 459, 1. 

7) Metaph. IV, 6. 1010, a, 15 ff. Phjs. VIII, 3. 253, b, 9 ff. 

8) 8. Tb. 1,494, 1. 

3,g,1:zedBy G00gk 



Kritik »einer VMglnger. 300: 

erfahrangsmässjgen UebargMg der Elemente in einander, ihre ein- 
heitliche Verbindung in den abgeleiteten Stoffen, und auch das, was 
er selbst behauptet, die quantitative Gleichheit der Elemente und ihr 
Zusammengehen zum Spbairos, unmöglich '); die Elemente selbst 
sind nicht abgeleitet und auf die ursprünglichen Unterschiede das 
Stofflichen, welche in diesen bestimmten Stoffen (Teuer, Wasser 
u. s. fO sich nur unvollständig darstellen *), zurückgeführt *); der 
Gegensatz des Schweren und Leichten wird nicht erklärt *); für die 
Wechselwirkung der Körper in der Lehre von den Poren und den 
Ausflüssen eine Erklärung gegeben, die folgerichtig zur Atomistik 
führen müsste 6 )- Die zwei bewegenden Ursachen ferner sind weder 
genügend abgeleitet, noch ist ihr Unterschied rein durchgeführt, da 
die Liebe nicht btos einigt, sondern auch trennt, der Hass nicht blos 
trennt, sondern auch einigt ■)»■ und da kein Gesetz ihres Wirkens 
aufgezeigt ist, so muss dem Zufall in der Welt ein übermässiger 
Spielraum gelassen werden ')■ Die Annahme wechselnder Welt- 
zustünde ist willkührlich und unhaltbar 8 )j die Zusammensetzung der 
Seele aus den Elementen verwickelt in Schwierigkeiten aller Art *)■ 
Auch Empedokles endlich muss sich, wie Aristoteles glaubt 10 ), zu 
einem Sensualismus bekennen, der alle Wahrheit unsicher machen 
würde. — Aehnlich ist über die atomistische Lehre zu urtheilen. 
Diese Ansicht hat allerdings ihre sehr scheinbare Begründung. Geht 
man von den eleatischen Voraussetzungen aus und will man doch zu- 
gleich die Vielheit und die Bewegung retten, so ist dieAtomistik der 



1) Metaph.1,8. 969,», 22— 30. gen. et corr. II, 1. 329, b, 1. 0.7. 334, a, 
18. 86. C. 6, Aaf. ebd. I, 1. SU, b, 10. 315, a, 3. e. 8. 325, b, 16. Besonder« 
«ingebend wird aber De ooelo III, 7, Anf. die ompodokleiuch - atumiatiiobe Zu- 
rfickfafcrnng der iXXoiiuoif anf &xprai( bestritten. Vgl. »ach Tb. I, 616, 1. 

2) Die Gegonsttteu de* Warmen, Kalten u. e. w-, anf welche Ariit leine 
Lehre von den Elementen gründet. 

3) Gen. et oorr. I, 6. 326, b, 19. II, 3. SSO, b, 21. 

4) De ooelo IV, 2. S09, a, 19. 

6) Gen. et eorr. I, 8 vgl. Th. I, 616, 1. 

6) 8. Tb. I, 519, 1. Heteph. III, 8. 986, »,25. 

7) Gen. et oorr, Ü, 6. 333, b, 8 ff. (Tgl. Th. I, 62B, 3). Part. an. I, 1. 
640, a, 19. Phy«. VIII, 1. 252, a, 4. 

B) Pl.js. Vm, 1. 351, b, 28 C De ooelo I, 10. 280, a, 11. MeUpta. DI, 4. 
1000, b, 12. 

9) De an. I, 6. 409, b, 23 — 410, b, 27. Metapb. in, 4. 1000, b, S. 
10) Metapb, IV, 6. 1009, b, 12 vgl- Tb, 1, 646. 
FUoa. i. üt. n. B<1. S. Utk. 14 



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SHQ ArUtotelo». 

geeignetste Ausweg; und erwägt man die Unmöglichkeit, dass ein 
Körper in Wirklichkeit schlechthin getheilt sei, so scheint nur übrig 
zu bleiben, dass wir untheilbare Körpereben als seine letzten Be- 
standtheile annehmen l ). Aliein so wenig Aristoteles jene eleatischen 
Voraussetzungen einräumt (_s. u.) , ebensowenig giebt ef auch zu, 
das« die Theiluag der Körper jemals vollendet sein könne 1 ), und 
das» die Entstehung der Dinge als eine Zusammensetzung ans klein- 
sten Theilen, ihr Vergehen als eine Auflösung in solche zu betrach- 
ten sei *)' Untheilbare Körper sind vielmehr unmöglich, weil sich 
jede stetige Grösse immer nur in solches theilen lüsst, was selbst 
wieder tbeilbar ist *)» Atome, die qualitativ nicht verschieden 
sind and nicht auf einander einwirken, können die Eigenschaften 
und die Wechselwirkung der Körper, den Uebergang der Elemente 
in einander, das Werden und die Veränderung nicht erklären s ). 
Wenn ferner die Atome der Zahl und Art nach unendlich sein sollen, 
so ist (Hess verfehlt, da sich die Erscheinungen auch ohne diese 
Voraussetzung erklären, die Unterschiede der Eigenschaften wie die 
der Gestalt sich auf gewisse Grundformen zurückfuhren lassen, und 
da auch die natürlichen Orte und Bewegungen der Elemente der Zahl 
nach begrenzt sind; eine begrenzte Anzahl von Urwesen ist aber 
immer einer unendlichen vorzuziehen, weil das Begrenzte besser 
ist, als das Grenzenlose a ). Die Annahme des leeren Raums ist für 
die Erklärung der Erscheinungen und namentlich der Bewegung, so 
wenig nothwendig '0, dass sie vielmehr die eigentümliche Bewe- 
gung der Körner und die Unterschiede der Schwere unmöglich 
machen würde, denn im Leeren hätte keiner einen bestimmten Ort, 



1) Oan. et oorr. I, 9. 824, b, SC ff. o. 2. 316, a, IS ff. vgl. Th. I, 578 ff. 

5) Gen. et oorr. I, 2, 817, a, 1 ff. Genauer, aber ohne am drück lic he Ba- 
uchung auf die Atomistik, Äussert »iah Artet, tber dttsen Gegenstand Phys. 

m,6t 

3) Gen. et corr. I, 2. 617, a, 17 ff. 

4) PhyB. VI, 1. De ooalo UI, 4. 803; a, 20. 

* 5) Gen. et corr. I, 8. 836, b, 34 ff. o. 9. 827, a, 14. De ooelo Ol, 4. 
303, a, 14. Ebd. o. 7. o. 6. 306, a, 23 ff. Et wild hierüber noch spater ia 
sprechen sein. 

6) Do ooelo HI, 4. 303, a, 17 ff. 29 ff. b, 4; vgUPhyi. I, 4, Bohl. VIII, 6. 
2 W, a, 8. Um dieser Einwendungen willen gab wohl Epikur diese B 
auf; s. Bd. Ifl (I.A.), 8.228. 

7) i'hys. IV, 7—9 Tgl. o. 6. Nähere» hiorflber später. 



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Kritik »einer Voiglnger. 211 

dem er zustrebt, and Alles mfisste sirih darin gleich schnell beweg«» 0. 
Aber die Bewegung; und die verschiedenen Arten derselben werden 
von der Atomistik überhaupt nur vorausgesetzt, nicht abgeleitet *); 
die Naturzwecke vollends fibersieht sie gänzlich: statt die Gründe der 
Erscheinungen anzugeben , verweist sie uns auf eine unbegrhTene 
Notwendigkeit oder auf die Thatsache, dass es immer st gewesen 
sei *}.-, Weitere Einwendungen, gegen die unendliche Menge neben- 
einanderbestehender Welten *), gegen DemokritV: Erklärung der 
Sinnesempfindungen B ), gegen seine Bestimmungen aber die Seele 6 ), 
wollen wir hier nur berühren, und ebenso hinsichtlich des Tor- 
wurfs, dass er die sinnliche Erscheinung als solche für wahr balte, 
auf Früheres verweisen *)• — Mit der atomistischen und empedo- 
ktelschen Physik ist die des Anaxagoras nahe verwandt, und so 
treffen sie grossentheils die gleichen Einwürfe, wie jene. Die un- 
endliche Menge seiner Grundstoffe ist nicht altein entbehrlich, da 
wenige ihn Gleiche leisten, sondern sie ist auch verfehlt, denn sie 
würde jede Erkenntnis« der Dinge unmöglich machen; da ferner die 
Gran dun terscbiede der Stoffe von begrenzter Zahl Bind, müssen es 
auch die Grundstoffe sein; da alle Körper ihr natürliches Maass 
haben, können ihreBestandtheile (die sog. Homöomerieen) nicht von 
beliebiger Grösse oder Kleinheit sein, und da alle begrenzt sind, 
können nicht, wie diess Anaxagoras behauptet und folgerichtig be- 
haupten muss, in jedem Ding Theile von allen den unendlich vielen 
Stoffen sein Ä ) ; wenn endlich die Urstoffe in den einfachsten Körpern 
zu suchen sind, so können von den Homöomerieen die wenigsten 



1) Pari. IV, 8. 214, b, 28 ff. Deooelol, 7. 275, b, 29. 277, a, 33 ff. 11,13. 
M4, b, 30. in, 2. 800, b, 8. lieber Demokrit'B Anrichten van der Schwere a. 
m. weiter De coelo IV, 3. 6. 

2) Metaph. xn, 6. 1071, b, 81. 

3) 8. Tb. 1,599, 3. 600, 1—8 and gen. an. V, 8, g. E., wo sich Aristotelos 
Aber die mechanische NaturerklBrang des Demokrlt ganz ähnlich Säuert, wie 
FUto im Ph&do aber die des Anaxagoras. 

4) De coelo I, 8. S. Th. I, 608, 1. 
6) De lensn C. i. 442, s, 29. 

6) De an. I, 3. 406, b, 16 vgl. 0. 2. 403, b, 29. 405, a, 8. 

7) Th. I, 980. 

8} Phyi. I, 4. 187, b, 7 ff. De ooelo m, 4. Eine weitere Bemerkung, da* 
thunliche Beharren des Unendlichen betreffend, Phys, HI, 6. 206, b, 1. 

14* 



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212 Aristoteles. 

für Urstoffe gehalten werden O- Die Veränderung der Dinge, welche 
Arrexagoras doch anerkennt, wird durch die Unverfnderüchkeit ihrer 
Bestandtheile, die Continuität der Körper (trotz der Bestreitung des 
leeren Raums, welche unzureichend genug bewiesen ist *)) dorch 
die unendliche Anzahl derselben aufgehoben *); die Unterschiede 
der Schwtre hat Anaxagoras so wenig, als Empedokles, erklärt 1 ). 
Die ursprüngliche absolute Mischung alter Stoffe, so wie er sie 
darstellt, undenkbar B ), würde bei richtigerer Fassung dazu führen, 
Eine eigenschaftslose Materie an die Stelle der unendlich vielen Ur - 
Stoffe zu setzen B ). Ein Anfang der Bewegung nach endlos langer 
Bewegungslosigkeit des Stoffs, wie Anaxagoras und Andere ihn an- 
nehmen, würde der Gesetzmässigkeit der Naturordnung Widerstrei- 
ten '')■ Selbst die Lehre vom Geist, deren hohen Werth Aristoteles 
bereitwillig anerkennt, findet er doch nicht genügend: theils weil 
sie für die Naturerklerung nicht recht fruchtbar gemacht werde, 
theils weil Anaxagoras im Menschen den Unterschied von Geist und 
Seele verkenne 8 ). — An den Eleaten, unter denen er aber Xeno- 
phanes und Melissus geringe Bedeutung beilegt 9 ), tadelt er zu- 
nächst schon diess, dass ihre Lehre kein Princip zur Erklärung der 
Erscheinungen enthalte 10 > Weiter zeigt er, dass ihre ersten Vor- 
aussetzungen an einer bedenklichen Unklarheit leiden. Sie reden 



1) De ooelo III, 4. SOS, b, 14. 

2) Phys. IV, 6. 213, »,32. 

3) Gen. et corr. I, 1. Pkys. III, 4. 203, a, 19. Weitere Einwurfe ver- 
wandt er Art, welche Dar nickt special! gegen Anaxagoras gerichtet sind, wer- 
den uns apftter in dem Abschnitt der Physik über die Stoff vor Wandlung be- 
gegnen. 

4) De coelö IV, 2. SOB, a, 19. 

5) Neben den physikalischen Einwürfen, welche Metaph. I, 8. gen. st 
corr. I, 10. 827, b, 19 dagegen erhoben werden, behauptet ja A. auch von diexi 
Bestimmung und von der entsprechenden, dase fortwährend All« in Allem *«i.. 
lie beben den Sste duä WidenpraokB auf; ■. Th. I, 701. 

6) Metapk, I, S. 989, a, 80. 

7) Pkys. VIH, 1. 262, a, 10 ff. 

8) S. Th. I, 681, 4. 686, 2. De an. I, 2. 404, b, 1. 405, a, 13. 

9) Metaph.1,5. 986, b, 26. Phy*. I, 2. 185, a, 10. 1,8, Auf., aach D« 
aoelo U, 13. 294, a, 21, wogegen Panaenldea immer mit Achtung behäufelt 
wird. 

10) Metaph. I, 5. »8«, b, 10 ff. Pbym. I, 2. 184, b, 25. De ooelo EI, I. 
908, b, 1*. gm. et corr. I, 8. 8», a, 17. Vgl. Akt. Math. X, 4«. 



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Kritik feiler Vorgänger. 213 

von der Einheit des Seienden, ohne die verschiedenen Bedeutungen 
der Einheit und des Seins auseinanderzuhalten, and sie legen dest- 
halb dem Seienden Eigenschaften bei, welche seine anbedingte Ein- 
heit wieder aufheben, Parmenides die Begrenitheit, Melissus die 
Unbegrenzlheit; sie bedenken nicht, dass jede Aussage die Zweiheit 
des Subjekts und des Prädikats, des Dings und der Eigenschaft, i" 
sich schliesst, dass wir nicht einmal sagen können: das Seiende ist, 
ohne von dem substantiellen Sein das ihm als Eigenschaft zukom- 
mende Sein zu unterscheiden, welches, wenn es nur Ein Sein giebt, 
nnr ein anderes als das Seiende, ein Nichtseiendes sein könnte '). 
Sie behaupten die Einheit desSeins und läugnen das Nichtsein, wah- 
rend doch das Sein nur ein allen Einzeldingen gemeinsames PraV 
dikat ist, und das Nichtseiende als Negation eines bestimmten Sehn 
Cein Niehlgrosses u. dgl.) sich wohl denken lässt *> Sie bestreiten 
die Theilbarkeit des Seienden und beschreiben es doch zugleich als 
etwas räumlich Ausgedehntes *). Sie läugnen das Werden und in 
Folge dessen die Vielheit der Dinge, weil Alles entweder aus dem 
Seienden oder aus dem Nichtseienden werden müsste, beides aber 
gleich unmöglich sei; sie übersehen den dritten möglichen Fall, 
welcher das Werden nicht blos begreiflich macht, sondern auch 
dem wirklichen Hergang allein entspricht, dass zwar nichts ans dem 
schlechthin Nichtseienden, aber Alles aus einem beziehungsweise 
Nichtseienden werde *). Auf ähnlichen Miss Verständnissen beruhen 
Zeno's Einwürfe gegen die Bewegung: er behandelt den Raum und 
die Zeit nicht als stetige, sondern als diskrete Grössen, er folgert 
aus der Voraussetzung, dass dieselben aus unzählig vielen aktuell 
getrennten Tbeilen bestehen, während sie doch diese Theile nur 
potentiell in sich enthüllen fl ). Noch viel geringere Beweiskraft 



1) Dien ine Wesentliche aus der verwinkelten dialektischen A 
HtUDg Phys. I, 3. 186, a, 80 — o. 3, g. E. Zn der eweiten Btllfte dieser Er- 
örterungen (c S) vgL m. Plato Purin. 142, B f. 8oph. 144, B ff. und nneen 
Inte Abth. 8. 427 t 

3) Phys. t, 3. 187, s, 3 vgl. Ute Abth. 426 £ 

3) Hetmph. IÜ, 4. 1001, b, 7 vgl. Tb. I, 436, 1. 

4) Phys. I, 8 Tgl. Metaph. XIV, 3. 1089, ■, 3e ff. (Du Nlbere spttsf, 
Kap. 6, Nr. 2.) Dagegen werden gen. et eorr. I, 8. 89b, a, 1B die Ordnle der 
Eleateii nnr mit einer Verweisung auf die entgegenstehenden Erfahrongsthat- 
saohan beantwortet. 

6) Pbv>. VI, 9. o. 3.. 183, a, 31 Tgl. Th. I, 439 ff. 



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214 Atiatotalas. 

haben die Gründe des Melissus für die Unbegrewtheit und Bewe- 
gungslosigkeit des Seieaden l ). Wie lisst sich endlich behaupten, 
dass Alles Eins sei, wenn man nicht alle Unterschiede unter den 
Dingen aufheben und auch das Entgegengesetzteste für Bin und 
Dasselbe erklären will? *) Anch hier haben wir daher in der Haupt- 
sache unbewiesene Annahmen und keine Lösung der wichtigsten 
Fragen. — Ebensowenig ist eine solche von den Pytbagoreern zu 
erwarten. Diese Philosophen geben auf eine Naturwissenschaft ans, 
aber ihre Principien machen die Bewegung und die Veränderung, 
diese Grundlage aller natürlichen Vorgange, nicht begreiflich *). 
Sie wollen das Körperliche erklären , indem sie es auf die Zahlen 
zurückführen; aber wie soll aus den Zahlen das räumlich Ausge- 
dehnte, aus dem, was weder schwer noch leicht ist, das Schwere 
und Leichte entstehen? *) wo sollen überhaupt die Eigenschaften 
der Dinge herstammen ? s ) Wie kann bei der Bildnag der Welt das 
Eins als körperliche Grösse der Kern gewesen sein, welcher Theile 
des Unbegrenzten an sich zog? e ) Wenn ferner verschiedene Dinge 
durch eine und dieselbe Zahl erklärt werden, sollen wir wegen der 
Verschiedenheit des damit Bezeichneten verschiedene Klassen vom 
Zahlm unterscheiden, oder wegen der Gleichheit der Bezeichnung 
die Verschiedenartigkeit der Dinge lingnen? 7 ) Wie können all- 
gemeine Begriffe, wie das Eins und das Unendliche, etwas Substan- 
tielles sein? a ) Fragen wir endlich, wie die Pythagoreer-ihre Zah- 
lenlehre anwenden, so Blossen wir auf grosse Oberflächlichkeit and 



1) Phy«. I, 8, An£ Tgl. Th. I, 488, 1. 
S) Phy». I, J. 186, b, 19 ff. 
8) Hetaph. I, 6. 989, b, S9 ff. 

4) Hetaph. I, 6. 990, a, 12 ff. III, 4. 1001, b, 17. XIII, 8. 1088, b, 8 ff. 
XIV, 3. 1090, a, 80. De ouelo Ol, 1, Sohl. 

5) Motaph. XIV, 5. 109a, b, 15. Die Stella gebt auf Platoniker und Präa- 
gonal gemeinschaftlich. Andern Bern eck im gen, welche »ich lunüchit auf Plata 
and seine Schale beziehen, aber die Pythagoreer mit treffen, flbergehe ich hier. 

6) Hetaph. XITI, 6. 1080, b, 16. XIV, 3. 1091, a, 18 Tgl. Tb. J, 801. 

7) Metaph. I, S. 990, a, 18 (vgl. Th. I, 286, 1). VII, 11. 1086, b, 17 vgL 
XIV, 6. 1498, a, 1. 10. 

8) Ix Betreff de» Einen und des Seienden wird die»» (gegen Plato und die 
Pythagoreer) Hetaph. III, 4. 1001, a, 9. 37. vgl. X, 1 ansgaflUut, und dabei 
namentlich bemerkt, data die SnbatantialiUt des Einen die Vielheit der Dinge 
aufbeben würde; Aber das üutpov vgL m. Pbjs. 111,6 und den o. 4. 208, a, 1. 

. „Lzeday G00gle 



Kritik sniner VeigBoger. 3(5 

Wiilhäkr J ); schon die Zahlen werden aar unvollständig abgelei- 
tet Oi und in ihrer Physik findet Aristoteles mancherlei vnUtbMw 
Vorstellungen zu rügen *)- 

Es sind aber nicht allein die alten Naturphilosopben, deren 
Annahmen Aristoteles bestreitet: auch die jüngeren Lehren bedürfen 
seiner Ansicht nach einer gründlichen Verbesserung. Hier kommt 
indessen im Grunde nur Eine von den späteren Schulen in Beirecht. 
Von den Sophisten kann in diesem Zusammenhang kaum die Rede 
sein. Ihre Kunst gilt dem Aristoteles für eine Scheinweisheit, die 
es mit dem Zufälligen, Wesenlosen und Unwirklichen zu thuu hat 4 }. 
Bei ihnen hat er nicht metaphysische Sätze zu prüfen, sondern nur 
die Skepsis, welche alle Wahrheit in Frage stellt, zu bekämpfe«, 
und die Unhaltberkeit ihrer Trugschlüsse aufzuzeigen 6 ). Sokrates' 
Verdienst um die Philosophie wird zwar bereitwillig anerkannt, aber 
zngleioh seine Beschränkung auf die Ethik hervorgehoben, mit der 
es unmittelbar gegeben war, dass er kein metaphysisches Princrp 
aufstellte 6 ). Unter den kleineren sobratischen Schulen werden nur 
die Megariker und die Cyniker, jene wegen ihrer Behauptungen 
über das Mögliche und das Wirkliche T ), diese wegen ihrer ep- 
kenntnisstheoretischen und ethischen Lehren B ), berührt 

1) MeUph. I, 6. 986, a, 6. 987, a, 19. 
3) 8. hierüber Tb. I, 290, 5. 

3) Wie die Gegenerde (Th. I, 303, 1), die Sphtlrenharmonie (De ooalo 
11,9), «ine Bestimmung Ober die Zeit (Phya. IT, 10. 218, a, 33 vgl. Tb. I, 816, 2), 
die Vors teil an gen Über die Seele (De »e. I, 2. 404, a, 16. c. 3, Schi vgl. Anal. 
past.ll, 11. 94, b, 31). 

4) a Tb. I, 751. 

5) Jenes Metaph. IV, 5 vgl c. 4. 1007, b, 20. X, 1. 1063, a, 85. XI, 6, 
Auf., Dieses in der Schrift Aber die Trugschlüsse. 

G) M. vgl. die Stellen, welche Abth. I, 77, 1. 95, 1 angeführt sind. Dass 
uns. die unkritische Ethik einseitig sei, teigt Artet. Eth. N. III, 7. 1113, b, 
14 £ 0.11. 111», b, 3 ff, 1117, a, 9. VI, 13. 1144, b, 17 ff. 

7) Hetaph. IX, 8 (vgl. Ute Abth. 168,2). Artet, widerlegt hier den maga. 
risehen Etat*, nur das Mögliche sei wirklieb, mit dem Nachweis, dass er nicht 
«Heia die Bewegung and Veränderung, sondern auch jeden Besitz einer Kuust- 
fertigkeit oder eines Vermögens aufheben würde: wer eben jetzt nichts hört, 
wtre taub, wer nicht gerade baut, wäre kein Baukünetter. 

6) Daher die enteren äussert steh Matapb. T, 99. 1094, b, 32. VHI, 8. 
1043, b, 23; ■. lste Abth. 210 f.; gegen die Uebertnibangen der aynjsoben 
Sittenlehre erklärt sieb Eth. N. X, 1. 1172, a, 27 ff. 



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2*6 Ailstotelei. 

Um so eingehender beschäftig! sich unser Philosoph mit Pinto 
und der platonischen Schale. Aus dem platonischen System ist dns 
seinige zunächst herausgewachsen; mit diesem muss er sich Tor 
Allem vollständig auseinandersetzen und die Gründe darlegen, welche 
ihn darüber hinausfahren. Es ist daher nicht Ehrgeiz und Verklei- 
nerungssucht, wenn Aristoteles immer wieder auf die platonische 
Lehre zurückkommt, und die Mängel derselben unermüdlich von 
allen Seiten her auseinandersetzt: diese Kritik seines Lehrers ist 
für ihn unerlasslich, um dem bewunderten Vorgänger und der blä- 
henden akademischen Schule gegenüber seine philosophische Etgen- 
thümlichkeit und sein Recht zur Begründung einer eigenen Schule 
zu vertheidigen *)- Näher richtet sich dieselbe, wenn wir auch hier 
Untergeordnetes bei Seite lassen, auf drei Hauptpunkte: auf die 
Ideenlehre ab solche, auf die spätere, pythagoraisirende Fassung 
dieser Lehre, und auf die Bestimmungen über die letzten Gründe, 
das Eins und die Materie *). 

Die platonische Ideenlehre ruht auf der Ueberzeugung, dt« 
nur das allgemeine Wesen der Dinge Gegenstand des Wissens sein 
könne. Diese Ueberzeugung theilt Aristoteles mit Plato*). Ebenso- 
wenig bestreitet er ihm den Satz von 'der Wandelbarkeit aller 
sinnlichen Dinge, welcher den zweiten Grundpfeiler der Ideenlehre 
ausmacht , und die Nothwendigkeit , über dieselben zu einem Blei- 
benden und Wesenhaften hinauszugehen *). Hatte nun aber Plaid 
hieraus geschlossen, dass auch nur das Allgemeine als solches ein 
Wirkliches sein könne, und dass es mitbin ausser der Erscheinung 
als etwas Substantielles für sich sein müsse, so weiss sich Aristo- 
teles diese Bestimmung nicht mehr anzueignen; und eben dieses 
ist der Mittelpunkt, um welchen sich seine ganze Bestreitung der 
platonischen Metaphysik dreht. Jene Voraussetzung entbehrt seiner 
Meinung nach nicht allein aller wissenschaftlichen Begründung, son- 
dern sie verwickelt sich auch an sich selbst in die unauflöslichsten 
Schwierigkeiten und Widersprüche, und statt die Erscheinung!*«!' 
zu erklären macht sie dieselbe unmöglich. — Die Annahme von 



1) Vgl. «nah 8. 10«. 

3) H. vgL tun Folgenden meine Piaton. Stadien B. 197 ff, 
8) S.o. ß. 110. 204, 2. 

4) S. o. S. 304, 3. 

DigilzedBy GoOgk 



Kritik seiner Vorglager; Plato. 217 

Ideen ist nicht begründet. Denn unter den platonischen Beweisen 
für dieselbe ist keiner, der nicht von den entscheidendsten Einwür- 
fen getroffen würde; und was durch die Ideen erreicht werden soll, 
das muss auch ohne dieselben zu erlangen sein: ihr Inhalt ist ja 
ganz derselbe, wie der der diesseitigen Dinge, im Begriff des Men- 
schen-an-sich sind dieselben Merkmale enthalten , wie im Begriff 
des Menschen überhaupt, er unterscheidet sich von diesem nur durch 
das Wort Ansich *). Die Ideen erscheinen daher unserem Philo- 
sophen als eine ganz überflüssige Verdopplung der Dinge in der 
Welt, und zur Erklärung der letzteren Ideen vorauszusetzen, kommt 
ihm nicht weniger verkehrt vor, als wenn Jemand, der die kleinere 
Zahl nicht zählen kann, es mit der grösseren versuchen wollte *)• — 
Aber auch abgesehen von diesem Mangel an Begründung ist die 
Ideenlehre schon an sich selbst unhaltbar; denn die Substanz — 
und in diesem Satze ist wieder der ganze Unterschied des aristote- 
lischen and platonischen Standpunkts zusammengefasst — kann 
nicht von dem getrennt sein, dessen Substanz sie ist, der Gattungs- 
begriff nicht von dem, welchem er als ein Theil seines Wesens 
zukommt *}; will man dieses aber dennoch annehmen, so gerftlh 
man von einer Schwierigkeit m die andere. Denn während es der 
Natur der Sache nach nur von dem Substantiellen Ideen geben 
könnte, und der platonischen Lehre zufolge nur von Naturdingen 
welche geben soll, müssten sie doch , wenn das allgemeine Wesen 
einmal überhaupt vom Einzelnen getrennt gesetzt wird, auch für 
verneinende und Verhältnissbegriffe und für Kunsterzeugnisse an- 



1) Man vgl. hierüber Metaph. I, 9. 990, b, 8 ff. XIII, 4. 1079, a. 

2) Metaph. III, 2. 997, b, 5: xoMa}(3 S' ^vtuv SuoxoHav, ouBsiios ijwi 
muco* tb tpavai p.iv itvai Tivaf <pümif irapi ti; h Tijj oi)p«v$, Teilhat Bk ?a( aürät 
fiiKUTHc a?afl7jiotf nMjv Sti t& |iiv ätSia ik &i wBopra- auVe fäp avSpaiJuS* faaiv 
B?v«t ia'i Txnov xa\ ifiirav, äXlo S' oijSiv, napaxXTJou» jeoio3yti( to1{ Üeoui plv iImu 
f ioxouar* avOpiuTtoEiEtTt M- oürt -fip &Eiva« oüfliv ZWo inoiouv, ij iv6pu>7E0U( «Staut , 
oM' oStoi ts tISt] ÖT f, a?a6^Ti iföia. Aehnlioh Motapb. VII, 16. 1040, b, 32: 
KOtoBo» öS» [Tat IB&4] tm a'JTa( Tip tiSti toi; ^QapToi«, aikoivQpiimov xi'i aütii'rotov, 
spo«TLBs*Ttf Tdts atoVo'K tb fr,(ia t'q aM. Ebd. XIII, 9. 1086, b, 10. Vgl. Eth. 
N. I, 4. 1096, a, S4, Eud. I, B. IS 18, a, 10. 

3) Metaph. I, 9, Auf. XIII, 4. 1078, b, 82. 

4) Metaph. I, 9. 991, b, 1: ftil-usi äv aSdvttnw, ifau x"^! **l v oänlay x& o5 
f| oWa. XTU, 9. 1085, a, 23, Tgl. VII, 6. 1031, a, 31. c 14. 1039, b, 16. 



218 Aiiato-teloi, 

genommen werden *)i j» auch von den Ideen selbst müssten die 
meisten andere über sieb haben, zu denen sie sieb als Abbilder ver- 
bleiten, so dass dasselbe Urbild und Abbild zugleich wäre *); es 
müsste ebenso von jedem Ding, da es unter mehrere einander unler- 
und übergeordnete Gattungen fällt, mehrfache Ideen geben 3 }j die 
allgemeinen Merkmale, welche zusammen den Begriff bilden, müss- 
len gleichfalls besondere Substanzen, und es müsste so eine Idee 
aus mehreren Ideen, eine Substanz aus mehreren, ja auch aas ent- 
gegengesetzten realen Substanzen zusammengesetzt sein *}. Wenn 
ferner die Idee Substanz sein soll, so könnte sie nicht zugleich all- 
gemeiner Begriff sein 6 ); sie ist nicht die Einheit der vielen Einzel- 
dinge, sondern ein Einzelding neben den andern •), es müsslen 
denn umgekehrt die Dinge, von denen sie prädicirt wird, keine 
Subjekte sein 0; es lasst sich daher auch von ihr so wenig, als 
von einem anderen Einzelwesen, eine Begriffsbestimmung geben 8 ); 
wenn die Idee derZahl nach eins ist, wie das Einzelwesen, so muss 
ihr auch von den entgegengesetzten Bestimmungen, durch welche 
der Gattungsbegriff getbeilt wird, je eine zukommen, dann kann sie 
aber nicht selbst die Gattung sein *)• Sollen weiter die Ideen das 
Wesen der Dinge enthalten, und doch zugleich unkörperlicbe, für 
«ich bestehende Wesenheiten sein, so ist dieses ein Widerspruch; 
denn theils redet Plato, nach der Darstellung des Aristoteles, auch 
von einer Materie der Ideen, was sieb damit nicht vereinigen lässt, 
dass sie ausser dem Räume sein sollen 10 ) , theils gebort bei allen 



1) Metaph. I, 9. 990, b, 11 ff. 23. 991, b, 6. XIII, 4. 1079, a, 19. c. S. 
1084, a, 27. Anal, poat I, 24. 85, h, 18; VgL lata Abth. 446, 1. 

2) Metapi). I, 9. 991, a, 29. XIII, 5. 1079, b, 34. Au der enteren von die- 
sen Stellen lese man: o&v tb T&Of, <«t frfvO(, eKcÜv (sc. jcapWsirfin Ärcai). 

3) Metaph. I, 9. 991, a, 26. 

4) Metaph. TO, 18. 1089, a, 3. o. 14; vgl, c 8. 1088, b, 19. I, 9. 991, », 
39. XIII, 9. 1085, a, 28. 

5) Metaph, XIII, 9. 1086, a, 82 Tgl. In, 6. 1003, a, 5. 

6) Metaph. I, 9. 992, b, 9. XIII, 9 t. a. O. 

7) Metaph. VII, 6. 1031, b, 15; vgl. Bosite and Scdweolkr *,. d. St. and 
wm 8. 144, 1 ans Kateg. o. 2 angeführt wurde. 

8) Metaph. VII, 16. 1040, o, 8—27. 

9) Top. VI, 6. 143 , b, SS : Di« Unge an «ich- mauste en*w«det UUit 
oder JtlitOf e^ov, die Gattung alao »uglaich «ine Art Bein, 

10) Phya. IV, 1. 209, b, 33; vgL iadeatt» Abth. 1, 8. 424 f, 47« f. 



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Kritik »einer Vorginge*; riato. 319 

Natargegenständen die Materie und das Werden mit zu ihrem Wesen 
und Begriff, dieser kann daher nicht gelrennt von demselben für 
sich sein '3; auch die ethischen Begriffe jedoch lassen sich nicht 
schlechthin von ihren Gegenständen trenne»: es kann keine für sich 
bestehende Idee des Guten geben, denn der Begriff des Guten kommt 
in allen möglichen Kategorieen vor, und bestimmt sich je nach den 
verschiedenen Fällen verschieden, wie sich daher verschieden« 
Wissenschaften mit dem Goten beschäftigen, so giebt es aueh ver- 
schiedene Güter, nnd unter diesen seihst findet eine Stufenfolge 
statt, die an sich schon ein für sielt existirendes Gemeinsames aus- 
schiiesst *). Dazu kommt, dass die Annahme von Ideen folgerichtig 
zum Portgang in's Unendliche führen würde; denn soll überall eine 
Idee angenommen werden, wo Mehrere in einer gemeinsamen Be- 
stimmung zusammentreffen, so würde auch zu der Idee und der 



1) Pbys. II, 2. 193, b, SO ff. 

2) Eth. N. I, t (Eud. I, 8), Tgl. 8. 818,9 nnd Aber den Grundsatz, d aas sich 
dasjenige, was aich als xptapov und uartpsv verhalt, «of keinen gemeinsamen 
Guttnngs begriff aarilck führen lasse, Polit. III, 1. 1275, a, 34 ff. t&v xpaftUaiov, 
heisst ea hier, iv ot; ti Snou([i4va SicHptfp« tö eISei, x«i x'o (ilv aüttüv inil jtpütov 
to St StiiTipov to B' ^öjuvov, 5) to napinav oiSft fort», ?j toiiut«, i'o koiv'ov, ij yM- 
r/fim. So verhalte es sich mit den Staatsverfassungen: sie seien der Art nach 
verschieden nnd augleieh stehen sie im Verhältnis» begrifflicher Abfolge, denn 
üe fehlerhaften seien spHter, all die richtigen. Es lassen stob daher keine 
Merkmale angeben, welche einen bestimmten Begriff (im vorliegenden Fall: 
den dea Staats bilrgurs) so bezeichneten , dass er auf alle Staats vcrfassmi gen 
xntrlfe. Nach demselben Grundsatz wird Eth. N. s. a. O. gegen die Idee dea 
Guten bemerkt: die Anhinger der Ideenlehre seihet sagen, dase es von dem, 
wai im Vernlhniss des Tor nnd Nach stehe , keine Idee gebe; eben diess sei 
aber beim Outen der Fall, es finde stob in allen Kategorieen: ein substantielles 
Gutes sei s. B. die Gottheit nnd die Vernunft, ein qualitatives die Tugend, ein 
quantitatives das Haass , ein relatives das NUtsliche n. s. w.; nnd da nun das 
Substantielle froher sei als das Relative u. s. f. so stehen diese versohl edeuen 
Güter im Verhältnis« des Tor and Nach, sie können mithin unter keinen gs 
moinsamen Gattungsbegriff, keine Idee, fallen , sondern (1096, h, 25 ff.) nur in 
einem TerhUtnlss der Analogie (s. o. S. ISA, 2) stehen. — Diesen Auseinan- 
dersetinngen entsprechend wird sich, um diese beiläufig zu bemerken, auch 
die Frage, inwiefern Plato Ungnen konnte, dass es von den Idsslzsblen eine 
Idee gebe, noch eiafaeher beantworten lassen, st* diess in unserer 1. Abth. 
tS4 f. versnobt wurde: nämlich dahin, dassfSr sie, wie für alles, bei dem das 
Vor and Nach stattfindet, nicht blos ein xombv £ti)0ta"tbv, sondern jedes xonbt 
gelAugnet wurde. 



JigilizBdby G00gle 



220 ArUtoteW». 

Erscheinung du diesen gemeinsame Wefen als Dritt« hiaxttkoBr- 
men *> — Wäre die Ideenlehre indessen auch begründeter uad 
haltbarer, als sie ist, so könnte sie doch, nach der Ansicht det 
Aristoteles, der Aufgabe der Philosophie, welche die Grande der 
Erscheinungen aufzeigen soll, in keiner Weise gesogen. Denn dt 
die Ideen nicht in den Dingen sein sollen, so können sie auch nicht 
ihr Wesen bilden, und mithin zu ihrem Sein nichts beitragen *); 
ja man kann sich das Verhältniss beider gar nicht klar denken — 
denn die Bestimmungen der Urbildlichkeit und der Theihtahne, anf 
die es Plato zurückfuhrt, sind. nichtssagende Metaphern 8 ). Das 
bewegende Princip vollends, ohne das doch kein Werden und keine 
Naturerklärung möglich ist, fehlt ihnen gänzlich 0, und ebenso- 
wenig ist die Endursache in ihnen enthalten "). Auch für die Er- 
kenntniss der Dinge leisten aber die Ideen nicht das, was von ihnen 
gehofft wird; denn wenn sie ausser den Dingen sind, so sind sie 
nicht das Wesen derselben, ihre Erkenntniss gewährt uns mithin 
über dieses keinen Anfschluss 6 ). Wie sollten wir aber überhaupt 
zu dieser Erkenntniss kommen, da sieb doch angeborene Ideen nicht 
annehmen lassen? T ) 

Diese Bedenken werden noch in hohem Grade vermehrt, wenn 
mau mit Plato und seiner Schule die Ideen zu Zahlen macht, und 
zugleich zwischen sie und die sinnlichen Dinge das Mathematische 
einschiebt. Die Schwierigkeiten, welche sich hieraus ergeben wür- 

1) Melaph. I, 9. 091, a, 2. VII, 18. 1039, a, 2 tgl. VII, 6. 1031, b, 28. 
Aristoteles drückt diese Einwendung hier auch so aus, das« er tagt, die Ideen- 
lehre fäbi-e auf den Tpfa< wApomot. Vgl. PUt. Stnd. B. 267. Ute Abtn. 8. 472, 
4. Den Paralogismus des Tfito; SvOpmicoj, der aber ebemo Ton den Ideen aaltet 
gilt, findet er soph. sl. c. 32. 178, b, 86 in der Verwechslung de* AUgeneiwn 
mit einem gleichnamigen Einielnen. 

2) Metaph. I, 9. 691, *, 12 (XIII, 6, An£). 

3) Metaph. I, 9. 991, a, 20. 992, a, 38. (XIII, 5. 1079, b, 24.) I, 6. 987, h, 
IS. VIII, 6. 10*6, h, 7. XU, 10. 1076, b, 84. 

4) Metaph. I, 9. 991, «, 8. 19 ff. b, 8 ff. {XIII, S) 992, », U ff. b, 7. c. 7. 
966, b, 3. VII, 6. 1088, b, 26. XII, 6. 1071, b, 14. c 10. 1076, b, 1«. 97. gea- 
et corr. II, 9. 885, h, 7 ff. vgl. Etb. End. I, 8. 1217, b, 28. 

5) Metaph. I, 7. 966, b, 6. c 9. 992, a, 29 (wo itatt Sie ja lue» fct: ti' i). 

6) Metaph. I, 9. 901, a, 12. (XTÜ, 6. 1979, b, 16.) TU, 6. 1081, a, 80 f. 
vgl. Anal. poit. I, 22. 83, a, 32: ti yk? iffli) ^aipfao' «pfrioiMrci ti yip vre 

7) 8. o. B. 184. 

3,g,1:zedBy G00gle 



Kritik «einer Vorginget; PUto. 831 

den , hat Aristoteles mit einer für uns höchst ermüdenden Gründ- 
lichkeit auseinandergesetzt; in jener Zeit mag sie allerdings nöthig 
gewesen sein, um der pythagomsirenden Scholastik eines Xeao- 
kreles nnd Speusippus jeden Ausweg abzuschneiden. Er fragt, wie 
wir uns die Ursächlichkeit der Zahlen denken sollen *}, und welchen 
Nutzen sie den Dingen bringen *); er zeigt, wie willkührlicb und 
widerspruchsvoll die Zahlen auf die Gegenstande angewandt wer- 
den s ); er weist den wesentlich verschiedenen Charakter der Be- 
griffsbestimmungen, welche qualitativer, und der Zahlbestimmungen, 
welche quantitativer Natur sind, in der Bemerkung nach, dass zwei 
Zahlen Eine Zahl, nicht aber zwei Ideen Eine Idee geben, und dass 
es unmöglich sei , unter den Einheiten , aus denen die Zahlen be- 
stehen, qualitative Unterschiede vorauszusetzen, wie diess doch bei 
der Annahme von Idealzahlen geschehen müsste *); er widerlegt 
die verschiedenen bei Plato und seinen Schülern aufgetretenen Vor- 
stellungen aber das Verhältniss der mathematischen zu den Ideal- 
zahlen, nnd die Wendungen, deren man sich bedienen konnte, um 
einen begrifflichen Unterschied der Zahlen nnd der sie bildenden 
Einheiten zu behaupten % mit der eingehendsten Sorgfalt s ), wo- 
bei aber der Hauptgrund doch immer der ist, dass jene Artunter- 
schiede der Natur der Zahl widersprechen — um solche Einwürfe, 
welche der Zahlenlehre mit der Ideenlehre gemein sind ')» biar 
sieht zu wiederholen. Nimmt man aber einmal Ideen und Ideal- 
zahlen an, so verlieren, wie Aristoteles weiter bemerkt, die mathe- 
matischen Zahlen ihre Berechtigung, da sie nur die gleichen Bestand- 
teile, und in Folge dessen auch nur die gleiche Natur haben könn- 



1) Metaph. I, 9. 991, b, 9 mit der Antwort: wenn die Diage gleich faöi» 
Kahlen seien, so sehe man nicht, wu die Ideaiaahlen für sie leisteten; seien 
andererseits die Dinge nur uaoh SSaMbeatimmnngon geordnet, so müsste du 
Gloiohe von ihren Ideen gelten, diese wtren nicht Kahlen, sondern \6yo: h 
äii6f«l£4 tmwv (OKomifirwov). 

9) Metaph. XIV, 6, Anf. ebd. 1093, b, 31 Tgl. c. 3. 1090, a, 7 ff. 

3) A. ». O. von 1093, b, 39 an, vgL die ConunentiKe i. d. St. 

4) A. a, O. I, 9. 991, b, 31 ff. 993, a, 3. 

6) VgL 1. Abth. S. 432 f. 657 f. 668 f. (wo Aber Xenofcrates auch MeUph. 
VII, 3. 1038, b, 34 anzufahren war}. 683 £ 

6) Mataph. XIII, 6—8. 

7) Wie Hetaph. XIII, 9. 1086, a, 28 und was XIV, 3. 1090, a, 7 ff. c. S. 
la *0,a, •&&. — b,6 gegen SpOQiipp »ingewandet wird. 



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222 Arlitotele«, 

ten, wie die idealen ')■ Ebenso unsicher ist aber inch die StelkiPf 
der Grössen, welche tbeils als ideale den idealen, iheiis als mathe- 
matische den mathematischen Zahlen folgen sollen *), nnd ans der 
Art, wie sie abgeleitet werden, ergiebt sich die Schwierigkeit, dass 
entweder die Fläche ohne Linie nnd der Körper ohne Flache mässle 
sein können, oder alle drei dasselbe wären B ). 

Was endlich die obersten Gründe betrifft, in denen Piato and 
die Platoniker die letzten Bestandteile *) der Zahlen und Ideen, 
und weiterhin auch der abgeleiteten Dinge gesucht hatten, so finde! 
es Aristoteles zunächst schon unmöglich, die Bestandteile alles 
Seienden zu erkennen, weil diese Erkenntniss ans keiner froheren 
hergeleitet werden könnte s ) ; er bezweifelt, dnss Alles die gleichen 
Bestandtheile haben könne "), dass ans der Verbindung derselben 
Elemente das einemal eine Zahl, das anderem«) eine Grösse ent- 
stehen sollte '); er bemerkt, dass sich solche Bestandtheile nur von 
den Substanzen, und unter diesen nnr von denjenigen angeben las- 
sen, welchen Stoffliches beigemischt ist 8 ); er neigt endlich, dass 
dieselben weder als ein Einzelnes gedacht werden dürften (weil sie 
dann nicht erkennbar und nicht die Bestandtheile mehrerer Dinge 
oder Ideen sein könnten), noch als ein Allgemeines (weil sie dann 
nichts Substantielles wären) 8 ). Weiter nimmt er an der Verschie- 
denheit der Bestimmungen aber das materielle Element Anstoss 10 J; 
noch weniger kann er natürlich Speusipp's Annahme mehrerer ur- 
sprünglich verschiedener Principien gnt heissen"). Indem er sodann 

1) A. a. 0. t, 9. 991, b, 27. XIV, S. 1090, b, 32 ff. 

2) Metaph. I, 9. 992, b, 18. XIV, 3. 1090, b, SO. 

3) A. a. O. I, 9. 992, a, 10. XIII, 9. 1085, a, 7. Sl. 

4) Srotvßa, wie diese Urgrilndo in der platonischen Schul« genannt wor- 
den (vgl. Mutaph. XIV, 1. 1087, b, 12: t«* ■$>-/« St orw/sta xaloüan). HlharM 
Aber dieselben lste Abth. 8. 476. 616. 

6) Metaph. I, 9. 992, b, 24, wogegen freilich »eine eigene Unterscheidung 
■wischen demonstrativer und induktiver Erkenntnis» »u kehren wftra. 

6) Obne Vlato *ti nennen, geschieht dleH Metaph. XII, 4. 1070, a, SS ft 
vgl. was S. 206 angefOkrt wurde 

7} Metaph. III, 4. 1001, b, 17 ff. 

8) Ebd. I, 9. 992, b, 18. XIV, 2, Anf. 

9) Metaph. XIII, 10. 1086, b, 19—1087, a, 4. 

10) Hetaph. XIV, 1. 1087, b, 4. 12. 26. c. 2. 1089, b, 11 vgL Abth. 1, 
8. 476, 1. 

11) Ihr gilt Hetaph. XIV, 8. 109«, b, 18 ff. CHI E 



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Kritik leiner VorgEager; Plato. 223 

auf die beiden platonischen Urgründe, das Eine nnd das Grossund- 
kleine, näher eingeht, erklärt er beide für verfehlt. Wie kann das 
Eine, fragt er, etwas für sich Bestehendes sein, da doch kein All- 
gemeines eine Substanz ist? Der Begriff der Einheit drückt unreine 
Eigenschaft, and näher eine Maassbesthnmung ans; eine solche setzt 
aber immer ein Gemessenes voraus, und selbst dieses muss nicht 
einmal nothwendig ein Substantielles, sondern es kann auch eine 
Grösse, eine Beschaffenheit, ein Verhältnis«, es kann überhaupt von 
der verschiedensten Art sein, und je nachdem es beschaffen ist, wird 
auch das Eine durch diesen oder jenen Subjektsbegriff näher zu be- 
stimmen sein *)- Wer diess leugnen wollte, der müssle das Eine 
mit den Bleuten für die einzige Substanz erklären, ebendamit aber 
ausser allem Andern auch die Zahl selbst unmöglich machen *). 
Setzt man überdiess mit Plato das Eine dem Goten gleich, so ent- 
stehen bedeutende Unzuträglichkeiten *)> keine geringeren aber 
freilich, wenn man es mit Speusippus als ein eigentümliches Princip 
von ihm unterscheidet *}• Was das Grossundkleine betrifft, so be- 
zeichnet dieser Begriff fiir's Erste gleichfalls blosse Eigenschaften, 
ja sogar blosse Beziehungen; mithin ein solches, was am Aller- 
wenigsten für ein Substantielles ausgegeben werden kann, nnd am 
Augenscheinlichsten eines Substrats bedarf, dem es zukommt. Wie 
können aber Substanzen aus dem bestehen, was nichts Substantielles 
ist, wie können andererseits Bestandt heile zugleich Prädikate sein?*) 
Wenn sich sodann dieses zweite Princip näher zu dem ersten 
verhalten soll, wie das Nicbtseiende zum Seienden, so ist diess 
durchaus schief. Plato glaubt nur durch die Annahme des Nicht- 
seienden der parmenideischen Einheitslehre entgehen zu können; 
allein dazu ist diese Annahme nicht nöthig, da das Seiende an sich 
selbst nicht blos von einerlei Art ist ')> und sie würde auch nicht 



nicht tntiioiiiüBn? Ztnup fj,ox&i)pä lasyiiitlx, nnd XII, 10, Sohl, du odx ä-yaflbv 
iwluxoipavbj. Weiter Tgl. m. Abth. 1, 668 ff. und die dort angefahrten Stellen. 
1) Hetaph. X, 2. XIV, I. 1067, b, 63 auch XI, 3. 1060, a, 36; vgl. S. 
214, ö. 186, 2. 

3) A. a. 0. HI, 4. 1001,», 29. 

S) Metapb. XIV, 4. 1091, a, 99. 86 ff. b, 18. 30 ff. 

4) A. a. 0. 1091, b, 16. 33. e. 6, Anf. 

5) Motaph. I, 9. 993, b, 1. XIV, 1. 1088, a, 15 ff. 

6) A. a, 0. XIV, 3. 1QM, b, S& ff. vgl. 8. 2 18. 

J, S ,:z K i:vC00gIe 



224 Aristoteles 

ausreichen , denn wie soll die Mannigfaltigkeit des Seienden an 
dem einfachen Gegensatz des Seins und Nichtseins erklärt wer 
den ? Aber Plato hat sein Seiendes und Nichtseiendes gar nicl 
genauer bestimmt, und bei dem Mannigfaltigen, was er daraus ab 
leitet, nur an die Substanzen gedacht, nicht zugleich an die Eigen 
Schäften, Grössen u. s. w. 2 ), und ebensowenig an die Bewegung 
denn wenn das Grdssundkleine die Bewegung hervorbräche 
müssten ja die Ideen, deren Stoff es ist, gleichfalls bewegt sein K 
Der Hauptmangel der platonischen Bestimmungen liegt jedoch da 
rin, dass überhaupt Entgegengesetztes als solches das Erste um 
der ursprünglichste Grund von Allem sein soll. Entsteht auch Alle. 
aus Entgegengesetztem, so ist es doch nicht das Entgegengesetzt! 
rein als solches, die Verneinung, aus der es entsteht, sondern nui 
ein beziehungsweise Entgegengesetztes, das Substrat, welchem du 
Verneinung anhaftet: Alles, was wird, setzt einen Stoff voraus, am 
dem es wird, und dieser Stoff ist nicht einfach das Nichtseiende 
sondern ein Seiendes, welches nur das noch nicht ist, was es wer- 
den soll. Diese Natur des Stoffes hat Plato verkannt: er fasst nu 
seinen Gegensatz gegen das formende Princip in's Auge, er niacli 
ihn zum Bösen und NichtSeienden, die andere Seite der Sache, da» 
er das positive Substrat aller Formthätigkeit und alles Werdens ist 
fibersieht er *). Damit verwickelt er sich aber in den Widerspruch 
dass der Stoff seinem eigenen Untergang, das Böse dem Guten zu- 
streben und es in sich aufnehmen müsste 5 ); dass ferner das Gross- 
undkleine, wie oben das Unbegrenzte der Pythagoreer, etwas 
Fürsichbestehendes, eine Substanz sein müsste, wahrend es doch 
als eine Zahl- oder Grösseabestimmung diess unmöglich sein kann; 
und dass es als Unbegrenztes aktuell gegeben sein müsste, was 
gleichfalls undenkbar ist *). Fragen wir schliesslich, wie sich 
die Zahlen aus den Urgründen ableiten lassen, so fehlt es an jeder 
klaren Bestimmung. Sind sie aus jenen durch Mischung, oder dorci 



1) A.a.O. 1089, a, II. 

2) A.a.O. Z. 16. 31 ff. 
8) Metaph. L, 9. 99!, b, 7. 

4) Metaph. XIV, l', Ant c *. 1091, b, SO ff. XJI, 10. 1075, *, 32 ff. Fty- 
I, 9. Tgl. lata Abth. S. 465. 

6) Phva. I, 9. 192, a, 19. Uetap b. XIV, 4. 1092, a, 1. 
C) Phya. III, 6. 204, «, 8-34 vgl. o. 4. SOI, a, 1 ff. 



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Kritik a. Vorging«; Fiat«. 325 

Zusammensetzung, oder durch Erzeugung, oder wie sonst eitstan- 
den ? Wir erhalten darauf keine Antwort >)• Ebensowenig wird 
ans gesagt, wie sich aas dem Einen und dem Vielen die Einheiten, 
bilden konnten, aus denen die Zahlen bestehen s ), und ob die Zahl 
begrenzt oder unbegrenzt ist a ); die erste ungerade Zahl wird nicht 
abgeleitet, von den andern nur die zehn ersten *); es wird nicht 
nachgewiesen, wo die Einheiten herkommen,, aus denen die unbe- 
stimmte Zwciheit zusammengesetzt ist, welche mit dem Eins zu- 
sammen alle übrigen Einheiten erzeugen soll 5 ); es wird nicht ge- 
zeigt, wie die Zweiheit des Grossen und Kleinen mit dem Eins auch 
solche Zahlen hervorbringen kann, welche nicht durch Verdopplung 
des Eins entstehen *}. Noch mancher weitere derartige Einwurf 
Uesse sich aus Aristoteles beibringen, doch wird es an dem Ange- 
führten mehr als genug sein. 

Diese Einwendungen gegen die platonische Lehre sind nun 
allerdings von ungleichem Werthe, und nicht ganz wenige von 
ihnen beruhen wenigstens in der Fassung, welche ihnen Aristo- 
teles zunächst giebt, unverkennbar auf einem Missverstfindniss T ). 
Nichtsdestoweniger lässt sich nicht läugnen, dass er die Blossen 
jener Lehre mit scharfem Auge bemerkt und ihre Mängel erschöp- 
fend dargethan hat. Er hat nicht allein der Zahlentheorie ihre 
Unklarheit und Ungereimtheit aufs Vollständigste nachgewiesen, 
sondern er hat auch die Ideenleere und die platonischen Bestim- 
mungen über die Urgründe für immer widerlegt. Unter den Grün- 
den, mit denen er sie bekämpft, treten aber vor Allem zwei als 
entscheidend hervor, auf die alle andern mittelbar oder unmit- 
telbar zurückführen: erstens, dass die allgemeinen Begriffe, wie 
die des Einen, des Seieoden, des Grossen und Kleinen, des Un- 
begrenzten, und ebenso alle in den Ideen niedergelegten Begriffe, 
nichts Substantielles seien, dass sie nur gewisse Eigenschaften 
und Verhaltnisse und besten Falls nur die Gattungen und Arten, 

1) MeUph. XIV, 5. 1092, a, 21 ff - Sin, 9. 1085, t, 4 ff. Tgl. o. 7. 1062, u, 20* 

2) Metaph, XIII, 9. 1085, h, 12 ff., zunächst gegen Spausippni. 
S) A. a. 0. 1086, b, 23. c. 8. 1083, h, 86 ff. XII, 8. 1073, a, 18. 

4) 8. late Abth. 8. 4«, 8. 

5) Metaph. I, 9. 991, b, 31. 

6) Metaph, XIV, 8. 1091, a, 9. 

7) 8. Plmt. gtod. 8. 2W ff. 

PhOM. d. Gr. II. Bd. 1. AMD. 15 

liigilzedBy G00gk 



nicht die Dinge selbst bezeichnen; zweitens, dass es ihnen an 
der bewegenden Kraft fehle, dass sie den Wechsel der Erschei- 
nungen, das Entstehen und Vergehen, die Veränderung und die 
Bewegung, und ebendamit die hierauf beruhenden natürlichen Eigen- 
schaften der Dinge nicht blos nicht erklären, sondern geradeso 
unmöglich machen *). Man wird in dieser Richtung seiner Polemik 
den naturwissenschaftlichen, auf die volle Bestimmtheit des Wirk- 
lichen und die Erklärung des Tatsächlichen ausgehenden Geist 
des Aristoteles nicht verkennen. An der Kraft der Abstraktion 
fehlt es ihm zwar so wenig, alsPlato, ja er ist diesem an dia- 
lektischer Uebung entschieden oberlegen; aber er will nur solche 
Begriffe gelten lassen, die sich an der Erfahrung bewähren, in- 
dem sie eine Reibe von Erscheinungen zur Einheit zusammen- 
fassen oder auf ihre Ursache zurückführen: mit Plato's logischem 
Idealismus verknüpft sich bei ihm der Realismus des Naturfor- 
schers. 

Je mehr aber dessen ist, was unser Philosoph an seinen Vor- 
gängern zu tadeln hat, um so begieriger werden wir, seine eige- 
nen Antworten auf die Fragen zu vernehmen, deren Lösung ihn 
bei den Früheren nicht genügt. 

6. Fortsetzung. B. Die metaphysische Hauptunter- 
suchnng. 
Es sind drei Hauptpunkte, um die es sich hier handelt. Wenn 
es nämlich die erste Philosophie mit dem Wirklichen überhaupt, 
dem Seienden als solchem zu thun hat 1 ), so wird jeder anderen 
Untersuchung die Frage nach dem ursprünglichen Wesen des 
Wirklichen, nach dem Begriff der Substanz vorangehen müssen. 
Diese Frage hatte nun Plato in seiner Ideenlehre dahin beanl- 



1) Welche« Gewicht Aristoteles diesem Einwurf beilegt, sagt er selbst 
wiederholt. Vgl. i. B. MeUph. I, 9. 991, a, 8: tk&vtuv 6t [lü.i«b Siaxapijnin 
ä* Xtf, li xon ?u|ifl&XXE?a[ ti sTSjj to*( JcTBfo« tüv atoOi)tüSv I) tolf •jvpo^imi id 
f fli ipopiyo i( ■ qEti fis xtvrjeta); oSte jutaßolijt oüStpiSf Irntv ahm (circttf. Z. 20: 
■cb !l Uftn ^npaisifiiaia onäti eTvii xal [iitc^siv iiItüv tJXÄi mvoIo^eTv l/rtt *& 
tUTBfüpi; Uyiw itenjitxaV t! 70p im 10 [pyajipiiov Ttpb; Tat ISiii inojÜiKOi ; 
ebd. 993, a, 24: 3Xu{ E^ ^todm]; "rijt y i).ooo<pLo; mpl rüv favipG>v tb otftiov touto 
|ih «ttxa(i» (oüfltv Tip WfO[AEv jwft ijj( altiw S0*v ü äf ^ ^ |«ti^oX%) n. 1. w. 

3} 8. 0. B, 197 it. 



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Dm Einselae *. daa Allgomeine. JJ7 

wortet, dsss das wahrhaft und ursprünglich Wirkliche nur in dem 
gemeinsamen Wesen der Dinge, in den Gattungen zn suchen sei, 
deren Ausdruck die allgemeinen Begriffe sind. Aristoteles ist da- 
mit, wie wir wissen, nicht einverstanden. Nur um so wichtiger 
ist aber für ihn gerade deashalb das Verhältniss des Einzelnen 
und des Allgemeinen: in der unrichtigen Fassung dieses Verhält- 
nisses hegt der Grundfehler der platonischen Ansicht, von feiner 
Bestimmung wird jede Berichtigung derselben aasgehen müssen. 
Das Erste ist daher hier die Untersuchung über den Begriff der 
Substanz, oder über das Verhältniss des Einzelnen und des All- 
gemeinen. Indem nun aber Aristoteles dieses Verhältniss so be- 
stimmt, dass die wesentliche Wirklichkeit auf die Seite des Ein- 
zelnen fallt, so löst sich ebendamit auch die Form, oder das Eidos, 
welches Plato dem Allgemeinen gleichgesetzt hatte, von dem letz- 
leren ab, und erhält eine veränderte Bedeutung. Die Form ist 
das Wesen nicht als allgemeines, sondern als bestimmtes, zur 
vollen Wirklichkeit entwickeltes, und ihr tritt die unbestimmte 
Allgemeinheit, die Möglichkeit eines so oder so bestimmten Seins, 
ils der Stoff gegenüber. Das Verhältniss der Form und des Stoffes 
bilde! mithin den zweiten Hauptgegenstand der Metaphysik. Die 
Form aber ist wesentlich auf den Stoff, der Stoff auf die Form 
beugen, jenes Verhältniss daher das Bestimmtwerden des Stoffes 
durch die Form, die Bewegung. Alle Bewegung aber setzt einen 
ersten Grund der Bewegung voraus, und so ist die Bewegung 
und das erste Bewegende das dritte Begriffspaar, mit dem es die 
Metaphysik zu thun hat. Wir versuchen im Folgenden, ihren 
wesentlichen Inhalt unter diesen drei Gesichtspunkten darzustellen. 

1. D»s Einzelne und d»i Allgemeine. 

Plato hatte das Allgemeine, welches im Begriff gedacht wird, 
für das Wesenhafte in den Dingen erklärt, er hatte ihm allein 
sin ursprüngliches und volles Sein beigelegt. Nur durch eine Be- 
schränkung dieses Seins, eine Verbindung von Sein und Nicht- 
sein, sollten die Einzelwesen entstehen, welche desibalb die all- 
gemeinen Wesenheiten, oder die Ideen, als ein Anderes ausser und 
über sich haben. Aristoteles kann sich diese Vorstellung, wie wir 
gesehen haben, nicht aneignen: gerade in der Trennung des be- 
Kfilichan Wesens von den Dingen liegt seiner Ansicht nach der 
15» 
■ 



aas Ariitouui. 

Grundfehler der Ideonlohre 1 ). Das Allgemeine ist somit nur in 
Einzelnen, die Gattung ist die Einheit der Dinge, welche unter 
ihr enthalten sind, indem sie ihnen allen zukommt, nicht indem 
sie neben ihnen besteht: Plato's £v uapi Tat ■ndüi, verwandelt sich 
in das Jv xjxtä teoaMIv ■)• kt aber das Allgemeine nichts für sich 
Bestehendes, so kann es auch nicht Substanz sein. Substanz 9 ) 
nennen wir dasjenige, was weder als Wusensbestimmuflg von 
einem Andern ausgesagt werden kann , noch als ei« Abgeleitetes 
einem Andern anhaftet*)) "üt anderen Worten: dasjenige, was 
nur Subjekt and ms -Prädikat ist'); die Substanz ist das Seieade 
im ursprünglichen Sinn, die Unterlage, von der alles andere Sein 
getragen wird e ). Solcher Art ist aber nach Aristoteles nur das 

, 1) 8. ü. 8. 317, 4. Metaph. XIII, 9. 1086, b, 2: toöto &' (die Ideen lehre) 
. . . exivtjoe jiiv SiunpiTiji 8rä Tob( 5p(3[iou( , ou jj.Jjv Ey lipto^ f E TÜv x«8* IxadTQV ' 
xa\ tdÜtd ipflöJt Ivo^oev oi yojp!oat . . . öveu (iev f ip tou xa9Jl.su oux ottw iximjpiv 
Xaflilv, Tb 81 xupICcfl k'tiov Töly ou|iß«iVQ'vttiiv 8ucjr*p(yv rap\ tIj Biat 2orh>. VgL 
c. 4. 1076, h, 80 ff. 

2) Anal, post. I, 11, Auf.: iftq uiv a5v (7vaiiifv *i mepi TS ko^Jl» ojx äuÄpr„ 
■I «KÖStu;:; ferai- etyai jjevtoi tv itü isollü» äljjöti ibttlv ivayxi]. De Ali. III, 8 
(s. o. 138, 2). 

8) Mit diesem Ausdruck bezeichne icb sowohl hier, als sonst, du aristo- 
telische aialx, und ich finde el seltsam, diese Uebersetzung (mit BtbOhfku. 
Gesch. d. theor. Phil. b. d. Gr. 213 f.; vgl. unsere lste Abtb. 423, I) deashalli 
»u tadeln, weil von Aristoteles untsi der uüoia nirgends „der unbekannte, be- 
haxrliohe, reale Triger der wechselnden Merkmale verstanden werde." Dm 
Letztere ist anbedenklich zuzugeben; aber dass wir für einan aristotelischen 
Ausdruck das seit anderthalb tausend Jahren dafür übliche Wort desshalb 
nicht gehrauchen sollen , weil Herbart mit diesem Wort einen anderen Begriff 
verbindet, ist doch eine anbillige Ziramtbiing. 

4) Est. o. 5 : oäc(» $i eVciv J] xupK&TOTÄ te xa\ :cptünm xo\ jittioto IrfsuifR, 
t) pfre xaB' SnoxEip^vou tivo; M^trai utjt' ev unoxn^yio tivi farn , olav ö fi; övOpw- 
K(* f) o fi f Ixw Vgl. S. 144, 1. TsBVVBi^uciaa Uist. Beitr. I, 53 ff. 

6) So bestimmt Arist selbst den Begriff anderwärts. Metaph. V, 8. 1017, 
b, 13: Sita«« 81 tbutb Myitw ouoia Sri ou xaS' SnoxEiuivou Xs^etch, iUi x«i 
todtiov t« SM.B. VII, 3. 1028, b, 86: tb 8' uirexriusviv «Vui x«6' o5 -tl äiXa Xsjt- 
tou, Äufivo 81 «ütb [U]xin xat' äXXog. 8ib spütov iteb\ tmStou Staptartov (MtXtaT« fip 
Soxit slvai oäoia i8 unoxiJ|uvQ* rcpühuv. . . . luv [iin o&v Tiimp plpigtai tI kot' sVdv f| 
aW«, Sti tb [J) xa6' frnwcijjivau äXü xaO' öS tä äiXtt. Vgl. AnaL pri. I, 37. 43, 
«, 26. longit. t. 3. 465, b, 6. 

6) M. s. die Belege S. 197, 4, namentlich Metaph. VII, I: tö Bv Wtetw 
noUa^ü; (nach den verschiedenen Kategorieen) . . . fBVipbv Sri TOiltuv Jipötw 
Bv tb ft Intv, Emp oidjloIw ttjv odeia» . , . t« £' tütXa Xr^Ettti äna t^i to5 oExtit 



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Das Einzelne n. !•■ Allgemeine. 329 

Einzelwesen. Das Allgemeine M ja, wie er gegen Plato nach- 
gewiesen bat, nichts Försicltbestehendos: jedes Allgemeine, auch 
das der Gattung, hat sein Dasein- nur an dein Einzelnen, von dem 
es ausgesagt wird, es ist immer an einem Andern, es bezeichnet 
bot eine bestimmte Beschaffenheit, nicht ein Dieses; das Einsei* 
wesen allein gehört nur sich selbst an, ist nicht von einem An- 
dern getragen, ist das, was es ist, durch sich selbst, nicht blos 
auf Grund eines andern Seins 1 ). Nor abgeleiteterweise können 
auch die Gattungen Substanzen genannt werden, sofern sie das 
gemeinsame Wesen gewisser Substanzen darstellen *); und das mit 

tmof -.k jiiv B(M<ätijra( eIvbi, ta 81 7coi6-npoj; u. s. w djore to irptorun Sv xeA 

sü':i h (was kein von ihm selbst Verschiedene! ist, keinem Andern zukommt, 
vgl. AnsL post.1, 4, folg. Anm.) iXX' Bv torlSJ? Jj eiotnöv tfcj. c 7. 1080, a, 22: 
to t! Bart» SnXöt tt[ oiaia finip^tl. 

1) Kateg. c. 5. 2, ji, 34: ti ff äXXa te&vtb tJtoi xafl* faouqUwn Wrcwi tSv 
itptuTuv oiaifflv J| f; finonsifiÄFaic näTa1( fariv . . . (iJ) oJocüv o!v tSv KpdreH otaiöv 
iä-Jvaiiiv tüv äXXuiv tt ifcai. Anal. post. I, 4. 73, b, 5: Aristoteles nenne xafl' 
strb dasjenige, S jj.^] xxfl' 6rraxEi[iivoD Xiytzai. iXXou Tinb;, oTov to flaBC^ov Itepdv ti 
iv JiSi^ov la-d. *o\ liuxbv, J] 5' oilaia, xa\ Bas t68e ti, oijf TTepäv ti övtb farlv Smp 
liriv tb |tiv B)] [ii) xafl' unonEL|i^vou [seil, lejöfisva] xafl' »St« X^fiu, ti 81 x«6' 
fcaxsi^ou mtjxStpViiTa. Metaph. VII, 1. 1028, a, 27: {joSefaxaWoxaO'fxaoTov. 
o. 3. 1039, a, 27 : to vwpiorbv xa\ rb ■riSe ti oicipxov BoxeI fiiXwta TjJ odafa. o. 4. 
1030, a, 19: t)jv oSaiav xat tb T6"6t ti. Ebd. c. 6, wo ausführlich gezeigt wird: 
l-.i t& tbv npurnuv xa\ xa&" «ira XeYoiiivdiv T ^ Sxiffru eTybi xa\ fxa<iTov tb afiri> xa'i 
fc fen {1032, a, 4), -das» das Wesen nicht (wie die Ideen) vom Einzelwesen 
verschieden sein könne, c. 10. 1035, b, 38: xaOdXou 8' oix iVttv oiJai«. o. 12. 
1037, a, 27: fj ouofa Fv ti xa\ r6Be n arjuaivs: £>; ^ijitv. c. 13. 10S8, b, 10: KpÜTI) 
<rj«i IBio; Sx4t™ ij oäy GidipX* 1 JXXij, to 3e xaWXou xowiv. ebd. Z. 34. : St t* W] 
Tü-JTidv fiiüipouai pnYEpov Eti o'jBb tö>v xxtjXoj Gnap^ävTu» o'iol* fiVA, xbi Eti oiJflh 
ii[wivti t£5v xoivjl xaTr|7opou|tESwv tue ti, JXXä toiövSs. e. 16. 1040, h, 23: xotvbv 
r5h aJab' oSBiVt ^*p Sltapx« f) oüaia äXX' 1j a6tr t TE xa\ TÖ e^ivti «ä-rijV o! lirftv 
'Ai«. ebd. Schi.: tüv xxSdXou Xä T i-]j.^wv oilBtv oMa. XII, 6, Auf. teti S' ^rt ™ 
fl« j^iupiara, Ta S' oü ^n>pioTj, o-jcnai jxttva. xa\ 8:1 toütq n&VTcuv »Ttio TaÜra. soph. 
cl. c. 22. 1T8, b, 37 (vgl. ebd. 179, a, 8): Tb yäp ävSpuixo; xol Sftav to xoiv'ov od 
tßt ti, IXl« TOWjvSi ti ij Tcpi; Tt )] nSj J) Töiv toioiJtüiv ti oijjurfm. (Selbst *on 
den danlierien Eigenschaften der Dinge gilt dless, s. o. S. 159.) gen. an. IVi 
B. TB7, b, 38: To xa6fxaoTov toSto yhp f] odora. 

2) KaL c. ft. 2, a, lfi: SiiiTipai &i oäotai X^ovTai Iv oT; iTaccnv a! ftptiruf, od-f 
*->i Xryd|uva[ äftap^Quui, TaU-ra xe xoit t« tSv tfööv toiJtuv f evi^ . .. oTov E te äy6poj- 
W( xd xb Cfiiov. Ebenso Im Weiteren. Sonst kommt der Ausdruck Btirrfp* od- 
'i* bei Arist. nicht vor; da er aber doch für „Substanz im ursprün glichen 
Sinne" anch anderwärts nptkrj oMo, fBr „dritte Klasse von Substanzen" Tpf-nj 
Ma sagt, so ist diess, wie schon 3. 60 bemerkt wurde, unanstOSsig. 



SSO ArUtotale». 

not so grösserem Rechte, je naher sie der Biniehubstanx Habe», 
80 dass demnach die Arten jenen Namen in höherem Grad ver- 
dienen, als die Galtangen 0; nach dem strengeren Begriff der Sub- 
stanz jedoch kommt er innen überhaupt nicht zu, da sie von den 
Einzelwesen ausgesagt werden 0* und da auch von ihnen, wie 
von jedem Allgemeinen gilt, dass sie hiebt ein Dieses, sonders 
ein Solches, nicht die Substanz, sondern die Beschaffenheit der 
Substanz ausdrücken *)• So lassen sich auch die weiteren Merk- 
male der Substanz, welche Aristoteles angiebt, so weit sie wirk- 
lich diesem Begriff eigentümlich sind, nur an der Einselsobstani 
nachweisen *). Kann daher die sog. zweite Substanz auch nicht 



1) Kat. o. 5. 2, b, 7 ff. Du Gegentbeil scheint Arial freilich HeUpb. VIII, 
1. 1042, a, IS tn sagen: sn SXXtas [oupSouvu] TD T^°< (UÜUov töv tlfiwv (oüoiav 
&i<t<\ xot to xaBdXou rfiv naflExanra. Allein damit will er nicht »ein« eigene An- 
rieht aussprachen; Tgl. VII, 13. Bonn n. Bchwebi.ee z. d. St 

2) Kit. o. 5. 2, a, 19 ff. b, lö — 21. 

3) 8. 8. 229, 1. Kat. c B. 3, b, 10: xwra 51 ofafo Soxtf TÖ% tl anjJ.«ivEiv. 
Von den TtpÄTtt'. cAiun gilt diese such unbedingt; tüv &i Stutipuv oüiuuv <asivs- 
Wl [ilv öjiota; T(ü tr//ipa.v ttj; Jtposufoptis täSe ti or.jiaivsiv, . . . od |aJ)» iXi)ß^( f(, 
öiXi uÄiov Ttoidv Ti <TT,[iaLvsr oJ -ap £v Jon to £rto«f[iEvov SajiEp j| npiutTj oüoi'i, 
äXli HttTa xQÄXtuv ä äv8f*fltü( Wymoi xat tb Jijiov. 

4) Dm erste Merkmal der Substanz war tb |aJ) x«6' &coxi4^vau UycTtu. 
Dass dieses nur von der Ein sei sab» tanz gilt, ist gezeigt worden. — Ein zweites 
(*. a. Ü. 3, b, 6 ff. u. oben 226, 4) ist tb pi) sv Or.onf^htf tUat. Dieses kommt 
nun allerdings auch der Gattung zu; aber nicht ihr allein, sondern ebenso 
(Kat. o. 6. 3, a, 21 ff. s. o. 145, 1) dem artbildenden Unterschied, denn dieser 
ist gleichfalls in dem Begriff dessen, dem er zukommt, enthalten, während £> 
SnoxiuxcVt|t nach Arist. a. a. 0. nur dasjenige ist, waa nicht zum Begriff dessen 
gehfirt, Ton dem es ausgesagt wird, waa in einem von ihm selbst unabhängigen 
önbetrat ist; so dass also z. B. in dem Satze: „der Körper ist weiss" das 
Xiunbv ii 6soxiuis*(|> ist, dagegen in dem Satz: „der Mensch ist zweibeinig" dal 
Bfaouv nicht lv finoxuurvu. — Eine weitere Eigen thfimtiebkeit der Substanz ist 

, (Kat. o. 5. 3, b, 24) to [ujStv au;»T; tvavrfov gW. Indessen bemerkt Arist. selbst, 
das Gleiche finde sich bei den Grosaenbestimmungen and vielen andern Be- 
griffen; und dasselbe Hesse sich einwenden, wenn (a. a. 0. Z- 33) gesagt wird, 
die Substanz sei keiner Gradunterschiede (keines Mehr und Minder) fUüg, ds 

-zwar vielleicht gesagt werden kannte, Einer sei mehr oder weniger Mensch 
als ein Anderer, keinesfalls aber, er sei mehr oder weniger zweibeinig. — Wird 
endlich (a. a. 0. 4, a, 10. b, S. IT) als die entschiedenste Eigenschaft" der Sub- 
stanz bezeichnet : tö tiutov zott tv üptfipj^ Sv TöJv liavvjav eTvju ätxTmbv , to xati 
t)]m Eoturjjc |UTctßoXi)v 3axtix)|v tüv fvauTtiov iHytu, so gilt diess theils nur von der 
Ein lelsubs tanz, denn die Gattung ist keine Zahlainheit und keiner Veränderung 



Da* Einielno u. du Allgemein«. ,231 

schlechthin der Qualität gleichgesetzt werdft, so ist Sie doch eigent- 
lich auch nicht Substanz zu nennen; nie bezeichnet die Substanz, 
aber nur nach der Seite ihrer Qualität, sie ist die Zusammen- 
fassung der wesentlichen Eigenschaften einer bestimmten Klasse 
von Substanzen 0; jenes Selbständige und Fürskhbesteheude da- 
gegen, welchem der Name der Substanz ursprünglich zukommt, 
sintl nur die Einzelwesen. 

Diese Bestimmung ist nun aber nicht ohne Schwierigkeit. Wenn 
es alles Wissen mit dem Wirklichen zu tiuin hat *)> so wird nur das 
Wirkliche im höchsten und ursprünglichen Sinn den höchsten und 
ursprünglichen Gegenstand des Wissens bilden können; wenn das 
Wissen Erkenntnis« des Wesens ist '), so wird es sich zunächst auf 
das wesenhafte Sein, die Substanz der Dinge, bezieben müssen*). 
Ist daher jede Substanz Einzelsubstanz, so folgt, dass alles Wissen 
in letzter Beziehung auf das Einzelne geht, dass die Einzelwesen 
nicht allein seinen Ausgangspunkt, sondern auch seinen wesent- 
lichen Inhalt und Gegenstand bilden. Diess zieht jedoch Aristoteles 
huFs Entschiedenste in Abrede. Die Wissenschaft bezieht sich sei- 
ner Ueberzeugung nach nicht auf das Einzelne, sondern auf das All- 
gemeine, und auch wo sie am Tiefsten zum Besonderen herabsteigt, 
richtet sie sich doch nie auf die Einzeldinge als solche, sondern 
immer nur auf allgemeine Begriffe s ). Diesem Widerspruch lasst 
sich auch nicht durch die Bemerkung entgehen , nur im Gebiete 
des natürlichen Seins sei das Einzelne, im Gebiete des Geistigen 
dagegen das Allgemeine das Erste. Denn Aristoteles selbst weiss 

ftUgt thetfc liegt darin eine bedenkliche Gleichstellung der Bnbatans mit dem 
Stoffs, auf die wir später noch xarttokkonunen mSieen. 

1) Kat c 5. 3, b, 16 (naoh dem S. SSO, 8 Angeführten); o&g, isläf ft 
*m&> ti Tr^alnt, Asntp to Xtuxiv. oiSiv fip aXXo cnjfisfoi to iiunav üX f, koiSv. 
™ St i&K *ai tö f i*<n rcspt «Mi* tb aoibv s?op&[ ■ xMav ybp tiva oMw aijfiacvtc. 
Vgl 6mn. liateg. 26, ß Bm., welcher die icoia tis oCoii durah rnuirijc okuMnc 
■tklkrt. 

I) 8. o. S. 109 f. 

3) Ebd. and 147, 1. 

4) Metnph. VII, 4. 1080, b, 4: axtfvo St <p«v(pbv Sri S npiivm x«l axlüc öpis- 
fbt "tt 1 . Tb t( ijv eW tSv oiotSv JVwi. Weitere» S. 147, 1. 

5) S.S. 110,3. 111,2. 148,3. ISO. Vgl. Anal. po»t. 1, 2*. 85, a, 10 ff. den 
Naohweii, diu die allgemeine Beweiaführang voraflglieher sei, ala die parti 
knllre, und ebd. c 14. 79, a, 38: to Gl ti Jon tSv xaflOou «Wv. 

6) Biese Fhiloa. d. Artet. 1, 56 f. 



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232 Ariitotola». 

nichts von dieser Unterscheidung; er sagt ohne jede Beschränkung: 
das Wissen gehe nur aufs Allgemeine, and ebenso anbedingt: nur 
das Einzelwesen sei ein Substantielles, und er wählt für beide Sfilie 
die Beispiele, mit denen er sie belegt, gleicbsebr aus der natürlichen 
wie aas der geistigen Welt 0- Selbst die Gottheit ist ja Einzelsub- 
stanz. Dass aber die Substanz auch wieder der Form gleichgesetzt 
wird, kann nichts biegegen beweisen, de sich in der Bestimmung 
dieses Begriffs, wie wir finden werden, die gleiche Schwierigken 
wiederholt, welche uns gegenwärtig in Betreff der Substanz be- 
schäftigt. Einen andern Ausweg scheint Aristoteles selbst, welcher 
diese Schwierigkeit in ihrem vollen Gewicht anerkannt bat*), mit 
der Bemerkung •) anzudeuten , die Wissenschaft als Vermögen be- 
trachtet sei unbestimmt nnd gehe auf das Allgemeine, in der Wirk- 
lichkeit dagegen gehe sie immer auf etwas Bestimmtes. Auch diese 
Auskunft reicht aber nicht entfernt aus. Denn das Wissen des Be- 
sonderen entsteht nur durch Anwendung allgemeiner Sätze, von 
deren Gewissheit die seinige abhängt, und es hat ebendesshalb, wie 
diess Aristoteles ausdrücklich anerkennt*), nicht das Einzelne als 
solches znm Gegenstand, auch das Einzelne wird vielmehr nur in der 
Form der Allgemeinheit *) erkannt; soll dagegen das Einzelne das 
ursprünglich Wirkliche sein, so müsste es gerade als Einzelnes den 
eigentlichen Gegenstand des Wissens bilden, und das Wissen des 
Allgemeinen müsste hinsichtlich seiner Wahrheit undGewissheit von 
Ihm abhängen: nicht das Allgemeine, wie Aristoteles lehrt 8 ), son- 



1) M. vgl. in Betrnff des Ersten Motaph. XIII, 10. 1086, b, 88 ff. I, 1.981, 
•,7. Ans!, poüt. I, 31, in Betraft des üweifen Kateg. o. 5. 3, b, 14 f. Mettpb. 
VTJ, 10. 1085, b, IT. o. 16. 1040, b, 31. XII, 6. 1071, a, 2. 

2) Motaph. III, 4, Anf. "Eon 8* ifa-iirr] te xoiirtuv oxopta **\ nafföiv x*tan*- 
rimi x*t ävcrpuuOT&Ti] Quapfjaai, jttpl ffi & W-ps Ifimpit vOv- ifrt -fip [^ <<rn ti 
xspä t« meUkowts, ti Gl xaäixama ämpa, Tffiv S' «ulpa» xäthü^cau \a$in 
faumjp] v ; o. 6, Sohl : il yh afa xaftdXou at itffjii, toDts ou]*p«iv6i (ntmlieb, wie 
oa TOib.Br heisa t: nix esovicu oüatar ouÖlv ^äfj tüv xotvüv t6& ti ai][Ut(vc(, üü 
TaidvSt, f| 6' oüoi« x6tt Ti) ti Sl jii) xalWlo-j, aXX' ü{ to x«te«ara, aus ?oovtni im- 
«rjnrf- xrfiJXoii yip al imadfrja nScmn. Vgl. Motaph. XI, 2. 1060, b, 19. XIII, 
10, auch VII, 18. 1069, ft, 14. 

8) Motaph. XHI, 10; s. o. 118, 1. 

4) 8. o. namentlich ß. 148, 8. 160, 5. 

5) Tö x«661oo ie T a>, wie es Motaph. TU, 10 (i. o. 148, 8. 149, 2) beisit. 

6) 8. o. 186, 2. 



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Dai EI meine n. üas Allgemeine. 238 

den das Einzelne wSre an sich bekannter und gewisser *'). Wollte 
man aber, diess zugebend, sagen, an sich sei die Gattung mehr 
Wesenheit, als die Art, für uns dagegen sei es die Art mehr als die 
Gattung *), so würde man sich mit den bestimmten Erklärungen des 
Philosophen in Widerspruch setzen, welcher schlechtweg behauptet, 
dass jede Substanz im strengen Sinn Einzelsubstanz sei, nicht dass 
sie uns so erscheine. Nur in Einem Fall tiesse steh diesem Bedenken 
entgehen: wenn es ein Frincip gäbe, welches als Einzelnes zugleich 
das schlechthin Allgemeine wäre, denn ein solches könnte zugleich 
»ls ein Substantielles Grund der Wirklichkeit, und als ein Allge- 
meines Grund der Wahrheit sein. Ein solches Princip scheint sich 
nun bei Aristoteles im Sehlussstein seines ganzen Systems, in der 
Lehre vom reinen Denken oder der Gottheit, zu finden. Sie ist als , 
denkendes Wesen Subjekt, als der Zweck der Beweger und die 
Form der Welt zugleich ein schlechthin Allgemeines; ihr Begriff 
existirt nicht blos zufälligerweise 3 ) , sondern seiner Natur nach 
nur in Einem Einzelwesen , während in allem Endlichen das All- 
gemeine sich in einer Hehrheit von Einzelnen darstellt oder doch 
darstellen könnte *). Von hier aus könnte man die oben angeregte 
Schwierigkeit so zu lösen versuchen, dass man sagte, in Gott als 
dem höchsten Princip falle die absolute Gewissheit für das Denken' 
mit der absoluten Wirklichkeit des Seins zusammen, im abgeleiteten 
Sein falle die grössere Wirklichkeit auf die Seite des Einzelnen, die 
grössere Erkennbarkeit auf die Seite des Allgemeinen. Allein dass 



1) Ans diesem Grunde genügt mir »ach die Lösung von Rissow (Aristo*, 
de notiouis defhutione doctrina 8. 57) nicht, welcher mit Berufung auf Metaph. 
VII, 10. 1035, h, 28 (wo fibrigens zu den Worten iö; mSiXou, die im Gegen- 
satz in dem Folgenden *aft ' fxaorov stehen , einfach ein rfnflv ?.n suppliren äst) 
oed c4. 1019, b, 19 den Widerspruch durch die Bemerkung an heben sucht, dass 
in dar Definition und überhaupt in der Wissenschaft du Einseifte niabt ab 
Einselnea, sondern nach der allgemeinen Seite seines Wesens betrachtet werde, 
Gerade damit müaste es sich anders verhalten , wenn das Einzelne das Sub- 
stantielle wäre. 

S) Buidib II, b, 668, dessen Antwort anf unsere Frage mir Oberhaupt nicht 
recht klar ist 

S) Wie etwa der der Sonne oder des Mondes, s. o. 160, 4. 

4) Metaph. Xlt, 10. 5 074, a, IS: 6m «pi6ji<Ö JtoUi SXjjv lytr elf fhp XS-fOc 
«ü& dt04 iuAXüi, vlov «vflpiniwu, S(uxp4t»|( *l etj- ti 81 t! ^v ervai aix fysiBlijv 
to Ttpürov, inMftun fif. 



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834 Atiatotslu. 

die» nach aristotelischen Voraussetzungen möglich ist, wäre «aral 
ucbt bewiesen, und so bleibt schliesslich doch nur übrig, na diesen 
Punkte nicht blos eine Lücke, sondern einen hockst eingreifenden 
Widerspruch im System des Philosophen anzuerkennen ')• Di» 
platonische Hypostasirung der allgemeinen Begriffe hat er be- 
seitigt, aber ihre zwei Voraussetzungen: dass mir das Allgemeine 
Gegenstand des Wissens sei, und dass die Wahrheit des Wissen« 
mit der Wirklichkeit seines Gegenstandes gleichen Schritt balle *), 
lägst er stehen; wie ist es möglich, beides in widerspruchsloser 
Weise zu vereinigen? 

Auch von den weiteren Bestimmungen werden wir diess nicht 
erwarten dürfen, mittelst deren Aristoteles die Fragen zu loses 
sacht, welche die Ideenlehre und die mit ihr zusauuneahängenden 
Lehrbestimmungen unbeantwortet gelassen hatten. 

3. Die Form und der Stoff, da» Wirkliche und darf Mögliche. 

Zunächst müssen wir auch hier auf die platonische Lehre zu- 
rückgehen. Plato hatte in den Ideen das unsinnliche Wesen der 
Dinge von ihrer sinnlichen Erscheinung unterschieden. Aristoteles 
weiss sich dasselbe als ein ausser den Dingen für sich bestehendes 
t Allgemeines nicht zu denken. Aber jene Unterscheidung selbst will 
er darum nicht aufgeben, und seine Gründe dafür sind die gleichen, 
aufweiche schon Plato sie gestützt hatte: dass die unsinnliche Form 
allein Gegenstand der Erkenntniss, sie allein das Bleibende im 
Wechsel der Erscheinungen sein könne. So gewiss die Wahrneh- 
mung etwas anderes ist, als das Wissen, sagt er mit Plato, so 
gewiss muss auch der Gegenstand des Wissens ein anderer sein, 
als die sinnlichen Dinge. Alles Sinnliche ist vergänglich und ver- 
änderlich, es ist ein Zufälliges, das so oder anders sein kann; du 
Wissen dagegen bedarf eines Gegenstandes, der ebenso unver- 
änderlich und nothwendig ist, wie es selbst, und sieh ebensowenig 
in sein Gegentheil verkehren kann, als es selbst sich jemals in Un- 



1) Nachdem schon BiTTMt III, 130 auf disM Schwierigkeit a 
gemacht hatte, ist fie von Hanta* Vergl. d. arist. und hegel. Dial. ISO. 181 f. 
nnd in unserer ersten Aufl. 8. 406 ff. weiter beaproebM worden, welcher 
Boirrz Amt Hetaph. n, 569. Schwwjli« Ariat. Hetaph. III, 186 beitreten. 
Vgl. auch SraOüFBLi. öesoh. d. thaor. Phil: 361 ff. 

3) 8. lata Abtti. 8. 413 f. 



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Foifa and Stoff. 29$ 

wissen»«» verkehrt: vt» de» sinnlichen Dingen giebt ei weder 
eines Begriff noch einen Beweis, die Form allein ist es, worauf sieb 
das Wissen bezieht 1 ). Sie ist aber auch die unentbehrlJclieBedingunf 
■lies Werdens; denn alles Werdende wird aus etwas und zu etwas, 
das Werden besteht darin, dass ein Stoff eine bestimmte Form an- 
nimmt; diese Form muss daher vor jedem Werden als das Ziel des- 
selben gegeben sein, and gesetzt auch, im einzelnen Fall wäre sie * 
selbst erst entstanden, so kann dies» doch nicht in's Unendliche so 
fortgehen, da es dann gar nie zum wirklichen Werden kommen 
könnte: das Werden überhaupt lästt sich nur erklären, wenn allem 
Gewordenen die «»gewordene Form ä ) vorausgeht 0- 

Aus demselben Grunde muss aber der Form der Stoff gegen- 
überstehen, und das Verhältnis! beider darf nicht (mit Pinto) ein- 



1) Metaph.VII.il. 15 (s.o. 148, 3), wozu m. vgl., was lsteAbth. 6.412 f. 
ins Plato angeführt wurde. Ebd. ITT, 4. 999, b, 1 : e? ;<tv otSv pifiii Ion napä ti 
iri' fxooXK, adBi« lv ei*] vorjtbv iiXa itoVT« a!afli|ra not $niOTr[iu] odSsvbt, e! |atj tif 
lfm Ufa ti» oiWhjow äcm>J|Miv. Ebd. IV, 5. 1010, a, 26: xati tb eBo« tncmta 
ji^Ytuoiiojisv. 

2) E13o(, |wp<pj), \6~;<ii (vgl. 8. 147, 1), odoia (hierüber unten), tb fi fj* tW 
(i. S. 146, 1). 

3) Metaph. III, 4. 999, b, 5: «1X4 ^v tT ?e «ffiiov od6& iony, odSt yeW™ 
eTisi Buvwdv ■ äwiyiq y»P »I™' w ti yi-fiiufvov xcA B; oä YfrpMttti "•* ***** * 
xyxwi äfhinNV ikip Tstmbi te itlfi p.i; övtoj ysMioflai oä'J vatu» . . . . Iti S ' cursp 
tj 5Xi] fort Bio tö äfivv^ro; eh«, jcoXu In iiäXJiov eSXoyov tltta xJ]v ouoiotv 8 jtore 
Wrt] -fCyvrrai" eI yip jjjIt« -routo Errat jm(™ exeIw,, odBiv eotki ti icapannv. ei 1 Sc 
:ovto iäiivatov, iviym] tt iftal Tiapi tö jdvoiov ijjv (i°P?V *& T ° E ^°f- v ^> 8: 
eke'i Se isd tivöf te ^lYvitai tb 7Cfvifuvov . . . xat ix tivo( (z. B. aus En) . . . xa\ B 
^Tvrnt (z. B. eine Kugel) ... Sarep oiSs tb äTiaxttfiEvov iroiil tdv yoAxbv, oEtiu< 

oJil t*|v a^sfipav eI [J.J] n«tl oup-ßißi]xij; Xe'y'o 8' 8tt tbv ^otlxbv 3Tpo-fT^ ov 

soiflv foifcy ad tb etpe-fpäity )) -rijv «fafipov jroiiiv, ÜA* (npiv B, olbv tb sBo( to&ro 
sv sÜm. Die Form könnte ja wieder nur aus einer andern entstehen und so 
ra's Unendliohe, da alle Entstehung Einbildung einer Form in einen Stoff ist. 

injf'ov öpa Bti oüSl tb eBo( ... oü fifmat ... odSfc tot! ^vsfrjtt axitb (iiv As 

■&>( ij auaia JLe^pfVOv od YiJvtTäK , f, Be aiivüöo; f] jtati -raünju J,Ef t L ^'"i y'T V£ ™> 
(J 1 ! iv. iv !ta«i tip YtvouÄip GX>] svesTi, xal stm tb pkv toSe to Se töSe. c. 9. 
1034, b, 7 : od [iovqv Se ictp'l rq{ ouofoc h Äiv^ 6i]Xq"! tö u.J] y^ 50011 to ^ So 'i ^^ 
Jsfl xnrruv üjj.o!ü>( tüv icpi&Ttuv x«vb( i \&~(<n, oTav araaoü itoioS u. e. w. Nicht die 
Kugel and niaht das Erz entsteht, sondern die eherne Kugel, nicht das itolov, 
Boadem das icoibv SüXov. XII, S, Anf.: od Y'T VJIt " °''' tE ^ ^1 °'' TE TD £ ^°t> ^T"* 
8 - ii ea^are. icsv fäp luroߣOiE( ri xil ämi tivo; xai eTc tu if ' «ä [j.iv, toü itpc^tau 
xiVDüvtot' 3 Se, Sj öaj)- äis o Se, tb eTSo«. e?4 äratpov d3v e&iv , «t (if r ^dvov a /_iix'o; 
|tptwi otpOYT'Aot, äXlä ksü tb arpOYT^ * 1 « X*A»*C ' Mnfin|.tt otijvai. 



236 AMitotete». 

fach als ein gegensätzliches bestimmt werden, so dass «Hes Sein 
ausschliesslich auf die Seite der Form Sele und für den Stoff nur die 
Bestimmung des NEchtseienden übrig bliebe. Es handelt sieb auch 
hier um die alte Frage nach der Möglichkeit des Werdens 0- Ans 
dem Seienden scheint nichts werden zu können, denn es ist schon, 
«us dem Nichlseienden nicht, denn aus nichts wird nichts. Dieser 
Schwierigkeit lässt sich nach Aristoteles nur dadurch ausweichen, 
dass wir sagen, alles, was wird, werde »us einem solchen, das nur 
beziehungsweise ist und beziehungsweise nicht ist. Was etwas wird, 
kann nicht schlechthin ein NicMseiendes sein, es kann aber auch 
noch nicht das sein, was erst daraus werden soll, es bleibt also nnr 
-übrig, dass es dieses zwar der Möglichkeit, aber noch nicht der 
Wirklichkeit nach ist. Wenn z. B. der Ungebildete ein Gebildeter 
wird, so wird er dieses allerdings aus einem Nichtgebitdeten, zu- 
gleich aber aus einem Bildungsfähigen; nicht das Ungebildete als 
solches wird ein Gebildetes, sondern der ungebildete Mensch, das 
Subjekt, welches die Anlage zur Bildung hat, aber in der Wirk- 
lichkeit noch nicht gebildet ist Alles Werden ist ein Uebergang der 
Möglichkeit in die Wirklichkeit; das Werden überhaupt setzt daher 
ein Substrat voraus, dessen Wesen eben darin besteht, die reine 
Möglichkeit zu sein, welche noch in keiner Beziehung zur Wirk- 
lichkeit geworden ist *). Alles wird das, was es wird, aus seinem 



1) Vgl. S. 207. 213, 4. 

2) Dieser Zusammenhang ist Phys. I, 6 — 10 ausführlich entwickalt. Um 
siebt den ganzen Abschnitt abzuschreiben , will ich die folgenden Stellen her- 
ausheben. C. 7: (pififcv fip •(tvtaiau t% äXXou äUo xii 1% hipm Eupov J) il äxU 
Wyovt£( fl ■rJ-fKEitAsvi (jenes, wenn ich sage: der Mensch wird gebildet, oder: dar 
Ungebildete wird gebildet, dieses, wenn ich sage: der ungebildete Menach wird 
ein gebildeter Mensch), tüjv Se -y-tvofiivwv ü{ T&. irelö WfO[AEV ^VEsGat , tb piv 
fnojiivov X^djiev ^CveoS«, rb B' oi^' &xou£iai- h }t\i -jap ävflpioTto; ixa^fta u.ou- 
01x04 yiv6\nvai ävOpuiCDf xal Jan, to 51 |»ij |iO'jaixbv *A to «[iouotv oute ilcXSt süti 
3UVTifli'[i£V0v SnopivEi. 3»upio]iEvu>¥ 81 toJtiuv, eE änavTiuv tSv t rfVwAwv Toüro in 
Xaßfiv iav t[( ImßX^tjii), ßoiiEp WfO[j.EV, StlSeIti A& äiroxrfafloti to yiv6|ievov, isi 
toQto ei na'( äpifljiiö iortv tv, iXX' eiSei y* o^X ^ ■ ■ ■ <™ yip Taürbv Tb ävflpiüitoj «\ 

Tb ä(10liot(l efc*l. X«! TÖ JJ.EV SlTOUiVEl, Tb B' oäX fitOflÄFE! ■ Tb [liv '(«Jl aVTlXE([lEVOV 5ira- 

[ievei (S -jap ävflpaixo( äjuojjivEi) Tb fioumübv 61 nfl to öjiouaov oä^ SftOfit'vEi. EM. 
190, «, 31: bei allem Anderen, was wird, ist die ofloin das Substrat der Verän- 
derung; 5ti 81 x«\ at oiaiai xii Sau äXXs ä^XÜJ; övra 2£ SjtoxitfiEvo'j Ttvin y!vET«i, 
i'iciOTWJtoSvTi ysvoit' Sv »aiiEprfv. Diess wird sofort am Beispiel der Pflanzen, der 
Tbiere , der Xmutprodukte , der chemischen Veränderungen {iXloi&oiisJ naoh- 

. ;:: ;i -,G00Qlc 



Form und Stuff. $$f 

Gegeatheil: was mm wird, nmss vorher kalt, wer ein Wissender 
wird, ntoss vorher unwissend gewesen sein 0- Aber das Entgegen- 
gesetzte als solches kann sich nicht in sein Gegentheil verwandeln 
oder auf sein Gegentheil einwirken: die Killte wird nicht zur Wärme, 
die Unwissenheit nicht zum Wissen, sondern jene hören auf, wenn 
diese eintreten; das Werden ist nicht Uebergang einer Eigenschaft 
in die entgegengesetzte Eigenschaft, sondern Uebergang aus einem 
Zustand in den entgegengesetzten Zustand, Vertuschung einer 
Eigenschaft mit einer andern. Alles Werden setzt daher ein Sein 
voraus, an welchem dieser Uebergang sich vollzieht, welches den 
wechselnden Eigenschaften und Zuständen als ihr Subjekt zu Grunde 
liegt, und sich in ihnen erhält. Diese Unterlage ist in gewissem 
Sinn allerdings das Gegentheil dessen, was sie werden soll, aber 
sie ist diess nicht in sich selbst, sondern abgeleiteter Weise: sie hat 
die Eigenschaften noch nicht, die sie erhalten soll, und hat statt ihrer 
die entgegengesetzten, sie steht insofern zu dem, was aus ihr wer- 
den soll, im Verhältniss der Verneinung; aber dieses Verhältnis« 
betrifft nicht ihr eigenes Wesen, sondern nur die Bestimmungen, 



geniesen, und dann fortgefahren: öq-te Sijio» h tüv eiptjpiwdv, Bti t'o fivd|uvov 
•Mv öd oüv&etöv coli, xal toxi [liv tt -f ivdjuvciv , itm 8: tl o toüto ffvrt«, xi'. toüto 
SrcroV !] Y«p t'o [iconEijiivov i) to ä«ixii[«VQY. Xfrai 6i ivTHiloBo: fih -o ä^iausov, 
wtoxEiafl« St tov ävflpuinov, xal T>)v |iiv äoy^jiQayvTjV xai ttjv a(iuf^iav i) tijv iia- 
fim ib iytixfeii«vov T tov 8t ^oAxbv )j toi* üflov 1\ tov ^poobv tö ircoxtijiEVov. gwnehv 
ow . . . Sit -jiyviTai Jtiv sx TS toD Shoxelujvou xal rij{ [topfte . . ton 5t cd br-oxti- 
|uvc> MiBji^ fit» tv, eläei St Siio, uütnlich 1) der Stoff als solcher und 2) die 
Negation der Form (die tneprp'-i) als Eigenschaft (oujtßcßqxbf) des Stoffes. Eben 
diese Unterscheidung, fährt nun c. 8 fort, löse nach die Bedenken der früheren 
Hulosophen gegen die Möglichkeit des Werdens. Diese nämlich haben dos 
Werden gans geUügnet: oün ifap ro Ev Tfi««fl«t (tl'«' T*P *ßr ( ) ** " V$ «m>i 
•fiiät» ki v£U£oOai . . . ijjiet; St x»t «üto( yajttv Yipicqflai (iiv ouBlv tbcXüt ix (it| öviof, 

'[UuS pivTOI -J-l-pHEjOat ix [iij OVT0(, oIÖv X«ti OU(lft^IJllÄ( * ix f Op TJj( OTEplfalülf , S 

tni uB' a&to jij) Sv, odx ävuj;äf ^ovtos Ytyvsral ti (d. b. ein Ding wird das, was 
m nicht ist, aus der Negation, welche an und für sich ein Nichtseiendea ist, 
der Mensch z.B. wird das, was er nicht ist, gebildet, ans einem Ungebildeten) 
■■■ ik |*iv Sil Tpoxef oStoc, äXXo« 8' Sil iviifirxt raüri. M-fE» xar.s rf.v 8Jvn|uv xsl 
V eripruav. Gen. et oorr. I, 3. 317, b, 15: xpanov (itv twa ix [i)| övco; izlüi 
Twtteu, Tpaxov Bt ällov i? övtoj «ti. TO Y*P äaiifif. 5v ivw^tia St [ii] Sv JivJrfx^ 
«foiraifX,"v Xrrdusvov suforipu*. Vgl. Hetaph. XII, 2. o, 4. 1070, b, 11. 18, 
ü- S. 1071, b, 8. IV, 5. 100», a, SO und oben 235, 3. 
1) B. u. und Phys. U, 6. 205, a, 6. 



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338 Artitot«l«B. 

welche ihr ankommen *). Als die Voraoasatiwg dies Werden* 
ktnn dieses Substmt niemals entstanden sein; und da alles, vn 
vergeht, sich zoletit darein auflöst, ist es unvergänglich S J. Dien 
«gewordene Grundlage des Gewordenen *) ist die Materie *): n 
der Form kommt als Zweites der Stoff. 

Hiernach bestimmt sich nun der Begriff und das Verhältnis! 
dieser beiden Principien naher dabin, das« die Form das Wirk- 
liche ist, der Stoff das Mögliche 6 )- Beide Begriffe sind ja nur 

1) M. vgl. ausser den letzten Anmm. und S. 224 Phys. I, 6. 189, a, 20: et 
können zur Erklärung der Erscheinungen nicht blos zwei Principien ange- 
nommen werden, welche sich rein gegensätzlich verhielten, änopifatiE -f"P «* ''A 
XiÖf J) f-, tuuxvqtij; t)|v p.ar6tr t Ta rtairftv ti nifWi Jj dilti) tJ|» JWxvitqta. O[ioio>s S 
x«1 iXXn bnoiaaw bannten u. s. w. o. 7. 190, b, 29: 8i foti |*iv w; 6iin Xntttol 
tftat tot ifX.«i *"' S' io( tpeV xott foti [liv üc tävsvtld, Otoi t" TIC Myoi tb [tou- 
owbv ksi tb !|*ou<iov j) tb 6ei;|ibv xoi tb fu^pov 1 t0 ^Pr""r l ^ , ' <,v ""^ ™ iv&prioOTOY, 
&tl E* w{ oü' 5z* iXXijXwv fäp Ttäa^Eiv t«v«vtw aBiWatov. Drei Principien erhalt 
man (a. a. 0. 191, a, 12), wenn man ausser dem ixo«!p.s>ov und dem Wyo( dl« 
srtp7|j<; besonders Buhlt, andernfalls nnr «wei; da« Entgegengesetzte ist Prii- 
cip, eofern der Stoff mit der aTipijon, dem Gegen thoil der Form, welche er er- 
halten soll, behaftet ist, ein Andere« als du Entgegengesetzte, sofern er an sieb 
selbst der einen Bestimmung so gut, wie der andern, fähig ist e. 9. 193, b, 16: 
Plato fehlt, wenn er die Materie einfach dem Nicbtsefenden gleichsetzt, iitr,; 
f 4p tivqj Oei'oj xa\ ä-faloB xnt ipttoü, tb uiv evovriov ailxiTj tpajtrv sfvat, re 5t 3 irf- 
fuxEV JoieoBbi xat opejEtrOat auTou xbt! tt,v EauroÜ ipiiaw. tois St »ujipWwi rb iWf- 
Ttov OpffEiBat rr,; laursü fBopäf . xahoi oütte niib faumrii o&» ts E^ieaftat tb sTBof Sil 

, tb [i)) E?vat hBsej, oEte tb e'vivil'ov. tpBapttxi yip iXXiJXtoV ta statt*. öXXit toBt' 
fotrv jj BXi), Jiaiwp 5v eI BfjXu ädpcva; xa\ als^pb* xaXoü. (B. o. 8. 324.) l'hy*. 
IV, 9. 217, a, 22; (erb Gin u.ia töiv etartuiv, BepfioS x«\ fw " xs4 tfiiv * Ul *™ 
tiüi T u<jtxü>v eVavtu&SEtov, xat ix 6-jvip.E.i Üvto; jvcpfcfa 3v ftVETSt, Mit oi ^«piad{ 
iiiv [sc. tuv ävavr:Ä7Eujv] J] 5Xtj , x<ä 8 * elvat frspov. 

2) 3. o. 235, 3. Phys. I, 9. 192, a, 28: äfSaptov xat &fivvr,mv atipiij n>rf;v 
tlvou. cTts yäp ^y'T" 10 ' taöxEtoBai ti Eil npütav, tö ef öS cvmtdp][ovtot . . . efri ffct- 

pETBl, et; TOÜTO äflf^CTBl Jb^OTOV. 

3) Tb j-n«f([LjvOT, tb SexTixöv, s. folg. Anas-, 8. 286, 2 und gen. et corr. 1, 10. 
328, b, 10: BxtEpav uev Sixrixdv Batipav &' iTBo:- De an. II, 2. 4H, a, 9: u.np«r 
7»\ eTSd; ti <ai Xdfo; xol olov Ivitfi'-a toü StxtixoÜ. Ebd. Z. 18: &m Xö^o« tt( ä* 
inj [fj <J«xt;] xa\ eßo(, £XX' o^x SXij xa\ td uitoxstp^vov. 

4) Phys. a. a. O. Z. 31 : Xt^" T«P ^M* *° "pötov fi«oxslu4wv exijTüi , t? oü 
Tinetal tt E'voz4px oVT °f r 4 *! ""?" «w r l P»P , l x **- Gen ' et w" 1 "- ! i 4 i 8oh1 - 1 *«i ** SJa 
piXiora jiev xa\ xupioit td fiTtaxEtjUvo« f^inttui xat oflopi; Etxtixdv, Tpdxcv äi tna 
xat td toi« äXXctt« |utaßoXa1{. Metapli. I, 8. 988, a, 29: itspa» El [afc'«v ppkt 
ihm] -ri)v uXi;v xo\ -.6 uTKjxEipjuov. Vgl. die vorigen Anmm. 

6) De an. II, 1. 412, a, 6: Xffoutv yeVoj iv tt tÜTÄvtuv riji tJaias, tniln)c 

L r.zedB V G00gle 



Das Wirklich« n. das Mögliche. tSt 

dadurch gewonnen worden, dass die zwei Grenzpunktc unterschie- 
den worden, zwischen denen jedes Werden und jede Veränderung: 

& -i piv iu; SÄ7]v, 8 jwi& ' nitö [iiy oüx wn ttf 5i ti , fupay Si (j.opsi)i xsl (Bo(, xaä ' 
f,y iJSi{ li-f EtnL t°^ ! T1 *** tpltev to £x toütiuy. etiri S' jj jiiv EXjj Biiva[J-i(, ib 3' eTSo; 
evtlL^eib. Ebenso c 2. 414, a, 14 ff. gen. et corr. II, 9. 335, a, 32: ü( ;j.ev ouv 
UXtj ts"k tewiitoI; eow hTtiov tö" Buvktöv eTvki xb\ iif, eTvxi. Meiapli. TU, 7. 1033, 
>, 20: Skhvti 8t ti -fiy»^»« 1) eJas: ^ ^"ft Ix." 8Xljv. B'jvütov yäp xoft Aou xai 
[iJ] (hat !kckjtc<v aJtGv, ToSta 3' (dal was sein oder nicht sein kaun) iam it ixk- 
«np Elij. e. 15 (s. O. 148, 3). VIII, I. 1042, a, 27: tftnv 81 X^w fj u.i) t*8s w 
sjca EvspyEia BuvifMi eVil tiSBe xi. o. 2. 1042, b, 9: fr.z'i £' f, |*iv üf 5jeoxiuiev() *qä 
■'■•i Ur\ oiaia ä[iolo-fiiTa[, «Bttj 6' fort» ^ Swau«. Ebd. 1043, a, 12: f; evipvawi 
üh\ Sühn OIt;; xoft ö Xö-fo;. Z. 20: «11 EiSou; xat T7Jt EVEp-jEitif. Z. 27: 3| uiv vip 
n'nSXi] [oitri« icrin] f| 8' ihs iiopfJ] &ft h^p-jEia. o. 3, Anf.: ri|v ivSpTCiav xA tt)v 
Pfsijv ... Tijs änpfiEtit «ii toQ eBou(. c. 6. 1046, a, 23: e? S' (VA* ... t'o uA* EXi] 
ts Es fiepen^ not Tb ulv Buvifui ™ * topT« 1 ?- IX, 8. 1060, a, 16: J) tiXij sVt\ Su»o- 
[iEi, S-n IXBoi av E?;TbttSof- Brav 6^ T ' tvtprti«- j\, tiSte ("v tu »TBii farf*. b, 2, 27: 
fj oWa x«i to (.Bot hip^ttk £u™ ... fj oiaia [tüv tpOaf töv] BXij xat Sttvafiii oioa, 
owiYEpfEiti. XO, 5. I071,a, 8: IvepTifa (liv f«p tö eBo; ... Suvijui El ^ fSXi), 
Z. 18: jcivTiov 8t) «pütoi ipx«l ti *v*p-fs£a icpörov, ti eSsi, ttat äXXo 8 8uvo»m. 
Du o'JvifiEi Sv fSllt nach dieaen ErklUnmgen, deren Zahl Hieb leicht vermehren 
Hesse, mit der QXi;, das (ys^i'.a Sv mit dem «%o; der Sache nach dorchani m- 
Hmmen, und nicht einmal das scheint nur richtig, daas bei der SXjj mehr an 
die -puTi] , bei dem 8uvo(isi öv mehr an die i«x<xn| EXr ; (s. 8. 240, 3) gedacht 
i werde (Bokite Arist. Metaph. II, 398). Will auch Aristoteles Metapb, IX, 7 die 
Frage: jk5ti 8uvä|i£! iotlv Ji:a3Toy; aunüchlt durch die Angabe der i<r/&n\ äXij be- 
antworten, so mÜBSto er doch ebenso auf die Frage naeh der 51ij txäcnou , dem 
Stijff dieser bestimmt en Dinge, antworten: wenn die Erde nicht £uv(i|ut ävBpu- 
Mi genannt werden soll, ist sie naeb Metaph. VIII, 4. 1044, a, 36. b, 1 ff. auch 
nicht der Stoff des Menschen xn nennen, nnd wae unsere Stelle Suvöjitt o!*io 
nennt, bezeichnet dieselbe 1049, b, 8 ff. als SXr,. Die npürn GXr{ umgekehrt ist 
iufaibpti Sv aohlechthin. Sofern daher zwischen den beiden Begriffs paar so 
noch ein gewisser Unterschied Übrig bleibt, betrifft er doeh nicht sowohl ihren 
Inhalt, all den Gesichtspunkt, unter den er gestellt wird. Den Qegensatl von 
Fora und Stoff erhalten wir aunftohst dadurch, dass wir verschiedene Be- 
"undtheile, den des äviafEia und Suvajui dadurch, dass wir verschiedene Zu- 
stande der Dinge unterscheiden. Jener besteht »iah auf das Verb<niss dea 
Substrats sur Eigenschaft, dieser auf das Verhältnis» der früheren Beschaffen- 
seit is der späteren, des unvollendet«!) cum Vollendeten, Da aber das Weseo 
ta Btoffes nach Aristoteles darin besteht, das Mögliche, das Wesen der Form 
isrm, das Wirkliche au sein, so lüsst sich kuin Fall denken, in dem mehr, als 
e ine Aeaderiing in der gcammati sehen Form, nisthig wttre, nm jenen Ausdruck 
"lit dieaem an vertauschen; und auch das Umgekehrte , dass statt des Mög- 
hehtn und Wirklichen Stoff und Form gesetzt wird, ist weit in den meisten 
Fallen inlKwig, nar dann macht es Schwierigkeit, wenn nicht von aweiDingM 



loogle 



sich bewegt »J. AMnkiran wir in einen) gnfebenenFtüe von aUea 
dem, was ein Gegenstand erst werden soll, so erhalten wir einen 
bestimmten Stoff, welchem eine bestimmte Form fehlt, welcher mithin 
erst die Möglichkeit derselben enthält; abstrahiren wir schlechthin 
von allem, was Brgehmss des Werdens ist, denken wir uns ein Ge- 
genständliches, welches noch gar nichts geworden ist, so erhalten 
wir den reinen Stoff ohne alle Formbesliauniing, dasjenige, wis 
nichts ist, aber Alles werden kann, das Subjekt oder Substrat, des 
von allen denkbaren Prädikaten keines zukommt, das aber eben- 
desshalb für alle gleichsehr empfänglich ist, mit anderen Worten 
das, was Alles der Möglichkeit und nichts der Wirklichkeit nach 
ist, das rein potentielle Sein ■) ohne alle und jede Aktualität J ). 

die Bede ist, welche »ich ab Magliebe« und Wirkliohea verhalten, sondern tob 
Einem und demselben Ding, welches von der Möglichkeit au Wirklichkeit 
übergeht, wie e. B. l'hys. U, 3. 195, b, S. VIII, 4. 356, a, 33. De au. U, 5. 
417, a, 21 ff. gen. an. II, 1. 736, a, 9; auch hier wird aich aber immer zeigen, 
da» ein Ding nur insofern Suviuft ist, als es die GXn, an sich hat. Wiewohl da- 
her daa Euvaust und bcpyt&f logisch tie trachtet einen weiteren Umheg hat, als 
SXtj und if&a (denn dieses drückt nur ein Verhältnis« «weier Subjekte zu ein- 
ander ans, jene« auch ein Verhältnis« Eines Subjekts sd sieh selbst), so ist 
doch in metaphysischer Beziehung «wischen beiden kein unterschied. 

1) Das« der aristotelbehe Begriff des Stoffe«, und ebendamit die Unter- 
scheidung von Form and Stoff, auf diesem Wege, ab eine Voraussetzung zur 
Erklärung des Werdens, gefunden worden «ei, liegt auch in der Bemerkung: 
nur das habu einen Stoff, dem ein Werden «ukommt; Metaph. VIII, 5. 1041, h, 
37: o'jSc xavTo; GXtj itrtlv äXÄ' Sotuv fiv'ali ion xat jjktb^jW) ik äi)j)l.a. San i' 
iivcu toÜ [lEia^ÜXäiv ftniv J] |*)j, oiix iVii Toiinav Slij. Vgl. VII, 7 (vor. Anm.). 

2) Tb Buvifui öv. Eine etwa« andere Bedeutung bat Blivap.i< , wenn e> die 
Kraft oder das Vermögen im Sinn der äpx*l (istapiijf.xi) bezeichnet, mag ea sich 
nun um ein Vermögen au wirken oder ein Vermögen «n leiden, eine vernünf- 
tige oder eine vernunftlose Kraft handeln (m. s. hierüber Metaph. IX, 1 — 6. 
V, 12); Aristo teks vermischt aber beide Bedeutungen auch, nieder (vgl. Boim 
«. Metaph. 379 f. und üben S. 160, S), An die «weite derselben schlieft« t es 
sich 'an, wenn 5JvBp.it auch für den Stoff steht , demeine b oh timmte Kraft an- 
wohnt; wie part, an. II, 1. 646, a, 14 ff., wo daa Feuchte, Trockene, Warme 
und Kalte, gen. as. 1,18. 725, b, 14, wo gewisse Säfte, Meteur. II, 3. 369, b, 12, 
wo Safoe und Langen, De «ensu Ö. 444, », I, wo Wohlgerfache Suvojuk ge- 
nannt werden. 

8) Diesen reinen Stoff, der aber (». u.) nie ab solcher vorkommt, nennt 
Arial die «ptärrj BIj). Dun steht ab die CX>) lTfkrr\ [Bios, olxst« ix4«oi*) derje- 
nige Stoff gegenüber, welcher «ich mit einer bestimmten Form unmittelbar, 
ebne noch weiterer Zubereitung an bedürfen, verbindet: dw xptVrn ÜXn ist die 

Google 



Das Wirkliche und das MUglicue. 341 

' Abstrabiren wir umgekehrt bei einem Gegenstand von allem, was 
an ihm noch unfertig und erst auf dem Weg zur Vollendung be- 
griffen ist, denken wir uns das Ziel des Werdens schlechthin er- 
reicht, so erhalten wir die reine und vollkommene Verwirklichung 
seinefjBegriffs, welcher nichts Ungeformtes, kein erst zu gestaltender 
Stoff mehr anhaftet: die Form oder das begriffliche Wesen eines Dings 
füllt mit seiner vollkommenen Verwirklichung, und die Form über- 
haupt mit der Wirklichkeit L ) zusammen. Wie eine Bildsäule in 
dem unbearbeiteten Stoff erst der Möglichkeit nach enthalten ist, 
zur Wirklichkeit dagegen nur durch die Form kommt, welche 
der Künstler dem Stoff einbildet, so versteht Aristoteles über- 
haupt unter dem Möglichen das Sein als blosse Anlage, das un- 
bestimmte, anentwickelte Ansich, welches zu einem bestimmten 
Sein zwar werden kann, aber es noch nicht ist, unter dem Wirk- 
lichen dagegen dasselbe Sein als entwickelte Totalität, das Wesen, 
welches seinen Inhalt zum Dasein herausgearbeitet hat; und wenn 

> er die Form dem. Wirklichen, den Stoff dem Möglichen gleich- 
setzt, so beisst diess: jene sei das Ganze der Eigenschaften, 
welche dieser für sich genommen nicht hat, aber anzunehmen 
fähig ist*). Der Stoff als solcher, die sogenannte erste Mate- 



Msterie, wie sie den elem entarischen Unterschieden vorangeht, die &rx£fl) EXij 
äoi Bildsäule z. B. iHt das Era oder der Stein, die co^äti) SXi] des Menschen sind 
die Katunenien. Metaph. V, 4. 1015, a, 7. c. 24, Anf. VIII, S. 1045, b, 17. 
o. *. 1044, a, 15. 34, b, 1, IX, 7. 1049, a, 24. Einige Verwirrung bringt ea 
biebei fär den Sprachgebrauch hervor, dass der Ausdruck TipÜTi] BXij sowohl 
für den schlechthin ersten als fär den relativ ersten Stoff (die SXuj irpdtJi nnd 
die np'ot tuhb jrpoirr, Sil)) vorkommt; s. Metaph. V, 4. a. a. O. VIII, 4. 1044, a, 
18. 23. Phys. IT, 1. 193, a, 28 vgl. m. Metaph. V, 4. 1014, b, 26. 

1) 'Ev^>f£ia oder imktftta (konkreter; t'o Jvjpfti« ot, tb ivstXr/tb} ot), 
"siehe beide Ausdrucke sich nur eigentlich so unterscheiden, dass Iviayiui 
sie Wirksamkeit oder Verwirklichung, ('vteXe^eio den Vollenduagsssustand oder 
"he Wirklichkeit bezeichnet , welche aber von Arist. gewöhnlich unterschieds- 
los gebraucht werden. Wir kommen hierauf später noch einmal zurück. 

2) Metaph. IX, 6. 1048, a, 30: ton 3' f, eWpfEia -tb icäp^eiv rb Tcp^u.« [ij| 
»!tiu( lumttp Xfrou» Buvifwi. Ufopvi 61 SuvifiEt oTov e*v tSI Sitte^ *Epu.5jv xoil lv tSJ 
**B 'dp fyugs««, Kti äipaipiflELT] äv, x«t snioTiJiiovo; xa\ tot pi] BsiupoÜvt«, öv Buvat'ot 
1 8nupi]o«- t'o 8* ävspTEi«. BijXov B' Ml tu* xatexturca -cfi ha-jai-jf i 8ouXo>t9a Xt*- 
1"v,w\oä BsTTtivcbs 800» frnffe) «XXI xal Tb äviXoYov uuvop^v, Sti «n Tb o?xo8o- 
f>"t tp'm t'o o!j(oBo[iixbv , xal t'o ^fp , i'r o p' f n p°4 to xafltKiOT, xal tb opffiv Jcpbt xb 
F&* «iv tyn 8i i^ov, int tb ä«oxtxpi|ievov ex tt[s BXtj< npb; t)jv BXjjv, xoft tb äitiip- 

l^ht-a-Or. ILBd. ».Abtl,. 16 



242 Aristoteles. 

rie *), ist dai Form- und Beatimmun gslose, denn er ist eben das, was 
allem Werden und aller Gestaltung vorangeht, das Weder-Noeh 
aller Gegensätze and Bestimmungen, die Unterlage, welcher noch 
keine von allen den Eigenschaften zukommt, in denen die Form 
der Dinge besteht *); er ist insofern auch das Unbegrenzt«"" oder 
Unendliche, nicht im räumlichen Sinn (denn ein räumlich Unend- 
liches giebt Aristoteles, wie später gezeigt werden wird, nicht 
zu), sondern in der weiteren Bedeutung dieses Begriffes, wor- 
nach er überhaupt das bezeichnet, was durch keine Formbestim- 
mung begrenzt und befestigt, zu keinem Abschlags and keiner 
Tollendang gelangt ist *). Und da das Bestimmungslose nicht 



yeapJvov Ttp'oc tb iiiff »ttqv. muTT,; ii tSJ( S'.aif oai( BiTEpov |idpiov «nw 5] aVp-fin 
«upwptttpivTl , Bst^u) tl to 6uv«rfv. o. 8. 1050, a, 21. Phya. I, T. 101, «,7: *} 1' 
6*oxcipiw, fäati i»iat7|rij x«t' iv«Xo-f!ai. ™t T*P ''P** »wipiAyi« ^oükxbt ^ xpoc 
xWyijv frfXev ü| icpbf tüv «XXiuv ti tüj» ?x.4y;iuy [wp^Jjv J] UXt) xa: ts ä|»p<p<w Ix" 
icpVf Xnßll» tJ]v [lop^y, q1jtiü4 «Bxr, jtpb( oiltnsv t/n xal ti tÄ8e ti xsl to Sy. Ebd. 
III, 1. 101, a, 29. 

1) B. o. 240, 3. 

2) Metaph. VH, S. 1039, a, 30: l^rtu 5" !l))v fj xaO' ovWjv |«jt» t\ [ufa «o- 
oöv |ü[te »XXo |«]61f Xc^irai oÜ «piur« tb öv. C. 11. 1097, a, 37: p*ra pb f«p 
t9|; GXijj oäx larv» [Xifo;], aipiorov yip. IX, 7. 1049, s, 24: iIUt! fatt npwTOv, 
S [Aijxtr: xot* SXXou Xe^rrai sWviikiv (so und so beschaffen) , toSw xp&ci] SXjj. 
Till, 1; t. o. 8. 239, IV, 4. 1007, b, 28: zhyaf Suväpi öv jum pJj tvTtXcxib to 
aopisniv 2an. Phys. I, 7; «. o. 241, 2. IV, 2. 209, b, 9: die Ausdehnung ist diu 
lttßtC£ä|UVov Sieb toC «ISoi* (der Gestalt) xa't Mpi«[iivnv ■ . . fori & idioUtov J] GXi] 
xai tb äopwroy. De ooelo III, 8. 306, b, 1 7 : üttSlf xal öfispyev Sü Tb äj»«!ii*vo» 
•Twi- [liXiTta yäp 5v oGttu Silvaito (Suflnifc ifln , xafliwp ft t$ Tifiaiio Yrrpssrt«, 

TÖ KEvSf^' 

8) Aristoteles »ersteht unter dem ÖJttipoy eanftehst das rfcnmlinh Unbe- 
grauitn, und in diesem Sinn untersucht er dieson Begriff in einem später doc)i 
■q besprechenden Abschnitt, Phys. III, 4 ff. Indem er nun aber findet, daai et 
in der Wirklichkeit keinen unendlichen Baum geben kBnne, 10 fallt für ibn 

du Unbegrenzte »ohlleaslich mit dem ddpio-rov oder der 5Xi| zusammen. Tgl. e.6. 
207, a, 1: man habe vom Unendlichen gewöhnlich eine falsche Vorstellung; oä 
■jap oB pifilv i^oj, iXX* öS id ti fju toxi, to3t' äniipov hm ... räwpov [iiv o3v 
forW öS xatä xoebv Xipgivouaiv ocC ti Xb^eiv ?otiv i^io. öS äs p.T,Skv j^u, toüt' IsA 
tOiiw xcu IXov (was De ooelo II, 4. 280, h, 19 wiederholt wird) .... xOwi l' 
ootkv (iJ) ^(ov t&o(' t'o SJ tAo( jdpo; — o-i fäp Xivo* Äivu twtein £M oi 
Sxkvti xk\ EXtp tb iünipov .... fort f'P ™ äxsipov vf,; iafl jityAout teX; uJ-njTO; IXi) 
xal tb äuvijui SXov, cvrsXc^iia 8' o3 .. . ml oi KEpic^ii zXXä lccfliftxm, % cnwpov. 
Sie xi\ trpnxTt» f[ ämipov * iTäoj 70p oJx rj^ci Jj GXt) .... otqitov Sc xat öj Jicrcov, ti 
>y«*>«tov xal tö äopiato* Äcpir^civ xal Sp(Cm. e. 7. 207, b, 86: fsvtpch Sti &i GXi] 



Form «ad BtoK. <|43 

erkannt werde« kann, so ist die Materie als solche »erkennbar: 
mir durch einen Analogieschlüsse gelangen wir zu ihrem Begriff, 
indem wir für das Sinnliche Oberhaupt ein Substrat voraussetzen, 
welches sich ebenso zu ihm verhält, wie der bestimmte Stoff M den 
Dingen, die aas ihm gemacht sind *)• Auf die Seite der Form dagegen 
Allen alle Eigenschaften der Dinge, alle Bestimmtheit, Begren- 
zung und Erkennbarkeit. Form und Stoff bedürfen deashalb auch 
keiner weiteren Vermittlung, um Ein Ganzes zu bilden, sondern 
sie sind unmittelbar vereinigt: die Form ist die nähere Bestim- 
mung des an sich unbestimmten Stoffes, die Materie nimmt die 
ihr fehlende Formbestiaimung unmittelbar in sich auf; wenn das 
Mogliehe zu einem Wirklichen wird, stehen sich beide sieht alt 
zwei Dingo gegenüber, sondern ein und dasselbe Ding Ist seinem 
Stoff nach betrachtet die Möglichkeit dessen, dessen Wirklichkeit 
seine Form ist *>, 

So wenig wir uns aber den Stoff und die Form in ihre» ge- 
genseitigen Verhältnis» wie zwei verschiedenartige Substanzen doa- 
ken dürfen, ebensowenig dürfen wir uns auch jedes einzelne dieser 
Principien nach Art einer einheitlichen Substanz denken , so dass 
Ein Stoff nnd Eine Form die Grundbestandteile bildeten, ans deren 
verschiedenen Verbindungen die Gesammtheit der Dinge herzulei- 
ten wäre. Kennt auch Aristoteles in dem göttlichen Geiste ein 
Wesen, welches reine Form ohne Stoff ist, so betrachtet er dock 
dieses Wesen nicht als den Inbegriff aller Formen, die allgemeine 
geistige Substanz aller Dinge, sondern als ein Einzelwesen, neben 
dem alle andern Einzelwesen als ebensoviel Substanzen ihr Da- 
sein haben. Kennt er andererseits Einen Grundstoff, welcher in 
den Elementen und allen besonderen Stoffen überhaupt zwar ver- 

tdäwtpiv imn «mo», *a\ Sri lö [ib tkal a&~.<$ ot^tjoi;, ud St xttfl* «Sto faexiC- 
|u*OT rf ouvejtit xail «io%rov. IV, 2 a. Tor. Anm. 

1) Phy*itir,6;*. vor. Aam. KM. 1,7. Metaph. IX, 6; a. 8. 241, 3. Hetapb. 
TU, 10. 1088, *, 8: Jj 8' Uli) ärvwCTWf xaft' (tinjv. M. Tgl. Um S. 148, 9 and - 
m* Abtb, 1, 8. 4V 0, 3 mu Platu angefllart würfe. 

1) Metaph. VIII, fl. 1046, b, IT: man hat gefragt, wie die Bcataadtheile 
°n«t «egriEf« oder einer Kahl eins »sin können. Die Antwort liegt darin, dan 
ri » ■iah ala Stoff und #oim an einander vnrhalten (». o. 148, 1): Ira B' &«nf> 
<W* *A *j &K*ai SS-JJ^Jerübar S. 340, 8) x«l i, |iopip)i raürd xat h z6 yh Suva- 
1«' Tiä Sl äviffeta, (So Bof ( ti i. i. 8t. Bbkibe hat: Tafeä »st SuvifKt to »&.)... 
« Tip fl (motto» xai iii Suv&ptt ant td Jvep-f»^ b rai; im». 

■ • 



244 Ariltotalni. 

somedene Formen and Eigenschaften annimmt , an sieh selbst aller 
in allen Körpern Einer und derselbe ist: so ist doch theils dieser 
Urstoff nie als solcher, sondern immer nur in einer bestimmtes 
elementarischen Form gegeben '), und es kann dtess auch gar 
nicht anders sein, da der reine besu'mmnngslose Stoff nnr ein 
Mögliches, aber in keiner Beziehung ein Wirkliches ist; theils ist 
mit diesem körperlichen Grundstoff der Begriff des Stoffes noch 
nicht erschöpft, sondern Aristoteles redet auch von einer un- 
sinnlichen Materie, welche er z. B. in den Begriffen und des 
mathematischen Figuren findet; dahin gehört alles, was sich, ohne 
ein Körperliches zu sein, zu einem Andern ähnlich verhält, wie 
im Körperlichen der Stoff zur Form *)■ Joder dieser Begriffe be- 
zeichnet daher nicht Mos Ein Wesen oder eine bestimmte Klasse 
von Dingen; sondern wiewohl sie zunächst unverkennbar vom 
Körperlichen abstrahirt sind, werden sie doch überall gebraucht, 
wo ein analoges Verhäitniss stattfindet, wie das, welches sie ur- 
sprunglich ausdrücken >). So giebt Aristoteles von den zwei Be- 
standteilen des Begriffs der Gattung die Bedeutung des Stoffes, 



1) Phya. III, 5. 204, b, 32: oik lim toioütov «iujia aEaBijTdii sap i t! arm-fili 
xaXoitpiva, sonst mUesten die vier Elemente sieh in diesen Stoff auflösen, »u' 
doch nicht der Fall sei. Gen. et oorr. H, 1. 338,«, 8. Ebd. Z. 24: %ut!c Bl ?<n<b 
jllv A*i Tiy« GIVtjv iüv auipitojv töv eiofliiTÜv, ÜUbtbijtiiv oü ^upio^jv , «IX' M 
fUJ 1 JvovTU&atMf , ^ $f yfvn« ts xaXoiijuva oTol][(ta. 

2) Metaph. VIH, 6. 1045, a, 33: fort 61 tjJs QXn; f, jj.Iv vorjrf, ij 8' aWM> 
ini iit toB \6you ~.o jj.1v &Xr) ro B'tWpfsta fowt. VII, 11. 1036, b, 35: eroti flf 
GXi) £v!tuv aal (d) «bOijTöJv xs\ 7t«vtoc yis 6Xi] ti's forn 3 pij Jon -rf tfv irW xa 
tttet «hd xb«* «äti aXU to6e ti . . . . 6m fap f] Blij i) ji« a(afejri) jj 81 vo«) w(. Ebd. 
O. 10. 10S6,«,9: üXi) ä'ij jj.iv .akfyTij ebtiv i) äl vaiyri) ... voijri) Bl jj ev xtfit olaftf 
TÖi< ijtop^suoa |n\ ?j abSr t TCi , olov ti |MB)][umxa. 

3) MeUpb. XII, 4: tb ä' wfti« xsl al äp^at äXl« Jlluiv sar.v Sk, Jon S' fts, 
av xaflttou X^ti -vis t»t x«t' ävaXo-fiav, raikä hbvtojv .... aTov Tnoij tmv «Wijtüv 
awfjiÄtu« id{ |i«v eüBot td Sepiiäv xal sXXev tojSjüov Td ijmjrpdv J| <n^pr,<ns, SXi) Bl dl 
tuv%it tsStb RpÄiov xafl' ai-.ö ... icövtwv £1 o&fni [ilv ctntfv oiix sVtiv, tfii iv£- 
Xoyov Sl , üajeep e" Tit ibcoi 011 «px*^ '' 01 T P^' ) ^ ! ^ ' *"' *) «f'p1<n( »'I 4 '^t- 
äJX' Fxbq-tov toiJtwv fmpov ™ol fcwmev y'vos fori*, e. 5. 1071, a, 3 : fn 8* älXw 
tadicov tu. ävüoyov «px.b\ al «ätal, 0T0*, ävipfiii xal 8dva|Uc äXlä xot taüra iXXi 
ti iXXoi; xA SXkbif. Z. 24; älla 31 äXUov «ms xat oror^fia, Santa iX^Bij, wi ji^ 
Jv -MiiiTö ysvsi, xp<i>(jAruv, v}djpuv, oaotmv, kooötT|T0(, jcX^v t^ ivftloyuv ■ ut tov J* 
Tailtiii Y^vtiftipa, odx iISu, äXX' In tüv xbO' Etan» äXXa ij xs nj) EXj] xa> ti *i~ 
"5ja«v xat td eBo( xal ^ i[jl , tu xaSeXou Sl X*tci -nuki. 



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Form nnd Stoff. 245 

da» ArtuWerschieuen die der Form 0; im WeltgebÄude »eilen 
sieh die oberen Sphären und Elemente zu den unteren '), in den 
lebenden Wesen die Seele zun Leibe *), in der Thferwelt da* 
Männliche zum Weiblichen *}, in der Seele die tbätige Vernunft 
nur leidenden B ) als ihre Form verhalten. Das Gleiche gilt selbst- 
verständlich von den Begriffen des Möglichen und des Wirkli- 
chen; auch sie drucken nnr ein bestimmtes Verhältnis« ans, weK 
dies sieh zwischen allen möglichen Gegenständen finden kann, 
and welches am Besten durch Analogie klar gemacht wird 8 ), 
und sie werden von Aristoteles ganz in derselben Weise ange- 
wendet, wie die der Form nnd des Stoffes: z. B. am die Ver- 
knüpfung der Gattung und der unterscheidenden Merkmale imBe- 
griff, und überhaupt die Möglichkeit zu erklären, dass Einem und 
demselben mehrere Bestimmungen zukommen '), oder um das Ver- 
hftltniss des leidenden Verstandes zum thatigen zu bezeichnen *). 
Ein nnd dasselbe Ding kann sich desshalb in der einen Bezie- 
hung als Stoff, in der andern als Form, in jener als Mögliches, 
in dieser als Wirkliches verhalten; die Elemente z. D., welche 
den Stoff aller andern Körper enthalten, sind Fennen des Ur- 
stons, das Erz, welches der Stoff einer Bildsäule ist, bat als die- 
ses Metall seine eigentümliche Form, die ttuerisebe Seele, welche 
die Form ihres Körpers ist, verhall sich zum Geist als ein Stoff- 
liches *) ; ja wir werden finden, dass Alles, ausser dem unend- 

1) S.o. 148,1. 

9) De coelo IT, 8. 4. S10, b, 14. 313, a, 12. gen. et eorr. I, 3. 318, b, 89. 
11, 8. 335, «, 18. 

5) De an. II, 1. 419, b, 9 ff. c. 9. 414, a, 18 ff. u. 6. 

4) Gen. an. I, 9, Anf. II, 1. 739, a, 3. II, 4. 788, b, 90 u. ö. Metaph. I, 6. 
988, a, 5. V, 98. 1094, a, 84. 

6) De an. III, 6. 

8) Metaph. IX, 6; i. o. 941, 2. Ebd. 1048, b, 8: lt*«*i !' h*i?ft(a <& 
*l<nx ijioiwj, all* f, ti iviXo-fov, üi? touto iv taiiTü) J] Jtpof wOto, Ti 8' Iv ztytt %■ 
x?k täEe- rn jiiv fäp '"i xtiTpn (tpö; 8dvaji<v, tiS' i( oiioia rtp<5( Ttva Z'kffi. XII, t. 

1071,», 3; i. S. 944, 3. 

7) HeUph. Till, 8. 1046, a, 93. b, 16; e. o. 193, 1. 243, 9. Pby«. I, 9, 
9ehl,j t. o. 207, 9. 

8) De an. III, 5. 

9) Tgl. gen. et corr. II, I. 829, a, 32. Phya. III, 1. 901, a, 29; «bei dia 
SmIb Da an. II, 1. 419, », 37. c. 9. 414, a, 13 ff. III, 6. HatapM. T1I, 11. 
W97,a,6ir. 



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<U8 Aristoteles. 

Heben (Mate, etwas Stoffliches an sich Int »), wttnod anderer- 
seits, wie wir bereib wissen *), die Materie in der Wirklich- 
keit nor als geformte gegeben ist. El sind daher in der Ent- 
wicklung des Stoffs zur Form verschiedene Stufen zd unterschei- 
den. Wie die erste, schlechthin formlose, Materie allen Dingen 
an Grande liegt , so hat andererseits jedes Ding seinen eigeo- 
thtinüichen letzten Stoff, and »wischen beiden Hegen alle die 
stofflichen Gestaltungen in der Mitte, welche der Grundstoff durch- 
laufen mnss, um der bestimmte Stoff zu werden *), mit den sich 
die Form des Dings unmittelbar verbindet *)- Und das Gleiche 
gilt von dem Vermögen. Wir können ein potentielles Wissen 
nicht Mos dem Gelehrten beilegen, welcher nicht eben in wis- 
senschaftlicher Thatigkeit begriffen ist, sondern anch dem Lernen- 
den, oder anch dem Menschen überhaupt, aber in verschiedenem 
Sinne *}; wir Blässen unterscheiden, ob die Möglichkeit der Wirk- 
lichkeit naher oder ferner steht *). Jedes Ding gelangt nur all- 
mählig .rat Verwirklichung dessen, was es zuerst nur der Anlage 
nach war, and in der Gesanuntbelt der Dinge liegen unendlich 
viele Zwischenstufen zwischen dem Mos Potentiellen oder der 
ersten Materie and dem schlechthin Wirklichen, der reinen Form 
oder der Gottheit. 

Die Form stellt sich nun in der Erscheinung unter der Ge- 
stalt einer dreifachen Ursächlichkeit dar, im Stoffe liegt der Grand 
alles Leidens nnd aller Unvollkommenheit, der Naturnotwendig- 
keit und des Zufalls. 

Aristoteles nennt gewöhnlich viererlei Gründe oder Ursachen 7 ) : 



1) Vgl 8. 34+, a. 

3) 8. o. 944, 1 TgL ra. 240, 3. 

3) M. Tgl. die Stollen, welche 8. 240, 3 ■sngofülut worden, *. B- MeUpL 
VIH, 4. 1044, a, 90 : yipioVTai 8i nXtbu; SX« wB odtoü , Stbv Bcntpou f[ htfpa j, 
als» v Wy[W ix XtiMpoS x«t fXmiot, tl xi Ximpev ix w3 -flu«**, in, & xoXijs *T 
AmUuSgu tk ri|» jcpoiniv Oatjv -dp yjMp. 

4) Hiertiber s. in. 8. 34S, 2. 

6) Phys. Vin, 4. 955, », 38. De an. It, 6. 417, », 31 ff. 

6) den. an. II, 1. 736, *, 9: lyynty» Bi *& ko^ut^mü «ätä «4roB (vWfcrtfi 
Au Suvifui, &mxp i xoBeiiScuv -fuiiprcj»]; toü ifp1T u P^ T0 < «o^i!"^pfc> *«ü eint w! 

•tiassftm* 

7) kpyai. Deber die Bedeutung dieses Ausdrucks vgl. m. MeUph. V, L 

nobst den Commsntsren von BcmraoLi» u. Bmmtb. XI, 1 , Sohl. gw. et oonr. 



3,g,1 EE dby G00gle 



DU vier Uriiahen. 247 

die stoffliche, die begriffliche oder formale, die bewegende and die 
Endursache *). Diese vier Ursachen kommen jedoch bei näherer 
Betrachtung auf die zwei ersten zurück. Der Begriff jedes Dings 
ist von seinemZweck nicht verschieden, da alle Zweckthätigkeit der 
Verwirklichung eines Begriffs gilt; derselbe ist aber auch die be- 
wegende Ursache, mag er nun das Ding als seine Seele von innen 
heraus in Bewegung setzen, oder mag ihm seine Bewegung von 
aussen kommen; denn auch in diesem Fall ist es der Begriff des- 
selben, der sie hervorbringt, sowohl in den Werken der Natur als 
in denen der Kunst : nur ein Mensch kann einen Menschen erzen- 
gen, nur der Begriff der Gesundheit kann den Arzt bestimmen, auf 
Hervorbringung der Gesundheit hinzuarbeiten i ). Ebenso werden 

I, 7. 824, a, 27. Phys. I, 6. 188, a, 27. VIII, 1, Sohl. gen. an. V, 7. 788, a, 14. 
Poet c. 7. 1450, b, 27. Waits AriM. Org. I, 457 £ oben S. 172, 2. 'Apvj) be 
zeichnet du Ente in jeder Reihe, und inabezondere die ersten Ursachen, d. b. 
diejenigen, welche au keinen höheren abzuleiten lind, und es wird in diesem 
Sinne von allen Arten von Ursachen gebraucht. Vgl. Metaph. V, 1. 1013, a, 
17: ncuriäv [ifcv ouv xoivbv xüv ap^üv xb jcpöJTov chtu aütt !j foxiv ? ( yiTVExa; i) f'i- 
wäaxtxar toütcov S< al iiiv iwr.xp/vjaai eIoh o! äs tixis. 

1) Phys, 11, 3. 194, b, 23: fva uiv oSv Tporcov ainov Wytxai xö e? o! ytvzwri 
xt i*uicipx oyT0 5 1 °^ ov X*^*' 4 T °ü ävBpiavxot n. s. w. aXAov 8fe xb eTBo( xa" 1 . xb napi- 
Snyua' -eoüto B* iVtU i X6fti ö xaü x! J[v eTvai xat xä xoiixou f^V7j (die über ihm 
«lohenden Qattnngen) . , . tri Z&tv f| äp^Tj tiif ftaßolijt f) npiuxr, ?, xfj( TJpEpjtntuf 
■ . . ixi A4 tb tAof toüto B' iatt xb oä lv«a. (Wörtlich gleiob Metaph. V, 2.) 
135,1,15: ein Tbeil der Ursachen ist Aj tb ft aZ «Ttia, nnd davon xa |uv ü( 
xb inowiuivov, xä Si *j$ xb t( J[v tlmt, eine weitere Klasse sind die üAeu 1) apy^ 
"&H |«tapo),i]5 JJ «iathj; xal xivijotw«, eine letzte wf xb xfl.ot xa\ xä-fa8dv. Metaph. 
I] 3, Auf.; -ex S' «Ttia Xt'fiTai xstpaj^öf , cuv p.(av ji.lv alxlav sapEv eTvbi xi)v oäo:»* 
»ö xb xi ffl eTvai , . , . Wpav 31 tJ,v uätjv xat xb ärraxsipavov , tpvtnv 51 30sv Jj «PX^I 
xijs xmjaeioc, xcxapX7{V St ti;v ävTixEijj/vijv afxiav xaiixn, xb öS fvixa xal xäyafliv. 
Ebd. VHI, 4. 1044, a, 32. Anal. ]>ost. II, 11, Anf. gen. an. I, 1, Anf. V, 1. 778, 
b, 7. Ueber die verschiedenen Anadrücke zur Bezeichnung der vier Ursachen 
*gL m. Wiiiz Ari»t Org. H, 407; zum Folgenden Bitter 10, 166 ff.; die »ei- 
teren Modincationen , unter denen sie nach l'hy». II, 3. 195, a, 26 ff. (Metaph. 
7 j 2. 1013, b, 28) vorkommen, sind für uns unerheblich. 

2) Phy*. II, 7. 108, a, 24: ipx««t äs xä xpi'a ik tb h «oUfaif xb piv vap 
«' im xA tb oJ i*vsxb f» ^ox: (vgl. 198, b, 3), tb 8" !flev (] xfw]«f Jtpülxov xtp slitt 
wAriwhoif äuBpUÄo; f ap ävOpuwv Y«vf Vgl, I, 7. 190, b, 17 ff. De an. II, 
*■ *16» b, 7: 3sxt Se )| i]i«x4 toü Cüvtot s<öjiatO( alxia kA äpX*i' taCxa Sl ixsUa^ui 
^Ttai. äuoinj; B' j| i-jyi; xata xoüf Stn>pia|iEvouf Tpdnou; xpß( a!x:a- xa\ vip 3B» 
*1 «Iwim (täri), xa\ öS Evtxa, xa\ k.( ^ oiloia xüv ty^iiv_iuv aiujiixiuv ^ ^u^Jl aWa, 
vu dann aofort näher nachgewiesen wird. Metaph. XU, 5. 1071, a, 18: ixavxtuv 



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248 Aristoteles. 

wir in der obersten Ursache oder der Gottheit, die reine Form des 
höchsten Welt2weck und den Grund aller Bewegung schlechthin 
vereinigt finden; auch für die Natnrerklärung unterscheidet aber 
Aristoteles nur die zwei Arten von Ursachen, die notwendigen und 

Srj ItpoVcai äp/* 1 , to ittsyi'.a «püirov, tb iiBei, xa'i öÄXo o Bwajiti. Anderwärts wird 
bald die eine bald die andere von diesen drei Ursachen auf die dritte zurück- 
geführt So Metaph. Till, 4. 1044, b, 1 1 Tuu>( 81 raüia (du cTSo« nnd tAos) 
äp<po> to aiti. Gen. an. I, 1, Anf.: önÄxfivtai fäf afiin TEtrapEt, t* te a3 htxa 
•J>! riXoi, xat S Xäyot Tlfc oüalaf - tavta ptv u3v i( fr tt o](l8bv üroXapVtv Sa% ictTo« 

Ei xaV TftapTov J| CXi) Mit SB» ^ äpv^I -riii kwiJohi)(. Ebd. II, 1. 793, a, 3 wird daa 
Weibliche die EXj] genannt, das Männliche die ahia xivoBaa itpiio], jj o Xiyos fiiap- 
/ee xa> to JS&i, und c. 6. 742, a, SS wird, wie I, 1, die Form mit der Endursache 
znsammengefasst, indem nur drei Principien geiRhlt werden: das tAo; oder 
oi Evfxa, die iffii xivt|tix)| koTi ycvvtjtixjJ nnd du x,prj«st»v t5 -/pj^a: tb tAos. Part 
an. I, t. 641, a, 25: Tijs ^iSo-eoh; JV/öJ; XE-fopivr^ xa't ouotjc, ttj; pi* i; BXijt t% 3' 
Ac, o$a!a( (was = c1Soe)- xa\ Srnv aüti; xal *>; fj xivoüai xa't As to tfto?. Phys.11,8. 
199, a, 30; xa't Ijiei f, oiiai; !'.tt)j f| [*ev »( BXj; f| S' ü{ pop<p)j, teXo( S' «Sri], . . . 
«Btij iv tn] jj aWa i) o3 tTvExa. Ebd. o. 9. 200, a, 14: to 8' o! evsxa ev tm X6y<a. 
Z. 84: tö tAo; to öS Evtxa xa\ fj ip^i] aitb toO opio[io& x«\ toü Xä-jou. Wie der 
Künstler verfahre, so auch die Natur: ir.z\ fj olxia tottSvot, t48e Sit yl-fvcodw . ■ . 
oBtwj xal tt ivBpiujios to5l ta8£. Part. an. I, 1. 639, b, 14: oalvEvai Bb rcpotai 
[airii] V Xffopsv fvexi tivoc Xo^o; fi? oStot. De an. I, 1. 403, b, 6: t'o eTSos, 
Evtxa ToivSi. Gen. et corr. II, 9. 335, b, 5: <!>[ piv GXtj taut' Iotiv altiov toi; y£vr r 
toTj, ü( Se t'o o8 Svjxev J] [lop^j] xa'i ts eßof touto S' eotiv £ Mvof £ Trjf SxioTou 
oivlai> und vorher: tioAv o3v [a? äpx.a' tij; y ev ^ e '°<] "^ ' ov *p ! V uv * 9< " '^ ^ 
Yt^Ei a! «ÜTaft atlcEp iv tote eßEgif Tt xa\ npiutoi; ' ij [iiv yap limv iti; SXrj , tj S 1 in 
jioppij- Sei Si xa'i TJ|V tsi'vi]» tri npo«unap^eLv. Metaph. XII, 3. a. o. 235, 3. Metapb. 
VIT, 7, Anf.: itivta t« Y l T v ^ ie,a ^JCd tt - tivof yi^vstoi xa'i ix tivo; xal -rf. üeber 
daa äsp' o3 heisst es nun spater: xal iy oi, J) xarä Tb eTBo^ XEfo|x<VT| yjvii f) Spo- 
EiäiJ« (seil. t6J yrfvojiAiji)- aBn) B' iv öXXü) 1 ävBptuitof yip ävflfxujrov T EV »?i ""^ 
weiter 8, 1032, b, 11: &<m ouußafv» Tpöitov tivä t^ Syuiat t^v är^ray yiverf«, 
xal djv oEb!«v ^ oixlaj, T^f ö^eu CX>]4 tJ]v l^ourov 6X»]¥" ^ fap larpixij ?o-n xoi % 
o[xoBopixJ) tb eBöj t*J( 5f 1E '"S * H ^ ™IZ lW*t" ^^Tw 6' oiaiav ävtul3Xi]( tb t(rjv Aac 
(Vgl. gen. an. H, 4, 740, b, 28: )] Sl rfx»1 p-'P?*! TÖV T w f* wv ^ v «^¥- P" 1 
au. I, 1. 640, a, 31: ^ Gl tE^vi] Idy ' W^ ?pfou S öveu Tij; 5X?]t jotfv; ebenso 
entspricht gen. et corr. II, 9. 335, b, 33. 35 der te^vi; die [ittpanj; die Kunst 
aber wird auch sonst als die eigentliche wirkende Ursache, der Künstler nur 
ab Zwischenursache behandelt, so %. B. gen. et corr. I, 7. 324, h, 34.) Metaph. 
XII, 4, Schi.: licit te tb xiveOv h ph töT( attwwdt« avBpiujcoi* (1, ävflpcSjco), was 
auch Schweqlek und Bohite gutheissen) ävflpuno;, bi Sl tdIs änb Siavolof tb 
'e]Go4 )[ tö E^avtlou, tpino* tivi tpto afnaäv ibj, d)5"i 8e -rfttapa- (^1(1« f*P ""' ( 
latpntj), xoi otxla; eTSo; jj oboSopixi), xo't ävSponco« ävOpoircov yv/vS. Gerade von 
der Gesundheit heilst es freilich auch wieder gen. et corr. I, 7. 316, b, 15, il* 
sei all dal oi fvixa kein notnttxoY 



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Die vier Dtsachen. 249 

die Endursachen ')> d. h. die Wirkung der Materie und die der 
Form oder des Begriffs *). Nur dieser Unterschied ist es daher, 
welchen wir als ursprünglich zu betrachten haben, die Unterschei- 
dung der formalen , wirkenden und Endursache dagegen ist eine 
blos abgeleitete, und sind auch im Einzelnen nicht immer alle drei 
vereinigt *), so sind sie doch an sich, ihrem Wesen nach, Eins, nur 
in der sinnlichen Erscheinung fallen sie auseinander •): das Ge- 
wordene hat mehrere Ursachen, das Ewige nur Eine, den Begriff"). 
Wie nun die Form zugleich die bewegende und zweck- 
IhStige Kraft ist, so ist der Stoff als das Formlose und Unbestimm- 
te 8 ) zugleich das Leidentliche und die Ursache aller blinden, durch 
keine Zweckbeziehung geregelten Wirkungen. Ein Leiden kommt 
nur dem Stofflichen zu, denn alles Leiden ist Bestimmtwerden, und 
bestimmt werden kann nur dasjenige, was noch nicht bestimmt ist, 
nur das Unbestimmte , welches eben als solches das Bestimmbare 



I) Nähere» hierüber tiefer nuten; hier mag vorläufig nur auf die Stelle 
part an. I, 1 verwiesen worden. Vgl, 8. 642, a, 1: tfoiv äpoc Bii' «Mai oSvai, ti 
V :i Etcxb xo\ to i£ ävif"]!- Derselbe GegeneaU wird Z. 17 in den Worten ba- 
icichnel: öpy*i *fip ^ ^uu'-f nSMov -rij^ Slijt . wor.n inan weiter Tgl. was B. 248 
tue pbya. IL 8. part an. r, l angefahrt würde. 

I) Denn wenn gen. an. V, 1, 778, a, 34 die bewegende Ursache mit mm 
oothwendig Wirkenden gerechnet wird, au bemerkt Kittee a. a, O. 8. 175 mit 
Becht, unter Berufung »nf Pbys- II, 8. 200, a, 80, daaa hier die bewegende Gr- 
ieche sieht an sieb, sondern nur in ihrer Verbindung mit der Materie gemeint 
■ei. Vgl. auch a. a, O. Z. 14; h vap tfj 61i) xo dvaf xalev , ™ 8' öS Ivtaa h t(S 

S) Bo data, wie Pbye. H, S. 195, a, 8 bemerkt wird, von awei Dingen je- 
des Unaohe des andern aein kann, aber In verschiedener Beziehung; die Lei- 
betabnng a. B. die bewirkende Ursache der Gesundheit, diese die Endursache 
Ton Janer. Daher Pbra. II, 7 (247, 3) das noU&tif. 

4) Vgl. Mataph. IX, 8. 1049, h, 17: tö 81 Xpdvip icpinpOT tö n> äUt ■& 
■Are hfpyouv npitipov (d. h. «tlem Potentiellen mnsa ein gleichartiges Aktuelle« 
vorangehen), ififljAÖ 8' öS — denn, wie diess erläntert wird, der rlame ist zwar 
Hier, als die Pflanao, die daraus wird, aber dieser Same selbst kommt von 
einer andern Pftatue, ea ist also doch nur die Pflanze, welche die Pflatne her- 
vorbringt. Ebd. VII, 9. 1084, b, 16: Üiov rift oiaü« . . . ort ivaraij jupolisäpx.sw 
itfcn ouots» iraixyu* oftjto fj wotö, ofov £ö30V, il fifvstai Z<? »v. 

5) Gon. an. II, 6. 742, b, 88: As/,*) 6' a» ui» Teij «xhiJtok to ri eenv, tt «t 
*«< rmpiVcfc t[B>j nXslout, Toinov 8' äXXin *tü au bSosi iov «'jtov- um [ifa w 
äfifliö», EOni ij xivr,oi« Arm. 

6) 8. o. 8. 841 f. 



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ist, in letzter BuMrong ilso Dir der Stoff, der gerade dosshalh 
eile Wirkangen und Eigenschaften aufzunehmen fähig ist, weil er 
für sich genommen schlechthin keine Eigenschaft oder wirkende 
Kraft besitzt 0- So wenig ihm aber eine solche als positives Ver- 
mögen zukommt, so entschieden glaubt doch Aristoteles jede Hem- 
mung der von der Form ausgehenden Gestaltung auf ihn zurück- 
führen zu müssen, denn wo könnte sie sonst herrühren? und da 
nun die Form Zweckthätigkeit ist, so wird im Stoff der' Grund 
aller von dieser Zweckthätigkeit unabhängigen und ihr wider- 
strebenden Erscheinungen, der blinden Naturnotwendigkeit und 
des Zufalls, liegen müssen. Die erstere beruht darauf, dass die 
Natur bei ihren Schöpfungen gewisse stoffliche Mittel nicht ent- 
behren kann, von welchen dieselben ebendesshalb mit abhängen; 
ist dieses Stoffliche auch in keiner Beziehung als wirkende Ur- 
sache zu betrachten, so ist es doch die unerlassliche Bedingung 
für die Verwirklichung der Naturzwecke, es ist nicht an sich, 
aber bedingungsweise nothwendig: wenn dieses bestimmte Wesen 
entstehen soll, müssen diese bestimmten Stoffe vorhanden sein *> 



1) Gen. et oorr. I, T. 324, b, 4: So* (i*¥ öS» )d) b Blfl lyi tift poppet, radns 
[iiv ijcaJHj tüv xoniTnuSv, Eos 8' h 61t], nsOqrui. -ri]v ph y*P ^1 v Wf !«™ ij«(«t 
ni( «tafln rtjv aütigv Aal tu« lytixiipiviuv SitotrpBuouv, fojnp ytroi ÖY . Z. IS; f\ 6' 
61i) Ü Wij 7üs9t)twov. II, 9. 336, b, 29: rijc (ii< yäp GAi)( w w»e)(tiv lWi not -.i 
xntfrtot, t'o 61 xivüv xsl xoifiv tripm ot>*&(uu{. Von dum Stoff all dem Beweg- 
ten, der Form als dem Bewegendim, wird sogleich weitet *n sprechen »ein. 
Wie ausschliesslich Arist das Leiden auf den Stoff hesohrfnkt, teigt sieh na- 
mentlich auoh in «einer Anthropologie. 

I) Schon Plato hatte die ilna Ton den ouwCtu, die bewirkenden Ursachen 
(SV (Sv ■fE , p'ita( ti) Ton den onerllaaltohen Bedingungen (ä*eu &t aZ flfmm) 
scharf unterschieden; vgl. 1. Abth. 487 ff. Aristoteles folgt ihm in dieser Un- 
terscheidung. Seine ganze NatnrerkUrung dreht sieh um den Gagenants der 
Zweckthätigkeit und dar Naturnoth wendigkeit, dessen, was durch den Begriff 
oder die Form eines Dings gefordert ist, und dessen, was aus der Beschaffen- 
heit seines Stoffes hervergeht; jenes ist das 6V 8, dieses dss oä odx äwu, Jenes 
ist unbedingt nnd an sieh salbst, dieses bedingterweise, im des Zwecks willen, 
nothwendig. Zn beiden kommt als dritte Art derNothwendigkeitdiedesÄwsn- 
ges hinin, welche ans aber hier nicht weiter angeht (m. s. über dieselbe, in 
ihrem Unterschied von der Notwendigkeit des Begriffs, Phys. VIII, 4- 264, 
b, IS. An. post. II, 11. 94, b, 87. Metsph. V, 5. 1010, a, 26 ff. VI, 8. 1026, b, 
27. XI, 8. 1064, b, 68). Vgl UeUph. XII, 7. 1072, b, 11: t. T «p iwrpwtw 
toaavtcxGit, to fiiv ßta ?rt itupi tJ)v eppJ)*! tb St et oix ävsu rö «5, tu 64 fiij htt- 
X.4|**vov äUu; 1XV ebtiffit. Part. an. I, 1. 682, b, 21 : ta ß' 1% i&pafi od xsan 



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Di« Nstttrnethweiidigkeit. Sfti 

»ist aber der Umftutg, in wekhem der Nalurzweck 
sich verwirklicht, die Art und die Vollkommenheit, in welcher 
die Form zur Erscheinung kommt, durch die Beschaffenheit die- 
ser Stoffe, durch ihre Fähigkeit zur Aufnahme und Darstellung 



ä-ipjßi ton xecrl ftfoiv S(io((uc - ■ ■ . Sitipx £1 & ™ r^* <«cXuj{ töli i&lott, to V Et 
faaUami u\ Ttfts £v Y*vtet xSaiv. Ebd. S42, a, 1: elAi äpa Sil' afriat aortu, ti 6' 
oiSivixBxiu t« iE ä»4Y^S" «oXXi ylp fi»«« ort Mcpm« fc"* 8' sv Tic. isopifati» 
not» Xapuon *»4yxtiv et Iffovtis Ü Tticp^f tüv jiiv 7&P EJo todkuv ouSfrapov 
&K* iE fatap^Eiv, iSy Suupujuivmv (v ~.o'i xaTi fiXocoiptaii (die Nuthwendigbcit des 
Begrünt und des Zwang*). Jon B 1 tv ^e Hffc r^oa« y^ wiv ?l ^P* 1 "!- Wpiwv Y&p 
rf,irpttf)i« äverfitalov ti ««' oJBftipov toiJtiuv töv tpiniuv, «XX' ort oi5/_ oTov te 
mm i«Jti]( eIv«. towco 8' Äffrlv ömtip S SnoWmm;. Gen. an. I, 4. 717, n, 16: tcot 
f, sära ?, Sii tö «Wfxcflcr* jtoie! J| 3tn tö JWXtiqi. II, 6. 143, b, 16: x&rat 54 Tautet, 
idfirap ;Iko|aev (743, », St), Xucrfov ytvsrfat tj] i*tv if av«Y*>i4, rfj 8' oix $ öv&y- 
«b 4XX' Ivwi -civos. IV, 8. 778, b, 82 1 SV äuKpoTEpo* tat afrfat , Ivex« ts toÜ BeX- 
rinw xä «? i*irjxiis. Phys. II, 9, Anf.: tö !* $ ävgt-fxr,: jcdTipov t? ärcoÖianut 
foipX« i| xoit änXii ; gewöhnlich wiche man die Notwendigkeit in der Natur 
itt stofflichen Bestand t heile; äXX' Sfuuf uüx ävsa pviv tobtiüV y*T ovcv i °& jiAtot 
äii taiira nU)v <ü; Si" 5Xr,v . . . ö^ioiui^ $i *xi h tötf JXXoij nioiv , fv Baoo; to evexi 
WuijtLv, oOx Jwa piy tüJv ävayxalcn i^ävriov tJjv ^liniv, aO juSrroi -[£ Siä trvita. 
«XV f h ü; 61)] v . . . £E fctoWoMot Si] to ivapHdov , iXV oty J>( tiXo( ■ £v y«P tjj EX]] 
ti iwfxjiioVj tö S' öS Fvtxa h Tiji XcS-pifi. Z. 30: ^ovepbv Si] Kti t'o äv^YnaTov it toi; 
;w;ioi; to Jf( GXi) Xe|4[i£vov jisü a! xmjotit %\ txitr^. De an. II, 4. 416, a, 9: 

ä«Ei & Tum ^ TOÜ JtupÖ4 <pusi4 ÖieXu« »Itis tij; Tpof ^( xoi) t)]; cev^üeuc eTvoi 

TO& auvctiTiov |aev 7«üs eotiv, oi p.)|V iiXtät y« oe^iov, öXXa (läXiov f] ijiaxij. Gen. 
&Uorr, II, 9. 885, b, 24 ff.: nicht der Stoff iat das Ersengende, denn er itt nur 
du Leidende und Bewegte ; die xupKütspo akia iat das d t t v eIvou und die [iopfi{. 
Du Körperliche ist blonu Werkteng der begrifflichen Ursache; 10 wenig die 
%<s aelbat eflgt, ebensowenig bewirkt die W&nae selbst die Erzeugung. Part. 
U- III, 2. 663, b, 22: auf Si -rij; ittrptalai tpuasw; ^oifoi;; tfltt i-Tap^ounv B^ 
mi^ijä f| xots tb» XäyQV piiai; fvMlt TOU »awxdjffiifaL, Xeym(UV. Aehnlioh unter- 
Kaeidet Arkt- Anal. -puet. D, 11. 04, b, 27 das luexi Ttvo; und it ivi T xi( , und 
Uetaph. T, 5 nfthk er die mehrerw&hnten Bedentungen des ävoYxawv auf: daa- 
j*nige o5 ivtu 01k jvSc^tttu Cgy n, s. w. iii ouvoitCou, das ßfaiov und als das övaY" 
**w» im eigentlichsten Sinn tö öotXoini ^=äxXüf dmiYxaio«}, das |i.j| JvSi^juvcn 
■U«( l/fn. Ganz in seiaiem Sinn ist es »neb , wenn Eudemas b. Siutl. Phjs. 
e 3. «, m. den Stoff and den Zweck die awei Drsaohen der Bewegung nennt, 
brnsru-lbdu bedingt Nothwendigen wird gen. an. II, 6. 742, a, 19 ff. (wo aber 
Z. 23 nicht öS Kvtxs, sondern mit Cod. P S tadTou ev., oder vielleiobt anoh 
«Jau Iv. tn lesen ist) wieder ein Doppeltes noterschieden: dasjenige, was als 
■nkenda Ursache die Entstehung eines Wesens bedinge, und das, was ihm 
*lt Werkseug seiner TbAtigkeit nuthwendig sei; jenes mOsse dem Wesen, 
»Elcbea s*b Zweck ist, der Entstehtug nach vorangehen, dieses nachfolgen. 
M- vgL mm Tonteheoden Wuts ArisL Org. II, 4OT f. 



JigilizBdby G00gle 



352 Aiiitotala*. 

der Form bedingt, und in demselben BfaasS, wie es innen an die- 
ser Fähigkeit gebricht, werden sich theils unvollkommene, von 
der reinen Form und dem eigentlichen Naturzweck abweichende 
Bitdungen, theils auch solche Erzeugnisse ergeben, die über- 
haupt keinem Zweck dienen, sondern bei der Verwirklichung der 
Naturzwecke nur nebenher, vermöge des Naturtusammenhangs 
und seiner Notwendigkeit, hervorgebracht werden ')• Wir wer- 
den später finden, wie tief dieser Punkt in Aristoteles' ganze Na- 
turansicht eingreift, und wie viele Erscheinungen er ans dem 
Widerstreben des Stoffs gegen die Form herleitet. Dieselbe Be- 
schaffenheit des Stofflichen ist es aber auch, von der alle Zu- 
fälligkeit in der Natur *) herrührt. Unter dem Zufälligen s ) ver- 
steht nämlich Aristoteles, welcher diesen Begriff zuerst genauer 
untersucht hat *), im Allgemeinen alles das, was einem Ding 
gleichsehr zukommen und nicht zukommen kann, was nicht in 

1) Part. an. IV, 2. 677, a, 15: xxar/ffimi |iiv oBv ivfoti f\ e-fa; efc; i* (ütp- 
Xi[iov Tdlc jnptTtt&|iatj[V , oi jjjj» Bio Touro 5fi ft^ni üivTl ?vexi "rivot, aXXSc tcnn 
Övtiuv to'.o'jiiuv ficps ff ivivx)]s oup.Biivn Sin toeBt* jioXXä. Die Mondt&iaterrusie 
e. B. scheinen nach Metapb, VIII, 4. 1044, b, 12 keinen Zweck an haben; fei 
o Zc'u; gü^ ' nü) t *' BV ^~ üv «ä&faüi üV $ ivifxr,;- tb Top avoyOkv ifu^Bjjvai Sil 
xal tb iJiujfKv BBiup Yevdiino« xaTslfltfv ' tb 8' oJtjivjafltn tdiItdu f avopivou iiw tffro* 
7U|ißaIv£[. öiioiu; Bi xai eI ini ÖjtöXIutii e 3ira< 'v -rij «Xüi, oti toiStou Evtxb fki 
8*w; äirilivrai, iUü toöro auiißi'Bigxtv (Pbys. II, S. 198, b, IS); einzelne 
Organe der Tbiere haben keine Zweckbestimmung: die üalle int ein TtEpixtü^o 
xtli aiy_ Ivtxk -nvoj (part. an. a. a. 0. Z. 11), die Hirachkühe haben ihr Gewoüi 
in keinerlei Gebrauch (ebd. m, 2. 663, a, 7. 664, a, 6), und das Gleiche gilt 
von allen übers chüssigen Stoffen, die nicht weiter verwendet werden; Belebe 
Stoffe aind ein x-fjrffr.u* adar gar töv itapä f&an ft (gen. an I, IB. 725, a, I. 4), 
nnd es ist desshalb bei einem und demselben Stoff wohl an nnteraoheiden , ob 
er einem Zweck dient, oder nicht: der wSsgrigc Blutsaft (lyi>p] i. B. , welcher 
theils aus halb verkochtem theils ans verdorbenem Blut besteht, ist in jenem 
Fall otpt<TO( x*P tv ! in diesem il ävsrrxigc, (part an. II, 4, Sohl.). Die Nottüren - 
digkeit der letzteren Art fallt, wie diese auch Phys. II, 8 a. a. O. angedeutet 
Ist, mit dem Zufall zusammen. 

2) Ob auch die Wahlfreiheit des Menschen, ans welcher allein wirklich 
anfällige Wirkungen entspringen (nur auf sie beruft sich wenigstens Aristo- 
teles interpret a. 9. 18, b, Sl. 19, a, 7 ffir dieselben), sagt der Philosoph nicht. 
Pbys. I, 5. 196, b, 17 ff. sebliesst er die freie Zwecktbatigkeit als aolche vom 
Begriff der -.iyr, ausdrücklich aas. 

3} 2up.jJejät;xp( im engem Sinn, ro &x6 viyr,t. 
4) Wie er selbst sagt, Phys. IT, 4. 



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Dar Zufall. 253 

seinem Wesen enthalten und durch die Notwendigkeit seines 
Wesens gesetut ist 1 ), was daher weder nolhwendig, noch in der 
Regel stattfindet '). Dass ein solches angenommen werden müsse, 
und nicht Alles mit Nothwendigkeit geschehe, beweist er zunächst 
aus der allgemeinen Erfahrung *), und insbesondere aus der 
Thatsache der Willensfreiheit *); genauer jedoch weist er den 
Grund des Zufälligen darin nach, dass alles Endliche die Mög- 
lichkeit des Seins und Nichtseins in sich habe, dass die Materie, 
als das Unbestimmte, entgegengesetzte Bestimmungen möglich 
mache 6 ). Anf dieser Natur des Stoffes beruht es, dass Vieles 
geschieht, was in der Zweckthätigkeit der wirkenden Kräfte nicht 
enthalten ist. Die letztere richtet sich immer anf einen bestimm- 
ten Erfolg; aber sie kann ihn theils wegen der Unbestimmtheit 
des Stoffes, mit dem sie arbeitet, oft nur unvollkommen verwirk- 
lichen *), theils bringt sie aus demselben Grunde nebenher auch 



1) Au. post. I, 4. TS, a, 34. b, 10: Aristoteles nenne *a6' aäta, Saa Sitipx* 1 
u b t^ Tt hm . . *«i Boot* tön huKap^vtiiiv «fadfc aüti t* t$ Urpf ivuxip^ouoi 
16 tuen SijXoÜyri ... Eaa Be luiSflipuf Sitipx* 1 ! eujißtßuxita, ferner tb \fh Bi' 
aJti inip^ov txaoTiü xofl'fkä, fo St (ii) SV afab <njpfafax6t. Top. I, 5. 102, b, 4: 
m^Eä)]xa4 ti Ivwx . . i fo$£/t rai Snap^civ otuoüv lv\ xal trji aÜTÜ xa"i jit] izip-fii* 
vgl. waa 8. 160, 2 ober daa iv&cx6|uvw und Suvarov, 3. 143, 3, 6 über das uuji- 
fcäixoi angeführt wurde. 

2) Metaph. V, 30, Anf.; auiiSipV * Ufna> B Sisipx« 1 t"' v ™ l "■*' «M 8 *! 
ibnw ou ii^Toi «!;' i£ Jva-pnn cur' fcA to jcolil. Dieselbe Definition VI, 2. 1036, 
b, 31 ff. (XI, 8.) Phys. II, 5, Anf. De coelo I, 12. 283, a, 32: tb itiv Y«p airri- 
jiniv Jan xa't t'o änb nl^Tj; jixpi tq «t xi: to ü( ixt to JtoXb r) Iv 1) Y LV °I UV0V ' 
Pbji. II, S. 196, b, 34: Lieue sich nicht die scbuinbar »weckmHssige Ein- 
richtung der Natur daraus .erklären, das» von ihren zufälligen Erzeugnissen 
nur die lebensfähigen lieb erhielten? Nein, raüra \iXi jap xak Jt&vta t« filatt J) 
«i o5tu -pvirni 1) in iz\ tb icoXb, tum B' äitb vifjA *«<■ too adwjiitoti oÜfo. Aehn- 
lieh De coelo II, S. 289, b, 26. „ 

3) Phye. a. a. O. 196, b, 18. 

4) De iaterpr. o. 9. 18, b, 31. 19, a, 7. 

5) De interpr. c. 9. 19, a, 9: es müsse einen Zufall geben Sxi tijot tiriv fo 
^S Ht| iii evspYowi to tuvorev arMn xol p)) 5|ioiu(. Metaph. VI, 2. 1027, a, 13: 
"au ^ SXtj Eorai «Wo, ^ sv3a^o|iivi| icapä tb ü^rxtmicoXb äXXwc, to5 aup.jäifl]]K4tot. 
VQ, 7 (i. o. 8. 239). V, 30. 102&. a, 24: oi6a 8} aItiov üf «nu'vov oMlv -reu oup- 
Wl**™!, äJJti tb tui_äv, toüto !' iopiawv. Vgl. 8. 254, 1. 

6) S.o. 8. 351 f. gen. an. IV, 10. 778, a, 4: SoJiltei l»1v odv J[ ? Jo« tat« Toi- 
""» [twv aorpcjv] äpiSjMiU äpifljiüv ib$ Y^stic xai lif «ltuii(, oüx äxpiBel Sa fiii 
w ^« tij( tH>n iopwrfay «u 3ui A f!y»qflaiitoXli(«p^«(, a5 iä( -(Eveotif t« »aii 



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3M *YrUtot«l«a. 

solches hervor, worauf sie sieh ihrer ursprünglichen Aiebtmg 

iirach nicht bezog *) i das Zufällige entsteht dadurch , das» eine 
freie oder unfreie Zweckthfitigkeit durch sie Einwirkung äusserer 
Umstände anf einen ihrem Zweck fremden Erfolg hingelenkt 
wird *)■ Und da nnn diese einwirkenden Umstände doch immer 
in der Beschaffenheit der materiellen Mittet, durch welche eine 
Zweckthfitigkeit sich vollzieht, und in dem Naturznsammenhang, 
dem dieselben angeboren, zu suchen sind, so Hesse sich der Zu- 
fall im Sinn unseres Philosophen auch als Störung der ZwecktUtig- 
keit durch die Mittelursachen definiren. Eine Zwecklhätigkeit ist 
aber diejenige, in welcher das Wesen und der Begriff eines Ge- 
genstandes sich verwirklicht *); was nicht aus der Zweckthfitigkeit 
hervorgeht, ist ein Wesenloses, und Aristoteles sagt desshalb, das 
Zufallige stehe dem Nkhtseienden nahe 4 ). Dan ein solches auch 



rtefv. Wetteret Kap. 7. 

1) 8. o. 2fi!, 1. Pbys. II, 5. 166, b, 17: töv & -fivouiwov Ti H*" ***** *" \ 
-fCyvtt«, ti 6' oü .... im 5' tvixi tsu Soa n «jcb Binvolat 5v itpagOtbi tub Saa öirö 
jif ono(. rä 4S) ToiBCt« Brav xott« suußsßiptbc fÄnjrat , *w'° wfxts W** *^* u ■ ■ ■ ** 
|ilv obv iaO' afitb sTnov u'jpitjy.Evov , to Bl xars a-jjifU Bijxb; iiptirrov ■ ämtpa yap äv 
i<S iv'i aupß«{n. Ein Zufall ist es ■- B. wenn Jemand wo einem andern Zweck , 
wohin kommt, und hier eine Besabliing erhalt, an die er bei seinem. Gang nicht 
gedacht halte, oder wann er (Metapb. V, SO) ein Loch grSbt und einen Schab 
findet, wenn er an einen Ort segeln will and an einen andern hin Totschlagen 
wird, Überhaupt also, wenn aus einer anf einen bestimmten Erfolg gerichteten 
Thiltigkcit dnrch das Hinantreten äusserer Umstände ein anderer all der be- 
absichtigte Erfolg hervorgeht {ötav uJ) -coli euu-ßamc hixa ftn^aa, off c£w ™ 
«fciov Plays. II, 6. 197, 1), 19). Ist jene Thätigkeit eine Willenethltfgkeit (wpa- 
■upttov) so ist ein solober Zufall (nach Phya. a. a. O.) t-J^"!, abgesehen davon 
aäto'fMrnw in nennen, so dass also dieses der weitere Begriff ist. Beide aber 
stehen gleichmänsig im Gegensata aar Zweck thätigkeit; 5n' irretSij iäpiar« ri 
o&roif aliia, xa'i fj tuv_i] Üpiorov (a, a. O. c. 6. 197, a, 30). 

3) Verwandter Art, aber für die gegenwärtige Untersuchung unerheblich, 
ist du seitliche Zusammen treffen zweier Begebenheiten, zwischen denen gar 
kein ursächlicher Zusammenhang stattfindet, wie etwa eines Spatsiergangi 
und einer Mo od »finster niss. Ein solches Zusammentreffen (In welchem sieh 
die Natur des Zufälligen eigentlich am Reinsten darstellt), nennt Ariaf. aipx- 
Ttipji, Dir», p. s. 1. «3, b, 26 ff. 

8) S. o. 8. 247. 

4) Metaph. TI, t. 1096, b, II: Saffsp -ras otojnn pevov to ouuBp.pi]ii4( itro. 
Sie {fA&rtüV rpoxov wl od xaxffic xj)v ooowrosV »p> ib «Jj 8» fcd>#. «fcn fip o* 



Bedeutung d. itc-ffl'ohen Uraaehe. 255 

nicht Gegenstand der Wissenschaft sein kann *), braucht nach 
Allem, was früher Aber die Aalgabe des Wissens bemerkt wurde, 
kaum ausdrücklich gesagt zu werden. 

Zeigt es sich aber schon hierin, dass der Stoff etwas weit Po- 
sitiveres ist, als man nach der anfänglichen Bestimmung seines Be- 
griffs erwarten möchte, so kommt diess anderwärts noch stärker 
zum Vorschein. Aristoteles leitet ans der Natnr des Stoffes nicht 
allein dasjenige ab, was man als zufällig und unwesentlich zu betrach- 
ten geneigt sein kann, sondern auch solche Eigenschaften der Dinge, 
welche wesentlich zu ihrem Begriff gehören, und ihren Gatiungt- 
charakter mitbestimmen. So soll z. B. der Unterschied des Männ- 
lichen und des Weiblichen nur ein stofflicher sein *), so gross auch 
die Bedeutung ist, welche der Philosoph der Erzeugung sonst bei- 
legt Oi (üe ohne Um doch nicht möglich ist *)■ So werden wir später 
finden, dass Aristoteles die Thiere, welche er doch sonst immer, 
«ach ihrer physischen Natur nach, in einen Artgegensatz zum Men- 
schen stellt, zugleich als unvollkommenere Bildungen betrachtet, in 
denen die Entwicklung zur menschlichen Gestalt — durch die Be- 
schaffenheit des Stoffes, wie man wohl annehmen miiss, — gehemmt 
worden sei. Weiter soll die Veränderlichkeit and Vergänglichkeit 



' '-m jofinrS» X6yat nip\ to «uiißiBTjxbt Üif sfcifiv [tiliota xinwv. Z. 21: «u'wrai 
flp TS OUpßEßTJKD; tjfäi W ™S jj.)) Övtot. 

t) Anal, poet I, 6. 75, a, 18. c 30. 33, Anf. Metapb. i. a. O. 1026, b, 2. 
1027, a, 19 (XI, 8) vgl. S. 109 f. 

i) Metupb. VII, 6. 1030, b, 21 wird er awar eu den wesentlichen Eigen- 
schiften, den xa8* akk 'ixipyor.a gerechnet, aber X, 9, Anf. wird gefragt: Sii 
tlpvi) ävBpbt bux iTBel Sisf/pii ... oiSt %&av OSjXu x*l äp**kv fapov tö) »TSei, xsthot 
uB' iiiö roü ijtjiou oCtt] J| Äia^opi xal ofy <.'•( Xruxdrrjc xst |itXavia, öl' f, (iäov, 
*»'i to tHp,u xal t'o S|3fev äjtap^i; und die Antwort ist: einen Artuntersohied be- 
grändui nur die fvo*tidT>]TK h riT> Xä-j-oj, nicht die 2v -cf[ BX*]. to Si äp>v x«1 8sjl.u 
to5 J^ou olxfia piy niftjj , öl* oJ xorri -ri)v oäofov , üX b tj 81fl xal Tip w&|wn. 
W ii slto 8itt*piiix (rTjlu )| ädfjEv ftfVETai Jt«8o* Tt niOof. Vgl. gen. an. IV, 3. 767, 
l , 8 ff. II, 3. 737, is, 27 nnd oben 3. 245, i. 

3) De an. II, 4. 415, a, 26 n. a, 8t Dass sieb diese mit Metapb. X, 9 
nicht recht vertrage, ist eine richtige Bemerkung von Ehuel Ccb. d. Bedeut. 
IBaikArhi, Rhein. Mus. K. F. Vn, 410. 

4) Wirklich findet nach Arist. gen. an. I, 2. 716, a, 17. b, 8, dass Hielt 
VlmilicheB nnd Weibliches durch ihre verschiedenen Funktionen x«to tdv 
^f" Wteracheiden , und dass dieser Unterschied die Thiere oJ xati ti vyfi» 
tAquu oä3\ xotv* t4jv Tuyoäaov !ilva|iiv betreffe. 

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256 Aristoteles. 

des Irdischen von seiner stofflichen Natur herrßbren '), und das ■ 
Gleiche mnss von aller Schlechtigkeit nnd Unvollkommenheit gel- 
ten *). wiewohl die onvergänglicben und vollkommenen himmlischen 

1) Metaph. VII, 11. 15; s. o. HS, 3. IX, 8. 1050, b, 7: feti S'dJMvBuvijui 
orfBiov. (oder wie dieas Phys. III, 4. 20ß, h, 30 ausgedrückt Ist: «vot/waBi T ip 
% ihm o-JBev BiaajipEt tv toi: i<3lor(.) Xiy<n 51 Mi. unoa Büu*)«( äu.a T^( ävtiqsioeoi; 
Satu (was nur sein kann, das kann auch nicht Rein n. i. it.) ... tx «p* Suvaiiiv 
eTv«i IvU/txai «al itvaixnl [irj eTubi (vgl. S. ISO, 2) ... to B' ivBeY^vav C^l £ '" ; 
yoapTov {Aehnlich XIV, 2, Anf.). Fat alles Vergängliche ist daher auch seine 
Bewegung mit Anstrengung verknüpft, weil sie nur dadurch zu Stande kommt, 
dass die Möglichkeit des entgegengesetzten Zustandes (die SJvajits t?js ävtiipi- 
owot Z. 25. 30 ff.) überwunden wird; f, -rio oüaia 51t] xot BJmuih ollaa, owx Mo- 
yeta, ahta ToiStou. VIII, 4. 1044, b, 27: oifii 7umbc Qli) W« iXl' !«uv ftwiris 
toxi xat u.K«ßoM| tk aXXnXa. ob« B' Sveu to5 juxoSiUiLV itrrtv ?, (*}], »üx &ti tw- 
tiuv (0.1). VII, 10. 1035, a, 25: 6aa |ilv o3v «uvtiXiiUjjiva :h eTBos kai Jj üXn, eotW 
,. . touti [ih ipflsipETai st; raüra . .. oa« 61 pJj ouveiXtj jitm -rij GXij, iXX' äveu BXt ( ; 
.i. tsüm 8" na tp6cip£tm ?j JX'»; ^ oütoi oStm f«, (Dieser Beisatz wohl dess wegen, 
weil auch Uukörperliebes, wie das Wissen, aufboren kann; vgl. longit. v. 2. 
465, ii, 19 ff.; dieser Fall gehört aber nicht bisher, hier handelt es sich um 
den Untergang von Substanzen.) XII, 2. 1069, b, 24: j:ivra ä" SXipi f/jsi San p- 
TaftiXXti. longit. v. 3. 465, b, 7: i5 [uj etrnv Evavriov x« 1 . Sjcou u.ij Imv äBiSvarM 
Sv tTi) 9 flapijYai. Aber daraus darf man nicht auf die önvergHnglichkeit eines 
Körperlichen schliessen. äSüvatov ylp Tili SXi|V lyatti uJ] oxboy^eiv mut to cVsmfov. 
jc&vtii ulv y>P svetvsu to Gepiibv ?, w eJSü «Voty«« , jcäv S' eh« äSilvaiov 3} Beptib» 
I] (JBu 3) XtuxdV £n« fap ti itaDrj xc^upmuivs („denn€ann wären diese Eigen- 
schaften etwas Fürs ich besteh endes"). ff o3v, l-.xi äu.« j> y to nonrcnibv iw tö jib- 
Ihjtixbv, ät\ to [ilv noitl to Si näu^Ei , aäJvaTov |ii] jitTaßiXXEiv. De coelo I, II. 
283, a, 29: kein Ungewordenes kann vergänglich und kein Unvergängliches 
entstanden sein, denn es konnte diess nur sein, wenn es in seiner Natur lSge, 
bald zu sein bald nicht zu sein, tüv St toioJtojy f] aürii Siivau.i( ttj; ävTipajEiu; 
«ii ij BXi; aitia tcü ;Tv i: xa'i jai{. 

2) Metaph. IX, 9. 1051, a, 15 scheint iwar Aristoteles selbst das Gegen- 
tbeil au behaupten, wenn er sagt: iviyxii Sk x^ fnt tiüv xkxÜw tb täo; xal tt,- 
tWpYCtav eTvbi X,(tpov Tvj; Suvatuu>(' to vip SuvzpiEVOV t»jto äjitpiu rivavxia. Bijiov 
äpa Bit ojx euti t'o xaxbv Ttapi tb rcpiYH-OTa' uaTEpon f«p t^ ifiiatt xb xaxbv Tijt Bu- 
u&|Utu(. Diess heisst aber doch nur: da jede äüvai«; die Mügliclikeit entgegen- 
gesetzter Bestimmungen in sich sc b Hesse (s. o. 160, 2), so könne dem Suvöut' 
Sv nicht schon eine von zwei sieb ausschlies senden Bestimmungen, wie gut 
und boee, beigelegt werden, wie diess in der platonischen Schule geschehen 
war, wenn die Materie hier für das Böse erklärt wurde (vgl. lato Abtb. 487, 4. 
489, 1). Der letzte Grund des Bösen kann darum aber doch in dem SuviiU! 
Sv, der Materie, liegen, and Aristoteles selbst deutet diess a. s. O. an, wenn er 
fortfährt: o-Jx äpa ouB' eSi to1< e'£ ip^Jj; xa'i Tot; äi'Bioi; oÜSe'v tanv QÜtc xcmbv oün 
«[iapt)i|ia oEte luf 8of [livov ■ xa\ ykp i\ BiafBopä tüv xkxüv Jctt!v. Im Ewigen ist 



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Badentaug d. stofflichen Urssehe. 387 

Körper gleichfalls ans einen bestimmten Stoffe besteben '). Die 
Veränderung und Bewegung hat nur im Stoff ihren Sitz und wird 
von einem den Stoff in wohnenden Streben nach der Form herge- 
leitet *). Nur im Stoffe werden wir endlich den Grund des Einzel- 
dasems finden können. Die Form, wie diese im Begriff gedacht 



keine UnvoUkommenheit, weil ei immer hc^ e;'i ist und somit die Möglichkeit 
entgegen gesetzter Best im man gen »usschliesst, well sein Begriff immer schlecht- 
hin in ihm verwirklicht war und verwirklicht sein wird; die Schlechtigkeit 
und UnvoUkommenheit aber könnte doch nur darin bestehen, dass die Be- 
schaffenheit eines Dinge seinem Begriff nicht entspricht. So wenig daher du 
Suv4|mi Sv selbst schon das Böse ist, so ist es doch der Omnd und die Bedin- 
gung desselben; Aristoteles selbst redet desshalb Phys. I, 9. 192, a, 16 von 
dem «utoicot'ov der 3Xr„ und giebt er »ach za, dass sie nicht an sich nnd ihrem 
Wesen nach, sondern nur abgeleiteter weise das BGse sei, sofern sie nämlich 
als das Formlose des Goten ermangelt (vgl. S. 334. 338, 1), so ist es doch eben 
dieser Msngel nnd diese Unbestimmtheit, worin für die Dinge die Möglichkeit 
begründet ist, neben dem onten auch die entgegengesetzte Beschaffenheit an- 
»nnehmen: dss Ewige, welches entweder gar keinen oder einen schlechthin be- 
iturunten nnd geformten, keiner entgegengesetzten Beechnffenheiten fähigen 
Stoff hat, ist nicht faofa, wo umgekehrt Wandelbarkeit und Wechsel ist , weist 
dies« immer auf eine Schlechtigkeit und UnvoUkommenheit, (Hiertiber vgl. m* 
auch Etb. N. TU, 15. 1154, b, 38: [UTaßoXi] äi itavtuiv viumSraTov , xatä tbv 
T»tT|-rfjw, Gut sovijptav i'.va. tüajitp yap ävSpuno; tujirtajioXo; a noVTjpbc, xcü }) »«Satf 
ijttop&ni [incßoXij:' oü fif äx\f[ ou8' tictiutifc.) So werden wir anoh finden, dass 
Aristoteles alle on vollkommenen Formen des naturlichen Daseins aas dem 
Widerstreben des Stoffs gegen die Form ableitet, nnd ebenso hatte er für die 
Erklärung des moralischen Uebels auf den Körper zurückgehen müssen , der 
äherbaupt in seinem System dss einsige Subjekt des Leidens nnd der Verän- 
derung sein kann, wenn er nicht diese Frage, nie sich nns später ergeben wird, 
in grosser Unbestimmtheit gelassen hatte. 

1) Aristoteles selbst hat diese Einwendung nicht Obersehen, und begegnet 
ihiMetspb, VIII, 4. 1044, b, 6 mit der Bemerkung: Irft 5i t5W fuolxüv uiv «S- 
3iw> 51 oüoiü». SOXot Wyo;. loiu; yis evia oux fyei ZXry', ?, oi lotonjTrjv (wie die 
¥'jsw«\ xoi veWTjTai o4o;m) nXla [ijvov xoxa xijtov xrvijTijv. Aehnlioh XII, 2. 1069, 
b, 34. Der Aether nämlich, aus welchem der Bimmel nnd die Bimmelskörper 
bestehen, soll (wie «einer Zeit gezeigt werden wird) ohne ivavn'uieic und dcsi- 
bilb «ach ohne SubsscnsveriUiderung sein, er hat keine der Eigenschaften, auf 
denen ter Gegenaefl» der Elemente nnd ihr Uebsrgang in einander beruht. 
Aber die Friige ist eben, wie diese sein kann, wenn er doch ein Stoff, jeder 
Stoff aber ein iuvtyit Bv nnd jede StWautc die Möglichkeit entgegengesetzter 
Zustande ist. 

3) Hierüber sofort das Nähere. 
raUos-LOr. n. Bd. I.*büi. 17 



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wird, ist immer ein Allgemeines *), sie bezeichnet nicht ent Dieses, 
sondern ein Solches *); zwischen den Einaelwesen, in welche die 
untersten Arten auseinandergehen, findet kein Art- oderFonnunter- 
schied mehr statt*), sie können sich somit nur noch durch ihren 
Stoff von einander unterscheiden *}. Jedes Einzelwesen bat dess- 
halb die Materie an sich 6 ), und jedes körperliche Ding ist ein Ein- 
zelwesen °): Aristoteles gebraucht „sinnliche Dinge" und „Einzel- 
dinge" als gleichbedeutend *}• Wenn die Materie alles dieses be- 
wirkt, so kann sie sich, sollte man denken, nicht blos durch einen 
Mangel, durch das Nocbnichtsein, von der Form unterscheiden, 
sondern sie müss etwas Eigentümliches zu ihr hinzabringen. 

1) ß. o. 148,$. 160. und dWäMtlSo« ais Gegenstand de« Begriffs 146,1. 
386, 1 Tgl. m. 8. 110, !. 

8) MeUph. VII, 8. 1038, b, 31 : die Form Ut nicht aueer den hu einem 
beatiinmten Stoff bestehenden Dingen, iikkä tb toidvSi ut^atm, tqge St xA üfto- 
pivw oix forty, iXXk xoi»1 ul yiw? fx nStt xomSvos. Eben dieses Ut aber Ate 
unter* cheidende Merkmal de» Allgemeinen; *. o. 139, 1. 

8) S. o. 160, 6. 146, 3. 

4) MeUph. VII, 8, SchL (vgl. o. 10. 1086, b, 37 ff.): A ie Fom verbindet 
' eioh mit dem Stoff, iö 3' Snav t[Si] x'o xouivoi 1T804 lv totffe ttfls eap£\ xai iormf 
)ücXi!«< xat S<oxpfrnji' nei Sxipov [ilv 3rä xijv SXijv, Mob 70p, xaihb 6t xtjl iBct- 
öro|j,oy fip tu eßo(. X, 9. 1068, m, ST: ijaiäij im t'o |itv lifo« t'o FEXt,, Bomuiv 
tv 1$ lÄ-füi sWty ^avTiiTTjTt; (ß|[ xonSoi JitfOpiv , fioai 3' tv tu ouviür,(ij(iinu Ttj 
Sil] oü «oiauoiv. Bio avSptamu XnaoriK ou xoufi oüSi [uXavii .. . <öf Blij fap S «*- 
9pwno4, od jroifi 81 Sufopi» (einen Artautersohisd) J] S3u)- olx «vBp&itoi» -f«p e^i 
»lex» ot ÜvSpuicoi 6>.a toöto, xsItm Exepsi al aif xi( xat x£ iura i\ tav S6t xak 53s ' 
sili io oiivolo* iripov [iiv, EiStL 3' ou^ twpov, ün ev t&) lifoi oJx lim» Ivmxlbint. 
So werden wir auch finden, dui das echleobthin Immaterielle im Menichei, 
der v«3«, nichts Individuelles sein soii. 

6) MeUph. VII, 11. 1037, a, 1: xat tunrot yip BXi) tts I«™ o («i fori Tf jfr 
■bat x«\ £Äo; eritb xa9' aixb «Ali iu5c «. XII, 10 s. o. 333, 4. 

6) M. b. s. B. MeUph. I, 6. 988, a, 1: Plato macht die. Materie tum GtmiA 
der Vielheit, xouhoi aupßalvii f ' ivayxuuj . . . ol p*y y *p ix xi|[ ZXqt ntOXk icotoüaiv ' 
. , . f atnpn ä' ex [«« Blitf nU tpantCa, wu aber Plato freilich auch nicht Uug- 
net, denn gerade weil derselbe Stoff mir Gin Exemplar giebt, bilden die kör- 
perlichen Dinge aneh dann noch eine Vielheit, wenn kein Artttntsisohied unter 
ihnen lUttfindet, wie dieai Arietotelei «elbst ja gleiolif alle annimmt. 

7) So Metaph. HI, 4 («, o. 8. 336, 1): wenn es niehU anaser den Einiel- 
dingen gäbe, eo existirte nur Sinnliche«. XII, 8. 1070, a, 9: ofatu Ss xpüf, i. 
usv Sir, t6tt Tt oSaa xjp ipaivKrflai . . . jj 6s «itoic (bior=Ef6oj) xdSr xi, 1I4 ijy, aok fii; 
Tic Jti Tptxi] ij ix touTuj«, Jj xafl' sxaoxa. De ooelo I, 9 (nach dem S. 160, 4 An- 
geführten): tiut o3v loiv oipavöt alo%tb(, xß» x«6' £xoaxov S> id|- to ^ip ab> 
»•ITb» Snov iv xjt Wfl ftic^x». 

.. L :' ;i ,GOOgk"- 



Di« Form und die S'nbstan*. 259 

Diese Bedeutung des Stoffes werden wir aber um so höher an- 
schlagen müssen, wenn wir uns erinnern, dass der Philosoph nur das 
Einzelwesen für etwas Substantielles im vollen Sinn gelten lässt >). 
Ist nur das Einzelne Substanz, ist andererseits die Form, wie wir 
soeben gehört haben, immer ein Allgemeines, und liegt desshalb 
der Grund des Einzeldaseins im Stoffe , so lässt sieh die Folgerang 
schwer umgehen , dass in ihm auch der Grund des substantiellen 
Seins liege, dass nicht die reine Form, sondern nur das ans Form 
und Stoff Zusammengesetzte Substanz sei. Ja da die Substanz als 
die Unterlage (üwoxifftevov) definirt wird *), die Unterlage alles Seins 
aber die Materie sein soll J ) , so könnte diese sogar für sich allein, 
scheint es, den Ansprach machen, dass sie als die ursprüngliche 
Substanz aller Dinge anerkannt werde. Diess kann jedoch Aristo- 
teles unmöglich zugeben. Nur der Form soll ja volle und ursprüng- 
liche Wirklichkeit zukommen, der Stoff dagegen als solcher ist die 
blosse Möglichkeit desjenigen, dessen Wirklichkeit die Form ist; 
es kann mithin nicht allein der Stoff nichts Substantielles sein, son- 
dern es kann auch aus seiner Verbindung mit der Form kein Sein 
hervorgehen, welches höher, als das der reinen Form, wäre. Und 
Aristoteles setzt ja auch unzahligemale die Form ausdrücklich der 
Substanz gleich *); er erklart, bei allem Ursprünglichen and Für- 
sichbestehenden sei das begriffliche Wesen von dem Ding, welchem 
« zukommt, nicht verschieden 5 ), so dass demnach in ihm die Sub- 

1) 8. S. 237 ff. 

J) S.o. 197,4.229 1. 

3) 8. 8. 237 f. 

i) Z. B. Hetaph. I, 3. 983, a, 27. in, 4. 999, b, 12 ff. VII, 4. 1030, b, 5. 

*■ '. 1082, b, 1. 14 (dSoc 8k X£f<ü tö zi ?,t (hat {x&truou x«1 "ri]v itpunjv oäotav . . . 
Wf« P oWow ävsu ÜXijs tb x! Jjv sTvou). o. 10. 1035, b, 32. o. 11. 1037, a, 29. 
c 17. 1041, b, 8. VIII, 1. 1042, a, 17. c. 3. 1043, b, 10 ff. IX, S. 1050, a, 5. 
gm. et corr. H, 9. 335, b, 6. Meteor. IV, 2. 879, b, 26. c. 12. 390, a, 6. part. 
".1,1. 641, a, 25. gen. au. I, I. 714, a, 5. Vgl. 8. 146, 1. 

5) Hetaph. Tu, 6 wird auf die Frage {1081, a, 16) jrfttpev rairiv iVnv i) 
t«fw> te ti JJv iTvai f, bootav; geantwortet: verschieden seien sie uar dann, 
wenn ein Begriff einem Ding xat« aup.ß>8nxi>c (all blosses Prädikat) ankomme, 
wein er dagegen sein Wesen Belfast ausdrücke, seien sie Ein nnd dasaelbe: 
aar Begriff de» Weissen z. B. sei etwa« anderes als der !UukÖ( «vSpumot, da« 
t<\ cW dagagim ron dem h, da* ayatl™ iTvai rem dun i-p&W, «d>aneo (wia c 
10. 1036, a, 1 Tgl. VIII, 8. 1043, b, 2 beifügt) das x&tAW Am von dem »ii*A*v 



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360 Aristoteles. 

stanz des Dings liegt; and als das schlechthin Wirkliche lisst er 
nur die schlechthin stofflose Form, den reinen Geist, geltet. Et 
liegt hier also eine Schwierigkeit, ja ein Widersprach vor, welcher 
die tiefsten Grandlagen des Systems zu erschüttern droht. Es ist 
diess dem Philosophen auch nicht ganz entgangen: in der Metaphysik 
wirft er die Frage auf, in was die Substanz der Dinge denn eki 
eigentlich zu suchen sei, ob in der Form oder dem Stoff oder dem 
Ganzen, aus beiden Zusammengesetzten? 0- Allein seine Antwort 
lautet ziemlich unbefriedigend. Er giebt XU, dass der Stoff eigent- 
lich nicht Substanz genannt werden könne *); andererseits wagt er 
ihm aber diesen Namen auch nicht ganz abzusprechen, da er doch 
die Unterlage alles Seins, das Beharrliche im Wechsel ist •>; die 
Auskunft jedoch, dass der Stoff eben in einer anderen Weise Sub- 
stanz sei, als die Form, diese in Wirklichkeit, er nur der Mogücb- 



das fy-jyf! tlvoi von der tyuyii ttfoht verschieden ; andernfalls hatte (um ändert 
Gründe in übergehen) der Begriff kein Dasein und die Dinge kein« Erkenn- 
barkeit (tiv [ilv oix tcrttti fatrojun, Ta S' oix for« Svn 1031, b, 8). Dien gut 
von Allem loa pi] xaV iXAo [äXXou) Xtynai, iXXi xafl' aSti xoi Jtpöka (ac. tW>). 
1031, b, 13, vgl. 1032, a, 5: twv Xpe&ttH xar *a6' aüii kfojjAiov to kicKu [Tili 
x«.1 Exkettov -rb «kb xa\ Fv fori. c. 11. 103T, s, 33 ff. 

1) TU, 3, Anf.; alt Subnte.ni kennte viererlei betrachtet werden: dwni 
■f[v slvii, das xafl.fl.ou, das ffvo;, da* fi»roxiiu*vov. Unter dem letzteren aber kau 
entweder die CXi) oder die [Mpyfi oder du aus beiden Bestehende vorstanden 
werden. Ton diesen Stücken wird aber daa xaf)i\ou und ebendamit stillschwei- 
gend auch daa -(evoc (Aber dessen TerhUtnias *nun(eQftou S. IST f. gesprochen 
wurde) c. 13 beseitigt (vgl. S. 229, 1), und da nun die e. 3 auffallender Weise 
unter dem uitoxilguvoy aufgeführte uappi) mit dem x'. ^v cTvst zusammenfallt, so 
bleiben nur die obengenannten drei Bedeutungen der oüaia übrig. Vgl. B. 13, 
Auf. Till, 1. 1042, a, 23 ff. Ebd. c. 9. 

2) Metaph. VII, 3. 1029, a, 37, nachdem mehrere Gründe dir die An- 
nahme angeführt sind, dass die Substanz im Stoff bestehe: äBiiwarov M* xtäfif 
Tb xwpio-ubv xol Tb tW« ti Snip^tiv BoxeT |iilnrra Tf[ oüirfa, Bio to tftot xa\ to S 
ijiaölv »Wi SifetEV äv sTvai uÖUbv r?,( iiii](. Weiter rgl. m. 6. 233 ff. 

3) Metaph. VIII, 1. 1042, a, 82: ort 3' fett» oisä xoi 5j EIjj ffißov- tv eis«! 
-fifj toi( övnx(t|ievcu4 [Utaßo^oT; fcrrt ti to ÜKoxEifiEVov Tat; uaraßolcuf. Vgl. 8. SM l 
IX, 7. 1049, a, 34: das Substrat des TdBi ti ist 51ij xat c&ria liiixjj. VH, 10. 
1086, a, 1 : tt oäv liril to |tiv SXn] t'o B ' eQoi tö 3 ' ex w Jtwv, x«\ oioia )j -re 61j] «* 
ti (TBoc xa'i tb ex ToiiTb». Phys. I, 9. 192, a, 3 (vgl. S. 236, 1- 224): tj)i(1( |itv fk 
BJiijv xott trrfpTjtiiv fttprfv pafuv iT«ki, xoi toJtiuv to [ib oüx Bv sW «rr« <juj*.p«pn»-«t, 
t^v üli)» , t)|v äi artpqstv xri' afivijv, x« 1 ! djv \th «Vyb* *"1 oiioiav «**, tVS1j)», 
t^v £i aT»fiiiliv-oiBau.5(- 



,Godgle* 



Di« Form und die Subatanc. 261 

keil nach '), ist sehr unzureichend, denn was sollen wir uns unter 
einer Mos potentiellen Substanz, einem Anundfürsichseienden, wel- 
chem die Wirklichkeit noch fehlt, denken? Soll ferner die Form 
die eigentliche Substanz der Dinge, das Wirkliche im höchsten Sinn 
sein, und wird sie als solches nicht allein dem Stoff, sondern auch 
dem aus Stoff und Form Zusammengesetzten entgegengestellt *), so 
hat doch Aristoteles nicht das Geringste getban, um uns zu er- 
klären, wie diess möglich ist, wenn die Form als solche immer ein 
Allgemeines, das Einzelwesen umgekehrt mit der Materie behaftet, 
die Substanz dagegen ursprunglich Einzelsubstanz ist. Ebensowenig 
sagt er nns, wie die blosse Form das Wesen und die Substanz sol- 
cher Dinge sein kann, zu deren Begriff eine bestimmte stoffliche Zu- 
sammensetzung gehört '), und wie der eigenschafts- und bestim- 
mungslose Stoff die individuelle Bestimmtheit der Einzelwesen er- 
zeugen kann, welche sich doch nicht Mos wie verschiedene Abdrucke 
Eines Stempels verhalten, sondern sich qualitativ, durch bestimmte 
Eigenschaften, unterscheiden. Nicht unbedenklich ist es endlich, dass 
das Entstehen und Vergehen nur den Dingen zukommen soll, welche 
ms Form und Stoff zusammengesetzt sind, nicht der Form oder dem 



1) Metaph. VIII, 1. 10«, a, 26: fori 8' ouda tö Sjioxeiiuvov, äX\u>( [itv *i 
&H, ... ÖXluf 8' S Xiyosxoit J) ftopfi), ... Tpfcov 61 tb ix toJtiuv. c. i, Anf.: fttrt 
3' f| [ilvwi 6ftOKEi|jivii xot ü( BXjj oüoia ä-j.oloyv.im, 06-715 8' lf-'- v *1 Suvdtjü i, Xotit'ov 
iV ü; bspyttov oüolav xffiv obOijTSv alicltv ti{ hui. Ebd. Schi.: »awpbv Srj ix xüv 
flpijitW ti! f, «bBijTti aiaia iar\ xit jrüj ■ fj jüv -jap ü; SXij, f, S' Jjj [ioptfr,, Üti 
■Wofiia- f| St TpiTJj J; eh TOjTiuv. XIV, 1. 1088, b, 1 (gegen dag platonische Groan- 
rnidkleine) ; oviyxr, Ti inajt&u SXnv tTvai t'o Biiviiui tolqÜtov, rära xa'i oMic tb 

S sfös ti oBte Buviu.£i 0Ü7!* otrn ivtpYtfa- 

2) Metaph. VIII, 3, Anf.: (vioit lavtovii jciTspcv ai|iwlvB ti övoiia rijv aüv~ 
inov oMav I) ri|» ivip-jiiav xel t)|V |iapfd)v, sfov i| olxf« nänp«v Wjjifiov toB xoivoE 
In ox6:a»p.K & itXfotuv xa'i Xiflwv i&*l xtiiiiviuv , 1) 1% «vep-j-eiat xat wB itooui Sn 
<nm*3)i«. Vit, S. 1029, ft, 5: si Tb eToo; ttj< SXijs lupänpov xat tiüliov Sv, xoft toB 
5 tpf 6b nporepov fmn. Z. 99 : Tb ißoc xat -a % äjie'tirv oiWa Bit-tiCT äv Aai jmX- 
lo* Tiii tDugc.. ri)v [itv Totvuv i£ i(j.yotv oäoistv, Xfrio 81 -rtiv & te t^( BXj]( xa\ rfj( 
I^Wfc, äfE-riov- iaripa 7»p xa'i aVpWj. 

3} Aristoteles unterscheidet öftere solche Begriffe, die eine reine Form, 
und lolcbe, die eine an einem bestimmten Stoff haftende Form ausdrücken; 
fa stehende Beispiel fflr die letzteren ist das otp.bv im Unterschied vom xdtXov, 
ferner die Axt, die SHge, das Hans, die Bildsäule, auch die Seele. M. vgl. Phys. 
B, 1. UM» a, 1!. II, 9, SchL (i. 8, 149, 1). De an. I, 1. 408, b, 2. D, 1. 412, b, 
11. sbtapb, VII, ä, u. 10. 1035, a, 1 ff. b, 14. e. 11. 1087, s, 29. 



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an Ariitotele». 

Stoff selbst 0; denn kann anch der Stoff als solcher nicht eitstan- 
den sein, so ist es doch schwer, sich die Formen des Gewordenen 
ungeworden zu denken, wenn dieselben weder als Ideen für sich 
existiren, noch anch der Materie ursprünglich anhaften. In allen 
diesen Schwierigkeiten stellt sich das Gleiche heraus, was wir früher 
bei der Bettachtuns; des Substanzbegriffs bemerken konnten: da» 
in der aristotelischen Metaphysik verschiedenartige Gesichtspunkte 
verknüpft sind, deren widerspruchslos« Vereinigung ihrem Urheber 1 
nicht geglückt ist. Einerseits halt er an dem sokralisch-platonischen 
Grundsatz fest, dass das wahre Wesen der Dinge nur in dem liege, 
was in ihrem Begriff gedacht wird; dieses ist aber immer ein All- 
gemeines. Andererseits erkennt er doch an, dass dieses Allgemeine 
nicht ausser den Einzelwesen dasei, und er erklärt daher diese für das 
Substantielle. Wie aber beide Behauptungen zusammenbesleben kön- 
nen, diess weiss uns auch Aristoteles nicht zu sagen, und so ent- 
stehen denn die obenberührten Widersprüche: dass bald die Form 
bald das Einzelwesen, welches aus Form und Stoff zusammengesetzt 
ist, als das Wirkliche erscheint, dass der Stoff Wirkungen hervor- 
bringt, welche sich dem blos Potentiellen unmöglich zutrauen lassen, 
dass derselbe zugleich das unbestimmte Allgemeine und der Grund 
der individuellen Bestimmtheit sein soll u. s. w. Wenn daher die 
aristotelische Lehre über Stoff und Form, Einzelnes und Allgemeines, 
schon bei den griechischen Peripatetikern , in noch weit höherem 
Grad aber im Mittelalter, die verschiedensten Auslegungen erfahren 
und zu den entgegengesetztesten Behauptungen Veranlassung ge- 
geben hat, so können wir uns darüber nicht wundern. 

Nichtsdestoweniger ist diese Lehre von der äussersten Wich- 
tigkeit für das System. In der Unterscheidung der Form und des 
Stoffes, des Wirküchen und des Möglichen, liegt für unserri Philo- 

1) Metaph. VII, 15 (». o. 148, 3). e. 10 (a. o. 256, 1). VIII, 1. 1042, *, 2»: 
TptTov 81 tb h Toiituv (Form und Stoff) , oi yiikm povou xot ?Bop& fort. o. 1 
1043, b, 10: OÜS16J) 5 öv(lpiuirf( eoti to £<uuv toi Sixouv, äXXä u Sei shm '4 jwpi 
Taüxi &w , il th38 ' GXf) ... f\ o-Jaio ■ o füaipoürct i tJjv 5Xt) v Xiyoumv. t! o3v tob: 
arnov to5 (Tvai xst nüainj (so Besitz), touto *ütf,v «y tjjv oOniav Xfjoitv. äviy*?i or, 
wüir,» 9J itötov «Not ?) pflaprtjv ävni toü pSifpiatt« *«i Y!T &yi ' UB1 * ,!U T0 " TT" 8 "" 
... Tb slfiaj oöfiäc notit oijfii ysvvä, iXXs noifirat püe (wofür Bon. vermnlhet: icwÄ 
ttt t48») yffvHai St tb tx toiItidv. 0.5, Auf.: tesi S' eW sviu ynfouuf not yflop« 
fori xsi oOx fony, ofov a\ orif ja«"!, äittp tlar», xat 81tu< ii tTSr) xoi *t fi.of<f i'i, oü fif 
to leuxbv TtTViiai, iAXi to &JXoy Xsuxqv. Vgl. S. 23S, 8. 136, 3. 



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Wechselbeziehung tob Form und Stoff. $■$ 

soptaa des hatiptaicUkhate Mittel mir Lösung der Schwierigkeiten, 
treldie die «eteehysiscken Fragen den Früheren ja den Weg legtet. 
Mittelst dieser Untarfebeidinig erklärt er es, dass du Einheitliche 
zugleich ein Mannigfaltiges sein kann, dass die Gattung und die 
unterscheidenden Merkmale zusammen Einen Begriff, viele EtueL- 
wesen Eine Art, Seele und Leib Ein Wesen Bilden '}; dtreh sie allein 
gewinnt er die Möglichkeit des Werdens, an dessen Erklärung mit 
allen Andern auch Plato gescheitert war; gerade um diese ist es 
ihm aber, wie wir gesehen haben, bei jener Unterscheidung vor 
Allem zn thun. Wenn sich Stoff und Forin als das Mögliche und 
das Wirkliche verhalten, so stehen beide in wesentlicher Beziehung : 
es liegt im Begriff des Möglichen, dass es ein Wirkliches werde, und 
im Begriff des Wirklichen, dass es die Wirklichkeit des Möglichen 
sei; wie alles, was wirklich sein soll, möglich sein muss, so kann 
auch umgekehrt verlangt werden, dass das, was möglich ist, irgend 
einmal wirklich werde, denn was niemals wirklich werden wird, 
das ist auch nicht möglich '}. Aristoteles versteht ja unter der Mög- 
lichkeit nicht blos die logische oder formale, sondern zugleich die 
reale Möglichkeit: der Stoff ist an sich, oder der Anlage nach, das- 
selbe, dessen Wirklichkeit die Form ist, er weist daher durch sich 
selbst auf die Form hin, ist der Formbestimmung bedürftig, er hat, 
wie Aristoteles die Sache darstellt, ein natürliches Verlangen nach 
der Form, bewegt sich durch ihre Anziehungskraft ihr entgegen, 
wird durch sie soUioitirt, sich zur Wirklichkeit zn entwickeln *)- 
Die Form andererseits ist dasjenige, was dem Stoff seine Vollendung 
giebt, das in ihm nur der Möglichkeit nach Gesetzte zur Wirklich- 

1) VgL 6.148, 1. 243,2. 268,4. Dean. 11,1. 412, b, 6. e. S. 414,», 19 ff. 

2) Ariit widerspricht mar Metapb. IX, 3 der megarischen Behauptung, 
diu etwas nur so lang« möglich sei, ab es wirklich ist; aber er verbietet auch 
(ebd. c. 4, Auf.) eu sagen: Eti Suv&rov jjiv ™Sl oux ärtai Si, weil das, In dessen 
Natur es liegt, nie *u sein, auch kein Mögliche« sei, und er läugnet deasbalb 
(wie 8. 256, 1 nachgewiesen wurde), data bei Dingen Ton ewiger Dauer etwa» 
vorkommen könne, was nur möglich, aber nicht wirklich wäre. 

3) M. vgl. was S. 238, 1 aus Fhvi. I, 9 angeführt wurde, und was sieh 
uns später über die Art ergeben wird, wie die Gesammtbeit dea Stoffliche*, 
oder die Welt, durch die Gottheit, und der Leib dnreh die Seele bewegt wird. 
Nu darf man bei dem Btrebeu oder Verlangen (iipkrScu, öpiSY&jBai) , welches 
Arial, dem Stoffe beilegt, natürlich nicht an eine bewuaste TbUigkeit, sondern 
blos im Allgemeinen an einen im Stoffe wirtenden Trieb denken. 



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2M Aristoteles, 

k«it bringt, sie tat die Energie oder KaletecUe der Mtterie •)■ 
Die Bntelechie der Materie aber, die Verwirklichung dee Möglichen 
als solchen, ist die Bewegung *): d»s Verhiltnisi von Form und 
Stoff führt ans zu der Untersuchung aber die Bewegung and ihre 
Grunde. 

1) Diese beiden Ausdrflcke werden ran Amt. (wie Tbkbdej.brbuib De 
in. 296 f. und Sob.webi.eb Arist. Metaph. IV, 221 f. 178 f. Beigen , und wie . 
auch schon S. 341, 1 bemerkt wurde) in der Regel nicht unterschieden , und ( 
wenn er dies* an einsehen Orten in thun scheint, bllt er doch den Uatn- 
schied so wenig feit, das» sich ihr Terhiltniss bald so, bald umgekehrt be- 
stimmen würde. So wird die Bewegung gewöhnlich die Entelechie des Stoffes, 
die Seele die Entelechie des Leibes genannt (vgl. Phys.III, 1. 200, b, 16. 
201, a, 10. 17. 28. 30. b,4. Till, 1. 251,«, 9. De «n. II, 1. 412,», 10.21. 
27.b,5. 9. 28. 418, n, 5 ff. 0.4. 415, b, 4ff.); Metaph. IX, 6. I jedoch (1048,6, 

6 ff. Tgl. Z. 1. 1 060, a, 80 ff.) wird die Bewegung aar Energie gerechnet, wah- 
rend sie sich doch andererseits von ihr (ebd. c 6. 1048, b, 18 ff.) unterscheiden 
soll, wie das Unvollendete vom Tollendeten, so daas nur die Thntigkcit Ener- 
gie Messe, deren Zweck in ihr selbst liegt, wie das Sehen, Denken, Leben, 
Glückseligsein , diejenige dagegen, welche Ihren Zweck ausser doli Bat und 
mit seiner Erreichung aufhört, wie das Basen, Gehen u. s. w., Bewegung. 
(Uaber diese zweierlei Thltigkeiten s, m. auch c. 8» 1060, a, 23 ff.). Ja Me- 
taph. IX, 8. 1047, a, 80 scheint itTtXfyeia den Zustand der Vollendung, ivfyjta 
die auf seine Erreichung gerichtete Thätigkeit, die Bewegung, eu bezeichnen 
(Soxsl fkp äVp-fd« [lilicr« f, xlrijOif eTvai), ebenso C. 8. 1060, a, 22. Für den 
Vollendungasustand steht tnMfjm »och De an. 11,6. 417, b, 4. T. 10. 418,*, 4. 
(DessMetsph.XI,8. 1066, h, 16.33 wiederholt tvtprn« steht, wo Pbye. HI, 1 fctt- 
idyua hat, ist bei derUnsohtbeit dieses Absahnitta unerbeblioh.) Anderswo heiast 
die Bewegung eine tWpYtis änXJ)(, lv. tou «mIoÜ^, und wird als solche von dar 
öcltXöf fWp-fS!! tqü Tsrelco|i£vou unterschieden (a. n. 266, 3). Auch für diese steht 
aber h-.{kifiix, e. B. De an. II, 5. 417, a, 28, und der gleiche Ausdruck kommt 
für die reine stofflose Form, die Gottheit, vor, Metaph. XII, 8. 1074, a, 35. 
c. 6. 1071, a, 86. Phys. III, 3, Anf. wird die Wirksamkeit des Bewegendes 
•Wp-fita, die Veränderung des Bewegten l-mkiyaa. genannt, was auch gsni pas- 
send erscheint, da dieses, nicht jenes, durch die Bewegung anr Vollendung ge- 
bracht wird; im Folgenden steht jedoch ivxtXfyux von beiden, und Metaph, 
IX, 8. 1060, a, 30 ff. heisst es mit Beziehung auf die oben unterschiedenes 
awei Arten von ThStigkeiten ! bei denen, welche ihren Zweck ausser siel 
haben, sei die Energie in dem Bewegten, bei den andern in dem Wirkende!. 
Es IBsst sich so für die Unterscheidung der beiden Ausdrücke kein fester 
Sprachgebrauch nachweisen. 

2) Phys. III, 1. 201, a, 10. b, 4: Sj -raS Suvijui 3vto< ArrcX^cut )j ToraGw, 
xfviioit lotiv ...j] toÜ SuvbtoB, fj Snvatby, ImXfyua pswpb» Bn xtvqafg iemv. TUM* 
261, B, fl: ysjjiv 6i] rf,v xfvtiaiv Am brnkfytnv tou xiwjtoÖ f) xiviridv. Dasselbe 
Metaph. XI, 9. 1086, b, 16. 83 ; ». vor. Amu. 



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Bewegung. 2d5 

8. Die Bewegung and das erste Bewegende. 

Was Aristoteles mit der eben angefahrten Definition ausdrucken 
will, bat er selbst erläutert. Die Bewegung ist die Entelechie dessen, 
was der Möglichkeit nach ist, d. h. sie ist diejenige Th&tigkeit, wo- 
durch das vorher nur als Anlage Gesetzte Dasein erhält, das Be- 
stimmtwerden der Materie durch die Form, der Uebergang von der 
Möglichkeit in die Wirklichkeit *)» die Bewegung des Banens z. B. 
1 besteht darin, dass das Material, aus dem ein Haus werden kann, 
wirklich zu einem Hause verarbeitet wird. Sie ist aber die Ente- 
lechie des Möglichen, nur als eines solchen, d. h. nach der 
Beziehung, in welcher es ein blos Potentielles ist; die Bewegung 
des Erzes z. B-, aus dem eine Bildsäule gegossen wird, betrifft 
dieses nicht, sofern es Erz ist, denn insofern bleibt es unverändert, 
insofern war es aber auch schon vorher der Wirklichkeit nach, son- 
dern nur sofern es die Möglichkeit, zur Bildsäule gestaltet zu wer- 
den, in sich enthält *). Diese Unterscheidung findet übrigens, wie 
natürlich , nur da ihre Anwendung, wo es sich um eine bestimmte 
Bewegung handelt, denn diese vollzieht sieh immer an einem sol- 
chen, das schon irgendwie wirklich ist; fassen wir dagegen den 
Begriff der Bewegung allgemein, so ist sie überhaupt das Wirklich- 
werden des Möglichen, die Vollendung der Materie durch dieForm- 
bestimmung, denn die Materie als solche ist ja blosse Möglichkeit, 
die noch in keiner Beziehung zur Wirklichkeit gelangt ist. Unter 
diesen Begriff fällt nun aber alle und jede Veränderung, alles Wer- 
den undVergehen; nur auf die absolute Entstehung und Vernichtung 
würde er nicht zutreffen, da bei dieser auch der Stoff hervorge- 
bracht oder aufgehoben würde, eine solche nimmt aber Aristoteles 
auch gar nicht an *). Wenn er daher auch das Werden und Ver- 



1) Dm* nur ditsser Uebergang, Dicht der dadurch erreichte Zuatand, nur 
die Verwirklichung, moht die Wirklichkeit mit dem Ausdruck Ente- 
kcliio oder Energie gemeint iit, liegt theils in der Natur der Sache-, tbeila in 
der wiederholten Bezeichnung der Bewegung als einer unvollendeten Energie 
(9. !68, 3, tQi, 1). Auch sonst unterscheidet Aristoteles mischen beiden: die 
hut i. B. soll deeshalb keine Bewegung «ein, weit die Bewegung in jedem 
Augenblick unvollendet, sie dagegen vollendet, jene ein Verfolgen, sie ein Er- 
reichthaben des Ziele, eine Folge der vollendeten Thätigkeit ist; Eta. N. X, 
3.4. VII, 18. 1153, a, 1!. 

3) Pbya. III, 1 (Metäpb. XI, 0). 
t) S. o. 235, 8. 288, 2. 



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9fß AiiitottUi. 

gehen für keine Bewegung gelten lassen will, and desshtlb ngt, es 
Bei zwar jede Bewegung eine Veränderung, aber siebt jede Ver- 
änderung eine Bewegung l ) , so ist doch auch dieses nur ein rela- 
tiver Unterschied, der sich im allgemeinen Begriff der Bewegung 
aufhebt; wesshalbauchAristoteles selbst anderwärts *) „Bewegung" 
und „Veränderung" gleichbedeutend gebraucht Das Nähere über 
die verschiedenen Arten der Bewegung gehört der Physik an. 

Alle Bewegung also ist ein Mittleres zwischen potentiellem 
und aktuellen) Sein, eine Möglichkeit, die zur Wirklichkeit hinstrebt, 
und eine Wirklichkeit, die noch an die Möglichkeit gebunden ist, 
eine unvollendete Wirklichkeit. Von der blossen Polentialität unter- 
scheidet sie sich dadurch, dass sie Entelecbie ist, von der reinen 
Energie als solcher dadurch, dass in der Energie die auf einen Zweck 
gerichtete Thätigkeit zugleich ein Erreichthaben des Zwecks ist, das 
Denken z. B. im Suchen zugleich geistiger Besitz des Gedachten, 
wogegen die Bewegung im Erreichen des Ziels erlischt, und darum 
nur ein unvollendetes Strebes ist *). Auch jede bestimmte Bewe- 
gung ist daher Uebergang von einem Zustand in einen entgegen- 
gesetzten, von dem, was ein Ding zu sein aufhört, in das, was 4 
erst werden soll; wo kein Gegensatz ist, da ist auch keine Ver- 



1) Phys. V, 1. 226, a, 10. 34 u. ö. s. n. 

1) Z. B. Pbys. III, 1. 101, ■, 9 ff. c. 2, Auf. IT, 10, Sohl. VIII, 1. 
!6l, a, 9 u. 0. 

3) I'hye. III, 2. 201, b, 27: toB 81 Soxliv nSpinov ihai ri)v xtvqotv afctov 5c 
oüte efe Sürajw tujv SvTKiv oüts ilt btipTttan Im 8flv«! criri]» öocXcfc- oilts Y«p w 
Suvircbv juwbv «Tvnf xivtttccE iE avifXT;; oän i'o rVip/fiü» icoobv, fj n xlvr-otj itkfn 
fiiv Tt{ «&«i Boxe!, ä-nM)c 6'' «fl™» 6' (w itiUf ti <uvnbv, sä iaiiv 4)iyepYu«. Sit 
«ei des»halb weder eine ar^ijois , noch eine 6jva|u; , noch eins tvipyua «U;. 
(Paaielbe Metapb. XI, 9. 1066, a, 17). VIII, 6. 267, b, 6: xivünt tb «vjjriv 
toüto S ' äarl äuva|ui xivoiifiivov oix sVeXi^eis' vt 3i Bwipi et( iviii^eiav {kSAju- 
?3Ti 8' f| k(vi)«c iVtiM£«a xiwjtoS i-ralijt. Tb 5e xivoüv irjätrj Svspysia soriv. Meupt 
IX, 6. 1048, b, 17: erat 31 xüv npc&uv iuv irrt xipat oü&pfc TÜ*t ölÄi xöv inp 
t'o tA»(, otbv tou ia/valvctv f| is^vawia, ai:i 31 Stbv (ay vaivfj oStbjc «Wv Iv xtmjoi. 
|1J) &Kapxovta """ * vlsa h *ivT,(ri(, oüx fori tbütb späS« i) oil teXiIs yi- oü yip tu«, 
ÖXA ' ixEtvi] iWip^ii tb rtXo; *al f, Jtpö^tt . . . oü ynp «(»« ßaöiCti xai ^Eßoöan, 
oJB' olxoSajiit xai uixoSopiXE* a. u. w. JcLpaxt 31 xaä öpi ä|ia to ajxb xot voclw . 
V(vi7]x£v Ti)V pl* o5v Tounltijli tVpY«OT l^f<u, Ex*!«]* 31 xmptv. VgL o. 8. 1050,1, 
23 ff. und oben 8. 264, 1. Dean. 11,6. 417, a, 16: xat y«p i'irev jj xf^m; Mp< 
yeii Tt( ättMjt pAwL III, 7. 431, a, 6: Jj ykp xivjjoif tou öteXoS? fotpfiui r[v, f ( f 
änXüf Jv(pY»B tt^pa ^ tou 



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Bewegang. 207 

indemng l > Aus (Kweoi Grunde setzt nun alle Bewegung zweierlei 
vorans, ein Bewegendes und ein Bewegt«, ein aktuelles und ein 
potentielles Sein. Das blos Potentielle kann keine Bewegung er- 
zengen, denn ihm fehlt die Energie, du Aktuelle als solches eben- 
sowenig, denn in ihm ist nichts Unvollendetes und Unentwickeltes; 
die Bewegung ist nur tu begreifen als die Wirkung des Aktuellen, 
oder der Form, auf das Potentielle oder die Materie *), und auch 
in dem, was sich selbst bewegt, mnss doch immer das Bewegende 
ein anderes sein als das Bewegte, wie in den lebenden Wesen die 
Seele ein anderes ist als der Leib, und in der Seele selbst, wie wir 
unten noch finden werden, der thätige Theil ein anderer, als der 
leidende 8 ). So wenig daher ohne den Stoff oder das potentielle 
Sein ein Werden möglich wäre, so wenig ist es ohne ein Wirk- 



I) Phy». V, 1. 234, b, 36 ff. 336, a, 10. Metaph. VIII, 1. 1042, a, 33. 
XU, 2, 1069, a, IS: al; ivmtuävttt «v itn ttti xdUxoavav <tt [irr«{toX«l' avtrpni Sj] 
imaBöJkXuv tj)v 5Xi)¥ Suvc^Uvt|v ipyw ivA äl Sirr'ov t'd Sv, [mtiS&Iu sav h toÜ 
iuvi|ui öviof dt to ivtfyilq ov. 

3) Phys. III, 2 (8. 366, 3). VIII, 5. 267, b, 8. Metaph. IX, 8 bes. 1050, b, 
8 ff. XII, 8. s. o. 286, 3. Phys. VII , 1 : Sxav to xivoujuvov &isi xtvot ma-pm w- 
väiln: auch bei dem scheinbar aicli selbst Bewegenden könne die beiregte 
Miterie nicht zugleich du Bewegende sein, denn wenn ein Theil derselben 
ruhe, so ruhe such das Gante, Bnbe und Bewegung des sich selbst Bewegen- 
den aber könne siebt von einem Anderen abhängig sein. Der wahre Grund 
jener Bestimmung ist indessen der oben und Phys. TU, 2 angegebene. Gen. et 
c-orr. II, 9:fweder die Fenn für sich, noch die Materie für sieb erkläre das 
Werden; Täjt jae« -fip SXjjj t* jciaj_Ei* isi'. xed tö xtväaQcu, xb Sl notEtv xel xivit» 
&pat Gws^üu^ Weiteres 8. 234 ff. 

3) S. vor. Anm. and Phys. III, 4. 366, », 12: ein anwyti xcd auji^ufej kann 
nnmüglieh eich selbst bewegen; fj fäp tv xot ouvigEt |iv) «pjj, toiItji ämB^ (vgl. 
Hetaph. IX, 1. 1046, a, 38)- all' fj xsjjwpisrai, rail-nj to |isv MfintE icouEv Tb Gl 
lia^iu. Kein einheitliches Wesen bewegt demnach sich selbst, iXk' ävfrf»] 
äffjjiijsSai tö xivoüv h IxitiTüi njHK W xivotfjuvov, o!ov im "cuv äi(.-j^uv Qpwfuv, ötsv 
»inj ti tS» fjj.i^ujruv aütä- älXa ouu.fla£vti xoi TaÜra üni tivo; äil xivilrfai- fEvaiTo 
i'iv favspbv Staipoüal tat «hi«. o. 6. 257, b, 3: «Mvitov 8i) tö oüto s&to xivouv 
wij xwfiv suVtb «StiJ ■ (pEpotro fap Üv SXev xsü tp^pot tjjv aux^v ipapiu , Iv Sv not 
3-o[isv t& ilSei u, s. w. eti Siupinai Sri xivihat to xivjjtiIv u. s. w. (s. 8. 366, 3). 
Von einer „Identität des Bewegenden und Bewegten 11 (Bibsb PhiL d. Arist. I, 
W2, 7. 481) kann daher gerade nach Aristoteles am Wenigsten gesprochen 
"erden, und data es solche* giebt, das mgleioh bewegt und bewegt wird (Phys. 
III, 3. 302, a, 3 u. ü.), beweist nach den eben angeführten Erklärungen nicht 
du Geringste dafür. 



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368 4riit*talM. 

liebes möglich, das ihm als beweg«»»} Ursache Torausgeht, »ad 
auch wo sich das Bmzeine «tu der blossen Mögttokkeit rar Wirk- 
lichkeit entwickelt, wo mithin jene in ihm selbst früher ist, als diese, 
mnss ihm doch ein anderes Einiemes in aktueller Existenz voran- 
gehen : das organische Individuum entsteht ans den Samen , aber 
der Same wird von einem andern Individuum berrorgebraoht — das Ei 
ist nicht früher, als die Henne ')• Ebenso aber umgekehrt: wo ein 
Wirkliches mit einem Möglichen zusammentrifft, and keine Süssere 
Hemmung dazwischentritt, da entsteht immer die entsprechende 
Bewegung *). Der Gegenstand, worin diese ihren Sitz hat, ist du 
Bewegte, oder der Stoff, der von welchem sie bewirkt wird, du 
Bewegende oder die Form, so dass sie also eine gemeinsame Tha- 
tigkeil beider ist, die aber in entgegengesetzter Richtung von ihnen 
ausgeht ■}. Die Wirkung des Bewegenden auf das Bewegte aber 
denkt sich Aristoteles durch eine fortdauernde Berührung beider 
bedingt*}, und diese Bestimmung erscheint ihm so nothwendig, 

1) Metaph. IX, 8. 1049, b, 24: äA Ix toü Suv£|ut «vrof YiYvrtcu to Jvcpyilt 
Sv iüo ivtfätla Övtoj, oTov sv9piuTra( &i ävBpt&nau, p.0U9txb( iah («iwixou, SA xrvuEv- 
xii tivo; npÜTOU' 1050, b, 3: ^avspöv Sti Jtpittpflv TrJ oi<j(a Ivtpyuo. Buva[uo*' *<>'■ 
£oicEp e"7:o[i£v, toD ypiävou SA xpoXapß&vii sWpTEia top* irpo topaf tut t% «ä in 
Kivoüvioj' soiiTti«. XII, 3 («. o. 385, 8). XII, 6. 1071, b, 22 ff. c. 6. 1072, «, 9: 
icpOTEpov eVpviia Suva^E»( . . tl oe |iAXsi yivtatt kA a6&p« ihm, üXa Sfi bTvii iv. 
EVEp^aSv SXXiot x«L JXXm;. Gen. an. 11, 1. 7S4, b, 31 : im fiati ffvccoi )) -e^ttj 
Sic' ^vtpftE? övtoj f(vET«t tx toQ SuvipiEt toiojtou. Phya. III, 2, Schi.: eTBo; 61 kö 
oIoETai ti rb xtvoüv, .. B iorat apj^)] xo> afnov tSJs xivjJtews, Brav xlvjJ, oTov & ^v-eeXe- 
/e!» ävOpiiKtot itoiEi eh toü Buvijui övto( ävflptüwrou «vBpiorto*. Ebd. c. 7. VHI, 9. 
265, a, 22. Metapb. VII, 7. o. 9, Bcbl. IX, 9, Sohl. XU, 7. 1072, b, 80 ff. De 
an. II, 4, Auf. III, 7, Auf. V#J. auch 8. 247. 

2) PIivb. VIII, 4. 265, b, 8 ff. Ueber den Grand davon s. m. 8. 28B. 

8) Phys. III, 3, wo diesi ausführlich erörtert wird. T, 1. 224, b, 4. ebd. 
Z. 26: -fj x(vj]oi( oix Ev tö iT&ei iXk' h tö xivw|wVm xal xmjtö xar* &ipvuw. 
VTI, 3: die «IXotwoii kommt nur beim Körperlichen vor. Do an. III, 2. 43B,a,t: 
ei 8 ' eotiv ^ xfoigot; xa\ f] tuo(t]3i; xtft ti JtiBo; iv tfii iroioupÄru . . . ^ yip To3 wonf- 
TixoB xoit xivt)twou EvtpYEi« eSi nji sfcrYovrt Eyrivrwt. 8i)i oix i»«Yxi] t'o xroüv xi- 
vEiaBai ... ^ itohjais x«\ J| JiiBijoit iSi to) itiffX.oyn äXV oiJx iv tö «oioBvtt. Wei- 
teres 8. 349 f. 

4) Phys. Ol, 2, Schi.: f| x!vt](n( (vrtJivtts toü xtvnTOS )j xtwjTäV oujiBaivti S 
toSto 8fl-(l toü xivrjTtxolj , Sofl' ä[ia xa*t niayji. VII, 1. 342, b, 24. TU, 2, Am".: 
TÖ 81 itpffirav xivoSv ... äua t<J xtvoti|iEvtji Ini- Xffto Gl to ä|j.a, Btt oiSA rätn 
«ärßv [utoH' toöto y^P xoivök M navr'af xtvoujiivDu xeft xivoSvtdi isriv, im w- 
fort von allen Arten der Bewegung bewiesen wird. Gau. et oorr. 1,6. 322,h,!l. 



Bawegangi JjflQ 

daes er neb von dam schlechthin Uiikörperlicben belnnptet, es 
wirke durch Berührung; selbst das Denken soll das Gedachte durah 
Berührung desselben in sich aufnehmen 0, — das Gedachte verhält 
sich aber flu Denkenden, wie die Form zur Materie *) — und eben- 
so soll sich die Gottheit als das erste Bewegende, wie wir sogleich 
finden werden, mit der Welt berühren s ). Welche Bedeutung freilich 
dieser Aasdruck beim Unkörperlichen haben kann, hat Aristoteles 
nicht weiter erläutert. 

e. 9. 327, a, I. Gen, an. II, 1. 734, a, 3: xivstv ti fkp ja); «nänfvov ääüvatov 
Vgl. 8. 360, 3. Das* diese Berührung de« Bewegenden mit dem Bewegten nach 
Aristoteles nicht Mob eine einmalige, durch die ei nur den eisten Anstoss er- 
hielte, sondern sine wahrend der ganzen Dauer der Bewegung fortgehende 
sein soll, erbellt namentlich aas seinen Annahmen über die Wurfbewegung. 
Hier scheint eich ein Korper au bewegen, nachdem ei aufgehört hat, mit dem 
Bewegenden in Berührung zu stehen. Diess kann aber Aristoteles nicht zu- 
geben; er nimmt daher an (Phya. VIII, 10. 266, b, 37 ff. 267, b, 11 vgl. IV, 8. 
315, a, 14. De ineomn. 2. 469, a, 29 ff.) , der Werfende bewege zugleich mit 
lern geworfenen Körper auch daa Medium, durch welches der letztere sich be- 
wegt (wie Luft oder Wasser) , und zunächst von diesem gehe die Bewegung 
des Geworfenen aus, wenn es sich rom Werfenden entfernt hat. Weil aber 
diese Bewegung fortgeht, nachdem die des Werfenden aebon aufgehört hat, 
wahrend doch nach seiner Voraussetzung die des Mediums zugleich mit der 
du Werfenden aufhören muss, greift er su der seltsamen Auskunft, dasa das 
Medium noch bewegen könne, wenn es auch selbst nicht mehr bewegt werde; 

'ty Ü[A» **&»[ XIVOÜV XOt XlYO'jfAEVQV, aXXi KW0U|UUSV |l£V iüut StXV Ö HIVÜV lt«lj- 

ir,wi xtvüv, xivdÜv Si sti M (267, a, 6). Das Gesetz der Trägheit, kraft dessen 
jede Bewegung fortdauert, bis sie durch eine Gegenwirkung aufgehoben wird, 
iit ihm demnach noch sieht bekannt. — Wie sieh freilich die natürliche Be- 
wegung der Elemente, vermöge deren jedes derselben dem ihm eigenthüin- 
licluu Ort anstreben soll, ans einer Berührung mit einem Bewegenden ableiten 
Uwe, wurde schwer zu sagen sein; ist doch durch das, was t'hys. VIII, 4. 
251, b, 33 ff. De coelo IV, 3, Sohl, steht, nicht einmal dargetban, dass sie fiber- 
t wpt von Anderem bewegt werden. 

1) Metaph. XII, 7. 1 073, b, 20 vgl. IX, 10. 1051, b, 24. 

2) Ebd. XII, 9. 1014, b, 10. 29. De an. III, 4. 439, b, 22. 39 ff. 

3) Gen. et oorr. I, 6. S22, b, 21: nichts kann auf Anderes wirken, was 
tkh nicht mit ihm berührt, and bei allem, was zugleich bewegt und bewegt 
wird, muss diese Berührung gegenseitig sein (823, a, 20 ff.); frei 5* tu; blart 
W*" ti> xneQv earaotiai [iivou toÜ xivoupmu, is S* änrf|uyov |i)| Sjectoöoh irrro- 
r^w (das Berührende berühre kein solches, von dem es wieder berührt wird) 
' ■ - &en ä ti xtvß ib;iv7]TOv 5v , ixäm jtsv äv Sbttwco toü xivqtoQ , ixdvm St ovSiv • 
W« fip Ivvnt tot Xuieowres Surnrtai 4jj«Üv, ilX' oix aüt&l ixefvou. Dasa dies* 
fralUiaichtimehrlBt.alseni Spiel mit Weiten, liegt am Tage. 



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270 AriitoMat. 

Aus diesem Begriff der Bewegung folgt nun , dass die Bewe- 
gung überhaupt so ewig ist, wie die Form und der Stoff '), deren 
wesentliche Beziehung sie darstellt, dass sie weder Anfang noch 
Ende hat. Denn wenn sie angefangen hätte, so rofisstcn vor diesen 
Anfang Bewegendes und Bewegtes entweder schon gewesen sein, 
oder nicht. Sind sie nicht gewesen , so mössten sie erst geworden 
sein, es hStte mithin vorder ersten Bewegung schon eine Bewegung 
stattgefunden. Sind sie gewesen, so lässt es sich nicht denken, 
dass sie nicht auch bewegt hätten, wenn es damals schon in ihrer 
Natur lag, zu bewegen; war diess aber nicht der Fall, so hätte erst 
eine Wirkung eintreten müssen, durch welche sie diese Beschaffen' 
heit erhielten, wir hätten also auch in diesem Fall eine Bewegung 
vor der Bewegung. Das Gleiche gilt aber auch nach der anderen 
Seite hin. Das Aufhören einer Bewegung ist immer durch eine an- 
dere Bewegung bedingt, die der ersten eine Ende macht: wie wir 
dort zu einer Veränderung geführt würden, welche der ersten vor- 
angienge, so hier zu einer, welche der letzten nachfolgte. Die Be- 
wegung ist mithin ohne Anfang und Ende, die Welt ist nie entstan- 
den und wird nie vergehen *). 



1) lieber dieac Tgl. m. 8. 235, S. SS8, 2. 

2) Phys. VDI, 1. Denselben Sata beweist Aristoteles De ooelo I, 10— 11 
gegen die, welche iwar einen Anfang, aber kein Ende der Welt annehmen. Der 
Hauptgedanke dieses ziemlich verwickelten Beweises liegt in der Bemerkung 
(c. 12), dass Anfang und Endlosigkeit , Ende and Anfiuigslosigkeit eich ans- 
8 cb Hessen. Wu wahrend einer unendlichen Zeit sein kann, da« kann nie sieht 
sein; denn da nur dasjenige möglich ist, ans dessen Wirklichkeit nichts Un- 
mögliche* folgt (a. a. 0. 281, b, 15 und oben H. 160, 2), so m&nts, wenn etwas 
zugleich die Müglichkeit beoHsse, unendliche Zeit in sein und irgend einmal 
nicht an sein, auch ans der Annahme, es sei wirklich naendliehe Zelt und sn- 
gleiob irgend einmal nicht, nichts Unmögliches folgen (freilich kein guia bfln- 
diger Sohlues). Was somit unendliche Zeit sein kann, das kann nie nicht sein, 
und umgekehrt: was ewig sein kann, das ist ewig, was irgend einmal nicht 
sein kann, das ist tob beschränkter Dauer, es hat einen Anlang und ein Ende, 
das rtvrftev fällt mit dem ?8aprbv, das kfttrpm mit den «ipSapTO» und die«« bei- 
den mit dem äfttov zusammen (Tgl. hieau 8. SM, 1). Warum tollte auch, was 
unendliche Zeit nicht war, gerade in dioeem bestimmten Zeitpunkt in sein an- 
fangen, oder das, was unendliche Zeit war, gerade in diesem Zeitpunkt in »ein 
aufboren (a. a. 0. 983, a, 11)? Was usgsworaen od« UTergtagiioh ist, kann 
dien nicht zufälligerweise, sondern nur remOge seiner Natur seht, seine Nato) 
mos» die Möglichkeit des KehtseliM ausflchliossen; nsagekehrt, waa entstanden 

. .Google 



Dsi erste Bewegende. 271' 

Ist aber aaoh die Bewegung -nach dieser Seite hin unendlich, 
so mnss sie doch nach einer andern begrenzt sein. Wenn jede Be- 
wegung «1s solche ein Bewegendes voraussetzt , so lässt sich die 
Bewegung Oberhaupt nur unter der Voraussetzung eines ersten Be- 
wegenden erklären, das nicht wieder durch Anderes bewegt wird, 
denn ohne diese Annahme kämen wir zu einer unendlichen Reibe 
der bewegenden Ursachen; aus einer solchen könnte aber niemals 
eine wirkliche Bewegung hervorgehen, weil sie nie zu einer ersten 
Ursache führte, ohne welche doch keine von allen folgenden wirken 
könnte; nnd dieser Folgerung lässt sich auch nicht durch die An- 
nahme ausweichen, dass das Bewegte sich gegenseitig bewege, denn 
das Bewegende muss immer schon sein, was das Bewegte erst 
wird *)> Dasselbe kann also nicht zugleich und in derselben Be- 
ziehung bewegend und bewegt sein. Es muss also ein erstes Be- 
wegendes geben. Dieses könnte nun entweder selbst wieder ein 
Bewegtes nnd mithin ein sich selbst Bewegendes sein, oder ein 
Unbewegtes. Der erste von diesen Fällen führt aber auf den awei- 
ten zurück, da auch in dem sich selbst Bewegenden immer das Be- 
wegende von dem Bewegten verschieden sein muss. Es muss 
also ein Unbewegtes geben, welches der Grund aller Bewegung 
ist *). Oder wie diess anderwärts kürzer gezeigt wird: da alle 
Bewegung von einem Bewegenden ausgehen muss, da dieses ferner 
nicht Bios ein Mögliches, sondern nur ein Wirkliches sein kann, da 
endlich die Bewegung anfangslos ist, so setzt sie ein Wirkliches 
voraus, das ebenso ewig ist, als sie selbst, und das als die Vor- 
aussetzung aller Bewegung unbewegt sein muss s ). Es giebt dem- 
nach überhaupt dreierlei: solches,, das nur bewegt wird, und nicht 



oder vergänglich ist, dessen Natnr mnss sie mit sieb bringen; es ist daher 
gleich unmöglich , dsu das Gewordene unvergänglich und dass das Ungewor 
(Jene vergänglich sei (h. a. O. 288, a, 39 ff.). Noch ein weitster Beweis für die 
Ewigkeit der Bewegung, welcher vom Begriff der Zeit ausgeht (Phys. VIII, I. 
läl, b, 10 ff.), wird uns im nächsten Kapitel begegnen; das Gleiche liesse »ieh 
xu dem Satze (Phys. VI, 6) dertban , dass jede Bewegung eine frohere vor- 
»nwetse. 

l) VgV 8. M7 f. 

I) Phys. TUT, B Tgl. VH, I. 

3) Metaph. Xltl, 6. c. 7. Anf. Vgl. II, J, wo ausgeführt wird, daes weder 
^* tewegesden, noch die formalen, noch auch die ZwaokurBiioheu einen Bflok- 
pug in'e Unendliche gestatten. 



i „Google 



272 Arietotele*. 

bewegt (die Materie), solches das bewegt und bewegt wird (die 
Natur), und solches, das Dur bewegt, aber nicht bewegt wird (die 
Gottheil) 0- — Wie wenig übrigens diese Bestimmung im aristo- 
telischen System allein steht, konnte auch schon unsere frühere 
Erörterung zeigen. Das Wirkliche im höchsten Sinn kann nur iu 
der reinen Form ohne Stoff, nur in dem absoluten Subjekt liegen, 
welches als Einseines sogleich das Allgemeinste, als die vollendete 
Form zugleich die bewegende Kraft und der Zweck, der Welt ist *). 
Die Stnfenreihe des Seins, welche vom ersten formlosen Stoff auf- 
steigend sich erhebt, kommt erst in der Gottheit xu ihrem Abschlags. 
Und von dem letzteren Gesichtspunkt war Aristoteles wirklich in 
einer der verlorenen Schriften beim Beweis fiir's Dasein Gottes 
ausgegangen *). Anderswo *) hatte er den Götterglauben popu- 
lärer aus zwei Quellen abgeleitet : aus der Selbstbetrachtung, welche 
in dem Ahnungsvermogen der Seele die Spuren des Göttlichen auf- 
zeige, und aus der Betrachtung des Himmels s ); wie laut die Schön- 
heil nnd Ordnung des Wellganzen von der Gottheit zeuge, führt er , 



1) Phys. VIU, 6. 266, b, 20. Metaph. XU, 7. 1072, a, 24. De an. III, ID. 
433, b, 13. 

2) Vgl. Ü. 233. 247 f. nnd wu unten aber die Gottheit als die höchste 
Form, die reine Energie, den obersten Eodeweck »niufBhren sein wird. Metaph. 
XII, 7. 1072, «, 33: fam äpturov öit (in jeder Beihe des Seienden) 4 «vAlot"" 
Tb icpwwv. * 

3) SiHi-L. De coelo, 8choL in Ar. 487, a, 6: Urii 3t rup\ tot toi* li tois *epl 
<t>D.aa<i<fLai (s. o. S. 58 f.). „KaWlou yap iv att Ist; ti Bätiov, rV toifrott iarin 
xai äpunov. eitel ouk Jv to"( oSsiv (crAv Bio £Uou ß&Tiov, ionv öpee ti xai öpiotoi, 
ttKp «fy Sv tb flslov." (Des folgende ist nicht mehr Citat aus dar ariatoteliaohan 
Beitrift, sondern Erläuterung der Stelle De coelo 1, 9. 379, *, 32 ff.) 

4) Vielleicht gleichfalls in einer Stelle der Schrift it. «tiitxjwpiat- 

f>) Seit. Math. IX, 20: 'Apiorot&nj Se inb fiuolv ipyßv e'vvoiov Btüv tlrf; , 
■frf oWv« ev toi; avöpiöjtoi; , in (i tt ttuv inpl tij v 4"*X^I V ct'l'.ßvevniw xa'i in b tü> 
JlETblipWV. äiA ' (btb (liv TWY Jtlf'l tj]V I^U^V OU(lp«lVÖVTIllV Bia to : j( t\ ioi( Sir*oit 
ynopAouc Tailrr,; JvflouOiM(A0ü4 uzt ti; fiavisia;. orav yip , fijaiv, iv Ttji Sltvoii 
xa6 ' loutjp -[i'vr.tai f] ijta^J] , toti t)jv TSiov inoia^o Üoi tpäsiv ttpapavmJtT« ti x»'i 
TtpoaYOpsiitt ti |i&Äovta, TOia^Trj 6e Jori xai iv tüi x«i tbw OavxTov ^tupCJsaOai tun 
aufianav. So lasse ja Homer Patroklus and Hektar im Sterben Weissagungen 
aussprechen. U toüttov ouv, ?»|dT¥, faivdi)BHv ot ävQpioitoi dvai ti Bshv, tu x«fl' 
lautbv [-b] foixbc tij ijiuxfi *Ä ä«vtiiiv •itianjjiovLtijbiJiTov. iUa 8J| wä mco rfiv |«- 
Tiiupciv 6saoi[«voi fip |ut' fjptpay [aev fjXiov TtipiRsXoGvta, viIxTjip 51 t9)v IÜTBXT0» ' 
tum ilÄuiv itrripiuv xtwjjiv , (vcifuaav (Tvai riv« Stöv TOV tij( T0iC«iT>|4 wfliasox wl 
iiHa£iaf altiov. 



3,g,1 EE dbyG00dk 



Du eilte Bewegende. JJ8 

in eiqeui bekannten Bruchstück ans ')- Auch diele Darstellungen 
finden ihre Berechtigung in seinem System, wenn wir auch immer- 
hin Einzelnes darin ohne Zweifel aus ihrer minder strengen Haltung 
oder aus einer älteren, dem Piatonismus noch näher stehenden, 
Gestalt seiner Lehre zu erklären haben. Das Ahnungsvermögen, 
das sich in weissagenden Träumen und enthusiastischen Zuständen 
offenbart, ist nur eine unklare Aeusserung jener Kraft, welche als 
thätiger Verstand das Band zwischen dem menschlichen und dem 
göttlichen Geist bildet *); die Schönheit der Welt, der harmonische 
Zusammenhang ihrer Theile, die Zweckmässigkeit ihrer Einrichtung, 
die Herrlichkeit der Gestirne und die unverbrüchliche Ordnung ihrer 
Bewegungen weist nicht allein auf die Sterngeister, in denen wir 
später die Lenker der himmlischen Sphären erkennen werden, son- 
dern auch über sie hinaus auf das Wesen, von welchem die einheit- 
liche Bewegung des Wellganzen und die Zasammenstimmung alles 
Einzelnen zum Ganzen allein ausgehen kann ')• Wenn daher Ari- 



1) In der glttnienden Stelle b. Cic. N. De. II, 37, 9ft, welche in ihrem An- 
fang an das platonische Bild von den Höhlenbewohnern (Rep. Vif, Auf.) erin- 
nert: «i essen! , gut tub terra eemper habitaviteent , . .. aceepütcnt uutemfama st 
oudätone, ea*e quoddam numen et vim Deorum: demde aliquo tempore, patefaeti» 
terrae faucibtu, es illii abditit ntdibut evadere in haec loca, quae not iacolimtu, 
atque extre petuitieni t cum repente terram et maria cotlumque tridiisent, nubiwa 
iHujHifuiIinBin vtrttorumqae vim eognomuent adtpexuienique solrrn ejutque tum 
iwpütudiinem pulcfirüudinemque tum etiam eßcientiam cognovietenl , guod U 
fa afficeret lato coelo face diffuta t cum autem terra» nor, opaeattet, tum eoc&tm 
tatum cernertmt aitrie dUtinctum. et ornatum lunaeque luminum varieiatem tum 
cracentü tum nenetcoUis eorumque omrmaa ortut et oeeatui atque tn omni aeter- 
«itate ratoi iinmutah'dejque curat«: haec cum mderent profeeto et etee Den* et 
Äset tanta opera Deorum etie arbitrarentur. NachCic. N. De. 11,49, 125 seheint 
Ariil such den IunJJBkt der Thiere inr teleo logischen Begründung den Gütter- 
gkubens heirUtat sfciaben. 

2) BierülJir tiefer unten. 

3) M. vgl. hierüber, ausser der 8. 275, 7 an zufahren den Stelle De coelo 
Ii 9, Metaph. MI, 7. 1073, a, So ff. (». u.), wo die Gottheit all du «pianm oder 
iu oä tvnca beieiefanet und eben hieraus ihre bewegende Einwirkung anf die 
Welt 1 «fahrtet wird ^namentlich aber c. 10, wo die Frage erörtert wird: xo- 
^p"K iyit fj teftEXou füjK ~'o äfaflbv noik tb äprarov , jcÄupov xcxwpieucVov n xcA 
«■jiö ho' aiv'o, j) rij-v t*.v, Ifipjfotfpiüi, £«7tap ircpitsuji». Bei einem solchen 
liege nämlich das Gute sowohl in dem Feldherrn, aj) in der Ordnung das Gan- 
Ka , in jentm aber noch uriprüngliehor , als in dieser. Mit einem Heere wird 
nun das Weltgasse verglichen: nävr« Si euytftaxT*! icuk, öl* afy ip-oiw;, xak 

ruio», d. Hr. IL Bd. g. AWh. * 18 

, p • 



SM Aristoteles. 

stoteles an den angc führten Orten den Beweis für das Dasein Gottes, 
naeb dem sokratischen und platonischen Vorgang *), auf teleologi- 
schem Weg führte, und wenn er anderswo die zweckmässig wir- 
kende Naturkraft der Gottheit gleichsetzt *), so ist diess nicht Mos 
eine Anbequemung an unwissenschaftliche Vorstellungen , sondern 
es hat in seinem System einen guten Sinn : die Einheit und Zweck- 
mässigkeit der Weit lässt sich eben nur aus der Einheit der ober- 
sten Ursache erklären. Indessen hat der Philosoph in seinen Haupt- 
werken den Beweis für die Wirklichkeit des höchsten Wesens nicht 
ebne Grund gerade an die Untersuchung über die Bewegung ange- 
knüpft, denn diese ist es, durch welche das unvollkommene Sein des 
Endlichen an sich selbst zu dem vollendeten der reinen Form hin- 
strebt; hier ist daher der Punkt, wo die Nolhwendigkeit diesesFort- 
gangs am Gegenstand selbst am Unmittelbarsten heraustritt. 

Wie nun dieses höchste Sein naher zu bestimmen ist, muss 
sich aus dem Bisherigen ergeben. Da die Bewegung ewig ist, so 
muss sie auch stelig (ouvc^O sein , sie kann mithin nnr Eine sein. 
Eine Bewegung aber ist die , welche von Einem Bewegenden und 
Einem Bewegten ausgeht; das erste Bewegende ist also nur Eines, 
und dieses muss ebenso ewig sein, als es die Bewegung selbst 
ist '). Dass ferner dieses Eine schlechthin unbewegt ist , erhell! 



itXuTst xtti mrfiä acü puti' *& oü^ ofcuc eyti, &m [ii| Aai OadJHu xpbt D&np« 
\ufitv, «M. ' ä«rri ti, Kpbt piv fap tv Sjcavra ouvt/toxtsi, nur das« jedes Wesen, tob 
dieser Ordnung um so Tollstlndiger beherrscht werde, je edler es sei, Simlitb 
wie in einem Hauswesen , wo die Freien einer strengeren Geschäftsordnung 
unterworfen seien, «Is die Sklaven, toiaürij yäp (xiorou ipf^ aÜTÜv 15 ipiotf 
iazii. Uyu S' oloy ik y% fe fiitnpiOqvsi äy&YXi] üfcastv Ö.f)SIv, xat illx o£tw( feA* 
uv xeivuvil änarcs et; to üXov. Alle anderen Systeme, ausser dem aristotelischea, 
müssen von entgegengesetzten Pricnipien ausgehen, dieses nicht, oi vstp fem 
jvuvtiov ttii Tipiiiü) oiBft (1075, b, 21. 24). Nehme man vollends mit Spensippna 
eind ganne Reihe ursprünglicher Principien an, so hebe man den Zusammen- 
hang alles Seins auf (m. s. die Stelle igte Abth. 8. 651, 1); ts ö Svth 06 ßoi 
lim mlmittoflai x«xü<. „eäa äyaSöv jtoikvxoipavh] ■ iT; xotpivot itrnu." VgL 
XIV, 3. 1090, b, 19, wo Demselben entgegengehalten wird: oilx üuu 8* jj fJsx 
imcftttuBn« eSoa ix tüiv ?ai»opi»*)v, (uj7t£p [ioy Üitfi Tp>>f ( r^' a > an ^ Ober den Aus- 
druck fewtoluifcif Poet c 9. Hol, b, 34. 

1) B. lste Abth. ß. 115 ff. 599 f. 

I) De eoelo 1, 4, Sohl.) ö Bis« xai t\ «iiat( oftSh p^tnv icoioüaiv. 

S) Phys. VIII, *. 259, a, lt. Vgl. S. 178» 3. üeber Stetigkeit und Binhwl 
dar Bewegung wird im wichst« Kapitel weiter an sprechen sein. 



Du erat« Bewegende. 2?S 

ausser dem früher Bemerkten auch ans der Stetigkeit und Gleieh- 
mässigkeit der Bewegung; denn was bewegt wird, das kann, da es 
selbst sieb verändert, keine ununterbrochene und gleichförmige Be- 
wegung- mittheilen '3; das erste Bewegende ist demnach ein sol- 
ches, dessen Wesen die Möglichkeit des Andersseins ausschliesst, 
es ist schlechthin noth wendig, und eben diese seine absolute Noth- 
wendigkeit ist der Zusammenhalt der Welt *). Unveränderlich aber 
and die Ursache einer ewigen Bewegung kann nur das Unkör- 
perliche sein, denn das Unkörperliche allein ist keiner Veränderung 
fähig *), alles dagegen, was einen Stoff hat, ist der Bewegung 
and dem Wechsel unterworfen 4 ), kann sich so oder -anders ver- 
halten s ); alles Körperliche ferner hat eine Grösse, und jede Grösse 
ist begrenzt, das Begrenzte aber kann unmöglich eine unendliche 
Wirkung, wie die ewige Bewegung, hervorbringen, da Bewegtes 
sa wenig eine unbegrenzte, als Unbegrenztes eine begrenzte 
Kraft hat *). Das erste Bewegende muss also schlechthin un- 
körperlich, uniheilbar und ausser dem Räume, ohne Bewegung 
Leiden und Veränderung, es muss mit Einem Wort die absoluta 
Wirklichkeit, die reine Energie sein 0; woraus dann auch wieder 



1) Phy«. VIIT, 6. S&9, b, SS. c. 10. S6T, », M ff. 

2) Metapli. XII, 7. 10TS, b, 7 : for'i B' tml n xtvoüv «äti «xlvt|Tov Sv, btp-rek 
i>, rotfro oix h&f/t -ii *W.w( 1/ eiv o!Sa]iü j . . 1% avi-ptj]( äp« la&i h m xal f, äviyxfl 
'üCm (d. b. lofent ea noth wendig igt, ist es gut, denn, wie dicas sogleich er- 
W*rt wird, seine rTothwendigkHit ist -weder eine anwere noob eine bloi re- 
liuYe, sondern die sbsolnto, du ^ hSi^ijMvov SAliu(, äXX' iri.iu( iva-fxiflov) . . 
äxiomSrilJ Spa äpy^S lJpTt]T«[ £ oüpayfl; x«"i J) ^llülj. , 

3) Wie dies» nacb dem Früheren keines Beweite« mehr bedarf. Alle Yer- 
Indenug ist ja Uebergang von der Möglichkeit zur Wirklinbkeit; dleserTJeber- 
(ug i«t nur da abgeaoli. litten, wo kein Stoff, mithin kein Suvipji Sv int. Vgl. 
»Her 8. 860, 1 aueli Pbyt. VI, 4, Anf. den Nachweis, dass alle*, was tich rer 
ändert, theübar Bein »(lue. So werden wir auch finden, dass die Seele an rieb 
»lbit unbewegt sein soll. 

4) Fbya. VIII, S. 269, b, 18. Tgl. vor. Ann. and 8. SM, 1. 

5) Metapb. XII, 6. 1071, b, 20 vgl. TU, 7. 1083, *, 20. o. 10. 1034, e, 16. 
0, 8. 1060, », 8 ff 

6) Phys. VI«, 10. 26.6, s, 10 ff. 267, b, 17. Meunb, XII, 7, Sohl. 

7) Metanb. XII, fi. 1071, b, IS ff. o. 7. 1073, b, 6. c 6. 1074. a, SB. e. 9. 
l »M» b, 28. IX, 8. 1050, b Tgl. d. vor. a. ä. folg. An«. De coelö I, 0. 319, a, 
i5: 'S" ö toü ojpaveQ Maurte Sri &6Y ürw» e5n (iWxitm ■f«»'**«" «ujut. ftMpbv 
■P« Sti ettj teim ouw iuv*v «Ott yjtwf rrin *M*v Bttmp oät' «t lamf tax«! 

, ., 18» 



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976 Aristoteles. 

angekehrt mittelst des Satzes, dass alles Vielfache einen Stoff 
habe, auf die Einheit des obersten Princips und des von ihm Be- 
wegten zurückgeschlossen wird ')• Der Grund aller Bewegung, 
oder die Gottheit, ist mithin überhaupt das reine Wesen, die ab- 
solute Form Orä -rf üv eivoti tö «pflrov), die schlechthin ankör- 
perliche Substanz. Diese ist aber das Denken. Nicht allein in 
körperlichen Dasein ist die Form an den Stoff gebunden, son- 
dern auch die Seele hat eine wesentliche Beziehung zum Leibe, 
mir das reine, für sich seiende Denken at frei von aller Mate- 
rialität. Nur im Denken ist auch eine vollkommene ThätigkeiU 
Weder die hervorbringende Ocowtu»)'), noch die handelnde Op«- 
Tixri) Tbätigkeil ist vollkommen, weil beide ihren Zweck ausser 
■ich haben, und insofern gleichfalls eines Stoffes bedürfen 1 ); 

isffuxev, oStt xpövof ailta naicIpipäaxitY, oi6' faito oäBcvot oSBejaib pTapoX)] tmv 
Jtrlp tJ]v i^idtaTid tiTBTii^yii« ijjopin, ÜX' haüXoliota ia\ änaEüj -ri]v api«njV fiprm 
CwJ,v xot xijt aar ipxE(nÄt7]v ätatiXs! tov focarai bI&vb. Nach einigen Bemerkung bb 
aber den Ausdruck *K™ fuhrt »udann Aristoteles fort: tb toS narret oCpavaü 
tAo« x«1 t'o töv navr« x.P^'" v *■* ^i y äiMipia* mpäfm tAoj «luv £«tiv, öjrb wE 
&1 eTubi «Q.i]f u; iJ;y fjtoiviijiiav , äSavatoi xa\ 8slo(. S6cv xoi töI; öUoi; ^iJp-njTtti, 
Tat; H-^ BXpipYtTOptm -tS( B' ä|iaup£S(, tb [Jvai Tl xat tjjv. So »ei ja anerkannt, dass 
die höchste Gottheit (xb Oiisv tibv to upiÜTov xsl äxpiTorrav) uu veränderlich sein 
müsse. oü;t yip ällo xpifrtdv &rriv S Tt (Nominal.) xwijoei . . . , oüi' lj(Ei paöXov 
mWlv, oEt' Iv&tbz tüv aütsü xa^üjv o-jätvi; iartv. Ob diese Schilderung freilich 
aaf du» erste Bewegende oder das erste Bewegte (die äusserate Himmelsspliare) 
in beziehen sei, darüber waren schon die alten Ausleger getheüter Meinung; 
nach Bimfl. z. d- (it. gab Alezander, nnd so wohl auch seine peripatetisohen 
Vorganger, der zweiten, die jüngeren (neuplatonischen) Ezegeten der ersten 
Erklärung den Vorzug. Für Alezanders Ansicht scheinen im Folgenden die 
Worte: xst\ wtauaTon Srj xlnjaw xiveliat iiXiSfu; su sprechen, in denen duxNErtta 
mit einigen der von Simpl. beniitaten Handschriften in xwfl in verwandeln 
wegen des Weiteren kaum angeht; indessen kann als Suhjekt hiefür füglich 
2 aüpavbt erglnzt werden , wenn auch im Vorhergehenden von der Gottheit ge- 
sprochen wurde. Diess aber müssen wir deeahalb annehmen, weil der Gegen- 
stand dieser Erörterung ausdrücklich als das bezeichnet wird, was e£u toü od- 
pavoB, fijrlp tijv iJüiTÄTw <fopiv ist, als das L'nkörperliche, Unbewegliche, All- 
umfassende, das 8iio» itpürov xsi*. äxporaTov, der Grund alles Seins und Lebens. 

1) Hetaph. XII, 8. 1074, a, 31 : Sti Ge sT; oOpavbj, «aiif 6-i- H fap rcWeui 
oipaveä utimp ävflpiojtoi, fcnat eISei |ua fj inp't (mbotov äcj^i) , dpiflprfp W yi noD,i!' 
ÜA' Ü9K ipi6[iij> noXXi, CXijv ("xsi- £?; fäp lij-fo? xai h «ätbj felXßv . . tb Ök vi ^« 
dm qüx fyu SXtj» to Jcpüiov JvTcXl^sta yif. 

3) Eth. K. I, 7. c. 8. 1178, b, 8 ff., wo ausgeführt wird, dass man der 
Oottheit keine uraktiache Thatigkeit zuschreiben könne; Fcdit. VU, 3, Seil. 



Da« ente Bewegende. 277 

das höchste Wesen aber hat keinen Zweck ausser sich, weit es 
selbst der letzte Zweck ist '). Auch im Denken freilich ist noch 
die Möglichkeit von der Wirklichkeit, die Fähigkeit zu denken von 
dem wirklichen Denken (der OEupfaQ zu unterscheiden. Auf die 
Gottheit jedoch kann dieser Unterschied keine Anwendung fin- 
den, denn in ihr kann keine Möglichkeit sein, die nicht zur 
Wirklichkeit herausgearbeitet wäre, wie es denn auch im Men- 
schen nur seine endliche Natur ist, die ihm eine ununterbro- 
chene Denkthätigkeit unmöglich macht; ihr Wesen kann nur in 
unaufhörlicher, nie schlummernder Betrachtung, in schlechthin voll- 
endeter Thätigkeit besteben *), und diese Thätigkeit kann sich 
nicht verändern , denn für das Vollkommene würde jede Verän- 
derung ein Verlust an Vollkommenheit sein '). Gott ist also die 
absolute Denkthätigkeit, und eben sofern er diess ist, ist er der 
absolut Wirkliche und Lebendige, und der Urquell alles Lebens *> 
Was ist aber der Inhalt dieses Denkens? Alles Denken erhält 



De ooelo II, 12. 292, a, 22. gen. et corr. I, 6. 323, a, IS ff. (es könne dem Un- 
bewegten kein jcoifiv beigelegt werden, da dieses im Gegensatz gegen ein jtib- 
XttVBtehe). Vgl. S. 124,4. 

1) De eoelo II, 12. 292, b, 4: tö 8' i? äpiora e"xqvti qSGev Sil itpASttof Em 
■jap airb ib o5 hexa, J) 81 Ttp5?i( öei law lv iuo-lv, Ktkv x«l öS Ivex« )| xol tb toJ- 
tou rvEx«. 

2) Etb. N. X, 8. 1078, b, 20: t$ SJ) (Ski tö3 xpkmtt äcpcupoufiAsu, fci 61 
y-ÖUov toü wiceIv, t{ Itbtnni xltp hräpfo; Sert Jj toÜ BeoO ivipftia, (j.axapi<Jrnn 
Biwplpouoa, fl(iopi)TixJi Sv i% xol tölv ävAptuinW 3)] f] raiSri] juYYEVKrr&t») sJ8at[xo- 
VRWrihn. Metaph. III, 7. 1072, b, 14: Bicrriur)) 8' faw [tö npcuTOi xivouvn] ot» 
Jj apion) )iixpbv xpivov l)|fl>- oBi» -[4p £jt Ixdvö ETttv . . . IvEpytl 8t [o votsj f;(wv 
[to voijTiv] ... s!oSv oBtiuf c5 s/a, iöt Iju4i( Toxi, 5 6sb( itl, Dbujmwto'v ■ ff 81 jj.öX- 
3iov, fn 8«un«oicit£po» ■ e"j<_ei 3t 1I1S1. xa"t (ui) Be' y* tjcipx. 11 ' ^ T«P *•" ^PT et * ^ w 'li 
eVlvoj 81 ff eVp-jEta. c. 9. 1074, b, 28: man könne sieh das göttliche Denken 
weder ruhend, noch auch im blossen Potenzznstande befindlich denken, denn 
ä [it] wSijtiis (aktuelles Denken) lartv, äXla oiivajuc, [üXo-pv ftrironov eIvii tö auv- 
£jU »Stm tijj yoiJoEwt (vgL IX, 8, oben 256, 1). Ebd. Schi, (nach Bosits): wie 
das diacursive menschliche Denken (5 «vflpo'ijiivot voifc £ tüv ouvSfnov) sich in 
einzelnen Augenblicken verhalt, wenn es das Gute nicht an dem oder jenem, 
sondern als Einheit anschaut: ofj-ft* 8' e/ei h.M, a!>i;r t i $] viijoi; rbu Siravia «tüva. 

S) Metaph. XII, 9. 1074, b, 25: 8ijXov rotvuv Sn t'o Biiörarov xol tifiiÜTaro» 

VOfi X(Ä oä jlCTOßoäXci- E?( X^P° V T*P *1 H*™poMj xs\ XlV1]<j!( Tl( JjBl] TO TOLOUTOV. 

4) Metaph. XII,' '• 1072, b, 26: <paplv 81 xav 8tbv eftai Cffiov JfBiov Öpwtov, 

t&TTE Cw)l XOÜ a!ü)V aUVE)$( X« - : Ö(ElO( ÜTtÄpJ(_ £1 *9 ^*^f' Tt '''' :o T*P ^ " E( ^' ^ e c 08 ' 

II, 3. 266, a, 9: BtoÜ 8' Evs'p-fE'.a äüxiaiiz ■ xaüra 8' fori Z"\ ätöi'oj. 



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378 Aristoteles. 

seinen Werth vom Gedachten, das gdltlicbe Denkea aber kam 
Sin von nichts ausser ihm Liegendem erbalten, und nichts ande- 
res, als das Beste, zum Inhalt haben; das Beste aber ist nur a 
selbst 0- Gott denkt mithin sich selbst, und sein Denken Ul 
Denken des Denkens *) ; so dass also im göttlichen Denken, wie 
diess beim reinen Geist nicht anders sein kann, das Denken und 
sein Gegenstand schlechthin zusammenfallt *)■ Dieses wandellose 
Beruhen des Gedankens in sich selbst, diese nntheilbare Einheil 
des Denkenden und Gedachten ist die absolute Seligkeit Gottes *). 
Diese Suetze des Aristoteles über den 'göttlichen Geist enthal- 

1) Noch weniger kann natürlich ein durch Andere» hervorgerufener Afieki 
in Gott »ein; daher iler Sats (Eth. N. Till, 9. 1158, b, 36. 1169, a, i, bestimm- 
ter Eud. VIT, S und ans dieser Schrift M. Hör. II, 11. 1208, b, 27), naei die 
Gottheit niofat liebe, sondern nnr geliebt werde, daae zwischen Ihr und den 
Menschen wegen ihre» allartgrossen Abstände ron denselben keine tpiXla atttt- 
ftwto. 

3) Metaph. XII, 9. 1074, b, 17: trrt väp |u]6h wal, t( Sv i&j ti oi|«nv, tU' 
fytt & "xi il h xsBiiiBuv irrt vott, -roiitou S' äXXs xdptov, . . . <A% m t,'ipwn; 
oiaia in] ' Bti fap tou voüy to t£[iiov oOtS uTiap/^i. eti 61 . . . rf vo;t ; Jj -yöp aüri>4 
ouVov J) fnpdv it. . . . itittpov oäv Bte^pEt ti 9| oOOfcv tb voflv to xaXbv l| to tj^w; 
]) xett gttoxov -tb StavolMn mpl Wbiv; BijXov totvuv n. s. w. (s. 377, 8). Z. SS: 
wenn der veüt als solcher nur das Termitgen, in denken , wSre , SijXov , Gn üU° 
tt &» 1%) tb TijiuÜTtpciv I) 5 uouf , Tb vorjiip.Ei(ov ' xsl fap rb vortv x«t i\ 7675014 üaipie 
x«1 xb jilpiarOT vmuvti- Aar' it ftuxtbv toEto, ... oüx iv e1t| to äptorov Jj vaqaf 
«Stov ipnoii, Elicep (ort Tb xpÄTtoToV, xtt! ETTiv f] vär,ji( voijotu>c vÖTjaij. c. 7. 1072, 
b, 18: ?i 5s viijatt i) xaö' aürijv (das reine Denken) tou xaB' afirb öpforou [sc. tnij. 
x«l rj [iiXiTca TOÖ Li&XiaTDt' aü-cbv £1 voiff o voü( uti |uTal.i)<jmi toü votjtoQ- wrf-% 
■jap yttvet» Btr-r&vttV xa't voüv , iura twItov vou; xa't voirrfv. De an. III, 6. 410, 
b, 2*; ti Wtm inj ioriv jvovrlov tmv airfwv, ai-cb {autb fivc&axu xa't rSKpyc!« i« 

X«l ^BfptOTJV. 

8) 8. tot, Anm. n, HeUph. XII, 9 r ipaivncu 6' <w\ ällou fj fntmjiu] u, a. »> 
I) in' Mov +J fctLoDjfU] tb jtpäYl*«; 'rf' (iiv töüv kohitixüv ävEu BItjs Jj oioE« ij'i ti 
t£ J[y ttWc, iiA 61 tüIv 8Eiopi]Tixöiv ä lifos Tn itpäyLi« xa'i f| vSrjan. oilx Enpeti A 
5vto( tou vooujuSiou xal raä veü, Eosi [J] 61r|v ?xh tö «^Tb forat, xsu tj vdi)oi{ w 
VMUfiAau |iia. De an. III, i, Schi. (vgl. 0. G. 0. 7, Auf.): eWt |ib yip tüv im 
CXiji to «ärf fatt to vooliv xal Tb vooJ;j.eyov. 

4) Metaph. XII, 7. 1073, b, 14: Biaytu^r, 6' tVAv eT« f, apiirr, iiutfbv fjiwi 
tipülv u. S. w. Z. 37; Jv^pytia St f) xa6' air))v ixtivou [toü voü] (utJ äpiorrj xai älist 
O. 9. äBuilpriov icSv tb u.fj lfm SlijV . . . oGtu* 6' r/^tt wlri) airi); jj viTjaif tiv önnrl 
aKJva. Eth. N. TU, 16. 1164, b, 26: 1" tou Sj cptSo-i« sxXtJ ioj, äel 4j eaM) xf ; ^ 
f)6(o-TVj 6rt«f 61b £ 8tb( itt iilsv xbi än^v Ä »siii JjSovriv. Tgl. PoUt. VII, 1. 133*. 
b, 23. S. 277, 2. 4. 276, 7. 



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Dan erite Bewegende. g/$ 

teo die erste wissenschaftliche Begründung des Theismus, sofern 
hier zuerst die Bestimmung der selbstbewußten Intelligenz in Gott 
nicht blas ans der religiösen Vorstellung aufgenommen, sondern 
ins den Principien eines philosophischen Systems folgerichtig abge- 
leitet wird. Zugleich kommt aber auch hier schon die Schwierigkeit 
tum Vorschein, deren Lösung die letzte Aufgabe aller theistischen 
Spekulation ist, den Gottesbegriff so zu bestimmen, dass weder die 
persönliche Lebendigkeit Gottes über seiner wesentlichen Verschie- 
denheit von dem Endlichen, noch diese über jener verlorengeht. 
Aristoteles, um dieser Forderung zu genügen, will die Gottheit 
zwar als selbstbewussten Geist gefasst wissen; dagegen soll nicht 
Mos der Leib nnd das sinnliche Seelenleben, sondern auch die Wil- 
lensthätigkeit, ja auch alles Denken eines Andern, ausser ihr selbst, 
von ihrem Wesen ausgeschlossen, und nur die Selbstbetrachtung 
als ihre eigentümliche Tbätigkeit übrig gelassen werden ; denn 
wenn er da und dort von einem Thun oder Schaffen Gottes zu 
reden scheint *), ist diess nur Sache des Ausdrucks. Diese 
Lössog befriedigt jedoch keineswegs. Denn einerseits gehört zum 
persönlichen Leben die Tbätigkeit des Willens ebenso wesentlich, 
als die des Denkens; andererseits ist auch dieses, als persönliches 
betrachtet, immer im Uebergang von der Möglichkeit zur Wirklich- 
keit, in der Entwicklung begriffen, es ist ebenso durch die Verschie- 
denheit seiner Gegenstände, wie durch den Wechsel der geistigen 
Zustande bedingt; indem Aristoteles diese Bedingungen aufhebt, 
und die Tbätigkeit der göttlichen Vernunft auf ein durchaus ein- 
töniges, durch keinen Wechsel und keine Entwicklung belebtes 
Denken ihrer selbst zurückführt, so geht in dieser Abstraktion der 
Begriff der Persönlichkeit wieder unter. 

Keine geringere Schwierigkeit ergiebt sieb auch, wenn wir die 
Wirksamkeit Gottes auf die Welt in's Auge fassen. Da das höchste 
Wesen schlechthin unbewegt sein soll, und weder schaffend noch 
handelnd thätig ist, so scheint ihm auch keine Einwirkung auf ein 

1) Wie Polit VII, S. 132Ö, b, 28, wo abor die -päfo Gottes ausdrfckjioh 
"rf Mine olxjlot «pifen, im Unterschied von den itunpuuit np&Eii; bwohr&nkt, 
ta Wort >Ljo in demselben weiteren Sinn ganommen wird, wie Eth. N, VII 
15 (TOr. Anm.) und vorbei 2. 21. 1336, a, 21. De ooelo I, 4, Sohl.: i Sl lebe 

«u jj ^j I(t ol Jäb |UR)|V iraioEoiv, WO SCOOH dat 8»( im popullinKe» Sinn = 

tWitett. 



Higillzedb/GoOglS 



Andfres möglich zu seift; da es andererseits das erste Bewegende 
ist, ist sie nothwendig. Hier tritt nun die früher CS. 263) erwähnte 
Vorstellung ein, wornach die Form, ohne sich selbst iu bewegen, 
eine Anziehungskraft auf den Stoff ausübt, so dass dieser sich ihr 
entgegenbewegt. „Gott bewegt die Welt also; was begehrt und 
gedacht wird, bewegt, qhne sich zu bewegen. Dieses beides aber 
ist auf der höchsten Stufe dasselbe (der absolute Gegenstand des 
Denkens ist ebendamit das absolut Begebrenswerthe , das Gute 
schlechthin); denn Gegenstand des Verlangens ist das anscheinend 
Schöne, ursprünglicher Gegenstand des Wollens das wirklich Schöne, 
das Begehren aber hat in der Vorstellung (vom Werth des Gegen- 
stands) seinen Grund, nicht diese in jenem. Das Erste mithin ist 
der Gedanke. Das Denken aber wird vom Denkbaren bewegt, » 
nnd für sich denkbar aber ist nnr die eine Reihe *)* und in dieser 
ist das Erste das Wesen, und zwar das einfache und schlechthin 
wirkliche". „Die Zwecknrsache bewegt wie das Geliebte, das (von 
ihr) Bewegte aber bewegt das Uebrige" *). Gott ist also das erste 
Bewegende nur sofern er der absolnteZweck der Welt ist, gleich- 
sam der Regent, dessen Willen Alles gehorcht, der aber nicht selb«. 
Hand anlegt *). Dieses aber ist er dadurch, dass er die absolute 
Form ist. Wie die Form überhaupt die Materie dadurch bewegt, 
dass sie dieselbe sollicitirt, sich ans der Möglichkeit zur Wirklich- 
keit zn entwickeln , so kann auch die Wirksamkeit Gottes auf die 
Welt keine andere sein. So fügt sich nun allerdings diese Lehre 
auFs Beste in's Ganze des Systems ein, ja sie bildet den eigentliche» 
Schlusspunkt der Metaphysik,., da in ihr erst die ursprüngliche Ein- 
heit der formalen, der bewegenden nnd der Zweckursache und ihr 
' Verhaltniss zur materiellen vollständig zu Tage kommt; nur umso 

1) Noj|t)| 81 f| Stsp« rjttwfjjx xaO' s&nj». Unter dieser litpa owtotfj* '<& 
wie die neueren Ausleger richtig bemerken, nnd auch au» Z. 35 erhellt, die 
Reibe des Seienden oder des Guten zu verstehen. Der Ausdruck bezieht sict 
auf die pythagoreisch - platonische Lebre von den dureb Alles sich hindurch- 
siebenden GegenstUcen des Seienden und Nichtseienden, Vollkommenen «*' 
Unvollkommenen n. ». w., welche Arist. besonders in der 'ExXofJ) tSv 'Ewi*"' 
(s. o. S. 49) entwickelt hatte , und auch sonst öfters berührt ; vgl. Mettpt ■ W 
2. 1004, a, 1. IX, 2. 1046, b, 2. XIV, 6. 1093, b, 12. I, 6. 986, a, 33. Phjs.nl. | 
J. 201, b, 26. I, 9. 192, a, 14. gen. et oorr. I, 3. 319, a, 14. 

2) Hetapfa. XII, T. 1072, m, 26. b, 8 und dasu Bornas und Schwimm- 
8) Tgl. Hetapfa. XII, 10, Ant und Schi. 



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Gott and Welt. 281 

deutlicher tritt aber auch hier die schwache Seite der aristotelischen 
Bestimmungen über dieses Verhältnis* heraus. Ausser dem Mysti- 
sches and Unklaren der Vorstellung von einem Verlangen des Be- 
wegten nach dem Bewegenden zeigt sich diess auch noch in einer 
weiteren Bestimmung. Wir haben oben gesehen , dass Aristoteles 
annimmt, das Bewegte müsse immer vom Bewegenden berührt 
werden, und diese Annahme ist ihm auch schon wegen der später 
noch iQ erörternden Behauptung, dass die räumliche Bewegung die 
ursprünglichste sei, Bedürfniss. Das Gleiche mnss nun auch vom 
Verhältnis des ersten Bewegenden zur Well gelten, wie diess auch 
unser Philosoph ausdrücklich sagt*). Nun sucht er freilich die Vor- 
stellung eines räumlichen Zusammenhangs aus diesem Begriff zu 
entfernen : denn theils gebraucht er den Ausdruck „Berührung" in 
Verbindungen, in denen er offenbar nicht ein räumliches Zusam- 
mensein, sondern nur Überhaupt eine unmittelbare Beziehung zweier 
Dinge bezeichnen soll \); theils behauptet er auch *), das Bewegte 
verde zwar vom ersten Bewegenden berührt, nicht aber dieses 
'on jenem. Ist aber schon dieses ein Widerspruch, so kommt die 

tratellang des raumlichen Daseins noch auffallender in der weite- 
i Bestimmung herein, dass Gott die Welt von ihrem Umkreis aus 
in Beiregung setze. Da nämlich die ursprünglichste Bewegung 
Oberhaupt die räumliche sein soll *), von den ursprünglichen Be- 
wegungen im Raum aber keine schlechtbin stetig und gleich- 
nissig ist, als die Kreisbewegung a ), so kann die Wirkung des 
ersten Bewegenden auf die Welt zunächst nur darin bestehen, dass 
w ihre Kreisbewegung hervorbringt 7 ). Diess könnte es nun , nach 

I) ffor»nf »chonTumomsABTMoUph. o. 2.S10,24Br.nnfmerb8ammsnht: 
■'^<Vm, äXXiu? « Jtal'TOÜ äaitnou, \itrk iJwJ(.*Ki "■ ■pW ** £ oi T * xivoiiptvo. 
iehnüeh fingt später I'romlu« in Tim. 82, A. (vgl. Schjudes Arist. de Tolnnt 
fatr. BnndtDb. 1847. 8. 15, A. 42): llydp Ifi i xio[j.o{, &i tpijoi xa'i 'ApiMoti- 
%trt «Exil xwflTai icp<j( sirbv, xäBev fyti tt&Ofirifl Ifiaii; 

1) Oul st com I, 6. 323, u, 30. Pbyi. VIII, 10. 266, b, 25 ff. 

I) Metaph. XII, 7. 1072, b, 20. IX, 10. 1051, t>, 24 (s. o. 278, 2, 185, 4); 
•gl. D« «,. I, 3. 407, «, 15 ff. Theophr. Hetapn. c. 6. 819, 2 Br.: s-jtö t«ö vijl 
t ä>wfio trrdvn xat oft» KJiaji&iii. 

4) Gen. et corr. s. s. O. ■'. o. 269, S. 

•) Pbys. Vin, 7. 9[ t. xl 

6) Ebd. c 8. f. De ooelo I, 2. Met«pb. XII, 6. 1071, b, 10. 

7) %«. Till, 6, &$. c 8, Schi. M«Upb. XII, 6, Sohl. e. 8. 1078, a, IS ff. 



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Aristoteles, entweder vom Mittelpunkt oder vom Umkreis, der Wd 
aus, denn diese beiden Orte sind die beherrschenden (öpxctO da 
ganzen Bewegung; er giebt jedoch der zweiten Annahme dessball 
den Vorzug, weil sich der Umkreis offenbar schneller bewege 
als das Mittlere, das aber, was dem Bewegenden am Nächstet 
ist, sich am Schnellsten bewegen müsse '}■ Dabei kannte er nui 
wohl dem Vorwurf, dass er die Gottheit in einen bestimmte 
Baum versetze, durch seine Ansicht vom Räume zu entgehe) 
glauben, derzufolge (s. uj das, was jenseits der Grenze der Well 
ist, nicht mehr im Raum sein soll, Wir indessen würden dies« 
Grund natürlich nicht gelten lassen. Wie ferner der Gottheit in 
Verfaaltniss zu sich selbst nur die einförmige Thätigkeit eines durcb- 
aus gleichmässigen Sichselbstdenkens übrig blieb, so wird ihr in 
Verhältnis! zur Welt nur die ebenso einfache Wirkung augeschrie- 
ben, die Kreisbewegung derselben hervorzubringen. Dass sich au 
dieser einfachen und gegensatzlosen Wirkung der Reichthum des 
endlichen Seins, die Mannigfaltigkeit seiner unendlich gespaltenen 
nnd getheilten Bewegung nicht erklären lasse, hat in Betreff der 
Himmelskörper Aristoteles selbst ausgesprochen, unddesshalbaebea 
dem ersten Bewegenden noch eine Anzahl weiterer gleichfalls ewi- 
ger Substanzen angenommen, von welchen er die ei genthüm liehen 
Bewegungen der Wandelsterne herleitet *}. Das Gleiche nuiss aber 
von jeder eigenlhümlicben Bewegung nnd allen besonderen Eigen- 
schaften der Dinge überhaupt gelten: durch das erste Bewegende 
können sie nicht hervorgebracht sein, denn dieses übt auf die Welt 
nur jene Eine allgemeine Wirkung aus, wir müssen uns somit nick 
einer besonderen Ursache für sie umsehen '), Nur wird es siebt 
genügen, in dieser Beziehung wieder nur auf solches zu verweisen, 
dessen Wirkung gleichfalls allgemeiner Art ist, wie die Neigung 
der Sonnen- und Planetenbahn, aus welcher Aristoteles den Wecn- 

1) Phya. VIII, 10. 267, b, 6. De uoelo I, 9. 279, a, 16 ff. (e. o. 915, J). 
Daher die Behauptung (Seit. Math. X, SS. Hypotyp. ffi, 218), Gott sei de™ 
Aristoteles tb rcäpis roü oäpavoit. 

2) Metaph. XII, 8. 1073, m, 36. Dm Qeuraere hierüber K. 8. 

3) HeUpb. XII, 6. 1072, a, 9: wann die QleicbmäMigkeU dea Weltluft 
möglich sein soll (das nipidBu Z. 10 halte ich mit Schweuls« fflr ei« milcht« 
Einschiebsel), 86 ti i& jiAeiv iteufr&n ^vtpfoüv. «f Ei pAXji y{w.$ xa't ytapb Hai. 



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Gott und Welt 283 

sei des Entstehens und Vergebens herleitet '), du Eigentümliche 
jedes Dings and seiner Bewegung wird sich vielmehr nach allem 
früher Erörterten nur auf seine individuelle Form, auf das Wesen 
ind die Natur dieses bestimmten Gegenstandes zurückfahren lassen *> 
In welches Verhältnis« sollen nun aber diese besonderen Formen, 
welche in den endlichen Dingen als schaffende Kräfte thätig sind 
uaifer eigenthümliches Wesen ausmachen, zu der höchsten Form 
und der ersten bewegenden Kraft, zur Gottheit, gesetzt werden? 
Brandis glaubt, Aristoteles habe sich unter denselben die ewigen 
Gedanken der Gottheit gedacht, deren Selbstentwicklung die Ver- 
änderung der Einzelwesen herbeifähre, und deren harmonische 
Wechselbeziehung durch die Einheit ihres letzten Grundes verbürgt 
sei '). Allein diese Annahme hat Vieles gegen sich. Auf aristote- 
lische Aussagen kann sie sich nicht berufen *), und mit der unzwei- 



1) Gen. et Mrr. D, 10. SM, a, HS; auch hierüber wird K. 8 weiter h 
sprechen sein. 

i) Die Sab* tan s jedes Dings soll ja. in seiner Form liegen (s. o. S. 259 l.\ 
jede Substanz aber Einzelsubstanz (8. 228 ff.), and jedes Ding nur ans seinen 
üfenthQmlichen Gründen zn erklären sein (S. 170, S. 173, 3). 

S) Gr.-rBm. Phil. II, b, 57fi: Um die aristotelische Metaphysik ganz an 
•sritehin, »aasen bedeutende Mittelglieder ergänzt werden. „Zwar dass alle 
Wesenheiten auf lebendige göttliche Qedanken zurückgeführt und diese als 
die einfachen, ihnen an Grunde liegenden Träger der konkreten Wesenheiten 
and ihrer Veränderungen betrachtet werden sollen , brauchte wohl kaum aus- 
drücklich ausgesprochen tu werden, und wird durch die Frage [Metaph. XII, 
). i. o. 378, 2] angedeutet: erreichte er (der gottliche Geist) nichts durah sein 
Denken, wo blieb« d* seine Wird«? Auch dürfen wir wohl annehmen, Aristo- 
teles habe — ein Vorläufer der Leibmtziscben Monadenlehre — die Verände- 
rungen in oder an den Einzelwesen auf Selbetentwioklung der ihnen zu Grunde 
liegenden göttlichen Qedanken und die Hemmungen and Störungen in dieser 
SWbttentwioklung auf ihr Gebondansein an Stoff oder Vermögen, die harmo- 
nischen Wechselbeziehungen in den Entwicklungen der verschiedenen Einzel- 
wesen, mit Torahnung des Begriffs einer harmonia praeitabilittt, auf die Ein- 
heit und Vollkommenheit ihre* gemeinsamen letzten Grundes, des anbedingten 
göttlichen Geiste*, zurückzuführen mehr oder weniger bestimmt beabsichtigt." 
Vgl. 8. S78, wo der Mittelpunkt der aristotelischen Theologie in der Lehre ge- 
sucht wird, fldaas alle Bestimmtheiten der Welt auf Kraftthfttigkeiteu und diese 
saf ewige Gedanken Gottes aarflekzufUhren seien." 8. 677 ant: „Wie die Ton 
Sott ausgegangenen KraftthAtigk eiten , mithin auch das endliche Ton ihnen 
beseelte Sein , zu ihm znrfick streben sollen , begreift sich freilich ganz wohl." 

4) Auch die Stalle aas Metaph, KU, 9 enthalt nicht, was Bbahdib in ihr 



JigilizBdby G00gle 



284 Aristoteles. 

felhaflen Lehre des Philosophen lösst sie sich in mehr als Einer Hin- 
sicht schwer vereinigen. Den Gegenstand des göttlichen Denkens 
kann seiner bestimmten und ausführlich begründeten Erklärung zu- 
folge nur Gott selbst bilden; die endlichen Dinge können nicht Mos als 
diese einzelnen nicht darin vorkommen, sondern auch die Artbe- 
griffe oder Formen, welche das innere Wesen derselben ausmachen, 
müssen ihm fern bleiben, da sie doch immer ein Anderes, als er 
selbst, wären and tief anter dem stünden, was er allein denken 
kann, dem Göttlichen und Vollkommensten ')■ Die Formen der 
Dinge umgekehrt können nicht Gedanken der Gottheit sein, denn 
die Form ist nach Aristoteles die Substanz des Dings, Substanz aber 
ist nur das, was weder an noch in einem Andern ist *}: Gedanken 
können keine Substanzen sein, denn sie sind in der Seele als ihrem 
Substrat '}. Für die Vorstellung ferner von einer Selbstentwick- 
lung der gültlichen Gedanken in den Dingen fehlt bei Aristoteles 
jede Analogie; diese Vorstellung würde vielmehr dem Satz *) wi- 
dersprechen, dass im göttlichen Denken keine Veränderung, kein 
Uebergang von dem Einen zum Andern stattfinden könne. Wenn 
sodann Brandis alle Dinge desshalb dem Göttlichen zustreben 
lässt, weil die von Gott ausgegangenen Kraftthätigkeiten zu ihn 
zurückstreben, so legt Aristoteles selbst dieses Streben vielmehr, 
wie jede Bewegung, dem Stoffe bei, weicher sich mit der Form zo 
erfüllen und durch sie zu ergänzen begehre 6 ]. Nicht der schwäch- 
ste Einwurf gegen seine Ansicht liegt endlich darin, dass sie sieb 

sucht. Aristoteles fragt dort, wie es sich mit dem Denken des göttlichen Gei- 
sten verhalte; wenn er nichts denke (nur so darf man die Worte: ehe väp jjtSev 
voeI Obersetzen), so wftre sein Denkvermögen so wertblos, wie das eines Scbls- 
fenden, wenn er anderes, als sieb selbst, denke, wäre der Werth desselben von 
diesem seinem Gegenstand abbüngig, er nHro also nicht an and für sieb seilst 
das Vollkommenste. Dass göttliche Gedanken das Wesen der Dinge ausmachen, 
ist hiemit, wie mir scheint, nicht angedeutet. 

1) 8. 0.278,2.277,3. 

2) B. o. 228 ff. 269 f. 

3) Gerade die jittemfl") wird tob Aristoteles ab) Beispiel dessen genannt, 
was sowohl an als in einem Substrat ist; s. o. 144, 1. 

4) Oben 8. 277, 3. 

5) Vgl. 8. 279 f. 238, 1, 263, 3, und fiber die Bestimmung, dass die Be- 
wegung im Bewegten, mithin im Stofflichen, ihren Sita bat, 268, 3. 



3V G»ogle 



Gott and Welt. 385 

mit dem ganzen Charakter des aristotelischen Systems nicht ver- 
trägt. Denn wenn die Gedanken der Gottheit die Träger der kon- 
kreten Wesenheiten und ihrer Veränderungen wären, so wäre das 
Verhältniss des Endlichen zur Gottheit das der Immanenz: die Gott- 
heit würde mit ihrem Denken den Dingen inwohnen, diese hätten an 
jenem den beharrlichen Grund ihrer veränderlichen Eigenschaften; 
statt des aristotelischen dualistischen Theismus hätten wir ein Sy- 
stem des dynamischen Pantheismus. Ein solcher liegt aber nicht 
allein in den Schriften des Philosophen offenbar nicht vor, sondern 
aach seiner Schule blieb er fremd , bis der Einfluss der stoischen 
Lehre jene Verschmelzung des Verschiedenartigen und ursprüng- 
lich Getrennten herbeiführte, welche dem anächten Buch von der 
Welt und in grösserem Maasstab dem Neuptatonismus zu Grunde 
liegt *). Wie nun aber freilich das Verhältniss der besonderen und 
individuellen Formen zur Gottheit positiv zu bestimmen sei, darüber 
lässt uns Aristoteles gänzlich im Unklaren. Nach allem, was er sagt, 
können wir nur urtheilen, dass er beide nebeneinandergestellt habe, 
ohne das Dasein und die eigentümlichen Bewegungen der endli- 
chen Dinge aus der Einwirkung der Gottheit befriedigend zu er- 
klären oder eine solche Erklärung auch nur zu versuchen. Sie sind 
ihm eben ein Gegebenes, ebenso, wie ihm der Stoff ein Gegebenes 
ist, das er aus der Form oder der Gottheit abzuleiten keinen Ver- 
such macht. Die Einheit des Systems freilich, das oüx iya6ov iro).u- 
xupfzvfa, ist damit verlassen *). 

Mit dem Vorstehenden sind wir araSchluss der Metaphysik an- 
gelangt : indem Gott als das erste Bewegende bestimmt wird, geht 
die philosophische Untersuchung vom Unbewegten zum Bewegten, 
zur Natur über. 



1) Auch durch den so eben ertchienenen dritten Tu eil des Werkes von 
Bundis (8. 113 f.) »cb einem mir die obigen Bedenken niobt beseitigt in 
werden. 

2) Vgl. Theofhb. Hetaph. c. 2. 310, 11: Tb « i«ti «wt' r[5i] Xärcw Mxai 
lüUiovot jBtpl Tij; Ifiauin, aoi* xA ttvtüv, £nE(5J| jilsiw t« xuxXmä (die himmlischen 
Sphären) xat al ? opal Tf^nov p.vi Snivivriat xn'i -b iv^wtov {? man sollte eher 
ifa6bv oder Sowtov erwarten) xai öS -fipiv ätpavE(. tln jxf h tb xivoQv, öroitov tl^ 
ji^l x&vra -ri|v autfiv (sc. ?opiv Tuvfbstai) • litt *«6' Uomov Sttpov, lä t 1 «f X"' 1 "Xiiou«, 
«Wie (?) to aiiivbiw) aÜTÜv »!( optfiv Uvnuv vJjv ipiixtjju oüOijiüt yovcpdv. 



DigilizBdby G00gle 



2S6 AtlitoteU«. 

7. Die Physik. A. Der Begriff der Natur und die allge- 
meinen Grflodfl des natürlichen Daseins. 
Wenn sich die erste Philosophie nach der Absicht des Aristo- 
teles mit der unbewegten und körperlichen Wesenheit zu beschäfti- 
gen hatte, neben der wir freilich auch das entgegenstehende Princip 
in den Kreis unserer Untersuchung »eben mussten, so hat die Na- 
turphilosophie zu ihrem Gegenstand die Gesammtheit des Bewegten 
und Körperlichen als solchen ')■ Alle naturlichen Substanzen sind 
Körper oder mit Körpern verbunden; Naturwesen nennen wir die 
Körper und Grössen, das, was sie an sich hat, oder sich auf sie 
bezieht. Den wesentlichen Gegenstand der Naturwissenschaft bildet 
daher die Körperwelt *); sie betrachtet die Form nur in ihrer Ver- 
bindung mit dem Stoffe '), und auch die Seele nur in ihrer Ver- 
bindung mit dem Leibe •). Naher jedoch gehört das Körperliche 
in das Gebiet der Natur und der Naturwissenschaft nur wiefern ihm 
Bewegung und Ruhe zukommt: die mathematischen Körper sind 
keine Naturkörper, gerade dadurch unterscheidet sich vielmehr 
die Mathematik von der Physik , dass es jene mit Unbewegtem, 
diese mit Bewegtem zu thun hat *), Auch das Bewegte ist nur dann 
ein Naturding, wenn es den Grund der Bewegung in sich selbst 
hat; und dieses Merkmal ist es, wodurch sich die Naturwesen von 

1) Vgl. 8. 184,5. 

2) De coelo 1, 1, Auf.: I) xipt fiiocuc &t<onhu] afMrt fj *Xaiori| faEwnu mpi 
u <nb\utm xai [MfÄb] x«1 tb toilouv tftat -koAt, x&\ t«« xcvifatif, ht Skma\TÖc äpX'Ki 
Baai-rijs toiaüir,; oiiaiaj eioiv tüv 70p püeti ffuvwtuWv ti »A fan awfiata nai 
(iff^l (wie der menschliche Leib), tb S' Ij^ci ofijj.« nii [U-riflo( (wie der Mensch), 
tb 8' «px*\ tüv tybnwi staiv {wie die Seele). III, 1. 298, b, 27: eftit 51 toiv fisa 
lE-pjiivmv tb [jev ioriv o'JotBi tb 6' tpf a xat itbAtj toiftbiv (unter oJ(T!Bi vorstehe er 
aber hier tbeils die einfachen theila die zusamm eng ob Otiten Körper) .... <p««- 
pbv Sti tijv xXeItttjv 9Ujj.ßB(vei Tijf ntp't <piia«ii( IiropLaj «cpi uu|iAtuv fr»«' neun: 
yip b[ tp uoixot oäoiai J) oiifiM» 1) (MTB 3ü)|iiro>v YffMVTSI Mit pavftffiv. 

3) Metaph. VI, 1. 1025, b, 26 ff. (XL 7.) tt. a. 8t.; i. u. 

4) Metaph. VI, 1. 1026, a, 5: JWpt ^u^c svlb( 8ttußij«ai tou <puowo3, 8<JJ) (jlJj 
ävtu viij BXtjs JtrcCv. De an. I, 1. 403, b, T. part. an. I, 1. 641, a, 21. SB. 

5) Pbya. II, 2. 193, b, 81: der Mathematiker beschäftigt siob ebenso, wie 
der Physiker, mit der Gestalt der Körper, ÖXV aiy jj a uatxofl o<ii|a«to( tcEp&f taa- 

«TOU- OllSt TB OU|lßtj}l]xdT« StlOpß j TOSOlJtOlC (SC. SUtJlXotc,) OCMTl 3U[IpWp*»]XfV. &• MÄ 
^UpQfu' * wpi(Jtä -f Bp TiJ VQ7J1E! X!Vi;3*tü( j«tl TÖ |lkv f»P XtptTtOV «TIBI X«l t* 

äptiov n. s. w. 5m« KnijmiiX, oipE 8i x«ä fetoDv xat mdpenrat «Wn. Weiter«» *»- 
gleich, und eben, 124, 6. 



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Die Natur. 987 

Knnsterzeugnissen unterscheiden '); wogegen es doch nur einen 
Unterschied innerhalb des Naturganzen betrifft, wenn die vernünf- 
tigen Kräfte gegen die vernunftlosen durch die Bemerkung abge- 
grenzt werden, jene können sich auf Entgegengesetztes gleichsehr 
richten, diese nicht, jene seien mithin frei, diese gezwungen *)■ 

Wie nun aber an Allem Stoff und Form zu unterscheiden sind, 
so entsteht auch im vorliegenden Fall die Frage, worin das eigent- 
liche Wesen der Natur bestehe, ob in der Form oder im Stoffe. 
Für die letztere Annahme könnte man anführen, dass doch Alles 
eines Stoffes bedarf, ohne den es das, was es ist, nicht sein könnte *). 
Aristoteles jedoch kann sich nur für die andere Seite entscheiden. 
In der Fora liegt ja überhaupt das Wesen der Dinge, nur durch 
seine Form und seine Zweckbeziehung wird jedes Naturding zu dem, 
was es ist *); die wahren Ursachen sind die Endursachen, die stoff- 
lichen dagegen sind nur die unerlasslichen Bedingungen des natür- 
lichen Daseins *"). Soll daher der Begriff der Natur im Allgemeinen 
bestimmt werden, so werden wir nicht das Stoffliche in ihr, sondern 
die bewegende und formgebende Kraft in's Auge zu fassen haben: 
die Natur ist der Grund der Bewegung und Buhe in demjenigen, 
welchem diese Zustände ursprünglich and nicht blos abgeleiteterweise 
zukommen, ein Naturding ist das, was eine solche bewegende Kraft 
in sich hat *). Wie wir ms aber freilich diese Kraft näher zu den- 



1) Phy». II, 1. 192, b, 18: ti |iiv y«p piiwi (WM x4w« epatvttai fyovts It 
Saurolf »pxV *'vifasw4 not STooeu*, T« [ilv xni xinov, rä Si «n' aü£r,?iv xa\ fflioiv, 
vi $k x«' iXko-.iumi * xXfvi] 6e xdi Ili«tiov a. e. w. . . . oiiäs(iiav öpp. V ifti [ina[ioXi|4 
ejipUTW, was dann bis mm Schills» des Kapitel« weit« erläutert wild. Metaph. 
XU, 8. 1070, a, 7s fj u.h olv t^vr, äpx4 ' u Z&y h £ < 9^'i »PX*) EV *&*$■ E1 >d. 
IX, 3. 1046, b, 4: die rf(ni sind ap^ai uitap^msl ev e&lru J äUn. 

2) Metaph. IX, 2, Auf. o.5. c. 8. 1050, a, 30 ff. De intern», c 18. 22, b, 89," 
8) Pbyi. II, 1. 198, a, 9—80. Metapn. V, 4. 1014, b, 26. 

4) PbyB. II, 1. 198, 4, 28 ff. c. 2. 194, a, 12. Metaph. a. a. Ü. Z. 35 ff. 
part au. I, 1. 640, b, 28. 641, «, 29. b, 28 ff. 

5) Dm Genauere hierüber tiefer unten und S. 260 i. 

6) fhTI. U, 1. 192, b, 20: A« o5stk tijt ftfseo« äpxij« w»( «Ä «W*f "3 » 
vffafl« xcl ijp£[ifi» iv w fliipx" tpü-cw« jt«6' aite xa'i fii) laii autißcßqxät. Z, 32 : 
?tac |üv o5v iari to £t]0t'v ■ qsiimv 8i tysc Boa Totatf-njM e^ti äp/ii«. Metaph. V, 4, 
Bohl.: fj np<iTi] ipijatt xxt xupiuc Xeyo(Uvi] igit* f, oüata 5j TÜv tydvta" ipxV *t**i- 
tuai iv «Antft J «ä™. VI, 1. 1025, b, 19 (XI, 7. 1064, s, 16. 30): nipt fäp t^» 
WKwlop irt* eOaim ft ipuotxi]] iv jj ^ ipxft i^s »miof«* ui «i«ut & ««^ (»der, 



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268 Aristoteles 

ken haben, darüber giebt uns Aristoteles keinen genügende« Arf- 
schluss. Einerseits behandelt er die Natur als ein einheitliches 
Wesen, er legt ihr eine bestimmte, alle Theile der Welt durch- 
dringende und verknüpfende Zweck Hurtigkeit bei, er redet von den 
Absichten, welche sie in ihren Erzeugnissen zn verwirklichen 
strebe, wenn sie auch dieselben wegen der Beschaffenheit des 
Stoffes nicht immer durchzusetzen vermöge, kurz, er äussert sich 
so, dass man sie sich kaum anders vorstellen kann, als nach Ana- 
logie der menschlichen Seele und der platonischen Weltseele '); 
und bestreitet er auch die letztere in ihrer platonischen Fassung 
ausdrücklich, bemerkt er ferner, dass die Zweckthaligkeit der Natur 
nicht aus Ueberlegung entspringe, wie die eines menschlichen Künst- 
lers *), kann überhaupt an eine wirkliche ernstlich gemeinte Per- 
sonifikation der Natur bei ihm nicht gedacht werden, so wird 
jene Analogie dadurch nicht aufgehoben ')- Andererseits be- 
trachtet er aber doch unläugbar die lebenden Wesen als Einzel- 
Substanzen, er schreibt ihnen ein individuelles Lebensprincip zu, 
und wie sich dieses zn jener einheitlichen Naturkraft verhält, hat 
er nirgends angedeutet, und ohne Zweifel gar nicht untersucht. 
Ebensowenig belehrt er uns irgendwo über das Verhaltniss der Natur 
zu der göttlichen Ursächlichkeit *)■ Wenn er es mit dem Begriff 
des Göttlichen strenger nimmt, legt er nur der vernünftigen Natur 
Göttlichkeit bei B ); die Natur im Ganzen will er auf diesem Stand- 



Z. 26: Ktr.\ toidüto« ot SS tari iuvarbv jttvflrttn). Dabei ist ea gleichgültig, ob die 
Katar nnr als Grand der Bewegung-, oder zugleich aueb als Grand der Rabe 
bezeichnet wird, denn Bähe (^pepfc, ainai;) kommt nach Arist. nur dem au, 
welchem auch Bewegung zukommt oder doch zukommen kannte, sie ist nV 
die oripiptf xmfoeu«, Pbya. III, 2. 202, a, 8. V, 2. 226, b, 12. c 6, Auf. VI, 3. 
234, a, 32. e. S. 239, a, 13. VIII, 1. 251, a, 26. 

1) Belege hiefttr finden sich unzählige; statt alle« Andern wird es genü- 
gen, auf unsere demnächst folgenden Erörterungen über die Zweakthitigk«it 
In der Natur tu verweisen. 

2) Wie diess beides an seinem Orte gezeigt werden wird. 

3) „Analogie" bezeichnet ja nicht Gleichheit, sondern Aehnliehk^it. 

4) M. vgl. tum Folgenden Bbasdis III, a, 1 IS ff. 

5) So B*rt. an. II, 10. 656, a, 7: *, *fip u*»» prellt [tb töJv ivdjxümn 
•fimt] toD Ottou twv Jjjttv ■j-vtupiij.uv !;<iiuv % [*iXiOT* ximn. IV, 10. 686, a, i'l: 
der Mensch hat aufrechte Gestalt 8ii tu tJjv ftSatv ailroü ist rijv oämani jh*i Otiw 
tp-rov St toü OEiotiTou Tb voiiv *ai Dpmtlv. Eth. N. X, 7, 1177, a, 18 ff. (Tgl. obn 



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pnnkt nicht göttlich, sondern dämonisch genannt wissen *> Anders- 
wo redet er aber auch wieder im Sinn der griechischen Volksan- 
sicht, welche das Walten der göttlichen Kräfte unmittelbar in den 
Naturerscheinungen erkennt und verehrt: »Gottheit* und »Natur« 
stehen gleichbedeutend '), und allen Naturwesen, auch den gering- 
sten, wird etwas Göttliches zugestanden "). Das gleiche Schwan- 
ken ist aber auch im System des Philosophen begründet. Sofern die 
Gottheit das erste Bewegende ist, müssten alle Bewegungen im 
Weltganzen von ihr ausgehen, die Naturkraft könnte mithin nur ein 
AosQuss ihrer Kraft, die Naturursachen nur eine bestimmte Erschei- 
nung ihrer Ursächlichkeit sein. Sofern sich dagegen die Wirksam- 
keit des ersten Bewegenden darauf beschränkt, die Drehung der 
äussersteo Himmelssphäre hervorzurufen, ist diess unmöglich: wenn 
vielmehr schon innerhalb der himmlischen Welt der obersten Gott- 
heit in den Sphärengeistern eine Reihe von untergeordneten ewigen 
Wesen zur Seite tritt, so wird sich die ungleich grössere Mannig- 
faltigkeit der Bewegungen in der irdischen Welt noch viel weniger 
ohne die Annahme selbständiger Substanzen mit eiser eigenartigen 
Bewegungskraft erklären lassen. Wodurch dann aber die Ueber- 
einstimmung dieser Bewegungen, ihr Zusammentreffen in einer 
iweckmässigen Weltordnung bewirkt wird, lässt sich schwer sagen; 
durch die natürliche Einwirkung des ersten Bewegenden auf die 
Welt kann sie nicht erzeugt sein, an ein unmittelbares Eingreifen 
der Gottheit in den Weltlauf aber kann auf dem Standpunkt des 
uutoteliscfaen Systems auch nicht gedacht werden, nnd eine bei- 
läufige Berührung des gewöhnlichen Vorsehungsgtaubens *) giebt 



Ul, 1); der vouj ist das Göttliche im Menschen, daher die theoretische Thltig- 
töt die hOohete. . 

1) Divin. p. a. o. 2. 46B, b, 12: da anch Thiere trBumen, können die 
Trlnm« nicht gottgesandt sein, wohl aber dämonisch; Jj yip tfümt Bwfiovia, 
tß! rf Bau*. 

S) De coelo I, 4, Schi.: £ Üsbj *A 5) fiaii oi&kv liitr^ itoioGoiv. Gen. et ooir. 
A 10. 336, b, 27 ff. Eth. N. X, 10. 1179, b, 21 : tb [ilv oJv tfy «pilotu; (die sitt- 
liche Anlage) . . . Bii nvi; ÖEta; aitia; to"; ü; akrfiSii tÜTu^aiv bx&ffzi. Die (tfai 
*W entsprechen hier der platonischen fit!« [lolpa (s. 1. Abtb. 372, 5). 

3) Eth. K. VII, 14. 1153, b, 38: xbna yip fvut ex« xi efiov. 

4} Eth. N. X, 9. 1179, a, 22: £ St x«i voüv ivcpfuv xot tqütov Otpamduv 
<• iuxtlptvot äpitrca xoH feo<pLXsoT«TO( Joimv et«» - tl fäp tu iiiiji&Ein tüv ä»8pe>- 
"w»n Wo fltöjy ^Evran, fiomp Soxft, aal eTt] äi eüXb-jov xaipeiv tt aCtout tu ipiariu 
PWm. i Ot. II. Bd. t. AMh. 19 



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290 Aristotoles. 

uns kein Recht, diesen Glauben Aristoteles selbst zuzuschreiben. 
Es bleibt so im Dunkeln, ob wir uns die Natur als eine einheitliche 
Kraft oder eine Gesammllieit von Kränen , als etwas Selbständiges 
oder als einen Ausfluss der göttlichen Wirksamkeit zu denken, oder 
ob wir vielleicht nnd wie wir beide Betrachtungsweisen zn ver- 
knüpfen haben. — Doch lassen wir unsern Philosophen seine Nalur- 
ansicht weiter entwickeln. 

Der wichtigste Begriff für die Naturphilosophie ist dem eben 
Erörterten zufolge der Begriff der Bewegung. Wir mussten nun 
diesen Begriff seinen allgemeinen Bestimmungen nach Schon früher 
erörtern; es ist daher hier nur noch übrig, dasjenige nachzutragen, 
. was die physikalische Bewegung im engeren Sinn betrifft, und 
desshalb im Bisherigen noch nicht berücksichtigt werden konnte. 

Die Bewegung ist, wie früher gezeigt wurde, im Allge- 
meinen das Wirklichwerden dessen, was Mos der Möglichkeit nach 
ist. Seine nähere physikalische Bestimmung erhält dieser Begriff 
durch die Untersuchung über die Arten der Bewegung. Aristoteles 
unterscheidet deren drei: die quantitative Bewegung oder die Zu- 
und Abnahme, die qualitative Bewegung oder die Verwandlung, 
und die räumliche oder Ortsbewegung, wozu dann als Viertes noch 
das Entstehen und Vergehen hinzukommt *). Alle diese Arten der 



xA ity 8«ntvs9T«T(ii (toSho S* äv A\ h VDÜ4) x«\ Toi*t %a!cü)VTat (jJAltcb toTfto i«i 

»pirwywe. 2n % x&rui -raika trä ao^S, [i41:t6' 6itb(>yti., ai>x äSqXoir. Isaf Afcwtrat 
Spa. Es liegt am Tage, das» Arist- hier nur rom Standpunkt der ga wohnlichen 
Vorstellung aus folgert; er selbst schreibt ja der Gottheit keine nach aussen 
gehende Wirksamkeit su. 

1) Phys. T, 1. 226, a. o. 2. 226, a, 28. Oasselbe MeUph. XI, 11. 13 vgl 
ebd. Vin, 1. 1042, *, 32. XII, 2, Auf. PhjB. VIII, 7. 260, «, 26. 261, a, 82 ff. 
VII, 2, Auf. gen. et wirr, I, 4. 819, b, 31. De an. I, 3. 406, », 12. long. r. 3. 
466, b, 80. De coelo IV, S. 810, a, 25. Kateg. c. 14, Anf. Aristoteles unter- 
scheidet hier im Allgemeinen drei Arten der Veränderung (juiaßo)J|): der 
Uebergang ans einem Seienden in ein Seiendes, aus einem Seienden in eis 
Nichts eien des, und aas einem Niohtseienden in ein Seiendes. Das Erste ist die 
Bewegung im engem Sinn, das Zweite das Vergehen, das Dritte das Entstehen. 
Von der Bewegung nun werden die oben angefahrten Arten (die xlvjjais xcu 
(Kartet, xercä JtnOos nnd xaiä idxov, wie es Phys. VIII, 7. 260, b, 26 heisst) sn- 
(egeben, das Entstehen nnd Vergeben aber auch wieder susammengenoraiBen, 
und insofern vier Arten der [itraßoMl anfgesählt: i] xa-i w zi (ftVsoit aa\ (Dopa), 
)) xatä vt jtoabv {aü^rjait xei fSiat;), J| x«i tb Jtwbv (iXloteiiait),, f[ xati tb mw 



Arten der Bewegung. 291 

Bewegung führen aber in letztet Beziehung auf die dritte, die räum- 
liche Bewegung zurück. Untersuchen wir sie nämlich genauer, so 
besteht fur's Erste die Zunahme oder das Wachsthum darin, dass 
zu einem irgendwie geformten Stoff anderer Stoff hinzutritt, der 
mit ihm potentiell identisch, aktuell aber von ihm verschieden ist, 
und die Form des ersten Stoffes annimmt, also in der Vermehrung 
der Materie beim Beharren der Form; ebenso die Abnahme in der 
Verminderung der Materie, während die Form dieselbe bleibt *~). 
Alle quantitative Veränderung setzt mithin theils eine qualitative 
theits eine Ortsveränderung voraus *). Ebenso ist aber von diesen 
die zweite Voraussetzung der ersten. Denn jede Verwandlung ent- 
steht durch das Zusammentreffen eines solchen, das sie hervorbringt, 
mit einem solchen, in dem sie hervorgebracht wird, eines Wirken- 
den und eines Leidenden *); dieses Zusammentreffen ist aber nur 
durch räumliche Berührung möglich, denn immer muss das Leidende 
vom Wirkenden berührt werden, wenn auch nicht nothwendig 
dieses von jenem; die Berührung aber kann nur durch räumliche 
Bewegung zu Stande kommen *)■ Auehdie letzte Art der Verfln- 

(ipof i). Dm die Bewegung in keiner andern ausser den genannten Kategorieen 
möglich sei, wird Phye. V, 2 des Näheren nachgewiesen. Die 8 ubstana Verän- 
derung (Entstehen and Vergehen) will Arlst. hier nicht Bewegung genannt 
nisten (ebenso c 5, 229, a, SO); anderswo befesst er auch sie darunter, indem 
er Bewegung und Veränderung gleichbedeutend gebraucht. 8. o. S. 266, 2. Von 
der räumlichen Bewegung werden Pbys. VII, 2. 243, a, 21 {vgl. De an. I, S. 
106, a, 4) zwei Arten unterschieden: Seibetbewegung und Bewegung durch 
Anderes. Die letztere hat wieder vier Formen: &£■(, iüat{, oytpti, Smjtrif die 
dritte uiid vierte derselben lassen sich jedoch auf die zwei ersten zurückführen. 
Vgl. VIII, 10. 267, b, 9 ff. De an. III, 10. 433, b, 36. ingr. an. c 2. 704, b, 22 
(mot an. c. 10. 703, a, 19); minder genau iet Ehet I, 5. 1361, b, 16. Die üjl; 
ilt entweder töai( im engeren Sinn oder 7tli)Y»i; Meteor. IV, 9. 386, a, 33. De 
an. II, 8, 419, b, 13 Tgl. Prob). XXIV, 9. 936, b, 38. Ideleb. Arist Meteor. 
0,601. 

1) M. s. die ausführliche Erörterung gen. et corr. I, 5. 

2) Phys. VIII, 7. 260, a, 29. b, 18. 

3) noieiv im physikalischen Sinn ist dem Aristoteles gleichbedeutend mit 
«ümoS», nio^iiv mit äUoioüuflai. Vgl. Phys. III, 3, Schi.: «XXotow« jilv -jap Jj 

flS ttXAoiWWU, jj ÖXJoUütbV, llT&ijtUf fCI Sk YVtl>pip.lUTEpOV f| TOU SmliflEl ^OlTjTlXOÜ 

wi nSsjuoG fi TOMtfw, Gen. etcorr. 1,6. 822, b, 9. 323, a, 17: oO -jap oTov K 
**" tb xwoBv iwrfiv, tr«p tq itotoüv ivti8rjoo[«v tö nio^over toüto ä' otj fj n!vi)- 
«« ««W R&Bct St *«,6' Saov iWoioüTM povov. 

4) PhjB. VIII,, 7, 360, b, 1 ff. wo nach weiter bemerkt wird, das's alle 

19* 

L zsd ,Gooq1c 



292 Arlitotele«, 

derung jedoch, die Ariitoleles nicht mr Bewegung im' eigentlichen 
Sinn gerechnet wissen will '}, das Entstehen und Vergehen, beruht 
am Bnde doch wieder auf der räumlichen Bewegung. Denkt man 
sich freilich ein absolutes Werden oder Vergehen, so könnte ein 
solches keine Bewegung genannt werden, da das Substrat der Be- 
wegung selbst dadurch erst entstände oder wieder aufgehoben wurde; 
dieses absolute Werden oder Vergehen ist aber in Wahrheit nicht 
möglich *), Alles wird vielmehr aus einem Seienden und löst sich 
in ein Seiendes auf 8 ); nur dieses bestimmte Ding entsteht und ver- 
geht, aber sein Entstehen ist das Vergehen eines anderen, and Bein 
Vergehen das Entstehen eines anderen *)■ Sofern sich daher du 
Entstehen und Vergehen von der Verwandlung unterscheidet, be- 
trifft dieser Unterschied doch nur das Einzel ding; dieses verwan- 
delt sich, wenn es als Ganzes bleibt und nur seine Eigenschaften 
sich verändern, es entsieht oder vergeht, wenn es als Ganzes zu 
sein anfängt oder aufhört 6 ); sehen wir dagegen auf dasWeltganze, 
so fallt das Entstehen und Vergehen theils mit der Zusammensetzung 
und Scheidung theils mit der Umwandlung der Stoffe zusammen *> 

qualitativen Veränderungen auf Verdünnung und Verdichtung zurückfahren, 
die nicht ohne Orts Veränderung müglich seien. Gen. et corr. 1, 6. 332, b, 21 ff. 
o. 9.327, a, 1 Tgl. S. 268 f. 

1) 8. o. Dasselbe sagt von der peripate tischen Schule üherhaupt Bjkit.. 
Phys. 201, b, n.; doch bemerkt er selbst, dass s. B. Theophrast sich nicht 
streng an diesen Sprachgebrauch binde. 

2) Wie diess gen. et corr. I, 3 unter Anderem auch daraas bewiesen wird, 
dass langst aller Stoff aufgezehrt sein müsste, wenn das Vergehen wirkliche 
Vernichtung wäre (818, a, 13). 

8) Phys. Yin, 7. 861, a, 3: 60W7' äv $ ytYKrtf iUca icptÜT7) töv normal 
81I toCto, !ti ftv&Q« 3(1 tb 7rp«Y]j.a itpuWov. ii 6' ly' Ivb? [ikv i-muouv t«3v ynop*- 
viuv oBtoj( t/it, all' feepev avaYxsftov icpörEpov ti mviloBai tGv yneixivuv 8» ritb 
xat [i)j -fivJjjLEVav, *«i roiirou Erspov jtp inpov. Vgl. 6. 268. 

4) Gen. et oorr. I, 3. 8 18, a, 23 : 6i4 rfe tty to58c pflop&v öliou ttvm -rtvwi*, 
*»\ tJjv toüBs yeifHFiv ällou ilvai <p9opiv äjcausrtov ävorptoüov tTvai rijV [utkSoIij». 
ebd. 819, a, 20. II, 10. 886, b, 24. Vgl. 8. 270. 

5) Gen. et corr. I, 2. 317, a, 20: «cm yip f eW( inlfl Ml fflQpa ei ovripiotf 
k»\ Stampfe«, ÖX' 8™ (xet«G41X>] &t TotS8e tlt Toät SXqv. Eine älloWi; finde statt, 
wenn die jcäöj) , ein Entstehen und Vergehen, wenn das 5ite<xt![iCTov entweder 
seiner Form (Wyo;) oder seinem Stoff nach eich andere. 0. 4. 319, b, 10: 
«Alotwoiä |iav fataj, 8t«v SnopAonot toO änoiEipivou, ato9>]ToiS ävwj, (iXTSJWXA;) h 
to1( a4wü niflwiv . , . , itov ff Slov |i6taß41Xji [iij finouivovTos olat^TOÜ ttvoj 0« 
ijtomipivou, to5 aätoD . . . ytnmt »[ÜJ] To toioüiqu, tou Sc ci flopa. 

6) VgL Meteor. IV, 1. 878, b, 81 ff., wo gefolgt wird, das Word« hetUfci 

, ;) ,Gooq1c 



Arten der Bewegung. 293 

Diese aber sind beide durch ihre räumliche Bewegung bedingt *)• 
Alles, was entsteht, hat seine Ursache, alles Werdende setzt ein 
Seiendes voraus, durch das es hervorgebracht wird, und da nun 
dieses (nie oben bei der Verwandlung) nicht ohne räumliche Be- 
wegung wirken kann, so muss eine solche allem Entstehen voran- 
gehen *)■ 1*1 abor di e räumliche Bewegung früher, als die Ent- 
stehung, so muss sie auch früher sein als das Waehsthnm, die Ver- 
änderung, die Abnahme und der Untergang; denn diese können 
doch nur an dem vor sich gehen, was vorher entstanden ist B ). 
Diese Art der Bewegung ist mithin die erste sowohl der Ursächlich- 
keit als der Zeit und dem Begriff nach *). 

Nichtsdestoweniger ist Aristoteles weit entfernt, die Natur- 
erscheinungen blos aus ihr und somit blos mechanisch erklären zu 
wollen, wie diess die Atomistik versucht hatte. Schon für die rein 
physikalischen Vorgänge reicht diese Erklärung seiner Ansicht nach 
nicht aus, da sich viele derselben nur als qualitative Veränderung, 
als Umwandlung der Stoffe, auffassen lassen 6 ). Die physikalische 
Betrachtung erschöpft ja aber überhaupt den Begriff der Natur nicht: 
über den stofflichen Ursachen stehen die Endursachen, denen jene 
zu dienen haben; diese finden aber in der mechanischen Naturer- 



flsrin, dasa bestimmte Stoffe durch die wirkenden Kräfte nach einem gewissen 
Verfall tuiss gebunden und umgewandelt werden, das Vergeben in der Uabsr- 
wlltigung des Bestimmenden (der Form) durch das Bestimmt«. 

1) Vgl Phys. VIII, 7. 260, b, 8: x&vtwv töh nsßr^cttav äpx>) ^""vüjoi; x*l 
|imuxjt; . . . Jtdxwoot; Sl xcä li&yiuai; oijpipiaii xat Siixpimt, xafl' &', f evwif x>\ <pflopi 
UftTMTSl oilorüv. au^xpivdjuva Bi sott Siaxpivifisvi tt&fxtj xari tiitov [uTajmXfiv. 

2) A. a. 0. 261, a, 1 ff. gen. et corr. II, 10, Auf. 

3) Phys. VIII, 7. 261, b, 7. Weiter wird hier für die Priorität der rftnm- 
liehen Bewegung angeführt: dass sie ohne die andern, diese nicht ohne ele 
möglich seien, denn ohne die Bewegung de* Himmele wäre weder Entstehen 
eoeh Vergehen, weder Waehsthnm noch Ötoffv er wandlang, wogegen jene ohne 
sie sei, da auf den Bimmel keiner von diesen Begriffen Anwendung finde (960, 
b, 19 ff. Tgl. gen. et corr. a. a. O.); daas sie allein dem Ewigen ankomme, und 
ebne Unterbrechung in's Unendliche fortgebe (260, b, 29. 261, a, 27 ff.); daai 
sie gnade desahalb ihrer Natur nach die erste sein müsse, weil sie beim Ein- 
r.tlwesen der Zeit nfctth zuletzt komme (260, b, 30. 961, a, 13); das« diese Be- 
wegung die Natur des Bewegten am Wenigsten verändere, und das aioh selbst 
Bewegende sie vorzugsweise hervorbringe (361, a, 20). 

4) A. a. 0. 360, b, 15 ff. 

5) 8, 8. 209, 1. 210, 5. 



JigiiizBdby Google 



jfQ4 Aristoteles. 

klärung eines Demokrit keinen Baum l }- Wenn eudljch alles Werden 
als ein Uebergang vom Möglichen nun Wirklichen, als Entwicklung, 
zu Tassen ist, und trenn die Bedeutung der aristotelischen Natur- 
philosophie nicht zum kleinsten Theil darauf beruht, dass sie zuerst 
diesen Begriff der Entwicklung möglich gemacht und mit Bewusst- 
sein an die Spitze gestellt bat, so liegt am Tage, dass Aristoteles 
Ansichten nicht gutheissen konnte, welche ausdrücklich von der 
Läugnung des Werdens und der qualitativen Veränderung ausgin- 
gen, um dafür nur eine räumliche Bewegung unveränderlicher Stulle 
übrig zu lassen. Neben die Ortsveränderung tritt daher noch in 
Gebiete des Stofflichen die qualitative Veränderung als eine aweile 
Quelle natürlicher Vorginge; beiden aber sieht die ZweckthättgkeÜ 
der Natur gegenüber, welche das Körperliche und Natornothweii- 
dige als Mittel für sich verwendet- 

Auf die räumliche Bewegung beziehen sich nun zunächst die 
Untersuchungen, durch welche Aristoteles in der Physik den Begriff 
der Bewegung näher erläutert: über das Unbegrenzte, den Baum, 
die Zeit, die Einheit und Stetigkeit der Bewegung *) u. s. w. 

Das Unbegrenzte 8 ) hatte in der bisherigen Philosophie eine 
bedeutende Bolle gespielt; Plato und die Pytbagoreer hatten es so- 
gar zu dem einen Bestandteil eller Dinge und insofern zu etwas 
Substantiellem gemacht. Aristoteles zeigt zunächst, dass diess un- 
möglich sei, dass das Unbegrepzte nicht einen Subjekts-, sondern 
nur einen Eigenschaftsbegriff ausdrücke *). Sodann weist er nach, 
dass sich eine unbegrenzte Grösse überhaupt nicht denken lasse. 
Denn wenn sie ein Körper sein soll, so ist der Körper das, wis 
durch Flächen begrenzt ist; soll sie eine Zahl sein, so ist jede Zakl 



1) B. o. 211, 3 vgl, iq. S. 250, 2. 

2) Et bezeichnet zw« diese Begriffe III, 1. 200, b, 16 ff. o. i, AnLin 
Allgemeinen aU not che, welche au der Erörterung fibar die Bewegung gehören 
und die drei ersten bespricht et B. III. IV vor dem Abschnitt Aber die Ams 
der Bewegung, aber die Art, wie er sie behandelt, beweist, daes er dabei dock 
vorzugsweise die raamliohe Bewegung im Auge hat. 

3) Dass er diesen Begriff untersucht , begründet Arist. Pbys. III, 1. 2» 
b, 15 mit den Worten : Boxft 8' f] x-Luijut; ihm xüv auvt/üJ'', -a 5' ämif ov ä|»finR» 
Kpwiov fo Ttj> ouvi^ß, c. 4, Anf. mit der Bemerkung: die Naturwissenschaft*» 1 
siehe eich auf Grössen , Bewegung und Seit, welche slmmtliah entweder bt- 
grenzt oder unbegrenzt seien. 

4) Phys. IU, 5. 204, e, i. o. ß. 214, 8. 224, 0. 



JigilizBdby G00gle 



Dia Unbegrenzte. 295 

en solch«, wtt sich zählen lässt, was man aber zahlen kann, d»s 
ist nicht anendlich *). Was endlich im Besondern die Möglichkeit 
eines unbegrenzten Körpers anbelangt, so könnte ein solcher weder 
zusammengesetzt noch einfach sein. Das Erste ist unmöglich, denn 
da die Elemente der Zahl nach begrenzt sind, könnte aus ihnen nur 
dann ein Unbegrenztes entstehen, wenn eines von ihnen der Grösse 
nach unbegrenzt wäre; neben einem solchen hätten dann aber die 
übrigen keinen Raum *)■ Ebenso undenkbar ist aber anch das 
Andere. Denn fur's Erste giebt es (in der diesseitigen Welt) keinen 
Körper ausser den vier elementariscben, und es kann auch keinen 
geben, aus dem allein Alles wurde, da sich alles Werden zwischen 
Entgegengesetztem bewegt; von mehreren ursprünglichen Körpern 
kinn aber keiner unbegrenzt sein '). Sodann hat jeder Körper sei- 
nen natürlichen Ort, in dem er bleibt und nach dem er hinstrebt, 
and eben hierauf beruht der Unterschied des Schweren und Leich- 
ten; es muss überhaupt jeder Körper in einem bestimmten Baume, 
an einem Ort sein; im Unendlichen dagegen ist kein bestimmter Ort, 
kein Unterschied des Oben and Unten, der Mitte und des Umkreises, 
des Vom and Hinten, des Rechts und Links *). Wenn ferner der 
Augenschein zeigt, dass die Körper sich theils im Kreise bewegen, 
wie die Himmelskugel, theils in gerader Linie auf- und abwärts, 
wie die Elementarkörper, so wäre im Unbegrenzten keine von bei- 
den Bewegungen möglich; die eine nicht, weil jeder Kreis an und 
für sich begrenzt und jede Kreisbewegung Drehung um einen Mit- 
telpunkt ist, den es im Unbegrenzten nicht giebt 6 ), die andere, 
weil sie ihren Anfangs- und Endpunkt hat*); das Unbegrenzte 
könnte sich überhaupt nicht bewegen, denn um irgend einen Weg, 



1) A. s. 0. 304, b, 4. 

2] &. e. 0. 204, b, 11 vgl. De eoelo I, 7, Anf. 

t) A. ft. O. 204, b, 23. 

i) A.a.O. 206, a, 8 bis «um Schlnss des Kan. IT, 8. 316, a, 8. Da ooafe 
U.Ante. 7. 274, b, 8. 29. 276, b, 6 ff. Das Gleiche wird o. 6. 278, a, 21 ff. 
dusni bewiesen, dam unbegrenzte Körper unendlich schwel oder leicht sein 
warnten, ein unendlich Schweres oder Leichtes aber könne es schon desshalb 
'iaht geben, weil sich sin solches nur an endlich schnei], also gsr nioht bowe- 
pB konnte. 

5) Wie diese De eoelo L 5. 271, b, 26 ff. 272, b, 17 ff. o. 7. 276, b, 12 
»oifSirlicher, sie nothwendig, gezeigt wird. 

6) Da eoelo 1, 6, Ant Einiges Weitere c. 7. 276, b, 16 ff. 



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296 Arlitotelai. 

euch den kleinsten, zurückzulegen, halte es eine unendliche Zeit 
nöthig ')■ Was endlich bei dem Griechen, der sich kein formloses 
Sein denken kann, für sich schon entscheidet: das Unbegrenzte als 
solches ist das Unvollendete and Gestaltlose; unbegrenzt nennen 
wir das, was der Grösse nach nicht bestimmt werden kann, was 
nie fertig und ganz ist, was sich nicht so begrenzen lässt, dass 
nicht immer ein Theil davon ausserhalb läge *); zum Ganzen und 
Vollendeten wird das Unbegrenzte erst, wenn es durch die Form 
umschlossen wird. Die Welt aber kann nur als Vollendetes und 
Ganzes gedacht werden *)• Das Unbegrenzte kann daher nie als 
solches in einer wirklich vorhandenen unendlichen Grösse gegeben 
sein *}■ Wir können es aber freilich auch nicht ganz beseitigen. 
Die Zeit und die Bewegung, welche von ihr gemessen wird, ist 
ohne Anfang nnd Ende, die Grössen lassen sich in's Unendliche 
theilen, die Zahl lässt sich in's Unendliche vermehren s ). Es bleibt 

1) Ebd. c. 6. 272, s, 21 ff. Phys. VI, 7. 238, s, 36. 

2) A ris t. sagt : oi y™P <& <*>)8fcv föu, aW.' ol aal ti e£<" Ivb, tqut' iittcpiv eotiv, 
wobei aber freilich die Bündigkeit des Gegensatzes uiit in den Worten liegt, 
denn o! [ATjSkv e^iu hdsst: das, intsrr dem nichts ist, öS h.i -.<. t&u dagegen: 
das, von dem immer ein Theil ausserhalb ist, 

3) Pbys. m, 6 s. o. 242, 3. gen. an. I, 1, 715, b, 14 : \ 81 <piiotf <bsJyil t» 
änsipov tb [iiv yfy äntipov ä-reXlt, ^ !t c ifoi; nil £>)tfl tAo(. Den Einwurf »bei 
(c 4. 103, b, 22 ff.), daaa der unendliche Raum auch einem unenAlofcen Körper 
voraussehe, beseitigt er später (IV, 5. 212, a, 31. b, 8. 16 ff. De eoelo I, 9. ». 
o. 275, 7) dnrcli seine eigenlhüm liehe Bestimmung des Raumbegriffs : da der 
Baum nichts anderes sein soll, als die Grenze de« Umsebliessenden gegen du 
Umschlossene, so ist dte Grenze der Welt selbst, seiner Meinung nach, nicht 
im Baume, nnd jenseits ibrer ist kein Banm, weder leerer noch erfüllter. 

4) Phys. III, 5, Schi.: oti [ib oäv itef-six oük Cm oü|>K ämipov, <jsvtpbv h 
toutov. c E. 206, a, 16: tb 61 uJyzÜos Bti x«t' htpfiiov oui forty ämipov, c^ijnr 

ebd. b, 24, 

5) Pbya. III, 6, Anf.: St; 3' d [t»J eVh» iwjpav snXöj;, tnXXa äBihawi ob|*- 
pofvEi, Bijlov. toü te yip ^pfvov lsT«i w< ip;(j) mit TtXttrri), xeft tä [uf*] °& Biaipera 
e?5 p.t"l^fc], *«t ipiV*' °äx &rrat örrtipo;. Im Besonderen beweist Ariat. 1) die 
Anfangs- und Endlosigkeit der Zeit, nnd ans ihr die der Bewegung, derer, 
Maass die Zeit ist, neben dem, was 8. 270, 2 angeführt wurde, Phys. VT1I, 1. 
261, b, I0ff. mit der Bemerkung: dajedesJetct ■wisoben Vergangenheit nnd Zu- 
kunft in der Mitte stehe, jeder Zeitpunkt aber ein Jetzt sei, so lasse siohsch]eoht- 
hin kein Zeitpunkt denken , welcher nicht eine Zeit vor und hinter sieh hatte, 
mithin keiner, welcher ein erster oder ein letzter, Anfang oder Ende de*- Zeit 
wäre. 2) Fttr die unbegrenzte Theilbarkeit der ■ Grossen macht er gehend: 



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Dw Unbegrenzte. 297 

somit nur übrig, dass das Unbegrenzte in gewissem Sinn sei, in 
linderem nicht sei, dass es, mit anderen Worten, zwar als ein Mög- 
liches, aber nicht als ein Wirkliches Dasein habe. Die Theilnng der 
Raiimgrössen geht in's Unbestimmte, aber es giebt ebendesshalb 
keinen anendlich kleinen Theil, die Vermehrung der Zahl hat keine 
Grenze, aber es giebt keine unendlich grosse Zahl 0, das Unend- 



kein Stetiges , weder Eaumgröese noch Zeit noch Bewegung, könne aus Un- 
theilljsrem bestehen, denn eine stetige Grösse bilden (nach Phj-s. V, 3. 237, e, 
10) nur solche Theil grossen, die einen gemeinsamen Endpunkt haben, im Ueb- 
rigen iber ausser einander Hegen, nntheilbare Grössen dagegen müssten ent- 
weder ganalicb ausser einander sein, so dass sie gar keinen Berflhrnngapnnkt 
killen, oder ganzlich «Mammen fallen (Phya. Vt, 1, Anf. Tgl. gen. et corr. I, 2. 
31",«, 2 ff. De coelo III, 8. 306, b, 22); die Annahme an tbeilbarer Körper, 
Fliehen oder Linien sei mit den Grnndbestimmangeu der Mathematik unver- 
träglich (Dp ooelo III, 1. 2SS, b, 33 ff. c 5. 803, a, 20. c. 7. S06, a, 26 Tgl. die 
Schrift it. irf|i«>v -fp a|iu.<7jv) ; ebenso würde sie aber die allgemeinste physika- 
lische Erscheinung, die Bewegung, unmöglich machen, denn an einer nntheil- 
huen GrüHsencd in einer antheiibaren Zeit lasse sieb nicht Eines früher durch- 
wandern, als das Andere, es könnte mitbin in Betreff eines jeden von den Un- 
heilbaren, nnd also anch in Betreff des Ganzen, da« aus ihnen zusammengaaetst 
ist, immer nur ein Bewegtge Wesens. ein, nie ein Bewegtwordea stattfinden (Fbys. 
Vi, 1. 231, b, 18 ff. Tgl. c. 2. 233, a, 10 IT. c. 9. 239, b, 8. 31), es wäre daher 
anch jeder Unterschied des Langsameren und Schnelleren unmöglich (ebd. c. 2. 
233, b, 15 ff.). Ein Untheilbares könne sich nicht verändern, denn was sich 
verändert, sei theilweiso in dem früheren, theilweise in dem späteren Zustand 
(Pnve. VI, 4, Anf.). Was dann noch insbesondere die mitheilbaren Elementar- 
torper und Elementarilficbun Demokrit's und Plato's betrifft, so werden an« 
uuser den angefahrten noch eine Reihe weiterer Einwürfe gegen sie spater 
begegnen. Daas es endlich 8) keine grösste Zahl giebt, und somit die Zahl 
einer unendlichen Vermehrung fähig ist, dies« bedarf, da es niemals bestritten 
worden Ist, aunh keines Beweises. 

1) Phys. III, 6. 206, a, 12 ff.: xß« iitv lim [tb Actio»], ic5( ff o5. Xt^ti« 
^ to sW vb (iiv SuvJiiue tb St h-^Xf/sii, xa\ tö äireipav fest iuv 7tpocBeati fett St 
tu ifouptet- to Bt [t/yiflof !ti filv xar' htpfiiav oix form Sjciipov, Etpijtii, fy.ztpisr. 
i' imvf oü -räp ^aXtnbv ävelstv Tat ärd|ioue Ypou.[j.i(- JUlxtsoi c5v Suv&pti itrxi tb> 
ntipov, Mar dürfe diess nicht so verstanden werden, als ob diese Möglichkeit 
jemals rar Wirklichkeit werden könnte. ätti si ibsitpov od Sß Xajipivsi* ü; 
tue Tl.. . iU' ätt h -rtvfon 1) fdgef a. s. w. o. 7. 207, b, 11 (über das Unend- 
liche der Zahl); uns Suvafui jiiv iotrv, ^vrpfefa 8' öS- ÖXV 4t\ äwpfÜXXsi tb X»|t- 
Saviuevo» *avri>< topisfi&rnj icXi]6ouc. ÖXX' od jrupurabt h jepc9ia.be oEtoj -rift Biyota- 
|>ia{, QijSi [jivii f, aitttala iXXä fitem, fiorap xal h xpovos xa\ 8 aptflitb; tdE jrp jvou. 
Von der unendlichen Theilnng wird auch gen, et corr. I, 2. 816, a, 14 ff. nach- 
gewiesen, dass sie nie wirklich vollendet lein könne, also nur der Möglichkeit, 



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liehe kann mit Einem Wort nie als ein fertiges dargestellt «erden, 
sondern es ist nur als ein Werdendes gegeben, und zwar in ent- 
gegengesetzter Richtung: denn die Ausdehnung ist einer unendli- 
chen Theilung fähig, aber keiner unendlichen Vermehrung, die Zahl 
umgekehrt einer unendlichen Vermehrung, aber keiner unendlichen 
Theilung, da das Eins die kleinste Zahl ist *). Nur im Gebiete des 
Unkörperlichen ist ein wirklich Unendliches, das Unendliche der 
Kraft, möglich; auch dieses bringt sich ja aber nur in einer Reihe, 
welche nie abgelaufen ist, in der endlosen Bewegung der Welt, zur 
Erscheinung *}. 

Fragen wir weiter nach dem Begriff desRaumes, so ist dieser 
nach der Ansicht unseres Philosophen für's Erste nicht die Grenze 
oder die Gestalt der einzelnen Körper, denn is diesem Fall würden 
sich die Körper nicht im Räume, sondern mit ihrem Räume bewegen, 
es könnten nicht mehrere Körper nach einander in denselben Raum 
eintreten. Ebensowenig fällt er mit der Materie der Körper zu- 
sammen, denn auch diese ist von dem Körper, der im Raum ist, 
nicht zu trennen, und sie ist nicht das Umfassende, sondern das Um- 
fasste. Er besteht aber auch, drittens, nicht in der Entfernung zwi- 
schen den Enden jedes Körpers, denn diese wechselt gleichfalls mit 
den Körpern, der Raum bleibt aber immer derselbe, was sich auch 
in ihm befinden und bewegen mag. Der Raum ist vielmehr zu be- 
stimmen als die Grenze des nnuchliessenden Körpers gegen den 
umschlossenen *). Der Ort jedes einzelnen Körpers 5 ) wird daher 
von der (inneren) Grenze des ihn umfassenden gebildet, der Raum 
im Ganzen von der Grenze der Welt *). 

nicht der Wirklichkeit nach gegeben sei. Ebendeuhalb, weil ee Hob äuviju: 
ist, wird du Unendliche den stofflichen Ursachen srageishlt (». o. 343, 3). 

1) Phyo. III, 7. Die Zeit allerdings ist auch nach Arial, »wohl Back 
rückwärts «1* nach vorwärts unendlich. 

3) S, o. 375, 6. 

3) Ph7s.IV, 1— 4 vgL besonders 311,0,6 ff. 209, b, 31 ff. 

4) td jap«; tou jcipir^ovroc o<ü[iaio(, oder genauar ; tö toS mpvl/wmi K^jfwt 
ÄxIyijtov lcpüio*. Vgl, De ooelo IV, 8. 310, b, 7. 

5) Der TGiot to"*oj, wie er Pbys. IV, 3, Anf. genannt, und dem *o«*t sonst 
entgeg